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Turbulenzen auf dem Rindfleischmarkt

Marktkommentar
Von Björn Wiencken, LKSH-Markt
Foto: Pixabay

Der Rindfleischmarkt steht aktuell gleich vor mehreren Herausforderungen. Eine davon ist die aktuelle Jahreszeit. Die Sommermonate mit der Ferien- und Urlaubszeit markierten schon immer einen saisonalen Tiefpunkt in der Rindfleischnachfrage der Verbraucher. Dies ist im letzten Jahr durch das extrem hohe Preisniveau und die knappe Versorgungslage nicht so aufgefallen. Erschwerend kommt dann genau zu dieser Zeit noch eine Hitzewelle in nahezu ganz Europa dazu mit Temperaturen, die wir hier gar nicht gewohnt sind. Das hat diesen saisonalen Effekt noch deutlich verstärkt. Aber der entscheidende Punkt ist die finanzielle Lage der Verbraucher. Bereits im letzten Jahr um diese Zeit haben wir davor gewarnt, dass die Gefahr bestehe, dass wir bei einem derart hohen Preisniveau den Verbraucher vom Rindfleisch „entwöhnen“. Bei 25​ € für 1 kg Gulasch an der Fleischtheke war für viele Verbraucher die Schmerzgrenze überschritten, auch wenn sie dem Rindfleisch noch so wohlgesonnen waren. Und jetzt ist genau diese Befürchtung eingetreten. Verstärkt durch die hohen Preise für Heizöl und Kraftstoff hat der Rindfleischmarkt die Verbraucher regelrecht verloren. Das Ergebnis all dieser Einflussfaktoren sehen wir gerade. Trotz deutlicher Kürzungen der Schlachtmengen und sogar das Herausnehmen ganzer Schlachttage ist das aktuelle Rindfleischangebot deutlich bedarfsübersteigend. Die Bestellmengen des Großhandels lagen in den letzten Woche 70 bis 90 % unter den sonst üblichen Mengen.

Rinderbestände stabil

In dieser sensiblen Phase des Rindfleischmarktes kommt von den Bestandsentwicklungszahlen das falsche Signal. Denn während die Rinderbestände in Deutschland in den letzten zehn Jahren stark rückläufig waren, hat das hohe Preisniveau im letzten Jahr zu einer deutlichen Stabilisierung der Bestandszahlen geführt. So verzeichnete die Mai-Schätzung in diesem Jahr erstmals wieder ein leichtes Plus von 0,2 % auf nun wieder 10,4 Millionen Rinder in Deutschland. Dabei fällt eine deutlich unterschiedliche Entwicklung innerhalb Deutschlands auf. Während die west- und ostdeutschen Bundesländer steigende Bestandszahlen vermelden, kommt es bei uns in Schleswig-Holstein sowie in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen zu weiterhin sinkenden Rinderzahlen. Auffällig ist allerdings, dass die Anzahl der Betriebe weiterhin konsequent rückläufig ist.

Weltweit sinkende Rindfleischproduktion

Der Weltmarkt spielt im Rindfleischsektor nicht so eine große Rolle wie in anderen Fleischmärkten, zum Beispiel dem Schweinebereich. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die weltweite Versorgungslage. Die weltweite Rindfleischproduktion wird nach neuesten Schätzungen in diesem Jahr um 1,1 Mio. t zurückgehen. Die Rückgänge verteilen sich dabei auf alle großen Produzenten wie Brasilien, die USA, Argentinien, China und die EU. Allerdings geht auch der weltweite Verbrauch zurück, und zwar mit –1,8 Mio. t noch etwas deutlicher. Somit ist der Rückgang im Verbrauch kein deutsches oder europäisches Phänomen, sondern das weltweit hohe Preisniveau hat auch für eine weltweit rückläufige Nachfrage gesorgt.

Somit waren die aktuellen Abschläge im Rindfleischbereich aus markttechnischer Sicht nicht nur vorhersehbar, sondern sie sind auch erforderlich, um den Verbraucher wieder abzuholen und ihn durch jetzt vermehrt angelaufene Werbeaktionen des Lebensmitteleinzelhandels wieder an das Rindfleisch zu „gewöhnen“.

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