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Politik darf Produktion nicht aus den Augen verlieren

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Nichthandeln in der Politik führe nicht zum Stillstand, sondern zum Rückschritt, machte Landesbauernpräsident Klaus-Peter Lucht beim Landesbauerntag am vorigen Freitag deutlich. Er appellierte an die Politik, die Erhaltung der Betriebe und die Ernährungssicherheit als oberste Ziele zu verfolgen und Klimaschutz in integrierten Lösungen zu denken.

Die Klimaschutzdiskussion machte auch vor dem Landesbauerntag nicht halt. Klaus-Peter Lucht sieht die Gefahr, dass die Interessen der Landwirtschaft den Forderungen aus Gesellschaft und Politik in einem nicht fachgerechten Maße untergeordnet würden. Die Landwirtschaft werde in gestressten und emotionalen politischen Debatten aus den Augen verloren. Das dürfe nicht sein, sagte Lucht und appellierte, wieder etwas sachlicher miteinander umzugehen, sich deutlich zu machen und nach außen zu erklären, was Landwirtschaft alles könne. „Manche Politiker reden nur noch über das Klima und verlieren die landwirtschaftliche Produktion aus den Augen“, so Lucht. Dies sei gerade in der Diskussion um die Wiedervernässung von Mooren festzustellen.

Zwei, die sich schon lange kennen und mittlerweile auf verschiedenen Ebenen für die Landwirtschaft kämpfen: BVSH-Präsident Klaus-Peter Lucht (li.) und Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU). Ein T-Shirt mit Bekenntnis „Born as een Buurnjung“ sollte den Minister auszeichnen und erden.

Gemeinsame Lösungen bevorzugt

Zur Moorrenaturierung in landwirtschaftlich genutzten Regionen sind für Lucht nur Lösungen akzeptabel, die gemeinsam mit den Landwirten gefunden und nicht von oben nach unten entschieden werden. Es gehe darum, integrative Lösungen zu entwickeln, die die Natur fördern und die landwirtschaftliche Produktion sichern. Dafür hätten Landwirte Lösungen erarbeitet. Bedingung sei, dass in den Regionen entschieden werde. Ein Modell, das im Kreisbauernverband Ostholstein entwickelt wurde, sehe vor, stillgelegte, wiedervernässte Standorte, die der CO2-Reduktion dienen, in einem Genossenschaftsmodell zur Energieproduktion zu nutzen. So könnte durch die Gründung von Energiegenossenschaften, freiwilligen Landtausch und Flurbereinigungsverfahren auch die Flächenkonkurrenz auf guten Ackerbaustandorten gelockert werden. Lucht wiederholte seine bekannte Forderung, Parkplätze und Dächer von Einkaufszentren für Photovoltaikanlagen zu nutzen, zumal dort ein hoher Energieverbrauch stattfinde.

Lucht machte deutlich, dass Schleswig-Holstein als Agrarstandort unter Nachhaltigkeitsaspekten gut abschneide. Die Gunstlage ermögliche im Ackerbau hohe Erträge. Die Veredelungsproduktion sei so leistungsfähig, dass 1 kg Milch mit 1 kg CO2-Äquivalenten erzeugt werde. Im Vergleich dazu betrage das Verhältnis in den USA eins zu vier.

Sabine Riewenherm
Ludwig Hirschberg

Dass die Landwirtschaft Veränderungen herbeiführen müsse, ist für Lucht keine Frage, und das sei bereits auf einem guten Weg. Aber wenn die Borchert-Kommission nun aufgibt, weil Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) sie sträflich vernachlässige und diesen Ansatz einer gesellschaftlichen Einigung nicht ernst genommen habe, sei das schlicht dumm.

In Schleswig-Holstein tickten die Uhren anders, betonte der Verbandspräsident. So finde eine aktive Zusammenarbeit auf Ebene des Innen-, Landwirtschafts- und Umweltministeriums statt, um künftig Tierwohlställe durch schnellere Verwaltungsverfahren im Blick auf Bau- und Immissionsschutzanforderungen zukunftsfähig zu machen. Es gehe darum, den Landwirtinnen und Landwirten gangbare Perspektiven aufzuzeigen.

Nationalpark mit wie viel Nutzen?

Lucht sprach den Nationalpark Ostsee an und machte seine Skepsis deutlich: „Ich glaube nicht, dass der Nationalpark Ostsee das richtige Instrument ist, die Ostsee voranzubringen.“ Er sei kein Verweigerer, aber er bitte darum, die gerade beschlossene Düngeverordnung zum Schutz der Gewässer „erst einmal leben zu lassen“ und mit Anrainerstaaten wie Polen zu sprechen, um deren Einleitung von Schadstoffen in die Ostsee zu reduzieren. Der Bauernverband setze auf freiwillige Maßnahmen, so der Verbandspräsident. Er hob die Erfolge und die Anerkennung, die die Allianz für den Gewässerschutz erfahre, hervor. Die Befürchtung bestehe, mit der Einrichtung eines Nationalparks komme als nächster Schritt die Einrichtung einer Nationalparkverwaltung. Darauf folgten dann in der Regel weitere Verschärfungen und Verbote.

