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Die Anforderungen an einen nachhaltigen Pflanzenbau steigen – gleichzeitig gerät der chemische Pflanzenschutz zunehmend unter regulatorischen Druck. Das Forschungsprojekt „Photonische Unkrautbekämpfung im Zuckerrübenanbau – Laserbasiertes Unkrautmanagement (LUM)“ zeigt, wie Künstliche Intelligenz und der Einsatz von Laserstrahlen neue Perspektiven für eine präzise und umweltschonende Unkrautregulierung eröffnen. Die zentrale Innovation des Verbundprojekts besteht in der Verknüpfung von Pflanzenerkennung und gezielter Laseranwendung.
Die Zuckerrübe hat, bedingt durch den Anbau in Reihen und ihre langsame Jugendentwicklung, eine geringe Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern. Ein hoher Wirkungsgrad im Unkrautmanagement ist daher eine unverzichtbare Grundlage zur Ertragssicherung und somit für einen wirtschaftlich erfolgreichen Anbau.
Gleichzeitig nehmen die gesellschaftliche Akzeptanz chemischer Pflanzenschutzmittel und die Verfügbarkeit zugelassener Wirkstoffe im herkömmlichen Rübenanbau ab, während sich Herbizidresistenzen zunehmend herausselektieren. Diese Entwicklungen intensivieren die Notwendigkeit, alternative Verfahren im Unkrautmanagement zu entwickeln. Wo praxisübliche Pflanzenschutzverfahren an ihre Grenzen geraten, sind maschinelle, mechanische Verfahren zur Unkrautbekämpfung bereits in der Praxis etabliert, vor allem im Ökozuckerrübenanbau. Sie werden unter Berücksichtigung eines hinreichenden Sicherheitsabstands zur sehr empfindlichen Zuckerrübe zunächst zwischen den Reihen und seit einigen Jahren zunehmend innerhalb der Reihen eingesetzt. Es fehlt also eine Lösung für den entscheidenden Bereich innerhalb der Pflanzenreihe (zirka 10 % der Fläche), das heißt zwischen den Kulturpflanzen (zirka 7 % der Fläche) und nahe an den Kulturpflanzen (zirka 3 % der Fläche).
Hier setzt das Forschungsprojekt „LUM“ aus Forschung, Lasertechnik und Landwirtschaft an, koordiniert durch das Laser-Zentrum Hannover und unter Beteiligung der norddeutschen Zuckerrübenanbauerverbände. Ziel war die Entwicklung eines photonischen Verfahrens, das gezielt innerhalb der Pflanzenreihe eingesetzt werden kann und sich perspektivisch mit mechanischen Methoden kombinieren lässt.
KI erkennt Rüben und unterscheidet Unkräuter
Die Grundlage bildete zunächst die Erhebung umfangreicher Bild- und Videodaten aus der Praxis. Über mehrere Jahre hinweg wurden durch die Mitarbeitenden der Anbauerverbände Zuckerrüben und Unkräuter in unterschiedlichen Entwicklungsstadien auf verschiedenen Standorten dokumentiert. Diese Daten dienten dem Projektpartner Escarda zur Entwicklung einer KI. Die wesentliche Innovation des Projekts lag in der Verknüpfung von Pflanzenerkennung und gezielter Laseranwendung. Während kamerabasierte Erkennungssysteme bereits am Markt verfügbar sind, geht das „LUM“-Projekt einen Schritt weiter: Die KI bestimmt nicht nur, was ein Unkraut ist, sondern auch, wo der Laser ansetzen muss. Das Start-up entwickelte ein System, das mithilfe moderner Computer-Vision-Algorithmen sämtliche Pflanzen im Sichtfeld der Kamera identifiziert und durch dreidimensionale Bildverarbeitung zusätzlich das Wuchszentrum der Unkrautpflanzen präzise lokalisiert – ein entscheidender Faktor für die anschließende Behandlung.
Trägerplattform mit Laser im Feldtest Trägerplattform mit Laser im Feldtest
Zielgerichteter Lasereinsatz in der Praxis
Für eine erfolgreiche Regulierung richtet der Laser seine Energie gezielt auf den Vegetationskegel der Pflanze. Ein Laser-Scankopf steuert dabei präzise die Ausrichtung des Laserstrahls auf den Zielpunkt. Dort führt die absorbierte Strahlung zu einer schlagartigen Erwärmung des Zellwassers. Die dadurch entstehenden Schäden am Wuchszentrum und an den Blattansätzen führen zum Absterben der Pflanzen. Im Rahmen des Projekts wurde ein Versuchsdemonstrator entwickelt, der diesen Prozess teilautomatisiert umsetzen kann. Die ursprünglich geplante Kombination mit dem Aufbau auf einem Hackgerät konnte aufgrund der Insolvenz des Projektpartners K.U.L.T.-Kress nicht realisiert werden. Das Projektkonsortium entwickelte daher eine alternative Lösung.
Vom Labor aufs Feld: Funktionierendes System
Im Laser-Zentrum Hannover wurden dafür die verschiedenen technischen Komponenten, die zuvor unter Laborbedingungen getestet worden waren, auf einer Trägerplattform montiert. Für einen erfolgreichen technischen Einsatz mussten also Kamera, Rechner für die Bilderkennung sowie Steuerung, Energiequelle, Laser-Scankopf und Laser sowie ein Kühlsystem zusammengeführt und installiert werden. Die Laserstrahlführung erfolgte über einen Laser-Scankopf, der durch den Einsatz zweier galvanometrischer Spiegel eine schnelle und präzise Positionierung des Strahls im Arbeitsbereich ermöglicht.
Für den Feldeinsatz waren insbesondere Stabilität, Staubfreiheit sowie eine zuverlässige Energieversorgung entscheidende Faktoren. Letztere wurde über einen Generator in der Fronthydraulik sichergestellt, wodurch ein autonomer und kontinuierlicher Betrieb ermöglicht wurde. Zum Abschluss des Projekts konnte die Technik eingesetzt und erfolgreich getestet werden. Die Trägerplattform wurde als Anbaugerät vom Schlepper gezogen. Die Kamera sowie der Laser wurden zirka 40 bis 50 cm einreihig über dem Boden beziehungsweise den jungen Rübenpflanzen geführt.
Für erste Praxistests im Stillstand wurde das System über einer verunkrauteten Zuckerrübenfläche positioniert. Die KI konnte zeigen, dass sie den Großteil der Pflanzen erkennt und für die wirkungsvolle Behandlung identifizieren kann. Im Anschluss wurde der Laser zielgenau für 1 s auf die Unkrautpflanzen gerichtet, um eine für den Menschen erkennbare Behandlung durchzuführen. Eine nachträgliche Begutachtung der Unkrautpflanzen zeigte, dass die Unkräuter deutlich geschädigt, das heißt welk beziehungsweise verbrannt und abgeknickt waren und somit die Behandlung der Unkräuter erfolgreich durchgeführt werden konnte. Für eine letale Schädigung ist sonst – abhängig von Pflanzenart und -größe – ein Bruchteil dieser Bestrahlungsdauer notwendig.
Ausblick und Potenzial der Lasertechnologie
Die Ergebnisse des Projekts zeigen: Laserbasiertes Unkrautmanagement ist technisch umsetzbar und funktioniert unter realen Bedingungen. Dennoch stehen vor einer Anwendung in der Praxis noch wichtige Fragen im Raum – etwa zur Skalierbarkeit, zum Energiebedarf und zur Einsatz- sowie Arbeitssicherheit. Nicht zuletzt muss das System bezahlbar sein und sich wirtschaftlich rechnen.
Das hier entwickelte Verfahren unterscheidet sich grundlegend vom praxisüblichen konventionellen Unkrautmanagement. Es bietet das Potenzial, den Einsatz von Herbiziden nicht nur im Zuckerrübenanbau, sondern auch in anderen Hackfrüchten erheblich zu reduzieren. Insbesondere für den ökologischen Landbau könnte diese Technologie in hohem Maße von Bedeutung sein.
