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Transparenz als Trumpf

Lisa Ladewig vom Hof Schmidt im Interview
Von Dr. Robert Quakernack
Mindestens zwei Mal täglich schaut Lisa Ladewig nach den Legehennen.

Lisa Ladewig leitet mit Ihrem Mann einen konventionellen Gemischtbetrieb mit Direktvermarktung in Sarnekow, Kreis Herzogtum Lauenburg. Über ihren Arbeitsalltag und die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft sprach sie mit dem Bauernblatt.

Wie würden Sie Ihre Rolle auf dem Hof beschreiben?

Ich bin die Betriebsinhaberin und gemeinsam mit meinem Mann auf unserem Hof tätig. Er kümmert sich schwerpunktmäßig um die Landwirtschaft und ich mich um die Vermarktung und das Büro. Vieles, was wir produzieren, vermarkten wir im Hofladen.

Wie verläuft ein typischer Arbeitstag bei Ihnen?

Morgens versorge ich erst die Schweine. Wir haben durchgängig 20 bis 30 Tiere, von groß bis klein, die ausschließlich direkt vermarktet werden. Immer wenn geschlachtet wird, kommt Nachschub. Wir arbeiten mit zwei Ferkelerzeugern zusammen. Anschließend schaue ich, ob im Hofladen alles geregelt ist. Oft backe ich für den Verkauf oder erledige andere Arbeit, die ansteht. Wir kochen viel selbst ein und versuchen, möglichst alles selbst zu verarbeiten. Zu unserem Sortiment gehören unter anderem Marmeladen, Fruchtaufstriche, Grütze, hausgemachte Wurst und sauer Eingelegtes.

Nachdem im Hofladen alles geregelt ist, gehe ich ins Büro, um dort anstehende Arbeiten zu erledigen. Ich bin zudem für unsere 600 Legehennen zuständig, die wir in selbst gebauten Hühnermobilen halten. Dort bin ich einmal um die Mittagszeit und am Ende des Arbeitstages. Alle unsere Eier werden ab Hof vermarktet. Nachmittags steht für mich eine weitere Schicht im Hofladen an. Dort wird gemeinsam mit einer Mitarbeiterin zum Beispiel Fleisch verpackt, Wurst eingeschweißt und natürlich verkauft. Ein bisschen Familienzeit ist danach auch drin. Am Ende des Tages schaue ich noch einmal nach den Hühnermobilen. Da wir in Waldnähe wohnen, gibt es hier Raubwild, und nicht alle unsere Legehennen gehen von allein in den Stall. Im Moment passiert das gegen 21 Uhr. Danach ist Feierabend.

Wann sind Sie Betriebsleiterin geworden?

Im Jahr 2017 hat mein Mann den Betrieb von meinem Vater gepachtet. Ich war zu diesem Zeitpunkt noch außerhalb tätig. Drei Jahre danach habe ich den Betrieb von meinem Vater übernommen.

Wie ist Ihr Mann als mitarbeitendes Familienmitglied finanziell abgesichert?

Tatsächlich ist es oft so, dass die Frau nicht abgesichert ist. Bei uns ist die Rollenverteilung andersherum. Wir sind gerade dabei, Regelungen zu treffen, falls etwas passieren sollte.

Wie haben Sie den Betrieb nach der Übernahme weiterentwickelt, und was sind Ihre Zukunftspläne?

Meine Eltern hatten eine Kartoffeldirektvermarktung. Wir haben das mittlerweile deutlich ausgebaut, mit Fleischerzeugnissen, Eiern und vielem mehr. Entsprechend haben wir den Hof umgestaltet. Außerdem engagieren wir uns im Bereich Bauernhofpädagogik. Vorteilhaft ist, dass wir auch mit dem ÖPNV gut erreichbar sind. Wir freuen uns, Menschen für die Themen der Landwirtschaft zu sensibilisieren. Das klappt besonders gut im Austausch mit Kindern und Lehrkräften. Wir beteiligen uns sowohl bei „Schulklassen auf dem Bauernhof“ der Landwirtschaftskammer als auch an der Bildungsoffensive für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz des Kieler Landwirtschaftsministeriums. Es gibt zudem individuelle Anfragen, zum Beispiel im Bereich Gewaltprävention durch den Kontakt mit Tieren.

Wo und warum engagieren Sie sich ehrenamtlich?

Ich bin Mitglied im Vorstand des Kreisbauernverbandes Herzogtum Lauenburg, weil ich den Verband in seinem Bestreben unterstützen will, jünger und weiblicher zu werden. Obwohl ich keine gelernte Landwirtin bin, sondern Hauswirtschaftsmeisterin, habe ich mein gesamtes Leben in der Landwirtschaft verbracht. Ich interessiere mich vor allem für das Image der Agrarbranche, also den Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Aufgrund unserer Direktvermarktung bekommen wir sehr gut mit, was der Verbraucher will und wo die Reise hingeht. Das ist bei einer Zusammenarbeit mit dem Großhandel anders.

