In den Anbaugebieten, in denen Raps ab Anfang der 2000er Jahre intensiver angebaut worden ist, ist die Kohlhernie zur bedeutendsten Fruchtfolgekrankheit geworden. Heute tritt sie auf mehr als der Hälfte der Rapsanbaufläche auf. Welche Sorten kommen beim Anbau in Schleswig-Holstein infrage?
Kohlhernie ist kein Pilz, sondern ein parasitisch lebender Einzeller. Die Dauerstadien dieses Einzellers können auch nach mehr als 20-jähriger Anbaupause im Boden nachgewiesen werden. Kohlhernie befällt nicht nur Raps, sondern auch viele andere Kreuzblütengewächse wie Hederich, Rauke, Hirtentäschel. Auch Zwischenfrüchte wie Senf und Rettich kann der Einzeller zur Vermehrung nutzen. Die Zoosporen der Kohlhernie bewegen sich in der Bodenlösung schwimmend fort und werden durch Wurzelausscheidungen angezogen. In trockenen Jahren ist daher der Infektionsdruck geringer, sodass Kohlhernie nicht in jedem Jahr auftritt.
20 Jahre Züchtungsfortschritt
Mit der Sorte ‚Mendel‘ kam 2002 die erste kohlhernieresistente Sorte auf den Markt. Bis dato ist die ‚Mendel’-Resistenz immer noch die einzige vorhandene Resistenz gegen den Erreger und wird von allen Züchtern eingesetzt.
Dabei zeigte sich anfänglich, dass die Ausprägung der Resistenz durch Bildung von Abwehrstoffen dazu führt, dass dies die Pflanze Energie und somit Ertrag kostet. Dass die Kohlherniesorten den Normalhybriden ertraglich unterlegen waren, dauerte etwa bis 2017. Bis dahin hatte man die Wahl, auf den von Kohlhernie befallenen Flächen auf etwas Ertrag oder eben ganz auf Raps zu verzichten.
Mit der Sorte ‚Crome‘ gelang es dann 2017, die Ertragslücke zu den nichtresistenten Vergleichssorten – damals unter anderem die Sorte ‚Penn‘ – zu schließen. Weitere Sorten mit kombinierter Resistenz- und Hochertragsgenetik folgten aus den Häusern NPZ und DSV im Rapool-Ring, der in diesem Jahr die 20-jährige Markteinführung von ‚Mendel’ feiern kann. Typischerweise beginnen die Namen dieser Sorten mit Cr – dem Akronym für „Clubroot”, dem englischen Wort für Kohlhernie.
Die ‚Mendel’-Resistenz selbst bildet nach wie vor das Rückgrat aller kohlhernieresistenten Sorten. In der neuesten Züchtungsgeneration ist sie an mehreren Orten im Genom platziert, sodass die Ausbildung der Abwehrstoffe beim Transkribieren der DNA auf einem gesteigerten Niveau stattfindet und die Resistenz somit deutlich stärker ist. Der neue Resistenztyp wird vom Züchter Cr1e genannt.
Am beschleunigten Züchtungsfortschritt haben auch moderne Selektionsmethoden wie das Next Generation Genome Sequencing einen hohen Anteil. Das automatisierte Lesen der Gene ermöglicht es, die Resultate der Züchtungsarbeit bereits an sehr jungen Keimpflanzen zu untersuchen. Man muss nicht mehr bis zum Feldtest warten, um die Leistungsfähigkeit einer Sorte abschätzen zu können.
Nach und nach ist es auch den anderen Züchterhäusern gelungen, ihre spezifische Hochertragsgenetik mit der ‚Mendel’-Resistenz zu kombinieren. Dadurch konnte das gesamte Ertragsniveau der Leistungsprüfung in den vergangenen Jahren auf das der Landessortenversuche gesteigert werden.
Leistungsprüfung der Kohlherniesorten
Die Leistungsprüfung der Kohlherniesorten wurde 2021/2022 an vier Orten angelegt, wovon nur zwei Orte statistisch auswertbar waren. Die Prüfung in Kastorf ist bereits im Herbst so stark durch den Erdfloh geschädigt worden, dass sich der Bestand nur mit halber Pflanzenzahl etablieren konnte. Der Bestand in Elskop wurde im Herbst vom Erdfloh befallen und zudem von Tauben geschädigt, die mittleren beiden Wiederholungen wiesen nur den halben Ertrag auf im Vergleich zu den beiden äußeren Wiederholungen. Der Versuch wurde zwar beerntet, nach der Auswertung war aber klar, dass anhand der Zahlen keine Beurteilung der Sortenleistung möglich war.
