Sybille Meyer leitet seit Mitte Mai die Geschäfte des Bauernverbandes Hamburg (BVHH). Über ihre Verbindung zur Landwirtschaft, die Schwerpunkte ihrer Arbeit und die besonderen Herausforderungen in der Hansestadt, sprach sie mit dem Bauernblatt.
Wie sind Sie zu Ihrer neuen Anstellung gekommen?
Ich bin mit einem Landwirt verheiratet und brauchte vor zirka fünf Jahren vom Verband einen Vertrag für unseren Betrieb. Deswegen hatte ich den damaligen Geschäftsführer Dr. Carsten Bargmann angerufen. Im Gespräch sagte er, dass er eine Assistenz sucht. Diese Aufgabe konnte ich mir vorstellen, da ich im Vorfeld schon für den eigenen Betrieb die Fortbildung zur Agrarbüromanagerin in Niedersachsen absolviert hatte. Zwischenzeitlich habe ich nach fünf Jahren als Assistenz der Geschäftsführung des BVHH ab Januar 2023 die Verbandsarbeit beendet, um wieder aktiver auf unserem Betrieb mitzuwirken. Nachdem die Stelle der Geschäftsführung kurzfristig frei wurde ist BVHH-Präsident Martin Lüdeke mit dem Vorstand auf mich zugekommen und hat mir den Posten angeboten.
Haben Sie als BVHH-Geschäftsführerin eine Vollzeitstelle?
Nein, ich arbeite 25 Stunden pro Woche in der Geschäftsstelle. Dazu kommen Projekte mit der Umwelt- und Landwirtschaftsbehörde in Hamburg (Bukea), in denen ich als Selbstständige mitarbeite und nebenbei helfe ich natürlich zu Hause auf unserem Ackerbaubetrieb mit, überwiegend im Büro, obwohl ich auch gerne Trecker fahre.
Was ist der Unterschied zwischen Assistenz und Geschäftsführung?
Für mich ist nun das die politische Arbeit stark in den Vordergrund gerückt. Als Assistenz in der Geschäftsstelle habe ich überwiegend die Mitglieder betreut. Nun freue ich mich auf die neuen Herausforderungen und darauf, die agrarpolitische Zukunft Hamburgs mitgestalten zu können.
Wie sieht die politische Arbeit im Alltagsgeschäft aus?
Es geht viel um die Ansprache. Wir pflegen einen guten Austausch mit unseren Senatoren und laden sie auf unsere Höfe ein. Wir sind da gut im Gespräch, vor allem mit Umwelt- und Landwirtschaftssenator Jens Kerstan (Grüne) und seiner Behörde. Uns ist wichtig, die gute fachliche Praxis der Landwirtschaft darzustellen, zu erklären und das Verständnis für unsere Belange zu stärken. Wir haben dafür ein ausgezeichnetes Netzwerk aufgebaut.
Fällt es schwer, die Interessen der Landwirtschaft in einer Metropole wie Hamburg zu vertreten?
Die Landwirtschaft in Hamburg ist wichtig. Einige Gruppen wollen aber in erster Linie Naturschutz umsetzen. Da müssen wir gegenhalten. Ich habe den Eindruck, dass Landwirtschaft hier grundsätzlich gewollt ist und auch gefördert wird. Die Bukea hat jüngst dabei unterstützt, ein Projekt für die teilmobile Schlachtung in den Vier- und Marschlanden voranzubringen. Einen Schlachter mit den notwendigen Zulassungen haben wir bereits gefunden. Momentan sind wir auf der Suche nach einem Baugrundstück, wo wir perspektivisch zirka 1.000 Rinder im Jahr verarbeiten wollen.
Welche Ziele verfolgen Sie in dem Schlachtprojekt?
Für mich ist nun das die politische Arbeit stark in den Vordergrund gerückt. Als Assistenz in der Geschäftsstelle habe ich überwiegend die Mitglieder betreut. Nun freue ich mich auf die neuen Herausforderungen und darauf, die agrarpolitische Zukunft Hamburgs mitgestalten zu können.
Sind Hamburger Landwirtinnen und Landwirte automatisch gute Öffentlichkeitsarbeiter, weil die Höfe so nah am Verbraucher sind?
Alle Betriebe hier sind offen, Aufklärungsarbeit zu leisten, sowohl im persönlichen Gespräch als auch über digitale Kanäle. Wir nutzen zum Beispiel die Webseite „Ackern für Hamburg“ (siehe Kasten) um uns darzustellen und mit Verbrauchern in Kontakt zu treten.
Was sind in Hamburg die wichtigsten Produktionsbereiche neben der Tierhaltung?
Wir haben viel Gemüsebau, den Obstbau und Sonderkulturbetriebe, die beispielsweise Stauden und Rosen anbauen. Die Hamburger Landwirtschaft ist vielfältig.
Vielfältige Aufgaben erfordern ein breites Spektrum an Information und Wissen. Welche Anlaufstellen nutzen Sie?
Erste Ansprechpartner für mich sind immer der Präsident Martin Lüdeke und die Vorstandsmitglieder. Wir pflegen flache Hierarchien. Alle arbeiten als Team, und jeder kann gefragt werden. Wir haben außerdem schon immer eng mit dem Bauernverband Schleswig-Holstein zusammengearbeitet. Durch die Unternehmerinnen-Fachgruppe ist das zuletzt noch mehr geworden. Und aufgrund ähnlicher Herausforderungen sind wir auch mit den Kollegen aus Bremen regelmäßig im Austausch.
Worin sehen Sie die größten Herausforderungen für die Hamburger Landwirtschaft?
Wir haben großen Flächendruck. Das ist tatsächlich eine Riesenbaustelle. In Hamburg betrifft dies neben Siedlungs- und Verkehrsflächen zusätzlich Infrastrukturvorhaben und Erneuerbare Energien, genauso wie Naturschutz, einschließlich Flächen für Kompensationsmaßnahmen und die dadurch steigenden Pachtpreise. Ein weiteres drängendes Thema ist der EU-Kommissionsvorschlag zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Hier muss eine tragfähige und langfristige Lösung für die Obstbauern erarbeitet werden. Darüber hinaus beschäftigt uns die Entwicklung bei der Mehrgefahrenversicherung.
Verbandsintern will sich auf Sicht der Vorstand gerne verjüngen, um für die Interessenvertretung weiterhin gut und zukunftsfähig aufgestellt zu sein.
Info
„Ackern für Hamburg“ ist ein digitaler Marktplatz von Bauern, Gärtnern, Verarbeitern, Gastwirten und Händlern aus Hamburg und Umgebung. Auf der Plattform werden die Vielfalt und Qualität der Erzeugnisse sowie die Dienstleistungen der Hamburger Agrarwirtschaft präsentiert:
www.ackernfuerhamburg.de