Lucht dankte Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU) für die Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht und sprach auch die Überpopulation der Gänse an, die die Landwirtschaft an Raststandorten an den Küsten und mittlerweile zunehmend im Binnenland massiv einschränke. Auch hier wünsche er sich eine Lösung vom zuständigen Umweltministerium. Solange Schäden entstünden, brauchten die Betriebe ausreichende, insbesondere zielgerichtete Entschädigungen. Wenn, wie geschehen, nur der Ertragsausfall ersetzt werde, und das nur bei Sommerungen, sei dies Politikversagen.

Lucht sparte die Unzufriedenheit des Berufsstandes mit der Bundespolitik nicht aus: „Das Nichthandeln des Bundeslandwirtschaftsministers, das zur Auflösung der Borchert-Kommission führte, sorgt dafür, dass wir Tierbestände verlieren.“ Lucht rief die Landwirtinnen und Landwirte auf, an der Demonstration zur Agrarministerkonferenz (AMK) in Kiel am 21. September teilzunehmen. Es gehe darum, die berechtigten Anliegen laut vorzutragen und ein Zeichen zu setzen für den ländlichen Raum.

Landwirtschaft als Teil der Lösung

Mit präsidialen Grüßen hielt sich Landwirtschaftsminister Werner Schwarz, der das Grußwort für Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sprach, nicht zu lange auf und kam schnell zur Sache.

Als Gunststandort mit sehr hohen Erträgen im Ackerbau und Spitzenleistungen in der Tierhaltung skizzierte er Schleswig-Holstein. Damit trage die Landwirtschaft wesentlich zur Ernährungssicherung bei. Gleichzeitig erbrächten die Landwirtinnen und Landwirte wertvolle Gemeinwohlaufgaben für den Natur-, Umwelt- und Artenschutz. Schwarz sagte deutlich, dass für ihn die Landwirtschaft „ein Teil der Lösung“ sei, wenn es um Klima- und Umweltthemen gehe.

Die Zukunft der Niederungen sieht der Minister unweigerlich mit der Landwirtschaft und dem ländlichen Raum verknüpft. Gleichzeitig rief er dazu auf, neue Wege zu gehen und innovative Produktionstechniken und alternative Nutzungsmöglichkeiten rechtzeitig auf den unterschiedlichen Standorten zu erproben. Die Nutzung landwirtschaftlicher Flächen diene keinem Selbstzweck, sondern der gesellschaftlichen Aufgabe der Erzeugung von Nahrungsmitteln und der Ernährungssicherheit. Daher könne es nicht das Ziel sein, die Nutzung aufzugeben, so Schwarz. In Gesprächen werde immer wieder deutlich, dass die Landwirtinnen und Landwirte bereit seien, ihren Beitrag zu leisten. Doch müssten den Betrieben eine dauerhafte wirtschaftliche Perspektive und Planungssicherheit geboten werden. Er werde mit seinem Ministerium die sogenannte Niederungsstrategie 2100 aktiv begleiten und die Interessen der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes einbringen.

Zur Versammlung vor der Deula gehören auch die Vertreter des Bundes Deutscher Milchviehhalter mit Transparenten.
Der Landesbauernpräsident war ein viel gefragter Interviewpartner der Medienvertreter.

Die AMK in Kiel werde sich weiter mit dem Thema Tierhaltung befassen, so Schwarz. Durch den Rückzug der Borchert-Kommission fehle den Landwirtinnen und Landwirten weiterhin eine Orientierung vonseiten der Politik. Unabhängig davon, dass die Borchert-Kommission ihre Arbeit beendet habe, erwarte er von der Bundesregierung, dass die Vorschläge dieses Expertengremiums die maßgebliche Richtschnur für die Weiterentwicklung der Tierhaltung blieben. Zu den Problemthemen Wolf und Gänse sagte Schwarz, die erste Lesung des Gesetzesentwurfs im Landtag, der vorsehe, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen, sei erfolgt.

Der Minister betonte, wie wichtig es sei, dass die Landwirtschaft im Gespräch und Dialog bleibe, gerade mit jungen Verbraucherinnen und Verbrauchern. Auf Wissen und Information ziele die von ihm initiierte Bildungsoffensive für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz, kurz BiLEV. Sie solle im Sinne einer Bildung für eine nachhaltige Entwicklung einen Beitrag leisten, plakative Fehlinformationen fachlich fundiert einzuordnen.

