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Die Bundesregierung treibt die Arbeit an einem neuen Klimaschutzprogramm voran. Wie aus einem vorab bekannt gewordenen Entwurf hervorgeht, ist für die Landwirtschaft eine Senkung der Treibhausgas (THG)-Emissionen aus der Tierhaltung und aus landwirtschaftlichen Böden vorgesehen. Eine zentrale Rolle soll zudem der verstärkten Nutzung Erneuerbarer Energien zukommen.
Laut dem Entwurf des Bundesumweltministeriums (BMUKN) sollen konkret unter anderem die Emissionen aus Wirtschaftsdüngern vorrangig mit einer zielgerichteten Investitionsförderung gesenkt, ein Methanmessprogramm in der Rinderhaltung aufgebaut und einzelbetriebliche Klimabilanzen harmonisiert werden. Auch die pflanzliche Ernährung soll gestärkt werden, genauso wie Biokraftstoffe.
Während die Landwirtschaft laut dem Klimaschutzprogramm auch 2024 mit 61 Mio. t CO2-Äq unterhalb ihrer festgelegten Jahresemissionsmenge von 67 Mio. t CO2-Äq verblieben ist und bis 2030 weiter kein Sorgenkind sein soll, wird die Lage danach anders beurteilt. „Mit Blick auf die aktuellen Projektionsdaten wird deutlich, dass der Landwirtschaftssektor ab 2030 seine THG-Minderungsdynamik steigern muss, um einen angemessenen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele zu leisten“, heißt es im Entwurf. Dennoch erkennt die Bundesregierung an, dass viele der THG-Emissionen der Branche prozessbedingt und daher – anders als in den Energie erzeugenden und verbrauchenden Sektoren – nicht vollständig vermeidbar sind.
Bereits jetzt ist jedoch der Bereich Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (Lulucf) nicht auf dem Zielpfad: Nach den Ergebnissen der Treibhausgasprojektionen werden die Ziele für diesen Sektor im Jahr 2030 voraussichtlich nicht erreicht. Hier setzt das BMUKN im Entwurf auf die Weiterentwicklung des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz. So sollen unter anderem die Klimaresilienz der Wälder gesteigert oder entwässerte Moorböden wiedervernässt werden.
Rolle der Landwirtschaft stärker berücksichtigen
Der Deutsche Bauernverband forderte, dass der Klimaschutzplan die Sonderrolle der Landwirtschaft in der Ernährungssicherung und als Teil der Lösung stärker herausstellen müsse. Laut DBV-Generalsekretärin Stefanie Sabet dürften Klimaschutzmaßnahmen der Zukunft „kein Showstopper bei der Wettbewerbsfähigkeit sein oder auf Bestandsreduktion oder Produktivitätsverlust abzielen“. Die geplante Investitionsförderung für Technik oder Maßnahmen zur Umstellung auf Biokraftstoffe finden Anklang beim DBV. Die Zielpfade bei den Kohlenstoffsenken sieht der Verband hingegen kritisch. Hier sei ein produktionsorientierter Ansatz weiterhin nur schwer erkennbar.
Die Familienbetriebe Land und Forst hingegen kritisieren die im Entwurf enthaltene Verordnungsermächtigung zur Anpassung der Waldbewirtschaftung bei Zielverfehlungen. „Hier wird versucht, die gescheiterte Novelle des Bundeswaldgesetzes durch die Hintertür wieder ins Spiel zu bringen“, erklärte der Vorsitzende des Verbandes, Max von Elverfeldt. Die Branchenorganisation wertet dies als massiven Eingriff in das Eigentum und die Bewirtschaftung privater Wälder und fordert, die Passage zu streichen.
Bundesregierung zum Handeln verpflichtet
Das Klimaschutzprogramm soll darlegen, wie die Bundesregierung ihre Klimaziele erreichen will. Zuletzt hatte das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) am 29. Januar entschieden, dass das aktuelle Klimaschutzprogramm 2023 ergänzender Maßnahmen bedürfe, um das nationale Klimaziel einer Senkung der Treibhausgasemissionen im Vergleich zum Jahr 1990 um mindestens 65 % bis 2030 zu erreichen. Geklagt hatte die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die zuvor bereits vom Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg recht bekommen hatte.
Unabhängig vom BVerwG-Urteil muss die Bundesregierung laut § 9 Absatz 1 Satz 1 Bundes-Klimaschutzgesetz spätestens zwölf Kalendermonate nach Beginn einer Legislaturperiode ein Klimaschutzprogramm beschließen. Da der 21. Deutsche Bundestag sich am 25. März 2025 konstituierte, ist die Frist dafür also bald erreicht. Die DUH kündigte bereits im Januar an, von ihrem Klagerecht Gebrauch zu machen, sollte die Bundesregierung ein ausreichendes Klimaschutzprogramm nicht rechtzeitig beschließen.
Drei Tage lang, vom 11. bis 13. Februar, trafen sich die Bundesjugendreferenten der Landjugendverbände zum jährlichen Koordinierungstreffen im Tagungskloster am Frauenberg in Fulda. Für den Landjugendverband Schleswig-Holstein (LJV) nahm Bundesjugendreferent Thore Groth teil. Ziele des Treffens sind der fachliche Austausch, die gemeinsame Fortbildung und die Weiterentwicklung der Landjugendarbeit auf Bundes- und Landesebene.
Die Anreise nach Fulda verlief in diesem Jahr überraschend reibungslos, was in der Vergangenheit nicht immer selbstverständlich war. Nach gut sechseinhalb Stunden erreichte Thore die neuntgrößte Stadt Hessens, die mit ihren barocken Bauwerken und der Lage in der Rhön beeindruckt. Der anschließende Aufstieg zum über der Stadt thronenden Frauenberg war wie gewohnt schweißtreibend, bot aber zugleich eine eindrucksvolle Kulisse für die Tagung.
Wie demokratische Beteiligung im ländlichen Raum gestärkt werden kann, war eines der Tagungsthemen. Foto: Thore Groth
Pünktlich zum Mittagessen im inklusiv geführten Klostercafé trafen nach und nach die Bundesjugendreferenten sowie Sandra Schlee, Referentin für Jugendpolitik und Bildung beim Bund der Deutschen Landjugend (BDL), ein. In lockerer Runde wurden dann erste Themen gesammelt, die in die Tagesordnung aufgenommen wurden. Diskutiert wurde unter anderem das neue Schutzkonzept des BDL, das derzeit finalisiert wird und bereits umfangreiches Feedback aus den Landesverbänden erhalten hat. Weitere Punkte waren das jugendpolitische Engagement am Beispiel des Arbeitskreises Jugendpolitik, der sich seit Jahren als Erfolgsformat etabliert hat, sowie der Umgang mit Diskriminierung, Rassismus und Rechtsextremismus in den Verbänden. Einigkeit bestand darin, dass die Landjugend offen für alle bleibt und sich klar gegen demokratie- und menschenfeindliche Strömungen positioniert.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf internationalen Austauschformaten, Fördermöglichkeiten und dem Umgang mit internationalen Austauschlandjugendlichen beim Deutschen Landjugendtag sowie deren Begleitung. Der erste Tag klang mit einem gemeinsamen Abendessen in einem indischen Restaurant in Fulda aus.
Der zweite Tag begann bei für das norddeutsche Gemüt fast frühlingshaft anmutenden Temperaturen mit einem Gruppenfoto, bevor Gabriele Rohmann vom Archiv der Jugendkulturen einen Workshop zu Jugendkulturen und Subkulturen leitete. Dabei ging es um Mediennutzung, das Auftreten politischer Gruppen in Sozialen Netzwerken und die Auseinandersetzung junger Menschen mit diesen Inhalten. Neben den vielfältigen Bildungsangeboten des Archivs, wie Graffiti-Workshops und Ausstellungen, standen auch interaktive Elemente auf dem Programm: Die Teilnehmenden analysierten Texte und Liedinhalte und ordneten diese politischen Strömungen zu. Der Tag endete mit einem Besuch der Fuldaer Innenstadt, einem Abendessen sowie einer optionalen Bierprobe in einem gemütlichen Wirtshaus.
