Die Rindermastbereisung im Kreis Schleswig-Flensburg führte auf beeindruckende Betriebe. Die Mast ist derzeit das wirtschaftlich attraktivste Standbein. Das Bauernblatt stellt die Höfe vor.
Neu bauen auf der grünen Wiese oder arbeiten gehen: Das waren 2012 die Alternativen für Thorsten Gimm aus Schnarup-Thumby. Er baute. Heute wirtschaftet der dynamische Landwirt auf 96 ha Ackerland und 69 ha Dauergrünland. Die Entscheidung sei richtig gewesen, konstatiert Gimm. Bei 35 ct/kg Milch kämen die guten Rindfleischpreise gerade recht: „Wenn die Rechnung für das Maishäckseln kommt, müssen auch mal zehn Tiere weg.“
Tierwohlmast als Weg
200 Milchkühe und 90 Mastbullen auf Stroh prägen den Betrieb. Von der Angler Herdbuchzucht kommend, entwickelte er seine Herde in einer Drei-Rassen-Kreuzung aus Angler Rindern, fleischreichen Montbeliarde und milchbetonten Schwarzbunten. Belegt werden diese nach der Remotierung mit Weißblauen Belgiern.
Die Fütterung basiert auf Mischrationen aus Gras, Mais, Soja sowie Roggen- und Maisschrot. Ab 2027 ist die Verfütterung von hofeigenem Getreide geplant. Bei täglichen Zunahmen von 1.050 g sind die 400 kg Schlachtgewicht schnell erreicht. Die Vermarktung erfolgt über den Schlachthof Danish Crown in Husum.
Gimm und Familie haben merklich Lust auf die Mast. Statt in weitere Kuhplätze möchte er lieber in eine tierwohlbetonte Mast investieren. Er hat einen Plan in der Schublade; vorerst müsse sich aber der Markt stabilisieren.
Respekt für Investitionen
Henning Lausen fiel etwas aus der Reihe auf der Rindermastbereisung. Er setzt voll auf die Milch. Als begeisterter Angler Herdbuchzüchter – „Ich bin ein Fan der Rasse“ – bewirtschaftet er in Boren einen Betrieb mit 204 ha, davon 45 ha Grünland.
Die 140 Angler Milchkühe glänzen mit einer durchschnittliche n Herdenleistung von 11.117 kg Milch pro Jahr. Das Erstkalbealter liegt bei 27 Monaten. Die Bullenkälber, eine Fleischrindkreuzung, werden nach der gesetzlich vorgeschriebene Haltefrist von vier Wochen verkauft. Die Haltefrist sieht der Milcherzeuger nicht als Nachteil. Gerade in den letzten Wochen nähmen die Kälber derart zu, dass sich der Verkauf besser rechne.
2011 wurde der Investitionszyklus mit dem Neubau des Milchviehstalls gestartet. Lausen zeigte sich froh, dass er keine „Bauleiche“ habe. „Wer bei heutigen Auflagen und Kosten baut, hat meinen Respekt“, wies er auf die schlechtere Wirtschaftlichkeit hin.
Mit klaren Worten rechnete Friederike Lausen mit der Politik ab. Sie beschrieb die stete Unsicherheit beim Ausfüllen der zahlreichen Dokumentationen: „Haben wir das richtige Kreuz gesetzt? Sind wir aktuell? Haben wir alles gemeldet?“
Rosémast lohnt
Auch Michael und Judith Petersen zeigten sich als passionierte Züchter der „kleinen roten Kuh aus Angeln“ und untermalten dies mit einer Tierschau vor dem beeindruckenden Kuhstall von 2017.
Sie bewirtschaften in Taarstedt einen Betrieb mit 255 ha, davon 69 ha Grünland. Der Tierbestand umfasst 175 Milchkühe mit einer Leistung von 11.445 kg Milch pro Jahr. 1981 habe man noch bei knapp 4.800 kg gelegen, erklärt der Züchter nicht ohne Stolz. Er führt den Erfolg neben der Zucht auch auf das Tierwohl zurück: „Die Mädels sind richtig gut drauf.“
Die Bullenkälber werden im Betrieb gemästet, nur die Fleischkreuzungen gehen mit vier Wochen in den Verkauf. Die Kälber werden die ersten Wochen ad libitum mit Vollmilch und Aufwerter versorgt. Petersen setzt auf Rosémast, die Kälber werden mit Mais und Rapsextraktionsschrot gefüttert. Knapp unter acht Monaten gehen die Tiere an die Schlachterei Vollertsen in Satrup. Die Mastkälber laufen komplett auf Gummimatten – „eine immense Investition“, so Michael Petersen, die sich aber lohne.
Er wies auf die wichtige Funktion der Mast als zweites Standbein eines Milchviehbetriebs hin: Sie stabilisiere den Betrieb und sei eine „Spardose“ für schwierige Zeiten.
Effizienz als Schlüssel
Einen eigenen Weg geht die Hansen Rindermast GbR aus Wanderup. Die Brüder Jörn und Thies Hansen setzen neben den Viehhandel als Hauptgeschäft auf den Acker- und Futterbau auf 202 ha, davon 52 ha Grünland, in Kombination mit einer intensiven Rindermast. Intensiv bedeutet Tageszunahmen von 1.420 g ab einem Einstallgewicht von 270 kg.
Der Tierbestand gliedert sich in 320 Bullen und 50 Mastfärsen, daneben Mutterkühe und Zuchtfärsen. Hansens geht es um Effizienz. Die Rasse sei ihnen weniger wichtig, es müssten aber großrahmige Tiere sein. Die bunt gemischte Masttruppe wird zum größeren Teil aus Mecklenburg bezogen.
Der bestehende Kuhstall wurde kostengünstig für die Mast umgebaut. In einem Tretmiststall mit 200 Endmastplätzen fahren Hansens ein striktes Rein-Raus-System. Aufgestallt wird innerhalb von ein bis zwei Tagen, danach werde „nicht mehr rumgerührt“, erklärt Jörn Hansen. Dies wirke sich positiv auf den Krankheitsdruck aus. Ausgestallt wird in zwei Tranchen. Zuletzt kommen auch leichte Bullen auf den Viehwagen.
Das Futter wird einmal am Tag vorgelegt und basiert ganzjährig auf Maissilage, Futterstroh und Rapsextraktionsschrot. Ein Teil der Bullen wird nach den Kriterien der Haltungsstufe drei gemästet, andere rein nach QS-Standard. Aber auch hier geben Hansens den Tieren mit 4 m2 reichlich Platz – die Erfahrung lehre, dass dies Tierverluste verringere.




