StartNachrichtenPflanzeBeim Dinkel trennt sich die Spreu vom Weizen

Beim Dinkel trennt sich die Spreu vom Weizen

Sortenwahl, Saatgutqualität und Vermarktung entscheiden über den Anbauerfolg
Von Anna Schwinger, Landwirtschaftskammer SH
Dinkel ist im Ökolandbau eine wichtige Kultur, die anspruchslos ist und gute Deckungsbeiträge erzielen kann. Wichtig ist aber, die Vermarktungswege zu klären und die Erzeugung von Qualitätsware sicherzustellen – einen Futtermarkt für Dinkel gibt es nicht. Foto: Anna Schwinger

Dinkel ist im Ökolandbau eine etablierte Kultur. Im Vergleich zu Winterweizen stellt er geringere Anforderungen an Bodengüte und Nährstoffversorgung. Bei zu hoher Stickstoffverfügbarkeit kann das Lagerrisiko steigen. Bei wechselhafter Witterung sollte Dinkel rechtzeitig gedroschen werden, damit die Fallzahlen im optimalen Bereich bleiben.

Aktuell sind die Preise für Ökodinkel weiterhin stabil und gut. Um eine Marktüberlastung zu vermeiden, sollte der Anbau mit der aufnehmenden Hand abgestimmt werden. In den vergangenen Jahren schwankten die Dinkelerlöse deutlich. Vor allem das Angebot beeinflusste die Preise.

Aussaat mit oder ohne Spelz?

Bei der Aussaat von bespelztem Dinkelsaatgut können Vesen beziehungsweise Spindelstücke die Drilltechnik verstopfen. Brückenbildungen im Saatguttank können den Saatgutdurchfluss beeinträchtigen; Fehlstellen werden oft erst beim Feldaufgang sichtbar. Daher bieten Züchter und Saatgutvertrieb zunehmend entspelztes Saatgut an, und die Nachfrage danach in der Praxis steigt.

Dennoch bestehen Vorbehalte: Befürchtet werden Nachteile durch den Verlust der natürlichen Schutzhülle. Hinzu kommen die Kosten für das Entspelzen. Ein positiver Effekt des entspelzten Saatgutes ist neben der Vermeidung von Verstopfungen, dass das Saatgutvolumen deutlich sinkt. Mit einer Tankfüllung der Drillmaschine kann somit deutlich mehr Fläche bestellt werden.

Dreijährige Feldversuche aus Niedersachsen zeigen weder im Ertrag noch beim Feuchtkleber signifikante Unterschiede zwischen entspelztem und herkömmlichem Saatgut im Spelz. Dies setzt natürlich immer voraus, dass die Keimfähigkeit und Triebkraft des entspelzten Saatgutes verifiziert werden. Beeinträchtigungen sind durchaus möglich.

Eine der im LSV angebauten Dinkelsorten musste zur Ernte 2026 aus der Auswertung gestrichen werden, da die mangelnde Keimfähigkeit zu lückigem Feldaufgang und Mindererträgen geführt hatte. Eine Berücksichtigung der Keimfähigkeit und sicherheitshalber auch der Triebkraft sowie die Einrechnung der Tausendkornmasse des Saatgutes sollten bei allen Kulturen selbstverständlich sein. Eine ordentliche Saat ist die Basis für eine gute Ernte.

* Versuch ist nicht wertbar oder witterungsbedingt ausgefallen
** Sorten wurden aufgrund von Saatgutproblemen auf Bitten des Züchters aus der Wertung genommen. Bezugsbasis 2024: Zollernspelz, Gletscher, Edelweisser, Baden­glanz, Polkura, Paracelsus, Asturin. Bezugsbasis 2025: Zollernspelz, Gletscher, Franckenkorn, Baden­glanz, Stauferperle, Polkura, Paracelsus, Asturin, Conforte. Bezugsbasis 2026: Zollernspelz, Gletscher, Asturin, Cascada
*** Daten der Erntejahre 2021-2026 Anbaugebiet 2 (Sandstandorte Nordwest) anteilig 1 (Sandstandorte Nord-Ost und 3 (lehmige Standorte West **** Datengrundlage gering
Quelle: Anna Schwinger

Ergebnisse 2026

Die zur Ernte 2026 realisierten Dinkelerträge sind erfreulich. Wie auch bei den übrigen Wintergetreidearten wurden die in der Jahressumme fehlenden Niederschläge durch eine gute Verteilung kompensiert, und Schäden durch Hitze blieben auf den nördlichen Standorten aus. Beim schleswig-holsteinischen Dinkelversuch in Futterkamp ist auf die hohe Grenzdifferenz hinzuweisen, die durch eine starke Streuung der Daten innerhalb des Versuchsschlages verursacht wird. Die Qualitätsergebnisse werden erst im Laufe des Herbstes erwartet. Wer nichts verpassen möchte, kann sich gern per E-Mail an Okolandbau@lksh.de für den Newsletter anmelden.

Quelle: Anna Schwinger

Sorten im Vergleich

,Zollernspelz‘ bleibt eine feste Größe. Zwar erzielen neuere Sorten höhere Erträge, beim Dinkel zählt jedoch die konstante Qualität. Wichtig sind neben überdurchschnittlichem Feuchtkleber Fallzahlsicherheit, Ertragsstabilität, Toleranz gegen Gelb- und Braunrost sowie Standfestigkeit. ,Gletscher‘ kommt ,Zollernspelz‘ qualitativ am nächsten. Gesundheit und Frohwüchsigkeit sind hervorzuheben, die Erträge schwanken jedoch. ,Asturin‘ erreicht einen Relativertrag von 103 mit guten Feuchtkleberwerten, die Fallzahl sank 2025 stark. ,Stauferpracht‘ ist sehr frohwüchsig, überzeugt qualitativ aber nicht. ,Paracelsus‘ erzielt leicht überdurchschnittliche Erträge, die Qualitäten waren nicht überzeugend.

Fazit

Dinkel bleibt im Ökolandbau eine attraktive Kultur – wenn Sortenwahl, Saatgutqualität und Vermarktung stimmen. Entspelztes Saatgut kann die Aussaat erleichtern, entscheidend für den Erfolg bleiben aber eine sichere Etablierung und stabile Qualität.

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