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Özdemir gibt Flächen frei

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Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) spricht von einem Kompromiss zugunsten der Ernährungssicherung. Am Freitag, 5. August, hat er den Ländern seinen in der Bundesregierung abgestimmten Vorschlag zur Umsetzung der Kommissionsentscheidung zum Aussetzen von Fruchtwechsel und Flächenstilllegung unterbreitet und einer Aussetzung für 2023 zugestimmt.

Die Landwirtschaft in Deutschland habe ein Angebot gemacht, durch Beibehalten der Produktion die Getreidemärkte zu beruhigen, sagte Özdemir zur Vorstellung seines Vorschlages. Die EU hatte in der Woche zuvor den Rahmen für die Umsetzung geschaffen.

Der Vorschlag des Bundeslandwirtschaftsministeriums lautet: Die erstmalige verpflichtende Flächenstilllegung soll im kommenden Jahr ausgesetzt werden. Stattdessen soll weiterhin ein landwirtschaftlicher Anbau möglich sein, allerdings nur von Getreide (ohne Mais), Sonnenblumen und Hülsenfrüchten (ohne Soja). Das gilt nur für die Flächen, die nicht bereits 2021 und 2022 als brachliegendes Ackerland ausgewiesen waren. Die bestehenden Artenvielfaltsflächen werden dadurch weiterhin geschützt und können ihre Leistung für Natur- und Artenschutz sowie eine nachhaltige Landwirtschaft erbringen. Wissenschaftliche Berechnungen gehen davon aus, dass damit etwa 100.000 bis 180.000 ha Acker weiterhin für die Getreideproduktion zur Verfügung stehen. Damit können etwa 600.000 bis 1 Mio. t Getreide zusätzlich produziert werden.

Die Regelung zum Fruchtwechsel soll einmalig im Jahr 2023 ausgesetzt werden. Damit können Landwirte in Deutschland auch im Jahr 2023 Weizen nach Weizen anbauen. In den Vorjahren war dies auf etwa 380.000 ha der Fall. Nach wissenschaftlichen Berechnungen könnten damit bis zu 3,4 Mio. t Weizen mehr erzeugt werden.

Özdemir betonte, auf diese Art und Weise gelinge es am besten, die Getreideerträge in Deutschland konstant zu halten und damit zur Stabilität der Weltmärkte beizutragen.

Schwarz begrüßt Vorschlag aus dem BMEL

Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU) sagte in einer Stellungnahme: „Ich begrüße den Vorschlag des Bundeslandwirtschaftsministeriums zur temporären Aussetzung der Flächenstilllegungen und zum Fruchtwechsel ausdrücklich und werde diesem zustimmen. Nachdem ich auf der Sonder-Agrarministerkonferenz Ende Juli auf mögliche Fallstricke für die Landwirtinnen und Landwirte im Land aufmerksam gemacht habe, konnten ein Großteil der offenen Fragen in intensiven Bund-Länder Gesprächen ausgeräumt werden. Die Landwirtinnen und Landwirte im Land haben keine Nachteile bei der Inanspruchnahme der Ausnahmeregelung zu befürchten. Das war mir wichtig!“ Lediglich ein Hinweis fehlt in der aktuellen Beschlussvorlage: Trotz der Ausnahmeregelung muss spätestens im dritten Jahr auf jeder Fläche eine andere Kultur angebaut werden. Die Anwendung der Ausnahmeregelung unterbricht diese Anforderung beim Fruchtwechsel nicht.

Das Einlenken von Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir bei Stilllegung und Fruchtwechsel ist erwartungsgemäß durchwachsen aufgenommen worden.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) begrüßte die Entscheidung des Ministers. Diese war nach den Worten von DBV-Präsident Joachim Rukwied „überfällig und kommt in letzter Minute“. Er wies darauf hin, dass die Bauern bereits mit der Anbauplanung für das kommende Jahr begonnen hätten und Planungssicherheit brauchten.

Sichere Versorgung braucht mehr

Eine Aussetzung für nur ein Jahr hält Rukwied deshalb für „ sicherlich nicht ausreichend“. Um weiterhin eine sichere Lebensmittelversorgung gewährleisten und in Krisenzeiten reagieren zu können, müssten die Bauern alle Flächen nutzen können, auf denen es landwirtschaftlich sinnvoll sei. „Die Bundesländer müssen dies jetzt zügig bestätigen“, forderte der DBV-Präsident.

Währenddessen warf Green­peace Özdemir vor, mit der Freigabe von Brachflächen zum Brotgetreideanbau dem Druck der Agrarlobby nachgegeben zu haben.

Greenpeace-Landwirtschaftsreferent Matthias Lambrecht monierte, dass die ohnehin viel zu geringen Flächen zum Schutz der Artenvielfalt in der Landwirtschaft wirtschaftlichen Interessen geopfert werden sollten. Nach seiner Auffassung ist die Ernährungssicherung in Kriegszeiten nur ein Vorwand, um wertvolle Biotope unterzupflügen. Dort angebauter Weizen werde erst im nächsten Jahr und zudem in nicht ausreichender Menge zur Verfügung stehen, um der akuten globalen Hungerkrise wirkungsvoll zu begegnen. Sinnvoller wäre Lambrecht zufolge ein konsequenter Ausstieg aus der Produktion von Biosprit.

FDP sieht erfolgreiche Überzeugungsarbeit

„Es ist gut, dass Cem Özdemir letztlich erkannt hat, wie ernst die globale Hungerkrise ist, und dass Landwirten jetzt ermöglicht werden soll, mehr Getreide anzubauen“, konstatierte die stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Carina Konrad. Nach ihrer Einschätzung haben „die Überzeugungsarbeit und die zahlreichen Diskussionen in der Koalition sich in diesem Punkt gelohnt“. Nun müssten die Regelungen schnell und rechtssicher umgesetzt werden, denn die Aussaat stehe unmittelbar bevor, mahnte Konrad.

