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Züchter im Porträt: Corinna Knaack-Lindemann aus Bad Oldesloe

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Etwas außerhalb von Bad Oldesloe, Kreis Stormarn, liegt die Reitanlage Seefeld mit dem Gestüt Camelot Arabians. Dort züchtet Corinna Knaack-Lindemann mit ihrer Tochter Isa Lindemann-Treptau Trakehner und arabische Pferde. Gemeinsam betreiben die beiden die Anlage und eine Reitschule.

„Ich komme nicht aus einem Pferdehaushalt, wusste aber schon mit vier Jahren, dass ich reiten wollte“, erzählt Corinna Knaack-Lindemann. Sie nutzte jede Gelegenheit, sich auf ein Pferd zu setzen, und betrieb dabei Learning by Doing. „Mir hat keiner Reitstunden bezahlt. Zu Hause dachten alle, ich sei verrückt geworden.“

Erst mit 20 Jahren erfüllte sie sich selbst ihren größten Wunsch: ein eigenes Pferd. Zu dem Zeitpunkt hätte sie fast alles gekauft, doch eine Freundin nahm sie mit auf ein Arabergestüt. Dort verliebte sie sich in eine strubbelige, zweieinhalbjährige arabische Halbblutstute, die sehr günstig zu verkaufen war. „Ich hatte damals selbst sehr große Vorurteile gegen Araber“, gibt sie heute zu, doch die Stute ließ sie umdenken.

Ohne große Ahnung ritt sie das Pferd im Gelände ein. Ohne Kappe, ohne Weste und immer allein – heute undenkbar. „Das war damals so“, gesteht sie. Corinna Knaack-Lindemann hatte wenig Geld. Die Stute stand in einem Offenstall und musste komplett selbst versorgt werden. Zubehör war teuer, einen Reitplatz gab es nicht, und trotzdem bildete sie die Stute und sich selbst bis zur Klasse L fort.

Nach dem Schulabschluss überlegte Knaack-Lindemann kurz, eine Ausbildung zur Bereiterin zu machen. Doch ihr wurde vermittelt, dass man es als Frau ohne Rückendeckung von zu Hause schwer habe im Pferdesport, und so entschied sie sich dagegen. „Mein Vater hatte eine Immobilienfirma, und ich hatte gesehen, dass sich damit gut Geld verdienen lässt“, erzählt sie. Also wurde sie Immobilienkauffrau, stieg bei ihrem Vater ein und kaufte ihm später die Firma ab. Geliebt hat sie den Job nie, aber sie war fleißig und arbeitete hart.

Immer ehrlich

Die Pferdeleidenschaft blieb. Zuerst pachtete sie eine Anlage in Norderstedt, dann konnte sie sich 1995 den ersten Hof in Quickborn kaufen. Er war aus dem Jahr 1895 und fast im Urzustand. Mit ihrem damaligen Ehemann werkelte sie insgesamt 18 Jahre lang an der Anlage herum. Ein Jahr nach dem Umzug kam Tochter Isa zur Welt, und Knaack-Lindemann holte sich das Büro ins Haus. „Anders war das nicht zu bewerkstelligen, mit Kind, 30 Pferden und dem Job“, erklärt sie. Die Phase sei manchmal stressig, aber auch sehr schön gewesen.

Tochter Isa hatte mit fünf Jahren ihr erstes eigenes Pony. Begleitet von ihrer Mutter Corinna Knaack-Lindemann, hier mit der Elitestute Galina ox, Mutter von Gabun, wurde sie zu einer begeisterten Reiterin. Foto: privat

Zu diesem Zeitpunkt hatte Knaack-Lindemann auch schon ihren ersten Deckhengst. Ihn hatte sie 1990 als Eineinhalbjährigen gekauft, eigentlich zum Distanzreiten. Aber die Abstammung war sehr gut, und auf Ausstellungen kam er so gut an, dass er Hengst bleiben durfte.

Damals war ihre Liebe zu arabischen Pferden schon voll entbrannt, dennoch wollte sich Knaack-Lindemann nicht auf eine Rasse festlegen. „Ich bin sehr groß“, begründet sie, warum immer Halbblutaraber oder Englische Vollblüter bei ihr zu Hause waren. Doch wenn sie über arabische Pferde spricht, gerät sie ins Schwärmen. „Sie bringen so viel Positives mit. Sie sind ehrlich, achtsam und menschenbezogen. Mit ihnen komme ich nie in Schwierigkeiten“, erklärt Knaack-Lindemann. Sie weiß, wovon sie spricht, denn sie hatte immer auch Warmblutpferde im Stall. Natürlich seien Araber leicht erregbar, dabei aber leicht zu halten. Sie habe noch nie Probleme mit ihren „Blütern“ gehabt.

Deshalb konnte die Pferdefrau auch nie verstehen, warum die Warmblutzüchter ihre Hengste nicht für die Veredlung einsetzten. Dabei hatten sogar alle eine Hengstleistungsprüfung abgelegt. Irgendwann belegte sie zwei ihrer eigenen Araberstuten mit Trakehner Hengsten. Für die eine wählte sie den sehr hübschen und überaus erfolgreichen Hibiskus als Vater, für die andere den Scheckhengst Camaro. „Ich schwärme schon immer für bunte Pferde“, erklärt sie.

Erfolgreiche Trakehner

Mit dem Trakehner Hengst Gabun ist Isa Lindemann-Treptau mehrfach S-platziert. Fotos: privat

Doch der Hengst war nicht nur für seine Farbe bekannt, sondern auch für sein freundliches Wesen und seine Rittigkeit. Diese Anpaarung gefiel ihr so gut, dass sie sie ein Jahr später wiederholte. Daraus ging der Scheckhengst Camar Gabun hervor, den sie auch zur Körung vorstellte. „Ich war schon so stolz, dass er in Neumünster laufen durfte. Nie hätte ich gedacht, dass er auch gekört wird“, erinnert sie sich an den Moment, als Gabun der erste gekörte arabische Halbblüter wurde.

Mit diesem Pferd ist Knaack-Lindemanns Tochter Isa mehrfach S-platziert, was dem Hengst eine Eintragung ins Hengstbuch I sicherte. „Bis zur Klasse M waren wir mit ihm auf Turnieren immer gern gesehen. Leider war die Scheckenliebe dann zu Ende. Meiner Tochter wurde sogar irgendwann empfohlen, doch lieber einen Braunen zu reiten“, berichtet Knaack-Lindemann von den noch immer bestehenden Vorurteilen gegenüber Schecken.

Ihre eigene Nachzucht überzeugte sie auch von den Trakehnern. So sind Mutter und Tochter inzwischen erfolgreiche Trakehner-Züchter. Auf Gabun folgte Camar Bahrain, ein zweiter gekörter Hengst aus eigener Zucht. Er ist ein Sohn des Arian Shah aus der Bara­ni von Connery und bekam 2023 in Neumünster einen positiven Kör­entscheid. Er steht momentan auf der Hengststation Maas J. Hell in Klein Offenseth, Kreis Pinneberg, und ist mit Frischsamen verfügbar. „Anders wäre er schwer zu vermarkten gewesen“, erklärt Knaack-Lindemann. Dass die Stationschefin Jasmin Ulonska Bahrain selbst reitet und regelmäßig ins Schwärmen gerät, gibt ihr ein gutes Gefühl.

Der Hengst soll langsam weiterausgebildet werden. Von Turnieren für Drei- bis Fünfjährige halten die Damen vom Gestüt Camelot Arabians nicht viel. „Bei uns muss keiner siebenjährig Klasse M und achtjährig Klasse S laufen“, so Knaack-Lindemann. Der Fuchshengst hat also noch Zeit. Später soll Isa Knaack-Treptau ihn reiten. Sie ist inzwischen bis S*** erfolgreich und auch der Grund dafür, warum die Familie nicht mehr in Quickborn wohnt.

Die Mischung macht es: Prämienstute Camar Qinea ox von Arian Shah brachte ein prämiertes Trakehner Fohlen von Kaiser Wilhelm. Foto: privat

Erneuter Umzug

Denn als klar wurde, dass Isa beruflich mit Pferden arbeiten wollte, machte sich Knaack-Lindemann auf die Suche nach einer neuen Anlage. Die alte war schlicht zu klein. Nach zweijähriger Suche fand sie die Anlage in Seefeld, in einer Zwangsversteigerung und in einem schlimmen Zustand, aber mit allem, was sie wollten: genug Land, zwei Hallen und ein Wohnhaus. „Isa war damals 16 Jahre alt, machte noch die Schule fertig, und ich beaufsichtigte in der Zeit den Umbau“, erinnert sich Knaack-Lindemann an das Jahr 2012.

Wie ihre Mutter machte Isa nach mehreren Jahren Berufserfahrung direkt den Meister. Inzwischen sind sie auch beide von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) zertifizierte Zuchtrichterinnen. Corinna Knaack-Lindemann ist außerdem seit vielen Jahren im Vorstand des Verbandes der Züchter und Freunde des Arabischen Pferdes (VZAP) aktiv, ist seit mehr als 29 Jahren Musterungsbeauftragte und hat diverse Veranstaltungen ausgerichtet.

Gemeinsam haben Mutter und Tochter auch eine gut laufende Reitschule aufgebaut. Angefangen mit ein paar Shettys haben sie heute zwölf Ponys in allen Größen. Aus der Reitschule hat sich Knaack-Lindemann inzwischen zurückgezogen. „Anfangs habe ich noch Erwachsene unterrichtet, aber es wurde zu viel mit der Anlage, dem Job und der Zucht“, erzählt sie.

Den Handel mit Immobilien hat die tatkräftige Pferdeliebhaberin inzwischen ebenfalls reduziert. Es wurde einfach immer mühsamer. Eine Erkrankung hat dazu geführt, dass sie auch die Zucht reduziert und den Einstellern gekündigt hat. Ein ganzer Stalltrakt ist inzwischen verpachtet, und Mutter und Tochter müssen dort weder misten noch die Pferde hinausbringen. Mit ihren Zuchtstuten, Hengsten, Fohlen und Jungpferden haben sie noch immer um die 17 Tiere. Früher waren es doppelt so viele.

In diesem Jahr erwarten sie wieder fünf Fohlen, davon vier Trakehner und ein Angloaraber. Die reine Araberzucht hat Knaack-Lindemann im vergangenen Jahr schweren Herzens eingestellt. „Egal, wie gut sie sind, sie lassen sich gar nicht mehr vermarkten. Wenn man für ein Hengstfohlen 2.000 Euro bekommt, kann man sich freuen“, erklärt sie frustriert.

Herzenspferd bleibt

Einer wird trotzdem immer bleiben: der Schimmelhengst Arian Shah. „Er ist mein Herzenspferd“, sagt die Züchterin. Ihn hat sie knapp zweijährig entdeckt und ungesehen gekauft. Der Siegerhengst beim VZAP bezaubere mit seinem Charme und dem enormen Gangwerk sowie mit seiner majestätischen Schönheit. Er lieferte diverse Siegerfohlen, Prämienstuten und neben Bahrain auch den gekörten Camar Qbinec. Inzwischen hat Arian Shah beim VZAP den Elitetitel und ist bei den Trakehnern gekört. „Für mich ist er der schönste und eindrucksvollste Araber“, schwärmt seine Besitzerin. Er deckt im Natursprung, und sie setzt ihn gern für Warmblutstuten ein. Mit Erfolg, wie Bahrain beweist.

Ihre Fohlen präsentieren Mutter und Tochter vorzugsweise auf der eigenen Anlage. Seit dem vergangenen Jahr veranstalten sie einen Tag für Trakehner und arabische Pferde. Zu dem Hoftermin reisten auch einige Züchter an. Acht Trakehner und drei Araber wurden 2025 eingetragen. Das soll im Juli wiederholt werden.

Die Zukunft des Hofes liegt in den Händen von Isa Lindemann-Treptau. Sie ist inzwischen verheiratet, und auch ihr Mann Matthis Treptau zieht mit und hilft immer, wenn Not am Mann ist. Isa hat noch neue Ideen. Zum Beispiel soll Yoga für Reiter das Angebot erweitern. Gerade macht sie eine Ausbildung zur Yogalehrerin und richtet sich dafür einen Raum auf dem Hof ein. Auch wenn Isa „sicherlich nicht in dem Rahmen weiterzüchten wird, denn sie ist nicht so verrückt wie ihre Mutter“, ist es für Knaack-Lindemann schön zu sehen, mit wie viel Herzblut ihre Tochter derselben Leidenschaft nachgeht und wie sie selbst die blütigen Pferde liebt.