Was sind typische Verbraucherfragen?

Häufig werden wir gefragt, ob hier alles Bio sei. Ich erkläre dann, was konventionell zu arbeiten bedeutet, nach dem Motto „So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig“, und diskutiere die Bedeutung von regionaler Produktion. So hat man tolle Möglichkeiten, die Verbraucher von der heimischen Landwirtschaft zu überzeugen.

Wie stark wechselt Ihre Kundschaft?

Wir haben eine große Stammkundschaft, aber es gibt auch viele „Vorbeifahrkunden“, die uns sehen und interessiert sind. Einige kommen mit ihren Kindern aus Hamburg, kaufen ein, schauen bei den Tieren vorbei, essen noch ein Eis und fahren wieder heim. Unser Hof liegt nah an der Autobahn und gleichzeitig direkt in der Natur. Das wissen viele Kunden zu schätzen.

Sauerfleisch gehört zu den Kassenschlagern im nach Lisa Ladewig benannten LiLa-Hofladen. Fotos: rq

Hat Ihre Teilnahme an den NDR-Hofgeschichten zu einem Kunden-Plus geführt?

Zu größerem Interesse in jedem Fall. Viele freuen sich, dass sie dadurch noch einen ganz anderen Einblick in unseren Betrieb bekommen. Wir sind halt nicht nur Bullerbü. Es geht bei den Aufnahmen zum Beispiel um Pflanzenschutzmitteleinsatz, Erntetechniken und Kälberzukauf. Natürlich gibt es auch mal komische Kommentare, aber die meisten Rückmeldungen sind positiv.

Wünschen Sie sich mehr Wertschätzung für gute Öffentlichkeitsarbeit?

Ja, ich würde die Einführung eines Transparenzsiegels begrüßen. Wir nehmen uns viel Zeit für Gespräche. Kunden können sich unsere Tiere angucken und in den meisten Fällen sogar sehen, was sie fressen. Ich finde, dass jede Person, die beispielsweise Milch trinken will, einmal einen Milchviehbetrieb in der Nähe besuchen sollte, um festzustellen, ob die Haltung für sie oder ihn so passt.

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2026 zum Jahr der Frauen in der Landwirtschaft erklärt. Hat das für Sie eine besondere Bedeutung?

Ja, wir wissen, dass die Frauen in fast allen Teilen der Welt für die Landwirtschaft und die Bearbeitung der Äcker zuständig sind. Hier in Deutschland wagen zum Glück immer mehr junge Frauen den Schritt zur Betriebsleiterin. Teilweise sind sie bereit, größere Risiken einzugehen als Männer, weil sie oft kreativer sind. Ich denke darüber hinaus, dass landwirtschaftliche Unternehmerinnen und Unternehmer die Betriebsstrukturen den eigenen Interessen anpassen sollten, um erfolgreich zu sein. Männern widerstrebt es jedoch oft, Gewohnheiten zu verändern. Frauen sind da doch oft findiger und probieren Dinge aus. Wenn unsere Tochter einmal Pferdeliebhaberin wird und einen Pferdebetrieb aufmachen möchte, werde ich sie dabei unterstützen.

Haben Sie Erfahrungen damit gemacht, als Betriebsleiterin nicht ernst genommen zu werden?

Es ist in vielen Lebenslagen so, dass man als Frau unterschätzt wird. Oft sprudele ich vor Ideen und bekomme dann Dinge zu hören wie „Das ist zu viel“ oder „Nun ist gut“. Aber wer Veränderung will, muss auch einmal etwas ausprobieren. Sehr positiv empfinde ich daher die Stimmung in Frauennetzwerk-Veranstaltungen. Dort feiern wir uns dafür, was wir können, was wir leisten und wer wir sind. Ich bin immer ganz beseelt, wenn ich von solchen Veranstaltungen komme. Mehr von dieser Stimmung wünsche ich mir auf allen Landwirtschaftsveranstaltungen.

Kann das Unternehmerinnennetzwerk im Bauernverband dabei unterstützen?

Auf jeden Fall. Ich fand es super, dass Sprecherin Kathrin Rehders auf dem Deutschen Bauerntag in Freiburg den Preis der Landjugend für die weiblichste Landesdelegation entgegengenommen und so die Sichtbarkeit der Frauen in der Landwirtschaft gestärkt hat. Aber auch dass die Landwirtschaftskammer mit Ute Volquardsen eine Präsidentin hat, ist eine tolle Sache. 

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