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Erinnerungen an „Rosa“ und an alte Zeiten

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Die Resonanz war überwältigend, als im Heimatmuseum Hohenwestedt vor Kurzem die Sonderausstellung zur Rendsburger Kreisbahn, von vielen auch liebevoll nur „Rosa“ genannt, eröffnete. Die Kleinbahn, die von 1901 an 55 Jahre lang von Rendsburg nach Hohenwestedt und zeitweise weiter bis nach Schenefeld fuhr, ist bis heute bekannt, populär und vor allem bei älteren Menschen mit vielen Erinnerungen und Emotionen verbunden.

„Rosa“ hat nicht nur unter Bahnfans viele begeisterte Anhänger. Auch in einigen Gemeinden, die an der ehemaligen Strecke liegen und Haltestellen waren, wird die Erinnerung an „Rosa“ bewahrt. So wurde in Hohenwestedt ein Neubaugebiet nach der Kleinbahn benannt, in Nindorf gibt es ein Buswartehäuschen in Form eines Eisenbahnwaggons, aufgebaut auf mehr als 100 Jahre alten Originalschienen, Trafokästen sind mit „Rosa“-Motiven bemalt, in Puls kann man entlang der alten Trasse wandern und auch Schenefeld bietet einen zirka 17 km langen Rad- und Wanderweg mit dem Titel „Kleinbahn-Rosa-Tour“ an. Bis auf Westerrönfeld sind in allen Orten die ehemaligen Bahnhofsgebäude noch vorhanden, auch wenn man sie nicht mehr als solche erkennt. In Rendsburg befindet sich das ehemalige Kreisbahnhof-Gebäude in der Berliner Straße und ist heute als Haus der Verbände bekannt. Der Lokschuppen im Kreishafen wird als Galerie genutzt. In Remmels steht noch der denkmalgeschützte Wasserturm (Baujahr 1913), der die Dampflokomotiven der Rendsburger Kreisbahn mit Wasser versorgte. Im Empfangsgebäude der Kreisbahn in Hohenwestedt befindet sich heute eine Musikschule.

Eine Tramwaylok, die aufgrund ihrer kastenartigen Konstruktion auch „Zigarrenkiste“ genannt wurde.
Foto: privat, zur Verfügung gestellt vom Museumsverein Hohenwestedt

Warum die Kleinbahn den Spitznamen „Rosa“ erhielt, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Eine Begründung lautet, dass der Name von der rosafarbenen Lackierung einiger Waggons herrührt, was sich aber nicht belegen lässt. Auch wurden viele andere Kleinbahnen in Deutschland ebenfalls „Rosa“ genannt. „Durch die Rendsburger Kreisbahn und die dadurch neu geschaffene Möglichkeit, vom Land in die Stadt und umgekehrt zu fahren sowie Güter ohne Pferd und Wagen zu transportieren, brachte für das sonst wenig erschlossene südliche Kreisgebiet einen gewaltigen Aufschwung. Es begannen rosige Zeiten, vielleicht hat sie auch daher ihren Namen“, ist eine weitere Vermutung von Henning Mollenhauer. Er ist Beisitzer im Museumsverein Hohenwestedt und Mitglied im „Rosa“-Team, das die Ausstellung anlässlich des Jubiläums der vor 125 Jahren in Betrieb gegangenen Rendsburger Kreisbahn auf die Beine gestellt hat. Die Idee, zu dem Jubiläum eine Ausstellung zu machen, hatte die Museumsvereinsmitarbeitende Jutta Eggers.

Ein halbes Jahr intensiver Arbeit steckt in dieser Ausstellung, die die Geschichte der „Rosa“ entlang der insgesamt 45,4 km langen Strecke von Rendsburg über Hohenwe­stedt bis nach Schenefeld anhand reichlich durch Gemeinden und Bürger zur Verfügung gestellter Fotos und Geschichten erzählt. Einen nicht unerheblichen Beitrag leistete auch Andreas Kerber, der zudem 1991 einen umfassenden, detailreichen Bildband mit unzähligen Bildern und Darstellungen zur Kreisbahn herausbrachte. Dieser Bildband mit dem Titel „Rendsburger Kreisbahn, Rosas Zeiten, Schmalspur-Romantik von 1901 bis 1957“ liegt ebenfalls in der Ausstellung aus. Auch stellte der Autor unter anderem gesammelte Fahrkarten als Exponate zur Verfügung.

In der Gemeinde Nindorf erinnert das Bushaltehäuschen in Form eines Waggons an die Kleinbahn-Zeiten. 
Foto: privat

Wer sich auf die gedankliche Fahrt mit „Rosa“ begibt, erfährt, wie es zu dem Bau der Strecke kam, was bei den Planungen alles zu berücksichtigen war, zum Beispiel die Querung des 1895 eröffneten Nord-Ostsee-Kanals. Das Erschließen der Ländereien für den Bau gestaltete sich schwierig, ebenso wie die Streckenführung durch die Festungsstadt Rendsburg, in der große Gebiete noch Eigentum des Militärs waren. Der Bau an sich dauerte aber nur ein Jahr, heute undenkbar.

Man erfährt, wie wichtig die Schmalspurbahn auch für Landwirte war, da neben der Personenförderung der Güterverkehr eine große Bedeutung für das südliche Kreisgebiet hatte. Mit der „Rosa“ gab es nun eine Anbindung an die wichtigen Handelsplätze im Land. Autos gab es zu der Zeit noch nicht, „die Menschen auf dem Dorf waren ja wie abgeschnitten und lebten, was das anging, wie im Mittelalter“, erzählt Henning Mollenhauer. Mit der Bahn musste beispielsweise Material für den Stallbau nicht mehr mühselig und zeitaufwendig mit Pferd und Wagen beschafft werden.

Die Besucher erfahren auch in Führungen und Vorträgen, was es mit der Bedarfshaltestelle in Nübbel und den Kanallotsen auf sich hat, wie sich auch die Technik der Loks entwickelte, von der ersten Tramwaylokomotive, die dank der umhausten Konstruktion wie ein Kasten aussah und als „Zigarrenkiste“ bezeichnet wurde, über Dampfloks und benzolbetriebene Triebwagen bis hin zu Dieselloks. Erinnert wird mit Anekdoten an den Kaffee-Ball in Nindorf, an Sonder- und Ausflugsfahrten, an die rollende Post und die einzelnen Berufe rund um die Kreisbahn, vom Nachtheizer über Schaffner bis zum Zugführer. Erzählt wird von boomenden Jahren und wirtschaftlich schwierigen Zeiten, bis nach und nach Streckenabschnitte stillgelegt wurden. 1957 erfolgte dann das endgültige Aus, sehr zur Trauer der Bevölkerung, die ihre „Rosa“ liebte.

Doch nicht nur Rosas Geschichte wird im Heimatmuseum erzählt, auch in der Dauerausstellung erfahren die Besucher viel Historisches über das Leben und Arbeiten in und um Hohenwestedt vom 19. Jahrhundert bis ins heutige Jahrhundert hinein. So gab es in dem Ort eine 1870 eröffnete Landwirtschaftliche Lehranstalt und später Landwirtschaftsschule.

Das Museum ist donnerstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet oder nach Vereinbarung. Alle Informationen dazu sowie zu dem Museum und dem Verein unter ­www.heimatmuseum.­hohenwestedt.de

Buchautor Andreas Kerber stellte seine Fahrkartensammlung für die Ausstellung zur Verfügung.
Foto: Iris Jaeger
Henning Mollenhauer, Beisitzer und die stellvertretende Vorsitzende des Museumsvereins, Janine Wachlin waren an der Planung und Durchführung der Ausstellung mit beteiligt und sammelten reichlich Wissen über die Kleinbahn „Rosa“.
Foto: Iris Jaeger
Rendsburger Kleinbahn, Rosa, Schmalspur, Rendsburg bis Hohenwestedt und Schenefeld
Fotos: Iris Jaeger
Auch Trafohäuschen mit Waggon-Motiven erinnern an die Kleinbahn „Rosa“.
Foto: privat
In der Dauerausstellung gibt es Einblicke in das Leben und Arbeiten vom 19. bis zum heutigen Jahrhundert rund um Hohenwestedt.
Foto: Iris Jaeger
Uhrmacherei
Foto: Iris Jaeger
Klöppelarbeit
Foto: Iris Jaeger
Webstuhl
Foto: Iris Jaeger
Blick in die gute Stube aus vergangenen Zeiten
Foto: Iris Jaeger


Ein gutes Jahr für den Ackerbohnenanbau

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Kurze und gesunde ­Bestände – 2025 bot den Ackerbohnen gute Bedingungen für zufrieden­stellende Erträge.