Am Freitag stand der Austausch mit Prof. Marion Näser-Lather von der Universität Innsbruck im Mittelpunkt, die online zum Forschungsprojekt „YouReAct – Young People in Remote Regions“ berichtete. Das Projekt untersucht, wie sich soziales Engagement junger Menschen in politisches Engagement überführen lässt und wie demokratische Beteiligung im ländlichen Raum gestärkt werden kann. Feldstudien fanden auch in Schleswig-Holstein statt, unter anderem in Sörup, Dagebüll und Wyk auf Föhr. Erste Ergebnisse zeigen eine ausgeprägte regionale Identität und ein starkes Gemeinschaftsgefühl, gleichzeitig aber Herausforderungen bei Perspektiven und Beteiligungsmöglichkeiten. Auffällig ist die Lücke in der Altersgruppe junger Erwachsener, die für Ausbildung oder Studium wegziehen, aber oft später zurückkehren. Gerade auf Föhr wurde zudem die Sorge um die Auswirkungen des Klimawandels deutlich, die für Inselbewohner eine zentrale Zukunftsfrage darstellt. Weitere Beobachtungen betrafen den Wandel der Dorfgemeinschaften, fehlende Räume für Jugendliche und die Bedeutung von Vereinen und Begegnungsorten. Die Ergebnisse liefern wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Beteiligungsarbeit im Landjugendverband Schleswig-Holstein.
Neben der Weiterentwicklung der Landjugendarbeit gab es auch Gelegenheit, die Fuldaer Innenstadt zu besuchen. Foto: Thore Groth
Im abschließenden Block tauschten sich die Bundesjugendreferenten über ihre Arbeitsschwerpunkte aus, etwa Jugendbeteiligung, Medienkompetenz und Nachwuchsgewinnung für die Vorstandsarbeit. Diskutiert wurde, wie die Landjugend junge Menschen besser für ehrenamtliches Engagement begeistern kann, beispielsweise durch öffentliche Veranstaltungen und zielgruppengerechte Social-Media-Arbeit.
Nach einem letzten gemeinsamen Mittagessen mit Blick über Fulda ging es für Thore schließlich zurück nach Schleswig-Holstein. Die kleine Gruppe nutzte die restliche Zeit für einen abschließenden Stadtspaziergang in Richtung Bahnhof. Drei intensive, lehrreiche und für die Landjugendarbeit wichtige Tage gingen zu Ende. Das Treffen zeigte erneut, wie wertvoll der Austausch auf Bundesebene ist und welche Impulse sich für die Arbeit vor Ort gewinnen lassen, von der Jugendbeteiligung bis zur Nachwuchsgewinnung im Ehrenamt.
Die Schau Neumünster am Abend 2026 erwies sich als rundum gelungene Veranstaltung. Hochwertige Töchtergruppen von Spitzenvererbern sowie hervorragend präsentierte Kühe aller Altersklassen und über fünf Rassen hinweg boten einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der regionalen Rinderzucht. Auch die Jungzüchter nutzten die Bühne, um ihr Können und ihre Tiere einem breiten Publikum vorzustellen.
Den Auftakt bildete der Typwettbewerb der schwarzbunten Jungrinder, der mit zwei Richtklassen den Schauwettbewerb eröffnete. In der ersten Entscheidung setzte sich die schneeweiße „Armour“-Tochter „HSG Shine“ von Kai Schramm aus Wanderup an die Spitze. Sie überzeugte durch viel Adel, Harmonie und Ausstrahlung. In der Siegerauswahl verwies sie die sehr substanzvolle „Donna“ (von „Golldice“) aus der Zucht von Hendrik Vöge, Krummbek, auf den zweiten Platz, die besonders durch Rahmen und Kapazität gefiel.
Nachzuchten von hoher Qualität
„Precision“, aktuell Nummer eins der deutschen Topliste, präsentierte eine überzeugende Töchtergruppe. Seine Nachkommen zeigten sich milchtypisch, mit gut gelagerten, mittelbreiten Becken und erkennbarem Entwicklungspotenzial. Trockene, korrekte Fundamente mit paralleler Hinterbeinstellung sowie sehr gute Bewegungsabläufe rundeten den positiven Gesamteindruck ab. Besonders hervorgehoben wurden die exzellenten Euter mit guter Textur und optimaler Aufhängung. Auch in den Merkmalen Eutergesundheit, Persistenz und Futtereffizienz bestätigte der Bulle seine Vererbungsstärke.
Ebenso überzeugten die Töchter des Bullen „Soundmax“. Die harmonischen Kühe im mittleren Rahmen verfügten über breite, optimal gelagerte Becken sowie trockene Sprunggelenke mit funktionaler Hinterbeinwinkelung. Diese Merkmale lassen eine hohe Laufstalltauglichkeit erwarten. Unterstützt wurde dies durch eine sehr sichere Eutervererbung. „Soundmax“ eignet sich zudem für den Einsatz auf Färsen und hinterlässt vitale Kälber.
Den Siegertitel bei den schwarzbunten Nachzuchtkühen sowie den Titel Nachzucht-Champion über alle Rassen errang die „Soundmax“-Tochter „Comet“ von der Hachmann GbR aus Bevern. Mit „Duden“ von der Carstensen-Delfs GbR aus Rantrum ging auch der Titel der Reservesiegerin an eine „Soundmax“-Tochter. In der „Precision“-Nachzucht errang „Celeste“ von der Beecken-Wischmann GbR aus Henstedt-Ulzburg den 1a-Platz.
„Soundmax“-Tochter „Comet“ von der Hachmann GbR aus Bevern als Siegerin der Nachzuchten
Färsenklassen zeigen sich euterstark
Die drei Färsenklassen präsentierten sich auf einem außergewöhnlich hohen Niveau, insbesondere hinsichtlich der Euterqualität. Dies wurde von den Preisrichtern Cord Hormann und Klaus-Dieter Augustin mehrfach betont. Den Sieg sicherte sich die pechschwarze „Danina“ (von „Prince“) aus der Zucht von Dirk Huhne, Bergfeld. Sie setzte sich gegen die sehr konkurrenzstarke „HaH Lambada“ (von „Lambda“) aus der Züchtergemeinschaft Ralf Bauer und Hannes Höft, Rastorfer Passau, durch. Ausschlaggebend waren die größere Feinheit des Skeletts und der höhere Euterboden der Siegerin, während die Reservesiegerin mit mehr Substanz und einem besonders hohen Hintereuter überzeugte.
Hochspannung bei Zweitkalbskühen
Große Spannung herrschte in der Rubrik der Zweitkalbskühe, da hier mehrere Anwärterinnen auf den Grand-Champion-Titel antraten. Die Entscheidungen an den Klassenspitzen fielen entsprechend knapp aus. In der Siegerauswahl Jung überzeugte die „Bonum“-Tochter „Bonanza“ von Christian Fischer aus Brunsbek. Die sehr kompakte, schneeweiße Kuh punktete mit einem exzellenten Fundament und spielte ihre Stärken gekonnt aus. Den Reservesieg errang die euterstarke „HaH Carola“ von Andreas Bewerdorff aus Bockhorn.
Kühe mit drei und vier Kalbungen
Die Klassen der Kühe mit drei und vier Kalbungen zeichneten sich durch eine außergewöhnlich hohe Qualität aus. Die Gonnsen GbR aus Struckum stellte mit „GOG Atlanta“ (von „White“) eine Kuh, die den Preisrichter von Beginn an überzeugte. Besonders das ausdrucksstarke Seitenbild mit tiefer, offener Rippe sowie das hohe, breite Hintereuter gaben den Ausschlag. Sie setzte sich auch in der Siegerauswahl Mittel souverän durch. Reservesiegerin wurde die sehr jugendliche „HSG Alma“ von Kai Schramm aus Wanderup, die besonders mit ihrem sehr hohen und stark beaderten Euter zu gefallen wusste.
Alte Kühe top in Form
Die Altkuhklassen unterstrichen eindrucksvoll die große Langlebigkeit und die seit Jahren hohen und stetig wachsenden Tierwohlstandards unserer Mitgliedsbetriebe – was auch das Publikum mit kräftigem Applaus honorierte. Zur Siegerin wurde „Mitzy“ (von „Elude“) von Dirk Huhne aus Bergfeld gekürt, die sich erneut in hervorragender Form präsentierte. Der Reservesieg ging an die „Control“-Tochter „Soda“ von Henrik Holm und Hauke Jebens aus Hanerau-Hademarschen.
Geehrt für die höchste Lebensleistung wurde „Lillifee“ von Hans-Joachim Lüer aus Niendorf.
Besonders hervorzuheben ist die „NOG-Jeremy“-Tochter „Lillifee“ von Hans-Joachim Lüer aus Niendorf. Mit bislang über 124.000 kg Milch war sie nicht nur die älteste, sondern auch die leistungsstärkste Kuh der Schau. Diese Leistung wurde mit einer von der RBG Memmingen gestifteten Kuhglocke gewürdigt.
Überzeugende Qualität im Rotbunt-Ring
Den Auftakt im Rotbunt-Ring gestalteten die Jungzüchter. Vier Teilnehmer stellten sich dem Wettbewerb und präsentierten Tiere von hoher Qualität. Preisrichterin Juliane Hassbargen stellte die „Doral-Red“-Tochter „Sole“ von Dirk Huhne, Bergfeld, an die Spitze. Vorgeführt von Daniel Döring, überzeugte die „Jordy“-Tochter aus der bekannten „Supergirl“-Familie durch Adel und sehr gute Fundamente.