Umweltorganisationen kritisieren Özdemirs Vorschläge scharf. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sprach von einem „Armutszeugnis“ für die deutsche Landwirtschaftspolitik. „Es ist völlig unverständlich, weshalb die für 2023 neu vorgesehenen Biodiversitätsflächen, die zudem ein geringes Ertragspotenzial aufweisen, dem Anbau von Getreide weichen sollen“, sagte Nabu-Präsident Jörg-Andreas Krüger. Ohne diese Rückzugsräume für Insekten oder Vögel in der ausgeräumten Agrarlandschaft würden vielmehr die Ökosysteme weiter geschwächt, ohne die eine Ernährungssicherung langfristig undenkbar sei. Nach seinen Angaben könnten durch die Ausnahmeregelung zwischen 600.000 t und 1 Mio. t Getreide zusätzlich erzeugt werden. Produktionssteigerungen in dieser Größenordnung hätten jedoch kaum Einfluss auf den Weltmarktpreise. Von der Getreideernte des Vorjahres würden 25 Mio. t im Futtertrog landen; in der Reduktion dieser Mengen und der Verwendung für Biosprit liege daher der weitaus größere Hebel, um Getreide für die menschliche Ernährung zur Verfügung zu stellen.

Umweltverbände sparen nicht an Kritik

Auch der World Wide Fund for Nature (WWF) nahm den Treibstoff vom Acker ins Visier. Allein die Herstellung von Agrokraftstoffen in Deutschland nutze rund 2,5 Mio. ha landwirtschaftlicher Fläche weltweit. Die auf diesen Flächen angebauten Rohstoffe wie Weizen, Raps, Mais, Rüben und Soja könnten auch zur menschlichen und tierischen Ernährung verwendet werden.

„Bundesminister Cem Özdemir beugt sich offenbar dem Druck der Agrarlobby“, beklagte der agrarpolitische Koordinator des WWF, Johann Rathke. Nach seinen Worten wäre es sinnvoller, einen Sofortausstieg aus Agrokraftstoffen umzusetzen und unverzüglich die Weichen für eine ambitionierte Ernährungswende zu stellen. Stattdessen wähle die Bundesregierung „eine Variante, die erst in einem Jahr kaum Mehrertrag bringt, dafür aber die Artenkrise in der Agrarlandschaft weiter vorantreibt“.

Der Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) kritisierte eine „rückwärtsgewandte Entscheidung“ und sprach ebenfalls vom Einknicken vor der Agrarlobby. „Resiliente Ernährungssysteme können wir nur erreichen, wenn wir langfristig unsere natürlichen Ressourcen sichern. Anstatt wichtige Umweltstandards aufzugeben, ist es dringend notwendig, ökologisch wertvolle Biodiversitätsflächen in der Agrarlandschaft zu sichern und auszubauen“, betonte DNR-Geschäftsführer Florian Schöne.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warf der Bundesregierung vor, gegen den Geist des Koalitionsvertrags zu verstoßen. Die Ampel habe eine ökologischere Agrarpolitik vereinbart, setze nun aber das Gegenteil in die Realität um. Auch die DUH fordert, jegliche Förderung für Agrosprit sofort zu beenden und Flächen für die Lebensmittelproduktion umzuwidmen. age/mbw

Getreide ist im Krieg ein großes Geschäft

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Normalität am Getreidemarkt, die ein Ausbalancieren und die Preisbildung zwischen Angebot und Nachfrage abbildet, ist passé seit dem russischen Angriff auf die Ukraine. Aus Lieferungen „just in time“ wurde „just in case“, falls Ware vorhanden ist. Das hat die Märkte aufgeheizt. In Lägern der Ukraine lagern schließlich 20 Mio. t Getreide aus der Ernte 2021 die dem Markt entzogen wurden, durch die Zerstörung und Blockade der ukrainischen Hafenanlagen am Schwarzen Meer. Nach langen Verhandlungen zwischen der Ukraine, Russland, der UN und der Türkei, die die Rolle des Vermittlers übernahm, haben am 1. August die ukrainischen Schwarzmeerhäfen Odessa, Tschornomorsk und Pivdennyj ihre Arbeit nach gut fünfmonatiger russischer Blockade wieder aufgenommen. Nach Angaben der ukrainischen Hafenverwaltung sind in den ersten neun Tagen zwölf Schiffe mit einer Fracht von insgesamt 370.000 t Agrargütern ausgelaufen. Weitere Schiffe stehen zur Beladung bereit, sodass das angepeilte Ziel, monatlich bis zu 3 Mio. t umzuschlagen, in Reichweite gelangt.

Der Türkei übernimmt dabei eine nicht unwesentliche und womöglich eigennützige Rolle. Mit ihrer Moderations- und Überwachungstätigkeit muss die Türkei auch das Ziel verfolgen, zur Beruhigung der Lage im eigenen Land beizutragen. Denn das Land am Bosporus hat in dieser Saison wegen extremer Trockenheit einen ungewöhnlich hohen Importbedarf an Getreide. Die Erzeugung kann den Getreidebedarf der 85 Millionen Menschen im Land nicht decken. Besonders hoch ist der Weizenbedarf. Denn zur Inlandsnachfrage kommen seit Jahren mehrere Millionen Tonnen für die Exportvermahlung hinzu. Die Türkei zählt global zu den größten Weizenmehlexportländern und hält große Marktanteile vor allem im Irak und im Jemen. Entsprechend groß ist der türkische Importbedarf. Der Wertverfall der türkischen Lira verteuert diese Importe nun von Monat zu Monat. Auch die Verbraucher leiden unter der extremen Inflation und steigenden Brot- und Lebensmittelpreisen. Bei diesem Szenario wird die Erinnerung an den arabischen Frühling wach, an die Proteste, die schließlich in einer Revolution und mit dem Sturz des autokratischen Präsidenten Ägyptens Husni Mubaraks endeten. Während man in den vergangenen Jahren in der Öffentlichkeit eher über Energie oder Rüstungsgeschäfte mit Moskau diskutiert hat, ist die Abhängigkeit der Türkei im Bereich Getreideimport immer größer geworden. Wegen steigender Energie- und Personalkosten wanderten in den vergangenen Jahren viele türkische Firmen nach Russland ab. Dort gründen sie ihre Produktionsstätten für Getreide und Mehl. Bei der Eskalation der Ukraine-Krise sehen Experten keine klare Planung für die Krisenversorgung.  