Der gekörte Hengst Camar Varys AA war Sieger seiner Hengstleistungsprüfung. Florian Grabner (li.) hatte ihn vorbereitet. Foto: privat

Spielerisch an Zukunftskompetenzen arbeiten

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Gebannt starrt eine Gruppe Schüler auf eine helle Unterlage mit schwarzen Linien. Darauf ein kleiner Fahrroboter, der sich bunt blinkend in Bewegung setzt und den Linien folgen soll, möglichst ruhig und ohne abzuweichen. Jetzt zeigt sich, wie gut die Programmierkünste der Schüler waren. Mit viel Enthusiasmus und Eifer traten 53 Schülerinnen und Schüler von sieben Schulen aus Kiel und Lübeck beim großen Robotik-Finale des Wettbewerbs Robo Maze Rescue Clash des JuniorCampus der Technischen Hochschule (TH) Lübeck und des JugendCampus der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Kiel in Lübeck gegeneinander an. Ziel war es, in vier Aufgaben die meisten Punkte zu sammeln.

Seit Oktober 2025 waren die Schülerinnen und Schüler der jeweiligen Schulen entweder im Schulunterricht, im Wahlpflichtunterricht oder in AG damit beschäftigt, sich und ihre Roboter auf diesen Wettstreit vorzubereiten. Die nur handtellergroßen Roboter bestanden aus einem Calliope-mini-Einplatinencomputer, ergänzt um ein Calli:bot-Fahrgestell, die laut Wettkampfregeln mit einer beliebigen Umgebung/Sprache programmiert werden durften.

Die kleinen Fahrroboter sind ideal, um das Programmieren und Konstruieren zu üben.
Foto: Iris Jaeger

Darüber hinaus wurde empfohlen, für zwei der Aufgaben einen Schieber zu konstruieren. „Dazu haben wir einen 3D-Drucker genutzt. Es ist genau diese Mischung aus Konstruieren, Programmieren und Ausprobieren, die den Schülern total Spaß macht. Dadurch, dass sie sofort nach jedem Programmieren oder Umbauen ein Ergebnis sehen, motiviert es sie weiterzutüfteln“, sagte Johannes Wenzel, einer der betreuenden Lehrer. Jede Einstellung am Computer habe einen sofortigen Effekt.

Am Wettbewerbstag selbst bekamen die teilnehmenden Teams leicht abgewandelte Aufträge, auf die sie reagieren mussten. In Aufgabe 1 mussten die Roboter möglichst schnell aus einem Labyrinth herauskommen. Es galt also, die Lichtsensoren so auf hell-dunkel zu programmieren, dass das Abfahren der Linien ohne viel Hin- und Herruckeln erfolgte. Das vorgegebene Zeitlimit betrug 3 min, wurde aber nie überschritten. Es sei denn, der Roboter zeigte sich völlig orientierungslos, dann wurde abgebrochen. Jedes Team hatte drei Versuche und durfte nach jedem Versuch seinen Roboter nachjustieren, was in einem der Unterrichtsräume über der Aula erfolgte. Entsprechend viel wurde gerannt, somit hatten die Schüler auch gleich noch Bewegung mit dabei. Ziel der zweiten Aufgabe „Einparken“ war es, eine Wand (hier ein 1-l-TetraPak) zu erreichen und in weniger als 5 cm Entfernung davor anzuhalten. Auch hier war die Zeit das ausschlaggebende Gewinnkriterium, je schneller die Aufgabe bewältigt wurde, desto mehr Punkte gab es für das jeweilige Team.

Ausgerüstet mit einem selbst gebauten Schieber „rettet“ der Roboter das Objekt und schiebt es aus dem Labyrinth heraus.
Foto: Iris Jaeger

In Aufgabe 3 „Rescue“ galt es, ein Objekt zu „retten“ und aus dem Spielfeld herauszuschieben. Auch hier kam wieder ein TetraPak als Objekt zum Einsatz. Die Roboter durften mit einem selbst gebauten Schieber ausgerüstet werden. Bei einigen funktionierte im ersten Versuch das genaue Anfahren des Objekts nicht, sodass es nicht „gerettet“, sondern nur beiseitegeschoben oder ganz umfahren wurde. Für die weiteren Versuche musste der Roboter also nachprogrammiert werden, allmählich wurde dann auch die Zeit knapp. Die Spannung stieg und die Nervosität in den Teams auch.

Richtig spannend und laut wurde es dann in der letzten Aufgabe „Sumobot“. Je zwei Roboter traten in einer kreisförmigen Arena gegeneinander an. Hier war es das Ziel, den Gegner-Roboter aus der Arena zu schieben. Entsprechend feuerten die jeweiligen Teams ihre kleinen Roboter an, die sich aber mitunter auch einfach nur im Kreis drehten, was eher wie ein Tanz anmutete und weniger wie ein Sumoringen.

Das Robo Lillie Team 2 versucht sich an der Rettungs-Aufgabe
Foto: Iris Jaeger

Für alle Beteiligten war es ein spannender Vormittag und ein tolles Projekt, bei dem die Schülerinnen und Schüler knifflige Aufgaben selbst lösen mussten. Neben den technischen Fertigkeiten waren somit auch Kommunikation, Ausdauer und Einfallsreichtum der Teilnehmenden gefragt – Programmieren und Problemlösen wurden ebenso trainiert wie die Zusammenarbeit und die Verantwortung. Der Wettbewerb steht somit beispielhaft für moderne Bildung: MINT-Förderung trifft Sozialkompetenz. Teamgeist, Kreativität und kritisches Denken seien nur einige wichtige Kompetenzen, die für die Schülerinnen und Schüler in ihrem späteren Berufsleben wichtig würden, so die Veranstalter.

Aus Lübeck traten Teams der Albert-Schweitzer-Schule, der Baltic-Schule Lübeck, der Heinrich-Mann-Schule und der Willy-Brandt-Schule an. Aus Kiel und der Region beteiligten sich die Lilli-Martius-Schule, die Theodor-Storm-Schule und die Albert-Schweitzer-Schule Schwentinental.

Am Laptop wird der kleine Fahrroboter in einzelnen Funktionen nachjustiert, damit er beim nächsten Versuch schneller ans Ziel kommt.
Foto: Iris Jaeger

Gewonnen hat das Team BotGPT von der Heinrich-Mann-Schule, Platz zwei belegte Team Calavera, ebenfalls von der Heinrich-Mann-Schule, und Platz drei ging an das Robo Lillie Team 2 von der Lilli-Martius-Schule Kiel. Alle drei Sieger konnten sich über Calliope-Gutscheine freuen. Der Wettbewerb ist ein Kooperationsformat, das Bildung, Stiftungen und Wirtschaft verbindet: Mit dabei sind die MINT Stiftung Lübeck, das Technikzentrum Lübeck, das FabLab Lübeck, die Stadtwerke Lübeck, die TH Lübeck, die HAW Kiel, die Stadt Kiel, die Stadtwerke Kiel und der TÜV Nord.

Beseitigung von Wühlschäden kann ins Geld gehen

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Bei Wühlschäden von Schwarzwild auf Grünland sind außer dem Ertragsverlust vor allem die Diskussionen über die Wiederherstellungskosten eine „Never Ending Story“. Und je kleiner die Schadenfläche, desto hitziger wird argumentiert, weil dann die relativen Beträge (€/m2) sehr hoch erscheinen.

Es ist fast wie eine Episode aus „Und ewig grüßt das Murmeltier“: Entweder kommt ein Anruf oder eine kurze Textnachricht inklusive Foto mit Inhalten wie „Hast du es schon gesehen? Auf der Fläche xxx war Schwarzwild (mal wieder) aktiv“, oder man entdeckt es zufällig selbst. Dann stehen oft angeregte Diskussionen mit den Jagdpächtern bevor. Und an dieser Stelle beginnt bereits die Kostenrechnung für den Schaden. Der reine Ertragsschaden ist dank der einschlägigen Tabellenwerte der Agrarverwaltungen meist schnell und einvernehmlich ermittelt, aber oft geht der Schaden weit darüber hinaus, denn die Rechnung muss eigentlich mit den Kosten für eventuelles Extrahinfahren beginnen, gefolgt vom administrativen Regulierungsaufwand (meist mehrere Telefonate oder Textnachrichten). Das kann man gratis machen oder mittels einer Pauschale ausgleichen (siehe Tabelle 2). Aufwendig wird es, wenn dann eine mechanische Wiederherstellung der Grasnarbe erforderlich wird. Damit ist man beim Thema „Technikkosten“.

Beschreibung der Mechanisierungen

Reicht „Victoria“-Technik zur Schadensbehebung aus, und kann alles im Vorbeifahren erledigt werden, ist nur der Zeitbedarf zu schätzen oder zu messen und mit dem Vorschlagswert von aktuell vielleicht 18 €/h (Azubis, Praktikanten oder Mitarbeitende während arbeitsarmer Zeiten) bis 25 €/h (Mitarbeitende in anderen Zeiten oder der Chef selbst) auszugleichen. Der Vergütungswunsch „Ich als Chef muss für mich aber 40 Euro die Stunde ansetzen“ ist verständlich, die 40 €/h gibt es aber nur am Schreibtisch (also für administrative Tätigkeiten) und nicht für operative Arbeit, schon gar nicht für die am Spaten oder der Grabegabel.

Tabelle 1 zeigt die umfangreicheren Grunddaten einer anderen möglichen Mechanisierungsvariante, in der neben einem Planiergerät (Name und Hersteller bleiben anonym) auch der für den Antrieb erforderliche Schlepper mit 102 kW gelistet ist. Für beides zusammen wurden im Beispiel kürzlich zirka 135.000 € (netto) investiert. Der Schlepper soll 15 Jahre bleiben und in der Zeit 12.000 Schlepperstunden (Sh) laufen, das Planiergerät wird über 20 Jahre mit einer Betriebserwartung von insgesamt 2.000 Stunden eingesetzt, was aus der Flächenleistung von etwa 1.800 ha mittels einer durchschnittlichen Flächenleistung von 0,9 ha pro Stunde errechnet wurde. Dies ist sinnvoll, um im Ergebnis nachher die gleiche Einheit (€ pro Stunde) zu haben.

Wer jetzt die jährliche Einsatzfläche an der Abschreibungsschwelle mit 90 ha im Jahr errechnet hat, liegt richtig und weiß auch, dass das Gerät auch zur generellen Wiederherstellung von Grünland (gegebenenfalls auch überbetrieblich) genutzt werden soll. Dafür ist die Ermittlung eines kostendeckenden Verrechnungssatzes ebenfalls nützlich. Auf der Basis eines Dieselpreises von netto 1,30 €/l, eines AdBlue-Preises von 0,92 €/l und Motorölkosten von 3,20 €/l ergeben sich inklusive der Reparaturkosten 27,29 € pro Stunde an variablen Kosten. Zusammen mit der Abschreibung, den Zinsen und den sonstigen Festkosten (Unterbringung, Versicherung, Kontrollgebühren et cetera) ergeben sich bei Auslastung an der Abschreibungsschwelle (800 Sh pro Jahr) Gesamtkosten von 39,33 €/Sh (oder 0,39 €/ kWh). Das Planiergerät kostet zwar „nur“ zirka 30.000 €, hält aber nicht so lange wie der Schlepper und ist aufgrund der rotierenden Bodenbearbeitungstechnik stark verschleißend, sodass es mit 31,87 € pro Stunde fast das Gleiche kostet wie der Schlepper.

Wird die Technik geringer genutzt und nur zu 70 % ausgelastet, ist der Schlepper mit 42,61 €/h nur 8,3 % teurer, während sich die Kosten des Gerätes um 26,4 % auf 40,29 €/h erhöhen. Liegt die Auslastung 20 % über der Abschreibungsschwelle, so lassen sich die Schlepperkosten nur um 2,1 % auf 38,53 €/Sh senken, und die Kosten des Gerätes würden um 5 % auf 30,29 € pro Stunde zurückgehen.