Nachzuchten wissen zu überzeugen
Bei den rotbunten Nachzuchten wurden Töchter der Bullen „Elektro P“ und „Mats DN“ vorgestellt. „Elektro P“, ein hornloser Red-Holstein-Bulle aus dem bekannten „Larissa“-Stamm von Phillip Ellerbrock aus Westerau, präsentierte eine sehr einheitliche, großrahmige Gruppe mit hervorragenden Eutern. Zur Siegerin kürte die Preisrichterin „Country P“ von Frank Sievers, Beidenfleth, vor „Curry“ von Karsten Kaack aus Ratzbek. Drei Tiere dieser Gruppe nahmen auch am weiteren Schauwettbewerb teil.
Gut herausgebracht zeigte sich die Nachzucht von „Elektro P“.
Große Aufmerksamkeit galt auch der Nachzucht von „Mats DN“, aktuell Spitzenreiter der Topliste Rotbunt-Doppelnutzung. Sechs Töchter aus Red-Holstein- und DN-Anpaarungen überzeugten mit ausgeprägtem DN-Typ, guten Fundamenten und funktionalen Eutern. Siegerin wurde die großrahmige „Mats-DN“-Tochter „Corinna“ von Jürgen Wiggers aus Brokdorf. Den zweiten Platz belegte „Colibri“ von Carsten Stöven.
Allrounder: Rotbunt-Doppelnutzung
Im Wettbewerb der DN-Kühe zeigten fünf Klassen eindrucksvoll die Leistungsfähigkeit der Rotbunt-Doppelnutzung. Zehn Kühe traten zur Siegerauswahl an. Zur Siegerkuh bestimmte Preisrichterin Maria Thiele die „Mats-DN“-Tochter „Bolivien“ von Dirk Blohm aus Klein Nordende. Die Zweitkalbskuh überzeugte mit ausgeprägtem DN-Typ, starkem Fundament sowie hohen Inhaltsstoffen von 4,77 % Fett und 3,92 % Eiweiß. Reservesiegerin wurde die kraftvolle „Bahlsen-DN“-Tochter „California“ von Thomas Hell aus Groß Sonnendeich.
Ein strahlendes Gesicht bei Züchter Ulf Blohm aus Klein Nordende für „Bolivien“, Siegerin Rotbunt-DN
Enge Entscheidungen bei Red Holsteins
Auch bei den Red Holsteins präsentierten sich vor allem die Färsenklassen sehr einheitlich. Den Sieg errang die jugendliche „Spectre-PP“-Tochter „Disco“ von Helge Jeß aus Owschlag, gezogen von Klaus Jürgen Wichmann aus Haby. Reservesiegerin wurde die „Elektro-P“-Tochter „Country P“ von Frank Sievers, die damit bereits ihren zweiten Titel an diesem Abend errang.
In den mittleren Klassen setzte sich die jüngere Zweitkalbskuh „Kolara“ von der Zuchtgemeinschaft Holm/Jebens aus Hademarschen durch. Reservesiegerin wurde hier die „Diamondbac“-Tochter „ELL Sunlight“ von Phillip Ellerbrock, die mit viel Typ und Kapazität überzeugte.
Supergirl war nicht zu schlagen
Ein Höhepunkt war die Klasse der Kühe mit vier Abkalbungen. Die vielfach ausgezeichnete „Jordy“-Tochter „Supergirl“ von Dirk Huhne aus Bergfeld sicherte sich einen weiteren Siegertitel. Reservesiegerin Alt wurde die „Dice-Red“-Tochter „HaH Zulu“ von Andreas Bewersdorff aus Ruhwinkel, die besonders mit hervorragenden Übergängen und drüsigem Euter überzeugte.
Angler stellen den Juniorchampion
Die Angler-Abteilung der RSH eG war mit zwei Jungrinderklassen, fünf Kuhklassen sowie einer Nachzuchtgruppe vertreten und konnte sich dabei eindrucksvoll präsentieren.
Die Angler-Jungzüchter führten acht Top-Jungrinder im Ring vor, die von Preisrichter Michael Lang aus Hallblech im Allgäu in zwei Klassen gerichtet wurden. Die Betriebe Jacobsen aus Hohenlieth und Göttsche-Tobian aus Schwedeneck stellten jeweils drei Tiere. Reservesiegerin wurde die 1a-Färse der ersten Klasse, „GTR Elisa“, eine feinzellige „Heroo-P“ x „Thymian“-Tochter aus dem Betrieb Göttsche-Tobian. Den Siegertitel der Jungrinder errang ihre Stallgefährtin „GTR Darunia“, eine harmonische „Impalu“-Tochter aus der bekannten Angler Championkuh „Zelda“.
Die Zukunft der Angler-Zucht liegt beim gleichnamigen Vererber.
Zukunft – Nachzucht überzeugt
Der „Wild“-Sohn „Zukunft“ ist seit einem Jahr im Wiedereinsatz, und so war es sehr erfreulich, dass er auf der Schau eine Nachzuchtgruppe stellen konnte. Sechs Töchter präsentierten sich sehr einheitlich und gaben das lineare Profil des Bullen klar wieder. Die Zweitkalbskühe überzeugten mit ausreichend Rahmen und Stärke, breiten, geneigten Becken sowie sicheren Fundamenten. Die fest aufgehängten Euter mit starkem Zentralband rundeten den positiven Eindruck ab. Weitere Vorteile des Bullen sind Nutzungsdauer, Melkbarkeit, Robotereignung und ein günstiger Kalbeverlauf. Züchter Markus Fuschera-Petersen aus Fahrdorf stellte gleich vier Töchter in der Gruppe. Der 1a-Preis ging an die ausdrucksstarke „Riga“-Enkelin „Berberitze“ von Michael Petersen aus Taarstedt.
Junge und alte Kuhklassen
Den Auftakt bei den Schaukühen machten wie gewohnt die jungen Kühe. In der Klasse der einkalbigen Tiere gewann die „Unicus“-Tochter „Corni“ aus der Zucht von Markus Fuschera-Petersen den 1a-Preis. Die euterstarke Kuh wurde später Siegerin Jung und errang zudem den Juniorchampion-Titel über alle Rassen. Reservesiegerin Jung wurde die harmonische „Celma“ („Schlei“ × „Vlake“) von Michael Petersen aus Taarstedt.
Der stolze Juniorchampion „Corni“ von Markus Fuschera-Petersen aus Fahrdorf
In Klasse 3 traten sechs Kühe mit drei Abkalbungen an. Die „Vimo“-Tochter „Alice“ von der Andersen-Vogt GbR aus Roosgard wurde zur Siegerkuh Alt gekürt und überzeugte durch enormes Kaliber. Reservesiegerin wurde die „Wotan“-Tochter „Begonie“ von Michael Petersen aus Taarstedt. Besonders hervorzuheben ist „Tara EX 90“, die „Haithabu“-Enkelin, die nach ihrer achten Abkalbung als älteste Angler Kuh die Klasse 5 gewann.
Jersey-Kühe erneut vertreten
Zum zweiten Mal nach 2022 waren auch Jerseys vertreten. Sieben Betriebe stellten 14 Kühe. Diese wurden ebenfalls von Michael Lang gerichtet. Bei den jungen Jerseys gewann die euterstarke „Toryn“-Tochter „Cathy“ von der Bensenhof GbR aus Achtrup und wurde später Siegerin der Jerseys. In der Klasse der älteren Jerseys erhielt die dreikalbige „Highlight“, ebenfalls aus dem Stall der Bensenhof GbR, den 1a-Preis und die Reservesiegerschärpe.
„Cathy“ von der Bensenhof GbR aus Achtrup wird Siegerin der Jerseys.
Einstimmigkeit beim Grand Champion
In der abschließenden Grand-Champion-Auswahl fiel das einstimmige Urteil der Preisrichter auf „Mitzy“ von Dirk Huhne, Bergfeld. Sie sicherte sich damit den Titel Grand Champion Neumünster am Abend 2026.
Insgesamt konnte die RSH eG rund 3.500 Besucher aus aller Welt begrüßen, die maßgeblich dazu beitrugen, diese Schau als Goldstandard unter den deutschen Rinderschauen zu etablieren.
Grand Champion „Mitzy“ von Dirk Huhne aus Kasseedorf konnte sich am Ende durchsetzen.
Großen Besuch erhielten die Büsumer LandFrauen: Die Rettungshundeführerin Britta Lehmusvirta war gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Rettungshundestaffel West-Holstein e. V. sowie fünf Hunden zu Gast.
