Viele Gras- und Maissilagen der vergangenen Siliersaison befinden sich bereits in der Verfütterung oder wurden zumindest schon beprobt, um eine Datenbasis für die Rationsplanung zu haben. Leider gibt es immer wieder böse Überraschungen, wenn die Silage im Silo oder auf dem Futtertisch warm wird oder in den buntesten Farben blüht. Dann besteht Handlungsbedarf.
Im Allgemeinen liegt die Kerntemperatur, gemessen in der Mitte des Fahrsilos in etwa 1 m Tiefe, nach sechs Monaten Lagerdauer bei etwa 15 bis 20 °C. Das heißt, Grassilagen des ersten und zweiten Schnitts sind mittlerweile abgekühlt. Niedrige Umgebungstemperaturen bewirken eine stärkere Abkühlung in den Randschichten, diese passen sich deutlich schneller an die Außentemperatur an. Bei Frost bildet sich auf bereits aufgedeckter Silooberfläche Raureif (siehe Foto oben), eventuell aber nicht überall, und dann lässt sich die Nacherwärmung bereits beim bloßen Hinsehen erkennen. Oder sie lässt sich beim Aufdecken fühlen: Die Silage ist angenehm warm, im Extremfall sogar heiß.
Hefen als Verursacher der Nacherwärmung
Nacherwärmung entsteht unter aeroben Bedingungen, also wenn Sauerstoff verfügbar ist, durch die Stoffwechselaktivität der Hefen, die zunächst Restzucker und später auch Milchsäure „verspeisen“, was sich im Anstieg des pH-Wertes widerspiegelt. Temperaturunterschiede von fünf Grad im Vergleich zur Kerntemperatur beziehungsweise zwischen Silobereichen mit vergleichbaren Umweltbedingungen gelten als Indikator für Nacherwärmung. Über den pH-Wert-Anstieg sind die Hefen „Türöffner“ für andere, weniger säuretolerante Schadkeime, die nun ebenfalls wieder aktiv werden, Stoffwechsel betreiben und sich vermehren. Nacherwärmte Silage weist eine erhöhte Keimbelastung auf und gehört deshalb nicht auf den Futtertisch.
Sofortmaßnahmen gegen Lufteintrag
Nacherwärmung tritt in der Regel nach der Siloöffnung auf, wenn offene Silobereiche wie der Anschnitt wieder in Kontakt mit Luft kommen. Insofern gilt es, die dem Sauerstoff ausgesetzte Fläche zu minimieren. Die Größe der Anschnittsfläche ist über die Silogeometrie vorgegeben und lässt sich ausschließlich bei der Ernte über die Füllhöhe beeinflussen. Je kürzer die Abstände für das Aufdecken gewählt werden, optimalerweise alle zwei bis drei Tage, desto geringer ist die offene Silooberfläche. Als positiver Nebeneffekt wird die Auswaschung von Gärsäuren und weiterer löslicher Verbindungen bei Regen vermindert.
Eine durchgängige Querbarriere aus sich dachziegelartig überlappenden Kiessäcken auf der Folie am Anschnitt verhindert das Eindringen von Luft zwischen der Silooberfläche und der Folie. Bei Verwendung einer Doppelreihe kann beim Aufdecken zunächst eine Reihe nach hinten gezogen und wieder perfekt verlegt werden, bevor die vorderen Säcke bewegt werden. So wird auch ein kurzfristiges Flattern der Folie am Anschnitt unterbunden. Weitere Querbarrieren in 5 und 10 m Abstand bieten zusätzliche Sicherheit. Verschiedene Hilfsmittel (Gurte zum Einhängen, Schläuche aus Nicosilgewebe zum Einschieben) verhindern das Abrutschen der Säcke an steilen Flanken.
Weitere Maßnahmen zur Begrenzung des Lufteintrages sind die Verwendung einer nicht auflockernden Entnahmetechnik und die Erhöhung des Vorschubs. Wenn die Nacherwärmung erst auf dem Futtertisch einsetzt, kann der Einsatz von TMR-Stabilisatoren im Futtermischwagen einen Zeitpuffer schaffen.
Risikofaktoren für aeroben Verderb
Die erreichte Verdichtung spielt eine essenzielle Rolle für die Eindringtiefe der Luft. Je besser die Silage verdichtet ist, desto geringer ist die Größe der Poren zwischen den Partikeln. Besonders an den Flanken und in den oberen Schichten werden die Zielwerte häufig nicht erreicht. Hier kann die Luft tiefer in das Silo eindringen, bei starkem Wind auch bis zu 3 m weit. Die Verdichtung lässt sich im Nachhinein nicht mehr korrigieren. Verbesserungen sind in der nächsten Siliersaison unbedingt vorzunehmen, zum Beispiel eine Erhöhung des Walzgewichtes oder der Anzahl der Walzfahrzeuge, paralleles Befüllen mehrerer Silos, geringere Schichtdicken sowie langsamere und häufigere Überfahrten.
Zu langes Nachwalzen oder ein falscher Zeitpunkt können negative Auswirkungen haben. Die empfohlene Dauer liegt bei maximal 30 min, und zwar direkt nach Ende der Silobefüllung. Anderenfalls wird bereits gebildetes Kohlendioxid aus dem Silo gedrückt, beim Nachfedern füllen sich die Poren erneut mit Sauerstoff und Schadkeime (wie Bakterien, Hefen, Schimmelpilze) können sich weiter vermehren. Auch bei der Produktion von Sandwichsilagen darf das Walzfahrzeug erst auf das Silo fahren, wenn neues Erntegut aufgetragen wird.