Die Unterschiede im Kostensenkungspotenzial sind auf den kostenstabilisierenden Effekt der Betriebsstoffe zurückzuführen. Apropos Betriebsstoffe: Für die schwerere Arbeit mit dem Gerät wird ein Dieselverbrauch von 13,9 l pro Stunde angenommen, für das weniger anstrengende Fahren zum Einsatzort wird der Dieselbedarf mit 10,3 l pro Stunde kalkuliert (siehe Tabelle 2).

Auslastung geht vor Alter

Damit die Kostenkalkulation für die Maßnahme „Grünland nach Schwarzwildschaden einebnen“ möglichst vollständig ist, beginnt die Kostenzusammenstellung in der Tabelle 2 mit den vorbereitenden Maßnahmen, wobei auf eine Extrafahrt zur geschädigten Fläche verzichtet wird. Analog zum Verfahren von Versicherungen, für die entstehenden Unannehmlichkeiten eine Pauschale zu zahlen, werden hier eine Vorbereitungszeit von 15 min à 25 € pro Stunde und eine Pauschale von 5 € angesetzt. Das sind die ersten 11 € der Kosten.

Da der Schlepper auch andere Arbeiten erledigt und der Schaden meistens spontan kommt und zeitnah behoben werden soll, wird der Extra-An-und-Abbau des Gerätes mit je 10 min kalkuliert, wobei der Schlepper dabei im Leerlauf läuft, was mit 40 % der normalen Einsatzkosten (34,44 € pro Stunde, da weniger Diesel und kaum Verschleiß) bewertet wird. So kommen noch einmal 13 € dazu, und es ist immer noch nichts passiert.

Mit zunehmender Größe der Fläche steigen die Kosten zwar an, aber nur stark unterproportional. Auf kleineren Schadflächen liegen die Kosten für einfache Wiederherstellung schnell oberhalb von 30 ct/m2, während großflächige Schäden bei einfachen Maßnahmen bereits für etwas mehr als 4 ct/m2 beseitigt werden können.

Jetzt müssen die Kosten für An- und Abfahrt kalkuliert werden. Der Zeitbedarf soll hier mit je 12 min zu Buche schlagen, was weitere knapp 24 € hinzufügt, sodass die Euro-Uhr nun schon bei knapp 48 € steht, bevor es richtig losgeht. An dieser Stelle drängt sich förmlich der Vergleich mit der Anfahrtpauschale von Handwerkern beziehungsweise Kundendienstmitarbeitenden auf.

Nun kommt der schwierigste Teil der Kalkulation, nämlich die Berechnung der Kosten für die eigentliche Arbeit. Im Beispiel sei es erforderlich, für eine ausreichende Einebnung die entsprechenden Stellen zweimal zu bearbeiten.

In Tabelle 2 wird zunächst dargestellt, was bei Bearbeitung einer Gesamtfläche von 1 ha passiert. Wird diese zweimal überfahren, dauert das 133 min und ergibt 213,08 € an Kosten (55,38 plus 87,11 plus 70,59 €). Das Saatgut kostet ebenfalls, also kommen dafür noch einmal 140 € (40 kg à 3,50 €/kg) hinzu. Wenn dies eine Einzelaktion war und der nächste Nutzer sich nicht über den Zustand ärgern soll, heißt es jetzt: Bitte vor dem Wegstellen erst noch reinigen. Werden dafür 30 min und 10 € pro Stunde für den Hochdruckreiniger inklusive Strom, Wasser und Reinigungsmittel angenommen, wird das noch einmal um 17,50 € teurer.

Wird dann alles summiert (hier ohne Reinigungskosten), erfordert die Wiederherstellung einer 1 ha großen Fläche einen Zeitaufwand von drei Stunden und 12 min und kostet 401,03 €, was aufgerundet einen Betrag von 4,1 ct/m2 ergibt (vergleiche Tabelle 3, rechte Spalte). Die Vor- und Nacharbeiten haben hier einen Anteil von 18 % an den Gesamtkosten. (Dies wird später noch anders.)

Wird das Saatgut dabei ebenso wie die Lohnkosten untergeordneter Rechnungsbestandteil, sind darauf noch 19 % Umsatzsteuer zu berechnen. Bei getrennter Abrechnung könnte es etwas günstiger werden, weil dann das Saatgut nur mit 7 % Umsatzsteuer belegt wird, aber wie das geht und wie der Pauschalierer zu seinen Netto-Kosten kommt und die Umsatzsteuer berechnet, erklärt besser jemand aus dem Steuerbüro des Vertrauens.

Die Größe macht den Unterschied

In Tabelle 3 sind die Ergebnisse für die Wiederherstellung kleinerer Flächeneinheiten ausgewiesen. Für die Arbeit auf der Fläche gilt, dass die Wendevorgänge und -zeiten deutlich zunehmen, während die Durchschnittsgeschwindigkeit stark zurückgeht, sodass Arbeitszeit und Kosten nur deutlich unterproportional sinken, während die Kosten pro Quadratmeter deutlich und progressiv zur abnehmenden Flächengröße steigen.

0,5 ha zu erneuern, dauert zwei Stunden und 19 min und kostet 259,68 €, an denen die Vorbereitungskosten einen Anteil von 27 % haben. Beträgt die geschädigte Fläche 1.500 m2, so dauert deren Aufbereitung 89 min und verursacht 127,55 € an Gesamtkosten, von denen jetzt schon die Hälfte aus den Nebenarbeiten resultiert. Bei 500 m2 haben die Nebenkosten einen Anteil von 69 % an den 83,37 € Gesamtkosten, und wenn es nur um 200 m2 geht, deren Wiederherstellung eine Stunde und 6 min dauert, machen die eigentlich unproduktiven Kosten bereits 82 % der Gesamtkosten von 65,78 € aus, und wir sind da vermutlich im Grenzbereich zu der anfangs zitierten körperlich deutlich anstrengenderen Variante.

Werden die Schadenbeseitigungskosten auf die Schadenfläche bezogen, können sich auf kleineren Flächen hier mit 33 ct/m2 durchaus acht- bis zehnfache Beträge ergeben gegenüber 4,1 ct/m2 bei sehr großen Schadensbereichen.

Ob die motorlose Mechanisierung günstiger ist, lässt sich schwer schätzen. Manche haben zu körperlicher Arbeit keine Affinität, andere sind schnell erschöpft, Mitarbeitende könnten sich auf den Arbeitsvertrag berufen. Wird der Geschädigte nach der Option manueller Einebnung gefragt, kann er dem Schadensverantwortlichen als Unterstützung zur Selbstabhilfe die Geodaten der Gerätschaften übermitteln, denn auch die Schadenminderungspflicht kennt die Zumutbarkeitsgrenze – schlecht gefahren ist meist besser als gut gelaufen.

Fazit

Bei der Beseitigung eines Wühlschadens fängt die Kostenrechnung bereits mit dem Aufwand für die Schadenfeststellung an. Bevor es dann zur eigentlichen Wiederherstellung kommt, sind noch die Rüst- und Anfahrtkosten zu ermitteln. Nach der eigentlichen Arbeit ist der Aufwand noch nicht komplett erfasst. Neben Rückfahrt und Abbau ist manchmal noch eine Gerätereinigung erforderlich, insbesondere bei überbetrieblichem Einsatz. Nicht, weil das anhaftende Material mir gehört, sondern um Schaderreger nicht weiterzugeben. Manchmal ist dies sogar beim Umsetzen auf eigenen Flächen sinnvoll, wenn bestimmte Parzellen unter besonders hohem Schaderregerdruck stehen. Mit zunehmender Größe der geschädigten Fläche steigen die Kosten zwar an, aber nur stark unterproportional. Auf kleineren Schadflächen liegen die Kosten für einfache Wiederherstellung schnell oberhalb von 30 ct/m2, während großflächige Schäden bei einfachen Maßnahmen bereits für etwas mehr als 4 ct/m2 beseitigt werden können. Dabei kann bei kleinen Schäden der Nebenzeiten-Aufwand durchaus mehr als 80 % der Kosten ausmachen. Auch in Relation zum Ertragsschaden (Werte dafür sind im Internet abrufbar) kann die Wiederherstellung schnell das Drei- bis Vierfache kosten. Neben der Vielfalt der eventuell nötigen (oder möglichen) Arbeitsschritte zur Wiederherstellung einer Grasnarbe verhindert auch der Einfluss der Schadflächengröße, dass belastbare und plausible Pauschalwerte für deren Wiederherstellung benannt werden können.

Einfach dokumentieren mit PSM-DOK

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PSM-DOK ist eine digitale Lösung zur rechtssicheren Dokumentation von Pflanzenschutzmaßnahmen, die vor dem Hintergrund neuer EU-Vorgaben eingeführt wurde.

Grundlage ist die seit dem 1. Januar gültige Durchführungsverordnung (EU) 2023/564, die festlegt, welche Daten bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln erfasst werden müssen. Wichtig ist zudem, dass die Dokumentation elektronisch und maschinenlesbar erfolgen muss, reine Papieraufzeichnungen reichen ab dem 1. Januar 2027 nicht mehr aus.

PSM-DOK ist eine kostenfreie Plattform zur elektronischen, maschinenlesbaren und rechtssicheren Dokumentation von Pflanzenschutzmittelanwendungen. Sie wurde vom Dienstleistungszentrum ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz entwickelt und bereitgestellt und ist ein Zusatzangebot des Pflanzenschutz-Informationssystems PS Info. Das Angebot richtet sich an alle Personen, die haupt- oder nebenberuflich Pflanzenschutzmaßnahmen durchführen, und ist besonders für Betriebe geeignet, die kein umfangreiches Farm-Managementsystem nutzen möchten.

Es lassen sich alle relevanten Informationen praxisnah erfassen: Angaben zur Anwendung wie Art, Datum, Uhrzeit und Anwender, Informationen zum Einsatzort wie Schlag oder Feld, Einsatzbereich, Flächengröße und GPS-Koordinaten, kulturspezifische Daten inklusive automatisch ergänztem EPPO-Code, Kulturhöhe und BBCH-Stadium sowie produktbezogene Angaben wie Handelsname, Zulassungsnummer, Aufwandmenge, Einheit, Wirkstoffe und Bienengefährdung.

Zu den Vorteilen von PSM-DOK zählen die kostenfreie Verfügbarkeit, die Datenspeicherung ausschließlich im eigenen Betrieb, der Verzicht auf zusätzliche Apps oder Software und die rechtssichere Erfassung aller vorgeschriebenen Daten. Die Sicherung der Daten erfolgt in den Dateiformaten PDF und JSON. Ein barrierefreies Erklärvideo unterstützt bei der Nutzung von PSM-DOK, indem es die Anwendung Schritt für Schritt abbildet.

Weitere Informationen sind online unter www.psmdok.de verfügbar.

75. VR Classics in Neumünster

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Rund 46.000 Besucher erlebten bei der 75. Ausgabe der VR Classics in Neumünster an vier Veranstaltungstagen Spitzensport und Unterhaltung. Bereits zum Auftakt hatte die große Jubiläumsshow am Mittwochabend mehr als 2.000 Gäste in die Holstenhallen gezogen.

„Unglaublich, die Halle war nach jeder Runde am Beben“, schwärmte Romy Rosalie Tietje. Die 20-Jährige aus Osterby, Kreis Rendsburg-Eckernförde, kennt die Holstenhallen, denn unter anderem wurde sie hier vor sechs Jahren Pony-Championesse. Doch in diesem Jahr gab es eine Premiere: Am Sonnabend ritt sie ihr erstes Springen über 1,55 Meter. Mit dem Holsteiner Wallach Cascadino qualifizierte sie sich dabei für den Großen Preis am Sonntag.

„Ich hätte nie gedacht, dass wir in den zweiten Umlauf kommen. Dass es dann gleich zweimal so gut klappt, war wirklich toll“, sagte sie und schwärmte über ihr Pferd: „Der hat noch nie was falsch gemacht, ich kann mich immer zu 110 Prozent auf ihn verlassen. Er ist wahnsinnig vorsichtig und mit viel Mut ausgestattet. Das bringt bei der Höhe richtig Spaß, sodass man auch angreifen kann.“ Mit einem tollen Ritt flogen sie und ihr Cartani-Sohn durch den zweiten Umlauf und holten nicht nur das beste Ergebnis für Schleswig-Holstein (38,01 s), sondern waren auf Platz vier auch die besten Deutschen im Großen Preis. Von den zehn für den zweiten Umlauf qualifizierten Reitern kamen sechs aus Schleswig-Holstein.