Zum Auftakt stellte Britta Lehmusvirta ihren Schulbegleitungs- und Therapiehund Carlos vor, der sie täglich in die Büsumer Schule am Meer begleitet und dort Kinder der ersten bis vierten Klassen unterstützt.
Carlos hilft dabei, unruhige Kinder zu beruhigen, erleichtert den Zugang zu schüchternen Schülerinnen und Schülern und kann – stets mit Zustimmung der Eltern – auch Ängste vor Hunden abbauen. Die Kinder lesen ihm gern vor und üben so spielerisch ihre Lesefähigkeiten, während Carlos entspannt ein Nickerchen hält. Durch gemeinsame Spiele wird unter anderem das Marburger Konzentrationstraining durchgeführt, in der Sporthalle kommen Fang- und Laufspiele zum Einsatz. Sein Können bewies Carlos eindrucksvoll beim Memory- und Becherspiel sowie kleinen Rechenaufgaben, bei denen er die Pfote hob.
Im Anschluss stellte Britta Lehmusvirta auch ihren Rettungshund Jori vor, und die Mitglieder der Rettungshundestaffel berichteten von ihrer ehrenamtlichen Arbeit: Der Verein zählt 26 Mitglieder und 25 Hunde, darunter 14 ausgebildete Flächensuchhunde und ein Mantrailer.
Die Hunde sollen eine beruhigende Wirkung haben und die Schulkinder beim Konzentrationstraining unterstützen. Fotos: Gunthild Thede
Rund um die Uhr sind die Teams in den Kreisen Dithmarschen und Steinburg einsatzbereit. Bei der Flächensuche arbeiten die Hunde frei, ausgestattet mit Halsband, Glocke und Tracker. Nach vorheriger Windberechnung können sie in kurzer Zeit Flächen von bis zu 30.000 m² absuchen – eine wichtige Hilfe, besonders bei der Suche nach vermissten älteren Menschen.
Die Arbeit fordert die Hunde vor allem geistig durch intensive Nasenarbeit. Lob und Spiel gehören selbstverständlich dazu, auch wenn eine Suche einmal nicht erfolgreich ist. Die Einsätze und Übungen erfolgen stets in enger Zusammenarbeit mit der Feuerwehr. Zum Abschluss dankte die erste Vorsitzende der Büsumer LandFrauen, Annemarie Blas, für die eindrucksvollen Einblicke mit einer Spende. Die Hunde nutzten die Gelegenheit, sich ihre wohlverdienten Streicheleinheiten beim Publikum abzuholen.
Gunthild Thede/lfv
Kunst und Kochen
im Freilichtmuseum Molfsee
Foto: lfv sh
Im Rahmen der vierteiligen Ausstellung „State of Nature“ der Landesmuseen Schleswig-Holstein zieht ab dem 27. Februar „The Field“ von Rebecca Louise Law in das Jahr100Haus im Freilichtmuseum Molfsee ein. Hafer und Blumen wuchsen auf den Museumsfeldern, wurden gemeinsam geerntet, getrocknet und verarbeitet – ein Werk, das Nahrung, Landschaft, Handarbeit und Gemeinschaft auf besondere Weise verbindet.
Begleitend zur Ausstellung laden die LandFrauen am Sonntag, 1. März, von 14 bis 16 Uhr dazu ein, traditionelle und moderne Hafergerichte gemeinsam zuzubereiten, Wissen auszutauschen und die Speisen in geselliger Runde zu genießen.
Anmeldungen werden unter Tel.: 04 31-6 59 66 22 oder unter: service@landesmuseen.sh erbeten. Der kleine LandFrauenworkshop ist kostenlos, der Eintritt ins Freilichtmuseum beträgt 12 €. Text: Judith Bühlmeier
Schleswig-Holstein ehrt zum ersten Mal ausgewählte Projekte mit dem Zukunftspreis Landwirtschaft Schleswig-Holstein. Diese setzen die 24 Thesen des Dialogprozesses „Zukunft der Landwirtschaft“ bereits konsequent in die Praxis um.
Die Auszeichnung fand auf dem Hof Moorhörn in Passade, Kreis Plön, statt. Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) würdigte die Preisträgerinnen und Preisträger für ihre nachhaltige und zukunftsweisende Arbeit. „Die ausgezeichneten Betriebe und Projekte zeigen eindrucksvoll, dass der Dialogprozess zur Zukunft der Landwirtschaft nicht nur auf dem Papier stattfindet, sondern in der Praxis wirkt“, sagte Schmachtenberg. „Sie sind Leuchttürme für nachhaltige Innovation, die ökologische Verantwortung, wirtschaftliche Stärke und gesellschaftliche Akzeptanz miteinander verbinden.
Schleswig-Holstein profitiert von diesen Vorreitern, die den Wandel aktiv gestalten und Impulse für die gesamte Branche setzen.“ Der Zukunftspreis, initiiert vom Ministerium für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz (MLLEV), wurde 2025 erstmals ausgeschrieben. Ziel ist es, praxisnahe Umsetzungen der 24 Thesen sichtbar zu machen, Nachahmung zu fördern und den Austausch innerhalb der Landwirtschaft zu stärken. Unter insgesamt 26 Bewerbungen aus allen Bereichen der Wertschöpfungskette sowie von Bildungsinitiativen und Kooperationen wählte die Steuerungsgruppe des Dialogprozesses zur Zukunft der Landwirtschaft in Schleswig-Holstein die Preisträgerinnen und Preisträger aus.
Den zweiten Platz holte sich die Domäne Fredeburg, die zwischen Mölln und Ratzeburg liegt. Foto: Patrick Mühling
Der Preis ist mit insgesamt 10.000 € dotiert und wurde an drei Projekte vergeben. Den ersten Platz belegte Hof Moorhörn im Kreis Plön (5.000 €). Der Betrieb überzeugte durch eine Kombination aus Gefriertrocknung, die heimische Produkte ganzjährig verfügbar macht, konsequenter vollständiger Produktverwertung sowie der Nutzung Erneuerbarer Energien. Die Jury sah darin ein besonders gelungenes und zukunftsweisendes Gesamtkonzept, das als Vorbild für andere Betriebe in Schleswig-Holstein dienen könnte.
EinStückLand aus dem Kreis Segeberg belegte den dritten Platz beim Zukunftspreis. Foto: Patrick Mühling
Die Domäne Fredeburg GbR im Kreis Herzogtum Lauenburg (zweiter Platz, 3.000 €) habe durch die Verbindung von Landwirtschaft, regionalem Handwerk, Kulturveranstaltungen und Hofküche als sozialem Begegnungsort überzeugt. Die Jury würdigte damit ein Konzept, das lebendige ländliche Räume schaffe und gesellschaftliche Teilhabe fördere. EinStückLand im Kreis Segeberg (dritter Platz, 2.000 €) wurde für die Kombination aus einem besonders nachhaltigen Versand- und Vermarktungskonzept mit strohisolierten Kartons und gebündelten Bestellungen, Kooperation mit kleinen Betrieben, artgerechter Tierhaltung und nachhaltiger Verarbeitung ausgezeichnet.
Die Jury bewertet dies als ein praxisnahes Modell für nachhaltige Wertschöpfung. Ministerin Schmachtenberg betonte den politischen und gesellschaftlichen Wert der Initiative: „Der Dialogprozess zur Zukunft der Landwirtschaft hat gezeigt, dass Betriebe, Verbände, Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Wissenschaft im ständigen Austausch Lösungen entwickeln können, die direkt in der Praxis wirken. Mit dem Zukunftspreis werden diese erfolgreichen Umsetzungen sichtbar gemacht, voneinander gelernt und der Innovationsgeist in Schleswig-Holsteins Landwirtschaft gestärkt.“pm/ Patrick Mühling
Der Bioschweinepreis ist im zweiten Halbjahr 2025 angestiegen, seitdem stabilisierten sich die Preise für Verbandsware bei zirka 4,80 €/kg SG auf hohem Niveau. Verbandsware stammt aus ökologischer Erzeugung nach Richtlinien von Anbauverbänden wie Bioland, Naturland oder Biokreis und ist direkt am jeweiligen Logo auf der Verpackung zu erkennen. Sie erfüllt höhere Standards als das EU-Bio-Siegel, etwa hinsichtlich Platzbedarf (mindestens 1,3 m² plus Auslauf) und Fütterung. Da die Produktionskosten durch die strengeren Auflagen höher sind, ist Verbandsware teurer als EU-Biofleisch. Die gute Nachricht für deutsche Produzenten: Deutsche Verbandsware fließt weiter gut ab und wird überall gesucht, ist also knapp. Dies wird von den Statistiken bestätigt: Maximal 1 % des deutschen Schweinebestandes wird ökologisch gehalten, bei Geflügel sind es immerhin 1,6 % und bei Rindfleisch 6,9 %. So ist es nicht verwunderlich, dass derzeit etwa ein Drittel des konsumierten Bioschweinefleischs aus Nachbarländern stammt. Die leichte Produktionssteigerung 2025 deckte bei Weitem nicht die Nachfrage.