Seitdem erste Schiffe durch die minenbestücken Häfen geleitet werden, lassen sich wieder zarte Marktmechanismen erkennen. „Weizen- und Maiskurse fallen, da immer mehr Schiffe aus der Ukraine auslaufen“, kommentieren Rohstoffhändler. Noch ist das Vertrauen in den Verschiffungskorridor vage, doch die Entwicklungen der vergangenen Tage deuten darauf hin, dass sich die Situation schneller verbessern könnte als erwartet. Darauf haben die Terminbörsen in Chicago (CBOT) und Paris (Matif) mit Kurskorrekturen reagiert. Die Weizenkurse an der Matif sind hin- und hergerissen zwischen den Fortschritten bei der Einrichtung des Seekorridors für ukrainische Transporte und der anhaltend regen Exportnachfrage nach europäischem Weizen.

Es besteht die Hoffnung, dass die Preisbewegungen am Getreidemarkt zukünftig wieder mehr auf Fundamentaldaten basieren, das heißt auf dem Grundkonzept von Angebot und Nachfrage und weniger auf angstbasierten psychologischen Faktoren. Doch solange der Export aus der Ukraine mit großen logistischen Herausforderungen verbunden ist, sind unerwartete Ausschläge in beide Richtungen weiter möglich.

Mechthilde Becker-Weigel

Marktkommentar, Marktlage und Markttendenz KW 3222

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Seit Monaten wird von steigenden Preisen und Lieferengpässen in vielen Bereichen berichtet. Auch die Betriebsmittel für die Landwirtschaft sind knapp und teuer geworden. Doch mittlerweile scheint es, als würde sich die Lage in vielen Bereichen beruhigen. Die heiß gelaufenen Märkte kühlen sich langsam ab. Dies gilt jedoch leider auch für die Erlöse der Marktfrüchte. Die Weizen- und Rapskurse haben sich seit dem Erntebeginn um ein Drittel reduziert. Der Rückgang der Betriebsmittelpreise, etwa für Düngemittel und Energie, hält sich jedoch in Grenzen. Dabei liegen die Kurse für Rohöl am Terminmarkt in New York wieder auf dem Niveau vor Kriegsausbruch in der Ukraine. Zu Wochenbeginn wurden hier 89 US-$/bbl notiert. Während die Dieselpreise zum Jahresbeginn bei 1,50 €/l lagen, werden aktuell immer noch 1,90 €/l an den Tankstellen verlangt. Dies ist auch unter Berücksichtigung des schwachen Eurokurses immer noch zu teuer. Im September drohen sogar weitere Preisaufschläge, da dann die vorübergehende Steuerermäßigung für Mineralölprodukte ausläuft.

Märkte beruhigen sich

Doch auch die Kurse für andere Rohstoffe tendieren wieder schwächer. So gilt der Kupferpreis als Gradmesser für die globale Konjunktur. Am Terminmarkt in London wurde Anfang März dieses Jahres ein Rekordwert von mehr als 10.800 US-$/t erreicht. Mittlerweile sackte er um mehr als 30 % auf zeitweise knapp 7.000 US-$ ab. Preise für andere Rohstoffe hatten schon vergangenes Jahr, als die Konjunktur in vielen Teilen der Welt noch besser lief, Rekordhöhen erreicht. Dazu gehört unter anderem Eisen­erz. Im Juli vergangenen Jahres kostete 1 t bis zu 220 US-$. Heute sind es nur noch rund 110 US-$/t. Ähnlich entwickelt sich der Stahlpreis, obwohl darin ja nicht nur der Rohstoff Erz, sondern auch jede Menge Energie steckt, deren Preis weiter auf Rekordniveau liegt. Sinkende Preise zeichnen sich aber keineswegs nur bei börsennotierten Rohstoffen ab. Selbst bei Computerchips, deren Knappheit inzwischen seit rund zwei Jahren weltweit Schlagzeilen macht, purzeln die Preise. Mit dem Blick auf die aktuelle Entwicklung in Taiwan könnten hier jedoch die Kurse demnächst wieder steigen.

Auch in anderen Bereichen sind weiterhin starke Preisschwankungen möglich. Die Märkte bleiben nervös. Man beobachtet die Entwicklung der Konjunktur und die globalen Konflikte. Eine Warnung vor verfrühter Hoffnung auf ein Ende der globalen Preisrallye ist der Kurs von amerikanischem Bauholz. Der für die US-Bauwirtschaft wohl wichtigste Rohstoff zeigte einen der ersten großen Lieferengpässe, der Teile der Wirtschaft lahmlegte. Dann platzte die Blase, der Preis brach innerhalb weniger Wochen um mehr als 70 % ein, um Ende vergangenen Jahres bis zu diesem Frühjahr allerdings erneut um etwa das Dreifache zuzulegen und dann wieder abzustürzen.

Dennoch sind Ökonomen der Meinung, dass viele Preise aktuell eher fallen werden als weiterzusteigen. Dies würde die Inflation wirksam begrenzen.

