Sabine Kempka-Beth aus Mönkeberg im Kreis Plön hat ein seltenes Hobby. Vor 23 Jahren entdeckte sie, wie viel Freude es ihr bereitet, Federn zu bemalen. An ihrem Esstisch entstehen federleichte Kunstwerke, mit denen sie auch anderen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubert.
Foto: Silke Bromm-Krieger
Gerade hat sie eine kleine Kreativpause eingelegt. Aber nun, wenn die Tage wieder länger werden und der Frühling vor der Tür steht, wird sie wieder fast täglich am Esstisch oder bei wärmerem Wetter im Garten sitzen und sich begeistert ihrer Passion widmen. „Durch einen Fernsehbeitrag über eine Künstlerin, die Federn bemalte, wurde ich zufällig auf mein späteres Hobby aufmerksam. Die filigrane Federkunst, die ich dort sah, beeindruckte mich sehr. Ich dachte gleich: Das will ich auch ausprobieren“, schaut die 63-Jährige zurück. Schon von Kindesbeinen an liebte es die gebürtige Niedersächsin aus der Nähe von Uelzen, künstlerisch kreativ zu sein. Sie zeichnete und bemalte Ostereier. Später kam sie zum Studium der Kunstgeschichte in die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt, lernte hier ihren zukünftigen Ehemann kennen und blieb.
Die Federn für ihre ersten Versuche waren Möwenfedern, die sie bei Spaziergängen an der Kieler Förde sammelte. Den größten Teil des benötigten Nachschubs steuert jedoch Schwester Gabi bei. Sie wohnt noch in der alten Heimat und führte mit ihrem Mann lange einen Milchviehbetrieb. Auf ihrem früheren Bauernhof ist heute eine kunterbunte Schar Federvieh zu Hause.
Foto: Silke Bromm-Krieger
„Hier gibt es verschiedene Hühnerrassen, Enten und Gänse. Wenn die ihre Federn verlieren, bekomme ich die schönsten und besten Exemplare für meine Kunst“, freut sie sich und greift zu einem Beutel, in dem sie Einzelstücke in den unterschiedlichsten Längen und Farbnuancen sicher verwahrt. Sogar ein paar Pfauenfedern sind darunter. Bevor die Hobbykünstlerin anfängt, auf einer Feder zu malen, säubert sie sie. „Man kann sie tatsächlich in ein Wäschenetz geben und dann in der Maschine im Handwaschgang mit ein wenig Feinwaschmittel vorsichtig waschen“, fand sie heraus. Nach dieser Prozedur landen sie zum Trocknen auf einem Handtuch. Danach sucht sie sich eine Feder aus und überlegt, welches Motiv passend sein könnte. Farbe, Form und Muster der Feder geben dabei das Motiv vor. Anfänglich malte die Mutter zweier Söhne meist Tiere und Vögel, später wagte sie sich an Windmühlen, Strandkörbe, Elfen oder Segelschiffe heran. Bald wurden Menschen in ihrem Umfeld auf die federleichten Kreationen aufmerksam und fragten an, ob sie auch ein geliebtes Haustier oder einen anderen, individuellen Motivwunsch bei ihr in Auftrag geben könnten.
Irgendwann kam die Teilnahme an Hobbykünstlermärkten hinzu. „In diesem Jahr geht es Ende März wieder mit dem Habyer Frühjahrsmarkt los unter dem Motto ‚Frauen stellen aus‘. Der Austausch mit den Besuchern und anderen Ausstellerinnen ist immer toll. Das macht mir viel Spaß“, schwärmt sie. Gern gewährt sie Interessierten einen Einblick in ihr künstlerisches Schaffen.
Foto: Silke Bromm-Krieger
„Mein kreativer Prozess beginnt mit dem Grundieren der Stelle, auf der ich mein Motiv zeichnen möchte. Hierfür nutze ich die Acrylfarbe Titanweiß“, bemerkt Sabine Kempka-Beth. Um das anschaulich zu machen, baut sie flink ihren Arbeitsplatz auf. Lampe, Lupe, Acrylfarben, Farbpalette, ein Glas Wasser, einige dünne Marderhaarpinsel und eine Feder als Malgrund, mehr braucht sie nicht. Sie greift zum Marderhaarpinsel, grundiert sehr dünn eine Mini-Fläche auf der ausgewählten Feder und skizziert danach konzentriert und mit ruhiger Hand, frei ohne Vorlage, den Umriss einer Eule in Braun.