Obwohl das Jahr 2025 witterungstechnisch einen anderen Eindruck hinterließ, waren die Bedingungen aus ackerbaulicher Sicht für Ackerbohnen optimal. Die Aussaat gelang früh in ein noch gut restfeuchtes Saatbett. Die Bodenbedingungen nach dem Winter erlaubten eine sehr gute Wurzelentwicklung, sodass die Ackerbohnen nahezu überall gut durch die Frühjahrstrockenheit kamen. Durch diese war das Längenwachstum der Ackerbohnen eingeschränkt, sodass die Blüte bei sehr kurzem Wuchs einsetzte. Infolge der Trockenheit in dieser Phase blieb der Krankheitsdruck jedoch sehr niedrig.

Pünktlich zur Kieler Woche schlug das Wetter um und Juli und August bestätigten einmal mehr ihre statistische Stellung als die beiden niederschlagsreichsten Monate des Jahres. Dennoch war es überwiegend warm – ein Witterungsverlauf, den Ackerbohnen bevorzugen. Durch das geringe Längenwachstum während der Blüte blieben die Bestände im Vergleich zum Vorjahr eher kurz, sodass der Lagerdruck insgesamt gering war. Dennoch konnte sich in den niederschlagsreicheren Monaten auf schwereren Böden spät der Fußkrankheitenkomplex etablieren, sodass es an einigen Standorten, insbesondere auf den Marschböden, zu Lagererscheiniungen kam. Das war jedoch die Ausnahme. Die Ernte selbst fiel besser aus als im Vorjahr.

Prüfungsverlauf

Im Frühjahr 2024 konnte der Landessortenversuch (LSV) Ackerbohne an den Kammerstandorten Loit, Kastorf, Barlt und Futterkamp angelegt werden, wobei der LSV in Futterkamp in die Wertprüfung integriert ist. In Hohenlieth wurde das Sortiment auf den Flächen der Norddeutschen Pflanzenzucht (NPZ) geprüft. Auf dem Standort der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel (HAW), dem Lindenhof, wurde der Versuch wieder zweifach, je einmal in Pflug- und Mulchsaat angelegt. Alle Versuche konnten bis zum Ende geführt und vollständig beerntet werden.

Das Frühjahr 2025 war eines der trockensten seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Dennoch konnten sich im Herbst 2024 und im Winter 2024/2025 die Grundwasserreserven gut auffüllen. Da Ackerbohnen recht früh gedrillt werden, konnten sie mit ihren Wurzeln (sofern die Bodenstruktur es zuließ) dem nach unten weichenden Wasser bis in den Kapillarsaum hinterherwachsen. Zugleich arbeiteten durch den guten Gasaustausch im Oberboden die Knöllchenbakterien gut. Die unteren, kurz entwickelten Internodien der Ackerbohnen strecken sich später nicht, was zusammen mit dem niedrigen Krankheitsdruck maßgeblich zur Standfestigkeit beitrug. Fungizidbehandlungen bis zur Blüte blieben daher ohne ertragswirksamen Effekt. Bestände, die um Ostern 2025 (22. April) Regen erhielten, zeigten sich wüchsiger.

Endgültig schlug das Wetter zur Kieler Woche um und die Ackerbohnen bekamen in der zweiten Vegetationshälfte ausreichend Wasser, was dann in der Phase der Kornfüllung zu guten Erträgen beitrug. Auch aus der Praxis wurden überwiegend zufriedenstellende Erträge gemeldet.

Besonderheiten im Sortiment

Seit Jahren wächst das Sortiment in den Wertprüfungen, und auch die EU-Sortenversuche mit Ackerbohnen nehmen weiter zu, sodass die Zahl der Neuzulassungen steigt. Um für die beiden neuen Sorten ‚Loki‘ und ‚Malibu‘ Platz zu schaffen, wurden ‚Macho‘, ‚Trumpet‘ und ‚Fanfare‘ aus der Prüfung genommen. Diese Sorten sind weiterhin im Handel erhältlich, gelten jedoch als ausreichend geprüft. Das Kernsortiment mit langjährig geprüften Sorten besteht somit aus ‚Tiffany‘, ‚Stella‘ und ‚Caprice‘.

Dreijährige Ergebnisse liegen nun auch von ‚Genius‘ und ‚Iron‘ vor. ‚Hammer‘, ‚LG Eagle‘ und ‚Callas‘ sind zweijährig geprüft. ‚Tiffany‘, ‚Hammer‘ und ‚Iron‘ sind vicin- und convicinarme Sorten. Da sie aus der deutschen Wertprüfung in das Sortiment aufgenommen worden sind, ist die Vicinarmut durch das Julius-Kühn-Institut (JKI) geprüft. Diese Überprüfung findet für EU-Sorten nicht statt. Die EU-Sorten ‚Callas‘ und ‚Malibu‘ sind laut Angaben des Züchters vicinarm. Tanninfreie Sorten (an der reinweißen Blüte erkennbar) wurden nicht geprüft.

Ergebnisse

In den Landessortenversuchen werden die Sorten entsprechend den Anbaurichtlinien des Bundessortenamtes (BSA) analog zu den Wertprüfungen getestet. Um die Sorteneigenschaften wie Krankheitsresistenzen und ihre Leistung besser herauszuarbeiten, wird im LSV bewusst auf den Fungizideinsatz verzichtet. Daher werden die Kornerträge relativ dargestellt. Dies soll insbesondere dabei helfen, neue Sorten mit betriebseigenen Sorten zu vergleichen. Um das Ertragspotenzial der Sorten besser einschätzen zu können, wird das Sortiment des LSV an mittlerweile allen Kammerstandorten zusätzlich behandelt angebaut. Dabei wird in der Regel eine Fungizidbehandlung zur Blüte durchgeführt. Die Intensität der Behandlung wird vor Ort von den jeweiligen Referenten des Pflanzenschutzdienstes empfohlen. Da die Witterung zur Blüte 2025 jedoch überwiegend trocken war und als Resultat der Krankheitsdruck entsprechend gering ausfiel, konnten kaum positive Effekte der Fungizidbehandlung auf den Ertrag festgestellt werden. In den Tabellen 1 und 2 sind die relativen Kornerträge des LSV beziehungsweise der LSV-Stufe 2 aufgeführt.

Qualitäten

Die Proteinkonzentrationen (Tabelle 3) in den Ackerbohnen zeigten sich 2025 rund einen Prozentpunkt unter dem Vorjahr. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Ackerbohnen größere Energiemengen in Form von Stärke als Ertragskomponente eingelagert haben, wodurch das Protein verdünnt wurde. Als Proteinertrag, also das Produkt aus Kornertrag und Proteingehalt dargestellt, liegt das Jahr 2025 im Mittel bei 13,8 dt/ha und somit um gut 1,4 dt/ha über dem Vorjahr. Dies entspricht einer zusätzlichen Stickstoffabfuhr von 22,4 kg/ha. Bemerkenswert ist, dass sich die Einstufung des BSA mit der Ausprägungsstufe (APS) 1 bei ‚Loki‘ deutlich zeigt. ‚Tiffany‘, ‚Stella‘, ‚Callas‘ und ‚Malibu‘ zeigen Proteinkonzentrationen über 25 % auf und sind mit APS 5 eingestuft. Da hohe Kornerträge negativ mit Proteingehalten korrelieren, zählen diese Sorten nicht zu den ertragsstärksten. In der Fütterung sollten diese Sorten dennoch stärker berücksichtigt werden, da dort der Rohproteingehalt der entscheidende Parameter ist.

Übertragung in die Praxis

Neben den Ertragsdaten sind die ackerbaulichen Eigenschaften bei der Sortenwahl ebenso entscheidend. In den Ergebnistabellen ist ersichtlich, welche Sorten vicin- beziehungsweise convicinarm sind (mit „v“ gekennzeichnet). Vicinarme Sorten sind in der Fütterung und der Ernährung breiter einzusetzen als Standardsorten.

Ursächlich für Lager ist das Auftreten des Fußkrankheitenkomplexes, der in der Regel als Mischinfektion mit Fusarium, Phytium und Rhizoctonia auftritt. Anfälligkeit, Krankheitsdruck und Pflanzenlänge beeinflussen die Standfestigkeit der Sorten. Diese Faktoren werden maßgeblich von Jahreswitterung, Pflanzenabstand und Boden beeinflusst, weshalb standörtliche und bodenklimatische Unterschiede auftreten. Auch die Abreife ist stark von der Witterung beeinflusst. Ob ein frühes oder spätes Jahr vorliegt, hängt stark vom Temperaturverlauf ab. Die für das Erreichen der Reife nötige Temperatursumme wird je nach Jahr früher oder später erreicht. Die Ökovalenz ist ein Kennwert aus der Hohenheimer Serienauswertung, in der mehrjährige Ertragsdaten über das gesamte Anbaugebiet gewichtet verrechnet werden. Sie beschreibt, wie stark die Erträge einer Sorte über Jahre schwanken und durch Umweltbedingungen beeinflusst werden. Sorten mit niedriger Ökovalenz gelten als ertragsstabiler. Die Kennzahl ist kein absolutes Maß, sondern nur im Sortenvergleich interpretierbar. Mit zunehmender Zahl verfügbarer Versuchsergebnisse steigt die Aussagekraft dieser Langzeitauswertungen.

