Etwas außerhalb von Bad Oldesloe, Kreis Stormarn, liegt die Reitanlage Seefeld mit dem Gestüt Camelot Arabians. Dort züchtet Corinna Knaack-Lindemann mit ihrer Tochter Isa Lindemann-Treptau Trakehner und arabische Pferde. Gemeinsam betreiben die beiden die Anlage und eine Reitschule.
„Ich komme nicht aus einem Pferdehaushalt, wusste aber schon mit vier Jahren, dass ich reiten wollte“, erzählt Corinna Knaack-Lindemann. Sie nutzte jede Gelegenheit, sich auf ein Pferd zu setzen, und betrieb dabei Learning by Doing. „Mir hat keiner Reitstunden bezahlt. Zu Hause dachten alle, ich sei verrückt geworden.“
Erst mit 20 Jahren erfüllte sie sich selbst ihren größten Wunsch: ein eigenes Pferd. Zu dem Zeitpunkt hätte sie fast alles gekauft, doch eine Freundin nahm sie mit auf ein Arabergestüt. Dort verliebte sie sich in eine strubbelige, zweieinhalbjährige arabische Halbblutstute, die sehr günstig zu verkaufen war. „Ich hatte damals selbst sehr große Vorurteile gegen Araber“, gibt sie heute zu, doch die Stute ließ sie umdenken.
Ohne große Ahnung ritt sie das Pferd im Gelände ein. Ohne Kappe, ohne Weste und immer allein – heute undenkbar. „Das war damals so“, gesteht sie. Corinna Knaack-Lindemann hatte wenig Geld. Die Stute stand in einem Offenstall und musste komplett selbst versorgt werden. Zubehör war teuer, einen Reitplatz gab es nicht, und trotzdem bildete sie die Stute und sich selbst bis zur Klasse L fort.
Nach dem Schulabschluss überlegte Knaack-Lindemann kurz, eine Ausbildung zur Bereiterin zu machen. Doch ihr wurde vermittelt, dass man es als Frau ohne Rückendeckung von zu Hause schwer habe im Pferdesport, und so entschied sie sich dagegen. „Mein Vater hatte eine Immobilienfirma, und ich hatte gesehen, dass sich damit gut Geld verdienen lässt“, erzählt sie. Also wurde sie Immobilienkauffrau, stieg bei ihrem Vater ein und kaufte ihm später die Firma ab. Geliebt hat sie den Job nie, aber sie war fleißig und arbeitete hart.
Immer ehrlich
Die Pferdeleidenschaft blieb. Zuerst pachtete sie eine Anlage in Norderstedt, dann konnte sie sich 1995 den ersten Hof in Quickborn kaufen. Er war aus dem Jahr 1895 und fast im Urzustand. Mit ihrem damaligen Ehemann werkelte sie insgesamt 18 Jahre lang an der Anlage herum. Ein Jahr nach dem Umzug kam Tochter Isa zur Welt, und Knaack-Lindemann holte sich das Büro ins Haus. „Anders war das nicht zu bewerkstelligen, mit Kind, 30 Pferden und dem Job“, erklärt sie. Die Phase sei manchmal stressig, aber auch sehr schön gewesen.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Knaack-Lindemann auch schon ihren ersten Deckhengst. Ihn hatte sie 1990 als Eineinhalbjährigen gekauft, eigentlich zum Distanzreiten. Aber die Abstammung war sehr gut, und auf Ausstellungen kam er so gut an, dass er Hengst bleiben durfte.
Damals war ihre Liebe zu arabischen Pferden schon voll entbrannt, dennoch wollte sich Knaack-Lindemann nicht auf eine Rasse festlegen. „Ich bin sehr groß“, begründet sie, warum immer Halbblutaraber oder Englische Vollblüter bei ihr zu Hause waren. Doch wenn sie über arabische Pferde spricht, gerät sie ins Schwärmen. „Sie bringen so viel Positives mit. Sie sind ehrlich, achtsam und menschenbezogen. Mit ihnen komme ich nie in Schwierigkeiten“, erklärt Knaack-Lindemann. Sie weiß, wovon sie spricht, denn sie hatte immer auch Warmblutpferde im Stall. Natürlich seien Araber leicht erregbar, dabei aber leicht zu halten. Sie habe noch nie Probleme mit ihren „Blütern“ gehabt.
