Für Pferde mit Stauballergien oder Atemwegserkrankungen stellt die Fütterung von Heulage eine gute Alternative zum Heu dar, da sie etwas feuchter ist und damit weniger Staub enthält. Bei sehr trockener Heulage wird jedoch häufig die Bildung von Schimmelpilzen und Hefen beobachtet. Versuche während der Raufutterproduktion für einen Pferdebetrieb zeigen, warum gute hygienische Qualität bei Heulage so schwierig ist und welche Effekte das Silieren bei etwas geringeren Trockenmassegehalten und der Einsatz von biologischen Siliermitteln haben.
Auch wenn sich bei der Konservierungsart von Raufutter für Pferde die Geister scheiden, zeigen sowohl die Praxis als auch wissenschaftliche Untersuchungen, dass Heulage insbesondere für die Fütterung von stauballergischen Pferden hervorragend geeignet ist. Olave und andere fütterten in einer Pilotstudie für sechs Wochen jeweils drei beziehungsweise vier gesunde Rennpferde entweder mit gutem Luzerneheu oder Luzernegras-Heulage und führten dabei unter anderem Messungen zur Staubexposition der Tiere, zum ß-Glucan-Gehalt (Marker für Schimmelpilze) des einatembaren Staubs und zum Auftreten von verschiedenen Entzündungsmarkern in der Lunge durch. Die Pferde befanden sich während der Studie in Einzelboxen in einem klimatisierten, mit Holzspänen eingestreuten Stall und wurden täglich trainiert. Abgesehen vom Futter war die Haltung aller Pferde identisch.
Die einatembare Staub- sowie die ß-Glucan-Belastung waren bei den Pferden der Heugruppe dreimal beziehungsweise zweimal höher als bei den Pferden, die mit Heulage gefüttert wurden. In Korrelation mit der höheren Staubbelastung kam es zu einer Zunahme der Entzündungsmarker in der Lunge, während bei Heulagefütterung eher eine Abnahme zu beobachten war.
Produktion von Silage und Heulage
Der empfohlene Schnitttermin für die Pferdefütterung ist erreicht, wenn sich die Hauptbestandsbildner des Grünlandes im Stadium Beginn bis Mitte der Blüte befinden. Für Silage- oder Heulageproduktion wird eine deutlich kürzere Feldliegezeit benötigt, da das Erntegut nur angewelkt und nicht wie beim Heu über Trocknung konserviert wird. Insofern können sowohl kürzere Erntezeitfenster gut ausgenutzt werden als auch Randbereiche der Flächen, auf denen die Trocknung nicht ausreichend ist, zur Heulageerzeugung dienen.
Um eine hohe Verdichtung im Ballen zu erreichen, ist ein hoher Pressdruck erforderlich. Schneiden des Ernteguts auf etwa 25 cm Länge wirkt sich positiv aus. Besondere Anforderungen bestehen an die Folienqualität und die Anzahl der Folienlagen (mindestens acht), da für eine gute Futterqualität eine absolut gasdichte Lagerung gewährleistet sein muss.
Sobald der Ballen verschlossen ist, wird zunächst der noch vorhandene Sauerstoff veratmet, das dabei entstehende Kohlendioxid (CO2) reichert sich an. Im oberen TM-Bereich beruht die Konservierung vor allem auf der CO2-Atmosphäre, im unteren TM-Bereich (bis etwa 60 %) findet noch echte Gärung statt. Im Idealfall setzen sich die auf dem Erntegut in unbekannter Anzahl und Güte vorhandenen Milchsäurebakterien (MSB) gegen die anderen Mikroorganismen durch und führen zu einer pH-Wert-Absenkung, wobei das Ziel ein pH-Wert von 5 ist, um Schadkeime zu unterdrücken.
Da die MSB unterschiedlich trockentolerant sind und Wasser zum Leben benötigen, ist die Gärintensität meist nicht stark genug, sodass Schadkeime weiterhin aktiv sein können. Dann finden sich in der Heulage neben den erwünschten Gärprodukten Milchsäure und Essigsäure (in geringer Menge wünschenswert) auch Buttersäure und Alkohole.
Je nach TM-Gehalt und Intensität der Milchsäuregärung sind die erzeugten Heulageballen nach dem Öffnen oder bei Folienverletzungen nur wenige Tage lagerfähig, es kommt sehr schnell zum aeroben Verderb durch Hefen (Nacherwärmung) und Schimmelpilze.
Mit Siliermittel Gärqualität verbessern
Zur Qualitätsverbesserung bieten sich im oberen TM-Bereich nur chemische Konservierungsmittel wie Propionsäure oder spezielle Salzmischungen an, bei deren Applikation während der Ernte sowohl auf die Dosierung als auch auf eine homogene Verteilung zu achten ist. Biologische Siliermittel enthalten MSB, deren Stoffwechselaktivität zumindest einen gewissen Anteil Wasser im Erntegut und vor allem Zucker als Nahrung voraussetzt.
Um die Obergrenzen der Wirksamkeit eines MSB-Präparates auszutesten, wurden bei der Ernte einer extensiv bewirtschafteten Grünlandfläche bei Schlesen im Juni 2021 und 2022 sowohl unbehandeltes als auch mit Siliermittel behandeltes Gras in Rundballen einsiliert. Die Applikation in den Gutstrom erfolgte oberhalb der Pick-up der Rundballenpresse. Das Siliermittel enthält sowohl homo- als auch heterofermentative MSB, es wird im Gärverlauf also eine gewisse Menge Essigsäure gebildet, welche die Aktivität von Hefen hemmt.
