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Getreideverband fordert Ausbau der Solidaritätsrouten

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Der Ukrainische Getreideverband (UGA) hat an EU-Handelskommissar Valdis Dombrovskis appelliert, die im Mai vorigen Jahres eingerichteten Solidaritätsrouten für Agrarexporte aus der Ukraine auszubauen. Er sprach sich für „grüne Korridore“ aus, um nach dem Ende des Getreideabkommens die Ausfuhr über europäische Häfen zu steigern, was zur Stabilisierung der weltweiten Ernährungssicherheit beitrage.

Konkret will der Ukrainische Getreideverband die Getreideexporte über die Häfen der baltischen Staaten, Kroatiens, Italiens und Sloweniens erhöhen; auch die Kapazitäten über die Häfen Rotterdam sowie Rostock und Hamburg sollten ausgebaut werden. Der UGA schlug vor, dass Brüssel einen Teil der Kosten übernehmen solle, die den europäischen Spediteuren und Häfen bei der „Durchleitung“ des ukrainischen Getreides entstehen. Dadurch könnten die Ausfuhren über die Solidaritätsrouten um 1 Mio. t bis 1,5 Mio. t Getreide pro Monat gesteigert werden.

Der Preisunterschied zu den günstigeren Routen betrage etwa 30 bis 40 €/t. Der Verband rechnet damit, dass die ukrainischen Landwirte in diesem Jahr rund 69 Mio. t Getreide und Ölsaaten ernten. Das erwartete Exportvolumen im Wirtschaftsjahr 2023/24 liegt bei etwa 45 Mio. t. Zusätzlich exportiere die Ukraine 9 bis 10 Mio. t Pflanzenöl und Mehl.

Die vier an die Ukraine angrenzenden EU-Anrainerstaaten Polen, Ungarn, Slowakei und Rumänien stemmen sich auf dem Agrarrat in dieser Woche gegen ein Auslaufen der Beschränkungen für Agrarlieferungen aus dem vom Krieg gebeutelten Nachbarland. Bulgarien nimmt dieselbe Haltung ein. Die von der Brüsseler Kommission erlassene Regelung läuft am 15. September aus. Sie bestimmt, dass die Einfuhren von Weizen, Mais sowie Raps- und Sonnenblumensamen aus der Ukraine nur durch die fünf Länder transportiert, aber dort nicht vermarktet werden dürfen. In Warschau haben sich jetzt Vertreter dieser fünf EU-Länder nochmals eindeutig für eine Verlängerung der Maßnahme ausgesprochen. Ob es hierzu kommt, liegt in den Händen der Kommission.

Unterdessen hat Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) polnische Importbeschränkungen für ukrainisches Getreide als Wahlkampfmanöver kritisiert. „Es kann nicht sein, dass aufgrund eines einheimischen Wahlkampfes die Solidarität mit der Ukraine untergraben wird“, sagte der Grünen-Politiker am Dienstag in Brüssel vor dem EU-Agrarrat. Polen wählt im Oktober ein neues Parlament, der genaue Termin steht noch nicht fest.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat angesichts der neuen russischen Seeblockade gegen Getreide aus seinem Land die EU zur Öffnung ihrer Grenzen für die Agrarprodukte aufgefordert. Europas Institutionen könnten vernünftiger handeln, als die Grenzen für ein bestimmtes Produkt zu schließen, sagte Selenskyj in seiner am Montagabend in Kiew verbreiteten abendlichen Videobotschaft. Özdemir betonte, dass man die Anrainer der Ukraine nicht alleinlasse. Als mögliche Lösung schlug er vor, dass Produkte verplombt an Häfen etwa im Baltikum verschickt werden könnten. age

Erster EU-Agrarrat unter Vorsitz Spaniens

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Am Dienstag tagten die EU-Agrarministerinnen und -minister in Brüssel das erste Mal unter spanischer Ratspräsidentschaft. Spanien hat das Arbeitsprogramm seiner bis Ende des Jahres dauernden Ratspräsidentschaft präsentiert. Die Schwerpunkte liegen auf dem Verordnungsvorschlag zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (SUR) sowie auf der für möglich gehaltenen Einigung auf ein Handelsabkommen der EU mit den Mercosur-Staaten. Ein weiteres brisantes Thema ist der Vorschlag der Kommission zu den neuartigen Züchtungstechniken (NBT).

Die Diskussion um die mit der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) eingeführten Vorgaben zur Fruchtfolge und Stilllegung hat wieder Fahrt aufgenommen. Rumänien drängte beim Agrarrat mit Unterstützung Polens und Ungarns die EU-Kommission dazu, die Landwirte auch im kommenden Jahr davon zu befreien. Die beiden Vorschriften im Rahmen der Konditionalität waren 2023 ausgesetzt worden. Die rumänische Delegation begründete die Forderung mit den geringen Niederschlägen sowie den hohen Preisen für landwirtschaftliche Vorleistungsgüter. Ein weiteres Problem seien die großen Importmengen aus der Ukraine, die zu Dumpingpreisen für wichtige Agrarprodukte führten. Den Landwirten drohe eine „Insolvenzwelle“, sollte die Kommission nicht zeitnah innovative Hilfen auf den Weg bringen.

EU-Agrarreserve reicht nicht

Laut der rumänischen Delegation seien die bisher geleisteten Hilfen aus der EU-Agrarreserve zwar wichtig, ihr Umfang allerdings viel zu niedrig gewesen. Zudem wurde betont, dass die Marktungleichgewichte durch den Ukraine-Krieg und nicht durch die Landwirtschaft selbst verursacht worden seien. Agrarkommissar Janusz Wojciechows­ki erkannte an, dass Witterungsprobleme wie Trockenheit zuletzt in der EU deutlich zugenommen hätten. Allerdings sei es gegenwärtig noch zu früh, die Auswirkungen auf die Ernte final abzuschätzen. Eine erneute Aussetzung der Standards 7 und 8 zum guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand (Glöz) sei jedoch nur durch eine Änderung des Basisrechtsakts der GAP möglich. Dies bedeute, dass ein vollständiges Gesetzgebungsverfahren notwendig wäre. Ob seine Behörde einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten werde, ließ der Pole offen.

