Wasser ist das wichtigste Futtermittel im Schweinestall. Während bei Futterqualität, Stallklima und Tiergesundheit meist genau hingeschaut wird, erhält die Tränkwasserhygiene häufig weniger Aufmerksamkeit. Dabei entscheidet nicht allein die Qualität des Wassers am Brunnen oder Hausanschluss über die Versorgung der Tiere. Ebenso wichtig ist der Zustand des Leitungssystems im Stall.
Viele Landwirte lassen ihr Wasser regelmäßig untersuchen und erhalten unauffällige Laborbefunde. Trotzdem können die Tiere über die Tränken mit hohen Keimgehalten in Kontakt kommen. Die Ursache liegt nämlich häufig nicht beim Ausgangswasser, sondern in den Wasserleitungen selbst.
Biofilm wächst oft unbemerkt
In nahezu jeder Wasserleitung bildet sich mit der Zeit ein sogenannter Biofilm. Dabei handelt es sich um einen schleimigen Belag aus Mikroorganismen, deren Stoffwechselprodukten sowie Ablagerungen aus dem Wasser. Dieser Biofilm dient zahlreichen Keimen als geschützter Lebensraum. Besonders problematisch ist, dass Schweine über Nippel- oder Schalentränken Keime aus dem Maul in das Leitungssystem eintragen können (sogenannter rückwärts gerichteter Eintrag). Durch Wärme im Stall und längere Standzeiten des Wassers finden die Mikroorganismen ideale Wachstumsbedingungen vor. Wird ein Abteil geräumt und bleibt mehrere Tage oder Wochen leer, vermehren sich die Keime in den Leitungen weiter. Die nachfolgende Tiergruppe erhält dann beim ersten Tränken häufig einen regelrechten „Keimcocktail“ aus den Leitungen. Gerade in den ersten Tagen nach dem Einstallen sind die Tiere durch Transport, Futterumstellung und Rangordnungskämpfe besonders anfällig.
Leistungseinbußen häufig unentdeckt
Das Tückische an einer schlechten Tränkwasserhygiene ist, dass die Folgen selten eindeutig sichtbar werden. Anders als bei einer akuten Erkrankung zeigen die Tiere meist keine sofort erkennbaren Symptome. Stattdessen treten unspezifische Leistungseinbußen auf, beispielsweise ein Absacken der Tageszunahmen, eine uneinheitliche Entwicklung der Tiere oder eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit. Häufig werden diese Effekte anderen Ursachen zugeschrieben, beispielsweise dem Futter, der Genetik oder der Jahreszeit. Untersuchungen aus Praxisbetrieben zeigen jedoch, dass eine mangelhafte Wasserhygiene erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben kann. Bereits in den ersten Tagen nach der Einstallung können Leistungseinbußen entstehen, die später nicht mehr vollständig aufgeholt werden.
Das Leitungssystem entscheidet mit
Neben der Reinigung spielt auch die Bauweise der Wasserversorgung eine wichtige Rolle. In vielen Schweineställen werden die Tränken über Stichleitungen versorgt. Sobald weniger Tiere Wasser aufnehmen oder die Tiere über eine Flüssigfütterung versorgt werden, kommt die Wasserbewegung in diesen Leitungen nahezu zum Erliegen. Besonders kritisch sind sogenannte Blindleitungen. Dort steht das Wasser über lange Zeiträume, wodurch sich Biofilme und Keime ungestört entwickeln können. Aus hygienischer Sicht sind Systeme mit Spülmöglichkeiten am Leitungsende deutlich günstiger. Bei Stallneu- oder Umbauten sollte deshalb bereits in der Planungsphase auf eine möglichst hygienegerechte Wasserführung geachtet werden. Spülmöglichkeiten und eine gute Zugänglichkeit für Reinigungsmaßnahmen erleichtern die spätere Betreuung erheblich.