Seit 2025 wurde mit Elatus Era ein neuer fungizider Wirkstoff gegen Falschen Mehltau in allen Leguminosen zugelassen und in der Intensitätsstufe 2 in Kastorf eingesetzt. Gegenüber dem unbehandelten LSV zeigte der praxisnahe Versuch einen Mehrertrag von 3,2 dt/ha, was aktuell einem Mehrerlös von 63 € entspricht. Zudem zeigte Kastorf, trotz später Anwendung, eine frühe Abreife.

Sortenempfehlung

Die Verwendung nach der Ernte bestimmt die Sortenwahl. Sollen die Ackerbohnen im eigenen Betrieb verfüttert werden, kommt dem Proteingehalt eine höhere Bedeutung zu. Dabei findet sich die Einstufung des BSA erst in der Mittelwertbildung über alle Standorte wieder. ‚Tiffany‘ und ‚Stella‘ weisen die höchsten Proteingehalte auf, wobei ‚Tiffany‘ als vicinarme Sorte auch an Nichtwiederkäuer verfüttert werden kann. Ähnlich wie im Getreidebau sinkt mit zunehmendem Proteingehalt tendenziell der Kornertrag.

Der Landhandel honoriert hohe Proteingehalte nicht; die Bezahlung richtet sich rein nach dem Kornertrag. ‚Tiffany‘ zeigt langjährig leichte Ertragsschwankungen, erreichte jedoch im aktuellen Jahr wieder einen leicht überdurchschnittlichen Ertrag. Die vicinarme Sorte ‚Iron‘ erzielte in allen drei Prüfjahren überdurchschnittliche Kornerträge und kann uneingeschränkt empfohlen werden. In der Hohenheimer Auswertung ist ‚Caprice‘ ein wenig unterdurchschnittlich, jedoch hat diese Sorte ihre Stärke in den schwierigeren Jahren. In den LSV Schleswig-Holsteins hat die Sorte deutlich besser abgeschnitten als in der überregionalen Auswertung. Derzeit ist ‚Hammer‘ die ertragsstärkste Sorte, allerdings ist sie erst zweijährig geprüft.

Bisher lag ein Schwerpunkt der Sortenbewertung auf der Tausendkornmasse. Im aktuellen Sortiment ist die Variabilität dieses Merkmals jedoch deutlich zurückgegangen und liegt für alle Sorten um 500 g.

Ein wichtiger Baustein zur Minimierung des Anbaurisikos ist die Ertragsstabilität, die für Ackerbohnen erstmals ausgewiesen werden kann. Da absolute Zahlen wenig aussagekräftig sind, wurde die Ertragsstabilität in Klassen eingestuft. Dabei zeigte sich über die Jahre die Sorte ‚Malibu‘ am stabilsten. ‚Stella‘, ‚Hammer‘, ‚LG Eagle‘ und ‚Caprice‘ schneiden ebenfalls positiv ab. Die agronomischen Eigenschaften der Sorten sind in Tabelle 4 zusammengefasst.

Fazit

2025 war ein insgesamt gutes Jahr für den Ackerbohnenanbau. Die Frühjahrstrockenheit bereitete nur wenige Probleme, und die Niederschläge ab Ende Juni verursachten auch weniger Krankheitsdruck als zunächst erwartet. Die Erträge fielen leicht überdurchschnittlich aus.

Richtige Haltung im Winter

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Das Jahr 2026 startete mit ­starkem Schneefall und Frösten. Grund­sätzlich kommen unsere Rinder gut mit kalten Temperaturen zurecht, jedoch gilt es einige Dinge zu beachten, um die Tiere fit durch die kalte Jahreszeit zu führen.

Mutterkuhherden von Robustrassen werden oft ganzjährig auf der Weide gehalten und kommen damit für gewöhnlich gut zurecht. Vor allem trockene Kälte wird sehr gut vertragen. Besonders bei ganzjähriger Weidehaltung sind die Tiere an verschiedene Witterungsbedingungen gewöhnt und bilden rechtzeitig ein Winterfell aus. So sind sie in der Lage, die Körpertemperatur zu halten. Bei nasskalter Witterung kann das Winterfell jedoch durchnässen und verliert seine isolierende Wirkung, ebenso beim Liegen auf einem feuchten Untergrund. Ohne Eingreifen des Tierhalters kann es zum Kältestress kommen. Dieser zeigt sich durch Zittern und verringerte Bewegungsaktivität. Die Wiederkauaktivität nimmt ab.

Witterungsschutz bei Weidehaltung

Aus diesem Grund sollte ein geeigneter Witterungsschutz vorhanden sein, den die Rinder aufsuchen können, um ihr Fell zu trocknen. Dies können Weidezelte, Unterstände oder Nadelbaumbestände sein. Laubbäume und -hecken bieten im Winter keinen ausreichenden Schutz. Auch isolierte Liegeflächen sollten den Tieren angeboten werden. Besonders wichtig ist auch die genetische Anpassung der Tiere. So sind Rassen, die ein besonders langes und dichtes Winterfell ausbilden, besser für eine Außenhaltung im Winter geeignet. Grundsätzlich sollten im Winter auch ausschließlich gesunde Rinder draußen gehalten werden. Kranke Tiere sollten im Stall untergebracht werden. Auch sollte die Herde so gemanagt werden, dass im Winter keine Kälber zur Welt kommen. Diese können die Körpertemperatur schlechter regulieren als adulte Tiere und sollten nicht auf einer Winterweide geboren werden. Eine weitere Herausforderung bei der Weidehaltung im Winter ist die Futter- und Wasserversorgung. Ist ausreichend Vegetation vorhanden, können die Rinder sie unter einer dünnen Schneedecke durchaus erreichen. Liegt der Schnee jedoch hoch oder ist er durch einen Wechsel von Frost und Tauwetter zu Eis gefroren, müssen die Tiere mit geeignetem Futter versorgt werden können. Auch muss sichergestellt sein, dass die Tränken nicht einfrieren und die Rinder auch bei Minusgraden Zugang zu frischem Trinkwasser haben.

Aufgrund der geringen Körpergröße kühlen vor allem Kälber in den ersten drei Lebenswochen schnell aus. Um sich warm zu halten, benötigen sie mehr Energie als bei milden Temperaturen. Daher sollte die Tränkemenge erhöht werden. Zudem ist es sinnvoll, Kälberdecken einzusetzen.
Foto: Jan-Hinnerk Templin
Offen gebaute Gebäude gewährleisten frische Luft und Wind. Lassen sich Gebäudeseiten jedoch nicht verschließen, kann es im Winter zu Herausforderungen kommen. Besonders vor angekündigten Schneestürmen ist es ratsam, rasch eine mobile Wand aus zum Beispiel Strohballen aufzustapeln. Foto: Jan-Hinnerk Templin

Kälber fit durch den Winter bringen

Milchviehbetriebe halten ihre Kühe im Winter geschützt im Stall. Für die adulten Tiere ist das Winterwetter daher kein Problem. Besonders Kälber in den ersten drei Lebenswochen sind jedoch anfällig für Kältestress. Sie haben wenig Körperfett und müssen es erst mit der Zeit ansetzen. Auch das Fell ist in dieser Zeit noch vergleichsweise dünn. Vor allen noch nasse, neugeborene Kälber kühlen bei Frost schnell aus und sollten daher schnellstmöglich getrocknet werden. Daher sollten die Kälber mit Stroh oder besser einem Handtuch abgetrocknet werden und anschließend unter einer Wärmelampe durchtrocknen. Der Einsatz von Kälberdecken ist eine sinnvolle Maßnahme. Durch sie verlieren die Kälber weniger Wärme und können die Körpertemperatur besser konstant halten. Kälberdecken sollten jedoch erst dem getrockneten Kalb angezogen werden, und es muss darauf geachtet werden, dass das Kalb am Tag oder bei steigenden Temperaturen nicht darunter schwitzt. Auch sollte bei den Kälbern auf ausreichend trockene Einstreu geachtet werden. Die Strohmatte sollte so dick sein, dass die Gliedmaßen des liegenden Kalbes vollständig im Stroh eintauchen und so besser isoliert sind (Nesting Score 3).