Langfristig eröffnet der Ansatz neue Perspektiven für eine präzise, automatisierte und chemiefreie Unkrautbekämpfung. Gleichzeitig macht das Projekt deutlich, dass die Entwicklung solcher Innovationen Zeit, interdisziplinäre Zusammenarbeit und erhebliche Investitionen erfordert.
Das Verbundprojekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Beteiligt waren das Laser-Zentrum Hannover als Koordinator sowie die Partner Dachverband Norddeutscher Zuckerrübenanbauer (DNZ), K.U.L.T.-Kress Umweltschonende Landtechnik GmbH, Escarda Technologies GmbH, Novanta Europe GmbH und Lumics GmbH. Assoziierte Partner waren Nordzucker AG und die Grimme Landmaschinenfabrik.
Rund 100 Milchviehhalterinnen und Milchviehhalter kamen Mitte März in Augsburg zur Tagung der Tierklinik Gessertshausen zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen in den Bereichen Fruchtbarkeit, Eutergesundheit und Biosicherheit auszutauschen, die auch für hiesige Betriebe maßgeblich sind. In vier Fachvorträgen wurde deutlich, dass erfolgreiche Milchviehhaltung heute vor allem eines erfordert: ein konsequentes, gut abgestimmtes Management im Alltag.
Dr. Sebastian Jander (Ceva Tiergesundheit) eröffnete die Tagung mit einer klaren Einordnung: „Die durchschnittliche Nutzungsdauer unserer Milchkühe liegt aktuell bei nur 38,5 Monaten. Das ist deutlich zu wenig.“ Hauptabgangsgrund ist mit rund 16 % die Unfruchtbarkeit. Für die Praxis stellt sich daher nicht die Frage, ob Handlungsbedarf besteht, sondern wo man am effektivsten ansetzt.
Die Ursachen für die Fruchtbarkeitsprobleme sind komplex. Neben genetischen Einflüssen, die sich nur begrenzt steuern lassen, spielen vor allem Stoffwechsel, Fütterung, Tiergesundheit sowie Management- und Umweltfaktoren eine entscheidende Rolle. Besonders kritisch ist die Phase nach der Kalbung. Hier treffen mehrere Belastungen gleichzeitig auf das Tier: hohe Milchleistung, negative Energiebilanz und ein erhöhtes Krankheitsrisiko.
Stoffwechselstörungen wie Ketosen und das damit verbundene Energiedefizit nach der Kalbung wirken sich direkt auf die Fruchtbarkeit aus. Gleichzeitig führt die hohe Milchleistung dazu, dass Hormone wie Östrogen und Progesteron schneller über die Leber abgebaut werden. Das verschlechtert die Konzeptionsrate und begünstigt Doppelovulationen sowie Zwillingsgraviditäten. Hinzu kommt, dass sich die Follikelentwicklung bei Hochleistungskühen oft verzögert, die Eizellen sind „älter“ und weniger befruchtungsfähig.
Dr. Sebastian Jander (Ceva Tiergesundheit GmbH), Dr. Gregor Sigl (MSD Tiergesundheit), Laura Krey (dsp-Agrosoft GmbH), Tabea Klemens (Schippers GmbH), Joachim Mair (Schippers GmbH), Amelie Armbruster (Tierklinik Gessertshausen), Jan Thyke-Lokenberg (dsp-Agrosoft GmbH), Stefanie Fuhrmann (Vetoquinol GmbH), Verena Thiel (Vetoquinol GmbH), Dr. Heinrich-Jürgen Zumbusch (Vetoquinol GmbH), Franziska Lingner (Tierklinik Gessertshausen), Peter Zech (SaluVet GmbH), Jonas Erben (Tierklinik Gessertshausen), Dr. Stephanie Meyer (SaluVet GmbH), Katarina Maseg (SaluVet GmbH; v. li.). Foto: Tierklinik Gessertshausen
Die ersten 14 Tage entscheiden
Eine Schlüsselrolle spielen die ersten 14 Tage nach der Kalbung. In dieser Phase ist das Risiko für Erkrankungen am höchsten. Erkrankungen wie Nachgeburtsverhaltungen und Metritiden beeinflussen die spätere Fruchtbarkeit massiv. Hintergrund ist ein hormonelles Ungleichgewicht: Entzündungen führen zur Freisetzung von Prostaglandin F2α (PGF2α), das den Gelbkörper abbaut und die Progesteronproduktion hemmt. Gleichzeitig beeinflussen Zytokine das Immunsystem und die Entzündungsreaktion. In dieser Kombination wird eine erfolgreiche Trächtigkeit deutlich erschwert.
Ein großes Problem ist die Früherkennung solcher Erkrankungen. Kühe zeigen als Fluchttiere Symptome oft erst spät. „Sensorsysteme können bei der Erkennung kranker Kühe wertvolle Unterstützung leisten“, betonte Jander. „Besonders Veränderungen in der Wiederkauaktivität liefern häufig erste Hinweise auf gesundheitliche Probleme.“
Ein Beispiel aus der Praxis ist die Labmagenverlagerung, die häufig kurz nach der Kalbung auftritt. Typische Anzeichen sind Appetitlosigkeit, Leistungsabfall und unregelmäßiges Wiederkauen. Wird sie früh erkannt, lassen sich Folgeschäden begrenzen, auch im Hinblick auf die Fruchtbarkeit.
Neben der Tiergesundheit spielt das Management eine zentrale Rolle. Faktoren wie Futter- und Wasserverfügbarkeit, Liegekomfort, Klauengesundheit, Besatzdichte und Hitzestress greifen ineinander. Bereits Temperaturen ab etwa 20 °C können die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen.
Auch die Brunsterkennung bleibt ein entscheidender Punkt. Bei visueller Beobachtung sollten mindestens 65 % der Brunsten erkannt werden, automatische Systeme sollten mehr als 80 % erreichen. Hier setzen hormonelle Synchronisationsprogramme wie Ovsynch an. Sie ermöglichen eine zeitgesteuerte Besamung ohne klassische Brunsterkennung. Allerdings hat sich gezeigt, dass klassische Ovsynch-Protokolle nicht immer ausreichen. Moderne Varianten wie Double-Ovsynch verbessern durch eine genauere Steuerung der Follikelwellen die Erfolgsraten. Durch eine doppelte Prostaglandingabe (zum Beispiel an Tag sieben und acht im Abstand von 24 Stunden) wird der Gelbkörper sicherer abgebaut. Das verbessert die Luteolyse und erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit. Voraussetzung dafür ist jedoch ein gutes Verständnis des Zyklusgeschehens, das je nach Kuh zwei- oder dreiwellige Verläufe zeigen kann. Gerade bei Hochleistungskühen und unter Hitzestress sind häufig dreiwellige Zyklen zu beobachten. Die Anzahl der Follikelwellen hängt eng mit dem Progesteronverlauf zusammen. Für das Management bedeutet das: Wer den Zyklus versteht, kann gezielter eingreifen.
Dr. Sebastian Jander. Foto: Tierklinik GessertshausenDr. Stephanie Meyer. Foto: Tierklinik GessertshausenDr. Heinrich-Jürgen Zumbusch. Foto: Tierklinik Gessertshausen
Systematisch vorgehen
In vielen Herden ist zudem ein hoher Anteil nicht zyklischer Kühe zu beobachten, bis zu 23 % pro Betrieb sind keine Seltenheit. Diese Tiere zeigen keine Brunstanzeichen und werden daher oft übersehen. Hier kann der gezielte Einsatz von Progesteronpräparaten, beispielsweise über Vaginalspangen, sinnvoll sein. Diese werden in der Regel für etwa sieben Tage eingesetzt, häufig in Kombination mit Prostaglandin. Es stehen unterschiedliche Dosierungen zur Verfügung (zum Beispiel 1,0 g oder 1,55 g), wobei höhere Dosierungen in vielen Fällen bessere Ergebnisse liefern. Wichtig ist: Diese Maßnahmen sind immer Einzeltierentscheidungen und sollten gezielt eingesetzt werden.