Als einer von wenigen Ressortchefs stellte Bundeslandwirtschafts­minister Cem Özdemir (Grüne) klar, dass er eine erneute Aussetzung der Regeln zur Stilllegung und zum Fruchtwechsel ablehne. „Schließlich wurden Glöz 7 und 8 geschaffen, um etwa durch mehr Humusaufbau die Resilienz der Böden vor Trockenheit zu verbessern.“ Vielmehr seien nun ambitionierte Maßnahmen zum Schutz der Umwelt die richtige Antwort, erklärte der Grünen-Politiker. Zustimmung erhielt Özdemir von seinem französischen Amtskollegen Marc Fesneau. Gleichzeitig müsse man aber anerkennen, dass es durch die Witterungsprobleme und die Auswirkungen des Ukraine-Krieges Probleme mit der Ernährungssicherheit gebe, sagte der Pariser Agrarressortchef.

Glöz 7 und 8 in der Kritik

Die übrigen EU-Landwirtschaftsminister, die sich zu Wort meldeten, unterstützten mehrheitlich die Linie Rumäniens. So stellten sich unter anderem Bulgarien, Griechenland, Italien, Kroatien, Schweden, die Slowakei und Slowenien hinter die Forderung nach einer Aussetzung. Viele der Länder drängten Brüssel außerdem dazu, weitere Hilfsprogramme für die Landwirtschaft auf den Weg zu bringen. Bulgarien forderte, zudem auch den Standard Glöz 6 auszusetzen; das ist die Pflicht zur Bodenbedeckung.

Vorbehalte gegenüber SUR

Die Mehrheit der EU-Agrarminister steht dem Verordnungsvorschlag zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (SUR) nach wie vor skeptisch gegenüber. Daran hat auch die nun von der EU-Kommission vorgelegte erweiterte Folgenabschätzung nichts geändert.

Nichtsdestoweniger bekräftigte Spaniens Landwirtschaftsminister Luis Planas bei seinem ersten Treffen mit den Amtskollegen als Agrarratspräsident die Absicht, spätestens bis Jahresende eine Position der Mitgliedstaaten zur SUR auszuhandeln. Selbst wenn dies gelingen sollte, wäre es allerdings fraglich, ob noch eine Einigung bis zur nächsten Europawahl im Juni mit dem EU-Parlament und der Kommission erzielt würde.

Die für die SUR federführende Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides stellte klar, dass die neuerliche Folgenabschätzung „das bestätigt, was wir schon wussten“. Weder würde für die meisten Produkte das Preisniveau auf eine nicht mehr erträgliche Höhe steigen, noch sei die Ernährungssicherheit gefährdet, so die Kommissarin, die der Europäischen Volkspartei (EVP) angehört. Gegen die Mehrheitsmeinung im Rat erklärte Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir, dass weitere Verzögerungen im Gesetzgebungsverfahren nicht zu rechtfertigen seien. Schließlich habe die Untersuchung wichtige Fragen beantwortet.

Gleichzeitig stellte Özdemir klar, dass es bei der Verringerung der Einsatzmengen von Pflanzenschutzmitteln einheitlicher Regeln bedürfe. Gerade bei den individuellen Reduktionsvorgaben gelte: „Der Fleißige darf nicht der Dumme sein.“ Laut Özdemir muss außerdem der Anbau von Sonderkulturen und von Wein möglich bleiben. Als gutes Beispiel nannte er das Biodiversitätsstärkungsgesetz in Baden-Württemberg.

Züchtungstechnik als Lösung

Portugal beklagte die in der Folgenabschätzung aufgezeigten negativen Auswirkungen auf den Anbau vieler Sonderkulturen, vor allem für den Wein. Frankreichs Landwirtschaftsminister Marc Fesneau warnte vor einem Einbrechen der Weinproduktion in der EU. Ein wichtiges Werkzeug zur Umsetzung der SUR sieht Fesneau in den neuen Züchtungstechnologien. Hier müsse man nun schnell im Gesetzgebungsprozess zu Ergebnissen kommen, mahnte der französische Agrarminister. Er beklagte, dass viele Aspekte auch im Rahmen der erweiterten Folgenabschätzung nicht hinreichend untersucht worden seien.

Diese Kritik übten auch östliche Mitgliedstaaten. Die tatsächlichen Folgen seien nur unzureichend von der Kommission quantifiziert worden, hieß es aus Ungarn. Polens Landwirtschaftsminister Robert Telus konstatierte: „Diese Studie entspricht nicht dem, was wir wissen wollten.“ age, mbw

Höhere Prämie und vereinfachte Anforderungen

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Die Öko-Regelungen werden für die landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland attraktiver ausgestaltet. Gemeinsam mit den Ländern hat sich das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) auf Anpassungen für das Jahr 2024 verständigt.

In diesem Jahr war das zur Verfügung stehende Budget für die Öko-Regelungen von gut 1 Mrd. € nur zu 61 % ausgeschöpft worden. Besonders schwach war die Resonanz auf die Regelungen „Bereitstellung von Flächen zur Verbesserung der Biodiversität auf Ackerland“, „Pflanzenschutzmittel-Verzicht“ sowie „Agroforst“. Nach dieser schwachen Resonanz wird nachgebessert, durch Prämienerhöhungen und durch vereinfachte Anforderungen, zum Beispiel durch abgesenkte Mindestflächengrößen. Zudem ist laut BMEL auch für 2024, dem zweiten Jahr der „Lernphase“ der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), geplant, die potenziell unverbrauchten Mittel bis zu einem Höchstbetrag von 130 % auf die Prämien der Eco-Schemes aufzuschlagen.

Im Einzelnen sind dem BMEL zufolge Anpassungen an den Öko-Regelungen 1 bis 4 sowie 6 geplant:

– Bei der Öko-Regelung 1 (Brache) sollen Betriebe im kommenden Jahr bereits mit bis zu 1 ha einsteigen können, und das auch dann, wenn diese Fläche die 6-%ige Obergrenze übersteigt.

– Für die Öko-Regelung 2 (vielfältige Kulturen) wird die Hektarprämie von 45 auf 60 €/ha angehoben.

