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Ende Juni lud der Agrarausschuss der Landjugend zu seiner jährlichen Sommerexkursion ein. Dabei wird jedes Mal ein anderer landwirtschaftlicher Betrieb in Schleswig-Holstein besichtigt. Dieses Jahr ging es auf den Buchenhof in Alt Wittenbeck, einen Familienhof in 21. Generation vor den Toren Kiels.
Bei bestem Sommerwetter fand sich eine Vielzahl interessierter Landjugendlicher aus ganz Schleswig-Holstein auf dem Betrieb der Familie Baasch ein. Alle waren gespannt, was sie erwarten würde, denn den meisten Teilnehmern war nicht viel über den Betrieb bekannt.
Bevor die Gruppe über den Hof geführt wurde, erfuhr sie, welche Entwicklung und welchen großen Wandel der landwirtschaftliche Betrieb über die Jahre durchlaufen hat. Seit 1989 konzentriert sich der Buchenhof gezielt auf den ökologischen Landbau und orientiert sich an der ökologischen Kreislaufwirtschaft. So wird versucht, alle Erzeugnisse vollständig zu verwerten oder weiterzuverarbeiten. Ursprünglich wurden noch Kühe gehalten und es gab eine Hofkäserei. Diese brannte jedoch ab. Heute hält der Betrieb keine Kühe mehr.
Auf dem Rundgang über das Gelände konnten man sehen, wie sich der Betrieb entwickelt und neue Standbeine gefunden hat. Zunächst ging es zu den Schweinen, eine der vier Säulen des Betriebes. Auf dem Hof selbst werden nur die Ferkel aufgezogen. Gemästet werden die Schweine an anderen Standorten. Die Ferkel zogen sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Sie beim Herumtollen im Stroh zu beobachten, war für viele Teilnehmer ein schöner Anblick. Aber es ging auch um die Bewirtschaftung der Ferkelaufzucht. So erfuhren die Besucher einiges über die biologische Schweinehaltung und -aufzucht und die Unterschiede zu einem konventionellen Hof. So steht den Tieren zum Beispiel die dreifache Fläche zur Verfügung.
Neben der Schweinehaltung wird vor den Toren Kiels, auf Ackerflächen direkt am Nord-Ostsee-Kanal, eine Vielzahl an Getreidesorten angebaut, neben Dinkel auch Bohnen, Gerste und Hafer. Da ausschließlich organische Düngemittel aus dem eigenen Betrieb eingesetzt werden, verzichtet der Betrieb völlig auf synthetischen Dünger und Pflanzenschutzmittel.
Das dritte Standbein ist die Vermehrung von Leguminosen und Grassamen für unterschiedliche Saatgutbetriebe. Die Gebäude hierfür wurden genauestens begutachtet. Das gereinigte Getreide wird oft auch an Bäckereien geliefert, welche ihr Getreide noch selbst mahlen.
Abfälle, die beim Dinkelschälen anfallen, finden als Einstreu beim vierten Standbein des Betriebes, der Legehennenhaltung, Verwendung. Durch die Nähe zu Kiel lassen sich die Eier gut regional vermarkten. Im Vergleich zur konventionellen Bewirtschaftung werden die Hühner nur mit 60 % der Besatzdichte gehalten. Am ungewöhnlichsten erschienen den Landjugendlichen die Pferde, die zwischen den Hühnern gehalten werden. Dabei kam die Frage auf, ob die großen Vierbeiner nicht ab und an aus Versehen auf ein Huhn treten. Aber es wurde versichert, dass beide Parteien gut miteinander auskämen. Interessant war auch, dass auf einer Seite des Auslaufs für die Hühner ein Agroforst mit schnell wachsenden Gehölzen angelegt wurde, der Holz liefert und den Hühnern zugleich Schutz bietet.
Beeindruckt von der Vielseitigkeit des Betriebes kamen nach der Führung alle zum gemütlichen Teil des Abends zusammen. Es wurde gegrillt und gemeinsam gegessen. Dabei konnten noch offen gebliebene Fragen beantwortet, Geschichten ausgetauscht und vor allem neue Kontakte geknüpft werden. John Gosch
Der Auslauf für die Hühner grenzt an einen Agroforst, der Holz liefert und zugleich Schutz bietet.Auf den Förderbändern werden die Eier sortiert und verpackt.Pferde und Hühner leben einträchtig miteinander.
Nach der Gründung an der Ostseeküste im Jahr 2001 eröffnete „Packattack“ 2008 eine Manufaktur in Berlin. Hier wurden bis März 2020 alle Taschen vor Ort hergestellt. Jetzt hat das Team in Eutin einen Neuanfang gewagt. Aber nicht allein. Es gründete einen Co-Working-Space für Kunsthandwerker und Kunsthandwerkerinnen. Die Bosauer LandFrauen besuchten dort Hannes Gebien.
Der Inhaber der Taschenmanufaktur „Packattack“ empfing die LandFrauen mit Charme und Witz und zeigte den Besucherinnen seinen interessanten Arbeitsalltag vom ersten Bleistiftstrich bis zu den letzten Hammerschlägen, um ein Produkt zu vollenden. Danach schauten sich die LandFrauen die hochwertigen und nachhaltig gefertigten Materialien vor und nach der Verarbeitung an. Der Gastgeber setzte sich dann selbst an die Nähmaschine und ließ sich beim Nähen und der späteren Fertigstellung einer Tasche über die Schulter schauten. Es war wunderbar, das Rattern der Nähmaschinen zu hören und die Perfektion der manuellen und maschinellen Tätigkeiten zu verfolgen. Natürlich durfte im Anschluss dann eine Tasche erworben werden. Es war auch kein Problem, sich eine Tasche nach eigenen Wünschen gestalten zu lassen (mehr Infos über den Kunstwerkhof unter kunstwerkhof-eutin.de).
Danach saßen die LandFrauen noch gemütlich in der Gaststätte Hubertushöhe zusammen und ließen den schönen Nachmittag ausklingen.
Für die Taschen werden hochwertige technische Textilien wie recycelte Segel, moderne Funktionsgewebe sowie wiederverwertete Bannerstoffe und Leder, aber auch exotische Dinge wie ausgediente Möbelbezüge oder alte Fallschirme verarbeitet.Liebevoll hatte Hannes Gebien (hinten) einen Umtrunk vorbereitet und servierte den Besucherinnen dazu spannende und lustige Lebensgeschichten.
Resilienz nennt man die Widerstandskraft gegen Belastungen, Krisen und Schicksalsschläge. Unterstützen kann dabei eine Beschäftigung abseits vom Beruf, die Freude bereitet, den Kopf frei macht und Kraft schöpfen lässt. Das Bauernblatt hat Landwirte und Landwirtinnen mit ungewöhnlichen Hobbys befragt. Heute: Gabriele Beckmann-Schnoor aus Padenstedt singt und spielt im Wandertheater Passelande.
„Das ist wie eine Tankstelle!“ Gabriele Beckmann-Schnoor muss nicht lange überlegen auf die Frage, was ihr das Wandertheater persönlich gibt. Zehn Tage war sie jetzt mit dem Projekt Passelande im nördlichen Kreis Plön unterwegs, mit Pferd und Wagen, schon zum dritten Mal. Route und Spielorte hat sie selbst für die Gruppe organisiert. Der Bauernblatt-Reporter traf sie an der Mühle Grebin.