Importe notwendig
Und so bieten sich Chancen für Anbieter aus Nachbarländern, die schon seit Längerem günstigere Bioschweine, sogenannte EU-Bioware entsprechend EU-Bio-Siegel, anbieten. Dänische Bioschweine etwa kosteten im Dezember 2025 zirka 3,45 €/ kg SG. Allerdings kommen zurzeit nur wenige Schweine von dort. Niederländische Bioschweine werden hierzulande seit Jahren umfangreich verarbeitet. Die Preise liegen in der Regel zwischen den deutschen und dänischen. Außerdem, und erst seit einigen Monaten in nennenswertem Umfang, kommen regelmäßig Bioschweine aus Spanien (?!) auf den deutschen Markt, ebenfalls zu deutlich günstigeren Preisen.
Verbandsware mit starker Marktposition
Verbandsware bleibt gefragt und ist ein wichtiges Verkaufsargument für viele LEH-Ketten. Bei einigen Wurstartikeln aber rudern manche Einzelhandelsketten zurück und verkaufen EU-Bio-Ware, die dann ohne Herkunftskennzeichnung aus verschiedenen EU-Nachbarländern stammen kann. Andere Handelsketten fahren zweigleisig und listen Verbandsware und günstigere EU-Bio-Ware gleichermaßen. Im Großen und Ganzen aber finden sich in allen Handelsketten, nur in jeweils unterschiedlichem Ausmaß, Artikel aus deutscher Verbandsware – und daran dürften sie auch weiter festhalten.
Ist deutsche Produktion steigerungsfähig?
Die zuletzt hohen Auszahlungspreise haben einige Landwirte motiviert, in die Bioschweinehaltung einzusteigen beziehungsweise sie auszuweiten. Insbesondere die Ferkelversorgung – über lange Zeit ein Flaschenhals – wird besser, da aus Bayern, Nordrhein-Westfalen und dem Osten des Landes von neuen Sauenställen berichtet wird. Gleichzeitig geben aber auch immer wieder Betriebe auf. Auch 2025 dürften die Bioschweinepreise weitersteigen, da Nachfrage und Angebot nach wie vor auseinanderklaffen. Denn trotz der attraktiven Preise scheint der Bioschweinebestand zu stagnieren. Bestehende Biobetriebe müssen Stallerweiterungen oft ohne Förderung stemmen, da die Agrarinvestitionsförderprogramme meist nur für Neu- und Umbauten genutzt werden können. Auch gilt es, mit Immissionsschutzauflagen zurechtzukommen.
Landwirtschaftliche Praxis und Politik trafen auf dem Kreisbauerntag der Kreisbauernverbände (KBV) Schleswig und Flensburg aufeinander, der am Freitag vergangener Woche mit rund 150 Besuchern in Schleswig stattfand. Während die Verbandsvertreter dringende Unterstützung forderten, stellte die andere Seite klar, was aus ihrer Sicht realistisch möglich sei und welche Maßnahmen bereits ergriffen wurden.
Der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Schleswig, Klaus-Peter Dau, sprach über Themen, die die Landwirtinnen und Landwirte in Schleswig-Holstein derzeit besonders umtreiben. Schwankende Preise am Markt, Ostseeschutz, Düngeverordnung, Bürokratieabbau sowie der Umbau der Tierhaltung standen auf der Agenda. Neben diesen Themen kam Dau auch auf das Dauergrünlanderhaltungsgesetz (DGLG) zu sprechen. Er forderte eine Abschaffung des Gesetzes und erklärte, dass die Landesregierung schon vor mehreren Jahren einer Evaluierung des Gesetzes zugestimmt habe. „Die Bewirtschaftung des Grünlands ist zusehends erschwert. Wir brauchen diese Flächen, um Silage herzustellen“, erklärte Dau. Die Abschaffung des DGLG würde „einen echten Beitrag zum Bürokratieabbau darstellen“.
Das Problem der Nachfolge
Klaus-Peter Dau fordert Erleichterungen bei der Grünlandbewirtschaftung und weitere Anstrengungen zum Bürokratieabbau. Foto: bb
Denn Bürokratie koste Zeit, die auf dem Hof fehle, und Geld, das nicht erwirtschaftet werde. Zudem sinke die Motivation bei den jungen Landwirtinnen und Landwirten, die einmal die Höfe übernehmen sollen. Dau erwartet deshalb von der Regierung eine Entlastung, denn ohne klare Zukunftsaussichten würden Schleswig-Holstein bäuerliche Betriebe und die Vielfalt des ländlichen Raumes verloren gehen. Auch auf das Thema Tierhaltung kam er zu sprechen. „Wer Tierwohl fordert, muss auch bereit sein, die Mehrkosten dauerhaft zu tragen“, sagte er und fuhr fort: „Niemand hat ein größeres Interesse an gesunden Tieren als wir. Die Debatte darf aber nicht ideologisch sein.“ Verbote ohne Alternativen führten nicht zu mehr Tierwohl, sondern zu Importen aus dem Ausland, so Dau.
Landesregierung stimmt zu
„Landwirtschaft ist systemrelevant“, sagte Otto Carstens, Staatssekretär im Kieler Landwirtschaftsministerium (MLLEV), direkt zu Anfang seines Vortrags und betonte, dass er das Amt übernommen habe, um sich unter anderem für die Belange des ländlichen Raumes einzusetzen. Er stimmte den Sorgen und Befürchtungen der anwesenden Landwirte weitestgehend zu, führte aber auch an, welche konkreten Maßnahmen das MLLEV bereits durchgesetzt habe – darunter die Einrichtung des Kompetenzzentrums Klimaeffiziente Landwirtschaft und den Aktionsplan Ostseeschutz. „Wir setzen bewusst auf Kooperation statt auf Auflagen – und das funktioniert“, unterstrich Carstens. Alle fünf Ostseebeiräte hätten bereits selbst erarbeitete Konzepte vorgelegt. Das sei also nicht durch politische Vorgaben geschehen.
Für den Staatssekretär gehört auch die Tierhaltung zu Schleswig-Holstein. Diese habe seit Generationen die Gesellschaft geprägt und verdiene politische Rückendeckung. Verbraucherinnen und Verbraucher erwarteten aber auch höhere Tierwohl-Standards. „Wenn wir den Umbau wollen, brauchen die Betriebe verlässliche Förderungen und Perspektiven“, erklärte Carstens.
DGLG bleibt
BVSH-Präsident Klaus-Peter Lucht benannte die aktuellen Probleme in der Landwirtschaft. Foto: Patrick Mühling
Zusammen mit dem Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH) und der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein hat das MLLEV eine Arbeitsgruppe zum Bürokratieabbau eingerichtet.
„Eine Abschaffung des Dauergrünlandgesetzes wird es in dieser Amtsperiode jedoch nicht geben – das muss ich ganz klar so sagen“, erklärte er unter dem deutlich vernehmbaren Unmut der Anwesenden. Die verbleibende Amtszeit von knapp einem Jahr reiche, so Carstens, nicht aus, um kritische Änderungen an Gesetzen wie dem DGLG vorzunehmen. Er betonte allerdings, dass sein Ministerium es in kurzer Zeit geschafft habe, die Schadenersatzsumme für durch Wildgänse verursachte Ernteschäden im Rahmen der Wildgänserichtlinie von 350.000 € auf 1,2 Mio. € zu erhöhen. „In Zeiten knapper Kassen ist das eine richtig tolle Leistung. Wir wissen aber auch, dass Schadenersatz nicht das ist, was die Bauern wollen. Sie wollen ihre Arbeit machen“, gestand Carstens. Das MLLEV versuche, sich für eine Vergrößerung des Kreises an Menschen einzusetzen, die Gänse entnehmen dürften.
Kampf mit knappen Kassen
Er machte ebenfalls deutlich, dass er verstehe, dass viele landwirtschaftliche Betriebe die Vielzahl an Auflagen zu Recht als Belastung empfänden, jedoch setzten die öffentlichen Haushalte klare Grenzen, und es müsse bis 2030 1 Mrd. € eingespart werden. Durch die beschriebene schwierige Haushaltslage sei Prioritätensetzung das Stichwort.