– Für die Öko-Regelung 3 (Agroforst) steigt die Prämie von 60 auf 200 € je ha Gehölzfläche.

– Für die Öko-Regelung 6 (Pflanzenschutzmittel-Verzicht für Ackerland und Dauerkulturen) steigt die Prämie auf 150 €/ha.

– Die 40-Tageregelung bei der Öko-Regelung 4 (Extensivierung Dauergrünland) entfällt. Maßgeblich soll der Bestand an raufutterverzehrenden Großvieheinheiten (RGV) im Jahresdurchschnitt sein.

– Ferner ist nun für das Pflugverbot eine Bagatellregelung wie bei der Konditionalität vorgesehen, und zwar als Schwelle 500 m2 pro Betrieb und Jahr und Region. Für Blühstreifen und Blühflächen soll zukünftig eine Mindestgröße von 0,1 ha gelten; begünstigungsfähig sind maximal 3 ha, wobei weitere Größenvorgaben entfallen.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) zeigte sich zufrieden: „Die gute und konstruktive Zusammenarbeit hat es ermöglicht, jetzt Verbesserungen mit einem starken Mandat in Brüssel vorzulegen.“ Den geplanten Änderungen muss die EU-Kommission zustimmen, und die nationalen Regelungen sind anzupassen. Das Kieler Landwirtschaftsministerium hatte am Dienstag mitgeteilt, dass sich die Amtschefs der Länderagraressorts in einem Umlaufbeschluss auf Eckpunkte zur Anpassung der Eco-Schemes für 2024 geeinigt hätten. Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU) betonte mit Nachdruck, dass „es eine attraktive Öko-Regelung für Milchviehbetriebe mit Weidehaltung geben muss“. age

Die Landesregierung gibt Gas für den Klimaschutz

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Schleswig-Holstein will 2040 erstes klimaneutrales Industrieland werden. Am vorigen Donnerstag wurde vom Landesumweltministerium (MEKUN) das Klimaschutzprogramm 2030 veröffentlicht und als zentrales Projekt auf dem Weg in eine emissionsfreie Zukunft deklariert. Damit erfüllt die schwarz-grüne Regierungskoalition einen Teil ihrer Koalitionsvereinbarungen aus dem Jahr 2022.

Die schwarz-grüne Regierung in Schleswig-Holstein bekennt sich dazu, ihre politische Arbeit auf die Erreichung eines Pfades zur Klimaneutralität auszurichten, der die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels ermöglichen soll. Schleswig-Holstein soll das erste klimaneutrale Industrieland werden und dieses Ziel bis 2040 erreichen, so steht es im Koalitionsvertrag. Dieses Ziel werde im Energiewende- und Klimaschutzgesetz (EWKG) festgehalten und man werde außerdem eine Schärfung der Klimaziele auf Bundesebene unterstützen, heißt es weiter.

In den jetzt vorliegenden Maßnahmenplänen beschreiben die verantwortlichen Ministerien, mit welchen Instrumenten im Land und auf Bundesebene die im Bundesklimaschutzgesetz festgelegten Treibhausgasminderungen erreicht werden sollen. Dazu sagte Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne): „Die vergangenen Jahre haben uns gezeigt: Immer neue Ziele aufzustellen, rettet das Klima nicht. Wir brauchen konkrete Instrumente.“

Einsparpotenzial in allen Bereichen

Unter Annahme eines optimistischen Szenarios könnte die bis 2030 geplante Senkung der Treibhausgas (THG)-Emissionen der Landwirtschaft Schleswig-Holsteins erreicht werden. Laut Klimaschutzprogramm 2030 der Landesregierung könnten durch ein optimiertes Fütterungs- und Herdenmanagement in der Milchviehhaltung sowie technologische Anpassungen in der Wirtschaftsdüngerverfahrenskette bis zum Jahr 2030 weitere 596.000 t CO2-Äquivalente in der Tierhaltung eingespart werden.

Im Pflanzenbau liegt das Einsparpotenzial dem Landwirtschaftsministerium zufolge durch geringere Stickstoff (N)-Überschüsse, eine angepasste Fruchtfolgegestaltung sowie die grundwassernahe Moorbewirtschaftung bei 229.000 t CO2-Äquivalenten.

Voraussetzung, damit das Klimaschutzziel erfüllt wird, ist laut Ressort aber, dass alle erforderlichen zusätzlichen Maßnahmen umgesetzt und effizient von den Rahmensetzungen auf Bundes- und EU-Ebene flankiert werden. Dazu zählt für Kiel, dass die neue Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) über die Strategiepläne wesentliche Beiträge zum Klimaschutz leistet und diese Maßnahmen auch effizient sind. Die GAP nach 2027 müsse noch wirksamere Anreize zur Reduktion der THG-Emissionen aus der Viehhaltung und aus Düngemitteln sowie für die Wiedervernässung respektive Wiederherstellung entwässerter organischer Böden bieten beziehungsweise andere Ansätze für eine klimaeffiziente Landwirtschaft schaffen, heißt es in dem Maßnahmenplan. Letztlich gehe es um die Honorierung von gesellschaftlichen Leistungen, die über den Markt nicht bezahlt würden, so wie es auch die Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) gefordert habe.

Kompetenzzentrum soll Lösungen finden

Ressortchef Werner Schwarz (CDU) stellte fest, dass dabei verschiedene Faktoren wie etwa Optimierungen im Pflanzenbau und in der Tierhaltung, aber auch die nachhaltige Moorbewirtschaftung eine wichtige Rolle spielten. Um Lösungen hierfür zu entwickeln und den Wissenstransfer in die Fläche zu beschleunigen, will der Minister ein Kompetenzzentrum für klimaeffiziente Landwirtschaft schaffen. „Wir wollen dafür sorgen, dass unsere landwirtschaftliche Produktion auch in Zeiten des Klimawandels nachhaltig gelingt und sichergestellt ist“, betonte Schwarz.