Den Sieg holte sich der niederländische Olympiareiter Willem Greve. Die Uhr stoppte bei 34,7 s. Greve galt als bestplatzierter Reiter der Weltrangliste bereits im Vorfeld als Favorit. Für die großen Springen hatte er die Stute Candy Luck Z mitgebracht. Sie gehört der US-Amerikanerin Alessandra Volpi, die zurzeit verletzungsbedingt pausieren muss. Greve hält das hochtalentierte Pferd in dieser Zeit im Sporteinsatz, bevor es in den kommenden Monaten zu seiner Besitzerin zurückkehrt.

Der Niederländer Willem Greve holte mit Candy Luck Z den Sieg im Großen Preis von Neumünster. Foto: Thomas Hellmann

Hektik vor dem Start

Für den Niederländer war es der erste Sieg im Großen Preis, nachdem er zuvor bereits einmal Zweiter gewesen war. „Ich bin hier aber auch schon einmal mit Notruf und Erster Hilfe aus dem Parcours getragen worden. Umso schöner ist es, jetzt hier zu gewinnen”, sagte er. Greves Startposition im zweiten Umlauf sorgte kurz für Hektik: „Ich dachte, wir starten in umgekehrter Reihenfolge zum ersten Umlauf und war ganz entspannt am Schrittreiten. Plötzlich war ich schon als dritter Reiter dran. Da musste ich mich etwas beeilen. Aber ich bin meine Runde wie geplant geritten. Zum Glück hat es gereicht.“

Hinter ihm reihte sich Christoph Könemann ein. Er hatte den Hannoveraner Coredo gesattelt, der seit fünf Jahren bei ihm im Stall ist. Der zweite Platz war der bisher größte Erfolg des Carridam-Nachkommen. „Mein Pferd braucht es, dass das Publikum mitgeht, und das war hier der Fall“, freute sich der Schweizer.

Dritter wurde der Kolumbianer Marco A. Peixoto Ferreira Filho im Sattel von Everest v‘t Hof V Eversem Z. „Ich hatte Angst, dass ich die Nerven verliere“, verriet er. Denn auch er war am Tag zuvor sein erstes Springen über 1,55 m geritten. „Ich bin einfach überglücklich über dieses Ergebnis“, sagte der 23-Jährige, der in den Niederlanden trainiert.

Das Springen, in dem Tietje und Filho ihre Premieren feierten, war das Championat von Neumünster, das als Weltranglistenspringen ausgeschrieben war. Neun Paare hatten sich nach fehlerfreien Umläufen für den zweiten Umlauf qualifiziert. Am Ende setzte sich der belgische Championatsreiter Koen Vereecke durch.

Platz zwei ging an Hannes Ahlmann aus Reher, Kreis Steinburg. Nach zwei Siegen mit den Holsteinerinnen Cimarosa und Tokyo hatte er hier den KWPN-Hengst Madness gesattelt. „Ich bin unheimlich stolz auf mein Pferd. Madness ist erst neun Jahre alt. Ich habe heute einmal versucht, ihn einen Schritt weiterzubringen. Er hat im letzten Jahr einen Megajob gemacht, war Vize bei der Deutschen Meisterschaft der U25-Reiter. Aber das hier in der Halle ist noch einmal eine andere Nummer“, erklärte Ahlmann.

Erfolg für Thiesen

Für eine kleine Sensation sorgte Tomma Thiesen. Mit Django Riff zeigte die Fehmaranerin als erste Starterin im Stechen eine fehlerfreie Runde und setzte mit 35,72 s direkt eine starke Bestmarke. Am Ende wurde es Rang drei. Für die 20-Jährige war das der größte Erfolg ihrer noch jungen Karriere. Entsprechend emotional fiel ihr Fazit aus: „Das war das erste Mal für uns beide, auf diesem Niveau zu reiten. Ich bin einfach nur begeistert, wie Django Riff gesprungen ist und für mich gekämpft hat. Das ist hier mit der Atmosphäre nicht ganz leicht für ihn, aber er ist so toll bei mir geblieben. Es war einfach eine supergleichmäßige, flüssige Runde.“

Schon am Freitag stand das Championat der Pferdestadt Neumünster auf dem Programm. Die nationale Springprüfung der Klasse S* bot ebenso viel Spannung wie ein internationales Springen. Sechs Paare qualifizierten sich für das Stechen über 1,40 m. Am Ende setzte sich der Reiter mit der größten Erfahrung durch: Rolf-Göran Bengtsson, der sein Land bereits bei sechs Olympischen Spielen, vier Weltmeisterschaften und 13 Europameisterschaften vertreten hat, siegte mit Mastermind B in 33,57 s.

Die Elmshornerin Janine Rijkens und Mattie belegten mit 35,40 s Rang zwei vor Paula de Boer-Schwarz und Zandona (36,08 s). Einen Abend zuvor hatte die Hamburgerin das Indoor-Eventing gewonnen – ein emotionaler Moment für das Multitalent. „Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet“, sprudelte es aus der überglücklichen Siegerin heraus. „Ich wollte unbedingt mitreiten, weil diese Prüfung so viel Spaß macht und die Stimmung einfach immer großartig ist. Semian war jetzt zum dritten Mal hier am Start und macht das jedes Jahr super. Er hat einen riesigen Galopp, aber dass er hier so schnell sein kann, hätte ich wirklich nicht gedacht.“

Die Indoor-Vielseitigkeit konnte erstmals Paula de Boer-Schwarz mit Semian für sich entscheiden. Foto: Thomas Hellmann

Das Championat der Ponyreiter entschied Emil Krüger von der Reitsportgemeinschaft Groß Buchwald, Kreis Rendsburg-Eckernförde, für sich. In dem A**-Springen zeigte er mit Grisu eine tolle Runde, die mit einer 9,0 bewertet wurde. Neue Championesse der Junioren und Jungen Reiter wurde die Schwedin Minna Sophia Sanny, die für den Reit- und Fahrverein Kropp, Kreis Schleswig-Flensburg, reitet.

Stimmungsvolles Jubiläum

Außer den Springreitern waren auch die Dressurreiter nach Neumünster gekommen. Die Hamburgerin Juliane Brunkhorst und ihr Diamante Negro gewannen den CDN Grand Prix Special am Sonntagmorgen und sicherten sich damit auch die Siegerschärpe im Championat der Pferdestadt Neumünster der Dressurreiter. Am Freitag hatte das Paar schon den Grand Prix für sich entschieden. Platz zwei ging wie in der Qualifikation an Nicole Wego-Engelmeyer und DiCaprio. Die Schweizerin Delia Eggenberger komplettierte mit Santa Maria das Podium.

Juliane Brunkhorst und Diamante Negro bekamen die Siegerschärpe im Championat der Pferdestadt Neumünster der Dressurreiter. Foto: Stefan Lafrentz

Gleich zwei Dressurreiter aus Belgien dominierten am Sonnabendmorgen den FEI Dressage World Cup Grand Prix. Vor ausverkauften Rängen wurde der Weltranglistenerste und amtierende Doppeleuropameister Justin Verboomen eindrucksvoll seiner Favoritenrolle gerecht. Der 38-Jährige sicherte sich im Sattel seines elfjährigen Djembé de Hus mit 76,826 % den klaren Sieg. Platz zwei ging mit 74,196 % an seine EM-Teamkollegin und Landsfrau Larissa Pauluis auf dem 16-jährigen Flambeau. Das Podium komplettierte der deutsche Weltcupführende Raphael Netz mit Great Escape Camelot (73,587 %).

Belgien behielt auch in der Kür die Führung in der Weltcupqualifikation, allerdings mit vertauschten Rollen gegenüber dem Grand Prix. Hier siegte Larissa Pauluis mit Flambeau vor ihrem Teamkollegen Justin Verboomen auf Djembé de Hus. Rang drei ging an den Portugiesen João Pedro Moreira mit Drosa Fürst Kennedy. Bester Deutscher wurde Raphael Netz auf Platz vier.

Die Belgier hatten den Dressurweltcup fest in ihrer Hand. In der Kür zeigten Larissa Pauluis und Flambeau eine persönliche Bestleistung. Fotos: Stefan Lafrentz

Pauluis und der 16-jährige Ampère-Sohn Flambeau lieferten eine ausdrucksstarke, technisch anspruchsvolle Kür ab. Die Richter honorierten die Vorstellung mit 84,015 % – eine persönliche Bestleistung für das Paar. „Er war während der gesamten Prüfung ganz bei mir“, sagte Pauluis. „Besonders die Piaffe-Passage-Tour war heute sehr ausdrucksstark. Es war ein großes Vergnügen, ihn zu reiten.“

Mit einer stimmungsvollen Jubiläumsshow waren die VR Classics zum ersten Mal schon am Mittwochabend in ihre Turnierwoche gestartet. Als Zeichen der besonderen Wertschätzung gegenüber Partnern, Unterstützern und dem treuen Publikum war der Abend bewusst als Hommage an jene Menschen konzipiert worden, die das internationale Reitturnier über 75 Jahre hinweg begleitet und geprägt haben. Rund 2.000 Besucher verfolgten die Jubiläumsshow in den ausverkauften Holstenhallen.
pm

Die Wasserkunst Kaltehofe und der Elbpark Entenwerder

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Der Hamburger Stadtteil Rothenburgsort besitzt mit der Wasserkunst Kaltehofe und dem Elbpark Entenwerder zwei hübsche und interessante Grünanlagen, die der Erholung der Hamburger Bevölkerung und ihrer Besucher dienen. Zudem ist das Areal in Kaltehofe eine denkmalgeschützte historisch-technische Anlage, und in Entenwerder lockt die gastronomische Einrichtung Entenwerder 1 viele Besucher an.

Die über einen Deich und eine Brücke mit dem Festland verbundene, etwa 60 ha große Elbinsel Kaltehofe wurde ab 1848 für die Wasserversorgung der Stadt Hamburg genutzt. Die Stadtwasserkunst Rothenburgsort, wie sie damals hieß, versorgte die Bewohnerinnen und Bewohner Hamburgs mit Elbwasser, das allerdings nur in Absetztbecken von Trübstoffen befreit, aber nicht gefiltert wurde. Erst 1890 wurde mit dem Bau einer Filteranlage begonnen, die allerdings im warmen Sommer des Jahres 1892 nicht fertig war. So konnte es zu der letzten großen Cholera-Epidemie mit mehreren Tausend Toten in Hamburg kommen. Dann ging es plötzlich sehr schnell mit dem Ausbau der Filteranlagen, und bereits im Jahr nach der Epidemie wurden die Hamburger mit gefiltertem Elbwasser versorgt. Ab 1964 wurde wegen der schlechten Qualität des Wassers in der Elbe auf dessen Nutzung verzichtet, und es wurde nur noch Grundwasser in Kaltehofe gefiltert. 1990 wurde die Anlage endgültig stillgelegt, und es wurde viel über die weitere Nutzung der Flächen auf Kaltehofe diskutiert.

Entwicklung nach Stilllegung der Anlage

Es gab natürlich für dieses inmitten Hamburgs gelegene Elbinselchen zahlreiche Begehrlichkeiten und Nutzungsideen. Letztlich hat man sich dazu entschieden, die historische Anlage mit den Gebäuden und den sogenannten Schieberhäuschen und den Filterbecken unter Denkmalschutz zu stellen. Außerdem wurden weite Bereiche der Insel der Natur überlassen. Seither entwickeln sich die elb- und stadtnahen Naturschutzbereiche weitgehend unberührt. Ein Teil des Areals mit dem Villengebäude und einigen anliegenden Becken, Häuschen und Grünflächen wurden zu einem Erlebnis-, Bildungs-, Erholungs- und Naturererkundungsraum. Dieser Teil wurde ab dem Jahre 2011 für die Öffentlichkeit geöffnet und wird von der Stiftung Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe betrieben, deren Stiftungsgeber die Wasserwerke Hamburgs und die Freie und Hansestadt Hamburg sind.

