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Farming Roadmap 2050 vorgelegt

Großbritannien richtet seine Agrarpolitik neu aus
Von Redaktion
Wachstumspläne der Politik

Die britischen Landwirte sollen längerfristige Planungssicherheit erhalten. Das zumindest verspricht die Farming Roadmap 2050, die das Landwirtschaftsministerium (DEFRA) Ende Juni vorgelegt hat. Ziel dieser grundlegenden Neuausrichtung sei es, die britische Landwirtschaft rentabler, produktiver, nachhaltiger und widerstandsfähiger zu gestalten.

Um das zu erreichen, will das DEFRA die Rahmenbedingungen für Investitionen und damit für betriebliches Wachstum verbessern. Dies soll unter anderem über einen besseren Zugang zu Wissen, Technologien und Lieferketten gelingen; weiter ins Detail geht das Agrarressort nicht.

Deutlich mehr Gewicht spricht das Ministerium kooperativen Modellen wie Genossenschaften zu, etwa bei gemeinsamen Einkäufen oder Investitionen, um Kosten zu senken, Risiken zu verteilen und darüber höhere Erträge zu erzielen. Aufgestockt werden soll ein Förderprogramm für Innovationen in der Landwirtschaft, das die Bereiche Robotik, Bodengesundheit und Wassermanagement in den Blick nimmt.

Prüfen will die Regierung, wie der tatsächliche wirtschaftliche Wert der Landwirtschaft gemessen werden kann. Damit will London sicherstellen, dass die Branche die ihr zustehende Anerkennung erfährt. Das DEFRA hält die alleinige Betrachtung des Anteils von 0,6 % an der Bruttowertschöpfung für irreführend, da hier nur die Primärproduktion erfasst sei.

Neue Kenngröße

Um eine neue Perspektive zu schaffen, soll gemeinsam mit dem nationalen Statistikamt eine ergänzende Kenngröße erarbeitet werden, die die gesamte Wertschöpfungskette von der Verarbeitung über die Weiterverarbeitung bis hin zu Vertrieb und Einzelhandel einbezieht. Fortgeführt werden solle bis mindestens 2030 die Visa-Regelung für Saisonarbeitskräfte, um dem Gartenbausektor Planungssicherheit zu geben, betonte das DEFRA.

Nach den Worten von Landwirtschaftsministerin Emma Reynolds markiert der Fahrplan einen Wandel. „Der Fokus geht weg von der bloßen Konzentration auf die nächste Ernte hin zu einem Plan, der Landwirten langfristig Klarheit verschafft. Diese benötigen sie, um Innovationen voranzutreiben, zu investieren und voller Zuversicht für die kommenden Generationen zu wachsen“, betonte die Ressortchefin.

Sektorale Wachstumspläne

Um Gewinne und Produktivität zu steigern, will die Regierung zusammen mit der Branche sektorale Wachstumspläne erarbeiten. Starten will sie mit dem Gartenbau und der Geflügelwirtschaft. Dazu sollen Farmer, Einzelhändler und Investoren im Farming and Food Partnership Board zusammengebracht werden.

Darüber hinaus legt das DEFRA einen Fokus darauf, über das mit der EU angestrebte Abkommen über gesundheitspolizeiliche und pflanzenschutzrechtliche Maßnahmen (SPS) Handelshemmnisse zwischen dem EU- und dem britischen Markt abzubauen. Gleichzeitig sollen Erzeuger von Eier- und Frischprodukten rechtlich vor unlauteren Praktiken in der Lieferkette geschützt werden.

Damit die landwirtschaftlichen Betriebe resilienter werden, will das Agrarressort mit seiner Roadmap aufzeigen, wie Landwirte durch neue Technologien und ein intelligenteres Nährstoffmanagement Abhängigkeiten etwa von Düngemitteln verringern können.

Daneben wird dargelegt, wie sie die Bodengesundheit verbessern und das Wassermanagement optimieren können, um sich besser an Extremwetterereignisse und den Klimawandel anzupassen. Auch sollen mehrere staatliche Dienste schrittweise durch einen einheitlichen digitalen Zugang für Landwirte ersetzt werden.

Gleichzeitig verspricht das DEFRA den Farmern, über eine bessere Datenqualität den Zugang zu Märkten zu optimieren. Außerdem sollen Förderprogramme im Bereich Nachhaltigkeit zielgerichteter gestaltet werden.

Erleichterung und Skepsis

Der Bauernverband (NFU) reagierte erleichtert auf die seit zwei Jahren versprochene Farming Roadmap. Er sieht nun „echte Dringlichkeit“ geboten, den Fahrplan umzusetzen. NFU-Präsident Tom Bradshaw zeigte sich allerdings skeptisch hinsichtlich der fehlenden Details. „Auch wenn der Fahrplan voller Ambitionen steckt, mangelt es an konkreten Maßnahmen und noch mehr an den Mitteln für deren Umsetzung“, stellte Bradshaw fest.

Nach seiner Auffassung fehlt es vor allem an der entsprechenden langfristigen Finanzierung. Bislang werde das Risiko noch stärker auf die Schultern der Landwirte verlagert, die den Großteil der Investitionen aus betrieblichen Rücklagen stemmen sollten. Diese seien aber in den letzten Jahren durch explodierende Kosten und nicht tragfähige Margen aufgezehrt worden. „Somit bedarf es einer Partnerschaft von DEFRA, Finanzministerium und Landwirten, wenn diese Vision für die Landwirtschaft verwirklicht werden soll“, so der NFU-Präsident.

Nun müssen Taten folgen

Der britische Schweineerzeugerverband (NPA) wertete die in der Roadmap eingeschlagene Richtung als positiv. Nach seinem Dafürhalten würden die richtigen Prioritäten für die Landwirtschaft insgesamt gesetzt und zugleich die Hindernisse benannt, mit denen der Schweinesektor aktuell zu kämpfen habe. Gleichwohl versteht der NPA den Fahrplan keineswegs als fertiges Konzept, sondern allenfalls als Zielsetzung. Auch aus Sicht der Schweinehalter mangelt es an Details zur konkreten Umsetzung sowie zu der Frage, wie und wann bestehende Hürden beseitigt werden sollen.

Die Organisation britischer Landbesitzer (CLA) begrüßte die Roadmap ebenfalls. Sie mahnte aber, dass nun Taten folgen müssten. Die Farmer benötigten ein stabiles politisches Umfeld, mehr Klarheit über Förderprogramme, eine sinnvolle Reform des Planungsrechts sowie einen stärker koordinierenden Ansatz zu allen Themen des ländlichen Raumes.
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