Die geplante Senkung der Lachgasemissionen will das Landwirtschaftsministerium durch den Einsatz N-effizienter Kulturen und Sorten, Fruchtfolgeoptimierung, N-effiziente Fruchtfolgen, die Reduzierung von Nährstoffüberschüssen durch eine bedarfsangepasste Düngung und Substitution von Mineraldüngern durch Wirtschaftsdünger, die Optimierung des Wirtschaftsdüngereinsatzes, den Einsatz verlustmindernder Lager- und Ausbringverfahren und die schnelle Einarbeitung von Wirtschaftsdüngern in den Boden erreichen. Hinzu kommt ein verbesserter Moorschutz. Die Methanemissionen sollen reduziert werden durch die gasdichte Lagerung von Wirtschaftsdüngern mit energetischer Methannutzung, ein optimiertes Weidemanagement, eine angepasste Fütterung der Rinder, die Erhöhung der Grundfutterverdaulichkeit in der Wiederkäuerhaltung sowie die Tierzüchtung. Hinsichtlich der Reduzierung der CO2-Emissionen und sonstigen Treibhausgase setzt das Kieler Agrarressort auf eine energieeffiziente Infrastruktur, nachhaltige Antriebssysteme im Ackerbau, die Digitalisierung und Precision-Farming sowie den Bodenkohlenstoff und Integrierte Landnutzungskonzepte.

1,4 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente

Das Klimaschutzprogramm gibt eine Einschätzung zur erzielbaren THG-Minderung pro Jahr bis 2030. Diese wird für den Sektor Landwirtschaft mit etwa 0,8 Mio. t CO2-Äquivalenten beziffert. Berücksichtige man die Koppeleffekte auf andere Bereiche wie etwa den Sektor Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) und den Industrie-Sektor, zum Beispiel durch die Reduktion von CO2-Emissionen aus Moorböden, die CO2-Bindung in landwirtschaftlich genutzten Mineralböden sowie den Rückgang des Mineraldüngerverbrauchs, könne sich der Beitrag der Landwirtschaft in der Summe auf 1,4 Mio. t CO2-Äquivalente erhöhen. Wenn nahezu alle genannten Maßnahmen umgesetzt würden, führe dies nach aktuellen Kalkulationen zu zusätzlichen jährlichen betriebswirtschaftlichen Kosten von 124 Mio. €. Diese Kosten sollten durch entsprechende Fördermaßnahmen, Forschung und Entwicklung sowie Beratung individuell bewertet und entsprechend maßnahmendifferenziert kompensiert werden, um die landwirtschaftlichen Betriebe bei diesem Anpassungsprozess zu begleiten.

Als Nächstes Klimakabinett und Bürgerrat

Aufbauend auf den jetzt veröffentlichen Maßnahmenplänen wird die Landesregierung den ersten Entwurf für das Klimaschutzprogramm 2030 erarbeiten und ihn im Rahmen eines Klimakabinetts am Ende des Jahres vorstellen. Dann startet die Phase der öffentlichen Beteiligung und Stellungnahmen. Erstmals soll ein Bürgerrat Klima tagen, in dessen Rahmen ausgeloste Bürgerinnen und Bürger die klimapolitische Agenda des Landes diskutieren und eigene Vorschläge einbringen. Der danach überarbeitete zweite Entwurf zum Klimaschutzprogramm soll im Sommer 2024 vorgestellt werden. Die Landesregierung strebt die Verabschiedung des Programmes im Herbst kommenden Jahres an.age, mbw

Auf den Hund gekommen

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Die Zeiten, in denen mindestens ein Hund auf einen Bauernhof gehörte, scheinen vorbei zu sein. Längst nicht auf allen Höfen leben ein oder mehrere Hunde. Und die Landwirte, die Hunde halten, tun das aus sehr unterschiedlichen Motiven.

Die erste Landwirtin, die ich fragte, ob ich sie für meinen Beitrag besuchen dürfte, sagte spontan zu, um gleich hinterher wieder einen Rückzieher zu machen. „Wenn die Leute erfahren, dass unser Hund ein ganz lieber ist, dann locken wir vielleicht noch Einbrecher an. Unser Hof ist doch ziemlich abgelegen.“ Ein klassischer Wachhund ist das offensichtlich nicht, sondern eher ein Familienmitglied, wie bei vielen Hundehaltern ohne Bauernhof auch.

Der türkische Hirtenhund ist ein verlässlicher Partner und Wachhund.

Ganz anders bei Familie Bielfeldt in Bünsdorf. Sie kauften sich zwei türkische Hirtenhunde, nachdem auf dem Hof eingebrochen wurde. 40 und 50 kg brachten die beiden auf die Waage. Sie verschaffen sich schon durch die Größe Respekt. Einen der beiden Hunde haben Bielfeldts inzwischen durch eine rätselhafte Krankheit verloren, doch auch ein türkischer Hirtenhund bewacht den Hof und die sich anschließende Schafweide zuverlässig. Denn türkische Hirtenhunde nehmen es in ihrer Heimat mit Wölfen auf. Türkische Hirtenhunde sind nachtaktiv. Nichtsdestotrotz schlafen sie nicht den gesamten Tag über. Das kann im alltäglichen Leben auch schon einmal ein Nachteil sein. „Liefern türkischstämmige Paketboten ein Paket an, klingeln sie nicht mehr bei uns, sondern legen es in sicherer Entfernung ab. Denn die kennen diese Hunderasse aus ihrer Heimat“, so Katharina Bielfeldt.

Werner lebt bei Jahne und Wiebke Zastrow. Zastrows sind für den Pflanzenbau auf dem Ziegenhof Mevs in Schinkel zuständig. Ein echter Wachhund ist der Appenzeller Sennenhund Werner nicht. „Wir haben Mieter im Haus und er soll nicht bei jedem Besuch bellen.“ Also bellt er nicht. Auch die Ziegen sind für ihn tabu. Alles Erziehungssache. Er gehört wie Herrchen und Frauchen zur Abteilung Feldarbeit. Wenn er auf den Trecker darf und sein Herrchen oder Frauchen zur Feldarbeit begleiten kann, ist er in seinem Element. Er kennt seinen Platz auf dem Trecker und den verlässt er nicht, auch nicht um Hasen zu jagen. Der Jäger weiß Bescheid und so kommen sich die beiden nicht ins Gehege. Auch andere Hunde stören ihn nicht. Er haut nicht ab. Der Appenzeller Sennenhund ist ein sportlicher Hund, wird er doch auf der Alm zum Treiben der Rinder eingesetzt. Werner war zur Hundeschule, damit er das kooperative Verhalten an den Tag legt, das Zastrows von ihm erwarten. „Er braucht klare Grenzen.“