Durch die niedrigen Temperaturen steigt der Energiebedarf von Kälbern stark an, da ein größerer Teil als Wärmeenergie benötigt wird. So kann bei Frost der Erhaltungsbedarf um bis zu 30 % gesteigert sein. Aus diesem Grund sollte die Tränkemenge bei restriktiver Tränke im Winter erhöht werden, oder aber die MAT-Konzentration sollte gesteigert werden. Zum Beispiel könnte eine Tränkemenge von 8 l am Tag auf 10 l gesteigert werden. Bei ad libitum getränkten Kälbern sollte die Milch nach Möglichkeit mehrmals am Tag nachgefüllt werden, um das Einfrieren zu vermeiden.

Da Kälber oft in Iglus im Freien gehalten werden und das Wasser in den Tränkeschalen rasch einfriert, sollte auch hier das Wasser mehrmals am Tag nachgefüllt werden. In den Iglus besteht außerdem die Möglichkeit, dass bei Schneefall und Wind das Innere zuschneit und so die Liegefläche feucht wird. Um Abhilfe zu schaffen, könnten Strohballen den Wind vor den Iglus abfangen, oder es können Windschutznetze an den Gittern montiert werden.

Kuhstall im Wintermodus

Die Kuhställe in Norddeutschland sind mit ihrer offenen Bauweise meist nicht dauerhaft frostfrei zu halten, sodass bei anhaltender Kälte rasch Probleme auftreten. Zwar kommen die Kühe gut mit der Kälte zurecht, kommt jedoch starker Wind hinzu, der im Stall für Zugluft sorgt, leiden die Tiere unter Kältestress, und die Milchleistung sinkt. Offene Ställe ohne Curtains oder Jalousien sollten also rechtzeitig geschützt werden. Auch hier können Strohballen zur Wetterseite gestapelt werden oder Windschutznetze provisorisch installiert werden. Bei anhaltendem Frost kann der Mist auf den Laufflächen festfrieren, sodass der Schieber diese nicht mehr räumen kann. Werden die Laufgänge zur Buckelpiste, laufen die Kühe unsicher und das Verletzungsrisiko steigt. Eine Möglichkeit ist es, die Schiebehäufigkeit zu erhöhen, sodass der Mist vor dem Festfrieren geräumt ist. Alternativ sollte der Gang zweimal täglich mit dem Hoflader freigeschoben werden, dieser kommt mit dem festgefrorenen Mist meist besser zurecht.

Besonders nach dem Melken besteht ein Risiko für Erfrierungen an den Zitzen. Sind sie noch feucht, wenn die Kuh den Melkstand verlässt, kann es schmerzhaft enden. Vor allem wässrige Dippmittel können hier zur Gefahr werden. Eine Möglichkeit ist es, das Dippen an den besonders kalten Tagen einzustellen. Alternativ kann ein Dippmittel mit hohem Glyzeringehalt eingesetzt werden. Glyzerin hat einen niedrigeren Gefrierpunkt als Wasser, und es weist sehr gute Pflegewirkung auf. Es schützt die Haut davor, rissig zu werden.

Fazit

Unvorbereitet kann ein Kälte­einbruch die Rinderhaltung deutlich erschweren, auch wenn vor allem ausgewachsene Rinder recht gut mit der Kälte zurechtkommen. Je nach Haltungsform stehen die Tierhalter vor unterschiedlichen Herausforderungen. Zusammenfassend lässt sich jedoch festhalten, dass Witterungsschutz und eine ausreichende Versorgung mit Futter und Wasser essenziell sind, um die Tiere fit durch den Winter zu bekommen.

Empfang am Schleswig-Holstein-Stand der Grünen Woche

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Am ersten Sonntag der Grünen Woche folgten rund 100 Vertreter aus Land- und Ernährungswirtschaft, Lebensmitteleinzelhandel und Politik der Einladung von Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) zu einem Austausch am neuen Schleswig-Holstein-Stand auf der Grünen Woche.

Anschließend besuchte die Ministerin gemeinsam mit Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) beim Rundgang die zahlreichen Ausstellerinnen und Aussteller.

Dem Motto des Empfangs „Butter bei die Fische“ wurden Ministerin Schmachtenberg und Ministerpräsident Günther bereits bei der Begrüßung gerecht. Beide freuten sich über die Rückkehr des Landes in die Berliner Messehallen und kündigten eine erneute Präsenz Schleswig-Holsteins auf der Grünen Woche 2027 an.

Henning Bannick ist einer der zwölf Direktvermarkter, die in wechselnder Besetzung ihre Produkte an den Marktständen auf den Flächen des Gütezeichens Schleswig-Holstein und bei Gutes vom Hof.SH vorstellen. Foto: Eckhard Voß

Vor allem aus finanziellen Gründen war seit 2020 auf einen Auftritt in Berlin verzichtet worden. Die ursprüngliche Präsentation mit den Hummerbuden und großen Wandabhängungen war nach langjähriger Nutzung im Anschluss an die Corona-Zeit nicht mehr einsetzbar. Das Land zeigt sich aktuell mit einem neuen kompakten und ökonomischen Auftritt in der Halle 5.2. Prägendes Element sind die mobilen und wertigen Marktstände des Landwirtschaftsministeriums, die auf zahlreichen Messen wie der Norla in Rendsburg oder der NordGastro in Husum eingesetzt werden. So ergibt sich auf den verschiedensten Veranstaltungen eine einheitliche und nachhaltige Präsentation der jeweiligen heimischen Akteure. Auch die Sitzgelegenheiten am Schleswig-Holstein-Stand haben sich bereits an anderer Stelle bewährt: Die massiven Holzbänke und -tische bieten seit einigen Jahren den Norla-Besuchern auf der Fläche des Ministeriums im Anschluss an die Halle der Landwirtschaftskammer Platz. Die etwas filigraneren Gartenstühle und -tische stammen noch von der „Pier“ aus der früheren Schleswig-Holstein-Halle 22a und bieten den diesjährigen Messebesuchern bis zum 25. Januar die Möglichkeit, in Schleswig-Holstein zu verweilen und regionale Spezialitäten zu genießen.

Ziel des Empfanges war es auch, weitere Akteure für die Grüne Woche 2027 zu gewinnen. Aktuell präsentiert sich das Land auf etwa 300 m2 während der zehntägigen Messelaufzeit mit über 15 Betrieben und Organisationen. Eine Vergrößerung der Standfläche im nächsten Jahr ist zu realisieren, wenn weitere Akteure aus Schleswig-Holstein die Präsentation durch eigene Beteiligung stärken. Nahezu alle diesjährigen Aussteller haben bereits großes Interesse an einer erneuten Flächenbuchung gezeigt. Im Verlauf des Empfangs wurden bereits zahlreiche Ideen für 2027 gesammelt. Die Weichen für die Umsetzung sind gestellt. Jetzt liegt es auch den schleswig-holsteinischen Firmen und Betrieben, gemeinsam für einen erfolgreichen Ausbau des Schleswig-Holstein-Auftrittes auf der Grünen Woche 2027 zu sorgen.

Nachwuchshoffnung im Dressursattel

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Seit vielen Jahren ist der Reitsport weiblich geprägt. Vor allem im Dressursport sind kaum Jungen zu finden. Doch es gibt sie, so zum Beispiel in Wesselburenerkoog, Kreis Dithmarschen. Dort lebt und trainiert Tjore Schmielau, und das sehr erfolgreich.

Katrin und Carsten Schmielau betreiben einen Reiterhof. Von ihren vier Söhnen reitet aber nur einer: Tjore. „Die beiden größeren sind auch eine Zeit lang geritten, aber nicht dabeigeblieben“, ​berichtet Carsten Schmielau. Nur der heute 16-jährige Tjore wollte schon als kleiner Junge immer aufs Pferd. Mit Kleiner Donner, einem Lewitzer Scheckpony, gewann er die ersten Führzügel- und Reiterwettbewerbe.

So richtig los ging es dann 2022, als er 13 Jahre alt war. Auf Tjores Konto gingen in dem Jahr mehrere Siege in Klasse L mit Bellentimes, einem damals zwölfjährigen Hannoveraner, in Klasse A mit den fünf- und siebenjährigen Deutschen Reitponys Genial und Coop, sowie diverse gute Platzierungen mit den drei Pferden. Er wurde Kreismeister und Landeschampion. Von da an sammelte der Schüler Erfolge: Sieg im Kuschel Cup, Nominierung für die Deutschen Jugendmeisterschaften, gute Platzierungen bei den Future Champions in Hagen und beim Preis der Besten sowie den Landesmeistertitel bei den Children 2023. Damals war auch Carsten Schmielau vor Ort. „Eigentlich fährt ja immer die Mutti mit“, erklärt der Vater. Zum Landesturnier ist er ebenfalls mitgekommen und war schwer beeindruckt: „So eine coole Socke, da auf dem Championat. Er hat die Ponys gewechselt, ist da hineingeritten und, bum, hat er gewonnen.“

Ein Jahr später wurde Tjore zum Ponyderby eingeladen. „Die Kulisse und die Atmosphäre im Stadion waren schon sehr beeindruckend“, erinnert sich Tjore. Ganz zufrieden war er mit seinem sechsten Platz nicht, aber er saß noch nicht lange im Sattel von Oceans Eleven.

