Die Resonanz war überwältigend, als im Heimatmuseum Hohenwestedt vor Kurzem die Sonderausstellung zur Rendsburger Kreisbahn, von vielen auch liebevoll nur „Rosa“ genannt, eröffnete. Die Kleinbahn, die von 1901 an 55 Jahre lang von Rendsburg nach Hohenwestedt und zeitweise weiter bis nach Schenefeld fuhr, ist bis heute bekannt, populär und vor allem bei älteren Menschen mit vielen Erinnerungen und Emotionen verbunden.
„Rosa“ hat nicht nur unter Bahnfans viele begeisterte Anhänger. Auch in einigen Gemeinden, die an der ehemaligen Strecke liegen und Haltestellen waren, wird die Erinnerung an „Rosa“ bewahrt. So wurde in Hohenwestedt ein Neubaugebiet nach der Kleinbahn benannt, in Nindorf gibt es ein Buswartehäuschen in Form eines Eisenbahnwaggons, aufgebaut auf mehr als 100 Jahre alten Originalschienen, Trafokästen sind mit „Rosa“-Motiven bemalt, in Puls kann man entlang der alten Trasse wandern und auch Schenefeld bietet einen zirka 17 km langen Rad- und Wanderweg mit dem Titel „Kleinbahn-Rosa-Tour“ an. Bis auf Westerrönfeld sind in allen Orten die ehemaligen Bahnhofsgebäude noch vorhanden, auch wenn man sie nicht mehr als solche erkennt. In Rendsburg befindet sich das ehemalige Kreisbahnhof-Gebäude in der Berliner Straße und ist heute als Haus der Verbände bekannt. Der Lokschuppen im Kreishafen wird als Galerie genutzt. In Remmels steht noch der denkmalgeschützte Wasserturm (Baujahr 1913), der die Dampflokomotiven der Rendsburger Kreisbahn mit Wasser versorgte. Im Empfangsgebäude der Kreisbahn in Hohenwestedt befindet sich heute eine Musikschule.
Foto: privat, zur Verfügung gestellt vom Museumsverein Hohenwestedt
Warum die Kleinbahn den Spitznamen „Rosa“ erhielt, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Eine Begründung lautet, dass der Name von der rosafarbenen Lackierung einiger Waggons herrührt, was sich aber nicht belegen lässt. Auch wurden viele andere Kleinbahnen in Deutschland ebenfalls „Rosa“ genannt. „Durch die Rendsburger Kreisbahn und die dadurch neu geschaffene Möglichkeit, vom Land in die Stadt und umgekehrt zu fahren sowie Güter ohne Pferd und Wagen zu transportieren, brachte für das sonst wenig erschlossene südliche Kreisgebiet einen gewaltigen Aufschwung. Es begannen rosige Zeiten, vielleicht hat sie auch daher ihren Namen“, ist eine weitere Vermutung von Henning Mollenhauer. Er ist Beisitzer im Museumsverein Hohenwestedt und Mitglied im „Rosa“-Team, das die Ausstellung anlässlich des Jubiläums der vor 125 Jahren in Betrieb gegangenen Rendsburger Kreisbahn auf die Beine gestellt hat. Die Idee, zu dem Jubiläum eine Ausstellung zu machen, hatte die Museumsvereinsmitarbeitende Jutta Eggers.
Ein halbes Jahr intensiver Arbeit steckt in dieser Ausstellung, die die Geschichte der „Rosa“ entlang der insgesamt 45,4 km langen Strecke von Rendsburg über Hohenwestedt bis nach Schenefeld anhand reichlich durch Gemeinden und Bürger zur Verfügung gestellter Fotos und Geschichten erzählt. Einen nicht unerheblichen Beitrag leistete auch Andreas Kerber, der zudem 1991 einen umfassenden, detailreichen Bildband mit unzähligen Bildern und Darstellungen zur Kreisbahn herausbrachte. Dieser Bildband mit dem Titel „Rendsburger Kreisbahn, Rosas Zeiten, Schmalspur-Romantik von 1901 bis 1957“ liegt ebenfalls in der Ausstellung aus. Auch stellte der Autor unter anderem gesammelte Fahrkarten als Exponate zur Verfügung.
Foto: privat
Wer sich auf die gedankliche Fahrt mit „Rosa“ begibt, erfährt, wie es zu dem Bau der Strecke kam, was bei den Planungen alles zu berücksichtigen war, zum Beispiel die Querung des 1895 eröffneten Nord-Ostsee-Kanals. Das Erschließen der Ländereien für den Bau gestaltete sich schwierig, ebenso wie die Streckenführung durch die Festungsstadt Rendsburg, in der große Gebiete noch Eigentum des Militärs waren. Der Bau an sich dauerte aber nur ein Jahr, heute undenkbar.
Man erfährt, wie wichtig die Schmalspurbahn auch für Landwirte war, da neben der Personenförderung der Güterverkehr eine große Bedeutung für das südliche Kreisgebiet hatte. Mit der „Rosa“ gab es nun eine Anbindung an die wichtigen Handelsplätze im Land. Autos gab es zu der Zeit noch nicht, „die Menschen auf dem Dorf waren ja wie abgeschnitten und lebten, was das anging, wie im Mittelalter“, erzählt Henning Mollenhauer. Mit der Bahn musste beispielsweise Material für den Stallbau nicht mehr mühselig und zeitaufwendig mit Pferd und Wagen beschafft werden.
Die Besucher erfahren auch in Führungen und Vorträgen, was es mit der Bedarfshaltestelle in Nübbel und den Kanallotsen auf sich hat, wie sich auch die Technik der Loks entwickelte, von der ersten Tramwaylokomotive, die dank der umhausten Konstruktion wie ein Kasten aussah und als „Zigarrenkiste“ bezeichnet wurde, über Dampfloks und benzolbetriebene Triebwagen bis hin zu Dieselloks. Erinnert wird mit Anekdoten an den Kaffee-Ball in Nindorf, an Sonder- und Ausflugsfahrten, an die rollende Post und die einzelnen Berufe rund um die Kreisbahn, vom Nachtheizer über Schaffner bis zum Zugführer. Erzählt wird von boomenden Jahren und wirtschaftlich schwierigen Zeiten, bis nach und nach Streckenabschnitte stillgelegt wurden. 1957 erfolgte dann das endgültige Aus, sehr zur Trauer der Bevölkerung, die ihre „Rosa“ liebte.
Doch nicht nur Rosas Geschichte wird im Heimatmuseum erzählt, auch in der Dauerausstellung erfahren die Besucher viel Historisches über das Leben und Arbeiten in und um Hohenwestedt vom 19. Jahrhundert bis ins heutige Jahrhundert hinein. So gab es in dem Ort eine 1870 eröffnete Landwirtschaftliche Lehranstalt und später Landwirtschaftsschule.
Das Museum ist donnerstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet oder nach Vereinbarung. Alle Informationen dazu sowie zu dem Museum und dem Verein unter www.heimatmuseum.hohenwestedt.de