Werner liebt es, sein Frauchen Wiebke auf dem Trecker bei der Feldarbeit zu begleiten

Timmermanns haben schon viele Hunde verloren, denn der Hof befindet sich direkt an einer viel befahrenen Straße in Großkönigsförde. Der jetzigen Langhaar-Collie-Hündin Lessi haben Timmermanns von Anfang an klargemacht, dass ihr Revier nur bis zum Straßenrand geht. Deshalb ist es auch kein Problem, wenn sie hinterm Straßenrand frei herumläuft. Dort ist sie gefahrlos unterwegs, sowohl auf dem Hof von Familie Frank Timmermann, die Milchkühe hält, als auch im benachbarten Haus von Annegret und Horst Timmermann, den Eltern von Frank Timmermann. Lessi ist eine ausgesprochen gute Wachhündin, die den Postboten auch schon einmal in Angst und Schrecken versetzt. „Meist nehme ich sie in der Zeit, in der der Postbote in aller Regel kommt, ins Haus“, so Annegret Timmermann. Auch im Kuhstall ist Lessi sehr aufmerksam. „Unser Sohn war nicht zu Hause und wir sollten nach einer Kuh schauen, die in Kürze kalben sollte. Lessi hat uns Bescheid gesagt, noch bevor wir selbst bemerkt hatten, dass es jetzt so weit war“, so Annegret Timmermann. Mit den Katzen auf dem Hof kommt sie gut klar. Fremde Katzen jagt sie vom Hof. Hinter dem Kuhstall beginnen die Felder. Die sind für Lessi tabu und daran hält sie sich auch. „Collies lassen sich leicht erziehen“, wissen Annegret und Horst Timmermann.

Odin ist ein Kuvasz – eine ungarische Herdenschutzhunderasse. Er ist ein ganz besonderer Hofhund. Er geht quasi auf den Hof zur Arbeit. Sein Herrchen Jonas Kock arbeitet auf dem Schulbauernhof Helle, und der bringt ihn einfach jeden Morgen mit zur Arbeit. Er begleitet die Kinder bei der täglichen Hofrunde und holt sich bei ihnen seine täglichen Streicheleinheiten ab. Kinder, die mit Respekt vor Hunden auf den Hof kommen, verlieren bald ihre Scheu vor dem großen Hund. Zu den Katzen des Hofes hat er ein gutes Verhältnis und nicht nur zu denen. Er sucht auch Kontakt zu den Nachbarkatzen. „Andere Katzen, wie die vom benachbarten Hof, finden das aber meist ziemlich suspekt, wenn er sie beschnüffeln möchte, und laufen dann weg oder bleiben wie eingefroren stehen“, sagt Jonas Kock, der Odin ein freundliches Auftreten auch allen anderen Tieren gegenüber bescheinigt. Vor ein paar Jahren hat er sich um ein Lamm gekümmert, das von seiner Mutter verstoßen worden war. Das Lamm wurde mit der Flasche aufgezogen. Odin sorgte für die nötige Zuwendung an Mutterstelle, ein echter Herdenschutzhund eben.

Collie Lessi ist eine ausgesprochen gute Wachhündin, wissen Annegret und Horst Timmermann.

„Düsse Spraak höört wi gern“

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„Min Modersprak, wa klingst du schön! Wa büst du mi vertrut!“ – so fangt en Gedicht vun den nedderdüütschen Dichter Klaus Groth an. Un dat weer ok Tenor bi dat Plattdüütschfest vergangen Sünndag in de Ole ­Schüün op dat Gut Hanerau. Inlaadt harrn de Kreisvereen Rendsburg un de Oortsvereen Hanerau-Hademarschen vun den Sleswig-Holsteenschen Heimatbund (SHHB).

De Vörsittersche vun den SHHB-Oortsvereen Hanerau-Hademarschen, Waltraut Barnstedt, hett sik freit, dat so veele Lüüd kamen sünd, um en schönen Namiddag mit de plattdüütsche Spraak to verbringen, „denn Plattdüütsch hört wi gern“, see se.

Un ok de Rendsburger Kreisvereenvörsittersche Elke Heinz find, dat de plattdüütsche Spraak wat Besünners is: „Ik hööp, dat dat so blifft un wi dat ok an de Jüngeren un Kinner wiedergifft. Dat is nich eenfach, aver wi sünd so wiet, dat se dat to‘n Deel wedder in de School lehrt. Schöön is dat, wenn tohuus mit de Kinner ok wedder Platt snackt warrt. Dorüm mien Appell: Wenn se egen Kinner hebbt, maakt dat mööglich, dat ji mit de Kinner Plattdüütsch snackt, damit düsse schöne Spraak ok wiederdrogen warrt“, so Elke Heinz. Se hett verkloort, dat dat in‘n Kreis negen Oortsvereens gifft, de vör Oort för hör Liddmaten Veranstaltungen maken un Angebote in veel verscheeden Berieken hebbt. Dat Plattdüütschfest warrt elk Johr vun en anner Oortsvereen dörführt un utstaffert: düt Johr in Hanerau-Hademarschen.

De Vörsittersche vun de SHHB-Oortsvereen Hanerau-Hademarschen, Waltraut Barnstedt

„Min Modersprak“ vun Klaus Groth weer dann ok en vun de Leeder, de Helmut Robitzky un Ulf Schirmer speelt hebbt. Twüschen de Leeder geev dat plattdüütsche Geschichten vun Helmut Robitzky, to‘n Bispeel vun Storch Otte ut Oldenbüttel, de bi’n Gasthoff Gosch tohuus weer.

Jochen Pahl hett wat vun sien Hanerauer Watermöhl vertellt, gliek achter’n Diek, de de Möhlen mit Water andrievt. Al 1490 geev dat en Watermöhl, aver de weer noch achter de Hoff. An de aktuelle Standoort woor de Möhlen 1614 dat eerste Mal as „Hanrover Muhle furm Hofe“ in‘t Landregister nöömt. 1790 is de Möhl ­ümbuut worrn, vun „unterschlächtig“ in „oberschlächtig“. „Dat heet, dat Water löppt nu vun baven op dat Rad“, see Jochen Pahl.