Pferde, Reiten und Kutsche Fahren gehört ebenfalls zu den großen Leidenschaften von Gabriele Beckmann-Schnoor. Foto: privat
Normalerweise gehören Theater und sogar Akrobatik wie Seiltanz zur Aufführung, doch an diesem Tag regnet es so stark, dass das Programm im luftigen, offenen Zelt auf eine gute Stunde nur mit Konzert reduziert wurde. Aber von wegen „nur“: Professionelle Musiker und Musikerinnen mit Gitarren, Flöte, Geige und zwei (!) Harfen geben eine beschwingte, fröhliche und zugleich lebenskluge Darbietung, teils mit eigenen Kompositionen, teils mit vor allem französischer Bänkelmusik – die Leiterinnen der Gruppe, Skye Großkopf und Steff Peters, waren früher mehrere Jahre lang durch Frankreich gezogen „wie vor 200 Jahren“ und hatten dabei ihre Erfahrungen gemacht. Immer wieder verwandelt sich die elfköpfige Gruppe in einen bis zu vierstimmigen Chor, der mühelos Dur-Moll-Übergänge oder Taktwechsel meistert. Mittendrin und voll dabei: Gabriele Beckmann-Schnoor, 57 Jahre alt.
Sie und ihr Mann Jens Beckmann (60) führen mit sieben Angestellten und derzeit zwei Lehrlingen den Rosenhof in Padenstedt bei Neumünster, bewirtschaften 690 ha und halten 280 Kühe mit 300 Stück Jungvieh, dazu eine 750-kW-Biogasanlage und 63 kW Photovoltaik. Eine von Gabrieles Hauptaufgaben ist die Verpflegung von manchmal bis zu 15 Personen – „wenn ich koche, kann ich die Texte lernen“.
Schon lange pflegt sie Musik und Theater, nimmt Unterricht bei Gesangslehrerin Skye Großkopf und bei Theaterdozentin Steff Peters in der Musikschule Neumünster – „Mittwoch ist ab Nachmittag mein Musiktag“. Die beiden animierten sie zur Teilnahme an ihrem Wandertheater Passelande – das ist der Name des Pferdes von König Artus, das nicht nur durch die irdischen. sondern auch durch die Traum- und Seelenländer der Menschen reitet. Pferde und Kutschfahrten waren von jeher eine weitere Leidenschaft von Gabriele.
Jens Beckmann unterstützt das Hobby seiner Frau auch mit logistischer Hilfeleistung. Zur Aufführung an der Mühle Grebin ist er mitgekommen.
Wie lässt sich das mit der Landwirtschaft vereinbaren? „Organisation ist das Wichtigste: rechtzeitig, gut kommuniziert und schriftlich festgehalten“, sagt sie. Da wird für zehn Tage vorgekocht oder auch mal Pizza bestellt und auch sonst alles organisiert auf dem Hof. Einmal am Tag telefonieren sie während der Tour, das genügt. Es habe etwas gedauert, bis es sich eingespielt habe.
Jens Beckmann hilft bei Transport und Logistik für das Theater und ist heute bei der Mühle Grebin dabei. Was hält er von dem Hobby seiner Frau? „Das muss, weil wir zwei Alphatiere sind“, sagt er knapp. Jeder brauche seinen Freiraum und seine Tätigkeit. Auch er sei ja engagiert im Ehrenamt, etwa als stellvertretender Bürgermeister und als Vorsitzender des Bezirksbauernverbands Mittelholstein.
Und es komme viel Energie zurück, sagt Gabriele Beckmann-Schnoor: „Das soziale Miteinander in der Gruppe, die Unbeschwertheit, die Leichtigkeit, das bringe ich mit nach Hause.“
Nach längerer Corona-Pause fand Ende Juni vor der Ernte wieder ein Ökofeldtag in Zusammenarbeit von Saatgutunternehmen P. H. Petersen und Landwirtschaftskammer in Lundsgaard statt.
Nach Begrüßung und kurzer Betriebsvorstellung durch Firmeninhaber Matz Petersen wurden die Sortenversuche zu Ökowintergerste, Ökowinterweizen und Ökoackerbohnen von Gerd-Ullrich Krug von der Landwirtschaftskammer den zahlreichen Teilnehmern vorgestellt. Die Versuche liegen auf der Betriebsfläche des Biolandbetriebes Kai Bischoff, Langballig, der die Kooperation auch mit seiner Erfahrung unterstützt.
Die Versuche präsentierten sich trotz der Trockenheit in einem sehr guten Zustand und boten einen optimalen Überblick über die angebotene Sortenvielfalt. In Lundsgaard berichteten Stefan Ruhnke, Saaten Union, Ernst Friedemann von Münchhausen, Gut Rosenkranz, Kay Hansen, Vermarktungsgesellschaft Bioland SH, und Astrid Hansen, Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG, über „Aktuelles zum Ökomarkt“, was angeregt diskutiert wurde. Es folgte eine Führung durch die Demo-Anlage der Zwischenfrüchte und Zwischenfruchtmischungen.
Zudem gab es einen Vortrag von Michaela Schlathölter zum „Zwischenfruchtanbau in ökologischen Fruchtfolgen“.
In der Bauernblatt-Ausgabe 30 informieren wir über die Ergebnisse der Landessortenversuche Ökowintergerste.
Ob zur Fohlenschau, zur Auktion, zum Aufzuchtbetrieb oder als Notfall in die Klinik: Manchmal müssen auch Fohlen im Pferdetransporter reisen. Es gibt einige Tipps, die dabei immer beachtet werden sollten. Zusätzlich müssen jedoch auch die Stute und das Fohlen individuell betrachtet werden.
Meist wird dazu geraten, für den Fohlentransport die Mittelwand herauszunehmen, damit das Fohlen nicht zwischen Stute und Zwischenwand eingequetscht wird, und dafür durchgehende Brust- und Heckstangen einzuhängen. Allerdings lehnen manche diesen Umbau mit der Begründung ab, der Anhänger werde dadurch instabil. „Die Entfernung der Mittelwand spaltet die gewerblichen Transporteure, aber auch die Züchter und Pferdehändler“, erklärt Elisabeth Gasser, die in ihren 20 Jahren Erfahrung im gewerblichen Pferdetransport schon etliche Fohlen gefahren hat. „Aus meiner Sicht ist ein Hänger aufgrund der durchgehenden Brust- und Heckstangen auch ohne Mittelwand stabil.“ Ihr ist wichtig, dass das Fohlen während der Fahrt Kontakt zur Mutter hat und am Euter trinken kann.
Auch Tierheilpraktikerin Claudia Wobornik, die seit 2016 Pferdetransporte mit „ganzheitlichem Zugang“ anbietet, weiß um das Streitthema Mittelwand. „Jedoch sehe ich bei einem Absetzer das Risiko nicht, dass dieser den Anhänger umschmeißt“, wendet sie ein. Sie warnt allerdings, dass ein Großpferd durchaus dazu in der Lage wäre, weil der Schwerpunkt viel höher ist als bei einem Fohlen oder Pony. Sollte also bekannt sein, dass die Mutterstute Panik vor dem Fahren habe, müsse man in jedem einzelnen Fall entscheiden, wie man an den Transport herangehe. Dennoch sehe sie beim Fahren von Stute und Fohlen mit Mittelwand grundsätzlich ein höheres Risiko als ohne Mittelwand.