Blick ins Innere eines Schieberhäuschens, wo der Zu- und Abfluss in die Filterbecken reguliert wurden. Foto: Hans-Dieter Reinke

So finden wir heute neben den unzugänglichen Natur- und Wildnisarealen mit den Wasserbecken und den alten, runden Klinkerbauten der Schieberhäuschen, durch die an jedem Becken der Zu- und Abfluss des Wasser geregelt werden konnte, den für die Besucher zugänglichen parkähnlichen Grünflächen- und Naturbereich mit zahlreichen Erlebnismöglichkeiten, Beobachtungsstationen, Attraktionen und Besonderheiten. Es gibt Liege- und Picknickwiesen, dazu Schmetterlings-, Wildkräuter- und Wildblumenwiesen. Dort finden sich Bienenstöcke, Insektennisthilfestationen, eine Vogelbeobachtungsplattform, ein Barfußpfad, mehrere Klangschalen, Liegestühle, ein Disc-Golf-Parcours für Frisbees und ein Naturerlebnispfad mit 25 Stationen. Interaktive Tafeln informieren zu dem Leben unter Wasser, zum Trinkwasser im Klimawandel, zur Pflanzenkläranlage und zur Trinkwassergewinnung früherer Zeiten mit Erklärung der Funktion der Schieberhäuschen. Aber auch Biotope wie Gehölze und Feuchtareale oder die Tiere in und an den Filterbecken werden behandelt. Auch werden einzelne Tiergruppen wie die Säugetiere allgemein und die Fledermäuse im Besonderen auf Kaltehofe vorgestellt, zudem einzelne Arten wie die Honigbiene, der Biber in Hamburg, der Schwarze Holunder, die Silberpappel, die Salweide oder die Hängebirke.

Im quaderförmigen Gebäude neben der Villa Kaltehofe befinden sich Ausstellungs- und Veranstaltungsräume. Foto: Hans-Dieter Reinke


Informationen zum Gelände und zur Geschichte gibt es in der Ausstellung „Altes Labor“ im Erdgeschoss der Villa Kaltehofe, die aus dem Jahre 1894 stammt und ehemals als Außenstelle des Hygienischen Instituts der Stadt dazu diente, die Wasserqualität vor Ort zu überwachen. In dem anliegenden wasserumspülten, quaderförmigen Gebäude hinter der Villa befindet sich eine weitere Ausstellung mit dem Thema „Stadt, Wasser, Kunst“, in der es um die Trinkwasserversorgung in Hamburg geht. Aber auch viele Brunnen und Wasserspiele der Stadt werden im Rahmen von Führungen gezeigt.

Elbpark Entenwerder

Nicht weit von Kaltehofe über den Kaltehofe-Hauptdeich und das Sperrwerk Billwerder Bucht erreicht man den sich anschließenden Elbpark Entenwerder. Gleich am Zugang zur Halbinsel passiert man das ehemalige Gebäude der Wasserschutzpolizei, in dem sich seit 2021 am östlichen Zugang zum Park das Hamburger Angelzentrum befindet. Es ist die Anlauf- und Informationsstelle für die Hamburger Angler und für Besucher der Stadt, die gern einmal die Angel in der Elbe auswerfen möchten. Gleichzeitig befindet sich hier eine Infoausstellung zur Fischwelt der Elbe, unter anderem mit einem 1.650 l fassenden Aquarium.

Kurz darauf, bevor man den eigentlichen Parkbereich betritt, passiert man das Entenwerder Fährhaus, das bereits seit 1872 als Gaststätte betrieben wird und einen historisch-nostalgischen Eindruck vermittelt. Diese alte gastronomische Einrichtung steht im strengen Gegensatz zur nun folgenden Restauration, die man am Parkplatz über eine historische Stahlbrücke erreicht: Entenwerder 1. Die Gaststätte befindet sich auf einem 11 m langen und 16 m hohen Schwimmponton in der Norderelbe. Auffällig ist der Goldene Pavillon mit seinen kupfernen, goldfarbenen Lochblechen, der für eine Ausstellung im Jahr 2015 in Münster als Skulptur konzipiert und danach zu dem besagten Schwimm-Restaurant mit drei Ebenen ausgebaut wurde.

Die gastronomische Einrichtung Entenwerder 1 liegt auf einem Ponton in der Norderelbe. Foto: Hans-Dieter Reinke

Auf der Halbinsel Entenwerder befand sich früher die Zollstation für Binnenschiffe, und bis in die 1990er Jahre war dies ein Abstellort für Schaustellerfahrzeuge. 1997 erfolgte die Umwandlung in eine öffentliche Parkanlage. Zunächst fristete der 16 ha große Park mit großen Rasen- und Wiesenfreiflächen sowie einigen Gehölzen und naturnah entwickelten Bereichen ein gewisses Dornröschendasein. Das änderte sich erst mit der Einrichtung der erwähnten Gastronomie auf dem Elbstrom, die Entenwerder zu einem angesagten Ausflugsziel für die Hamburger ­machte. An der Halbinselspitze befindet sich ein charakteristisches Rondell mit hochgewachsenen Pyramidenpappeln. Man kann den Blick auf die Elbbrücken und die Hafencity mit der aktuellen Bauruine des Elbtowers genießen und den auf der Norderelbe vorbeischippernden Binnenschiffen nachblicken.

Pyramidenpappel-Rondell an der Spitze der Elb-Halbinsel im Elbpark Entenwerder. Foto: Hans-Dieter Reinke

Klein, wendig, unterschätzt: Quads und ATV

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Wer heute durch viele Privat- und Kommunalwälder geht, begegnet ihnen immer häufiger: Quads oder ATV (All-Terrain-Vehicle), beladen mit Motorsäge, Kanistern, Seilwinde oder einem kleinen Rückewagen. Was noch vor wenigen Jahren als Spielzeug belächelt wurde, ist für zahlreiche Brennholz-Selbstwerber zu einem festen Bestandteil ihrer Arbeitskette geworden. Doch wie sinnvoll ist der Einsatz wirklich? Wo liegen die realen Vorteile – und wo beginnt die Schönfärberei?

Ein genauer Blick zeigt: ATV können in der Selbstwerbung ein funktionales Werkzeug sein, wenn sie richtig eingesetzt werden. Sie sind aber kein Ersatz für solide Forsttechnik und schon gar keine Lizenz für freie Fahrt durchs Unterholz.

Der Reiz liegt auf der Hand: Ein ATV ist vergleichsweise günstig, benötigt wenig Stellfläche, ist schnell einsatzbereit und kommt auch auf schmalen Wegen oder in klein strukturierten Beständen gut zurecht. Gerade im Winter, wenn Böden gefroren und tragfähig sind, lassen sich kleinere Holzmengen effizient bewegen – ohne den Einsatz schwerer Maschinen, die Boden und Bestand stärker belasten würden. In der Praxis übernehmen ATV vor allem drei Aufgaben. Sie fungieren als Zubringer für Ausrüstung, also für Motorsäge, Kraftstoff, Keile, Seilzüge, Werkzeug und Erste-Hilfe-Material. Sie dienen als Zugfahrzeug für die Kleinrückung von Kurzholz oder Meterstücken aus dem Bestand an den Weg. Und sie werden als universelles Betriebsfahrzeug für Kontrollfahrten, Winterdienst oder jagdliche Infrastruktur genutzt. In Kombination mit Forstanhänger und Seilwinde entsteht ein überraschend vielseitiges System für die dezentrale Holzwerbung. Genau hier setzt auch die kritische Betrachtung an. Mit jedem zusätzlichen Einsatz steigt die Versuchung, das Quad als Allzwecklösung zu begreifen – und damit seine konstruktiven, rechtlichen und ökologischen Grenzen zu ignorieren.

Für das Rücken im Bestand kommt eine Honda-Raupe zum Einsatz, hier bedient von Frank Ströver.

Technik mit Anspruch: ATV als Arbeitsgerät

Forsttaugliche ATV unterscheiden sich deutlich von Freizeitfahrzeugen. Modelle von Herstellern sind heute gezielt auf land- und forstwirtschaftliche Anforderungen ausgelegt. Sie verfügen in der Regel über zuschaltbaren Allradantrieb, Untersetzung und Differenzialsperren, verstärkte Fahrwerke und ausreichende Bodenfreiheit. Die zulässige Anhängelast liegt – je nach Typ und Zulassung – meist zwischen einigen 100 kg und deutlich über 1 t bei gebremsten Anhängern. In Kombination mit speziellen Forstanhängern, teils inklusive Kran, und leistungsfähigen 12-V-Seilwinden ergibt sich ein Rückesystem, das für kleinere Holzmengen durchaus praxistauglich ist. Bei sachgemäßer Nutzung kann es helfen, Rückegassen zu entlasten und punktuelle Eingriffe effizienter zu gestalten. Die Technik selbst ist in vielen Fällen nicht mehr der begrenzende Faktor; entscheidend ist, wie bewusst sie eingesetzt wird.

Bodenschutz bleibt zentrales Thema

Ein häufiges Argument zugunsten von ATV lautet: geringes Gewicht, also geringe Bodenschädigung. Diese Gleichung greift jedoch zu kurz. Entscheidend ist nicht nur das Fahrzeuggewicht, sondern der resultierende Bodendruck, die Wiederholungsfrequenz der Befahrung sowie der Feuchtezustand des Bodens. Ein leichtes Fahrzeug kann bei ungünstiger Bodenfeuchte in kurzer Zeit tiefere Spuren ziehen als ein schwereres Fahrzeug, das nur wenige Fahrten auf tragfähigem Untergrund absolviert. In nach PEFC- oder FSC-Standard zertifizierten Wäldern ist die Befahrung grundsätzlich auf ausgewiesene Rückegassen zu beschränken. Ziel ist eine klare Trennung zwischen Maschinenzone und unbelasteter Bestandsfläche. Auch wenn ein ATV leichter wirkt als ein Rückezug, wird es forstökologisch als Arbeitsmaschine betrachtet – mit denselben Grundprinzipien: Konzentration der Befahrung, keine flächige Durchfahrt, keine Schäden an empfindlichen Strukturen. Der kurze Abstecher „mal eben neben die Gasse“ mag im Alltag verlockend erscheinen, widerspricht aber der Logik moderner Waldbewirtschaftung. Gerade im tauenden Winterboden zeigt sich: Auch ein Quad kann tiefe Spuren hinterlassen, die Jahre später noch sichtbar sind. Dass das Fahrzeug klein ist, entbindet nicht von der Pflicht zum Bodenschutz.

Zu schwach zum bestandesschonenden Herausseilen in voller Länge, zu stark zum Heraustragen: Die Kombination von Vorlieferraupe und Quad hat sich als ideal erwiesen, um das Meterholz aus dem Bestand zu bringen.

Unterschätztes Risiko auf vier Rädern

ATV verändern die Dynamik der Waldarbeit. Sie erleichtern Wege, verkürzen Distanzen und sparen Kraft – erzeugen aber auch neue Risiken. Kippunfälle auf Querhängen, unkontrollierte Abfahrten mit beladenem Anhänger oder Seilrisse bei überlasteter Winde gehören zu den typischen Gefahren, die in der Unfallstatistik nicht selten sind. In Kombination mit der ohnehin risikobehafteten Motorsägenarbeit ergibt sich ein komplexes Sicherheitsszenario. Persönliche Schutzausrüstung, Motorsägenschulungen und klar strukturierte Arbeitsabläufe sind keine Formalität, sondern Grundlage jeder verantwortungsbewussten Selbstwerbung. Das Thema Alleinarbeit bleibt kritisch – der souveräne Umgang mit Technik ersetzt kein Notfallnetz. Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Windenarbeit. Zugrichtung, Seilführung, Standposition und Gefahrenbereich müssen konsequent beachtet werden. Schon kleine Fehler in der Einschätzung von Last, Umlenkung oder Befestigung können große Kräfte freisetzen. Das ATV als Zugfahrzeug macht diese Kräfte nicht kleiner – es bringt sie nur anders in den Bestand ein.

Rechtliche Realität im Wald

Ein ATV ist kein Sonderfahrzeug mit Sonderrechten. Es ist ein Kraftfahrzeug – mit allen daraus resultierenden Pflichten. Das Fahren im Wald ist in Deutschland klar geregelt und grundsätzlich nur auf freigegebenen Wegen und im Rahmen der Bewirtschaftung erlaubt. Wald- und Naturschutzgesetze der Länder sind hier eindeutig: Abseits von Wegen zu fahren, ist in der Regel verboten und kann als Ordnungswidrigkeit verfolgt werden. Für Brennholz-Selbstwerber bedeutet das: Ohne ausdrückliche Zustimmung des Waldbesitzers oder Forstbetriebs ist die Nutzung eines ATV im Wald nicht zulässig. Die im Alltag gelegentlich zu beobachtende „Offroad-Mentalität“ hat im Wald keinen Platz. Freizeitfahrten schädigen nicht nur den Boden, sondern auch die gesellschaftliche Akzeptanz moderner Forstwirtschaft – und werfen ein schlechtes Licht auf all jene, die Fahrzeuge im Wald verantwortungsvoll einsetzen.