Auch die Zwischenkalbezeit und der Body-Condition-Score (BCS) sollten regelmäßig überprüft werden. Längere Zwischenkalbezeiten können zwar zur Entlastung beitragen, erhöhen jedoch das Risiko der Verfettung. Eine betriebsindividuelle Auswertung hilft, die richtige Balance zu finden.
Der Vortrag machte deutlich: Fruchtbarkeit ist kein Zufallsprodukt. Sie ist das Ergebnis konsequenter Arbeit in vielen Bereichen, von der Fütterung über die Tierbeobachtung bis hin zum Detail im täglichen Management. Wer diese Punkte systematisch angeht, schafft die Grundlage für bessere Fruchtbarkeit, längere Nutzungsdauer und wirtschaftlich stabile Milchviehhaltung.
Mastitis gezielt behandeln
Im zweiten Vortrag stellte Dr. Heinrich-Jürgen Zumbusch (Vetoquinol) die moderne Mastitistherapie vor. Der zentrale Ansatz: weg von der pauschalen Antibiotikagabe hin zu einer evidenzbasierten, gezielten Behandlung. Mastitis ist nicht nur eine akute Erkrankung, sondern hat auch langfristige Folgen. Entzündungen zerstören Milchgewebe, das anschließend durch Bindegewebe ersetzt wird. Die Milchleistung sinkt dauerhaft. Umso wichtiger ist eine differenzierte Therapie.
Eine Mastitis entsteht, wenn Krankheitserreger in das Euter eindringen und sich dort vermehren. Das Immunsystem reagiert sofort, es kommt zur Entzündung. Je nach Stärke dieser Reaktion und des Erregers verläuft die Erkrankung unterschiedlich: Manche Infektionen heilen von selbst aus, andere bleiben unbemerkt (subklinisch), und wieder andere führen zu einer deutlich sichtbaren, klinischen Mastitis. Entscheidend ist der Schweregrad. Leichte Mastitiden äußern sich häufig nur durch veränderte Milch, während die Kuh ansonsten unauffällig bleibt. In solchen Fällen ist ein Antibiotikum oft nicht notwendig. Bei mittelschweren Verläufen sollte die Entscheidung gezielt getroffen werden. Schwere Mastitiden hingegen erfordern ein sofortiges Eingreifen, da das Allgemeinbefinden der Tiere deutlich beeinträchtigt ist. „Bei schweren Mastitiden darf man keine Zeit verlieren, hier geht es um das Tierwohl“, so Zumbusch.
Evidenzbasierte Mastitistherapie
Lange Zeit galt: Mastitis gleich Antibiotikum. Heute weiß man, dass dieses Vorgehen oft unnötig ist und sogar Nachteile mit sich bringt, etwa Resistenzentwicklung oder unnötige Kosten. Ein zentraler Baustein der modernen Therapie ist die Diagnostik. Statt routinemäßig zu behandeln, wird zunächst der Erreger bestimmt. Auf dieser Grundlage wird entschieden, ob ein Antibiotikum überhaupt sinnvoll ist und, wenn ja, welches. Häufig reicht eine lokale Behandlung aus, während schwere Fälle systemisch behandelt werden müssen. Besonders wichtig ist auch die Erkenntnis, dass nicht jede Mastitis bakteriell „wegtherapiert“ werden muss. Gerade bei sogenannten coliformen Mastitiden, verursacht durch E. coli, ist die Selbstheilungsrate hoch. Hier liegt das Problem oft weniger im Erreger selbst als in einer überschießenden Immunreaktion der Kuh. Ein zentraler Baustein dieser Therapie ist außerdem der konsequente Einsatz von Entzündungshemmern (NSAIDs). Sie lindern Schmerzen, senken Fieber und unterstützen die Heilung, und das unabhängig davon, ob Antibiotika eingesetzt werden oder nicht.
Schnelle Diagnostik
Ein zentrales Thema des Vortrags war die Diagnostik. Klassische Laboruntersuchungen liefern zwar zuverlässige Ergebnisse, dauern jedoch mehrere Tage. Das ist zu lange für eine zeitnahe Therapieentscheidung. Mit dem Mastatest steht ein praxistaugliches Instrument zur Verfügung. Das Gerät ermöglicht eine Erregerbestimmung inklusive Antibiogramm innerhalb von rund 22 Stunden. Die Ergebnisse werden automatisch ausgewertet und direkt an Landwirt und Tierarzt übermittelt. Dadurch können Behandlungen gezielter durchgeführt werden, was Antibiotika einspart und die Heilungschancen verbessert. Voraussetzungen sind eine saubere Probenentnahme sowie eine stabile Internetverbindung während der Analyse. „Der Mastatest beschleunigt die Diagnostik und macht fundierte Entscheidungen innerhalb eines Tages möglich“, so Zumbusch. Für besonders akute Fälle stehen ergänzend schnellere Testverfahren zur Verfügung, die Ergebnisse innerhalb weniger Stunden liefern. Auch für das Trockenstellen eignet sich der Mastatest, der übrigens auch von Landwirten gekauft werden kann.
Für das Trockenstellen wurde im Vortrag ebenso ein klares Umdenken empfohlen. Statt alle Kühe pauschal mit Antibiotika zu behandeln, sollte die Entscheidung auf Basis der Zellzahlen getroffen werden. Kühe mit niedrigen Zellzahlen (unter 100.000 Zellen) gelten als eutergesund und benötigen in der Regel kein Antibiotikum. Hier bieten Zitzenversiegler einen wirksamen Schutz vor Neuinfektionen. Dieses selektive Vorgehen reduziert den Medikamenteneinsatz und entspricht gleichzeitig den aktuellen gesetzlichen Anforderungen. Der Vortrag von Zumbusch machte deutlich: Die Zukunft der Mastitistherapie liegt in einer differenzierten Betrachtung jedes Einzelfalls. Wer Schweregrad, Erreger und Verlauf berücksichtigt, kann gezielt behandeln und gleichzeitig den Antibiotikaeinsatz deutlich reduzieren.
Tägliches Management
Im dritten Vortrag zeigte Stephanie Meyer (SaluVet GmbH), wie stark die Eutergesundheit vom täglichen Management beeinflusst wird. „Wer seine Daten und seine Kühe genau kennt, erkennt Probleme, bevor sie entstehen“, betonte Meyer.
Eine wichtige Grundlage ist die regelmäßige Auswertung der MLP-Daten. Auffälligkeiten können so frühzeitig erkannt werden. Ebenso wichtig ist die Kenntnis des betriebsspezifischen Erregerprofils, da unterschiedliche Keime unterschiedliche Umweltbedingungen bevorzugen.
Ein zentraler Einflussfaktor ist die Haltung. Liegeflächen müssen sauber und trocken sein. Tiefboxen mit Stroh bieten hohen Komfort, erfordern aber konsequente Pflege. Kalk kann unterstützen, wenn er den pH-Wert in einen alkalischen Bereich verschiebt und damit keimhemmend wirkt. Sandbettwaben bieten hygienische Vorteile, allerdings sind sie oft hart, weshalb eine dünne Strohschicht den Liegekomfort deutlich verbessert, während Hochboxen mit Schaumstoff von den Kühen gut angenommen werden. Auch die Besatzdichte spielt eine entscheidende Rolle. Überbelegung führt zu weniger Liegezeiten, was sich negativ auf Eutergesundheit, Klauen und Stoffwechsel auswirkt.
Sauberkeit ist ein zentraler Punkt im Alltag. Verschmutzte Kühe tragen mehr Erreger mit sich, was sich häufig in erhöhten Zellzahlen widerspiegelt. Hilfreich sind hier Bewertungssysteme wie die Sauberkeitsscores des Tiergesundheitsdienstes, mit denen sich der eigene Betrieb objektiv einschätzen lässt (https://t1p.de/sauberkeitsscores).