Zur Ermittlung der TM-Verluste wurden die Ballen nach dem Wickeln und vor dem Öffnen gewogen. Vor dem Verfüttern wurden mit einem Bohraufsatz an verschiedenen Stellen der Ballen Proben gezogen, um den Gehalt an wasserlöslichen Kohlenhydraten, die Gärqualität, den Keimbesatz und die aerobe Stabilität (Labormaßstab) zu untersuchen. Öffnen und Beprobung erfolgten jeweils in den Wintermonaten entsprechend dem Raufutterbedarf auf dem Pferdebetrieb. Jeder Ballen wurde innerhalb von einer Woche aufgebraucht.
Die Ballengewichte zum Start waren 2021 mit durchschnittlich 510 kg höher als 2022 (384 kg), da das Gras weniger stark angewelkt war (57 % TM beziehungsweise 73,9 % TM, Tabelle 1). In Bezug auf das physiologische Alter waren die Gräser 2021 älter, was sich am höheren Rohfaser- und geringeren Protein- und Energiegehalt zeigt. Der epiphytische Besatz mit MSB war in beiden Jahren eher gering (77.000 KBE/g, 1.800 KBE/g), dafür waren die Keimgehalte an Hefen und Schimmelpilzen hoch. Die Gehalte an wasserlöslichen Kohlenhydraten im frischen Gras waren sehr hoch, die Fruktangehalte waren sogar als riskant einzustufen (6,3 % TM, 7,8 % TM).
Durch die Silierung wurden sowohl Zucker als auch Fruktane abgebaut, wobei im feuchteren Erntegut ein stärkerer Abbau zu verzeichnen war (Tabelle 2). Die Stoffumsetzungen hatten einen messbaren Gewichtsverlust der Ballen zur Folge, die TM-Verluste lagen 2021 bei 2,6 bis 4 %. Beim trockeneren Erntegut waren die TM-Verluste geringer (Kontrolle 0,9 %, Behandlung 0,6 %).
Im feuchteren Ausgangsmaterial (2021) bewirkte die Zugabe der MSB über das Siliermittel eine intensivere und gerichtetere Gärung (pH-Wert 4,7) als bei der Kontrolle (pH-Wert 5,4). Während in der Kontrollvariante Fehlgärungen auftraten (Buttersäure- und starke Ethanolbildung), je nachdem welche Mikroorganismen in Aktion traten, konnten diese durch die Behandlung sicher vermieden werden (Abbildung 1). Durch die während der heterofermentativen Milchsäuregärung gebildete Essigsäure wurden die Hefen sowohl in der anaeroben Phase als auch bei der aeroben Lagerung während der Verfütterung wirksam unterdrückt. Die hygienische Qualität war bei beiden Varianten einwandfrei, die Keimgehalte waren wirksam reduziert worden.
Der stärkere Anwelkgrad im Jahr 2022 repräsentiert eher die Praxis auf den hiesigen Pferdebetrieben. Durch die nur noch geringere Wasserverfügbarkeit fanden fast keine Gärprozesse mehr statt, was an der nur geringen Absenkung der pH-Werte (Kontrolle 5,7, Behandlung 5,6) und der geringen Säurebildung zu erkennen ist (Abbildung 2). Die mit dem Siliermittel behandelten Ballen wiesen nur leicht höhere Milch- und Essigsäure sowie geringfügig geringere Ethanolgehalte auf. Buttersäure war in beiden Varianten nicht nachweisbar, wahrscheinlich war es den Clostridien ebenfalls zu trocken.
Allerdings war die hygienische Qualität der Ballen trotz der vorsichtigen Handhabung der Ballen leicht herabgesetzt. Der Inhalt eines Ballens wurde als verdorben eingestuft. Als mögliche Ursache kann angenommen werden, dass die Restatmung nicht stark genug war, sodass sich die CO2-Atmosphäre nicht schnell genug ausgebildet hat. Durch Kondensation von Wasser an der Folieninnenseite stand dort mehr Wasser zum Leben zur Verfügung, sodass sich besonders in den Randschichten Hefen und Schimmelpilze vermehren konnten. Die betroffenen Partien wurden großzügig verworfen, es wurde nur sensorisch einwandfreie Heulage verfüttert.
Die Heulagen wurden in beiden Jahren gern von den Pferden gefressen. Der Pferdehalter war von der sehr guten Futterqualität im Jahr 2021 begeistert und setzt nun weiterhin auf eher feuchte Heulage/Silage und den Einsatz biologischer Siliermittel.
Fazit
Aufgrund der geringeren Staubentwicklung ist Heulage besonders für die Fütterung von stauballergischen Pferden geeignet, eine gute Gärqualität vorausgesetzt. Die durchgeführten Versuche zeigen, dass Mut zu feuchteren Heulagen unter 60 % TM mit einer intensiveren Gärung belohnt wird. Zudem bewirkt der Einsatz geeigneter biologischer Siliermittel die Minimierung des Fehlgärungsrisikos und eine bessere aerobe Stabilität bei der Verfütterung. Bei geringerer Wasserverfügbarkeit ist das Leben der beteiligten Mikroorganismen nur noch eingeschränkt möglich, wodurch trockene Heulage auch zum „Problemkind“ werden kann.