Aufgrund des noch überschaubaren Sortenumfangs wurde die Leistungsprüfung im vergangenen Jahr zweifaktoriell angelegt und wird einmal nach den Richtlinien des Bundessortenamtes unbehandelt, also ohne Wachstumsregler und Fungizide, geführt und einmal, entsprechend den örtlichen Gegebenheiten, mit beidem behandelt. Insektizidmaßnahmen und Unkrautbekämpfung finden jedoch im gesamten Versuch analog zur Praxis statt. Die Ergebnisse sind in den Tabellen 1, 2 und 3 dargestellt. Die Ertragsunterschiede zwischen der unbehandelten und ortsüblichen Variante sind signifikant. Es zeigt sich aber, dass die besten Sorten sowohl in der behandelten als auch in der unbehandelten Variante vorn liegen.
Ergebnisse und Sortenempfehlung
Die Sorte ‚Crossfit‘ scheint am wenigsten auf das Weglassen der Fungizide zu reagieren. Ihre absoluten Kornerträge sind in beiden Varianten identisch, und das bei dem ansprechenden Leistungsniveau der anfälligen Vergleichssorten ‚Ambassador‘ und ‚Smaragd‘.
Die Marktführer ‚Croozer‘ und ‚Crocodile‘ haben wieder einmal ihr Leistungsniveau bestätigt, reagieren aber deutlich besser unter praxisnahen Bedingungen. Die Sorten ‚Creed‘ und ‚Cromat‘, die in die gleiche Genetik haben, sind noch zu jung, um sie voll zu empfehlen, aber besonders ‚Cromat‘ scheint sich ertraglich vor ‚Crocodile‘ zu positionieren.
‚LG Alledor‘ scheint in diesem Jahr ihrem Nachfolger ‚LG Scorpion‘ überlegen zu sein. Die Ertragsgenetik der Firma Limagrain ist jedoch auf leichten und zu Trockenheit neigenden Standorten ungeschlagen. Das erkennt man besonders an der Sorte ‚Ambassador‘ in Futterkamp. Unter optimalen Bedingungen mit lokaler Genetik erreicht die Sorte immer noch sehr gute Erträge, wird aber überholt. Im kommenden Jahr wird es wieder einen Geeststandort im Rapsversuch geben, wo sich diese Einschätzung hoffentlich erneut bestätigen wird.
Interessant ist auch das Sortenmerkmal „Schotenplatzfestigkeit“, welches besonders auf verschießenden Standorten mit ungleichmäßiger Abreife Bedeutung hat. Unter der Schotenplatzfestigkeit leidet jedoch der Ölgehalt einer Sorte, sodass schotenplatzfeste Sorten selten in der Marktleitung prozentual gegenüber den Kornerträgen zulegen.
Was ist bei der Aussaat 2022 zu beachten?
Die Sorten ‚DK Placid‘, ‚SY Alitop‘ und ‚SY Aliwin‘ werden von den Züchtern nicht weiterverfolgt. Sie werden bereits zur anstehenden Aussaat durch vielversprechende Nachfolgerinnen ersetzt. Neu in den Versuch der Landwirtschaftskammer mit aufgenommen werden die ersten resistenten Sorten von der KWS. Das gesamte Sortiment in der Kohlhernieprüfung umfasst zur Aussaat 2022 bereits 16 Sorten.
Da die Leistungsprüfung der Kohlherniesorten außerhalb des amtlichen Prüfwesens steht, ist das Sortiment in diesem Marktsegment sehr jung und voll auf der Höhe des Züchtungsfortschrittes. Mit der Sorte ‚LG Alledor‘ wurde im gesamten Prüfwesen vor drei Jahren die erste multiresistente Sorte aufgenommen. Die Voraussetzung für die Aufnahme in diesen Versuch ist, dass zur Ernte bereits Saatgut, sei es über eine EU-Zulassung oder unter deutsch-orangefarbenem amtlichen Etikett, im Handel verfügbar ist.
Die Ergebnisse Landessortenversuche Raps finden sich hier.