Lehrgänge für Jungen in Warendorf

In dem Jahr war er auch erfolgreich im Sattel von Großpferden. Mit Bellentimes und Glen Carlou startete Tjore bis zur Klasse M. In Hohenlockstedt, Kreis Steinburg, belegte er die Plätze eins und zwei. „Das war eine meiner ersten Prüfungen mit Glen, und ich wollte eigentlich nur eine Platzierung erreichen, um meine Leistungsklasse zu behalten“, erzählt Tjore. Den zwölfjährigen Hannoveraner reitet er seit eineinhalb Jahren. Seine Besitzerin hat Zuchtstuten bei Familie Schmielau zu stehen und wollte Tjore fördern, indem sie ihm den Wallach zur Verfügung stellte. „Er ist eine liebe, treue und ruhige Seele und ein richtiger Lehrmeister für mich“, sagt Tjore.

Dem Nachwuchsdressurreiter stehen verschiedene Pferde zur Verfügung. Eins davon ist Glen Carlou. Foto: privat

Mit Glen Carlou holte er im vergangenen Jahr seine erste S-Platzierung. Am Morgen davor wusste er noch nicht einmal, dass er in der Prüfung reiten würde. „Ich war mit mehreren Pferden in Dingerdonn und die Veranstalter sprachen mich nach der M-Dressur darauf an, dass sie noch Plätze in Klasse S hätten“, erinnert sich der Gymnasiast. Schnell guckte er sich die Aufgabe an und kam gleich auf den vierten Platz.

Ein weiterer Erfolg war die Platzierung von SumSum Supergirl bei den Bundeschampionaten. „Wir sind haarscharf am großen Finale vorbeigeschrammt“, berichtet er. Mit der fünfjährigen Deutschen Reitponystute ergatterte Tjore außerdem die Silbermedaille beim Championat der Dressurponys in Schleswig-Holstein. Sie ist das letzte Pony, mit dem er unterwegs war. Eigentlich wollte er vorher schon aufhören, denn mit 1,80 m fühlte er sich zu groß. Doch als er gebeten wurde, die Stute noch vorzustellen, sagte er zu.

Zum vierten Mal wurde Tjore im vergangenen Dezember nach Warendorf zum bundesweiten Lehrgang „Jungs ins Viereck“ eingeladen. Initiiert von der Stiftung Deutscher Pferdesport und gefördert durch Wolfgang Schmitz-Heinen steht der Lehrgang ganz im Zeichen individueller Förderung und gemeinsamer Weiterentwicklung. „Ich bin seit Beginn immer bei diesem Lehrgang gewesen. Das war auch mein Start in die höheren Touren“, erklärt Tjore. „Nach einer Stunde beim Bundestrainer sagte er zu meiner Mutter, ich solle doch einmal die Sichtungen reiten. So fing das alles an.“

Nachwuchspferde stehen bereit

Im Mittelpunkt der Lehrgänge stehen Trainingseinheiten unter der Leitung der Bundestrainer Caroline Roost und Hans-Heinrich Meyer zu Strohen. Im jüngsten Durchgang absolvierten die Jungen zudem ein Aufgabenreiten, das von Klaus Ridder, ehemaliger Geschäftsführer des Pferdesportverbandes Westfalen und international erfahrener Dressurrichter, bewertet wurde. Anschließend erhielten sie eine ausführliche Kommentierung ihrer Ritte inklusive eines Videomitschnitts. „Das ist wirklich sehr hilfreich“, findet Tjore.

Die Lehrgänge empfindet er als Bereicherung für das Training zu Hause. Ein weiterer guter Effekt sei es, die anderen Jungen dort zu treffen. „Wir kommen von überall und sehen uns nicht so oft“, erklärt Tjore. Im Alltag trainiert er mit seiner Mutter, dazu je einmal die Woche bei Katrin Haase im Reitstall Laabs sowie bei Jochen Honold.

Nach Warendorf begleitete ihn wieder seine Mutter Katrin Schmielau. Sie war es auch, die die Pferde in die Familie brachte. Als gelernte Bereiterin ist sie selbst bis zur Klasse S erfolgreich. Gemeinsam mit ihrem Sohn bildet sie aber vor allem die Jungpferde aus der familieneigenen Zucht aus.

Tjore sattelt jeden Tag mindestens ein Pferd, manchmal zwei und in den Ferien auch einmal vier. In enger Absprache mit seiner Mutter werden die Pferde schonend ausgebildet. Neben Bellentimes und Glen Carlou sind da noch Van Grande, ein selbst gezogener Wallach von Vitalis, sowie Dante Grande, eine fünfjährige Stute von Dante Weltino, die unter Katrin Schmielau im vergangenen Jahr erste Platzierungen holte.

Tjore will jetzt weiter die Juniorentour reiten, würde sich gern bei der Landesmeisterschaft beweisen und die Nachzuchten gut auf Turnieren vorstellen. Außerdem möchte er sich mit Glen Carlou weiter auf S-Niveau festigen und Van Grande auf M-Niveau sicher machen. Die Ziele sind also gesteckt.

Schön zu jeder Jahreszeit

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Attraktive Gärten haben rund ums Jahr etwas fürs Auge zu bieten. Denn mit einer geschickten Pflanzenauswahl lassen sich zu jeder Jahreszeit typische Akzente setzen. Während Blütenpflanzen Farbe in den Garten bringen, sorgen in der blütenarmen Zeit Gehölze mit markanten Wuchsformen, attraktivem Laub, bunten Früchten oder farbiger Rinde für eindrucksvolle Blickfänge.

Die gelben Narzissen im Tuff wirken neben der Sternmagnolie außerordentlich farbstark. Foto: Karin Stern

Im Frühling ist die Lust auf Farbe besonders groß. So richtig bunt wird es mit Zwiebelblumen. Die geschickte Kombination früher, mittelfrüher und spät blühender Tulpen und Narzissen – kombiniert mit Hyazinthen sowie Zierlauch – lässt das komplette Frühjahr in frischen Farben aufleuchten. Tipp: die verschiedenen Sorten nicht vermischen, sondern für einzelne Akzente in größeren Tuffs pflanzen. Als frühjahrsblühende Begleiter bieten sich Zweijährige wie Wald-Vergissmeinnicht (Myosotis sylvatica), Hornveilchen (Viola) oder Tausendschön (Bellis perennis) an. Auch die Frühblüher unter den Stauden wie Primeln (Primula) oder Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris) passen prima dazu. Schon von Weitem sichtbar ist im Frühjahr die Baum- und Strauchblüte. Im März ziehen Forsythie (Forsythia x intermedia), Zierquitte (Chaenomeles) und Stern-Magnolie (Magnolia stellata) mit ihrem üppigen Flor den Blick auf sich. Richtig bunt wird es anschließend mit Zier-Pflaumen, -Äpfeln und -Kirschen, die im April geradezu verschwenderisch aufblühen. Die relativ blütenarme Zeit zwischen den Frühjahrsstauden und den Frühsommerstauden kann man am besten mit Pfingstrosen (Paeonia) und Glockenblumen (Campanula) schließen. Auch bei diesen beiden Klassikern lässt sich der Flor ganz unkompliziert über die Wahl unterschiedlicher Sorten geschickt verlängern.

Gelbblühende Forsythien und die Sternmagnolie im Hintergrund bringen Farbe ins Frühjahr. Foto: Karin Stern
Prächtiger Rittersporn als auffälliger Hingucker. Foto: Karin Stern

Kaum zu übertreffen ist die Blütenfülle eines hochsommerlichen Staudenbeetes mit Rittersporn (Delphinium), Gelber Wiesenraute (Thalictrum flavum), Brennender Liebe (Lychnis chalcedonica), Schafgarbe (Achillea) und Katzenminze (Nepeta). Doch Fingerspitzengefühl ist durchaus angesagt, denn auch wenn Rosen, Stauden, Sommerblumen, Kletterpflanzen und Blütensträucher nun in voller Pracht daherkommen, bleibt es bei dem Grundsatz: Weniger ist manchmal mehr. Eine prächtige Blütenstaude kommt vor einem ruhigen Hecken-Hintergrund besser zur Geltung als vor einem gleichzeitig blühenden Strauch. Umgekehrt empfiehlt es sich, vor Hortensien (Hydrangea), Gartenhibiskus (Hibiscus syriacus) oder Schmetterlingsflieder (Buddleja davidii) besser Frühjahrsstauden zu pflanzen. Sie sind verblüht, wenn die Gehölze ihren großen Auftritt hinlegen. Unter den Rosen finden sich Bodendecker ebenso wie Edel-, Strauch-, Kletter- oder Ramblerrosen. Duftende Exemplare pflanzt man am besten entlang viel genutzter Wege oder dort, wo sich die Familie im Sommer häufig aufhält. Auch großblumige Clematis-Hybriden wie ‚Niobe‘, ‚Nelly Moser‘, ‚Ville de Lyon‘, ‚Jackmanii‘ oder ‚Piilu‘ setzen beeindruckende sommerliche Akzente.

