Mit einem letzten Tanz zwischen Kunst und Landschaft endete am vergangenen Sonntag der Skulpturensommer 2023 in Bissee und damit auch 25 Jahre Landschaftsgalerie ohne Mauern und Öffnungszeiten. Denn mit der Finissage in der Hofscheune des Dorfes beendete der Verein Skulptur in Bissee mit der Vorsitzenden Karin Russ seine Arbeit und verabschiedete sich aus der Kulturszene.
„The last waltz“ – der letzte Walzer, unter diesem Motto fand der finale Skulpturensommer statt (siehe Bauernblatt-Ausgabe 20 vom 20. Mai 2023). „Natürlich bin ich traurig, aber gleichzeitig auch sehr stolz, dankbar und erleichtert“, erklärte Karin Russ zum Abschied. Erleichtert, weil in all den Jahren nie etwas passiert sei, das Aufstellen und Abbauen der mitunter riesigen Skulpturen unfallfrei vonstattenging. Stolz und dankbar sei sie für all die Bilder, Menschen, Geschichten, Erfahrungen und den wahnsinnigen Spaß. „Was wir geschafft haben, entstand durch freiwillige Initiative, das Ehrenamt und die aktive Bürgergesellschaft“, so Russ. Ehrenamt sei keine Arbeit, die nicht bezahlt werde, sondern Arbeit, die nicht bezahlt werden könne. Dank der Anwohner Bissees war es erst überhaupt möglich, 25 Jahre lang Skulpturen nationaler und internationaler Künstler frei zugänglich, eingebettet in die idyllische Landschaft des Dorfes, zeigen zu können, denn sie stellten ihre Grundstücke als Ausstellungsfläche zur Verfügung und packten beim Auf- und Abbau mit an. Das machte diese Form der Kunstpräsentation so einzigartig im Land. Bis zu 10.000 Besucherinnen und Besucher verzeichneten die Ausstellungsmacher in jeder Saison, weit über 100 Bildhauerinnen und Bildhauer nutzten die Landschaftsgalerie für das Präsentieren ihrer Objekte.
„Nach 25 Jahren verabschieden wir uns nun aus der Kulturszene, ein Vierteljahrhundert, ein Stück Lebenszeit.“ Und doch wolle sie jetzt nicht ausführlich zurückblicken, so Karin Russ, aber eine Anekdote aus der Anfangszeit, die müsse sie dann doch erzählen: „1997 besprach ich die Idee, eine Landschaftsgalerie hier in Bissee einzurichten, um regelmäßig Ausstellungen durchzuführen, mit der damaligen Ministerpräsidentin Heide Simonis vor einem Supermarkt. Nein, Karin, sagte sie zu mir, wer soll das bezahlen, wer soll all das leisten? Das könnt ihr nicht schaffen. Ich bot ihr eine Vereinbarung an: Wir finanzieren die Ausstellung ohne öffentliche Mittel und sie, also Heide Simonis, eröffnet dafür den ersten Skulpturensommer. Und genauso kam es. Renate Stamer und ich konnten einen Hauptsponsor für die ersten Veranstaltungsjahre gewinnen. 1998 eröffnete der neugegründete Verein Skulptur in Bissee seine erste Sommerausstellung. Und zur Eröffnung sprach: Heide Simonis. Zu der Zeit erschien ihr Buch ‚Kein Blatt vorm Mund – Für eine aktive Bürgergesellschaft‘.“ Aktive Bürgergesellschaft, wie sie in Bissee gelebt wurde.
Mit dem Ende des Vereins und der Landschaftsgalerie habe man gleichzeitig auch die große Hoffnung auf das Entstehen neuer Ideen. „Wir haben gezeigt, dass Kultur durchaus ihren Platz auf dem platten Land hat“, so Russ. Was folgt also dem Verein Skulptur in Bissee? „Vielleicht findet sich hier und heute eine Antwort auf diese Frage unter euch Künstlerinnen und Künstlern, Bisseer Nachbarinnen und Nachbarn, Freundinnen und Freunden anspruchsvoller Kunst“, schloss die Noch-Vereinsvorsitzende ihre Ansprache ans reichlich erschienene Publikum zur Finissage. Und rief dazu auf, Kunst nicht nur anzuschauen, sondern, wie Heide Simonis in ihrer Eröffnungsrede bereits forderte, Kunst kaufen zu gehen. Passend dazu wurden einige der ehemaligen und aktuellen Ausstellungsobjekte zum Abschluss in kleineren Formaten zum Verkauf angeboten, darüber hinaus lagen signierte Veranstaltungsposter sowie die Kataloge aller Jahre aus. In der Diele des Hofes wurden die filmischen Dokumentationen mit Blick hinter die Kulissen der Skulpturensommerjahre von Elsabe Gläßel gezeigt. Eine schöne letzte Erinnerung und gleichzeitig Inspiration für neue Ideen.