Elisabeth Gasser weist auf ihrer Homepage darauf hin, dass Fohlen bis zu einem Alter von acht Monaten unangebunden transportiert werden können. Denn die Gefahr, dass das Fohlen während der Fahrt im Strick hängen bleibt oder sich gar stranguliert, ist nicht von der Hand zu weisen. Claudia Wobornik bindet Fohlen und Absetzer sogar bis zum Alter von einem Jahr im Hänger nicht an. Sie rät: „Wenn der Pferdenachwuchs beim Transport ein Halfter trägt, bitte den Anhänger kontrollieren, ob das Fohlen nirgends hängen bleiben kann.“
Klappe zu
Weil die Fohlen „frei“ im Hänger stehen, ist es sehr wichtig, dass der Freiraum über der geschlossenen Rampe nicht offen ist. Gasser verwendet bei Fohlentransporten grundsätzlich ein spezielles Fohlengitter oberhalb der Rampe. „Je nach Anforderungen beziehungsweise Verhalten des Fohlens im Hänger kann man entweder nur mit Fohlengitter oder auch zusätzlich mit herabgezogener Plane, also blickdicht, fahren. Für eine ausreichende Belüftung sorgen das zusätzliche Dachfenster und spezielle Lüftungsgitter im Planenrollo.“
Bei Claudia Wobornik verfügt der Anhänger über eine spezielle Fohlenschutzklappe. „Wir sehen in herkömmlichen Fohlenschutzgittern ein gewisses Restrisiko in Bezug auf Verletzungen“, erklärt sie und warnt: „Ein Rollo beziehungsweise eine Plane reicht allein nicht aus, um ein Fohlen sicher zu transportieren.“ All diese Maßnahmen haben das gleiche Ziel: Das Fohlen soll am Herausspringen über die Heckklappe gehindert werden.
Eine Heutasche kann auf Fohlentransporten eine Alternative zum Heunetz sein. Foto: Pferdetransporte Claudia Wobornik
Wenn Fohlen mitfahren, verwendet Elisabeth Gasser kein Heunetz, denn das Fohlen könnte sich mit den Hufen darin verfangen. Stattdessen füttert sie loses Heu am Boden. Für Wobornik ist die Heutasche eine gute Lösung: „Die Fohlen treten nicht in das Heu und können sich besser ausbalancieren, als wenn der Kopf beim Fressen am Boden ist.“ Sie empfiehlt, die Heutasche mit einem Panikhaken an einer Seite im Anhänger zu fixieren. Sollte das Fohlen je in die Tasche springen, könne diese entweder leicht abgenommen werden oder der Panikhaken öffne von selbst.
Eine Kameraüberwachung im Anhänger zeigt, ob es den vierbeinigen Passagieren gut geht. Bei beiden Transportprofis ist eine Anhängerkamera auf allen Fahrten Standard – und eine dicke Schicht Sägespäne. Und zwar nur Sägespäne, alles andere sei rutschig, warnt Claudia Wobornik. Nicht vergessen: „Zwingend erforderlich ist bei Fohlen ein Zusperren der vorderen Tür („Menschentür“), denn diese könnte während der Fahrt aufgehen, da sie von innen zu öffnen ist“, so Elisabeth Gasser.
Mitunter wird geraten, den Bug des Anhängers mit Strohballen „auszustopfen“, um ein Durchrutschen des Fohlens unter den Bruststangen und einen Aufprall an der Anhängervorderwand zu vermeiden. Elisabeth Gasser ist davon abgekommen – zu groß ist in ihren Augen die Gefahr: „Es ist nicht möglich, die Strohballen entsprechend sicher festzubinden. Während der Fahrt können sie zu wahren Geschossen werden.“ Claudia Wobornik sieht zusätzlich noch ein anderes Problem: „Die Strohballenschnüre sind eine Gefahrenquelle.“ Vor allem Fohlen könnten daran hängen bleiben.
Immer der Stute nach
Für das Verladen muss immer genügend Zeit eingeplant werden – bei einem Fohlentransport gilt das umso mehr. Denn wenn das Verladen nicht auf Anhieb klappt, ist nichts schlimmer als Hektik. Diese überträgt sich auf die Vierbeiner. „Schließlich soll der erste oder einer der ersten Transporte so entspannt und ruhig wie irgend möglich stattfinden“, betont Elisabeth Gasser.
Claudia Wobornik warnt: „Grundsätzlich ist es von Vorteil, mit Belohnungen zu arbeiten. Allerdings dürfen zum Verladen oder in Transportpausen keine Karotten, Äpfel oder Ähnliches gefüttert werden. Pferde und Fohlen, die unter Stress stehen, fressen entweder gar nicht oder gierig. Die Gefahr einer Schlundverstopfung durch unzureichend gekaute Karotten und Ähnliches ist dann groß.“
„Das Verladen mit Stute funktioniert in der Regel am besten, wenn zuerst die Stute in den Hänger geführt wird und dann mindestens ein Mensch das Fohlen am Strick und zusätzlich einer Longe oder längerem Strick um den Po, am Rücken zusammengehalten, in den Hänger führt“, erklärt Gasser. „Beim Ausladen wird erst die Stute losgebunden, danach öffnet ein Helfer die Rampe und entfernt die hintere Stange. Wenn genug Platz ist, wird die Stute umgedreht und man wartet erst einmal, wie das Fohlen reagiert. Dann wird die Stute in Ruhe aus dem Hänger geführt, das Fohlen folgt der Mutter im Normalfall problemlos.“ Wobornik ergänzt: „Im Idealfall steht zur Sicherheit rechts und links vom Anhänger je eine Person, um ein seitliches Hinunterhüpfen zu verhindern.“
Üben, üben, üben
Damit Fohlen (und Stuten) den Hänger nicht als Schreckgespenst wahrnehmen, ist es wichtig, das Einladen vor dem „Ernstfall“ immer mal wieder zu üben. „Ich rate Fohlenbesitzern immer, ebenso wie das Fohlen-ABC zu trainieren (Füße heben, anhängen, putzen, führen und anderes), das Fohlen auch beispielsweise über Holzplatten, zwischen Strohballen hindurch oder über Planen gehen und im Idealfall in einen Hänger ein- und wieder aussteigen zu lassen, bevor man es transportiert“, rät Gasser. Dieses langsame Gewöhnen eines Fohlens an den Hänger wäre ihrer Meinung nach sehr wünschenswert, so wie auch für jedes „große“ Pferd regelmäßiges Üben gut wäre. Doch leider passiere das viel zu selten.
Gute Vorbereitung ist alles
„Eine gute Vorbereitung ist alles“, betont auch Wobornik. „Am besten den Anhänger immer wieder präsentieren, erkunden lassen, wirklich Zeit und Geduld nehmen. Es reichen täglich ein paar Minuten, und das am besten spielerisch gemeinsam mit der Mutterstute. Fohlen sind von Natur aus sehr neugierig und diese Erkundungsphase kann man hierbei gut nutzen.“
Im Idealfall sind die Fohlen bereits halfterführig, damit sie im Bedarfsfall auf den Hänger und wieder heruntergeführt werden können. Foto: Sven Morell
Für den Transport ist es sinnvoll, wenn der Pferdenachwuchs bereits halfterführig ist und problemlos sowohl auf den Hänger als auch wieder heruntergeführt werden kann. Selbst wenn das freie Hinein- und Hinauslaufen auf der gewohnten Hofeinfahrt perfekt funktioniert – unterwegs kann immer etwas passieren. Muss das Fohlen beispielsweise unvorhergesehen auf einer Straße ausgeladen werden, muss es sicher am Strick bleiben.