Großblumige Clematis setzen im Sommer beeindruckende Akzente. Foto: Karin Stern
Eindrucksvolle Laubfärbung sorgt für einen spektakulären Herbst. Foto: Karin Stern

Der Herbst ist die Jahreszeit der warmen Farben. Immer noch leuchten Staudenbeete mit Sonnenhut, Prachtspiere oder Phlox. Sie geben ab September die Bühne frei für Herbst-Astern (Aster ageratoides, A. divaricatus, A. dumosus, A. ericoides, A. novae-angliae, A. novi-belgii), Chrysanthemen (Chrysanthemum) und Hohe Fetthenne (Sedum). Ziergräser haben im Herbst ebenfalls ihren großen Auftritt. Sie kommen als Partner von Stauden oder auch als Solitär nun gut zur Geltung. Die entfalteten Grannen von Chinaschilf (Miscanthus), Pfeifengras (Molina), Lampenputzergras (Pennisetum) und Federgras (Stipa) bringen luftig-leichten Charme ins Beet. Schöner Nebeneffekt: Die vertrockneten Horste bleiben bis weit in den Winter hinein attraktiv und verleihen dem Garten Struktur. Auch Gehölze mit attraktiven Früchten wie Schönfrucht (Callicarpa), Zier-Apfel (Malus) und Schneeball (Viburnum opulus) laufen jetzt zur Hochform auf. Das Herbstlaub sommergrüner Gehölze sorgt zudem für eine stimmungsvolle Kulisse. Felsenbirne (Amelanchier), Zaubernuss (Hamamelis), Hartriegel (Cornus), Amberbaum (Liquidambar) und einige Arten und Sorten des Ahorns (Acer) imponieren hier besonders.

Von Ende November bis in den Januar hinein bezaubern die Christrosen. Foto: Karin Stern

Im Winter spielen vor allem markante Formen eine wichtige Rolle in der Gartengestaltung, da nur wenige Pflanzen für einzelne Farbtupfer sorgen. Immergrüne kommen auch unter Raureif und Schnee gut zur Geltung. Dabei kann man sehr schön mit verschiedenen Wuchsformen spielen wie säulenförmigen Eiben (Taxus), kugelförmig geschnittenen Stechpalmen (Ilex) oder Hängeformen wie denen der Fichte ‚Pendula‘ (Picea omorika) oder der Mähnen-Nutkazypresse ‚Pendula‘ (Chamaecyparis nootkatensis). Farbe bringen auch die leuchtend roten Rinden des Sibirischen Hartriegels ‚Sibirica‘ oder ‚Baton Rouge‘ (Cornus alba) ins Spiel. Gelbholz-Hartriegel ‚Flaviramea‘ (Cornus sericea) hingegen punktet mit einer auffälligen grüngelben Rindenfärbung. Mit wunderbaren Winterblüten ziehen Christrosen (Helleborus niger) und Sträucher wie Winter-Schneeball (Viburnum bodnantense), Zaubernuss (Hamamelis) und Winter-Jasmin (Jasminum nudiflorum) die Aufmerksamkeit auf sich.

Der Kitt, der das Dorfgefüge wieder zusammenführt

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„Früher war alles besser“, wer kennt diesen Ausspruch meist älterer Mitmenschen nicht? Nicht alles war besser, aber vieles war anders, besonders im ländlichen Raum und in den Dörfern. Das Dorfleben war geprägt vom familiären Zusammenleben und von Zusammenhalt, von einer aktiven Gemeinschaft, ehrenamtlichem Engagement und davon, füreinander da zu sein.

Zumindest in fast jedem größeren Dorf gab es Einkaufsmöglichkeiten in kleinen Läden, Schlachtereien, Gasthöfe, Bäcker, Post, Kindergärten, Schulen, Handwerksbetriebe, Arztpraxen – Einrichtungen, die eine Versorgung mit den wichtigsten Dingen des Lebens gewährleisteten und Treffpunkte für einen Austausch und geselliges Beisammensein boten. Ehrenamt war Ehrensache – Freiwillige Feuerwehren, Gemeinderäte und Vereine hatten keine Nachwuchssorgen und förderten ebenfalls ein gesellschaftliches Miteinander. Gleichzeitig gestalteten sie das Dorf und die Gemeinschaft.

Der demografische wie auch der gesellschaftliche Wandel haben diese einstigen Dorfgefüge aufgebrochen, verändert und zu neuen Strukturen angeordnet, nicht immer unbedingt zum Besseren. Die aktuellen Probleme sind bekannt – Betriebe geben auf, Gasthöfe und Läden schließen, Dienstleister und Nahversorger ziehen sich aus den Dörfern zurück, zentralisieren ihre Leistungen oder verlagern sie komplett ins Internet. Für Ehrenamt und Vereinskultur bleibt nur noch wenig Zeit, sich langfristig an Aufgaben oder Posten binden will oder kann kaum noch jemand. Gleichwohl ist die Bereitschaft, zu helfen oder sich zu engagieren, nach wie vor vorhanden. Familiäre Strukturen haben sich ebenfalls stark verändert. Das Wegbrechen der Angebote, der Nahversorgung, der sozialen Treffpunkte, der Anbindungen durch Bus und Bahn wirkt sich nachteilig auf Dorfgemeinschaften und das Miteinander aus. Besonders ältere Menschen geraten durch diese Veränderungen ins Hintertreffen. Die Vereinsamung nimmt zu. Das bestätigt eine vom schleswig-holsteinischen Sozialministerium veröffentlichte Studie des Instituts für Allgemeinmedizin der Universität zu Lübeck aus dem vergangenen Jahr, wonach sich rund 33 % der älteren Menschen in Schleswig-Holstein einsam fühlen.

Hier setzen Dorfkümmerinnen und Dorfkümmerer an (siehe Seiten 54 bis 56). Sie können das Rad der Zeit nicht zurückdrehen, aber: „Sie schließen eine entstehende Versorgungslücke, indem sie Sorge- und Fürsorgearbeit koordinieren oder selbst übernehmen. Als verbindliche Anlaufstelle für Bürger stärken sie soziale Teilhabe, organisieren Unterstützung und bringen Menschen wieder zusammen. Je nach Schwerpunkt gestalten sie das Dorfleben integrativer, sichern alltägliche Versorgung und fördern Gemeinschaft. Damit leisten Dorfkümmerer nicht nur einen wichtigen Beitrag gegen Vereinsamung, sondern stärken auch Vertrauen in kommunale Strukturen und wirken demokratiefördernd“, erläutert Anne Jessen von der Koordinierungsstelle Dorfkümmerer-und-Dorfkümmerinnen-Netzwerk Schleswig-Holstein bei der Akademie für die ländlichen Räume Schleswig-Holsteins. Sie sind der Kitt, der das aufgebrochene Dorfgefüge wieder zusammenführt.

Sie übernehmen Aufaben, für die eigentlich die Politik zuständig wäre, die sie aber gern an Multiplikatoren wie die Dorfkümmerer und andere Engagierte abtritt. Immerhin wird das Engagement finanziell und ideell vom Land gefördert. Dass die Kümmerer als neue Form der Daseinsvorsorge im ländlichen Raum gebraucht werden, zeigen die steigende Nachfrage und die wachsende Zahl der Stellen in den Gemeinden. Das Bauernblatt möchte die Arbeit der Dorfkümmerer im Land mit einer Serie würdigen und exemplarisch einige von ihnen und ihre Aufgabenbereiche vorstellen. Diese Art der Sorgearbeit verdient eine angemessene gesellschaftliche Anerkennung.

Iris Jaeger
Foto: bb

Dorfkümmerer als neue Form der Daseinsvorsorge

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Seit Juni 2025 ist Anne Jessen bei der Akademie für die ländlichen Räume (ALR) als Ansprechpartnerin für die Koordinierungsstelle Dorfkümmerer Schleswig-Holstein zuständig. Im Interview mit dem Bauernblatt erklärt sie, was es mit dem Netzwerk auf sich hat, was ihre Aufgaben sind und warum Dorfkümmerinnen und Dorfkümmerer so wichtig sind.

Wie ist seinerzeit das Netzwerk entstanden?