„75 Prozent der Menschen in Schleswig-Holstein leben auf dem Land. Die Landwirtschaft und der ländliche Raum stehen im Mittelpunkt der Politik unseres Ministeriums, aber es muss auch für andere Belange aktuell Geld in die Hand genommen werden“, bekräftigte der Staatssekretär.
„Ernährung bleibt die Grundlage für alles. Dies geht aber nicht ohne Veränderungen“, so Malte Jacobsen, Vorsitzender KBV Flensburg. Foto:rq
Der Schnee und die frostigen Temperaturen in diesem Winter haben kaum negativen Einfluss auf die Überwinterung der Stängelschädlinge. Mit steigenden Temperaturen gilt deshalb eine erhöhte Aufmerksamkeit für das Erwachen bersonders des Großen Rapsstängelrüsslers, denn dessen Zuflug in die Rapsbestände und der nachfolgende Schaden können zu spürbaren Ertragsverlusten führen (optisch: Verdrehen und Aufplatzen der Rapsstängel). Um dies zu vermeiden, reichen allein „Bauchgefühl“ oder nur der Blick auf die Wetterstation nicht aus, sondern die Gelbschale auf dem Acker bleibt das geeignete Hilfsmittel.
Kurzer Rückblick auf 2025: Im Frühjahr wurde auf den Schlägen zur Schaderregerüberwachung des Pflanzenschutzdienstes der Landwirtschaftskammer an lediglich vier Standorten ein Zuflug von mehr als fünf Rapsstängelrüsslern festgestellt. Der Gefleckte Kohltriebrüssler trat vergleichsweise häufiger auf, zum Teil auch deutlich oberhalb der Bekämpfungsschwelle.
Die sauberen, möglichst nicht verblichenen Gelbschalen (kräftiges Gelb) müssen mit Wasser und etwas Spüli befüllt und zum Schutz von Bestäuberinsekten (Hummeln, Bienen et cetera) mit einem Gitter versehen werden. Von der Rapserdfloh-Überwachung übrig gebliebene Gelbschalen aus dem Herbst erfüllen diese Anforderungen nicht mehr. Je nach Wetterlage muss die Gelbschale regelmäßig alle paar Tage kontrolliert und gegebenenfalls das Wasser gewechselt werden. Sie sollte in der Höhe mit dem Bestand auch immer „mitwachsen“.
Die Gelbschalen sollten sauber und in einem leuchtenden Gelb in der Fläche stehen.
Geeignete Standorte für Gelbschalen
Der Große Rapsstängelrüssler kann schon bei Bodentemperaturen von zirka 5 °C erwachen. Aufgrund dieser Wetterabhängigkeit erfolgt dies jährlich zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Da der Große Rapsstängelrüssler auf den vorjährigen Rapsflächen überwintert und folglich auch dort erwacht, ist es ratsam, auf angrenzenden Befallsflächen des Vorjahresrapses (jetzt oft mit Winterweizen bestellt) eine Schale aufzustellen. Mindestens eine weitere Gelbschale wird dann noch im Randbereich zu diesen vorjährigen Rapsflächen aufgestellt, um die direkte Zuwanderung zu erfassen. Begrenzen auch noch Knicks oder Waldränder den aktuellen Rapsschlag, sollten auch dort Gelbschalen aufgestellt werden, denn in diesen Bereichen überwintert der Gefleckte Kohltriebrüssler (sowie Rapsglanzkäfer). Sind die Gelbschalen gut platziert, ist ihre Fängigkeit und damit die Aussagekraft deutlich erhöht (siehe Grafik).
Biologie bestimmt den Bekämpfungszeitpunkt
Der Große Rapsstängelrüssler sucht gleich nach dem Erwachen die nächstgelegenen Rapsschläge zur Eiablage auf. Die Weibchen sind bereits geschlechtsreif, sodass nach der Paarung die Eier sofort abgelegt werden können. Somit bleibt nicht viel Zeit für eine Behandlung, denn mit dem Vollzug der Eiablage beginnt auch schon die erste Schädigung des Rapses.
Das Weibchen scheidet bei der Herstellung der Ei-Nischen entsprechende Wuchsstoffe aus, die für die typischen Verdrehungen der Stängel verantwortlich sind. Die sich im Stängel entwickelnden Larven sind zudem vor Kontaktinsektiziden geschützt. Die Bekämpfung muss demzufolge zeitnah nach dem Zuflug, innerhalb von ein bis drei Tagen erfolgen. Das gilt auch, wenn nach dem Zuflug in die Bestände die Temperaturen sinken. Der Große Rapsstängelrüssler ist komplett schwarz gefärbt, wobei er durch seine dichte Behaarung eher grau wirkt.
Der Gefleckte Kohltriebrüssler benötigt für das Erwachen und die Einwanderung in die Rapsbestände normalerweise etwas höhere Temperaturen. In den vergangenen Jahren erfolgte dies jedoch oft zeitgleich mit dem Großen Rapsstängelrüssler. Den Gefleckten Kohltriebrüssler erkennt man, neben seiner geringeren Größe, was aber kein sicheres Unterscheidungsmerkmal in der Gelbschale ist, an dem weißen Fleck auf dem Rücken und den rotbraunen Füßen. Im Gegensatz zum Großen Rapsstängelrüssler vollzieht er erst einen Reifungsfraß, bevor er mit der Eiablage startet. Somit stehen für eine Bekämpfung, je nach Witterung, fünf bis zehn Tage zur Verfügung – je wärmer es ist, desto zügiger muss man handeln. Nach erfolgter Eiablage wachsen die Rapsstängel optisch weiterhin gerade weiter, sodass die Larven und somit der tatsächliche Befall äußerlich oft lange unentdeckt bleiben.
Im Inneren des Stängels fressen die Larven, infolgedessen ist das Innere verbräunt.Nach der Eiablage des Großen Rapsstängelrüsslers reagiert die Rapspflanze mit Verdrehungen: nur an der Triebspitze (li.) oder Verdrehung der ganzen Pflanze (r.).
Bekämpfungsschwellen beachten
Aufgrund seiner höheren Schadwirkung besitzt der Große Rapsstängelrüssler eine niedrigere Bekämpfungsschwelle von mehr als fünf Käfern pro begitterter Gelbschale innerhalb von drei Tagen. Sie liegt beim Gefleckten Kohltriebrüssler im gleichen Zeitraum von drei Tagen bei mehr als 15 Käfern pro begitterter Gelbschale.
Bekämpfung nach Schwellenüberschreitung
Für die Bekämpfung beider Schädlinge sind nach wie vor die Pyrethroide (zum Beispiel Karate Zeon) das Maß aller Dinge. Zwar spielen beim Gefleckten Kohltriebrüssler bundesweit zunehmend Resistenzen eine gewisse Rolle, der alternative Wirkstoff Acetamiprid im Produkt Carnadine 200 kommt aber nicht an die Wirkungsgrade der Pyrethroide heran. Das Käferstadium des Großen Rapsstängelrüsslers reagiert derzeit weiterhin sensitiv auf die Pyrethroid-Behandlung.
Treten neben den Stängelschädlingen zugleich bekämpfungswürdige Rapsglanzkäfer im Bestand auf, kann Trebon 30 EC (B2; Pyrethroid Klasse I) zum Einsatz kommen. Mavrik Vita/Evure (B4) sollten, außer wegen ihrer aktuell fehlenden Stängelrüssler-Zulassung, aufgrund ihrer guten Wirkung und B4-Einstufung zur Rapsglanzkäfer-Bekämpfung vorgesehen werden.
Fazit
Das rechtzeitige Aufstellen der Gelbschalen ist für die Feststellung des Zuflugs von Stängelrüsslern weiterhin unverzichtbar. Insbesondere beim Großen Rapsstängelrüssler liegen Zuflug und Bekämpfung zeitlich sehr eng beieinander. Hier gilt es, die Prioritäten richtig zu setzen.
Generell sollten jegliche Behandlungen nur nach Überschreitung von Bekämpfungsschwellen erfolgen. Die Resistenzsituation gegen Pyrethroide ist inzwischen bei einigen Rapsschädlingen massiv angespannt. Hier gilt es, im System zu denken. Zum Beispiel trifft ein eigentlich unnötiger Pyrethroid-Einsatz gegen den Rapsglanzkäfer eventuell nicht bekämpfungswürdige Kohltriebrüssler und/oder zusätzlich frühe Kohlschotenrüssler. Auch die Auswirkungen auf die ganzjährig in den Beständen vorhandenen Rapserdflöhe sind inzwischen sehr deutlich spürbar. Diese Tiere sind immer als Nebeneffekt auch von den Frühjahrsmaßnahmen betroffen, sodass sich der Selektionsdruck über die Jahre massiv erhöht hat.