Ergänzend ist eine konsequente Melkhygiene notwendig. Dazu gehören saubere Euter, funktionierende Technik und der regelmäßige Austausch von Verschleißteilen wie Zitzengummis. Ebenso lohnt es sich, die Wirksamkeit der Zwischendesinfektion regelmäßig mit Teststreifen zu überprüfen. Auch bei Dippmitteln lohnt sich ein genauer Blick. Produkte mit Jod können zwar wirksam sein, greifen jedoch den natürlichen Säureschutzmantel der Haut an und können damit auch nützliche Mikroorganismen beeinträchtigen.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist Hitzestress. Erste Anzeichen lassen sich bereits an der Atmung erkennen. Sind die Nasenlöcher rund und weit geöffnet, atmet die Kuh schneller, ein klares Zeichen für Stress. Längliche Nasenlöcher deuten hingegen auf einen entspannten Zustand hin. Hitzestress führt dazu, dass Kühe weniger fressen und entsprechend weniger Milch geben. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig gegenzusteuern, etwa durch Kühlung und angepasste Fütterung. Unterstützend können auch Produkte mit ätherischen Ölen eingesetzt werden, die appetitanregend wirken.
Biosicherheit wird Pflicht
Den Abschluss der Tagung bildete ein weiterer Vortrag von Sebastian Jander zur Biosicherheit. Neue Erkrankungen wie Blauzunge (BTV) oder Epizootische Hämorrhagie (EHD) sowie bekannte Zoonosen wie Q-Fieber zeigen, wie wichtig vorbeugende Maßnahmen sind.
Seit dem 1. Januar ist eine betriebsindividuelle Biosicherheitsbewertung verpflichtend, ab Juli wird sie Teil der QS-Audits. Hilfestellung bietet die Risikoampel der Universität Vechta, mit der sich Schwachstellen im Betrieb systematisch analysieren lassen (https://t1p.de/risikoampel).
Im Mittelpunkt steht die Kontrolle von Eintragswegen für Krankheitserreger. Hinweisschilder wie „Betreten verboten“ sind dabei genau so sinnvoll wie feste Abläufe für Besucher. Diese sollten nach Möglichkeit betriebseigene Kleidung und Stiefel oder Überschuhe nutzen. Auch die innerbetrieblichen Abläufe verdienen Aufmerksamkeit. Wege von Futter, Gülle oder Kadavern sollten klar getrennt und regelmäßig überprüft werden. Besonders sensibel sind Bereiche wie das Abkalbe- und Krankenabteil, sie sollten unbedingt räumlich getrennt sein, um eine Verschleppung von Erregern zu vermeiden. Tierzukäufe stellen ein weiteres Risiko dar. Eine Quarantänephase mit entsprechender Untersuchung hilft, Krankheiten gar nicht erst in den Bestand einzuschleppen.
Kleine Maßnahmen, große Wirkung
Neben den großen Strukturen sind es oft die kleinen Maßnahmen im Alltag, die den Unterschied machen. Regelmäßige Reinigung und Desinfektion spielen dabei eine zentrale Rolle, von Stiefeln über Stallgeräte bis hin zu Milcheimern oder Nuckeln. Wichtig ist, bei der Reinigung systematisch vorzugehen: erst reinigen, dann desinfizieren und dabei Einwirkzeiten sowie Temperaturbedingungen beachten. Desinfektionsmatten, häufiges Kotabschieben oder das regelmäßige Versetzen von Kälberiglus helfen, den Keimdruck im Stall zu senken. Ergänzt wird dies durch konsequente Schädlingsbekämpfung, etwa gegen Ratten, Fliegen oder Gnitzen, die als Überträger von Krankheiten eine wichtige Rolle spielen können.
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist eine klare Organisation im Betrieb. Standardarbeitsanweisungen (SOP) sorgen dafür, dass alle Mitarbeiter die gleichen Abläufe einhalten und Hygienemaßnahmen konsequent umgesetzt werden.
Impfprogramme können helfen, Krankheiten zu verhindern oder zumindest deren Verlauf deutlich abzumildern. Ebenso sinnvoll ist es, regelmäßig Proben zu ziehen – zum Beispiel Milchproben –, um frühzeitig zu erkennen, ob und welche Erreger im Bestand vorhanden sind. Denn nur wer die Situation im eigenen Betrieb kennt, kann gezielt handeln. „Man kann nur das bekämpfen, was man auch kennt, deshalb ist Kontrolle ein zentraler Bestandteil der Biosicherheit“, so Jander.
Biosicherheit ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Perfektion ist dabei nicht das Ziel, entscheidend ist, den eigenen Betrieb Schritt für Schritt zu verbessern. „Niemand macht alles richtig, aber jeder Betrieb kann jeden Tag ein Stück besser werden“, fasste Jander zusammen. Schon kleine, konsequent umgesetzte Maßnahmen könnten einen großen Unterschied machen für die Tiergesundheit, die Betriebssicherheit und letztlich auch für den wirtschaftlichen Erfolg.
„Mit Speck fängt man Mäuse“ heißt es im Volksmund. Landwirt Tobias Carstens hat sich diesen Erfahrungswert zu eigen gemacht und setzt daher auf Direktvermarktung. Auf seinem Biohof in Hamdorf, Kreis Rendsburg-Eckernförde, leben derzeit 850 Rinder, rund 300 Highlander und 300 Galloways. Inzwischen gibt es 100 verschiedene Produkte, zum Beispiel Schinken und Mettwürste, die er in der eigenen Rauchanlage herstellt und im Hofladen, auf Märkten und direkt an Gastronomiebetriebe verkauft.
Die Mitglieder des Fachausschusses Einkommenskombinationen durften sich ein umfangreiches Bild vom Betrieb machen und auch hinter die Kulissen, zum Beispiel in die Schlachterei, blicken. Kammergeschäftsführerin Stephanie Wetekam lobte die unternehmerische Strategie von Carstens: „Das Aufsplitten der Bereiche kann das Betriebsrisiko deutlich minimieren.“
Galloway-Rinder gelten als sehr robust.
Auf dem Biohof Carstens finden Geburt, Aufzucht, Verarbeitung und der anschließende Vertrieb unter einem Dach statt. Eine Besonderheit ist die Zucht der Rinder. Die Bullen decken auf natürliche Weise, und die Kälber dürfen das erste Lebensjahr mit ihrer Mutter auf die Weide. Wenn die Zeit gekommen ist, werden die Tiere direkt vor Ort geschossen. „Dadurch wird unseren Rindern der Transportstress erspart“, sagte Carstens. Zwei fest angestellte Metzger seien für die Weiterverarbeitung zuständig: „Von der Aufzucht bis zum fertigen Produkt ist bei uns alles selbst gemacht.“ Wichtig seien ihm darüber hinaus kurze Vermarktungswege. Insofern habe er Verkaufsstände auf Märkten in der Region, zum Beispiel in Kiel und Eckernförde, und beliefere Gastronomiebetriebe wie den Kieler Kaufmann in der Landeshauptstadt und den Castello-Kiosk im dortigen Schrevenpark.
Der Landwirt hat eine 100-Stunden-Woche, nimmt sich aber trotzdem Zeit für die Familie, zum Beispiel begleite er derzeit seinen Sohn zum Schwimmunterricht. Tobias Carstens hat darüber hinaus die Zukunft im Blick und aus diesem Grund einen Bauantrag für eine Ferienwohnung eingereicht. Außerdem denke er über weitere Einkommensquellen nach: „Naturschutz könnte doch auch eine Aufgabe von uns Landwirten werden.“
Mit einem lebhaften Bullenmarkt startete die Auktion in Dätgen. Besonders genetisch hornlose Vererber standen im Fokus der Auktion. Auch bei den weiblichen Tieren zeigte sich eine differenzierte Nachfrage.
Mit dem Verkauf der schwarzbunten Bullen begann die Auktion schwungvoll. Auktionator Claus-Peter Tordsen konnte gleich dreimal bei 3.300 € zuschlagen: für den schicken, gut bemuskelten und lackschwarzen „Gladius“-Sohn „OFH Eilan“ aus der Zucht der Andresen GbR, Kattbek, Ostseefjord-Holsteins sowie für zwei genetisch hornlose Bullen der Milchhof Broosch GbR, Techau. Dabei handelte es sich um den homozygot hornlosen „Ekuss PP“, einen „Hydro-P“-Sohn, sowie um „Elano P“ (Vater: „Sir PP“). Beide überzeugten mit korrektem Fundament und guten Inhaltsstoffen auf der Mutterseite. Damit setzte sich die anhaltend starke Nachfrage nach genetisch hornlosen Vatertieren eindrucksvoll fort. Der Durchschnittspreis der schwarzbunten Bullen betrug 3.120 €.