Deshalb konnte die Pferdefrau auch nie verstehen, warum die Warmblutzüchter ihre Hengste nicht für die Veredlung einsetzten. Dabei hatten sogar alle eine Hengstleistungsprüfung abgelegt. Irgendwann belegte sie zwei ihrer eigenen Araberstuten mit Trakehner Hengsten. Für die eine wählte sie den sehr hübschen und überaus erfolgreichen Hibiskus als Vater, für die andere den Scheckhengst Camaro. „Ich schwärme schon immer für bunte Pferde“, erklärt sie.
Erfolgreiche Trakehner
Doch der Hengst war nicht nur für seine Farbe bekannt, sondern auch für sein freundliches Wesen und seine Rittigkeit. Diese Anpaarung gefiel ihr so gut, dass sie sie ein Jahr später wiederholte. Daraus ging der Scheckhengst Camar Gabun hervor, den sie auch zur Körung vorstellte. „Ich war schon so stolz, dass er in Neumünster laufen durfte. Nie hätte ich gedacht, dass er auch gekört wird“, erinnert sie sich an den Moment, als Gabun der erste gekörte arabische Halbblüter wurde.
Mit diesem Pferd ist Knaack-Lindemanns Tochter Isa mehrfach S-platziert, was dem Hengst eine Eintragung ins Hengstbuch I sicherte. „Bis zur Klasse M waren wir mit ihm auf Turnieren immer gern gesehen. Leider war die Scheckenliebe dann zu Ende. Meiner Tochter wurde sogar irgendwann empfohlen, doch lieber einen Braunen zu reiten“, berichtet Knaack-Lindemann von den noch immer bestehenden Vorurteilen gegenüber Schecken.
Ihre eigene Nachzucht überzeugte sie auch von den Trakehnern. So sind Mutter und Tochter inzwischen erfolgreiche Trakehner-Züchter. Auf Gabun folgte Camar Bahrain, ein zweiter gekörter Hengst aus eigener Zucht. Er ist ein Sohn des Arian Shah aus der Barani von Connery und bekam 2023 in Neumünster einen positiven Körentscheid. Er steht momentan auf der Hengststation Maas J. Hell in Klein Offenseth, Kreis Pinneberg, und ist mit Frischsamen verfügbar. „Anders wäre er schwer zu vermarkten gewesen“, erklärt Knaack-Lindemann. Dass die Stationschefin Jasmin Ulonska Bahrain selbst reitet und regelmäßig ins Schwärmen gerät, gibt ihr ein gutes Gefühl.
Der Hengst soll langsam weiterausgebildet werden. Von Turnieren für Drei- bis Fünfjährige halten die Damen vom Gestüt Camelot Arabians nicht viel. „Bei uns muss keiner siebenjährig Klasse M und achtjährig Klasse S laufen“, so Knaack-Lindemann. Der Fuchshengst hat also noch Zeit. Später soll Isa Knaack-Treptau ihn reiten. Sie ist inzwischen bis S*** erfolgreich und auch der Grund dafür, warum die Familie nicht mehr in Quickborn wohnt.
Erneuter Umzug
Denn als klar wurde, dass Isa beruflich mit Pferden arbeiten wollte, machte sich Knaack-Lindemann auf die Suche nach einer neuen Anlage. Die alte war schlicht zu klein. Nach zweijähriger Suche fand sie die Anlage in Seefeld, in einer Zwangsversteigerung und in einem schlimmen Zustand, aber mit allem, was sie wollten: genug Land, zwei Hallen und ein Wohnhaus. „Isa war damals 16 Jahre alt, machte noch die Schule fertig, und ich beaufsichtigte in der Zeit den Umbau“, erinnert sich Knaack-Lindemann an das Jahr 2012.