Sonderumlage für Energieversorger

In der EU und vor allem in Deutschland bleibt jedoch das Problem der hohen Energiekosten. Auch wenn die Preise an den Tankstellen etwas nachgeben, bleiben die Forderungen für Erdgas weiter sehr hoch. Russland drosselt die Zufuhr und versucht, damit die Öffnung der Gasleitung Nordstream ​2 zu erzwingen. Neben vielen privaten Verbrauchern ist dadurch auch die Industrie betroffen. Diese verbraucht einen Großteil der Erdgaseinfuhren. Die Politik muss jetzt abwägen, wie sie das knappe Gas verteilt. Einschränkungen sind in allen Bereichen notwendig. Zu den bereits erhöhten Kosten kommen jetzt zusätzliche Umlagen dazu, um die Energieversorger vor einer Insolvenz zu schützen. Die hiesigen Düngemittelhersteller haben sowieso schon das Problem, dass hierzulande günstige Importware angeboten wird. Dies betrifft zum Beispiel Harnstoff aus Nordafrika. Dort sind die Erdgaspreise um das Zehnfache niedriger. Der hiesige Handel setzt jedoch auf Qualitätsvorteile der im Inland erzeugten Ware.

Auch Strom bleibt teuer. Man rechnet damit, dass die Abschlagszahlungen im kommenden Jahr 2,5-mal so hoch wie im laufenden Jahr ausfallen könnten.

Marktlage für die Woche vom 8. bis 14.8.2022

Getreide: Die Weizenernte läuft mittlerweile landesweit. Die Exporte aus der Ukraine haben die Kurse in der Vorwoche reduziert.

Raps: Auch die Rapskurse gaben nach der Öffnung der Häfen in der Ukraine nach, konnten sich anschließend wieder erholen.

Futtermittel: Die US-Sojakurse schwanken auf dem zuletzt wieder erhöhten Niveau. Futtergetreide wird günstiger.

Kartoffeln: Die Rodungen der Anschlusssorten laufen. Die Nachfrage in den Urlaubsregionen bleibt rege.

Schlachtrinder: Die Kurse für Jungbullen wurden in der Vorwoche erhöht, da zu wenig Angebot vorhanden war.

Schlachtschweine/-sauen: Trotz des kleinen Angebotes blieben Preisaufschläge aus, da der Fleischabsatz sehr ruhig war.

Ferkel: Die Kurse blieben auch in der Vorwoche unverändert. Das Angebot an freien Ferkeln geht zurück.

Milch: Die Preise für Milchprodukte haben Anfang August sowohl auf der Fett- als auch auf der Eiweißseite nachgegeben.

Schlachtlämmer/-schafe: Die Nachfrage übersteigt etwas das Angebot. Die untere Spanne der Kurse steigt leicht an.

Markttendenz für die Woche vom 15. bis 21.8.2022

Getreide: Der Markt bleibt nervös. Die Kurse finden keine klare Richtung und reagieren auf jede Nachricht mit Preisausschlägen.

Raps: Pflanzliche Öle und Ölschrote bleiben weltweit gefragt. Trotz guter Ernten können sich die Notierungen behaupten.

Futtermittel: Sorge bereiten die Maisbestände. Vielerorts fehlen weitere Grassilageernten. Sojaschrot bleibt relativ teuer.

Kartoffeln: Insgesamt bleibt das Angebot für die saisonal ruhige Nachfrage zu groß. Die Kurse geben etwas nach.

Schlachtrinder: Das Angebot an Schlachtkühen bleibt bei den aktuellen Milchpreisen begrenzt, die Preise sind stabil.

Schlachtschweine/-sauen: Das Ferienende und der Export bringen Nachfrageimpulse. Höhere Auszahlungspreise sind möglich.

Ferkel: Vorerst bleiben die Kurse stabil. Je nach Entwicklung im Schweinehandel sind höhere Ferkelkurse möglich.

Milch: Die hohen Temperaturen und die Ferienzeit haben die Nachfrage verringert. Das Preisniveau bleibt jedoch relativ hoch.

Schlachtlämmer/-schafe: Die Grünlandflächen leiden unter der Trockenheit. Die Lämmer werden zum Teil zugefüttert.

Kräftiger Rückgang der Fleischerzeugung

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In Deutschland wird immer weniger Fleisch produziert. Die gewerbliche Fleischerzeugung nahm im ersten Halbjahr 2022 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um gut 300.000 t oder 7,9 % auf 3,53 Mio. t ab, berichtet das Statistische Bundesamt (Destatis).

Der seit einigen Jahren anhaltende Negativtrend der Fleischproduktion hat sich verstärkt. Vor vier Jahren wurden gut 4 Mio. t Fleisch erzeugt, im ersten Halbjahr 2022 waren es noch 3,53 Mio. t. Alle wichtigen Tierarten verzeichneten im Berichtszeitraum Rückgänge, allerdings gab es große Unterschiede im Ausmaß.

Den Wiesbadener Statistikern zufolge waren die stärksten Einbußen im Bereich Schweinefleisch zu verzeichnen. Von Januar bis Juni kamen in den gewerblichen Schlachtbetrieben 23,78 Millionen Schweine an die Haken; das waren 2,33 Millionen oder 8,9 % weniger als in der Vorjahresperiode. Weil in Zeiten hoher Futterkosten die durchschnittlichen Schlachtgewichte um rund 1 kg auf 96,3 kg pro Tier fielen, nahm die Schweinefleischerzeugung um rund 254.000 t oder 10,1 % auf 2,27 Mio. t ab.

Schweinehaltung in Deutschland geht zurück

Ein wichtiger Grund dafür sei die rückläufige Schweinehaltung in Deutschland, erläuterte Destatis. Im Mai 2022 war der Bestand gegenüber der Vorjahreserhebung um 2,42 Millionen Tiere oder 9,8 % auf 22,29 Millionen Stück eingebrochen; das war das niedrigste Niveau seit der deutschen Vereinigung 1990. Werden auch Hausschlachtungen berücksichtigt, stammten im ersten Halbjahr 2022 in den Schlachtbetrieben rund 23,19 Millionen Schweine aus heimischen Ställen; im Vergleich zur Vorjahresperiode war das ein Minus von 2,36 Millionen Stück oder 9,2 %.