Verhaltener Markt bei den Färsen
Bei den schwarzbunten Färsen verlief der Markt verhaltener. Der Höchstpreis von 2.800 € wurde zweimal erreicht. Dies gelang zum einen „Dia“ (Vater: „Senator“) aus der Zucht von Karsten Kaack, Ratzbek, die mit bester Euterqualität und insbesondere einem sehr breiten und hohen Hintereuter überzeugte. Zum anderen erzielte auch die genetisch hornlose „Diane P“ (Vater: „Hansen PP“) aus der Zucht des Milchhof Broosch GbR diesen Preis, ebenfalls mit hervorragender Euterqualität und sehr hoher Einsatzleistung. Das weibliche Kontingent der schwarzbunten Färsen wurde durch zwei Kollektionen ergänzt. Zum einen stellte die Engelbrecht GbR, Bokholt-Hanredder, eine sehr milchtypische und leistungsbereite Tierkollektion. Die Zuchtstätte Stefan Voß, Nehms, war ebenfalls mit einer Betriebskollektion vertreten. Der Durchschnittspreis der schwarzbunten Färsen lag bei 2.388 €.
Tagesspitze bei den Rotbunten
Preissiegerin des Tages war erneut eine Färse aus der Zuchtstätte Philip Ellerbrock, Westerau, Ellerbrock Holsteins. Die rotbunte „ELL Lika“, eine sehr frühe „Redford“-Tochter, erzielte mit 3.800 € den Tageshöchstpreis. Sie überzeugte mit einem Relativzuchtwert Gesamt (RZG) von 149, überragender Einsatzleistung und durchweg hohen Eiweißprozenten auf der gesamten mütterlichen Seite. Der Durchschnittspreis der rotbunten Färsen betrug 2.430 €.
Die teuerste Angler Färse war „Dolores“, eine enorm entwickelte „VR-Vehmaa“-Tochter von Volker Asmussen, Dannewerk, mit 2.800 €. Der Durchschnittspreis der Angler Färsen lag bei 2.700 €. Teuerste Kreuzungsfärse war „Dschungel“ aus dem Bestand von Malte Krohn, Kummerfeld, die für 2.750 € zugeschlagen wurde. Die harmonische Färse überzeugte mit einem sehr guten und flachen Euter.
Fazit
Die Nachfrage nach weiblichen Tieren verlief im Vergleich zur vorangegangenen Auktion deutlich ruhiger, was in einem um zirka 130 € geringerem Durchschnittserlös und einem gewissen Überstand zum Ausdruck kam. Vor dem Hintergrund der aktuellen Milcherzeugerpreise boten die Kaufinteressenten noch gezielter und qualitätsorientierter. Besonders gefragt waren neben Tieren mit ordentlichen Einsatzleistungen auch Tiere aus Betrieben mit dem Status „GVO-frei“, die beim Verkauf Preisvorteile erzielten. Mittelrahmige Tiere mit solidem Fundament fanden ebenfalls guten Zuspruch. In der gegenwärtigen Marktsituation bestehen gute Einkaufsmöglichkeiten für abgekalbte Färsen zur Bestandsergänzung.
Die nächste Auktion der RSH eG findet am 21. Mai im Vermarktungszentrum in Dätgen (direkt an der Autobahnabfahrt Bordesholm gelegen) statt. Angeboten werden Tiere, die ausschließlich aus BHV1- und BVD/MD-freien Betrieben stammen.
Seit April arbeitet Leon Kitzig als Förster für die Landwirtschaftskammer. Der Segeberger hat nach dem Abitur ein FÖJ im Erlebniswald Trappenkamp gemacht und entschieden, dass er Forstwirtschaft studieren wollte.
In Göttingen hat der 27-Jährige den Bachelor in Forstwirtschaften und Waldökologie gemacht und sich im Anwärterdienst in Niedersachsen auf die Arbeit als Förster vorbereitet. Jetzt ist er also im Land zwischen den Meeren tätig. Isa-Maria Kuhn sprach mit ihm.
In der Kammer nennen wir Sie nur kurz den Flexiförster. Was verbirgt sich denn hinter dieser Aufgabe? Leon Kitzig: Ich bin offiziell flexibler Bezirksförster und unterstütze vor allem die Kollegen an der Westküste und in Hohenwestedt. Ich mache alles, was meine Kollegen auch tun, wie Betreuung und Beratung von Waldeigentümern, Förderung kann auch ein Thema sein. Ich unterstütze nach Absprache, wenn vor Ort Arbeitsspitzen herrschen.
Das hört sich so an, als wäre die Absprache zwischen den Bezirken extrem wichtig. Das A und O ist die Flexibilität und dass man weiß, was der andere von einem möchte und welche Unterstützung er braucht. Heute hilft uns die Technik weiter bei der Abstimmung: Dynamic Forest, das ist eine Plattform für effiziente digitale Forstverwaltung. Dort sind zum Beispiel Karten und verschiedene Tätigkeiten im Wald hinterlegt.
Aber trotz aller sinnvoller Hilfsmittel sprechen wir jeden Tag miteinander. Es ist sehr viel wert, einen guten Draht zueinander zu haben. Ich bin viel im Auto unterwegs und nutze die Fahrzeit dann gern, um mit den Kollegen zu telefonieren. Die sind sehr offen und freuen sich, so glaube ich, über diese Verstärkung.
Warum die Bewerbung als Förster bei der LKSH? Nach meiner zweiwöchigen Hospitation als Bezirksförster bei der Landwirtschaftskammer in Niedersachsen habe ich die Entscheidung getroffen, dass dieser Job der richtige für mich ist. Die Arbeit ist genau das, was ich will. Man berät und betreut den einzelnen Waldbesitzer, es macht Spaß, gemeinsam zu planen, was mit dem Wald passieren soll. Ich mag das Organisieren und muss kompromissbereit sein. An einem perfekten Arbeitstag fange ich im Büro an, fahre dann hinaus, treffe Waldbesitzer und halte Rücksprache mit Kollegen. Das Elementare an einem guten Tag ist, dass man rauskommt.
Ein Jahr nach ihrem Start steckt die Bundesregierung im Umfragetief. Laut dem jüngsten Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen bescheinigen 69 % der Befragten der schwarz-roten Koalition eine eher schlechte Arbeit. Nur 26 % Prozent sind zufrieden. Kurz nach Amtsbeginn Ende Mai 2025 äußerten sich insgesamt noch 51 % der Befragten zufrieden mit der Bundesregierung und 32 % unzufrieden.
Bei der Beurteilung von Politikerinnen und Politikern nach Sympathie und Leistung liegt Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) auf dem ersten Platz. Er wird auf der Skala von +5 bis −5 mit einem Durchschnittswert von 1,8 bewertet. Mit Abstand folgen der ehemalige Bundeslandwirtschaftsminister und kommende Ministerpräsident Baden-Württembergs, Cem Özdemir (Grüne), mit 1,0 und Außenminister Johann Wadephul (CDU) mit 0,4. Kanzler Friedrich Merz (CDU) weist mit −1,3 einen Tiefstwert aus.
Der derzeitige Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) taucht in der Umfrage der Forschungsgruppe gar nicht auf. Das hielt ihn freilich nicht davon ab, sich selbst ein Zeugnis auszustellen – und das fiel erwartungsgemäß gut aus. Tatsächlich hat er sich einige Fleißpunkte verdient, indem er beispielsweise die im Koalitionsvertrag vereinbarte Agrardiesel-Rückvergütung wiedereingeführt hat. Die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht stärkt die Weidehaltung. Auf der Habenseite stehen zudem die Streichung der Stoffstrombilanz und die Beschleunigung von Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel. Der Flaschenhals bleibt hier jedoch die Wirkstoffzulassung auf europäischer Ebene.