Wenn diese Feder fertig bemalt sein wird, wird sie sie so belassen, wie sie ist. Von einer abschließenden Fixierung sieht sie ab. Alles soll so natürlich wie möglich bleiben. Bei Motiven, die sie erstmals gestaltet, helfen ihr Ansichtsfotos, um jedes Detail naturgetreu auf die Feder zu bannen. „Bei einer winzigen Feder mit einem winzigen Motiv nutze ich zusätzlich eine Lupe, um alles besser sehen zu können“, bemerkt sie, während sie für die klitzekleinen Augen der Eule einige Tupfer in Orange und Schwarz aufbringt.
Waren es zunächst nur Federn, die sie bemalte, so entwickelte sie ihre Kunst über die Jahre autodidaktisch und experimentell immer weiter. Sie besuchte Volkshochschulkurse und beschäftigte sich mit der Technik der Aquarellmalerei. Neben einzelnen verzierten Federn, die sie beispielsweise auf Briefkarten klebt oder für ein Lesezeichen einlaminiert, gestaltet sie nun ebenfalls Bilder mit einem überraschenden dreidimensionalen Effekt, der bei längerer Betrachtung sogar noch intensiver wird. Dafür klebt sie die fein bemalten Federn auf eine Leinwand, erhöht optisch mit kleinen Pads das Motiv und bindet dann die Feder harmonisch in eine von ihr gemalte Landschaft in Aquarell ein.
Foto: Silke Bromm-Krieger
„Oft können die Betrachter auf den ersten oder zweiten Blick gar nicht erkennen, dass in das Bild eine Feder oder mehrere Federn eingearbeitet sind. Sie nehmen es erst später wahr und staunen.“ Deshalb habe sie für ihren Stand auf den Hobbymärkten mittlerweile ein Schild dabei, auf dem geschrieben steht „Malerei auf Federn“. Und dann plaudert sie ein bisschen aus dem Nähkästchen, erzählt, dass bei den Besuchern Katzen- und Vogelmotive hoch im Kurs ständen, dass nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder mit großen Augen fasziniert vor ihrem Stand stehen blieben und dass es bisher erst einmal einen Malwunsch gab, den sie unerfüllt ließ.
„Ein Mann, der zu Hause Spinnen hielt, wollte, dass ich seine Tarantel auf einer Feder verewige. Er kündigte an, mir dafür vorab Fotos seiner Spinne zu schicken. Ich lehnte ab, weil ich Spinnen überhaupt nicht mag. Ich male am liebsten Motive, die mir gefallen und die mir Spaß machen“, gesteht sie.
Über Instagram (malerei_auf_federn) nahm eine Dame aus Bayern Kontakt zu ihr auf. „Dreimal hintereinander gönnte sie sich selbst zu Weihnachten ein federnes Kunstwerk ihrer grauen Katze. Ich hatte freie Hand, wie ich ihren Liebling in Szene setzte. Es war für sie jedes Mal eine Freude und Überraschung, die Päckchen am Heiligabend auszupacken.“ Auch an den Auftrag eines Zoomitarbeiters, der sie bat, auf einer Uhufeder einen Uhu zu zeichnen, erinnert sie sich gut.
Ihre Kunst ist für Sabine Kempka-Beth längst nicht nur Hobby, sondern eine Hommage an die Natur. „Mir ist es wichtig, die kleinen Dinge in der Natur wertzuschätzen, an denen man sonst unachtsam vorübergeht, ohne sie richtig wahrzunehmen. Federn mit ihren oft magisch schimmernden Farben sind für mich wahre Wunderwerke“, stellt sie heraus. Auch sei die Feder ein Symbol für Leichtigkeit, Macht und Stärke. Für manche sei sie Glücksbringer und Talisman. Es werde angenommen, dass die Malerei auf Federn eine der alten Traditionen der indigenen Völker sei.
Doch sei diese Art der Malerei keineswegs ein Selbstläufer. Bis man sie vollends beherrsche, dauere es. „Es erfordert gute Augen, viel Geduld und Feingefühl, weil die zu bemalende Fläche sehr klein ist. Manchmal braucht es eine Weile, bis ich mit dem Ergebnis zufrieden bin“, verrät die Künstlerin. Wenn sie sich am Morgen an den Tisch setze, um zu malen, tauche sie ganz in ihre Beschäftigung ein, vergesse alles um sich herum. Zufriedenheit stelle sich ein. „Manchmal schaue ich dann zufällig auf die Uhr und stelle erstaunt fest, dass es plötzlich schon Mittag geworden ist“, schmunzelt sie. Weitere Infos über sie und ihre Kunst gibt es unter malerei-auf-federn.de