Wirtschaftlichkeit: Werkzeug oder Luxus?

Ob sich ein ATV lohnt, ist keine emotionale, sondern eine betriebswirtschaftliche Frage. Neben den Anschaffungskosten kommen Ausgaben für Anhänger, Seilwinde, Halterungen, Wartung, Versicherung, Zulassung und Lagerung hinzu. Schnell erreicht das Gesamtsystem eine fünfstellige Investition. Für gelegentliche Brennholzwerbung unterhalb von 10 rm pro Jahr ist der wirtschaftliche Nutzen meist begrenzt. Interessant wird das System dort, wo regelmäßig größere Holzmengen anfallen, wo das Fahrzeug zusätzlich für andere betriebliche Aufgaben auf Hof und Flächen eingesetzt wird oder wo kein größerer Schlepper zur Verfügung steht. Zeitersparnis, Flexibilität und Schonung der eigenen körperlichen Ressourcen sind reale Faktoren – müssen aber gegen Kosten und Risiko gestellt werden.

Wo das System an seine Grenzen stößt

Starke Hangneigungen, schwere Stämme, aufgeweichte Böden oder eisige Abfahrten markieren die Grenzen des ATV. Hier wird aus dem Helfer schnell ein Sicherheitsrisiko. Gleiches gilt bei Überladung, falscher Lastverteilung oder fehlender Erfahrung mit dem veränderten Fahrverhalten unter Last. Hier ist die Zusammenarbeit mit professionellen Forstunternehmen – etwa für die Rückung – nicht nur sicherer, sondern häufig auch wirtschaftlicher. ATV eignen sich vor allem für die Kleinrückung, für kurze Distanzen und überschaubare Volumina. Wer sie darüber hinaus zwingt, in die Rolle eines Rücke­zugs hineinzuwachsen, wird früher oder später an technische und Sicherheitsgrenzen stoßen.

Bewährter Helfer: Selbstwerber Dieter Burhenne setzt auf sein Quad bei der Brennholzwerbung. Den Rückewagen hat der Verfahrensingenieur selbst gebaut.
Fotos: Landpixel

Ergänzende Perspektiven für die Praxis

In der forstlichen Fachpraxis rücken zunehmend weitere Aspekte in den Blick. Die Wahl geeigneter Reifen mit geringem Bodendruck, der Umgang mit Reifendrucksteuerung und das Potenzial leiser Elektro-ATV für sensible Bereiche sind Themen, die an Bedeutung gewinnen. Gleiches gilt für die ergonomische Gestaltung längerer Arbeitstage mit dem ATV: Sitzposition, Vibrationen und Witterungseinflüsse entscheiden darüber, ob ein Fahrzeug wirklich entlastet oder nur andere Belastungen erzeugt. Auch die Integration des ATV in ein ganzheitliches Betriebskonzept ist entscheidend. Es geht nicht nur um das einzelne Fahrzeug, sondern um Wegeplanung, Arbeitsorganisation, Bestandespflege und langfristige Erschließungsstrategien. Erst wenn diese Bausteine zusammenspielen, wird aus einem Quad im Wald ein stimmiges Werkzeug im Rahmen einer nachhaltigen Bewirtschaftung.

Typische Fehler aus der Praxis

In der praktischen Arbeit mit ATV im Wald zeigen sich immer wieder ähnliche Muster. Sie sind selten spektakulär, dafür umso häufiger – und oft der Grund für Schäden, Frust oder gefährliche Situationen. Ein häufiger Irrtum lautet: „Das Quad ist leicht, also schadet es dem Boden nicht.“ Tatsächlich entstehen viele der nachhaltigen Bodenschäden durch wiederholte Fahrten auf ungünstigem Untergrund, nicht durch das einzelne Fahrzeuggewicht. Ein weiterer Klassiker ist die Annahme, mit Anhänger und Winde ließe sich nahezu jedes Holz bewegen. Spätestens bei Hanglagen oder schweren Stämmen zeigt sich, wie schnell Traktion, Stabilität und Bremsleistung an ihre Grenzen stoßen. Auch „einmal kurz querzufahren“ ist ein verbreitetes Denkmodell, häufig gerechtfertigt mit Zeitdruck oder Bequemlichkeit. In Summe sind es gerade diese kleinen Grenzüberschreitungen, die Rückegassenkonzepte unterlaufen und langfristig zu Strukturschäden führen. Hinzu kommt die Tendenz, Technik zu über- und eigene Erfahrung zu unterschätzen. Wer vom Freizeitbetrieb ins forstliche Arbeiten wechselt, überträgt Fahrverhalten und Risikoeinschätzung oft unreflektiert in eine deutlich anspruchsvollere Umgebung. Eine realistische Fehlerkultur bedeutet deshalb, nicht nur über Technik zu sprechen, sondern auch über Gewohnheiten – und darüber, wie schnell Routine in Nachlässigkeit umschlagen kann.

Kleinmechanisierung: Entwicklung geht weiter

Die Entwicklung im Einsatz von ATV steht nicht still. Erste elektrische Modelle zeigen, wohin die Reise gehen kann: deutlich geringere Geräuschentwicklung, emissionsfreier Betrieb und ein sensibles Fahrverhalten, das besonders in Schutzgebieten oder stadtnahen Wäldern neue Möglichkeiten eröffnet. Auch Hybridlösungen und modulare Systeme, bei denen Anbaugeräte flexibel auf- und abgerüstet werden können, gewinnen an Bedeutung. Parallel entwickeln Hersteller zunehmend spezialisierte Forstpakete mit verstärktem Unterbodenschutz, verbesserten Windenlösungen und digitaler Unterstützung, etwa durch GPS-Tracking oder elektronische Neigungsanzeigen. Für kleinere Betriebe bedeutet das: Kleinmechanisierung wird professioneller – und zugleich anspruchsvoller in der Handhabung. Die entscheidende Frage bleibt jedoch: nicht, was technisch möglich ist, sondern, was forstlich sinnvoll ist. Die Zukunft des ATV im Wald wird weniger von Motorleistung und Geschwindigkeit bestimmt werden als von seiner Einbindung in nachhaltige, strukturierte Bewirtschaftungskonzepte.

Fazit

Quads und ATV sind keine vorübergehende Modeerscheinung, sondern ein ernst zu nehmendes Werkzeug in der Brennholz-Selbstwerbung. Richtig eingesetzt, bieten sie Flexibilität, Effizienz und neue Spielräume in der forstlichen Arbeit. Wer sie hingegen als bequemen Ersatz für forstliches Denken nutzt, gefährdet Boden, Bestand und letztlich auch die eigene Sicherheit.

Reduziert China die Zölle?

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Die final auf EU-Milchprodukte erhobenen chinesischen Zölle könnten niedriger ausfallen, als es die vorläufige Festsetzung hatte befürchten lassen. Wie Brüsseler Kreise erklärten, sollen die endgültigen Ad-valorem-Zollsätze – also berechnet auf Basis des Warenwerts – nur zwischen 9,5 und 11,7 % liegen.

Rund 70 % der EU-Sahneexporte nach China kommen aus Österreich. Foto: Imago

Kurz vor Weihnachten hatte das chinesische Handelsministerium noch mitgeteilt, dass die vorläufigen Einfuhrabgaben ab dem 23. Dezember je nach Unternehmen zwischen 21,9 und 42,7 % des Warenwertes betrügen. Diese werden seitdem in Form einer Kaution erhoben. Offiziell werden die Einfuhrabgaben auf verschiedene Käse-, Milch- und Sahneprodukte erhoben. Kommissionskreise verbuchen die Abmilderung als Erfolg intensiver Gespräche mit dem Pekinger Handelsministerium zwischen Weihnachten und Neujahr.

Was passiert mit österreichischer Sahne?

Vor allem der Sahneabsatz in Österreich könnte trotzdem leiden. Dem Vernehmen nach werden jährlich rund 100.000 t EU-Sahne nach China geliefert, davon allein 70.000 t aus der Alpenrepublik. Da der bisherige Zollsatz bereits bei 8 % liegt und sich bis zu 11,7 % auf annähernd 20 % addieren, stellt sich aktuell so manche österreichische Meierei die Frage, ob künftig andere Sahneproduzenten mit niedrigeren Zollsätzen in China zum Zug kommen.

Offizielle und öffentlich einsehbare Zahlen aus dem Handelsministerium in Peking liegen zwar noch nicht vor. Da die Zölle ab dem 21. Februar erhoben werden sollen, was mitten ins chinesische Neujahrsfest (17. Februar bis 3. März) fällt, ist laut Kommissionskreisen mit einer früheren Bekanntgabe zu rechnen.

Das von Peking angestrengte Verfahren richtet sich offiziell gegen von der EU an den Milchsektor gezahlte Beihilfen aus der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Es handelt sich also um ein Antisubventionsverfahren. Diese werden in der Regel von der EU-Kommission sehr ernst genommen, da sie Brüsseler Beihilfepolitiken infrage stellen. Anders sieht es häufig beispielsweise bei Antidumpingverfahren aus. Die zielen meistens auf einzelne Unternehmen, denen vorgeworfen wird, ihre Exportpreise künstlich zu verbilligen.

Irland: China setzt Rindfleischimporte aus

Unterdessen war die Marktöffnung Chinas für irisches Rindfleisch nur von kurzer Dauer. Nachdem das Dubliner Agrarressort Ende Januar den Ausbruch der Blauzungenkrankheit bestätigt hatte, haben die Pekinger Behörden die Einfuhr von Rindfleisch aus Irland ausgesetzt. Landwirtschaftsminister Martin Heydon zeigte sich gegenüber heimischen Medien enttäuscht. Er setzt jetzt auf eine enge Zusammenarbeit mit den chinesischen Behörden, damit die irischen Rindfleischlieferungen nach China rasch wieder aufgenommen werden können.

Für Irland kommt der Ausbruch der Blauzungenkrankheit zur Unzeit. Erst Mitte Januar hatte China seinen Markt für Rindfleisch aus Irland wieder geöffnet. Zuvor waren die irischen Rindfleischexporte ins Reich der Mitte seit September 2024 aufgrund eines BSE-Falls ausgesetzt. Auch davor war der Markt nur kurz geöffnet; seit 2000 fanden BSE-bedingt keine Exporte nach China statt.

Laut Angaben des Dubliner Agrarressorts hat der Ausbruch der Blauzungenkrankheit keine Auswirkungen, was den Export von Fleisch und Milchprodukten aus irischer Produktion in andere EU-Staaten, nach Großbritannien und in die meisten internationalen Märkte angeht. Heydon betonte zugleich, dass sein Haus über die Überarbeitung zahlreicher Handelszertifikate mit Drittländern verhandele, um die Auswirkungen des Seuchengeschehens zu minimieren. age

Südamerikaner starten Ratifizierung

EU-Mercosur-Freihandelsabkommen

Nach Paraguay hat jetzt auch Brasilien die Ratifizierung des Freihandelsabkommens zwischen der EU und dem Mercosur auf den Weg gebracht. Staatspräsident Lula da Silva legte es vergangene Woche dem Nationalkongress zur Prüfung und Genehmigung vor.

Sollte einer der Mercosur-Staaten das Abkommen ratifizieren, könnte auf EU-Seite die Brüsseler Kommission die vorläufige Anwendung beschließen. Die nationalen Parlamente müssen hier nicht zustimmen. In den Mercosur-Ländern muss das Abkommen laut den Angaben der brasilianischen Staatsregierung von allen vier Gründungsmitgliedern des Mercosur – konkret Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay – genehmigt werden. Da Silva betonte anlässlich der Eröffnung des parlamentarischen Verfahrens in Brasília die strategische Bedeutung des Abkommens für sein Land. Die EU sei Brasiliens zweitgrößter Handelspartner. Zudem solle das Abkommen die Diversifizierung der brasilianischen Handelspartnerschaften stärken und die Modernisierung der brasilianischen Industrie fördern.