Nach dem Einbruch im vergangenen Jahr hat sich zwar die Zahl der hierzulande geschlachteten Schweine aus dem Ausland wieder um 3,9 % auf 622.100 Tiere erhöht, doch waren das im Vergleich zum ersten Halbjahr 2020 noch immer fast 844.000 Stück oder 59 % weniger. Hinzu kommt, dass im ersten Halbjahr 2022 auch weniger Ferkel nach Deutschland geliefert wurden, aus den Niederlanden beispielsweise 25 % weniger als im Vorjahreszeitraum.

Weniger Kühe und Schlachtkühe

Das Aufkommen an Schlachtrindern verringerte sich nach Angaben von Destatis gegenüber der ersten Jahreshälfte 2022 um 127.200 Tiere beziehungsweise 8,1 % auf etwas mehr als 1,44 Millionen Stück. Die daraus erzeugte Rindfleischmenge ging um 9,1 % auf 476.100 t zurück. Das mittlere Schlachtgewicht nahm dabei gegenüber der Vorjahresperiode um 3,6 kg auf 329,5 kg ab. Mitverantwortlich für das Minus bei der Rindfleischerzeugung waren die um gut 10 % auf 475.000 Stück gesunkenen Lieferungen von Kühen an die Schlachtbetriebe.

Aber auch bei Jungbullen einschließlich Ochsen fiel das Lebend­angebot mit einem Rückgang von gut 47.200 Tieren oder 7,9 % deutlich kleiner als im ersten Halbjahr 2021 aus. Zudem wurden 8,2 % weniger Färsen und 0,8 % weniger Kälber geschlachtet.

Bei Schafen beziehungsweise Lämmern war ebenfalls ein spürbarer Rückgang des Aufkommens zu verzeichnen. Die gewerblichen Schlachtungen nahmen hier um 9,0 % auf 552.500 Tiere ab, die erzeugte Fleischmenge sank um 8,1 % auf 11.400 t.

Weitaus weniger stark als bei den anderen Fleischsorten ging im Halbjahresvergleich die erzeugte Menge an Geflügelfleisch in den gewerblichen Unternehmen zurück, und zwar nur um 1.800 t oder 0,2 % auf 771.600 t. Trotz der deutlichen Produktionseinbuße blieb laut Destatis Schweinefleisch mit einem Anteil von 64,3 % an der Gesamt­erzeugung die wichtigste Fleischsorte in Deutschland.

Danach folgten Geflügelfleisch mit 21,9 % und Rindfleisch mit 13,5 %. Das Fleisch von Schafen, Ziegen und Pferden machte lediglich rund 0,3 % der Gesamtmenge aus. age

Fleischkonsum in Dänemark geht zurück

Die steigenden Preise verderben den Verbrauchern in Dänemark den Appetit auf Fleisch. Laut Coop, der zweitgrößten Supermarktkette des Landes, ist der Absatz von Schweine-, Rinder- und Kalbfleisch im Juni und Juli in den eigenen Filialen im Vergleich zum Vorjahr um etwa 10 % gesunken.

Gleichzeitig habe der Verkauf von Geflügelfleisch zugelegt, was jedoch nichts am gesamten Verkaufsrückgang um etwa 5 % geändert habe, so der Coop-Vertreter Lars Aarup gegenüber dem Wirtschaftsmagazin „Finans“. Ihm zufolge hat der Rückgang vor allem mit dem starken Anstieg der Fleischpreise zu tun.

Laut Aarup hat beispielsweise der Ladenpreis für Hackfleisch innerhalb von zwölf Monaten um etwa zwei Drittel auf umgerechnet rund 6,70 € pro Packung zugelegt. Gleichzeitig werde vermehrt zu Geflügelfleisch als preisgünstigerer Alternative gegriffen. age

Höhere Vergütung für neue Dachphotovoltaikanlagen

Für neue Photovoltaik (PV)-Anlagen auf Dächern gelten nun höhere Vergütungssätze. Das sieht das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2023 vor, dessen erste Regelungen am Freitag, 29. Juli, in Kraft getreten sind.

Wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte, können entsprechende Solaranlagen, die frühestens am Tag nach Inkrafttreten in Betrieb genommen wurden, bis zu 13,4 ct/kWh für ihren Strom erhalten. Zugleich werde der Netzanschluss unter anderem für kleine Anlagen vereinfacht. Zur Beschleunigung des Ausbaus von Erneuerbaren Energien gilt dem Ministerium zufolge nun der Grundsatz, dass deren Nutzung im überragenden öffentlichen Interesse liegt und der öffentlichen Sicherheit dient. Damit hätten Erneuerbare Energien bei Abwägungsentscheidungen Vorfahrt. Der Großteil der weiteren Regelungen des neuen EEG 2023 tritt laut Ministerium zum 1. Januar 2023 in Kraft.

„Angesichts der sich zuspitzenden Klimakrise und des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine sind die Erneuerbaren Energien zu einer Frage der nationalen und europäischen Sicherheit geworden“, erklärte Ressortchef Dr. Robert Habeck (Grüne). Das Energiesystem müsse so schnell wie möglich von fossilen Energieträgern auf Erneuerbare Energien umgestellt werden. Von den höheren Vergütungssätzen für Dachsolaranlagen verspricht sich Habeck ein „klares Signal“ an den Markt und einen „entscheidenden Schub“. In Niedersachsen appellierte derweil der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Martin Bäumer, an Umweltminister Olaf Lies (SPD), bürokratische Hürden für die Inbetriebnahme von Solaranlagen abzubauen. „Es kann nicht sein, dass aufgrund formaler und bürokratischer Hürden weiterhin Gas aus den Speichern entnommen wird, während saubere Erneuerbare Energien nicht genutzt werden“, so Bäumer. Nach seinen Angaben gibt es in Niedersachsen betriebsbereite PV-Anlagen, die aber „mangels eines entsprechenden Zertifikats oder aus anderen Gründen“ nicht ans Netz gehen dürften. Fraglich blieb indes, ob mit der Inbetriebnahme nicht zumindest anteilig bis zum Inkrafttreten der höheren Vergütungssätze gewartet wurde.