De Möhl is siet 1909 in Besitt vun de Familie Pahl un woor bet 1965 kommerziell bruuk. „Achteran woor se vun mien Vadder Heinrich Pahl för den egen Berief bedreeven.“ 2012 hett sik de „Verein zur Erhaltung der Wassermühle Hanerau“ grünnt. De Liddmaten draapt sik regelmatig, um de Möhl instand to holen. 2020 woor dat Waterrad utwesselt, düt Johr de Standwelle. De Möhl is nu autark, „dat heet all Maschinen warrt mit Waterkraft andreven“, so Pahl. Besökers köönt sik dat ankieken, to‘n Bispeel bi de Möhlendag eenmal in‘t Johr. Jochen Pahl wiest, woans dat Koorn mahlt warrt un worüm de Möhl klappert. Man dat wichtigst is: „In de Möhl dröppt man sik un snackt platt.“

Ulf Schirmer un Helmut Robitzky hebbt dat Publikum mit Musik un Geschichten ünnerhoolt.
Jochen Pahl vertellt de Geschicht vun sien Watermöhl.
2020 woor dat ole Waterrad utwesselt. Andreven warrt dat Rad vun dat Water ut den Möhlendiek.
De Hanerauer  Watermöhl 
Schild över de Döör
Alte Ansicht Wassermühle in Hanerau-Hademarschen
Foto: Privat
Blik över ’n Diek 
Gut Hanerau


Sommerzeit ist Fohlenzeit

Zur Fohlenzeit ruft das Bauernblatt alljährlich zur Fotoaktion auf. In diesem Jahr war die Resonanz riesig. Da auf den Fotoseiten im aktuellen Bauernblatt nicht alle Fotos veröffentlichen werden können, zeigen wir hier weitere schöne Motive.

Überall im Land zwischen den Meeren freuen sich die Züchter über gesunden Pferde- und Ponynachwuchs. Egal ob groß oder klein, fuchsfarben, braun, gescheckt oder schwarz, alle Fohlen genießen die unbeschwerte Zeit mit ihren Müttern auf den Wiesen.


Eekbargs Lona ist in Neu Duvenstedt, Kreis Rendsburg-Eckernförde, zu Hause. Foto: Jennifer Hennig
Vanessa Groß hat von ihrer Mutter das Oldenburger Fohlen Jack aus der Zucht der Familie Schurek in Wanderup, Kreis Schleswig-Flensburg, bekommen. Foto: Sabrina Groß
Sophex ist Föhrer Friesisch (ferring) und bedeutet Suppenhexe. In der Grundschulzeit der Züchter Svea und Svend Carstensen gab es ein Ausmalbuch mit diesem Titel. Nun haben sie ihrem Schleswiger Fohlen diesen Namen gegeben. Die Kleine wächst in Kleve, Kreis Dithmarschen, auf. Foto: Thabea Carstensen


Westensees Lille Hvite ist ein Fjordhengst, der in der Fjordhestskole in Eisendorf, Kreis Rendsburg-Eckernförde, lebt. Er stammt aus der Zucht von Stefanie Mehlig. Foto: Julina Sedat
United Way-Calido I ist die Abstammung dieses Holsteiners aus der Zucht von Björn Hansen aus Norderstedt, Kreis Segeberg. Foto: Saskia Witt
Hengst, Stute und Fohlen aus einem Besitz sind selten. In Hohenfelde, Kreis Steinburg, bei Angelika Magnussen ist dies der Fall. Islandfohlen Ari vom Bollensee wächst also sehr familiär auf. Foto: Herzenstier
Ein Palomino namens Bianna Blodeuwedd wurde bei Sabine Prigge aus Molfsee, Kreis Rendsburg-Eckernförde, geboren. Die Kleine ist ein Welsh-B Stutfohlen. Foto: privat


Zwischen Ackerwissen und Streicheleinheit

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Wie sieht der Tagesablauf auf dem Hof aus? Was ist Massentierhaltung? Wie hat sich die Corona-Zeit auf die Landwirtschaft ausgewirkt? – Rund 20 Schülerinnen und Schüler (SuS) der Schleusen-Gemeinschaftsschule in Brunsbüttel, Kreis Dithmarschen, hatten bei ihrem Hofbesuch Anfang Juli auf dem Betrieb Krey in Neufelderkoog allerhand Fragen im Gepäck.

Inken Krey beschrieb anschaulich die Abläufe bei der Produktion und Weiterverarbeitung von Sellerie.

Timo und Inken Krey bauen auf ihrem Betrieb auf rund 120 ha Fläche verschiedene Kulturen wie Weizen, Steckrüben und Ackerbohnen an. Der Schwerpunkt der Arbeiten liegt aber auf dem Anbau, der Verarbeitung und dem Vertrieb von Sellerie. Zusätzlich vermietet Familie Krey Unterkünfte an Feriengäste
(www.ferienhof-krey.de).

Hofführung mit Interview

Der Kontakt zur Schule ging von der Betriebsleiterin aus, die zuvor eine Fortbildung im Rahmen der Initiative „Schulklassen auf dem Bauernhof“ der Landwirtschaftskammer absolviert hatte. Lehrerin Dörte Peters sah die Kontaktaufnahme als tolle Chance, den SuS die Landwirtschaft näherzubringen. Sie unterrichtet den jahrgangsübergreifenden Wahlpflichtkurs „Medien“ und bereitete mit den SuS über die Online-Plattform „itslearning“ ein Interview vor, das später auch in der Schülerzeitung „Boje-Welle“ abgedruckt werden soll.

Im Anschluss an die Hofbesichtigung hatten die SuS Gelegenheit, ihre Fragen zu stellen: „Wie sieht Ihr typischer Tagesablauf aus? Hat sich der Klimawandel bei Ihnen schon bemerkbar gemacht? Was ist Massentierhaltung?“ sind einige Beispiele. Krey erläuterte ausführlich und anschaulich die Perspektive der Landwirtschaft auf die angesprochenen Themen.