Gleichwohl erwirbt Rainer mit seiner unaufgeregten Art den Ruf eines akribischen Arbeiters. Sein Bemühen, Vereinfachungen für die Betriebe zu schaffen, untermauerte der gelernte Metzger mit der Einrichtung einer Stabsstelle Bürokratieabbau. Wohltuend ist auch die vergleichsweise geräuschlose Zusammenarbeit mit dem von Carsten Schneider (SPD) geführten Umweltressort.
Aber gibt es große Baustellen: Der jüngste Entwurf des Landwirtschaftsministeriums für die staatliche Tierhaltungskennzeichnung fällt bei Tierhaltungsverbänden durch. Im Düngerecht fehlt weiterhin ein praxistauglicher Plan für mehr Verursachergerechtigkeit. Und der Strukturwandel in der Nutztierhaltung geht ungebremst weiter. Die Umsetzung der Agrarexportstrategie kann hier nur ein erster Schritt sein. Entsprechend nüchtern fällt auch das Zwischenfazit des Deutschen Bauernverbandes aus: „Diese Bundesregierung bleibt hinter den Erwartungen zurück.“
Der wirtschaftliche Druck auf den Höfen ist aufgrund hoher Kosten, geringer Markterlöse und nicht zuletzt des steigenden Mindestlohns enorm. Um den Agrarstandort Deutschland zu sichern, braucht es daher endlich in allen Produktionsrichtungen faire Vergütungen für Tier-, Umwelt- und Klimaschutzleistungen und mehr Förderung, wenn staatliche Vorgaben die Produktion verteuern – wie in der Sauenhaltung. Rainers Zwischenzeugnis fällt daher durchwachsen aus. Das Hausaufgabenheft ist voll.
Das „ARD Mittagsmagazin“ hat kürzlich in den Schweineställen der Landwirtschaftskammer in Futterkamp gedreht.
Dabei waren die Auflagen für die Tierhalter zur Verbesserung des Tierkomforts und wie die Tierhalter damit noch wirtschaftlich arbeiten können die vorrangigen Themen. Insgesamt 5 min lang waren die beiden Interviews, die den Verbraucherinnen und Verbrauchern gute Einblicke in das Deckzentrum und die Abferkelung verschafft haben. Futterkamp bekommt immer wieder Anfragen von Medien. Diese beantwortet die Kammer gern, weil so zwischen der Landwirtschaft und den Verbrauchern vermittelt werden kann.
Von den 17 Wochen, die der Schleswig-Holstein Cup und der Cup der Bundesländer laufen, sind schon zwei Drittel vorbei. Bis Freitag, 26. Juni, können die 3.000 Pferdefreunde aus neun Bundesländern noch Kilometer sammeln.
„Unsere Idee, im Gelände Kilometer zu sammeln, sich mit anderen Teilnehmern, Landkreisen und Bundesländern zu messen und nebenbei für die eigenen Reit- und Fahrwege noch etwas Gutes zu tun, hat einen Nerv getroffen“, freut sich Stacy Bradtke vom Veranstalterteam des Vereins Reit- und Fahrwege Schleswig-Holstein. Denn in diesem Jahr fieberten nicht nur die ausreitbegeisterten Schleswig-Holsteiner auf den Start des Events hin.
Es herrsche wieder eine angenehme Atmosphäre mit aktivem Austausch zwischen den Teilnehmern. In den dazugehörigen Facebook- und WhatsApp-Gruppen seien bereits einige Verabredungen zustande gekommen, ob mit oder ohne Pferd. „Hier lernt man Leute kennen, die man sonst im Privatleben eventuell nie getroffen hätte“, so Bradtke. Damit sei ein Ziel bereits erfüllt: die Gemeinschaft zu stärken und Gleichgesinnte zu vernetzen.
In der bundesweiten Gesamtwertung führen die 800 Teilnehmer aus Schleswig-Holstein eindeutig das Feld an, gefolgt von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Die meisten Durchschnittskilometer hat bisher allerdings das neu eingestiegene Bundesland Baden-Württemberg gesammelt, mit Abstand zu Rheinland-Pfalz und Sachsen. Für das kommende Jahr haben bereits einige der noch fehlenden Bundesländer Interesse bekundet. Im besten Fall kann der Cup der Bundesländer 2027 zum ersten Mal deutschlandweit ausgeführt werden.
Die siegenden Landkreise im Schleswig-Holstein Cup hatten sich in den vergangenen Jahren schon während der ersten Wochen herauskristallisiert. In diesem Jahr herrscht ein regelrechter Kampf um die Spitze und die damit verbundenen Preisgelder in den Kategorien Gesamt- und Durchschnittskilometer. Die meisten Gesamtkilometer haben aktuell die Vorjahressieger aus Schleswig-Flensburg, doch die Teilnehmer aus Segeberg sind ihnen dicht auf den Fersen. Rendsburg-Eckernförde und Pinneberg liegen mit etwas Abstand dahinter. Sollten die aktuell Führenden jedoch schwächeln, könnte sich dies schnell ändern.
Nach Durchschnittskilometern liegt zum ersten Mal das Herzogtum Lauenburg an der Spitze. „Ob sich hier einmal ein ganz neuer Landkreis den Sieg holt?“, fragt Bradtke. Doch die Titelverteidiger aus Nordfriesland sind ihnen extrem dicht auf der Spur und geben sich noch nicht geschlagen. „Wir sind gespannt, was die folgenden Wochen noch bringen. Aber eins ist klar: Der Spaß und das Zusammensein mit dem Partner Pferd kommen hier nicht zu kurz.“
Bradtke fügt noch hinzu: „Auch wenn jeder noch so kleine Kilometer zählt, möchten wir unsere aktuell Platzierten aus den verschiedenen Sparten nicht außer Acht lassen. Wir haben größten Respekt dafür, was sie in neun Wochen bereits geschafft haben. Alle Teilnehmer sind der eindeutige Beweis, wie wichtig gut ausgebaute Reit- und Fahrwege sind. Vor allem wenn man sieht, dass auch unser Nachwuchs bereits sehr aktiv unterwegs ist.“ pm
Viele Blüten- und Blattschmuckstauden kommen bestens im Topf zurecht. Sie stehen in ihrer Schmuckwirkung einjährigen Kübelpflanzen in nichts nach. Die frühjährliche Teilung der Beetstauden ist nun eine gute Gelegenheit, den Topfgarten kostenlos anzulegen oder zu erweitern.
Viele Stauden bleiben nur durch regelmäßiges Teilen im Frühjahr oder Herbst vital und blühfreudig. Dabei fallen naturgemäß eine Menge neuer Pflanzen an. Jetzt im Frühjahr ist die beste Zeit zum Teilen der Herbstblüher und der wintergrünen Stauden. Im September hingegen teilt man die Frühjahrs- und Frühsommerblüher. Spätestens wenn sich eine Pflanze zu sehr ausgebreitet hat oder in der letzten Saison etwas blühfaul zeigte, wird es Zeit für den Griff zum Spaten. Die anfallenden Teilstücke eignen sich prima zum Bepflanzen von Töpfen, Schalen, Kübeln oder Trögen. Einzeln oder auch in Gruppen arrangiert, ergeben sie einen wunderbaren Blickfang auf Terrasse, Hof oder im Eingangsbereich. Dank der breiten Auswahl geeigneter Stauden findet sich sowohl für die schattige Ecke als auch für den Platz an der Sonne der richtige Kandidat.
Sukkulenten kommen bestens in flachen Schalen zurecht. Foto: Karin SternPurpurglöckchen, Fetthenne und Storchschnabel sorgen hier für viel Farbe.Foto: Karin Stern
Gut geeignet für den Umzug in Pflanzgefäße sind Polsterstauden sowie niedrige bis halbhohe und mittelhohe Stauden. Sie gewöhnen sich schnell an die neuen Verhältnisse und wirken im Topf ebenso schön wie im Beet. Manche Arten fallen mit besonderen Blattformen oder -farben und üppigem Blütenreichtum auf. So bieten das rotblättrige Purpurglöckchen (Heuchera) oder die attraktiven Blätter der Fetthenne (Sedum) einen hohen Zierwert. Zudem füllen sie die immer wieder auftretenden Blühpausen im Topfgarten. Auch die Blätter der Taglilien (Hemerocallis) und Schmucklilien (Agapanthus) sorgen vor und nach der Blüte für frisches Grün. Eher natürlich und schlicht wirken dagegen die kleinblumige, aber blütenreiche Bergminze (Calamintha nepeta), die Katzenminze (Nepeta) oder Spornblumen (Centranthus ruber). Auf der Suche nach auffälligen Solitären bieten sich Funkien (Hosta), Wasserdost (Eupatorium) oder die Prachtspiere (Astilbe) an. Auch Gräser und Farne werden in den letzten Jahren zunehmend im Topf kultiviert.