Das EU-Mercosur-Abkommen ist derzeit auch Thema einer Delegationsreise des Ernährungsausschusses im Bundestag nach Brasilien. Außerdem geht es in Gesprächen mit brasilianischen Politik- und Wirtschaftsvertretern um die Entwicklung der Landwirtschaft und der Entwaldungsproblematik in Südamerika.

Wie brasilianische Medien berichteten, betonte unter anderem Senator Eduardo Gomes die brasilianischen Anstrengungen im Umweltschutz. Beispielsweise seien Waldbesitzer dazu verpflichtet, einen Teil ihres Landes als Waldreservat zu erhalten. age

Bedarfe und Standortbedingungen ausschlaggebend

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Die Stickstoffdüngung der Wintergetreidebestände hat maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklungs- und Ertragsbildungsprozesse der Kulturen und ist darüber hinaus auch bedeutend für die Anfälligkeit gegenüber Blattkrankheiten sowie für die Lageranfälligkeit der Bestände. Entsprechend erfordert eine bedarfsgerechte Düngung neben dem Fingerspitzengefühl bei der Einschätzung der eigenen Flächen auch die Voraussicht, die Potenziale und Risiken der aktuellen und der kommenden Vegetationsperiode richtig einzuordnen. Welches Vorgehen unter den gegebenen Bedingungen zweckmäßig ist, soll im Folgenden dargestellt werden.

Der Herbst 2025 war in Schleswig-Holstein durch eine ausgeprägte regionale Heterogenität der Witterungsbedingungen gekennzeichnet, die sich unmittelbar auf die Herbstbestellung und die Etablierung der Wintergetreidebestände auswirkte. Während im September noch überwiegend vergleichsweise trockene Bedingungen vorherrschten, war der Zeitraum ab Oktober durch eine deutliche Zunahme der Niederschläge und eine insgesamt instabile Witterung geprägt. Insbesondere an den westlichen Küstenstandorten traten im Oktober und November sehr hohe Niederschlagssummen auf, die sowohl die Befahrbarkeit der Flächen als auch die termingerechte Aussaat erheblich einschränkten. In der Folge kam es dort vielfach zu verzögertem Auflaufen sowie zu einer eingeschränkten Jugendentwicklung der Bestände.

Auf den leichteren ­Standorten der Geest sowie in den östlich gelegenen Regionen des Landes konnten die Wintergetreidebestände die erhöhten Niederschläge ab Oktober insgesamt besser kompensieren. Dennoch weisen auch hier später gesäte Bestände im Vergleich zu mehrjährigen Mittelwerten eine deutlich geringere Bestandesentwicklung auf. In den Monaten Dezember und Januar lagen die Niederschlagsmengen unter dem langjährigen Mittel. Gleichzeitig führten das Einsetzen der Vegetationsruhe, winterliche Temperaturverhältnisse sowie zeitweise Schneebedeckung im Winter 2025/2026 dazu, dass während der Wintermonate keine weitere Bestandesentwicklung stattfand.

Aktuelle Nmin-Werte

Um das standort- und bestandesangepasste Maß der Stickstoffdüngung festzulegen, ist sowohl im Rahmen der Düngebedarfsermittlung (DBE) als auch bei der Planung der einzelnen N-Gaben eine fundierte Kenntnis der aktuellen Nmin-Gehalte im Boden erforderlich. Die durch den Nitratmessdienst der Landwirtschaftskammer ermittelten durchschnittlichen Nmin-Werte für die einzelnen Naturräume, jeweils gemittelt über unterschiedliche Vorfrucht-Nachfrucht-Kombinationen (siehe Nitratmessdienst, Bauernblatt 6/2026), liegen mit 43 kg N/ha im Östlichen Hügelland sowie 25 kg N/ha in der Geest sowohl über den Vorjahreswerten als auch über dem langjährigen Mittel. Für die Marschstandorte bewegen sich die Nmin-Gehalte mit rund 50 kg N/ha etwa auf dem langjährigen Niveau. Diese Befunde lassen sich vor dem Hintergrund der im Dezember und Januar überwiegend unterdurchschnittlichen Niederschläge erklären, da unter diesen Bedingungen von einer reduzierten Nitratauswaschung auszugehen ist. Die vom Nitratmessdienst bereitgestellten Werte sind eine geeignete Grundlage für eine düngerechtskonforme Düngebedarfsermittlung. Aus fachlicher Sicht ist es jedoch weiterhin anzustreben, schlagspezifische eigene Nmin-Untersuchungen durchzuführen, um betriebs- und standortspezifische Unterschiede gezielt in der Düngestrategie berücksichtigen zu können. Die aktuell vorliegenden Smin-Gehalte bewegen sich ebenfalls auf einem überdurchschnittlichen Niveau.

Winterroggen zeigt bereits früh im Vegetationsverlauf eine hohe Stickstoffaufnahme. Die Ausgestaltung der Startgabe ist daher von zentraler Bedeutung für die weitere Bestandesentwicklung.

Bestände sorgfältig beurteilen

Für die Entscheidung, wie die Andüngung erfolgen soll, ist zunächst der eigene Bestand richtig anzusprechen. Um hier insbesondere potenzielle Auswinterungsschäden von Staunässeproblemen unterscheiden zu können, ist eine kurze Spatenprobe sinnvoll. Gleichzeitig lässt sich in allen Beständen, unabhängig von ihrem optischen Zustand, die Wurzelentwicklung beurteilen. Weiße Wurzeln und Wurzelspitzen deuten auf Aktivität hin, woraus sich Entwicklung und Wachstum ableiten lassen. Das ist die Voraussetzung für eine effektive Nährstoffaufnahme. Zudem muss die Regenerationsfähigkeit von ausgedünnten Beständen abgeschätzt werden. Gerade für grenzwertige Beständen, die eine zu geringe und ungleichmäßige Pflanzen- und Triebzahl aufweisen, ist es sinnvoll, einen Umbruch mit nachfolgender Ansaat einer Sommerung in Betracht zu ziehen. Gerade in diesem Frühjahr dürfte für einige sehr stark ausgedünnte Bestände infolge von Nässe und regionalem Kahlfrost im Januar die Entscheidung über Umbruch oder Weiterführung relevant sein.

Düngebedarf gezielt ermitteln

Vor der Durchführung der ersten Düngungsmaßnahme ist verpflichtend eine schriftliche DBE für Stickstoff und Phosphat gemäß den Vorgaben der Düngeverordnung (DÜV) durchzuführen. Auf Grundlage dieser Berechnung ergeben sich die maximal zulässigen Düngebedarfswerte, die beispielhaft für die Kulturen Wintergerste, Winterweizen und Winterroggen in Tabelle 1 für Stickstoff dargestellt sind. Die im Rahmen der DBE ermittelten Werte sind als rechtlich bindende Obergrenzen der N-Düngung zu verstehen und dürfen nicht überschritten werden. Zudem ist die schriftliche DBE über einen Zeitraum von sieben Jahren aufzubewahren. Das Vorgehen zur Erstellung der DBE sowie weiterführende Hinweise zur rechtssicheren Umsetzung wurden bereits in vorangegangenen Ausgaben ausführlich beschrieben und sind auch auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein unter folgendem Link abrufbar: https://t1p.de/natsu

Nährstoffform mit Bedacht wählen

Auf vielen Betrieben stellt sich die Frage nach der Nährstoffform des einzusetzenden Stickstoffdüngers in der Praxis häufig nicht mehr, da die Düngemittel bereits im Vorfeld der Saison beschafft wurden. In der Regel ist Harnstoff die kostengünstigste Stickstoffquelle, während Kalkammonsalpeter (KAS), auch in Kombination mit weiteren Nährstoffen wie Schwefel, oftmals mit höheren Kosten verbunden ist. Dennoch unterscheiden sich diese Düngemittel hinsichtlich ihrer Wirkungsweise und -geschwindigkeit deutlich. Applizierter Harnstoff muss zunächst im Boden zu Ammonium hydrolysiert werden, wobei Ammonium im Vergleich zu Nitrat eine geringere Mobilität im Boden aufweist. Bei der Anwendung von KAS kann hingegen aufgrund des enthaltenen Nitratanteils von einer schnelleren pflanzenverfügbaren Wirkung ausgegangen werden, insbesondere unter kühlen Witterungsbedingungen.

Vor diesem Hintergrund sollten schwach entwickelte Bestände, vor allem wenn der Zeitpunkt der ersten Düngungsmaßnahme näher an den Beginn des Schossens heranrückt, zumindest anteilig mit nitratbasierten Düngern versorgt werden, um das Risiko weiterer Triebverluste zu reduzieren. Unabhängig davon ist zu berücksichtigen, dass auch mit sehr hohen Startgaben keine zusätzlichen Triebe „an die Pflanze herangedüngt“ werden können, da die Triebzahl maßgeblich von der im Herbst und Winter akkumulierten Temperatursumme in der vegetativen Entwicklungsphase abhängt. Ein günstiger Nährstoffstatus kann lediglich die Ausbildung und Erhaltung bereits angelegter Nebentriebe unterstützen. Entsprechend können zu hohe Stickstoffgaben zu Vegetationsbeginn, insbesondere in bereits dichteren Beständen, auch nachteilig wirken, wenn die natürliche Seitentriebreduktion nicht ausreichend abläuft. Ergänzend ist sicherzustellen, dass die standortspezifisch optimalen Gehaltsklassen der Grundnährstoffe Magnesium, Kalium und Phosphor sowie eine bedarfsgerechte Kalkversorgung (Kalzium und pH-Wert) eingehalten werden. Nur bei einer ausgewogenen Versorgung mit diesen Nährstoffen ist eine effiziente Stickstoffaufnahme möglich, die sowohl Ertrags- als auch Qualitätszielen gerecht werden kann.

Die N-Düngung im Detail

Nachdem im Rahmen der DBE die maximal zulässige Höhe der Stickstoffdüngung für die jeweilige Kultur festgelegt wurde, richtet sich der Fokus in der praktischen Umsetzung auf die Auswahl der verfügbaren Düngemittel sowie deren zeitliche und mengenmäßige Aufteilung. Beispiele für eine bedarfsgerechte Stickstoffdüngung und mögliche Gabenaufteilungen sind in Tabelle 2 dargestellt. Unabhängig von diesen beispielhaften Darstellungen ist es jedoch erforderlich, die Düngung kontinuierlich an die jeweiligen schlagspezifischen Bedingungen, die Bestandesentwicklung sowie den Verlauf der aktuellen Vegetationsperiode anzupassen. Insbesondere Unterschiede in der Bestandesentwicklung nach dem Winter können Abschläge bei sehr stark entwickelten Beständen oder Zuschläge bei dünnen, schwach entwickelten Beständen in der ersten Stickstoffgabe erforderlich machen. Diese Anpassungen sind in der weiteren Düngestrategie entsprechend zu berücksichtigen. Trotz der in diesem Jahr insgesamt vergleichsweise hohen Smin-Gehalte sollte zur Vermeidung möglicher Versorgungslücken und zur Sicherstellung einer hohen Stickstoffeffizienz mit der ersten Stickstoffgabe grundsätzlich eine Schwefelgabe von etwa 20 kg S/ha kombiniert werden. Dies kann beispielsweise im Rahmen einer ersten Teilgabe (1a) über ASS oder SSA erfolgen, alternativ auch über eine separate Schwefelgabe, etwa in Form von Kieserit oder anteilig Korn-Kali.