In diesem Zusammenhang spricht Claudia Wobornik eine eindringliche Warnung aus: „Bitte beim Verladen keine Stricke mit Panikhaken verwenden. Wenn sich der Panikhaken löst, kann dies zu bösen Verletzungen beim Menschen führen, zusätzlich läuft dann auch noch das Pferd beziehungsweise Fohlen frei herum.“ Empfehlenswert sei stattdessen ein (langes) Führseil mit Karabiner. Im Anhänger dagegen müssen die Pferde, wenn sie angebunden werden, mit Panikhaken gesichert werden. Sicherheit muss immer an erster Stelle stehen.
„Ich bin bestrebt, dass die Fohlen einen guten Start in ihr Transportleben bekommen, daher wird die Fahrweise wie bei jedem anderen Pferd angepasst: Vorausschauend fahren, viel Abstand halten, so wenig wie möglich bremsen und vorausschauend verlangsamend bremsen“, fasst Tierheilpraktikerin Claudia Wobornik zusammen.
Sonntagsfahrten
Weil die Fahrt etwas anderes ist als lediglich in den Hänger hineinzugehen, sollte vorab auch durchaus mal eine kleine Übungsrunde gefahren werden. Wobornik hat noch einen Tipp: „Ich fahre Fohlen oder Pferde, die noch nie transportiert wurden, immer gerne sonntags. Dann sind schon mal keine Lkw auf den Straßen unterwegs, und dies reduziert bereits den Stress.“
Dies bestätigt auch Elisabeth Gasser: „Ich habe Kunden, die mit mir vor etlichen Jahren genau diese langsame Gewöhnung an den Hänger durchgeführt haben, dann auch mal eine Übungsrunde gefahren sind und sich so mit ihrem Jungspund an das Thema herangetastet haben. Eben diese hatten noch nie ein Verladeproblem – auch nicht in aufregenden Situationen.“
Sybille Meyer leitet seit Mitte Mai die Geschäfte des Bauernverbandes Hamburg (BVHH). Über ihre Verbindung zur Landwirtschaft, die Schwerpunkte ihrer Arbeit und die besonderen Herausforderungen in der Hansestadt, sprach sie mit dem Bauernblatt.
Wie sind Sie zu Ihrer neuen Anstellung gekommen?
Ich bin mit einem Landwirt verheiratet und brauchte vor zirka fünf Jahren vom Verband einen Vertrag für unseren Betrieb. Deswegen hatte ich den damaligen Geschäftsführer Dr. Carsten Bargmann angerufen. Im Gespräch sagte er, dass er eine Assistenz sucht. Diese Aufgabe konnte ich mir vorstellen, da ich im Vorfeld schon für den eigenen Betrieb die Fortbildung zur Agrarbüromanagerin in Niedersachsen absolviert hatte. Zwischenzeitlich habe ich nach fünf Jahren als Assistenz der Geschäftsführung des BVHH ab Januar 2023 die Verbandsarbeit beendet, um wieder aktiver auf unserem Betrieb mitzuwirken. Nachdem die Stelle der Geschäftsführung kurzfristig frei wurde ist BVHH-Präsident Martin Lüdeke mit dem Vorstand auf mich zugekommen und hat mir den Posten angeboten.
Haben Sie als BVHH-Geschäftsführerin eine Vollzeitstelle?
Nein, ich arbeite 25 Stunden pro Woche in der Geschäftsstelle. Dazu kommen Projekte mit der Umwelt- und Landwirtschaftsbehörde in Hamburg (Bukea), in denen ich als Selbstständige mitarbeite und nebenbei helfe ich natürlich zu Hause auf unserem Ackerbaubetrieb mit, überwiegend im Büro, obwohl ich auch gerne Trecker fahre.
Was ist der Unterschied zwischen Assistenz und Geschäftsführung?
Für mich ist nun das die politische Arbeit stark in den Vordergrund gerückt. Als Assistenz in der Geschäftsstelle habe ich überwiegend die Mitglieder betreut. Nun freue ich mich auf die neuen Herausforderungen und darauf, die agrarpolitische Zukunft Hamburgs mitgestalten zu können.
Wie sieht die politische Arbeit im Alltagsgeschäft aus?
Es geht viel um die Ansprache. Wir pflegen einen guten Austausch mit unseren Senatoren und laden sie auf unsere Höfe ein. Wir sind da gut im Gespräch, vor allem mit Umwelt- und Landwirtschaftssenator Jens Kerstan (Grüne) und seiner Behörde. Uns ist wichtig, die gute fachliche Praxis der Landwirtschaft darzustellen, zu erklären und das Verständnis für unsere Belange zu stärken. Wir haben dafür ein ausgezeichnetes Netzwerk aufgebaut.
Fällt es schwer, die Interessen der Landwirtschaft in einer Metropole wie Hamburg zu vertreten?
Die Landwirtschaft in Hamburg ist wichtig. Einige Gruppen wollen aber in erster Linie Naturschutz umsetzen. Da müssen wir gegenhalten. Ich habe den Eindruck, dass Landwirtschaft hier grundsätzlich gewollt ist und auch gefördert wird. Die Bukea hat jüngst dabei unterstützt, ein Projekt für die teilmobile Schlachtung in den Vier- und Marschlanden voranzubringen. Einen Schlachter mit den notwendigen Zulassungen haben wir bereits gefunden. Momentan sind wir auf der Suche nach einem Baugrundstück, wo wir perspektivisch zirka 1.000 Rinder im Jahr verarbeiten wollen.
Welche Ziele verfolgen Sie in dem Schlachtprojekt?
Für mich ist nun das die politische Arbeit stark in den Vordergrund gerückt. Als Assistenz in der Geschäftsstelle habe ich überwiegend die Mitglieder betreut. Nun freue ich mich auf die neuen Herausforderungen und darauf, die agrarpolitische Zukunft Hamburgs mitgestalten zu können.
Sind Hamburger Landwirtinnen und Landwirte automatisch gute Öffentlichkeitsarbeiter, weil die Höfe so nah am Verbraucher sind?
Alle Betriebe hier sind offen, Aufklärungsarbeit zu leisten, sowohl im persönlichen Gespräch als auch über digitale Kanäle. Wir nutzen zum Beispiel die Webseite „Ackern für Hamburg“ (siehe Kasten) um uns darzustellen und mit Verbrauchern in Kontakt zu treten.
Was sind in Hamburg die wichtigsten Produktionsbereiche neben der Tierhaltung?
Wir haben viel Gemüsebau, den Obstbau und Sonderkulturbetriebe, die beispielsweise Stauden und Rosen anbauen. Die Hamburger Landwirtschaft ist vielfältig.
Vielfältige Aufgaben erfordern ein breites Spektrum an Information und Wissen. Welche Anlaufstellen nutzen Sie?
Erste Ansprechpartner für mich sind immer der Präsident Martin Lüdeke und die Vorstandsmitglieder. Wir pflegen flache Hierarchien. Alle arbeiten als Team, und jeder kann gefragt werden. Wir haben außerdem schon immer eng mit dem Bauernverband Schleswig-Holstein zusammengearbeitet. Durch die Unternehmerinnen-Fachgruppe ist das zuletzt noch mehr geworden. Und aufgrund ähnlicher Herausforderungen sind wir auch mit den Kollegen aus Bremen regelmäßig im Austausch.
Worin sehen Sie die größten Herausforderungen für die Hamburger Landwirtschaft?
Wir haben großen Flächendruck. Das ist tatsächlich eine Riesenbaustelle. In Hamburg betrifft dies neben Siedlungs- und Verkehrsflächen zusätzlich Infrastrukturvorhaben und Erneuerbare Energien, genauso wie Naturschutz, einschließlich Flächen für Kompensationsmaßnahmen und die dadurch steigenden Pachtpreise. Ein weiteres drängendes Thema ist der EU-Kommissionsvorschlag zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Hier muss eine tragfähige und langfristige Lösung für die Obstbauern erarbeitet werden. Darüber hinaus beschäftigt uns die Entwicklung bei der Mehrgefahrenversicherung.
