StartNachrichtenMarktSchweineproduktion in Deutschland am teuersten

Schweineproduktion in Deutschland am teuersten

Marktkommentar
Von Claus Hoeck, LKSH-Markt
Foto: Imago

Die Schweineerzeugung kostete in Deutschland 2025 rund 2,05 €/ kg Schlachtgewicht. Damit liegen die deutschen Erzeuger weit über dem internationalen Durchschnitt und auch deutlich über den wichtigsten europäischen Wettbewerbern. Das ist das Fazit der InterPIG-Auswertung für 2025. Diese Expertengruppe analysiert jährlich die Produktionskosten in mehreren Ländern. Für 2025 ergibt sich ein durchschnittliches Kostenniveau von rund 1,85 €/kg SG über alle untersuchten Länder. Das sind 2 ct weniger als im Vorjahr. Ursache sind vor allem etwas niedrigere Futterkosten. Die übrigen Kostenblöcke veränderten sich nur wenig. Das Kostenniveau der Schweineerzeugung bleibt damit global hoch. Es handelt sich um Modellvergleiche der Produktionskosten, nicht um unmittelbar gemessene Ergebnisse einzelner Betriebe. Besonders kostengünstig produzierten Brasilien (Santa Catarina 1,43 €; Mato Grosso 1,15 €), Kanada (Westkanada 1,58 €; Ostkanada 1,49 €) und die USA mit 1,57 €. Die Kostenvorteile dieser drei Länder sind insbesondere auf günstigere Futter- und Arbeitskosten sowie niedrigere Aufwendungen für Gebäude und Kapital zurückzuführen. Besonders Brasilien nutzt die Kostenvorteile bei Futtermitteln, um seine Schweineproduktion weiter auszubauen. Es hat 2025 mit 60,69 Millionen Tieren einen neuen Höchstwert bei der Zahl der Schweineschlachtungen erreicht, 4,3 % mehr als im Vorjahr. Haupttreiber dieser Entwicklung war ein starker Export wegen der möglichen niedrigen Preise.

Dänemark am kostengünstigsten

Innerhalb Europas liegt Deutschland an der Spitze mit 2,05 €, dann folgen Spanien (1,83 €), die Niederlande (1,82 €), Belgien (1,81 €), Frankreich (1,80 €), Portugal (1,79 €) und Dänemark (1,73 €). Ein besonders großer Abstand besteht zu Dänemark, das 2025 im europäischen Vergleich besonders kostengünstig produzierte. Die Produktionskosten lagen dort um 32 ct unter dem deutschen Wert. Bei einem Schlachtgewicht von 100 kg entspricht dies einem Vollkostenunterschied von 32 € je Schlachtschwein. Gegenüber Spanien beträgt die Differenz 22 € je Schwein bei gleichem Schlachtgewicht. Diese Zahlen verdeutlichen, wie erheblich sich strukturelle Kostenunterschiede im europäischen Wettbewerb auswirken können.

In Deutschland höchste Gebäudekosten

Hauptbelastungen für deutsche Schweinehalter sind besonders hohe Gebäude- und auch Kapitalkosten. Dabei sind in Deutschland die Anforderungen an Stallbauten und Haltungsverfahren, die sich aus den höheren Haltungsanforderungen der geänderten Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung ergeben, der wichtigste Grund. Die Berechnungen von InterPIG berücksichtigen grundsätzlich die Kosten eines Neubaus nach den jeweils geltenden gesetzlichen Anforderungen. Damit werden nicht nur die laufenden Kosten bestehender Gebäude betrachtet, sondern auch die Investitionen, die langfristig zur Fortführung der Produktion erforderlich wären. Die Berücksichtigung solcher Investitionen ist betriebswirtschaftlich sinnvoll, weil eine dauerhaft tragfähige Produktion ihre Vollkosten einschließlich Kapitalbindung und Abschreibungen decken muss. Auch ist zu beachten, dass die tatsächlichen Kosten einzelner Betriebe je nach Gebäudealter, Investitionsstand, Leistungsniveau und Betriebsorganisation erheblich abweichen können. Dass in Deutschland überhaupt noch Schweine gemästet werden, liegt daran, dass die Mast größtenteils in abgeschriebenen Ställen erfolgt. Bei den derzeitigen Preisen ist an Stallneubauten kaum zu denken.

oder Angebot auswählen und Artikel gleich weiterlesen

Abonnement
upgraden

Für Abonnenten der gedruckten Ausgabe nur 1,50 €/Monat (Jahresabo 18,- €).

Abonnement
abschließen

Digital-Abonnement für nur 64,- € für 6 Monate (Jahresabo 120,- €).

Ihre Vorteile auf einen Blick:
  • • unbegrenzter Zugriff auf alle bb+ Artikel
  • • das Bauernblatt bereits ab Donnerstagmittag auf Smartphone oder Tablet
  • • Zugang zum Archiv bisheriger Bauernblatt Ausgaben (seit August 2013)
WEITERE ARTIKEL
- Anzeige -
- Anzeige -

Meistgeklickt