Lähmender Streit um die richtige Zukunft

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Der Deichgraf ist eine Frau. Heike Hauschildt heißt sie, in Anspielung an Hauke Haien im „Schimmelreiter“. Als Schimmelreiterin reitet sie allerdings kein Pferd, sondern fährt auf einem weißen Quad über den Deich. Der, so ist sie tief besorgt, muss dringend erhöht werden, um dem Klimawandel standzuhalten. Die Musical Academy Schleswig-Holstein des Nordkollegs wurde durch Theodor Storms Novelle „Der Schimmelreiter“ zu einem Musical inspiriert, das in der nahen Zukunft spielt. Aufgeführt wurde es in der Winkelscheune im Freilichtmuseum Molfsee.

Wir schreiben das Jahr 2025. Heike Hauschildt kehrt nach 15 Jahren nach Koogmarschensiel zurück, ein fiktives Dorf an der Westküste Schleswig-Holsteins. Als versierte Ingenieurin ist sie Deichgräfin geworden statt ihres Konkurrenten, des Bauunternehmers Peter Olsen (bei Storm Ole Peters). Der strebt nur nach seinem Gewinn. Erst Gegner der Deicherhöhung, setzt er mit Intrigen durch, dass er schließlich den Bauauftrag bekommt.

Divergente Interessen

Peter Ole ist nicht der Einzige, der Stimmung gegen die neue Deichgräfin macht. Für den fanatischen Naturschützer Oke Dochtersen beeinträchtigt das geplante Bauwerk die Fauna des Naturerbes Wattenmeer, die Unternehmerin Franziska van Olden will ein Friesenhaus in das Wellnesshotel Atlantis ausbauen (sprechender Name, denn es wird untergehen) und fürchtet das Ausbleiben von Gästen. Und schließlich: Das Ganze soll 24 Mio. € kosten. „Wer soll das bezahlen? Wir Bauern stehn doch eh schon mit dem Rücken zur Wand“, sagt die Landwirtin Vera Kalkbrenner.

Wer hat Recht?

Da haben Stimmen, die um Ausgleich bemüht sind wie die des alten Mannes Manne Jevers (bei Storm Jewe Manners) oder des pragmatischen Bürgermeisters Arp Michelsen wenig Wirkung. Seine Tocher Liv, Freundin des Naturschützers Oke, weiß nicht, wo ihr der Kopf steht. In einem rasanten Rap macht sie ihrer Ratlosigkeit Luft: „Wo kann ich googeln, wer hier Recht hat? Wo mach ich die Welt auch wirklich besser?“ Eigentlich wollen alle lieber feiern, die Jugendlichen ganz besonders, und schlagen die Warnungen in den Wind. „Das mit dem Deich wird doch nicht so heiß gegessen.“

„Besser als jeder Trip“: Jane Trins (Daniela Feuerhak) hat Gesichte, die das kommende Unheil ankündigen.

Doch es ist Handlung geboten. Zunehmende Stürme, Unwetter und Sturmfluten werden per Radiowetterbericht eingespielt, dazu die Verkehrsmeldungen (kleiner Seitenhieb: Vor der Rader Hochbrücke ist immer noch ständig Stau). Dazu unterhöhlen Bisame den Deich, sie gehen unerklärlicherweise nicht mehr in die aufgestellten Fallen. Die alte Jane Trins (bei Storm Trien Jans) hat Gesichte, die das Unheil ankündigen. Erste Überflutungen finden statt, und nun sind die Bürger doch beunruhigt. „Ist es wahr? Halb Sylt ist weg? Dänemark ins Meer zurück?“ – „Wie kann es sein, dass ihr mir immer noch nicht glaubt?“, fragt die Deichgräfin. „Ich kann es nicht ertragen, dass hier jedes Haus mit Mann und Maus in der Nordsee untergeht!“

Billigbau rächt sich

Nun wird der Deich endlich doch erhöht – auf billige Weise, mit der Bauunternehmer Peter sich den Auftrag ergattert hat. In den Klei hat er Sand gemischt – Bäuerin Vera, die sich mit Böden auskennt, entdeckt es. Doch die größte Überraschung: Oke hat mit einer Eingabe erreicht, dass das Gericht die letzte Bauphase stoppt. Er war es auch, der die Bisame von den Fallen vergrämt hat. Naturschützer kommen nicht gut weg in diesem Stück.

15 Darstellerinnen und Darsteller (nur vier Männer darunter) agieren auf der Bühne, teils im Chor, teil mit Sologesang. Viel wird getanzt, und das in ausgereifter Choreografie. Die Darbietung ist rund und professionell. Was muss man an Können mitbringen, um bei so etwas mitmachen zu dürfen? „Nur Spaß am Singen und Spielen“, sagt Regisseurin Claudia Piehl, „die Ausbildung geschieht während des Projektes.“ Weitere Autoren und Komponisten sind Jan-Friedrich Conrad, Enno Johannsen und Band­leader Lars Scheffel – die achtköpfige Band spielt live auf der Bühne (hier sind nur zwei Frauen dabei).

Uneinigkeit lähmt die Zukunftsvorsorge – oben Deichgräfin Heike Hauschildt (Berit Evers), unten Naturschützer Oke Dochtersen (Arne Kers, li.), Bürgermeister Arp Michelsen (Sascha Urban), seine Tochter Liv (Vivien Schmieder)

Zeit für Veränderung

Es kommt, wie es bei so viel Zwietracht kommen muss: Im November 2026 bricht der Deich. Koogmarschensiel geht unter, vier Personen kommen in den Fluten um, darunter die Deichgräfin – hier folgt das Musical der Vorlage von Storm, während es sonst die Handlung sehr frei gestaltet und es bei ein paar Anspielungen auf die Novelle belässt.