Die Maschinenhalle bot allerlei Landtechnik zum Angucken und Anfassen.

Mit der Aufarbeitung des Interviews bekommen die SuS die Möglichkeit, sich auch im Nachgang intensiv mit dem Hofbesuch zu beschäftigen und das Gelernte über Gespräche mit den Mitschülern und die Schülerzeitung weiterzugeben. „Dadurch werden weitere Lehrkräfte und Schülergruppen auf dieses tolle Angebot aufmerksam“, nannte Peters einen weiteren Grund für den Hofbesuch.

Gelungene Premiere

„Ich finde toll, dass Kinder, die nicht aus der Landwirtschaft kommen, mal sehen, wie die Arbeit am Hof so abläuft“, schilderte Krey ihre Motivation. Gerade im aktuellen Medienzeitalter ist es aus ihrer Sicht wichtig zu wissen, wo Nahrungsmittel herkommen und wie sie produziert werden. Für sie war der Besuch im Rahmen von „Schulklassen auf dem Bauernhof“ eine Premiere. „Ich war auch etwas aufgeregt“, so Krey. Ihr Konzept, die Produktion Schritt für Schritt zu erklären, kam aber sehr gut an. Die Landwirtin würde sich wünschen, dass es Schulen noch leichter gemacht würde, Hofbesuche zu realisieren. Sie stehe gerne wieder als Gastgeberin bereit. 

Mehr Informationen zu „Schulklassen auf dem Bauernhof“ online: https://lernendurcherleben.de

Umstellung ein „Befreiungsschlag“

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Hof Sandbek in Kappeln, Kreis Schleswig-Flensburg, hat die Umstellung zum Bioland-Betrieb am 1. Juli vollzogen. Für ihre nachhaltige Wirtschaftsweise, ihr soziales Engagement und zusätzliche Biodiversitätsprojekte zeichnete der WWF die Betriebsleiter Dirk und Bente Hopmann mit dem ­Titel „Ostseelandwirt das Jahres 2023“ aus. Das Bauernblatt war bei der Übergabe der Urkunde durch Michael Berger, WWF-Referent für nachhaltige Landwirtschaft, vor Ort.

„Wir sind am Austausch mit Menschen sehr interessiert. Deswegen haben wir eine Bewerbung geschickt“, erklärte Dirk Hopmann.

Intakte Ringelschwänze

Der Betriebsleiter hat im Rahmen der Umstellung auf ökologische Wirtschaftsweise die Mastschweineplätze von 7.000 auf 500 reduziert. Nach erfolgreichem Stallumbau und der ersten Umstellungsernte kann Hopmann seine Schweine seit Mitte 2022 ökologisch vermarkten. Er beschreibt: „Es ist schön, die Schweine mit intakten Ringelschwänzen zu sehen.“ Die Außenklimareize, Stroh- und Betonbereiche sowie ausreichend Beschäftigungsmaterial verhinderten das Schwanzbeißen.

Ziegen beweiden den Magerrasen, der sich aus Arten einer regionalen Saatgutmischung zusammensetzt.

Verwundert war der Schweinehalter, dass keinerlei Fördermittel für den Stallumbau zur Verfügung standen, obwohl die Politik nicht müde werde, mehr Tierwohl als Ziel auszurufen. In Hinblick auf das staatliche Tierhaltungskennzeichen ist Hopmann positiv eingestellt. Dieses müsse aber auf verarbeitete Ware und die ganze Kette ausgeweitet werden.

Neben den Mastschweinen im umgebauten Stall leben eine Gruppe von zehn Duroc-Sauen und ein Eber in Freilandhaltung auf Hof Sandbek. Angeschlossen sind hier Ferkelaufzucht und Mast im geschlossenen System. Die Produkte der Duroc-Schweine vermarktet der Betrieb im eigenen Vollsortimenter-Bioladen inklusive Webshop (www.biobente.de) in Kappeln. Für diesen Betriebszweig zeichnet Bente Hopmann verantwortlich. Im Laden werden ebenfalls Gemüsekisten im Abo-Modell verkauft. Für den Anbau in der hofeigenen Gärtnerei hat Dirk Hopmann mit zwei Partnern die Schleibeete GbR gegründet. Bewässert werden die Beete über eine Leitung vom Regenrückhaltebecken an der Hofstelle. „Wir haben zuletzt einige Jahre erlebt, in denen das Wasser knapp war“, berichtet der Preisträger. Die Auswirkungen des Klimawandels seien klar spürbar. Eine nachhaltige Wirtschaftsweise sei im daher sehr wichtig.

Besucher willkommen

Jeden Freitag öffnet Hof Sandbek seine Tore für Besucher. Hopmanns wollen sich dabei auch kritischen Fragen stellen und für mehr Akzeptanz werben. Auch Schulklassen besuchen regelmäßig den Hof. „Wir planen einen Rundweg/Naturlehrpfad in Zusammenarbeit mit der Stiftung Naturschutz und der Stadt Kappeln“, schildert Dirk Hopmann schon das nächste Projekt für die Öffentlichkeitsarbeit.

Die Ökoumstellung bezeichnet er im nachhinein als Befreiungsschlag, obwohl es auch Frustrationsphasen gegeben habe. Nachdem die vorigen Generationen ihren Fokus auf konventionelle Schweinemast gelegt hatten, begann er 2020/2021 mit der Umstellung. Auf den 140 ha Ackerland sind Kleegras, Ackerbohne mit Untersaaten und Futtererbse mit Sommergerste im Gemenge neu in die Fruchtfolge gekommen. Große Schläge wurden im Rahmen des Vertragsnaturschutzmusters „Kleinteiligkeit im Ackerbau“ in 2 bis 5 ha große Schläge unterteilt.

„Die Auszeichnung ist eine gute Gelegenheit, auf das Geleistete zurückzuschauen und stolz zu sein, aber auch motiviert, neue Projekte anzupacken“, freut sich der WWF-Ostseelandwirt. 