Abhängigkeiten bei Winterweizen

Für Winterweizen ist in Abhängigkeit von Saatzeitpunkt und Bestandesentwicklung zu prüfen, inwieweit vorhandene Entwicklungsrückstände im Frühjahr noch kompensiert werden können. Grundsätzlich hat sich in den vergangenen Jahren eine Dreigabenstrategie bewährt. Während mit den ersten beiden Stickstoffgaben zur Bestockung und zum Schossen vorrangig der Ertragsaufbau angestrebt wird, zielt diese Strategie darauf ab, je nach Sorte und Standort etwa 500 bis 600 Ähren tragende Halme je Quadratmeter zu etablieren. Die dritte Stickstoffgabe erfolgt in der Regel zum Erscheinen des Fahnenblattes bis zum Beginn des Ährenschiebens und ist dabei weniger ertragswirksam. Vielmehr dient sie der Steuerung der Proteinkonzentration im Korn und stellt somit einen Kompromiss zwischen Ertragsbildung und Qualitätsabsicherung dar. Insbesondere in Jahren mit zunehmender Frühjahrstrockenheit kann die Wirksamkeit später Stickstoffgaben jedoch eingeschränkt sein, was aus Sicht des Gewässerschutzes ebenso wie aus ökonomischer Sicht als ungünstig zu bewerten ist. Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung über Höhe und Ausgestaltung der dritten Gabe stets im Zusammenhang mit der aktuellen und absehbaren Bodenwasserversorgung zu treffen. Aufgrund der aktuellen Marktsituation, die für die Ernte 2026 voraussichtlich keine deutlichen Preisaufschläge für hohe Qualitäten erwarten lässt, erscheint eine stark qualitätsbetonte Düngestrategie mit einem Anteil von über 30 % der Gesamtstickstoffmenge in der späten Gabe nur bei Sorten sinnvoll, die sicher hohe Proteingehalte erreichen und zugleich eine stabile Fallzahl aufweisen. Darüber hinaus zeigen die Erfahrungen der vergangenen Jahre, dass die zeitliche Platzierung der einzelnen Teilgaben nicht starr an festgelegten Entwicklungsstadien auszurichten ist, sondern stets mit Blick auf die aktuelle Bestandesentwicklung sowie die vorhandene und zu erwartende Bodenfeuchte flexibel angepasst werden sollte.

Zwei Teilgaben für Wintergerste

Die Stickstoffdüngung der Wintergerste erfolgt in der Regel in zwei Teilgaben. Dies ist zum einen auf die im Vergleich zum Winterweizen deutlich schnellere Entwicklung der Kultur zurückzuführen, zum anderen darauf, dass bei Wintergerste keine gezielte Maximierung der Proteingehalte angestrebt wird. Ein wesentlicher Teil der Ertragsanlage erfolgt bereits im Herbst, sodass die Kompensationsmöglichkeiten im Frühjahr bei schwach entwickelten Beständen begrenzt sind. Vor diesem Hintergrund ist in schwach entwickelten Beständen eine deutlich startbetonte erste Stickstoffgabe erforderlich, um auch schwächere Triebe in die Ertragsbildung einzubeziehen. Die zweite Gabe dient anschließend der weiteren Absicherung des Ertragsaufbaus und kann je nach Bestandesentwicklung und Standortbedingungen zugleich die Abschlussgabe darstellen. Eine Anpassung der Gabenhöhe ist dabei stets in Abhängigkeit von der Bestandesdichte, der Wüchsigkeit sowie der aktuellen Witterung vorzunehmen.

Strategie für Winterroggen und -triticale

Für Winterroggen wird analog zur Wintergerste in der Regel eine Zweigabenstrategie empfohlen, da diese Kultur bereits früh im Vegetationsverlauf eine hohe Stickstoffaufnahme zeigt. Entsprechend sollte insbesondere die Startgabe ausreichend betont werden, um die frühe Nährstoffaufnahme sicherzustellen. Die zweite Teilgabe sollte zeitnah zum Beginn des Schossens zur Verfügung stehen, um die weitere Ertragsbildung abzusichern.

In Wintertriticale kann ebenfalls eine Zweigabenstrategie, vergleichbar mit der Vorgehensweise bei Wintergerste und Winterroggen, angewendet werden. Insbesondere auf ertragsstärkeren Standorten kann es jedoch sinnvoll sein, die zweite Gabe aufzuteilen und einen Teil des Stickstoffs in das beginnende Schossen hinein zu verlagern. Dadurch kann einer zu hohen Bestandesdichte vorgebeugt und das Lagerrisiko reduziert werden. Die Wahl der geeigneten Strategie sollte stets unter Berücksichtigung der standortspezifischen Bedingungen sowie der vorherrschenden und zu erwartenden Witterung erfolgen.

Bedeutung der organischen Düngung

In vielen Betrieben kommen im Frühjahr organische Düngemittel wie Gülle oder Gärreste zum Einsatz, deren sachgerechte Integration in die Stickstoffdüngung von Wintergetreide eine besondere Bedeutung besitzt. Seit dem Jahr 2025 ist dabei eine streifenförmige und bodennahe Ausbringung verpflichtend. Für eine präzise Planung der Düngergaben sollten möglichst aktuelle und betriebseigene Nährstoffanalysen der eingesetzten Wirtschaftsdünger herangezogen werden, um die enthaltenen Nährstoffmengen realistisch bewerten und korrekt anrechnen zu können.

Ein möglichst früher Ausbringungstermin nach Ablauf der Sperrfrist ist aus fachlicher Sicht anzustreben, um eine hohe Stickstoffausnutzung sicherzustellen und gasförmige Verluste zu minimieren. Obwohl organische Düngemittel in der Regel Schwefel enthalten, liegt dieser überwiegend in organisch gebundener Form vor und steht den Pflanzen erst im späteren Vegetationsverlauf zur Verfügung. Entsprechend ist in den meisten Fällen eine ergänzende mineralische Schwefeldüngung erforderlich. Wird Gülle durch Ansäuerung mit Schwefelsäure behandelt, kann auf eine zusätzliche mineralische Schwefelgabe verzichtet werden. Gleichzeitig ist in diesen Fällen von einer erhöhten Stickstoffwirksamkeit der organischen Düngung auszugehen, was in der weiteren Düngungsplanung zu berücksichtigen ist.

Fazit

Die Stickstoffdüngung stellt weiterhin eine zentrale Stellgröße dar, um Ertrag und Qualität im Wintergetreide in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen. Gleichzeitig beeinflusst sie maßgeblich die Standfestigkeit der Bestände sowie deren Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und steht darüber hinaus im Fokus umweltfachlicher Anforderungen. Vor dem Hintergrund gestiegener Kosten für Stickstoffdüngemittel bei zugleich verhaltenen Preisaussichten für Getreide gewinnt ein effizienter und bedarfsgerechter Einsatz von Nährstoffen zusätzlich an Bedeutung. Angesichts der in diesem Jahr regional teils schwächer entwickelten Bestände können leicht angehobene Startgaben fachlich sinnvoll sein, müssen jedoch im weiteren Verlauf der Vegetationsperiode entsprechend berücksichtigt und ausgeglichen werden. Unabhängig davon bleiben eine standortangepasste Düngestrategie, die Berücksichtigung der aktuellen Bestandesentwicklung sowie eine sichere Versorgung mit Grund- und Spurennährstoffen wesentliche Voraussetzungen für eine hohe Stickstoffeffizienz und eine stabile Ertragsbildung.

Rindermast in verschiedenen Haltungssystemen

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Trotz der derzeit hohen Rindfleischpreise und vergleichsweise guter Wirtschaftlichkeit steht die Rindermast weiterhin vor ­Herausforderungen. Das Innovationsnetzwerk „InnoRind“ hat unterschiedliche Mast- und Haltungssysteme unter Praxisbedingungen untersucht und bewertet – mit Blick auf Tierwohl, Umweltwirkungen, Wirtschaftlichkeit und gesellschaftliche ­Akzeptanz.

Die gesellschaftliche Debatte um Haltung, Eingriffe am Tier und Umweltwirkungen wächst. „InnoRind“ setzt hier an: Ziel ist es, Lösungen zu entwickeln, die Betrieben wirtschaftliche Perspektiven bieten und gleichzeitig die Erwartungen von Verbrauchern erfüllen.

Weide und Außenklima überzeugen

Die Befragungen im Projekt zeigen ein klares Bild: Systeme mit Weidegang werden besonders positiv bewertet. 86 % der Befragten finden Weide im Sommer und Stall im Winter akzeptabel, 60 % wären bereit, dafür mehr zu bezahlen. Außenbuchten mit Stroh und Auslauf gelten für viele als eine gute Kompromisslösung zwischen Weide und intensiver Stallmast. Dagegen wird geschlossene Stallhaltung auf Spaltenböden – selbst mit Verbesserungen wie Gummimatten – gesellschaftlich deutlich kritischer gesehen.

Das Angebot von Futterhecken wurde durch die Tiere ausgiebig angenommen. Foto: Thünen-Institut

Weidebasierte Ochsenmast

Am Thünen-Institut für ökologischen Landbau in Trenthorst wurde die weidebasierte Ochsenmast mit Deutschen Holsteins erprobt. Die Tiere wurden mit etwa vier Monaten unter Betäubung kastriert und durchliefen zwei Sommerweideperioden mit einer dazwischenliegenden Winterstallhaltung auf Stroh. Die mittleren täglichen Zunahmen lagen im Mittel bei 900 g und das Schlachtalter zwischen 19 und 22 Monaten. Vorteil des Systems: Weidehaltung ist stark akzeptiert, nutzt Dauergrünland und bietet Vermarktungschancen über Qualitäts- und Regionalprogramme. Wichtig sind jedoch ein gutes Parasitenmanagement und ausreichende Weideflächen.

Die Uckermärker nutzen die Zweiflächenbucht gut aus. Foto: ATB Potsdam

Mehr Tierwohl mit Außenklimareiz

In Groß Kreutz wurde durch LVAT (Lehr- und Versuchsanstalt für Tierzucht und Tierhaltung e. V.) und ATB (Leibniz-Innovationshof für nachhaltige Bioökonomie) ein Außenbuchtsystem als Zweiflächenbucht getestet: ein planbefestigter Fress- und Laufbereich, kombiniert mit einem eingestreuten Liegebereich. Der Außenklimareiz wirkte sich positiv auf die Tiergesundheit aus – unter anderem traten in der Außenbucht weniger Atemwegserkrankungen auf. Gleichzeitig lagen Zunahmen und Schlachtleistungen auf dem Niveau konventioneller Stallhaltung. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist hoch (75 % bewerten das System als akzeptabel). Wirtschaftlich sind zusätzliche Erlöse möglich, wenn das System in höhere Haltungsstufen eingeordnet wird – allerdings steigen Arbeitsaufwand und Kosten für Einstreu, Entmistung und gegebenenfalls Neubau.

Der Strohbereich lädt zum Liegen und zu sozialer Interaktion ein. Foto: ATB Potsdam

Stallhaltung mit Verbesserungen

Im Projekt wurden auch Optimierungen bestehender Spaltenbodenställe untersucht – etwa durch Gummibeläge, Trogtränken oder Ventilatoren. Technisch können solche Maßnahmen das Tierwohl verbessern: weniger Integumentschäden, bessere Wasseraufnahme und geringere Hitzebelastung. Gleichzeitig bleibt die gesellschaftliche Akzeptanz niedrig: In den Befragungen fanden nur 13 % dieses System akzeptabel, und nur 5 % würden dafür mehr bezahlen. Wer in diesem Bereich investiert, sollte daher die Kommunikation über Verbesserungen des Tierwohls und realistische Preiswirkungen aktiv mitdenken.

Fazit

Der „InnoRind“-Leitfaden macht deutlich, dass zukunftsfähige Mastrindersysteme möglich sind – besonders dort, wo Tierwohl sichtbar verbessert wird und Systeme nachvollziehbar kommuniziert werden. Weidebasierte Ochsenmast und Außenbuchten schneiden in der Akzeptanz wie in der Praxis gut ab. Für viele Betriebe dürfte die Außenbucht ein praxistauglicher Zwischenschritt sein, wenn Weideflächen fehlen. Entscheidend bleibt: Haltungssystem und Management müssen zusammenpassen – und das System muss sich auch vermarkten lassen.


Erfolgsfaktoren bei der Umstellung

Akzeptanz und Vermarktung früh mitdenken: Weide- und Außenklimasysteme bieten die besten Chancen für Mehrerlöse.

Arbeitswirtschaft realistisch kalkulieren: Außenbuchten können Aufwand für Einstreu, Entmistung und Fütterung erhöhen.

Tiergesundheit absichern: Parasitenmanagement auf der Weide, Stallklima im Sommer und trockene Liegeflächen im Winter kontrollieren

Sicherheit gewährleisten: Bei Weidehaltung sind Handling und Zaunsysteme entscheidend – insbesondere für Bullen; Ochsenmast reduziert Risiken.

Investitionen gezielt planen: Umbauten können oft in vorhandene Stallstrukturen integriert werden, Neubauten treiben die Kosten.