„Zeit für Veränderung“ lautet der Schlusssong – eine eindrückliche Warnung vor dem Klimawandel. Vor allem aber eine Warnung vor der zersetzenden Kraft divergenter Teilinteressen in der Gesellschaft, die eine wirkungsvolle Vorsorge verhindern. „Was ist der Deich der Zukunft, wenn jeder eine andere Zukunft sieht?“

Das Stück wird noch einmal aufgeführt am Sonntag, 18. September, in der Sporthalle in Hanerau-Hademarschen und am Tag der Deutschen Einheit, Montag, 3. Oktober, in der schleswig-holsteinischen Landesvertretung in Berlin.

Start-Ziel-Sieg für Mathies Rüder

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Zum wiederholten Mal waren die Hartpury University und das Hartpury College im britischen Gloucestershire Ausrichter von Nachwuchseuropameisterschaften. In diesem Jahr ritten hier die Dressur- und Vielseitigkeitsreiter um die Medaillen. In der Vielseitigkeit feierten die deutschen ­Junioren einen Start-Ziel-Sieg von Mathies Rüder und Bon Ton ­sowie die Bronzemedaille für das U18-Team.

Mit guten Dressurvorstellungen legte das deutsche Juniorenteam der Vielseitigkeitsreiter den Grundstein für den Medaillen­erfolg. Sie starteten als Führende ins Gelände und konnten diese Position auch behaupten. Allerdings musste die 17-jährige Isabel Dalecki aus Hamburg mit Caruso JH am Wasserhindernis ausscheiden, sodass die Mannschaft am Sonntag nur noch zu dritt – also ohne Streichergebnis – zum Springen antreten konnte. Damit zählte jeder Ritt und nur einen Punkt hinter den Deutschen lauerten die Briten auf ihre Chance.

Der 15-jährige Matti Garlichs aus Eckernförde legte als erster Deutscher im Parcours vor und kam mit seinem zehnjährigen Westfalen Ludwig fehlerfrei ins Ziel. Damit lag er in der Einzelwertung auf Platz zehn. Die Niedersächsin Hedda Vogler und ihre Stute mussten jedoch zwei Abwürfe in Kauf ­nehmen.

Dass die deutschen Junioren dennoch eine Teammedaille mit nach Hause nehmen konnten, verdankten sie der Nervenstärke von Schlussreiter Mathies Rüder mit Bon Ton. Der auch im Springsattel erfolgreiche 17-jährige Fehmaraner bestätigte mit einer souveränen Nullrunde die in ihn gesetzten Hoffnungen und sicherte sich zugleich die Goldmedaille in der Einzelwertung. „Das ist schon mit Spannung verbunden“, berichtete er im Nachhinein und fügte hinzu: „Ich kann nicht behaupten, dass ich mich an den Druck schon gewöhnt habe.“ Dabei war Bon Ton nur die zweite Wahl für seinen ersten Start bei einer Europameisterschaft (EM). Colani Sunrise, das Nationenpreispferd seines Vaters, das Mathies inzwischen reitet, hatte sich verletzt und musste zu Hause bleiben. Der neunjährige polnische Wallach Bon Ton steht erst seit dem Winter bei Rüders, ist dort aber sehr beliebt. „Er holt sich von jedem die Aufmerksamkeit, die er haben möchte, und es gibt schon mal Streit, wer ihn heute reiten darf“, berichtete Rüder lächelnd.

Trotzdem war er nicht mit den größten Erwartungen nach England gefahren: „Ich wollte einfach nur eine gute Erfahrung machen.“ Nun muss der Schüler das alles erst einmal „sacken lassen“. Doch die nächsten Ziele hat er schon anvisiert: die Deutschen Jugendmeisterschaften im Springen und die Landesmeisterschaften der Junioren in der Vielseitigkeit.

Auch die Jungen Reiter waren bei der Vielseitigkeits-EM am Start. Das deutsche Team konnte zwei Silbermedaillen gewinnen: eine in der Teamwertung sowie eine für Paula Reinstorf und Ilara W in der Einzelwertung.

Mit ausgefallenen Ideen am Start

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Endlich! Nach zwei Jahren Zwangspause konnten es die Organisatoren kaum erwarten, nach Corona die legendäre Bargumer Fete und das 27. Bettenrennen zu feiern. Schon im Frühjahr hatte die Planung begonnen, doch je näher der Tag rückte, desto größer wurde die Aufregung. Als die Aufbauarbeiten begannen, wurde schnell spürbar, dass die letzte Fete doch einige Jahre zurücklag.

Mit Engelsgeduld beim Gummistiefelweitwurf

Wo war die Drahtrolle? Wer hatte das Schwarzlicht geliehen? Und wie viele Besucher würden überhaupt kommen? Viele Fragen traten auf, doch nach einer kurzen Eingewöhnungsphase kamen alle Helfer wieder in den altbekannten Schwung und trafen sich bereits vier Tage vor dem Start, um die Vorbereitungen zu erledigen. Am Vorabend war die Anspannung dann groß. Mit so wenig Schlaf wie möglich, aber so viel wie nötig wurden am Sonnabend in aller Frühe die letzten Aufgaben erledigt. Dann fiel der Startschuss und hoch motiviert gingen die Teams mit 36 Bettgestellen an den Start. Die Modelle reichten von kreativ über ausgefallen bis verrückt. Für die Teams galt es aber nicht nur, mit den fahrbaren Gestellen auf Kurs zu bleiben. Sie mussten bei unterschiedlichen Spielen ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen. Nebenbei war der Fragebogen auszufüllen, auf dem unter anderem Spitznamen erraten werden mussten. Wer sich besonders geschickt anstellte, konnte abends bei der Siegerehrung auf eine Trophäe hoffen. Aber auch die kreativsten Betten wurden belohnt. So erzielte dann die Gruppe „Team Faxe“ den ersten Platz bei den Spielen, dicht gefolgt vom „Zirkus Sternalki“ und der „Laju Höki“. Den Preis für das schönste Bett verdiente sich die „Laju Reußenköge“ mit ihrer Lokomotive, danach folgte das Team „Von innen und außen blau“ und den dritten Platz ergatterte sich die „FF Bargum“.

