„Nicht gemeckert ist gelobt genug“ lautet ein in Norddeutschland verbreitetes Sprichwort. Es steht für die Haltung, dass fehlende Kritik bereits die höchste Form der Anerkennung sei. Mit Blick darauf, was Landwirtinnen und Landwirte derzeit trotz multipler Krisen leisten, müsste dieser Kommentar also eigentlich hier enden …
… andererseits brauchen wir positive Geschichten und Vorbilder, an denen wir uns orientieren können. Das hilft, um optimistisch in die Zukunft zu schauen. Ein Mutmacherin ist Lisa Ladewig. Sie hat ihren Gemischtbetrieb nach der Übernahme weiterentwickelt und profitiert jetzt von verschiedenen Standbeinen. Trotz langer Arbeitstage engagiert sie sich ehrenamtlich im Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH) und betreibt vielfältige Öffentlichkeitsarbeit.
Ladewig steht beispielhaft für viele starke Frauen in der Landwirtschaft, deren Leistungen gemäß dem oben genannten Sprichwort noch zu oft mit Schweigen honoriert werden. Nicht von ungefähr haben die Vereinten Nationen das Jahr 2026 zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft erklärt.
Für mehr Sichtbarkeit der Frauen auf Landesebene machen sich unter anderem der LandFrauenVerband und das BVSH-Unternehmerinnen-Netzwerk stark. Zur Norla haben sie besondere Aktionen geplant – Besuche des LandFrauenpavillons und des BVSH-Standes im Bauerngarten auf der Messe in Rendsburg lohnen sich.
Darüber hinaus richtet die Leistungsschau der Landwirtschaft in diesem Jahr den Fokus auf die Landtechnik. Zu bestaunen sind Drohnen, Feldroboter, Präzisionsverfahren und KI-Systeme. Aber es wird auch politisch, denn in weniger als acht Monaten ist Landtagswahl. Gespannt ist der gesamte ländliche Raum auf die Botschaften, die Ministerpräsident Daniel Günther und Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (beide CDU) mitbringen. Hier darf es gern mehr als lobende Worte geben. Die Menschen außerhalb staatlicher Institutionen fordern einen Haltungswechsel: mehr Vertrauen, weniger Verwaltung.
Dass dies möglich ist, beweist die Landwirtschaft beim Ostseeschutz. Richard Bonse beschreibt, mit welch hohem Einsatz in den fünf Ostseebeiräten freiwillige Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden. Wenn Behörden noch dabei helfen, dass die notwendige Dokumentation einfach und praktikabel ist, sorgt das für Lust statt Frust.
Die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein hat viele Stärken, darunter die Vielfalt der Produktionssysteme, topausgebildete Landwirtinnen und Landwirte, gute Standortbedingungen und eine starke soziale Einbindung in das Landleben. Dies noch stärker zu fördern ist Aufgabe der Politik. Das bedeutet, die Rahmenbedingungen so anzupassen, dass faire Wettbewerbsbedingungen, mehr unternehmerische Freiheit und planbare Investitionen möglich sind. Denn aufgrund der derzeitigen Marktsituation brennt es auf den Betrieben. Lob ist wichtig, aber damit lassen sich weder Betriebsmittel noch Mitarbeitende bezahlen.