Verbandsintern will sich auf Sicht der Vorstand gerne verjüngen, um für die Interessenvertretung weiterhin gut und zukunftsfähig aufgestellt zu sein.
Info
„Ackern für Hamburg“ ist ein digitaler Marktplatz von Bauern, Gärtnern, Verarbeitern, Gastwirten und Händlern aus Hamburg und Umgebung. Auf der Plattform werden die Vielfalt und Qualität der Erzeugnisse sowie die Dienstleistungen der Hamburger Agrarwirtschaft präsentiert: www.ackernfuerhamburg.de
Sein neues Traktoren-Flagschiff Xerion (12er-Serie) präsentierte Landtechikhersteller Claas vergangene Woche bei einen Presse-Event in der Nähe seines Stammwerks im westfälischen Harsewinkel. Neben dem Xerion standen Kompakttraktoren sowie Drusch- und Mähtechnik im Fokus.
Für Claas-Geschäftsführer Jan-Hendrik Mohr besitzt der Traktorensektor für das Familienunternehmen das größte Wachstumspotenzial. Deswegen wolle man sich weiter insbesondere auf diesen Bereich konzentrieren. Zahlen für das laufende Geschäftsjahr nannte er nicht, deutete aber an, dass Claas im Herbst ein „gutes Ergebnis“ präsentieren werde.
Dr. Martin von Hoyningen-Huene, der bei Claas für das Geschäftsfeld Traktoren verantwortlich zeichnet, erinnerte an die 25-jährige „Erfolgsgeschichte“ des Claas-Traktorensegments. Er mahnte aber auch, dass überspitzte gesetzliche Anforderungen und Verbote den Produktionsstandort Europa schwächen könnten.
Viele Assistenzsysteme
Mit der neuen Xerion der 12er Serie präsentiert Class einen Spezialisten in der höchsten Leistungsklasse bei Traktoren. Die zwei Modelle zeichneten sich durch das hocheffiziente Niedrigdrehzahl-Antriebskonzept 2.0, das Fahrerassistenzsystem Cemos, eine Hydraulik-Pumpenleistung von bis zu 537 l/min sowie eine neue Kabine mit großzügigem Platzangebot und Vierpunkt-Federung aus. Als Terra-Trac-Variante kommen neu entwickelte, gedämpfte Raupenlaufwerke von Claas Industrietechnik hinzu. Das böte stärkere Rentabilität, stärkere Zugleistung, stärkeren Komfort und stärkere Assistenz.
Die zwei neuen Modelle 12.590 und 12.650 wurden laut Claas als hocheffiziente Spezialisten für schwere und schwerste Zugarbeiten vor breiten Bodenbearbeitungsgeräten und Sämaschinen sowie im Einsatz vor Überladewagen entwickelt. Kernzielmärkte seien neben den Regionen Nordamerika, Zentral- und Westeuropa und Südamerika auch Länder wie Australien.
Das Grundkonzept mit geschraubtem, hochbelastbarem Zentralrahmen und zwei Lenkachsen wurde von den kleineren Modellen Xerion 4.200, 4.500 und 5.000 übernommen und hinsichtlich der Mehrleistung, des höheren Gewichts und der größeren Spurweite angepasst. Mit bis zu 653 PS Maximalleistung und einem Motordrehmoment von bis zu 3.100 Nm ist die 12er-Serie nach Herstellerangaben der aktuell stärkste Allradtraktor mit stufenloser Getriebetechnologie auf dem Markt. Die neuen Xerion-Modelle erhalten zudem optional das von den Claas-Standardtraktoren mit Cmatic-Stufenlosgetrieben bekannte Cemos-Fahrerassistenz- und Prozessoptimierungssystem.
Lexion, Trion, Evion
Mit drei neuen Fünfschüttler-Mähdreschern erweitert Claas sein Mähdrescher-Produktprogramm unterhalb von Trion und Lexion. Der Evion sei wie maßgeschneidert für familiengeführte Landwirtschaftsbetriebe sowie Lohnunternehmen und Agrarunternehmen mit kleineren Flächenstrukturen.
Die Technik des Evion basiert auf einem Baukastensystem, das bisher bereits fast 40 Ausführungen von Lexion und Trion beinhaltete. „Wir greifen für den Evion auf tausendfach erprobte Technik zurück und gehen keine Experimente ein“, erklärte Mohr. Um verschiedenen Ansprüchen gerecht zu werden, könnten die Evion 430 und 450 entweder als Classic- oder als Maxi-Variante ausgeliefert werden. Beide Varianten und auch der Evion 410 Classic ließen sich dann entweder mit Trend- oder mit Business-Ausstattungspaket bestücken, was weitere Individualisierungsmöglichkeiten biete. Im Evion wurde ein Eintrommel-Tangentialdreschwerk mit 600-mm-Dreschtrommel und synchronisierter Wendetrommel mit fünf je 4,40 m langen Hordenschüttlern auf 1.420 mm Kanalbreite kombiniert. Daraus ergeben sich 0,95 m2 Dreschkorbfläche und 6,25 m2 Abscheidefläche über die Schüttler, was sich im Zusammenspiel mit den serienmäßigen Entgrannerklappen unter dem Dreschkorb in einer hohen Durchsatzleistung bei gleichzeitig erstklassiger Kornqualität niederschlage.
Der hinter der Kabine integrierte Korntank fasst 5.600 l beim Evion 410, 6.500 l beim Evion 430 und 8.000 l beim Topmodell Evion 450. Sensoren informieren den Fahrer bei 70 % sowie 100 % Füllstand. Darüber hinaus ermöglicht ein großes Korntankfenster dem Fahrer einen umfassenden Blick auf Füllstand und Kornqualität. Beim Entleeren profitieren laut Claas alle drei Evion von den 330 mm Durchmesser des Korntankauslaufrohres und dadurch möglichen 90 l/sek Entleerungsrate – das Abtanken sei so in 1 bis 1,5 min erledigt.
Kompakt und wendig
Mit drei neuen Baureihen baut Claas zudem sein Produktangebot im Kompakttraktorensegment aus. Je nach Kundenanspruch hinsichtlich Ausstattung und Anwendungsfeld bieten die Schlepper verschiedene technische Merkmale hinsichtlich Leistung, Kraftübertragung, Komfort und Nutzlast. Die Bandbreite reicht von 75 bis 103 PS Maximalleistung, vom voll mechanischen 4-Gang-Schaltgetriebe bis zum 5-Gang-Lastschaltgetriebe, von 30-Zoll-Hinterrädern bis zu 34 Zoll großer Bereifung und von 5,1 t bis 6,0 t zulässigem Gesamtgewicht sowie verschiedenen Kabinenoptionen. Während die Eigenschaft „Zuverlässigkeit“ gleichberechtigt in alle drei Baureihen einfloss, treten Vielseitigkeit, Leistung und Komfort je nach Baureihe unterschiedlich stark in Erscheinung.