Schmucklilien fühlen sich im Kübel wohl. Foto: Karin Stern
Für die guten Startbedingungen spielen Topfgröße und Substrat eine wichtige Rolle. Generell sollte der Topf besser etwas zu groß als zu klein sein. Das erleichtert nicht nur das Gießen, sondern die Pflanzen können sich optimal entwickeln und sind damit langlebiger. Es ist ratsam, das Abzugsloch des Topfes mit einer Tonscherbe zu bedecken und etwas Kies als Drainageschicht einzufüllen.
Als Substrat eignen sich ein Gemisch aus Gartenerde, Kompost und etwas Sand zu gleichen Teilen oder eine gute Kübelpflanzenerde. Auch die optimale Nährstoffversorgung ist für ein gutes Gedeihen von Bedeutung. Frische Blumenerde ist vorgedüngt. Die Nährstoffe genügen meist für die ersten sechs bis acht Wochen. Genauere Angaben darüber finden sich auf der Verpackung. Bei selbst gemischtem Substrat empfiehlt sich die Verwendung eines Langzeitdüngers für Stauden nach Packungsanweisung. Alternativ bevorzugen manche Gärtner die flüssige Düngung mit dem Gießwasser. Diese sollte jedoch ab August eingestellt werden.
Je nach Pflanzenart und Wurzelwachstum verbleiben die Stauden einige Jahre lang im Kübel, bis es doch zu eng darin wird. In frische Erde wird umgetopft, wenn das Erdvolumen aufgebraucht ist oder die Blühfreude nachlässt. Dies lässt sich wieder mit einer Teilung verbinden, oder man pflanzt die komplette Staude in einen größeren Kübel.
Diese Bergenie wächst in einem alten Holzzuber. Foto: Karin Stern
Wenn auch Beetstauden problemlos winterhart sind, sollten sie als Kübelpflanzen zumindest in der kalten Jahreszeit etwas geschützter aufgestellt werden. Sie sind im Kübel dem Frost ungleich stärker ausgesetzt als im Boden. Bei länger anhaltendem Frost von unter −7 °C kann es sinnvoll sein, die Kübel in einen frostfreien Schuppen zu räumen. Das ist weniger aufwendig und sicherer als das Einpacken in Noppenfolie oder Winterschutzvlies. Es ist zudem darauf zu achten, dass das Substrat auch im Winter nicht völlig austrocknet.
Das Federgras lockert mit seiner filigranen Struktur die Bepflanzung etwas auf. Foto: Karin SternMehrjährige Kräuter wie Schnittlauch oder Rosmarin gedeihen gut in ausreichend großen Pflanzgefäßen. Foto: Karin SternDas straff aufrecht wachsende Gras nimmt die Form seines Pflanzkübels auf.Foto: Karin SternPflegeleichte Hingucker auf einer hölzernen Ablage Foto: Karin SternFunkien eignen sich prima für die Topfkultur. Dies schützt den frischen Austrieb zudem vor Schnecken. Foto: Karin SternStauden und Einjährige sind hier zu einem bunten Topfgarten arrangiert.Foto: Karin Stern
Als landesweite Analyse liefert der aktuelle Rinder-Report 2024/2025 auch in diesem Jahr eine fundierte Datengrundlage zur tatsächlichen ökonomischen Situation der Milchviehbetriebe in Schleswig-Holstein. Die Vollkostenauswertung stellt dabei eine Kontrollrechnung dar, die es ermöglicht, nicht nur die Stärken und Schwächen des eigenen Betriebes zu identifizieren, sondern auch dessen Position im Vergleich zum landesweiten Durchschnitt einzuordnen. Auf diese Weise wird eine überbetriebliche Vergleichbarkeit geschaffen sowie eine differenzierte Bewertung verschiedener Betriebsstrukturen und Produktionsansätze ermöglicht.
Die Betriebszweigauswertung (BZA) basiert auf einer Vollkostenauswertung, die sich gezielt auf den Betriebszweig Milch konzentriert. Grundlage hierfür sind sämtliche Kosten und Erlöse, die eindeutig der Milchviehhaltung zugeordnet werden können.
Von entscheidender Bedeutung für die Berechnung ist zudem die Zuteilung der Faktoransätze. Bei der Betrachtung eines einzelnen Betriebes werden die Faktoren Arbeit, Boden und Kapital mit betriebsspezifischen Werten angesetzt. Für die landesweite Vergleichbarkeit werden diese Faktoransätze vereinheitlicht und auf Durchschnittswerte gestützt. Durch diese Standardisierung wird eine marktgerechte Entlohnung der eingesetzten Produktionsfaktoren abgebildet. Für die vorliegende Auswertung wurden folgende Ansätze zugrunde gelegt: ein Lohnansatz von 25 € pro Stunde für den Betriebsleiter, Pachtkosten von 400 €/ha für Ackerland sowie 350 €/ha für Grünland und ein Zinssatz von 4 %.
Die Kenntnis und das Verständnis der eigenen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen stellen eine wesentliche Grundlage für fundierte unternehmerische Entscheidungen dar.
Auswertungen zum Tag der Rinderspezialberatung
Das neue Veranstaltungsformat, das in Kooperation zwischen den Rinderspezialberatungsringen und der Landwirtschaftskammer durchgeführt wurde, prägt nun auch inhaltlich den Rinder-Report. Die thematische Ausrichtung der Auswertung orientiert sich dabei am jeweiligen Jahresschwerpunkt der Veranstaltung. Im Berichtsjahr lag der Fokus auf dem Thema „Optimierte Kälberhaltung – alles Wichtige für eine erfolgreiche Kälberaufzucht“.
Eine gute Aufzucht ist in vielerlei Hinsicht entscheidend für den Betrieb. Die Widerstandsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der Tiere im späteren Lebensverlauf wird unter anderem durch eine optimale Aufzucht positiv beeinflusst. Die Leistungsparameter wie Erstkalbealter und Milchleistung spiegeln so die Qualität der Kälberaufzucht (siehe Abbildung). Bei einer optimierten Kälberaufzucht werden Tageszunahmen von über 1.000 g erreicht, um Besamungsgewicht und Zeitpunkt der Erstbesamung zu beeinflussen. Diese Tiere mit einem geringen Erstkalbealter haben das Potenzial dazu, mehr Milchleistung zu erbringen. Jedoch sollte hierbei auch immer die Entwicklung des Einzeltieres berücksichtigt werden.
Die Auswertungen des Wirtschaftsjahres 2024/2025 zeigen außerdem, dass die 25 % leistungsstärksten Betriebe bei einem durchschnittlichen Erstkalbealter von 26,1 Monaten um 5,5 % bessere Reproduktionsraten erzielen als die 25 % schwächeren Betriebe mit einem Erstkalbealter von 27,7 Monaten. Ebenso liegen die Tierarzt-, Medikamenten- und Klauenpflegekosten in den erfolgreicheren Betrieben um 48,96 € pro Produktionseinheit Färse (PE) unter denen der weniger erfolgreichen Betriebe. In den leistungsstärkeren Betrieben wird pro Kalb eine höhere Menge an Vollmilch vertränkt. Insgesamt liegt die verfütterte Menge aus Vollmilch und Milchaustauscher pro Produktionseinheit um etwa 10 kg höher.
Die entstehenden Kosten für die gesamte Aufzucht sollten nicht unterschätzt werden. Es ist hilfreich, sie zu kennen und immer wieder zu hinterfragen.