Wie ihre Mutter machte Isa nach mehreren Jahren Berufserfahrung direkt den Meister. Inzwischen sind sie auch beide von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) zertifizierte Zuchtrichterinnen. Corinna Knaack-Lindemann ist außerdem seit vielen Jahren im Vorstand des Verbandes der Züchter und Freunde des Arabischen Pferdes (VZAP) aktiv, ist seit mehr als 29 Jahren Musterungsbeauftragte und hat diverse Veranstaltungen ausgerichtet.
Gemeinsam haben Mutter und Tochter auch eine gut laufende Reitschule aufgebaut. Angefangen mit ein paar Shettys haben sie heute zwölf Ponys in allen Größen. Aus der Reitschule hat sich Knaack-Lindemann inzwischen zurückgezogen. „Anfangs habe ich noch Erwachsene unterrichtet, aber es wurde zu viel mit der Anlage, dem Job und der Zucht“, erzählt sie.
Den Handel mit Immobilien hat die tatkräftige Pferdeliebhaberin inzwischen ebenfalls reduziert. Es wurde einfach immer mühsamer. Eine Erkrankung hat dazu geführt, dass sie auch die Zucht reduziert und den Einstellern gekündigt hat. Ein ganzer Stalltrakt ist inzwischen verpachtet, und Mutter und Tochter müssen dort weder misten noch die Pferde hinausbringen. Mit ihren Zuchtstuten, Hengsten, Fohlen und Jungpferden haben sie noch immer um die 17 Tiere. Früher waren es doppelt so viele.
In diesem Jahr erwarten sie wieder fünf Fohlen, davon vier Trakehner und ein Angloaraber. Die reine Araberzucht hat Knaack-Lindemann im vergangenen Jahr schweren Herzens eingestellt. „Egal, wie gut sie sind, sie lassen sich gar nicht mehr vermarkten. Wenn man für ein Hengstfohlen 2.000 Euro bekommt, kann man sich freuen“, erklärt sie frustriert.
Herzenspferd bleibt
Einer wird trotzdem immer bleiben: der Schimmelhengst Arian Shah. „Er ist mein Herzenspferd“, sagt die Züchterin. Ihn hat sie knapp zweijährig entdeckt und ungesehen gekauft. Der Siegerhengst beim VZAP bezaubere mit seinem Charme und dem enormen Gangwerk sowie mit seiner majestätischen Schönheit. Er lieferte diverse Siegerfohlen, Prämienstuten und neben Bahrain auch den gekörten Camar Qbinec. Inzwischen hat Arian Shah beim VZAP den Elitetitel und ist bei den Trakehnern gekört. „Für mich ist er der schönste und eindrucksvollste Araber“, schwärmt seine Besitzerin. Er deckt im Natursprung, und sie setzt ihn gern für Warmblutstuten ein. Mit Erfolg, wie Bahrain beweist.
Ihre Fohlen präsentieren Mutter und Tochter vorzugsweise auf der eigenen Anlage. Seit dem vergangenen Jahr veranstalten sie einen Tag für Trakehner und arabische Pferde. Zu dem Hoftermin reisten auch einige Züchter an. Acht Trakehner und drei Araber wurden 2025 eingetragen. Das soll im Juli wiederholt werden.
Die Zukunft des Hofes liegt in den Händen von Isa Lindemann-Treptau. Sie ist inzwischen verheiratet, und auch ihr Mann Matthis Treptau zieht mit und hilft immer, wenn Not am Mann ist. Isa hat noch neue Ideen. Zum Beispiel soll Yoga für Reiter das Angebot erweitern. Gerade macht sie eine Ausbildung zur Yogalehrerin und richtet sich dafür einen Raum auf dem Hof ein. Auch wenn Isa „sicherlich nicht in dem Rahmen weiterzüchten wird, denn sie ist nicht so verrückt wie ihre Mutter“, ist es für Knaack-Lindemann schön zu sehen, mit wie viel Herzblut ihre Tochter derselben Leidenschaft nachgeht und wie sie selbst die blütigen Pferde liebt.




