Erstmals legt das Land Schleswig-Holstein eine Waldstrategie vor – als langfristigen Handlungsrahmen für die Entwicklung der Wälder im nördlichsten Bundesland. Zweieinhalb Jahre arbeiteten Akteure des Forstministeriums an der neuen Waldstrategie, die am Montag in einem Waldgebiet der Försterei Bordesholm in Emkendorf vorgestellt wurde. Das 50-seitige Strategiepapier zielt auf stabile und nachhaltig bewirtschaftete Mischwälder, die sich an das veränderte Klima anpassen können.
Mit der erstmals entwickelten Waldstrategie, an der neben Fachleuten der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten auch private Waldbesitzer beteiligt waren, will das Land Orientierung für die Entwicklung der Wälder in den kommenden Jahrzehnten geben. „Genau diesen langfristigen Blick brauchen wir in der Waldpolitik“, betonte Forstministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU). Sie stellte zugleich klar, dass damit keine neuen Vorgaben für die privaten Waldeigentümer verbunden seien: „Die Waldstrategie verstehen wir als Handreichung und Angebot an die Waldeigentümer im Land.“
Schmachtenberg sprach zudem von einem Leitbild, das den Wald als multifunktionell begreife – vom Lebensraum für Tiere und Pflanzen über die wirtschaftliche Funktion rund um den Nachwachsenden Rohstoff Holz und den Erholungsraum für die Menschen bis hin zum Klimaschutzbeitrag. Hintergrund ist auch der letzte Platz Schleswig-Holsteins im Ranking der Waldanteile: Mit 11,5 % Fläche und rund 182.000 ha ist es das waldärmste Bundesland in Deutschland.
Mit einem Bündel von Maßnahmen will das Forstministerium den Waldanteil auf 12 % steigern. Der Schutz und die Nutzung von Waldflächen sollen dabei zusammen gedacht werden. Die Hälfte des schleswig-holsteinischen Waldes befinde sich in Privatbesitz, machte Forstabteilungsleiterin Ina Abel deutlich. Viele dieser Wälder sind klein, manche messen gerade einmal 10 ha. „Wichtig ist, den Wasserhaushalt zu verbessern und so die Bäume resistent gegen Trockenheit zu machen“, sagte Abel. Zudem sollten die Waldeigentümer angeregt werden, bislang isolierte Waldflächen miteinander zu verknüpfen und zu arrondieren, wie Referatsleiter Jonas Krause formulierte.
Die Beratung der privaten Waldbesitzer ist dem Forstministerium wichtig: 1,4 Mio. € sollen dafür in die Hand genommen werden. Dabei geht es um die Anpflanzung widerstandsfähiger Baumarten und die Weiterentwicklung von Waldflächen – immer mit Blick auf die Bodenstruktur. Auf Geestböden schlägt die Waldstrategie einen mehrschichtigen Wald mit 60 bis 80 % Traubeneiche, 10 bis 30 % Buche und Hainbuche sowie bis zu 20 % Baumarten wie Bergahorn, Flatterulme oder Kirsche vor. „Das ist ein Beispiel für eine nachhaltige und klimaangepasste Waldbewirtschaftung“, so Jonas Krause.
Die Landesforsten sehen sich dabei ein Stück weit in der Vorbildfunktion. Denn Mitte des 18. Jahrhunderts begann die nachhaltige Waldbewirtschaft inklusive Wiederaufforstung. „Um 1750 war die Waldfläche im Land auf 2,5 % heruntergerockt“, berichtete Jörn Winter von der Försterei Bordesholm. Der Revierleiter stellte zudem die „BaEm mobile“-App der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) vor, die klimaangepasste Baumartenempfehlungen für den Waldbau liefert. Die kostenfreie App ermöglicht durch GPS-Ortung oder manuelle Kartenauswahl eine standortspezifische Waldbewirtschaftung mit Entwicklungszielen, die auf der örtlichen Standortswasserbilanz und Trockenstressrisiken basieren. „Gerade für private und kleine Waldeigentümer im Land kann diese App eine unschätzbare Hilfe sein“, betonte Jörn Winter. Langfristig dürften aus Sicht des Revierleiters die Fichten in der Waldbewirtschaftung nicht mehr von Bedeutung sein. „In 100 Jahren wird es diese Baumart wohl nicht mehr geben“, prophezeite Winter. Einen deutlichen Mehrwert aus ökologischer Sicht stellten Eichen dar, führte der Revierleiter weiter aus. Nadelbäume spielen aber bereits jetzt in Schleswig-Holstein eine eher untergeordnete Rolle.
Aktuell bestehen die Waldflächen zu 91 % aus Mischwäldern, 68 % aller Wälder im Land werden von Laubbäumen geprägt. Aus Sicht der Forstministerin ist das Land in der Entwicklung der Wälder bereits auf einem guten Weg. „Diesen Weg wollen wir konsequent weitergehen, mehr Wald schaffen und bestehende Wälder zu stabilen, standortgerechten Mischwäldern weiterentwickeln“, betonte Schmachtenberg. Ansetzen wolle sie dafür bei verpflichtenden Ausgleichsmaßnahmen von Bau- und Infrastrukturvorhaben. Zukünftig könnten dort Aufforstungen die Liste potenzieller Ausgleichsmaßnahmen anführen. Zudem könnten Landwirte unterstützt werden, nicht mehr benötigtes Grünland in neue Waldflächen umzuwandeln.