Zunächst muss man sagen, dass die Idee einer Dorfkümmerin oder eines Dorfkümmerers keine neue ist, sondern eher eine jahrhundertealte. Historisch gesehen gab es hierzulande die sogenannten Gemeindeschwestern, die sich in ihren Dörfern um die Bürgerinnen und Bürger gekümmert haben. Die heutigen Dorfkümmerer und Dorfkümmerinnen sind eine moderne Form davon, die aufgrund aktueller gesellschaftlicher und demografischer Entwicklungen wieder an Relevanz gewonnen hat. In den Kommunen fehlt häufig jemand, der sich um Alltagsbelange kümmert, Verbindungen schafft und das gemeinschaftliche Leben stärkt. Das wird vor dem Hintergrund, dass die Menschen immer älter werden, unser Leben immer schnelllebiger, digitaler und individueller, zunehmend ein Problem – insbesondere auf dem Land, wo es häufiger an Infrastruktur und Angeboten mangelt. Vor diesem Hintergrund haben sich Gemeinden und Bürger in Schleswig-Holstein eigeninitiativ auf den Weg gemacht, dieser Entwicklung entgegenzutreten und das Netzwerk Dorfkümmerer etabliert. Das finde ich auch so schön daran – es hat niemand „von oben“ entschieden, dass diese Funktion eingeführt werden soll.

Die Akademie für die ländlichen Räume hat dieses Netzwerk von Anfang an begleitet und eine Koordinierungsstelle für die Dorfkümmerer eingerichtet. Wann war das und was war der Anlass?

2019 ist die Akademie für die ländlichen Räume auf die ersten Dorfkümmerer in Schleswig-Holstein aufmerksam geworden und hatte gleich die Vermutung, dass sich hier ein größerer und längerfristiger gesellschaftlicher Veränderungsprozess widerspiegelt. Als Interessenvertreterin und Projektträgerin für ländliche Räume sah es die ALR als ihre Aufgabe an, diese Entwicklung aufmerksam zu verfolgen und im ersten Schritt herauszufinden, wie man die Kümmerer und ihre Gemeinden unterstützen kann. Bei einem ersten landesweiten Treffen im März 2019 hat die ALR alle bis dahin bekannten Dorfkümmerer zusammengebracht und damit den Grundstein für das Netzwerk gelegt. In den Folgejahren realisierten wir einmal jährlich solche ganztägigen Netzwerktreffen. Wir sind deshalb froh, dass wir im Jahr 2025 als Partnerin der Engagementstrategie Schleswig-Holsteins durch eine Förderung des Sozialministeriums eine landesweite Koordinierungsstelle für das Netzwerk Dorfkümmerinnen, Dorfkümmerer Schleswig-Holstein aufbauen konnten.

Dorfkümmerer-Netzwerk-Koordinatorin bei der ALR, Anne Jessen
Foto: ALR

Wird das Land dieses Netzwerk auch weiterhin fördern?

Die Landesregierung hat deutlich signalisiert, dass ihr die Unterstützung der Dorfkümmerer wie auch die Förderung von ehrenamtlichem Engagement im ländlichen Raum ein besonderes Anliegen sind. Und dies ist kein reines Lippenbekenntnis, denn es spiegelt sich unter anderem auch in den jüngsten Beschlüssen zum Landeshaushalt  2026 wider – in dem sowohl die Ehrenamtsstrategie fortgeschrieben wurde als auch die Koordinierungsstelle der ALR Erwähnung findet. Die Bedeutung der Arbeit der Dorfkümmerer hier im Land wird auch durch eine vom schleswig-holsteinischen Sozialministerium beauftragte Studie zum Thema Einsamkeit unterstrichen. Die im November 2025 veröffentlichte Studie zeigt herausfordernde gesellschaftliche Entwicklungen auf und verweist im Bereich der Handlungsempfehlungen ausdrücklich auf die Dorfkümmerer als einen wertvollen Ansatz im ländlichen Raum, den es zu unterstützen und auszubauen gilt.

Was genau sind Ihre Aufgaben als Koordinatorin und wie sind Sie zu dem Netzwerk gekommen?

Nach Abschluss meines Studiums in Umwelt- und Nachhaltigkeitswissenschaften bin ich Anfang 2025 zurück in meine Heimatregion nach Kiel gezogen und habe mich nach einem passenden Job umgeschaut. Als ich auf die Stellenausschreibung der ALR für die Koordinierungsstelle des Netzwerks aufmerksam wurde, war ich direkt begeistert. Selbst vom Dorf kommend bin ich auch persönlich sehr interessiert daran, das Leben auf dem Land für alle Generationen attraktiv zu gestalten und zukunftsfähig aufzustellen. Entsprechend habe ich mich sehr gefreut, diese Aufgabe im Juni 2025 übernehmen zu dürfen. Als Koordinierungsstelle fungiere ich zunächst als feste, verbindliche Anlaufstelle für aktive Kümmerer und Kümmerinnen sowie für interessierte Gemeinden. Darüber hinaus ist es meine Aufgabe, die Vernetzung der wichtigen Akteure auf Landes- sowie regionaler Ebene zu stärken, ein Fortbildungsangebot für aktive Kümmerer zu erstellen sowie durch Öffentlichkeitsarbeit das Netzwerk sichtbarer zu machen. Auch betreue ich die von uns 2025 entwickelte Internetseite www.dorfkuemmerer-sh.de

Dort findet man wertvolle Informationen zum Thema und unter anderem auch eine Übersicht aller schleswig-holsteinischen Dorfkümmerinnen und Dorfkümmerer.

Warum sind Dorfkümmerer so wichtig?

Viele Gemeinden wünschen sich wieder eine lebendige Dorfgemeinschaft, stoßen dabei aber an strukturelle Grenzen. Gerade im ländlichen Raum brechen zunehmend Angebote weg – Mobilität, niedrigschwellige Versorgung oder soziale Treffpunkte. Was früher oft informell, familiär oder ehrenamtlich aufgefangen wurde, funktioniert heute immer weniger. Dafür gibt es mehrere Gründe: Der Anteil älterer Menschen steigt deutlich, und dieser Trend wird sich weiter verstärken. Gleichzeitig führen Digitalisierung und gesellschaftlicher Wandel dazu, dass viele, insbesondere ältere Menschen zunehmend abgehängt werden. Auch Familienstrukturen haben sich verändert, Angehörige leben häufig weit entfernt, Pflege und Unterstützung finden nicht mehr selbstverständlich im direkten Umfeld statt. Zwar ziehen auch junge Familien wieder auf das Land, doch durch Pendeln und Doppelbelastungen ist das Dorf oft nicht mehr ihr sozialer Lebensmittelpunkt. Auch das Ehrenamt hat sich gewandelt: Die grundsätzliche Bereitschaft zu helfen ist nach wie vor vorhanden, doch langfristige, verbindliche Funktionen werden seltener übernommen. Engagement ist heute häufig kurzfristig, projektbezogen und weniger koordinierend. Dadurch fehlen zunehmend feste Ansprechpartner, die das Miteinander im Dorf verlässlich gestalten. Die Folge: Dorfgemeinschaften schlafen ein, soziale Treffpunkte verschwinden, Vereinsamung nimmt zu – nicht nur bei älteren Menschen. Genau hier setzen Dorfkümmerer und Dorfkümmerinnen an. Sie schließen eine entstehende Versorgungslücke, indem sie Sorge- und Fürsorgearbeit koordinieren oder selbst übernehmen – Arbeit, die bislang oft unsichtbar war und überwiegend unbezahlt von Frauen geleistet wurde. Als verbindliche Anlaufstelle für Bürger stärken sie soziale Teilhabe, organisieren Unterstützung und bringen Menschen wieder zusammen. Je nach Schwerpunkt gestalten sie das Dorfleben integrativer, sichern alltägliche Versorgung und fördern Gemeinschaft. Damit leisten Dorfkümmerer nicht nur einen wichtigen Beitrag gegen Vereinsamung, sondern stärken auch Vertrauen in kommunale Strukturen und wirken demokratiefördernd. Die wachsende Zahl der Kümmerer und Kümmerinnen zeigt, wie dringend neue Formen der Daseinsvorsorge im ländlichen Raum gebraucht werden – und zugleich, dass „Sorgearbeit“ dieser Art eine angemessene gesellschaftliche Anerkennung braucht.

Wie viele sind es inzwischen landesweit?

In unserem Netzwerk sind derzeit 57 Dorfkümmerer und -kümmerinnen, aber mit eindeutig steigender Tendenz. Die Liste der interessierten Gemeinden, die auf dem Weg sind, das Konzept auch in ihrem Dorf durchzubringen, wächst jeden Tag. Das ist eine tolle, aber auch herausfordernde Entwicklung!

