Was kommt morgen auf den Teller? Ein Seminar zu aktuellen Ernährungstrends führte die Botschafterinnen für heimische Produkte und die Fachfrauen für Ernährung ins Kieler Pilzwerk und aufs Gelände des Klärwerks Bülk in Strande.. Es gab unter anderem Garnelentartar und einen kleinen Snack aus getrockneten Heimchen und Kichererbsen.
Es ist dunkel im Kieler Pilzwerk. Silberglänzende Abluftschächte queren die Decken und führen vom Labor um die Ecke über einen Gang in die mit weißer Plastikplane verkleideten Zucht- und Lagerräume. Dort reihen sich Stapel von weißen Lebensmitteleimern aneinander. Sie haben zahlreiche, zirka 1 cm große Löcher, aus einigen wachsen Pilze hervor. Um die Eimer ist der Boden schwarz vor Feuchtigkeit. Dort, wo der Boden wieder heller wird, wirkt er seltsam staubig. Es handelt sich um Pilzsporen. Wenn er sich länger in den Räumen aufhält, trägt Robert Schwartz eine Atemschutzmaske. Im Vorraum seines Pilzwerks erzählt der Jungunternehmer die Geschichte seines 2018 gegründeten Unternehmens. Derzeit seien aus seinem Pilzwerk Austern-, Ulmen-, Kastanien- und Rosenseitlinge zum Beispiel auf Wochenmärkten zu bekommen. Die Botschafterinnen für heimische Produkte und Fachfrauen für Ernährung stellen viele Fragen. Sie interessieren sich für den Werdegang des jungen Pilzzüchters, die Unternehmens- und Ideengeschichte und die Eigenheiten der Pilzzucht. So endet am Vormittag der erste Part des dreiteiligen Seminars zum Thema „Ernährung und Lebensmittel im Wandel“.
Zum Mittagessen und den folgenden zwei Seminarabschnitten geht es in einen Besprechungsraum bei den Förde Garnelen, die ihren Sitz auf dem Gelände des Klärwerks Bülk in Strande bei Kiel haben. Dort regt Saskia Vetter von der Verbraucherzentrale mit ihrem Vortrag „Insekten auf dem Teller? Speiseinsekten als neuartige Lebensmittel“ zum Nachdenken und zur Diskussion über diese Ernährungsalternative an. Die einen neugierig, die anderen skeptisch, trauen sich die LandFrauen an die Verkostung. Es gibt einen kleinen Snack aus getrockneten Heimchen und Kichererbsen.
Im Anschluss an die Kaffeepause (ganz konventionell mit Heißgetränk und Kuchen) führt Kilian Landsch von den Förde Garnelen GmbH & Co. in die Welt der Krebstiere und der Garnelenfarm ein. Das Spannende am Produktionsprozess sei die Kreislaufanlage im Zusammenspiel mit der Kieler Förde und der Kläranlage Bülk in Strande, so Landsch: Die Garnelen würden in Fördewasser gezüchtet. Daher der Name. Allerdings sei die natürliche Temperatur des Fördewassers nicht artgerecht. Garnelen fühlten sich erst bei 30 °C wohl. Entsprechend müsse das Wasser erwärmt werden, erläutert der Fachmann. Einen Teil der Energie dafür steuere das Klärwerk Bülk bei. Die Wärme entstehe bei der Klärung des Abwassers, das zu zirka 10 % täglich bei der Garnelenaquakultur anfalle und zur Erwärmung der Becken rückgeführt werde.
Doch nicht nur das Klärwerk ist an der Wiederaufbereitung des Abwassers beteiligt. Direkt neben den Farmhallen befindet sich eine bioökonomische Salzpflanzenkläranlage (HaFF), in der das bei der Garnelenaufzucht entstehende Nitrat und Phosphat aus dem Wasser herausgefiltert werden. Dabei handelt es sich um ein Pilotprojekt des Forschungskonsortiums rund um Costal Research & Management (CRM) zur Erforschung einer effizienten Abwasserreinigung und damit eines noch ökologischeren Betriebs von Aquakulturanlagen. Eine umfassende Ausweitung der Produktion ist für 2024 geplant, um die Garnelen dann nicht nur wie derzeit in einem, sondern in mehreren Märkten anzubieten.




