StartNachrichtenWald & Jagd„Vom Stolz und von der Demut“

„Vom Stolz und von der Demut“

Zwei Generationen von Jägern verfassen gemeinsames Buch – Jagdethik in neuem Gewand
Von Ralf Seiler
Katharina Babinsky und Stefan Eggers haben gemeinsam ein Buch herausgebracht. Foto: Ralf Seiler

„Vom Stolz und von der Demut“, so lautet der Untertitel des neuen Buches „Jagdethik“, das zwei Jäger unterschiedlicher Generationen verfasst haben. Auf 137 Seiten versucht es, Antworten auf eine Vielzahl von Fragen zu Gesellschaft, Jagd und Wild anzubieten.

Dabei ist die Entstehungsgeschichte des Werkes allein eine spannende und das Ergebnis eine Einladung, die nicht nur für angehende oder gestandene Jägerinnen und Jäger gemeint ist, sondern auch ein Blick durch ein offenes Fenster in die unzähligen Fragen zur Jagd in einer modernen Gesellschaft.

Fragen aus zwei Perspektiven

Verantwortlich für das Werk zeichnen die Ricklingerin Katharina Babinski und Stefan Eggers aus Neumünster. Gemeinsam betreten die beiden Autoren das Spannungsfeld der Jagd mit all seinen Fragen in einer Gesellschaft, wie sie heute in Deutschland zur Tagesordnung gehören. Die Themen reichen von politischen Rahmenbedingungen über die Reflexion des eigenen jagdlichen Handelns bis zum Umgang mit kritischen Stimmen in den Medien. Dass Katharina Babinski, Mutter von zwei Kindern und als Ergotherapeutin im psychosozialen Bereich arbeitend, gerade erst mit 34 Jahren im Frühjahr 2026 ihr Grünes Abitur bestanden, also ihre Jägerprüfung abgelegt hat, tut der Sache keinen Abbruch. Das Verstehen menschlichen Handelns und Wirkens gehört zum Alltag der Therapeutin. Für die junge Jägerin und Autorin war das Eintauchen in die Grüne Welt eine neue Erfahrung. Fast acht Monate Ausbildung bis zum Grünen Abitur, im Vorfeld Erfahrenes und das jagdliche Erleben hätten allerdings Fragen aufgeworfen, die nach Antworten strebten, sagt Babinski.

Die Fragen der frischgebackenen Jägerin seien berechtigt und stimmig, meint Mitautor Stefan Eggers aus Neumünster. Der 62-jährige ehemalige Sportschütze ist als waffenkundiger Berater und Munitionsfachmann nicht nur bei Kunden eines Neumünsteraner Jagdgeschäftes ein bekanntes Gesicht. Seit 15 Jahren unterrichtet Eggers erfolgreich an der Jagdschule Segeberg. Die Lebensstrecke seines Jägerlebens liegt bei etwa 200 erlegten oder als Verkehrsunfallwild erlösten Rehen, Wildschweinen und Stücken Damwild. Hinzu kommen Erlebnisse im Ausland oder bei der Niederwildjagd, etwa auf Enten, Fasane, Füchse und Marderhunde. Ständiger Begleiter ist sein heute 12,5-jähriger Münsterländer Jagdhund „Jeffery“. Selbst mit vielen Fragen zur Jagd aus einem bewegten Jägerleben im Gepäck, notiert auf Spickzetteln, verstand Eggers die vielen offenen Fragen der Jungjägerin.

Die gemeinsame Antwort ist ein Streifzug durch die vielen Fragen zur Jagd in all ihren Facetten, in dem durchaus deutlich wird, dass Veränderung in einer modernen Gesellschaft auch für Jagd, Jäger und Wild in einer lebendigen Kulturlandschaft Chancen birgt. Deswegen hat sich Katharina Babinski auf den Weg und an die Feder gemacht, um Antworten zu finden und zu formulieren.

Neue Generation von Jägerinnen

Das Buch zeigt auch die unterschiedlichen Perspektiven zweier Jägergenerationen. Katharina Babinski stammt aus einer Familie ohne jagdlichen Bezug und fand über andere junge Jägerinnen in die Welt der Grünröcke. Daneben Stefan Eggers, der auf die jahrzehntelange Erfahrung eines aktiven Jägerlebens blicken darf. Die Fragen nach Reflexion und Prüfung des eigenen jagdlichen Handelns sind von Katharina Babinski ehrlich gestellt. Die Anforderungen an das fachliche Handeln seien hoch, und die Notwendigkeit eines offenen und klaren Dialoges mit einer jagdfernen Gesellschaft, die ihre Spitzen in den Social-Media-Kanälen finde, gehöre ebenso zum Inhalt wie viele Fragen zur Jagdethik, der sogenannten Waidgerechtigkeit und ihren ungeschriebenen Gesetzen, formuliert es Babinski. „Für Ethik gibt es wohl kein Patentrezept“, sagt die Autorin, die den Themen ohne erhobenen Zeigefinger eine angemessene Tiefe gibt.

So steht etwa die Frage im Raum, wer Vorrang haben sollte, Wald oder Wild etwa, was im Forstbetrieb, wenn es um Pflanzungen junger Bäume geht, keine einfach zu beantwortende Frage ist. Und überhaupt: Welches Reh soll erlegt werden? Hauptsache, der Abschussplan ist erfüllt? Oder haben die „Alten“ recht, wenn sie mittelalte Rehe schonen, viele junge Rehe schießen und darüber hinaus nur den einen oder anderen alten Bock erlegen? Die Antwort sei unter den Zeichen der Zeit und abhängig vom Revier nicht einfach, weiß Eggers. Einen gesunden, dem Lebensraum angepassten Wildbestand einer Art zu hegen und zu bejagen habe sich allerdings bewährt und zeige sich durch gesundes und auch körperlich starkes Wild.

Und wie sieht es mit der Waidgerechtigkeit nicht nur beim Wild, sondern auch unter den Jägern selbst aus? Das hat sich Katharina Babinski gefragt. Immerhin seien die Gesetze der Deutschen Waidgerechtigkeit ungeschriebene Gesetze, die auch noch im Lauf der Zeit wandelbar sein sollten, so wie auch das sogenannte Brauchtum der Jäger. Jagdethik, das seien viele Fragen und ein Fach für sich, das auch so direkt in der Ausbildung nicht unterrichtet werde, sagt Eggers. Deswegen sei es eine gute Idee, die Gedanken und auch Fragen einmal zu Papier zu bringen. Zunächst war dies als Konzept für eine Unterrichtseinheit gedacht und ist jetzt durch Katharina Babinskis Einsatz als Buch zu haben.

Für viele der Fragen gibt es im Buch eine Vielzahl von Anregungen, die trotz klarer Benennung nicht als erhobener Zeigefinger gemeint seien, meint Stefan Eggers. „Sicherer Umgang mit der Waffe und ein klarer Blick auf das eigene Handeln sind dabei unabdingbar“, so Eggers. „Jagdethik – vom Stolz und von der Demut“ sei eine Einladung an angehende Jägerinnen und Jäger und auch an gestandene Waidfrauen und -männer sowie an Interessierte, sagen die beiden Autoren. Erschienen ist das Buch bei Books on Demand, ISBN: 978-3-6963-6798-5, zum Preis von 22,90 €.

WEITERE ARTIKEL
- Anzeige -
- Anzeige -

Meistgeklickt