Wie kann man Dorfkümmerer und somit Mitglied des Netzwerkes werden? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Grundsätzlich können alle Teil des Netzwerks werden, die sich in ihrer Gemeinde als Kümmerer oder Kümmerin engagieren. Der Begriff „Dorfkümmererin“ ist dabei bewusst als Überbegriff gewählt und umfasst sehr unterschiedliche Formen des Engagements – etwa als Bürgerhelferin, Netzwerkerin, Seniorenlotsin oder in vergleichbaren Rollen. Wichtig ist: „Dorfkümmererin“ ist eine Funktion und keine geschützte Berufsbezeichnung. Es gibt keine einheitlichen Qualifikationsanforderungen oder festgelegten Ausbildungswege. Viele Kümmererinnen sind über ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement in diese Rolle hineingewachsen und haben bereits zuvor eine zentrale Funktion im Dorfleben übernommen. Gleichzeitig gehen immer mehr Gemeinden dazu über, Dorfkümmerinnen und Dorfkümmerer über offizielle Stellenausschreibungen zu finden und anzustellen. Interessierte Gemeinden oder Gemeinden, die bereits eine Kümmerin oder einen Kümmerer eingestellt haben, können sich einfach bei mir melden. Gern beraten wir auch Gemeinden bei der Etablierung von Dorfkümmerern. Derzeit entwickeln wir zudem eine Handreichung für Interessierte, die wir im Frühjahr veröffentlichen werden.

Interview: Iris Jaeger

Ein echter Gewinn für die Gemeinde

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Sie erledigen Einkäufe, übernehmen Fahrten zu Arztterminen, organisieren Treffen und Veranstaltungen, helfen bei Behördengängen, beim Ausfüllen von Formularen oder Fragen rund um PC und Internet. Sie verwalten das Gemeindehaus, holen Menschen aus der Einsamkeit, sind Bindeglied zwischen Bürgern, Verwaltung, Gemeinderat und Ehrenamt und sorgen auf diese Weise in Dörfern für Zusammenhalt, Gemeinschaft und Austausch. Dorfkümmerinnen und Dorfkümmerer in Schleswig-Holstein sind zu einem unverzichtbaren Bestandteil ländlicher Daseinsvorsorge geworden. In einer neuen Serie stellt das Bauernblatt einige von ihnen und ihre vielfältigen Aufgabenbereiche vor.

Den Anfang dieser Serie macht Dorfkümmerin Kirsten Clausen aus Sarlhusen bei Aukrug, Kreis Steinburg. Wir treffen sie an einem nieseligen, trübkalten Novembernachmittag im Dorfhaus „Ole School“. Immer am letzten Donnerstag im Monat öffnet das Haus für alle Sarlhusener Bürgerinnen und Bürger, es gibt Kaffee und Kuchen, es wird geklönt, man spielt Karten und isst gemeinsam zu Abend.

Besonders für die älteren Einwohner ist es eine willkommene Abwechslung und Gelegenheit, aus den eigenen vier Wänden herauszukommen, andere Dorfbewohner zu treffen und für ein paar Stunden gesellig beieinander zu sein. Aber auch Jüngere nutzen das Angebot und so entsteht ein reger Austausch. Kirsten Clausen sorgt dafür, dass es allen gut geht, sie sich wohlfühlen und versorgt sind: „Das ist eine Leidenschaft von mir, alle Leute zufriedenzustellen“, sagt sie. Eine Leidenschaft, die sie mitgebracht hat und die ihr bei ihrer Funktion als Dorfkümmerin hilft.

Ebenso wie ihre herzliche und fürsorgliche Art, die bei den Sarlhusener gut ankommt. „Sie ist ein echter Gewinn für unsere Gemeinde, sie geht auf die Menschen zu und hat viele Ideen“, lobt Sarlhusens Bürgermeister Ernst Scheel das Engagement der Dorfkümmerin, deren Aufgaben breit gefächert sind.

Neben dem Organisieren der monatlichen Klönschnacks im Dorfhaus ist sie vor allem dann unterstützend zur Stelle, wenn vorübergehende außergewöhnliche Lebenssituationen der Dorfbewohner es verlangen, weil Verwandte, Angehörige oder Freunde kurzfristig nicht zur Verfügung stehen. Dann übernimmt sie Fahrten zu Arztterminen oder anderen medizinischen Einrichtungen, besorgt Medikamente oder entsprechende Rezepte, fährt einkaufen oder tätigt Behördengänge. Dafür nutzt sie das gemeindeeigene Dörpsmobil.

Im Frühjahr 2022 hat die Gemeindevertretung Sarlhusen die Dorfkümmerin etabliert, um „Bürgerinnen und Bürgern in außergewöhnlichen Situationen mit Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit eine Unterstützung zu bieten“, lautet die Erklärung in einem dafür angefertigten Infoflyer. Darüber hinaus ist Kirsten Clausen Anlaufstelle und Impulsgeberin zur Stärkung der Dorfgemeinschaft sowie eine Vermittlerin von Freizeitangeboten.

Eine Aufgabenbeschreibung, die sie mit Leben und Leidenschaft füllt, zum Beispiel wenn sie an einem Tag in der Woche zum Sport treiben oder auch mal zu einer Suppenverkostung ins Dorfhaus einlädt. Bislang wurde noch jede ihrer Ideen von den Dorfbewohnern gut angenommen.

„Dorfkümmerer“ ist eine Funktion und keine Berufsbezeichung und kann je nach Gemeinde ganz unterschiedliche Aufgabenbereiche umfassen. Der Gemeinde Sarlhusen war es wichtig, mit der Teilzeitbeschäftigung von Dorfkümmerin Kirsten Clausen eine Voraussetzung dafür zu schaffen, dass die Lebensqualität im ländlichen Raum auch im hohen Alter und trotz des demografischen Wandels erhalten bleibt. „Es geht uns darum, es zu gewährleisten, das jeder so lange wie möglich in seinem Zuhause bleiben kann“, erklärt Bürgermeister Ernst Scheel.

Kirsten Clausen hat sich auch schon vor der Dorfkümmerinnenstelle ehrenamtlich unter anderem im Kinderfestverein engagiert, hat bei Festen und Veranstaltungen hinter dem Tresen mit ausgeholfen und gekellnert und hilft auch sonst, wo sie kann. „Wem willst du denn Nein sagen?“, so Clausen.

Nur wenn es um längerfristige Hilfe im Alltag geht, um pflegerische oder medizinische Tätigkeiten, dann vermittelt sie weiter an die Nachbarschaftshilfe oder ans DRK, zu denen sie ebenfalls einen guten Draht hat. Haushaltsnahe Dienstleistungen gehören nicht zu ihren Aufgaben. „Gardinen hänge ich nicht auf“, sagt Clausen, die in allem, was sie macht, von ihrer Familie unterstützt wird. Und auch der Bürgermeister sowie der Gemeinderat stehen hinter ihr und ermöglichen es ihr auf diese Weise, sich mit viel Spaß und Liebe ihren Aufgaben zu widmen.

Biodiversitätsmonitoring liefert wichtige Erkenntnisse

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Die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten (SHLF) und die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) setzen ihr langfristiges Biodiversitätsmonitoring in Naturwäldern fort.

Im Naturwald Guttauer Gehege der Försterei Kellenhusen wurde aktuell eine weitere Erhebungsrunde abgeschlossen. „Die Waldökologinnen und -ökologen der NW-FVA dokumentieren dabei präzise vorhandene Baumarten, Waldstrukturen, Mikrohabitate und das für viele Organismen unverzichtbare Totholz“, berichtet Udo Harriehausen, Abteilungsleiter Naturschutz bei den SHLF.

Der aktuelle Messpunkt in Kellenhusen ist einer von insgesamt 36 Standorten zwischen Glücksburg im Norden und Trittau im Süden, die regelmäßig und nach einem einheitlichen Verfahren untersucht werden. Jeder dieser Punkte wird im Fünfjahresrhythmus erneut aufgenommen. Dies schafft so eine belastbare Datengrundlage für langfristige Vergleiche und Erkenntnisse. Bereits im Sommer hatten die Fachleute unter anderem in der Försterei Glücksburg der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten umfassende Artenkartierungen vorgenommen. „Dabei wurden systematisch Fledermäuse, Vögel, ausgewählte Arthropoden und Pilze erfasst. Moderne Methoden wie Audiologger, deren Aufnahmen mithilfe Künstlicher Intelligenz ausgewertet werden, ermöglichen den Nachweis auch schwer zu beobachtender oder nachtaktiver Arten“, erzählt Harriehausen.

Fazit

Ziel des langfristigen Monitorings ist es, belastbare Aussagen über die Entwicklung der Biodiversität, den Einfluss des Klimawandels und strukturelle Veränderungen in Wäldern mit natürlicher Dynamik zu gewinnen. Die Ergebnisse sollen zukünftig auch dazu beitragen, die naturnahe Bewirtschaftung, integrativen Waldnaturschutz sowie eine klimaresiliente Entwicklung der Wirtschaftswälder weiter zu stärken.