Lahmheiten, Euterentzündungen, Stoffwechselstörungen oder Kälberdurchfall: Produktionskrankheiten sind in vielen Rinderbetrieben Alltag – und sie kosten Geld, Zeit und Nerven. Gleichzeitig rücken Tierwohl und Eigenkontrolle durch Gesetzgebung und Marktanforderungen stärker in den Fokus. Der neue Ratgeber „Tierwohlplanung“ des Thünen-Instituts bündelt wissenschaftliche Empfehlungen und Praxiserfahrungen und zeigt, wie Betriebe mit einem klaren, wiederholbaren Vorgehen Tierwohlprobleme frühzeitig erkennen und gezielt reduzieren können.
Tierwohl ist mehr als Gesundheit. Tierwohl beschreibt, wie es den Tieren geht und ob ihre Bedürfnisse erfüllt sind. Im Ratgeber wird Tierwohl als mehrdimensionales Konzept dargestellt, das die drei Aspekte Gesundheit, Verhalten und Emotionen umfasst. Eine gute Tierwohlsituation liegt vor, wenn Tiere gesund sind, sie von Schmerzen, Angst und Stress möglichst frei bleiben, tiergerecht gehalten und bedarfsgerecht gefüttert werden und ihre arteigenen Verhaltensweisen ausleben können.
Warum sich Tierwohlplanung lohnt
Mehr Tierwohl bringt gleich mehrere Vorteile: weniger Gesundheitsstörungen, geringeren Arzneimitteleinsatz, weniger Leistungseinbußen und damit oft auch geringere Kosten. Der Ratgeber nennt beispielhafte Kosten je Erkrankungsfall: Euterentzündungen schlagen mit rund 220 € zu Buche, Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen mit etwa 100 bis 150 €. Für einen Betrieb mit 100 Kühen kann sich – je nach Lahmheitsniveau – ein Schaden im fünfstelligen Bereich pro Jahr ergeben. Proaktives Management zahlt sich also aus – und steigert nebenbei auch die Arbeitszufriedenheit, weil der Umgang mit gesunden Tieren schlicht mehr Freude macht.
Das Konzept: Sehen – Verstehen – Verbessern
Herzstück der Tierwohlplanung ist ein kontinuierlicher Kreislauf aus drei Schritten, der regelmäßig wiederholt wird:
1. Sehen: Tierwohl messen und Ergebnisse einordnen. Dafür werden geeignete Indikatoren regelmäßig erhoben – möglichst direkt am Tier (zum Beispiel Lahmheit, Körperkondition, Verschmutzung). Auch Herdendaten aus HIT oder Q-Check können genutzt werden. Wichtig ist, die Erhebung immer nach derselben Methode durchzuführen und Ergebnisse auf Herdenebene auszuwerten.
2. Verstehen: Ursachen und Risikofaktoren analysieren. Welche Schwachstellen gibt es im Betrieb? Hier hilft ein objektiver Blick – oft gemeinsam mit Tierarzt und Beratung. Je gründlicher die Analyse, desto klarer werden die Stellschrauben für wirksame Maßnahmen.
3. Verbessern: Managementanpassungen planen und umsetzen. Betriebe setzen konkrete, überprüfbare Ziele und wählen praktikable Maßnahmen aus. Verantwortlichkeiten, Termine und Erfolgskontrollen werden festgelegt. Nach einer gewissen Zeit werden die Indikatoren erneut erhoben – und der Kreislauf beginnt von vorn.
So gelingt der Einstieg
Im Team arbeiten: Herdenmanager plus zwei bis drei Mitarbeitende – Tierarzt und Beratung einbinden. Zeitfenster planen: Indikatoren mindestens jährlich erheben, besser im Sommer- und Winterhalbjahr; Auswertung und Teamtermin fest einplanen.
• SMARTe Ziele setzen: spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert – lieber schrittweise verbessern als im Hauruckverfahren
• Monitoring praktikabel halten: nur Daten erheben, die auch für Entscheidungen genutzt werden (Nicht genutzte Daten sind überflüssig.)
• Biosicherheit mitdenken: Hygiene- und Sicherheitspläne helfen, Übertragungs- und Einschleppungsrisiken zu senken.
• Zwischendurch-Checks einbauen: Läuft die Dokumentation zuverlässig? Werden Auffälligkeiten rechtzeitig erkannt?
Tierwohlplanung ist ein praxisnahes Werkzeug für proaktives Herdenmanagement. Wer systematisch misst, Ursachen versteht und Maßnahmen konsequent umsetzt, kann Tierwohlprobleme reduzieren – und damit Kosten, Arbeitsaufwand und Frust. Der Ratgeber, der kostenlos bestellt oder als PDF heruntergeladen werden kann, bietet neben dem Konzept auch praktische Tipps und verweist auf kostenlose Tools unter www.tierwohlplanung.de
* Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt.
Etwas außerhalb von Bad Oldesloe, Kreis Stormarn, liegt die Reitanlage Seefeld mit dem Gestüt Camelot Arabians. Dort züchtet Corinna Knaack-Lindemann mit ihrer Tochter Isa Lindemann-Treptau Trakehner und arabische Pferde. Gemeinsam betreiben die beiden die Anlage und eine Reitschule.
„Ich komme nicht aus einem Pferdehaushalt, wusste aber schon mit vier Jahren, dass ich reiten wollte“, erzählt Corinna Knaack-Lindemann. Sie nutzte jede Gelegenheit, sich auf ein Pferd zu setzen, und betrieb dabei Learning by Doing. „Mir hat keiner Reitstunden bezahlt. Zu Hause dachten alle, ich sei verrückt geworden.“
Erst mit 20 Jahren erfüllte sie sich selbst ihren größten Wunsch: ein eigenes Pferd. Zu dem Zeitpunkt hätte sie fast alles gekauft, doch eine Freundin nahm sie mit auf ein Arabergestüt. Dort verliebte sie sich in eine strubbelige, zweieinhalbjährige arabische Halbblutstute, die sehr günstig zu verkaufen war. „Ich hatte damals selbst sehr große Vorurteile gegen Araber“, gibt sie heute zu, doch die Stute ließ sie umdenken.
Ohne große Ahnung ritt sie das Pferd im Gelände ein. Ohne Kappe, ohne Weste und immer allein – heute undenkbar. „Das war damals so“, gesteht sie. Corinna Knaack-Lindemann hatte wenig Geld. Die Stute stand in einem Offenstall und musste komplett selbst versorgt werden. Zubehör war teuer, einen Reitplatz gab es nicht, und trotzdem bildete sie die Stute und sich selbst bis zur Klasse L fort.
Nach dem Schulabschluss überlegte Knaack-Lindemann kurz, eine Ausbildung zur Bereiterin zu machen. Doch ihr wurde vermittelt, dass man es als Frau ohne Rückendeckung von zu Hause schwer habe im Pferdesport, und so entschied sie sich dagegen. „Mein Vater hatte eine Immobilienfirma, und ich hatte gesehen, dass sich damit gut Geld verdienen lässt“, erzählt sie. Also wurde sie Immobilienkauffrau, stieg bei ihrem Vater ein und kaufte ihm später die Firma ab. Geliebt hat sie den Job nie, aber sie war fleißig und arbeitete hart.
Immer ehrlich
Die Pferdeleidenschaft blieb. Zuerst pachtete sie eine Anlage in Norderstedt, dann konnte sie sich 1995 den ersten Hof in Quickborn kaufen. Er war aus dem Jahr 1895 und fast im Urzustand. Mit ihrem damaligen Ehemann werkelte sie insgesamt 18 Jahre lang an der Anlage herum. Ein Jahr nach dem Umzug kam Tochter Isa zur Welt, und Knaack-Lindemann holte sich das Büro ins Haus. „Anders war das nicht zu bewerkstelligen, mit Kind, 30 Pferden und dem Job“, erklärt sie. Die Phase sei manchmal stressig, aber auch sehr schön gewesen.
Tochter Isa hatte mit fünf Jahren ihr erstes eigenes Pony. Begleitet von ihrer Mutter Corinna Knaack-Lindemann, hier mit der Elitestute Galina ox, Mutter von Gabun, wurde sie zu einer begeisterten Reiterin. Foto: privat
Zu diesem Zeitpunkt hatte Knaack-Lindemann auch schon ihren ersten Deckhengst. Ihn hatte sie 1990 als Eineinhalbjährigen gekauft, eigentlich zum Distanzreiten. Aber die Abstammung war sehr gut, und auf Ausstellungen kam er so gut an, dass er Hengst bleiben durfte.