Regelmäßiges Spülen bringt Vorteile
Eine einfache und wirkungsvolle Maßnahme ist das konsequente Spülen der Leitungen mit Wasser. Vor jeder Einstallung einer neuen Tiergruppe sollte das Standwasser vollständig aus den Leitungen entfernt werden. Besonders wichtig ist dies in Buchten oder Stallbereichen, die längere Zeit leer gestanden haben. Auch bei Umstallungen, Sortierungen oder in Betrieben mit Flüssigfütterung empfiehlt es sich, die Tränken kurz durchzuspülen. Dadurch werden Keime, Ablagerungen und belastetes Standwasser aus den Leitungen entfernt. Gleichzeitig bietet das Spülen die Möglichkeit, die Funktion der Tränken zu kontrollieren und die Wassermengen zu überprüfen.
Chemische Reinigung oft wirksamer
Reicht einfaches Spülen nicht mehr aus, kann eine gezielte Leitungsreinigung erforderlich werden. Untersuchungen der Fachhochschule Südwestfalen zeigten, dass eine kombinierte Reinigung mit alkalischen und sauren Reinigern deutlich bessere Ergebnisse erzielen kann als eine reine Wasserspülung oder Impulsspülung. Durch die chemische Reinigung konnten die Keimzahlen in den untersuchten Leitungen nahezu vollständig reduziert werden. Gleichzeitig wurden in den nachfolgenden Mastdurchgängen höhere Tageszunahmen beobachtet. Wichtig ist jedoch, dass nach jeder chemischen Reinigung sämtliche Leitungen gründlich gespült werden. Rückstände von Reinigungsmitteln dürfen keinesfalls in die Tiertränke gelangen.
Wasser regelmäßig kontrollieren
Nicht jede Auffälligkeit erfordert sofort eine Laboruntersuchung. Bereits eine einfache Sichtkontrolle kann Hinweise auf Probleme liefern. Trübes Wasser oder sichtbare Partikel deuten auf Ablagerungen oder Biofilmreste hin und sollten Anlass für weitere Maßnahmen sein. Dennoch ersetzt die Sichtkontrolle keine regelmäßige Untersuchung im Labor. Insbesondere bei Ferkeln, die deutlich empfindlicher auf hygienische Mängel reagieren, empfiehlt sich eine regelmäßige mikrobiologische Kontrolle des Tränkwassers im Stallbereich.
Drei Praxistipps zur Tränkwasserhygiene
1. Leitungen vor jeder Einstallung gründlich spülen
Vor dem Einstallen neuer Tiere sollte sämtliches Standwasser aus den Leitungen entfernt werden. Besonders Leitungen in zuvor leer stehenden Buchten enthalten häufig erhöhte Keimzahlen. 2 bis 3 min Spülzeit je Tränkenstrang können die Wasserqualität deutlich verbessern.
2. Wasser nicht nur am Brunnen, sondern auch an der Tränke kontrollieren
Die Wasserqualität kann sich auf dem Weg durch das Leitungssystem verändern. Deshalb sollten Wasserproben regelmäßig direkt an den Tränken entnommen und untersucht werden. Trübes Wasser oder sichtbare Partikel sind erste Warnsignale für Ablagerungen oder Biofilme in den Leitungen.
3. Wasserleitungen regelmäßig reinigen und Biofilme vermeiden
Biofilme bieten Krankheitserregern ideale Lebensbedingungen. Deshalb sollten Tränkeleitungen in den Reinigungsplan des Betriebes aufgenommen werden. Besonders nach Leerstandszeiten oder bei wiederkehrenden Leistungsproblemen kann eine gezielte Reinigung der Leitungen helfen, die Tiergesundheit und die biologischen Leistungen zu verbessern.
Fazit
Eine gute Tränkwasserhygiene beginnt nicht erst an der Tränke und endet nicht am Brunnen. Entscheidend ist die Qualität des Wassers entlang des gesamten Weges bis zum Tier. Regelmäßiges Spülen, die Vermeidung von Standwasser, eine bedarfsgerechte Leitungsreinigung und die regelmäßige Kontrolle der Wasserqualität helfen dabei, die Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Tiere nachhaltig zu sichern. Oft liegt in diesem Bereich ein bislang ungenutztes Potenzial für mehr Tiergesundheit und bessere biologische Leistungen.
Kurzfassung
• Vor jeder Einstallung Leitungen zwei bis drei Minuten spülen
• Wasserqualität regelmäßig direkt an der Tränke prüfen
• Leitungen reinigen und Biofilmbildung konsequent vorbeugen