Die Kuh muss in Bewegung bleiben

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Unter dem Motto „Bleib in Bewegung“ trafen sich 80 Klauenpfleger, Tierärzte, Landwirte und Interessierte zur jährlich stattfindenden Sommertagung Klaue des Landwirtschaftlichen Bildungszentrums (LBZ) Echem. Dies bildete zugleich den Rahmen für die Abschlussveranstaltung des EIP-Projektes „Claw Condition Score – natürlich fett gepolstert“.

Das Fettpolster in der Klaue dient der Federung beim Gehen – ähnlich einer guten Dämpfung in einem Laufschuh. Ziel des EIP-Projektes ist es, einen Managementansatz zur Früherkennung von Lahmheit zu entwickeln. Die Projektgruppe setzte sich zusammen aus den drei Lehrinstitutionen Tierärztliche Hochschule Hannover, Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und Landwirtschaftliches Bildungszentrum Echem, einer Tierarztpraxis und drei Praxisbetrieben. Luise Köpke, Fachreferentin Klaue der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und Projektkoordination, sowie Dr. Andrea Fiedler, Praxisgemeinschaft für Klauengesundheit, stellten das Projekt vor und präsentierten die bis dato gewonnenen Ergebnisse.

Beurteilung des Locomotion Scores

Blutproben ausgewertet

Während der gut dreijährigen Projektlaufzeit wurden 700 Untersuchungen an 80 Tieren durchgeführt. Dabei wurden ab der ersten Besamung bis zum Ende der zweiten Laktation Blutproben entnommen, Klauenbefunde dokumentiert, die Rückenfettdicke ermittelt, das Gewicht festgestellt sowie die Größe des Fettpolsters in der Klaue bestimmt. Anhand der erhobenen Daten konnte bisher festgestellt werden, dass mithilfe eines „normalen“ Ultraschallgerätes für Fruchtbarkeitsuntersuchungen keine zuverlässigen Aussagen über die Größe des Fettpolsters getroffen werden können. Ein auffälliges Nebenergebnis hat ergeben, dass viele der Versuchstiere einen erhöhten Hämatokritwert aufwiesen, welcher auf Hitzestress beziehungsweise auf eine suboptimale Wasserversorgung hindeutet.

Die Ergebnisse zeigten: Das Fettpolster verändert sich im Laufe der Laktation, sodass der Federmechanismus unterschiedlich stark wirken kann. Nachdem das Fettpolster zu Beginn der Laktation schrumpft, erholt es sich im Anschluss wieder. Die Auswertung der erhobenen Daten ist noch nicht abgeschlossen, sodass weitere Ergebnisse zu erwarten sind.

Wer rastet, der rostet

Das Motto der Tagung zog sich als roter Faden durch alle Vorträge und Workshops. Auch die Teilnehmenden blieben stets in Bewegung, ob im eigenen Denken oder physisch zwischen Begleitmesse, Workshops und den Vorträgen. „Wer rastet, der rostet“ heißt es im Volksmund.

Auf dieser Weisheit baute Prof. Jenny Stracke, Institut für Tierwissenschaften an der Universität in Bonn, ihren Vortrag „Arteigenes Bewegungsverhalten im Haltungssystem erhalten?“ auf. Sie erklärte, dass durch den Menschen angeregte Bewegung bei Rindern, zum Beispiel in Form einer Führanlage, einen positiven Einfluss auf den Organismus habe. Dabei nehme die Zahl der roten Blutkörperchen zu, und die Herzfrequenz sinke. Außerdem verbessere sich der Herz-Kreislauf. Neben einem angestiegenem Fortpflanzungserfolg verringerten sich abkalbungsassoziierte Erkrankungen, was durch positive Einflüsse von Bewegung auf den Fettstoffwechsel in der Leber beeinflusst werde. So sei der Anteil freier Fettsäuren bei Kühen mit höherem Body Condition Score in den ersten Wochen nach der Abkalbung deutlich reduziert. Stracke veranschaulichte, wie Bewegungsreize in der Pferdehaltung platziert werden und was davon in die Rinderhaltung übertragen werden könne.

Lahmheit erkennen

„Wie bleiben unsere Tiere auch zukünftig in Bewegung?“ Dieser Frage widmete sich Prof. Kerstin Müller, Klinik für Klauentiere der Freien Universität Berlin, in ihrem Vortrag „Automatisierte Lahmheitserkennung – Wohin läuft die Zukunft?“. Für eine automatisierte Lahmheitserkennung müssen Kriterien zur Bestimmung von Lahmheit festgelegt werden. Hierzu lässt sich der Locomotion Score heranziehen: Anhand Schrittlänge, Rückenlinie, Kopfbewegungen beim Gehen und Belastung der Gliedmaßen lasse sich unterscheiden, ob ein Tier nicht lahm oder über vier weitere Abstufungen hochgradig lahm sei. Auf Basis dieser Kriterien können automatisierte Systeme anhand von Sensoren am Bein, Druckplatten, akustischer Sensorik oder visueller Erfassung bestimmen, ob Tiere einen unnormalen Gang haben. Es wurde das neue visuelle System Cattle Eye vorgestellt, das zuverlässig behandlungswürdige Tiere erkenne.

Klauenpflege durch die Augen einer Kuh

Durch die Augen einer Kuh

Am Nachmittag konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen fünf Workshops auswählen: Bei Prof. Johann Maierl, LMU München, und Dr. Andrea Fiedler wurden die Ergebnisse des EIP-Projektes mithilfe von Totklauen sowie Ultraschalluntersuchungen am lebenden Tier demonstriert. Bei Lara Auer, Firma Noone, hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, den Chairless Chair zur Entlastung des Rückens am Klauenpflegestand auszuprobieren. Im Workshop von Prof. Kerstin Müller wurde der Locomotion Score anhand von verschiedenen Tieren in der Bewegung beurteilt. Franziska Biebe, veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig, demonstrierte mithilfe der Klauenpresse die Wirkung unterschiedlicher Bodenbeläge auf die Klaue. Während des Workshops bei Dorothea Hagemann, Lehrwerkstatt Rind am LBZ Echem, hatten die Teilnehmenden dank der Kuhbrille die Möglichkeit, den Zutrieb und Klauenpflegestand durch die Augen einer Kuh zu sehen.