Die Baureihe Elios 200 umfasst vier Modelle von 75 PS bis 103 PS Maximalleistung. Während der Elios 210 als Einstiegsmodell als Plattform- wie auch als Kabinenvariante ab 1,89 m (2,40 m mit Kabine) Gesamthöhe erhältlich ist, sind Elios 220, 230 und 240 ausschließlich mit Kabine verfügbar. Das Viergang-Getriebe kann wahlweise rein mechanisch oder mit Twinshift-Lastschaltung und Revershift-Wendeschaltung bestellt werden. Der Heckkraftheber stemmt 3,2 t, das zulässige Gesamtgewicht beträgt 5,1 t. Laut Claas eignet sich der Elios 200 vor allem für einfache Arbeiten im Hof- und Stallbereich – mit häufiger Nutzung insbesondere für Logistikaufgaben mit und ohne Frontlader und für leichte bis mittelschwere Zugarbeiten.
Der Elios 300 steigt bei 85 PS maximaler Motorleistung ein besteht aus drei Modellen. Wesentlichster Unterschied zum Elios 200 ist das 5-Gang-Getriebe mit serienmäßiger Twinshift-Lastschaltung und hydraulischer Revershift-Wendeschaltung. Darüber hinaus ist der Kabinenboden eben. Dank dieser Features werde ein besonders komfortables Arbeiten ermöglicht. Dank maximaler Spurweite von 2.310 mm lässt sich der Elios 300 nach Unternehmensangaben auch in unebenem Terrain und in Hanglagen sicher einsetzen.
Noch mehr Vielseitigkeit biete der Axos 200. Zwei Modelle mit 92 PS und 103 PS Maximalleistung und 5-Gang-Getriebe mit Twinshift- und Revershift-Schaltung sollen fortan dieses Traktorensegment bei Claas unterhalb des Arion 400 abrunden. Neben einer etwas höheren Hubkraft und mehr Nutzlast im Vergleich zu den Elios-Baureihen biete der Axos 200 vor allem eine größere Bereifung bis 34 Zoll auf der Hinterachse. Dadurch mache er als kompakter Allrounder auch auf anspruchsvollem Terrain im Acker- und Gemüsebau oder Forst eine gute Figur.
Jan-Hendrik Mohr ist seit April CEO bei Claas.Der Evion ergänzt die „Drescher-Familie“ bei Claas unterhalb des Trion und soll daher vor allem für kleinere und mittelgroße Betriebe interessant sein.Die Kompakttraktoren der Baureihen Elios 200, Elios 300 und Axos 200 sollen das Claas-Produktportfolio unterhalb des Arion 400 abrunden.
Wie Kleidung oder Frisuren kommen und gehen auch Gartenpflanzen mit der Mode. So manche Staude galt vor 100 Jahren noch als der letzte Schrei, verschwand dann für Jahrzehnte in der Versenkung und kommt jetzt wie Phoenix aus der Asche zurück in unsere Gärten. Das Augenmerk richtet sich nachfolgend weniger auf die altbekannten und häufig verwendeten Klassiker, sondern auf nicht so weit verbreitete historische Schätze mit großem Potenzial.
Das Knollen-Brandkraut eignet sich prima für die Gestaltung eines Beetes über mehrere Etagen hinweg. Foto: Karin Stern
Eine steile Karriere dürfte dem Knollen-Brandkraut (Phlomis tuberosa) bevorstehen. An kräftigen, 80 bis 120 cm hohen Stängeln zeigen sich von Juni bis Juli quirlförmige Blütenstände, die etagenförmig übereinander angeordnet sind. Sie schmücken noch lange nach der Blüte und verleihen bis weit in den Winter hinein dem Beet Struktur. Tipp: Wer anstelle der rosavioletten eher gelbe Blüten bevorzugt, pflanzt das verwandte Brandkraut (Phlomis russeliana). Die Staude kommt bestens in sonnigen Lagen auf durchlässigem, trockenem und gut mit Nährstoffen versorgtem Boden zurecht. Hier bieten sich als Pflanzpartner Berg-Reitgras (Calamagrostis varia), Purpur-Gewürzsalbei ‚Purpurascens‘ (Salvia officinalis) und Schafgarbe (Achillea filipendulina) an.
Recht trockenheitsverträglich ist auch das Duft-Salomonssiegel (Polygonatum odoratum). Die schattenverträgliche Waldstaude zeigt von Mai bis Juni duftende, rundliche Blüten, die wie kleine Glöckchen an elegant überhängenden Trieben schweben. Wichtig ist ein ausreichend frischer, nährstoffreicher Boden. Entsprechende Feuchtigkeit vorausgesetzt, verträgt das 20 bis 40 cm hohe Salomonssiegel auch etwas mehr Sonne.
An halbschattigen bis schattigen Standorten steckt das Salomonssiegel Trockenheit erstaunlich gut weg. Foto: Karin SternNach der Blüte schmücken die blauen Früchte des Salomonssiegels. Foto: Karin Stern
Wegen seiner weißen Blütentrauben wird Entenschnabel-Felberich teils als Schneefelberich angeboten. Foto: Karin Stern
Nach der Blüte schmückt sich die Staude mit auffälligen, schwarzblauen Früchten. In schattigen Bereichen bringt das Salomonssiegel mit seinem Wuchs etwas Abwechslung zwischen Immergrün, Waldsteinie und andere Bodendecker. Im Beet wirkt die Kombination mit Funkien, Farnen, Schattengräsern oder dem Entenschnabel-Felberich (Lysimachia clethroides) sehr schön. Seine aparten, reinweißen, entenschnabelartig geschwungenen Blüten öffnen sich von Juli bis September, also gleich im Anschluss an die Blütezeit des Salomonsiegels. Die wunderschöne Staude kommt an sonnigen bis halbschattigen Standorten mit ausreichend feuchtem Boden bestens zurecht. Der Boden sollte jedoch nicht ganz austrocknen. Dieser Felberich breitet sich über Ausläufer im Laufe der Zeit aus und ist daher vor allem für große Grundstücke oder große Beete zu empfehlen.
Die Gold-Wolfsmilch (Euphorbia polychroma) hingegen ist ein Kandidat für Extremstandorte und zudem mit ihren leuchtend gelben Blüten im Frühlingsgarten geradezu unentbehrlich. Die Staude bevorzugt einen sonnigen Platz mit eher trockenem, durchlässigem und kalkhaltigem Boden. Mit ihrer Trockenheitsverträglichkeit wird sie zukünftig sicher häufiger in unseren Gärten zu finden sein, zumal sie auch ausgesprochen ausdauernd ist. Die robuste, etwa 40 bis 60 cm hohe Schönheit passt gut in den Steingarten oder an den Rabattenrand. Tipp: Bei Pflegearbeiten Handschuhe tragen, da der austretende weiße Milchsaft zu Hautreizungen führen kann.
Bei Pflegearbeiten trägt man besser Handschuhe, denn der austretende Milchsaft der Gold-Wolfsmilch kann Hautreizungen verursachen. Foto: Karin SternJe nach Sorte wachsen Knäuel-Glockenblumen zwischen 15 und 60 cm hoch. Foto: Karin Stern
Schon vor mehr als 100 Jahren fand eine Gartenzeitung lobende Worte für die Knäuel-Glockenblume ‚Dahurica‘ (Campanula glomerata). Von Juni bis August erscheinen die dunkelvioletten Blüten an 50 bis 60 cm hohen Stielen. Auf sonnigen Freiflächen mit frischem bis trockenem Boden kommt der Wildstaudencharakter am besten mit Goldlupine (Thermopsis lanceolata) oder der Gelben Skabiose (Scabiosa ochroleuca) in der Nachbarschaft zur Geltung. Wer eine hübsche, niedrige Sorte sucht, wählt ‚Acaulis‘, die oft als Zwerg-Knäuel-Glockenblume angeboten wird. Sie eignet sich mit nur 15 cm Höhe besonders gut für die Randbepflanzung von Beet oder Steingarten.