Das Wichtigste auf einen Blick
Im Wirtschaftsjahr 2024/2025 wurden insgesamt 542 Betriebe in die Auswertung einbezogen. Die durchschnittliche Milchleistung konnte im Vergleich zum Vorjahr erneut gesteigert werden. Erstmals wurde im Durchschnitt die Marke von 10.000 l überschritten. Sie liegt nun bei 10.128 kg ECM pro Kuh.
Positive Entwicklungen sind eine gestiegene Milchleistung, ein gesunkenes Erstkalbealter (EKA) und gute Milchpreise. Negative Entwicklungen im Vergleich zum Vorjahr zeigen insbesondere die Auswirkungen des Blauzungenvirus (BTV-3) gegen Ende des Jahres 2024 und zu Beginn des Jahres 2025. Einige tiergesundheitsbezogene Kennzahlen weisen im Vergleich zum vorherigen Wirtschaftsjahr eine Verschlechterung auf. So sind sowohl die Kuh- als auch die Kälberverluste stark angestiegen. Dies wirkt sich unter anderem auch negativ auf die Bestandsentwicklung aus, die im Vergleich zum Vorjahr in den negativen Bereich gefallen ist und nun bei −0,41 % liegt. Darüber hinaus sind die Tierarzt- und Besamungskosten deutlich gestiegen, insgesamt um nahezu 0,5 ct/kg ECM.
Auch die Arbeitserledigungskosten setzen ihren Aufwärtstrend fort. Neben steigenden Lohnkosten tragen insbesondere höhere Ausgaben für die Innenwirtschaft zur Kostensteigerung bei. Diese sind im Vergleich zum Vorjahr um 16 % gestiegen und liegen nun bei 3,63 ct/kg ECM. Hauptursache hierfür ist der zunehmende Einsatz von Mechanisierung und moderner Technik in den Betrieben. Dazu zählen unter anderem automatische Melksysteme, Fütterungsroboter, Futterschieber sowie verschiedene Sensortechnologien, die zunehmend Einzug in die Praxis halten.
Trotz dieser Herausforderungen wird das kalkulatorische Betriebszweigergebnis (BZE) im aktuellen Wirtschaftsjahr maßgeblich durch den gestiegenen Milchpreis positiv beeinflusst. Im Durchschnitt konnte ein Unternehmergewinn von 5,87 ct/kg ECM erzielt werden. Zwischen den erfolgreichsten 25 % der Betriebe und den weniger erfolgreichen 25 % zeigt sich dabei eine Differenz von 16,33 ct/kg ECM im BZE.
Erkenntnisse aus den Vergleichsgruppen
Im Rinder-Report werden die ausgewerteten Betriebe anhand von fünf verschiedenen Vergleichsgruppen nach ausgewählten Produktionskennzahlen differenziert analysiert. Die Einteilung erfolgt nach Milchleistung, Bestandsgröße, Grundfutterleistung, Reproduktionsrate sowie Melkverfahren.
Die strukturierte Auswertung ermöglicht einen differenzierten Vergleich betrieblicher Kennzahlen, die gezielte Bewertung von Einflussfaktoren sowie das Erkennen wirtschaftlich relevanter Zusammenhänge und Schwellenwerte.
In der Tabelle 2 werden die verschiedenen kalkulatorischen Betriebszweigergebnisse der einzelnen Vergleichsgruppen in aller Kürze dargestellt. Die ausführlichen Auswertungen der Vergleichsgruppen sind unter folgendem Link im Rinder-Report zu finden: https://t1p.de/jreev
In den Vergleichsgruppen, die nach Milchleistung (kg ECM pro Kuh) und Herdengröße differenziert wurden, zeigt sich, dass das kalkulatorische Betriebszweigergebnis insbesondere in Betrieben mit hoher Milchleistung oder größeren Tierbeständen positiver ausfällt. Auffällig ist, dass sich die erzielten Leistungen weitgehend unabhängig von Herdengröße und Milchleistung auf einem vergleichbaren Niveau bewegen und keine wesentlichen Unterschiede erkennbar sind. Deutliche Unterschiede zeigen sich hingegen in den Produktionskosten. Mit steigender Milchleistung und wachsender Herdengröße nehmen sie ab. Dies ist darauf zurückzuführen, dass größere und hochleistende Betriebe effizienter ihre Produktion organisieren und wirtschaften, sodass die Kosten je Liter Milch sinken. Besonders deutlich wird dieser Effekt in den Bereichen Grundfutterkosten, Tierarztkosten sowie beim Lohnansatz. Dieser Effekt ist auch bei der Grundfutterleistung in kg ECM pro Kuh zu sehen.
Die Auswertung der Vergleichsgruppen nach Reproduktionsrate zeigt, dass sich die Ergebnisse nicht eindeutig in eine Richtung entwickeln. Das beste kalkulatorische Betriebszweigergebnis wird nicht von Betrieben mit möglichst niedrigen Reproduktionsraten erzielt. Vielmehr liegt das positivste Ergebnis im Durchschnitt im Bereich zwischen 26 % und 33 %.
Bei der Gegenüberstellung der Melkverfahren, automatisches Melken und Melken im Melkstand, wird deutlich, dass das automatische Melken trotz einer tendenziell höheren Milchleistung mit höheren Kosten verbunden ist als das Melken im Melkstand. Ursächlich hierfür sind insbesondere die höheren Investitions- und Betriebskosten im Bereich der Innentechnik sowie die damit verbundenen erhöhten Gebäudekosten.
Blick in die „Zukunft“ 2025/2026
Der Milchpreis stellt einen wesentlichen Einflussfaktor für den wirtschaftlichen Erfolg eines Betriebes dar. Im Wirtschaftsjahr 2024/2025 lag der durchschnittliche Basis-Milchpreis in Schleswig-Holstein bei 50,71 ct/kg. Im laufenden Wirtschaftsjahr ist ein deutlicher Preisrückgang zu beobachten. Seit September 2025 sind die Milchpreise von durchschnittlich rund 50 ct/ kg auf 33,16 ct/kg im Februar gesunken.
Diese Entwicklung wirkt sich negativ auf die erzielten Leistungen der Betriebe aus und unterstreicht die Bedeutung eines fundierten Kostenmanagements. Die genaue Kenntnis der eigenen Kostenstrukturen sowie eine Stärken-Schwäche-Analyse gewinnen in diesem Zusammenhang weiter an Bedeutung.
Positiv hervorzuheben ist die Entwicklung der Schlachtpreise für Rinder, die, wie bereits im Vorjahr, weitergestiegen sind und vorerst ein hohes Niveau halten. Dadurch kann der Tierverkauf einen zusätzlichen positiven Beitrag zu den betrieblichen Erlösen leisten. Insgesamt bleiben die Agrarmärkte weiterhin von hoher Volatilität geprägt. Vor diesem Hintergrund ist es für landwirtschaftliche Betriebe zunehmend wichtig, ihre wirtschaftliche Resilienz zu stärken und entsprechende Rücklagen zu bilden. Die Entwicklung der vergangenen 20 Jahre zeigt, dass die Produktionskosten im Vergleich zur Milchpreisentwicklung weniger stark gestiegen sind.
Im Wirtschaftsjahr 2024/2025 wurde in Schleswig-Holstein im Durchschnitt ein positives Betriebszweigergebnis von 5,87 ct/kg ECM erzielt. Der Milcherlös sowie die insgesamt erzielten Leistungen sind sehr positiv zu bewerten. BTV-3 hat die Betreibe in diesem Wirtschaftsjahr weitgehend in Gesundheitszahlen und Kosten negativ geprägt. Die weiterhin steigenden Arbeitserledigungskosten, bedingt sowohl durch höhere Löhne als auch durch zunehmende Kosten in der Innentechnik, wirken sich ebenso wie die durch BTV-3 verursachten Mehrkosten steigernd auf die Produktionskosten aus. Sowohl kurzfristige als auch langfristige Entwicklungen, Entscheidungen und externe Einflüsse erfordern auch künftig eine vorausschauende Planung, da weiterhin erheblichen Schwankungen auf den Agrarmärkten zu verzeichnen sind.