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Netzwerken im Grünen

Reger Austausch der Kräuter-Qualifizierten im Eutiner Schlossgarten
Von Astrid Jabs
Das Netzwerktreffen der Kräuterzertifizierten fand in diesem Jahr im Eutiner Schlossgarten statt und bot Gelegenheit für Austausch und Kontaktpflege.

Sie sind Pädagoginnen, Heilpraktikerinnen, Naturbegeisterte, arbeiten in Schulen, eigener Praxis, Museen oder ehrenamtlich und haben bei aller Verschiedenheit eines gemeinsam: das Zertifikat, das ihnen ein fundiertes Wissen in der Kräuterkunde bescheinigt.

Der LandFrauenVerband Schleswig-Holstein bietet seit 20 Jahren die entsprechende Fortbildungsmaßnahme in Zusammenarbeit mit dem Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume an. Und weil der Abschluss eines Kurses ja nie einen Schlusspunkt hinter das Lernen setzt, luden Dr. Astrid Hadeler vom Bildungszentrum und Dr. Gaby Brüssow-Harfmann vom LandFrauenVerband Schleswig-Holstein Anfang Juni zu einem Netzwerktreffen der Kräuterqualifizierten nach Eutin ein.

Heil- und Giftpflanzen im Küchengarten

Beim Rundgang durch den Schlossgarten bewunderten die Frauen auch die mehr als 200 Jahre alte Lindenallee.

Auf dem Programm standen unterschiedliche Einblicke in den historischen Küchengarten von Schloss Eutin. Lange Jahre lag das Areal im Dornröschenschlaf. Zur Landesgartenschau 2016 wurde das Gartengelände wiederhergestellt, und seither kümmern sich Ehrenamtliche hier darum, dass die Parzellen nach allen Regeln der Gartenkunst gepflegt werden. Neben einer Vielfalt an Gemüse- und Obstsorten sind hier ein Hildegard-von-Bingen-Garten sowie ein Heil- und Giftfpflanzengarten angelegt worden – besonders interessant für die Kräuterprofis. Und so fand man die bestens gelaunte Truppe am frühen Nachmittag um Jörg Hunke geschart. Er betreut den „Hexengarten“, in dem beispielsweise das Kleine Mädesüß und Färberkrapp gedeihen, und hat sichtliches Vergnügen daran, den Kennerinnen die Heil- und Giftpflanzen zu zeigen. Die Frauen sind buchstäblich mit allen Sinnen dabei, schauen ganz genau hin, beugen sich immer wieder tief über die Blüten, atmen den Duft tief ein, zerreiben Blättchen zwischen den Fingern, um das Aroma zu aktivieren. Wenn möglich, wird auch gekostet – vom Knoblauchschnittlauch zum Beispiel. Um die Eindrücke festzuhalten, werden Fotos gemacht. Auch Dr. Astrid Hadeler hält mit dem Smartphone drauf. „Ich bin begeistert von der Qualität der Pflanzen hier“, sagt sie, während neben ihr die Frage nach der Wirkung von Ehrenpreis gestellt wird. Eine der Kräuterkundigen weiß nicht nur, dass die Pflanze bei Gicht und rheumatischen Beschwerden helfen kann, sie erzählt auch die Legende eines Königs, der dank des Krautes Hilfe gegen einen Ausschlag erfuhr und ihm seinen Namen einbrachte.

Makroaufnahme: Auch Dr. Astrid Hadeler fotografierte die Kräuter.

Wissen an Kinder weitergeben

Dieser rege Austausch ist ein wesentlicher Grund für die Netzwerktreffen. „Es lohnt sich zu kommen“, meint Ulrike Meiß-Schröder. Sie arbeitet als Vertretungslehrkraft und schulische Assistentin in Westerrade und leitet dort auch die Kräuter-AG. Den Qualifizierungskurs hat sie 2015 absolviert. „Ich hatte einfach Interesse, mehr zu wissen. Gegärtnert habe ich schon immer“, erklärt sie. An der Kräuterkunde faszinieren sie die Vielfalt und die historische Dimension: „Kräuter haben immer schon geholfen“, sagt die Frau, die ihr Wissen an die Kinder weitergibt. In der AG stellt sie mit ihren Schützlingen Kräutersalz oder Kräuterzucker her, auch Honig mit Spitzwegerich wurde schon angemischt. „Das Wissen über Pflanzen und Kräuter geht zurück“, stellt die AG-Leiterin fest und setzt hinzu: „Ich bin froh, wenn die Kinder sich dafür interessieren und so auch die Bedeutung für die Insekten kennenlernen.“ Sie selbst kommt an keinem Garten vorbei. „Wenn ich unterwegs bin, schaue ich mir immer Gärten an“, verrät sie verschmitzt. Hat eine Kräuterkundige wie sie eigentlich ein Lieblingskraut? „Nein, ich mag sie alle“, antwortet Ulrike Meiß-Schröder.

Prachtvoll: Die Qualität der Pflanzen begeisterte.
Marenka Paustian nimmt neue Ideen mit in den Wildpark Eekholt.

Viele Impulse für starke Frauen

Beim Netzwerktreffen wartet auch auf die erfahrenen Kräuterspezialistinnen die eine oder andere Neuentdeckung. Zumindest ist dieser Gedanke mit dem Besuch des Hildegard-von-Bingen-Gartens verknüpft. „Wir haben gezielt nach Kräutern gesucht, die man noch nicht kennt“, berichtet Dr. Gaby Brüssow-Harfmann am Rande. In Eutin wachsen Galgant, Bertram und Diptam: „Und Letzteren kannten wir alle noch nicht“, verrät Brüssow-Harfmann. Doch der Fokus liegt an diesem Tag nicht allein auf den Kräutern und ihren Wirkungsweisen: „Es ging auch um die Frage: Wer war Hildegard von Bingen?“, führt sie aus. Die Beschäftigung mit streitbaren, starken Frauen ist ein gewichtiges Statement in unruhigen Zeiten.

Ulrike Meiß-Schröder mag alle Kräuter und leitet eine Schul-Kräuter-AG. Fotos: Astrid Jabs
Jörg Hunke führte die Kräuterqualifizierten durch den Gift- und Heilpflanzengarten.

Einer von vielen Impulsen, den die Frauen mitnehmen: „Ich bin wieder viel mehr drin im Thema, habe neue Ideen gesammelt“, resümiert Marenka Paustian, pädagogische Fachkraft im Wildpark Eekholt, während der Führung durch den Schlossgarten im Stil eines englischen Parks. Der Nieselregen, der den Rundgang begleitet hat, hat sich verzogen, und mit Blick auf die alten Bäume nennt Paustian einen weiteren Gewinn aus den Netzwerktreffen: „Es gibt tolle neue Orte zu entdecken!“

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