Ganz oben auf der Favoritenliste steht der Bärenklau, der keinesfalls mit der oft als „Riesen-Bärenklau“ bezeichneten berühmt-berüchtigten Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum) verwechselt werden sollte. Mit seinen markant gezahnten Blättern und den prächtigen Blütenkerzen ist der Bärenklau ein toller Hingucker.
Die Blütenkerzen des Balkan-Bärenklaus entfalten auch als Samenstände eine zierende Wirkung. Foto: Karin Stern
Der Handel bietet zwei unterschiedliche Arten an. Der Balkan-Bärenklau (Acanthus longifolius, Acanthus balcanicus) überzeugt als dekorative Schmuckstaude mit ornamentalen Blättern, der Blüte von Juli bis August und lange schmückenden Samenständen. Diese Art schätzt einen sonnigen bis halbschattigen Standort mit eher frischem und nährstoffreichem Boden. Etwas Geduld muss man als Gärtner jedoch mitbringen, denn diese Art benötigt einige Jahre der Etablierung bis zur üppigen Blüte.
Dies trifft auch auf den Stacheligen Bärenklau (Acanthus spinosus) zu, der sich jedoch über Ausläufer etwas ungestümer ausbreitet. Daher gibt man der Staude mehr Raum oder baut bei der Pflanzung eine Wurzelsperre ein. Mit 30 bis 80 cm Wuchshöhe bleibt der Stachelige Bärenklau etwas kleiner als der Balkan-Bärenklau. Er bevorzugt sonnige Standorte mit frischem Boden, eignet sich aber auch prima für den Kübel. Die edel wirkenden Blütenkerzen zeigen sich in Violettrosa von Juli bis August. Tipp: Beide wintergrünen Arten bei Kahlfrost mit Nadelzweigen abdecken. Als Pflanzpartner empfehlen sich Schleierkraut (Gypsophila paniculata), Hohe Bart-Iris (Iris barbata-eliator), Herbst-Anemone (Anemone tomentosa) oder Purpur-Dost (Eupatorium fistulosum).
Die Milchauszahlungspreise sind im Monatsvergleich bei vielen Meierein unverändert. Einige haben ihre Auszahlungspreise um bis zu 2 ct reduziert, eine Meierei hat den Preis angehoben. Doch die Lage für Milchviehhalter bleibt weiterhin angespannt. Vergleichsweise hohe Futterkosten durch längerfristig laufende Kontrakte schmälern die Liquidität. Im östlichen Bundesgebiet schwanken die Auszahlungspreise erneut zwischen 37 und 45 ct/ kg ECM. Im südlichen Bundesgebiet reichen die Preise von 37,26 bis 47,96 ct/kg ECM. Im westlichen Teil Deutschlands rangieren die Auszahlungspreise zwischen 34,95 und 47 ct/kg ECM.
Hierzulande wird im Durchschnitt ein Preis von 37,78 ct/kg ECM mit einer Spanne von 35 bis 40,5 beziehungsweise 46 ct/kg ECM ausbezahlt.
Die Milchanlieferung unterliegt einem saisonal üblichen Rückgang. Im Jahresvergleich ergibt sich für die Milchanlieferungsmenge in KW 28 ein Plus von 2,2 %. Es ist davon auszugehen, dass ab jetzt bis November das Milchaufkommen saisonal weiter zurückgeht.
Insgesamt zeigen sich die Händler an den Rohstoffmärkten in der ersten Monatshälfte abwartend. Marktteilnehmer berichten von einem geringen Angebot an Industrierahm. Auch die Nachfrage fiel gering aus. Auslöser für eine abwartende Nachfrage könnten zurückgehende Preise für Blockbutter sein. Zudem sind die Entwicklungen der Milchanlieferungsmengen in Verbindung mit den Inhaltstoffen ungewiss.
Die europäische Anlieferungsmenge lag zwischen Januar und April 2023 um 0,8 % über dem Vorjahreszeitraum. Gleiches gilt für die US-Milchmenge im Zeitraum Januar bis Mai 2023. Australiens Milchproduktion liegt weit hinter dem Vorjahr zurück. Das Minus beträgt 4,8 % für den Zeitraum Juli 2022 bis Mai 2023. In Neuseeland ist die Anlieferungsmenge nur um 0,5 % kleiner als im zurückliegenden Jahreszeitraum (Juni 2022 bis Mai 2023). An der Global Dairy Trade in Neuseeland wurde nach der letzten Sitzung mit einem leichten Plus nun wieder ein Minus realisiert. Das Vollmilchpulver war mit einem Minus von 0,4 % das bestbewertete Produkt. Butter und Buttermilchpulver erzielten ein deutliches Minus von 10,3 sowie 11,4 %. Dies sind nicht die besten Zeichen für eine Entspannung am Milchmarkt. Anders ist es mit dem Kieler Rohstoffwert Milch, der für Juli ab Hof 37 ct beträgt (+0,6 ct). Sowohl der Fett- als auch der Nichtfett-Wert werden positiv bewertet. Die Terminmarktnotierungen an der EEX in Leipzig für Magermilchpulver (MMP) und Butter gaben im Monatsverlauf jedoch nach.
EU-weit ergibt sich für Juni im Mittel ein rückläufiger Milchauszahlungspreis. Am niederländischen Spotmarkt legt der Preis um 2,5 ct im Monatsvergleich auf 37,5 ct zu. In Italien stiegen die Spotmarktpreise innerhalb einer Monates um 2,8 ct auf 51,8 ct.
Die Kemptener Börse notiert einen geringeren Preis für Vollmilchpulver im Vergleich zum Vormonat (3.495 €/t, minus 15 €/t). Magermilchpulver (MMP) in Lebensmittelqualität gibt nach auf 2.405 €/t und in Futtermittelqualität auf 2.075 €/t (minus 115 €/t). Es wird von einer ruhigen Marktlage mit wenig Nachfrage berichtet, wobei kaum Verträge geschlossen werden. Aufgrund des weltweit geringeren MMP-Preises lässt sich im Exportgeschäft kaum Ware absetzen. So liegt die Priorität derzeit darin, Kontrakte abzuwickeln.
Anders sieht es am Markt für Käse aus. Das begrenzte Angebot trifft auf eine sehr lebhafte Nachfrage. Die Preise ziehen an. Blockware wird mit 3,55 bis 3,75 €/kg um 5 ct höher gegenüber dem Vormonat notiert. Brotware liegt mit 3,80 bis 4,00 €/ kg in der unteren Spanne 5 ct und in der oberen Spanne 10 ct über dem Vormonat.
Lose Butter wird wieder 15 ct unter dem Vormonat notiert (4,60 bis 4,75 €/kg). Es wird eine normale Nachfrage registriert. Geformte Butter wird nur abwartend nachgefragt. Sie kostet in der oberen Spanne 20 ct weniger als im Juni (4,80 bis 4,96 €/kg).
Sauen sollen viele Ferkel aufziehen. Aber hat das einen negativen Einfluss auf die Wurfgröße im nächsten Wurf? Prof. Steffen Hoy, Universität Gießen, und Birgitt Hameister, Verein zur Förderung der bäuerlichen Veredelungswirtschaft (VzF) Uelzen, haben das ausgewertet.