Ein verzögerter Luftabschluss, beispielsweise am nächsten Morgen, ermöglicht über Nacht ebenfalls die Vermehrung aerober Schadkeime, sodass mit einer größeren Konkurrenz für die Milchsäurebakterien (MSB) in die Silierung gestartet wird. Eine Einsparung von Silofolie und Arbeitszeit durch den Verzicht auf die Unterziehfolie wirkt sich mit Ausnahme der Verwendung von speziellen Sauerstoffbarrierefolien negativ auf den Luftabschluss aus, da sich die normalen PE-Folien aufgrund ihrer Dicke und Beschaffenheit nicht gut an die Silooberfläche anpassen. Zudem kann über die Zeit Sauerstoff durch die Folie diffundieren.
Eine zu kurze Lagerdauer unter Luftabschluss von weniger als acht Wochen ist in vielen Fällen für aeroben Verderb verantwortlich. Ursachen können Beschädigungen durch Vögel (Schnäbel, Krallen) bei fehlendem Schutzgewebe oder eine zu frühe Siloöffnung sein. In solchen Fällen wird die noch nicht fertig fermentierte Silage erneut der Luft ausgesetzt und die noch nicht ausreichend unterdrückten Schadkeime können sich wieder vermehren. So reichen einigen Schimmelpilzarten sogar Sauerstoffgehalte von unter 1 % in der Umgebung zum Wachstum aus.
Gezielter Siliermitteleinsatz
Hefen sind sehr säuretolerant und können auch unter anaeroben Bedingungen Stoffwechsel betreiben (alkoholische Gärung mit dem Produkt Ethanol), sie werden erst nach langer Lagerdauer bei niedrigen pH-Werten unterdrückt. Ein wirksamer Hemmstoff gegen Hefen stellt die von heterofermentativen MSB gebildete Essigsäure dar, allerdings sind Gehalte von 2 bis 3 % erforderlich. Biologische Siliermittel der DLG-Wirkungsrichtung 2 enthalten entweder ausschließlich heterofermentative MSB oder Kombinationen aus homo- und heterofermentativen. Eine höhere Wirkungssicherheit bieten chemische Siliermittel (Salzlösungen oder Säuren), allerdings nur bei Einhaltung der Dosierung. Eine Unterdosierung kann gegebenenfalls eine partielle Hemmung der empfindlicheren Schadkeime bewirken, wodurch die unempfindlicheren aufgrund geringerer Konkurrenz erst recht Oberwasser gewinnen.
Biologische Siliermittel, die ausschließlich homofermentative MSB enthalten, bewirken eine schnelle pH-Wert-Absenkung im Silo, was grundsätzlich positiv zu bewerten ist. Da das Hauptgärprodukt jedoch Milchsäure ist, weisen mit diesen Mitteln behandelte Silagen nahezu keine Essigsäure auf, enthalten also keinen wirksamen Schutz gegen Hefen. Insofern ist von einem Einsatz in Silomais abzuraten. Auch bei den Grassilagen des ersten Aufwuchses 2025 führte der Einsatz dieser Siliermittel möglicherweise zu aerob instabilen Silagen. Aufgrund der über Wochen vorherrschenden Witterung (trocken, viel Sonne, kalte Nächte) enthielten die Gräser teilweise extrem viel Zucker (Beispiel Ernte am 13. Mai 2025 in Futterkamp für Versuche: 21 % Zucker, insgesamt 33 % wasserlösliche Kohlenhydrate). Häufig weist so erzeugte Silage nicht nur einen hohen Milchsäuregehalt auf, sondern enthält auch eine größere Menge Restzucker, also eine optimale Lebensgrundlage für Hefen.
Beratungs- und Fortbildungsangebote
Betroffene Betriebe, die ihr Ernte- und Silomanagement zukünftig verbessern wollen, können neben der telefonischen Beratung der Landwirtschaftskammer die Möglichkeit der Eler-Grünlandberatung nutzen (https://www.lksh.de/beratung/eler-gruenlandberatung).
Darüber hinaus werden auch 2026 wieder verschiedene Seminare angeboten, in denen mehr oder weniger intensiv auf verschiedene Aspekte der Futterkonservierung eingegangen wird (siehe „Seminarangebote mit Schwerpunkt Futterkonservierung“ unten).
Fazit
Da die Grobfutterqualität maßgeblich die Rationsgestaltung und die Futteraufnahme beeinflusst, ist aerober Verderb im Silo, der sich in Form von Nacherwärmung oder Schimmelpilzwachstum zeigt, ein Problem, das nicht ignoriert werden darf. Die Sofortmaßnahmen zielen darauf ab, den Lufteintrag so gering wie möglich zu halten. Für die kommende Siliersaison empfiehlt es sich schon jetzt, über Änderungen im Ernte- und Silomanagement nachzudenken und sich gegebenenfalls Hilfe in Form von Beratung oder Fortbildungen zu suchen.
Seminarangebote mit Schwerpunkt Futterkonservierung
Es gibt noch freie Plätze, Anmeldung über Agrarterminkalender: https://www.lksh.de/aktuelles/agrarterminkalender
• Fütterung beginnt nicht erst am Futtertisch, jeweils 9 bis 13 Uhr,
3. Feb.: Schleswig; 5. Feb.: Sprakebüll, 10. Feb.: Rendsburg
• Workshop Futterkonservierung, jeweils 9 bis 16 Uhr, 12. Feb.: Ellerhoop, 24. März: Rendsburg
• DLG-Seminar „Der Siloprofi“ – Anmeldung über DLG-Akademie: https://www.dlg-akademie-agrar.de/de/veranstaltungen/der-siloprofi-futterkamp, drei Tage, 28. bis 30. Jan. in Futterkamp