Damals war ihre Liebe zu arabischen Pferden schon voll entbrannt, dennoch wollte sich Knaack-Lindemann nicht auf eine Rasse festlegen. „Ich bin sehr groß“, begründet sie, warum immer Halbblutaraber oder Englische Vollblüter bei ihr zu Hause waren. Doch wenn sie über arabische Pferde spricht, gerät sie ins Schwärmen. „Sie bringen so viel Positives mit. Sie sind ehrlich, achtsam und menschenbezogen. Mit ihnen komme ich nie in Schwierigkeiten“, erklärt Knaack-Lindemann. Sie weiß, wovon sie spricht, denn sie hatte immer auch Warmblutpferde im Stall. Natürlich seien Araber leicht erregbar, dabei aber leicht zu halten. Sie habe noch nie Probleme mit ihren „Blütern“ gehabt.
Deshalb konnte die Pferdefrau auch nie verstehen, warum die Warmblutzüchter ihre Hengste nicht für die Veredlung einsetzten. Dabei hatten sogar alle eine Hengstleistungsprüfung abgelegt. Irgendwann belegte sie zwei ihrer eigenen Araberstuten mit Trakehner Hengsten. Für die eine wählte sie den sehr hübschen und überaus erfolgreichen Hibiskus als Vater, für die andere den Scheckhengst Camaro. „Ich schwärme schon immer für bunte Pferde“, erklärt sie.
Erfolgreiche Trakehner
Mit dem Trakehner Hengst Gabun ist Isa Lindemann-Treptau mehrfach S-platziert. Fotos: privat
Doch der Hengst war nicht nur für seine Farbe bekannt, sondern auch für sein freundliches Wesen und seine Rittigkeit. Diese Anpaarung gefiel ihr so gut, dass sie sie ein Jahr später wiederholte. Daraus ging der Scheckhengst Camar Gabun hervor, den sie auch zur Körung vorstellte. „Ich war schon so stolz, dass er in Neumünster laufen durfte. Nie hätte ich gedacht, dass er auch gekört wird“, erinnert sie sich an den Moment, als Gabun der erste gekörte arabische Halbblüter wurde.
Mit diesem Pferd ist Knaack-Lindemanns Tochter Isa mehrfach S-platziert, was dem Hengst eine Eintragung ins Hengstbuch I sicherte. „Bis zur Klasse M waren wir mit ihm auf Turnieren immer gern gesehen. Leider war die Scheckenliebe dann zu Ende. Meiner Tochter wurde sogar irgendwann empfohlen, doch lieber einen Braunen zu reiten“, berichtet Knaack-Lindemann von den noch immer bestehenden Vorurteilen gegenüber Schecken.
Ihre eigene Nachzucht überzeugte sie auch von den Trakehnern. So sind Mutter und Tochter inzwischen erfolgreiche Trakehner-Züchter. Auf Gabun folgte Camar Bahrain, ein zweiter gekörter Hengst aus eigener Zucht. Er ist ein Sohn des Arian Shah aus der Barani von Connery und bekam 2023 in Neumünster einen positiven Körentscheid. Er steht momentan auf der Hengststation Maas J. Hell in Klein Offenseth, Kreis Pinneberg, und ist mit Frischsamen verfügbar. „Anders wäre er schwer zu vermarkten gewesen“, erklärt Knaack-Lindemann. Dass die Stationschefin Jasmin Ulonska Bahrain selbst reitet und regelmäßig ins Schwärmen gerät, gibt ihr ein gutes Gefühl.
Der Hengst soll langsam weiterausgebildet werden. Von Turnieren für Drei- bis Fünfjährige halten die Damen vom Gestüt Camelot Arabians nicht viel. „Bei uns muss keiner siebenjährig Klasse M und achtjährig Klasse S laufen“, so Knaack-Lindemann. Der Fuchshengst hat also noch Zeit. Später soll Isa Knaack-Treptau ihn reiten. Sie ist inzwischen bis S*** erfolgreich und auch der Grund dafür, warum die Familie nicht mehr in Quickborn wohnt.
Die Mischung macht es: Prämienstute Camar Qinea ox von Arian Shah brachte ein prämiertes Trakehner Fohlen von Kaiser Wilhelm. Foto: privat
Erneuter Umzug
Denn als klar wurde, dass Isa beruflich mit Pferden arbeiten wollte, machte sich Knaack-Lindemann auf die Suche nach einer neuen Anlage. Die alte war schlicht zu klein. Nach zweijähriger Suche fand sie die Anlage in Seefeld, in einer Zwangsversteigerung und in einem schlimmen Zustand, aber mit allem, was sie wollten: genug Land, zwei Hallen und ein Wohnhaus. „Isa war damals 16 Jahre alt, machte noch die Schule fertig, und ich beaufsichtigte in der Zeit den Umbau“, erinnert sich Knaack-Lindemann an das Jahr 2012.
Wie ihre Mutter machte Isa nach mehreren Jahren Berufserfahrung direkt den Meister. Inzwischen sind sie auch beide von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) zertifizierte Zuchtrichterinnen. Corinna Knaack-Lindemann ist außerdem seit vielen Jahren im Vorstand des Verbandes der Züchter und Freunde des Arabischen Pferdes (VZAP) aktiv, ist seit mehr als 29 Jahren Musterungsbeauftragte und hat diverse Veranstaltungen ausgerichtet.
Gemeinsam haben Mutter und Tochter auch eine gut laufende Reitschule aufgebaut. Angefangen mit ein paar Shettys haben sie heute zwölf Ponys in allen Größen. Aus der Reitschule hat sich Knaack-Lindemann inzwischen zurückgezogen. „Anfangs habe ich noch Erwachsene unterrichtet, aber es wurde zu viel mit der Anlage, dem Job und der Zucht“, erzählt sie.
Den Handel mit Immobilien hat die tatkräftige Pferdeliebhaberin inzwischen ebenfalls reduziert. Es wurde einfach immer mühsamer. Eine Erkrankung hat dazu geführt, dass sie auch die Zucht reduziert und den Einstellern gekündigt hat. Ein ganzer Stalltrakt ist inzwischen verpachtet, und Mutter und Tochter müssen dort weder misten noch die Pferde hinausbringen. Mit ihren Zuchtstuten, Hengsten, Fohlen und Jungpferden haben sie noch immer um die 17 Tiere. Früher waren es doppelt so viele.
In diesem Jahr erwarten sie wieder fünf Fohlen, davon vier Trakehner und ein Angloaraber. Die reine Araberzucht hat Knaack-Lindemann im vergangenen Jahr schweren Herzens eingestellt. „Egal, wie gut sie sind, sie lassen sich gar nicht mehr vermarkten. Wenn man für ein Hengstfohlen 2.000 Euro bekommt, kann man sich freuen“, erklärt sie frustriert.
Herzenspferd bleibt
Einer wird trotzdem immer bleiben: der Schimmelhengst Arian Shah. „Er ist mein Herzenspferd“, sagt die Züchterin. Ihn hat sie knapp zweijährig entdeckt und ungesehen gekauft. Der Siegerhengst beim VZAP bezaubere mit seinem Charme und dem enormen Gangwerk sowie mit seiner majestätischen Schönheit. Er lieferte diverse Siegerfohlen, Prämienstuten und neben Bahrain auch den gekörten Camar Qbinec. Inzwischen hat Arian Shah beim VZAP den Elitetitel und ist bei den Trakehnern gekört. „Für mich ist er der schönste und eindrucksvollste Araber“, schwärmt seine Besitzerin. Er deckt im Natursprung, und sie setzt ihn gern für Warmblutstuten ein. Mit Erfolg, wie Bahrain beweist.
Ihre Fohlen präsentieren Mutter und Tochter vorzugsweise auf der eigenen Anlage. Seit dem vergangenen Jahr veranstalten sie einen Tag für Trakehner und arabische Pferde. Zu dem Hoftermin reisten auch einige Züchter an. Acht Trakehner und drei Araber wurden 2025 eingetragen. Das soll im Juli wiederholt werden.
Die Zukunft des Hofes liegt in den Händen von Isa Lindemann-Treptau. Sie ist inzwischen verheiratet, und auch ihr Mann Matthis Treptau zieht mit und hilft immer, wenn Not am Mann ist. Isa hat noch neue Ideen. Zum Beispiel soll Yoga für Reiter das Angebot erweitern. Gerade macht sie eine Ausbildung zur Yogalehrerin und richtet sich dafür einen Raum auf dem Hof ein. Auch wenn Isa „sicherlich nicht in dem Rahmen weiterzüchten wird, denn sie ist nicht so verrückt wie ihre Mutter“, ist es für Knaack-Lindemann schön zu sehen, mit wie viel Herzblut ihre Tochter derselben Leidenschaft nachgeht und wie sie selbst die blütigen Pferde liebt.
Der gekörte Hengst Camar Varys AA war Sieger seiner Hengstleistungsprüfung. Florian Grabner (li.) hatte ihn vorbereitet. Foto: privat