Nach der Siegerehrung wurde endlich die Musik aufgedreht und die Stimmung nahm Fahrt auf. Bei bestem Open-Air-Wetter tanzten sich alle die Füße wund und gingen erst nach Hause, als die Musik aus war. Belohnt durch einen traumhaften Sonnenaufgang zogen wir bereits das erste Fazit der vergangenen 24 Stunden: „Das war einfach mega“, waren sich alle einig. Die Anstrengung hat sich gelohnt. Nun freut sich das Orgateam schon auf das nächste Mal.

Die Spiele waren genauso verrückt wie die Gestaltung mancher Bettgestelle.

Sommer, Sonne, SUP

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„Ab auf die Bretter“ hieß es beim Stand-up-Paddling der Jungen LandFrauen Plön. Sie trafen sich dazu am Strandbad an der Schwentine in Preetz.

Während sich eine Gruppe im nahe gelegenen Kanucenter aufwärmte, wurde dem anderen Teil beim Aufpumpen der Boards auch schnell warm. Mit Leihboards und eigenen Brettern ging es für eine Gruppe vom Strandbad und für die anderen vom Verleih auf die Schwentine. Dann paddelten beide Gruppen einander entgegen und übten gemeinsam. Nach einer Picknickpause ging es dann noch auf eine zweite Runde. In der zeigte sich gerade bei den Anfängerinnen schon ein toller Übungseffekt. SUP in der Gruppe können die Jungen LandFrauen nur empfehlen. Das macht einfach Spaß.

Weitere Infos zu den Aktivitäten der Jungen LandFrauen unter.landfrauen-schoenberg.de/junge-landfrauen/

Vor der „Seefahrt“ war beim Aufpumpen der SUP Armkraft gefragt. Fotos: Jasmin Untiedt

„Gerecht geteilt ist halbe-halbe“

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„Gerecht geteilt ist halbe-halbe“, finden die acht hauptamtlichen kommunalen Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Segeberg. Gemeint ist der Frauenanteil in den politischen Gremien. Um den Frauenanteil bei der nächsten Kommunalwahl 2023 deutlich zu erhöhen, wollen die Gleichstellungsbeauftragten aktive Kommunalpolitikerinnen unterstützen und neue Frauen für das Ehrenamt in der Kommunalpolitik gewinnen. Der KreisLandFrauenverband Segeberg ist Kooperationspartner und unterstützt die Kampagne im Rahmen einer Seminarreihe.

 Sabine Rautenberger ist Referentin der Seminarreihe. Foto: hfr

Es sei Zeit, etwas zu ändern, sagt die erfahrene Kommunalpolitikerin Sabine Rautenberg (Grüne), seit 2003 Mitglied im Kreistag Stormarn und stellvertretende Hauptausschussvorsitzende. Es gebe regional große Unterschiede. Habe der schleswig-holsteinischen Landtag seit der Wahl im Mai immerhin eine Frauenquote von fast 38 % erreicht, liege dieser Anteil auf kommunaler Ebene durchschnittlich nur bei 23 %. Während das Amt Trave-Land einen Frauenanteil von 22,6 % hat, liegt der Anteil in Bad Bramstedt bei 30,7 % und in Henstedt-Ulzburg aktuell bei 36,4 %. „Je ländlicher die Kommunen, desto geringer ist der Frauenanteil in den Parlamenten“, so Inge Dieckmann, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bad Segeberg. Vor allem in kleineren Kommunen gebe es immer noch sogar „frauenfreie“ Gemeinderäte.

Um aktive Kommunalpolitikerinnen zu unterstützen und miteinander besser zu vernetzen und auch neue Frauen für das Ehrenamt in der Kommunalpolitik zu gewinnen, startet im September die Seminarreihe „Grundlagen der Kommunalpolitik“. 

Im Modul 1 geht es um die Spielregeln der Kommunalpolitik wie Kreis- und Gemeindeordnung und Satzungen, Aufgaben und Pflichten der Abgeordneten. Dazu werden zwei Seminare angeboten: Am Donnerstag, 1. September, im Rathaus Stadt Bad Segeberg, Anmeldung bis 25. August unter gleichstellungsstelle@badsegeberg.de sowie am Mittwoch, 14. September, in der Galerie im Rathaus Norderstedt, Anmeldung bis 7. September unter claudia.meyer@norderstedt.de

Das Modul 2 beschäftigt sich unter dem Titel „Ohne Moos nichts los“ mit dem kommunalen Haushalt, Bauleitplanung und sozialen Themen. Die Seminare dazu laufen am Mittwoch, 28. September, im Rathaus Henstedt-Ulzburg, Anmeldung bis 21. September unter svenja.gruber@henstedt-ulzburg.de sowie am Donnerstag, 29. September, im Rathaus Stadt Bad Segeberg, Anmeldung bis 22. August unter gleichstellungsstelle@badsegeberg.de

Das Modul 3 ist überschrieben mit „Klappern gehört zum Geschäft“. Es geht um den Umgang mit der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie das Netzwerken. Die Termine: Mittwoch, 5. Oktober, im Dorfgemeinschaftshaus in Weede, Anmeldung bis 28. September unter gleichstellung@amt-trave-land.de sowie Donnerstag, 6. Oktober, im Rathaus Kaltenkirchen, Anmeldung bis 29. September unter gleichstellungsbeauftragte@kaltenkirchen.de

Alle Veranstaltungen werden von Sabine Rautenberg geleitet, finden jeweils von 18.30 bis 21.30 Uhr statt und können kostenfrei und unabhängig voneinander besucht werden. Für Getränke und einen kleinen Imbiss ist gesorgt.