Es wird diskutiert, ob Sauen mit vielen Ferkeln beim Absetzen eine Erholung brauchen oder ob sie in der Folge weniger gut tragend werden und/oder einen kleineren Wurf erbringen. Dieser Frage wurde in einem größeren Betrieb an Daten von etwa 1.300 Sauen nachgegangen. Aus dem db-Planer wurden von jeder Sau unter anderem folgende Parameter erfasst: Wurfgröße beim Absetzen des ersten und zweiten Wurfes, Anteil zum zweiten Wurf belegter Sauen, Abferkelrate zum zweiten und dritten Wurf sowie die Wurfgröße gesamt (ggF) und die Zahl lebend geborener Ferkel (lgF) im zweiten Wurf und Folgewürfen.
Sauen mit wenigen Ferkeln werden nicht alt
Die Auswertung umfasst insgesamt 1.286 Sauen nach dem Absetzen ihres ersten Wurfes. Es wurden zwei Gruppen gebildet: Sauen mit bis zu zwölf Ferkeln (unter 13) je Wurf beim Absetzen (742 Sauen) und solche mit 13 bis 16 abgesetzten Ferkeln je Wurf (über 13, 544 Sauen). Fast 25 % der Sauen setzten bereits im ersten Wurf 13 Ferkel und etwa 12 % sogar 14 Ferkel ab. 19 Sauen zogen 15 und zwei Jungsauen 16 Ferkel auf. Im Mittel betrug die Wurfgröße beim Absetzen in den beiden Kategorien 11,1 beziehungsweise 13,4 Ferkel.
Von den Sauen mit der niedrigeren Wurfgröße beim Absetzen (unter 13) wurden nur 90,6 % für die Besamung zum zweiten Wurf aufgestellt. In der Sauengruppe mit hoher Aufzuchtleistung (über 13) waren es dagegen 97,7 %. Es ist plausibel, dass Sauen mit einer niedrigeren Zahl abgesetzter Ferkel im ersten Wurf nicht weitergenutzt werden. Eventuell spielten auch Gesundheitsprobleme eine Rolle, sodass die Sauen nicht für weitere Belegungen berücksichtigt wurden.
Die zum zweiten Wurf belegten Sauen mit niedriger Wurfgröße beim Absetzen (im ersten Wurf: unter 13 abgesetzte Ferkel) erreichten mit 87,5 % eine etwas höhere Abferkelrate als die Sauengruppe mit vielen abgesetzten Ferkeln (über 13, 86,1 %). Bei der Wurfgröße insgesamt geborener Ferkel im zweiten Wurf gab es mit jeweils 16,0 ggF keinen Unterschied zwischen den beiden Sauengruppen. Sauen mit geringerer Aufzuchtleistung im ersten Wurf erzielten 14,9 lgF, die mit größerer Zahl abgesetzter Ferkel im ersten Wurf 14,8 lgF (Tabelle 1).
Im Ferkelindex erreichten Sauen mit der niedrigeren Absetzwurfgröße als Jungsau 1.304 lgF je 100 besamten Sauen. Bei Sauen mit größeren Würfen beim Absetzen des ersten Wurfes waren es 30 Ferkel weniger (je 100 zum zweiten Wurf belegte Sauen). Diese Differenz war jedoch zufällig, da sich die Wurfgröße lebend geborener Ferkel zwischen den beiden Gruppen nicht unterschied.
Wurfgröße hat Einfluss auf Folgewürfe
In einem weiteren Schritt wurde ausgewertet, ob es zwischen Sauen mit geringerer oder höherer Wurfgröße beim Absetzen des ersten Wurfes (unter 13 beziehungsweise über 13) in den Folgewürfen Differenzen in der Wurfgröße gesamt oder lebend geborener Ferkel gab. Das war nicht der Fall. Im dritten bis fünften Wurf traten keine Unterschiede in der Wurfgröße in Zuordnung zur Aufzuchtleistung beim Absetzen des ersten Wurfes auf (Tabelle 1).
Ebenso beeinflusste die Wurfgröße beim Absetzen des zweiten Wurfes (unter 13 beziehungsweise über 13) nicht die Größe des dritten bis sechsten Wurfes (Tabelle 2). Im dritten Wurf erreichten die Sauen 17,1 beziehungsweise 17,2 ggF je Wurf und identisch 15,5 lebend geborene Ferkel pro Wurf. Die Abferkelrate betrug 90,7 beziehungsweise 90,9 %. Das ist ein sehr hoher Wert – ohne Differenz zwischen Sauen mit geringerer oder höherer Aufzuchtleistung im zweiten Wurf.
Unsere Auswertungen bestätigen frühere Ergebnisse, wonach die Wurfgröße (lebend geborene Ferkel) bis zum vierten Wurf zunimmt und ab dem fünften Wurf zurückgeht (Abbildung). Im sechsten Wurf erzielen die Altsauen aber immer noch eine höhere Wurfgröße als die Jungsauen. Erst ab dem achten Wurf ist die Wurfgröße niedriger als bei den Erstlingssauen. Das unterstützt die Empfehlung, die Nutzungsdauer der Sauen (die oft nur fünf bis sechs Würfe oder weniger beträgt) zu erhöhen. Das hilft zugleich, Kosten für den Jungsauenzukauf zu sparen.
Fazit
Eine hohe Aufzuchtleistung im ersten oder zweiten Wurf wirkt sich nicht nachteilig auf die Wurfleistungen in den Folgewürfen aus – so wie das oft befürchtet wird. Das ist die wichtigste Aussage. Allerdings müssen die Haltungs- und Fütterungsbedingungen bestmöglich gestaltet werden. Eine sehr gute Tiergesundheit (möglichst keine Mastitis-Metritis-Agalaktie-Fälle) und eine optimale Fütterung stellen wichtige Voraussetzungen dar. Außerdem müssen Stallklima und Lüftung sachgerecht gestaltet werden. Die Lüftung nach der DIN 18910, eine hohe Luftgeschwindigkeit und nach Möglichkeit die Kühlung des Abferkelstalles im Sommer sind wichtige Einflussgrößen. Bei hoher Außentemperatur im Sommer verringert sich nach den Untersuchungen die Futteraufnahme um fast 1 kg pro Tag (von 6,0 auf 5,2 kg).
Daher wird eine dreimal tägliche Fütterung empfohlen, um gegenzusteuern und eine höhere Futteraufnahme zu erzielen. Das reduziert den Gewichtsverlust der Sauen während der Säugezeit. Es konnte nachgewiesen werden, dass bei einer mittleren täglichen Futteraufnahme von 4,9 kg pro Säugetag die Sauen 17,5 kg an Gewicht verloren. Fraßen sie demgegenüber 6,6 kg Laktations-Futter je Tag, hatten sie lediglich einen Gewichtsverlust von 1,2 kg. Wird die Gewichtsabnahme zu groß, hat das nachteilige Auswirkungen wie ein verlängertes Absetz-Beleg-Intervall, niedrigere Wurfgröße sowie geringere Ausgeglichenheit der Ferkel im Folgewurf. Schon in einer früheren Untersuchung wurden bei abgesäugten Sauen bis 0,7 Absetz-Beleg-Tage mehr und 0,5 lebend geborene Ferkel je Wurf weniger als bei Sauen mit geringem oder keinem Gewichtsverlust während der Säugezeit nachgewiesen.
Mit unserer aktuellen Auswertung konnten wir zugleich demonstrieren, dass eine hohe Aufzuchtleistung aus Tierwohlsicht kein Problem darstellt, da im Vergleich zu einer geringeren Zahl abgesetzter Ferkel keine Nachteile für leistungsstarke Sauen festgestellt wurden. Betriebswirtschaftlich ist eine hohe Leistung sowieso von Vorteil.