Das Führungsduo des schleswig-holsteinischen Landjugendverbandes, die Vorsitzenden Jessica Bruhn und Tajo Lass, richteten in ihrem Grußwort einen Appell an die Vertreter der Politik, die Bleibeperspektiven für die Jugend im ländlichen nicht zu verspielen und an deren Gestaltung zu arbeiten.

Landwirtschaft an Forschung beteiligen

Den Grundsatz, dass die Landwirtschaft Teil der Lösung ist, wenn es um die Anpassungen an den Klimawandel geht, griff die Gastrednerin Sabine Riewenherm, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) in Bonn, auf. Das BfN sei in gewisser Weise integriert in politische Prozesse, denn es liefere als Ressortforschungseinrichtung Informationen und Daten für politische Entscheidungen der Bundesregierung und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV), so Riewenherm.

Nach der Vorstellung ihres Hauses und der Arbeitsschwerpunkte machte Riewenherm keinen Hehl aus ihren Erfahrungen zum Amtsantritt vor zwei Jahren. Sie wolle die Zusammenarbeit zwischen Umwelt- und Agrarfraktion wieder „neu in Gang setzen“. Dabei wolle sie Landwirtschaft multifunktional denken. An zwei Dritteln der von ihrem Haus veranlassten Forschungsprojekte werde die Landwirtschaft beteiligt. Sie nannte als Beispiel ein Projekt der Universität Kiel zu „vernetzten Lebensraumstrukturen“. Es werde erforscht, wie Artenschutz weniger inselartig in kleinen Einzelbiotopen umgesetzt werden könne, sondern wirkungsvoller in der Breite durch miteinander verbundene größere Räume, aber unter der Voraussetzung, dass extensive Landwirtschaft möglich bleibe und erhalten werde.

Der Landesbauerntag in der Deula-Halle bleibt ein Anziehungspunkt. Rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wollten hören, welche Erwartungen Landesbauernpräsident Klaus-Peter Lucht an die Politik hat.

Schlägt Gesinnung die Urteilskraft?

Ludwig Hirschberg, Vizepräsident des BVSH, stellte in seinem Schlusswort fest, dass Landwirte und Naturschutz in zunehmendem Umfang und mit positiven Ergebnissen kooperierten. Er äußerte aber Bedenken, dass überbordendes Ordnungsrecht zum Feind vieler Maßnahmen werden könne.

Mit Blick auf die aktuelle politische Entwicklung erinnerte er an einen Aufsatz des Philosophen Hermann Lübbe mit dem Titel „Politischer Moralismus. Der Triumph der Gesinnung über die Urteilskraft“, der 1984 erstmals erschienen sei und nichts an Aktualität verloren habe. Lübbe weise auf die Neigung hin, „auf die Herausforderung von Gegenwartsproblemen moralisierend zu reagieren“. Hirschberg zog die Parallele zur aktuellen Glyphosat-Diskussion.

Er dankte den Rednern für ihre Meinungsäußerungen und ihr Interesse an politischem Pragmatismus, darin bezog er die Präsidentin des BfN ein. Es gehe darum, gemeinsam Lösungen zu finden. Für Hirschberg gehört dazu Folgendes: Wenn die Politik aus moralischen Gründen eine Musik bestelle, müsse sie diese auch bezahlen. 

Wichtiges zum Herbizideinsatz

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In diesem Jahr wurde die Ackerfuchsschwanzproblematik wieder vielerorts sichtbar. Der warme Herbst und Winter, aber auch die sich weiter verschärfende Resistenzentwicklung und die damit einhergehende stetig nachlassende Wirkung der Blattherbizide machen sich immer stärker bemerkbar. Hier hilft nur eine Anpassung des Produktionssystems mit beispielsweise späterer Saat, damit weniger Ackerfuchsschwanz in der Kultur aufläuft.

In dieses System eingebettet übernehmen dann die Bodenherbizide eine enorm wichtige Rolle. Denn besonders dann, wenn die Blattherbizide nicht mehr ausreichend wirken, liegt die alleinige Last auf ihnen.

Glücklicherweise spielen nicht auf jeder Fläche resistente Ungräser eine Rolle, sodass die gängigen Unkräuter, aber auch Windhalm im Herbst sehr gut reguliert werden können. Jede gut funktionierende Herbstmaßnahme trägt dazu bei, den Sulfonylharnstoffeinsatz im Frühjahr zu minimieren, und schützt somit diese resistenzgefährdete Wirkstoffgruppe.

Windhalm, Einjährige Rispe und Unkräuter

So spricht beispielsweise Windhalm sehr gut auf Bodenherbizide an. Das ist auch gut so, denn die in der Vergangenheit vorzugsweise durchgeführte Frühjahrsbehandlung mit ALS-Hemmern wie zum Beispiel Husar, Broadway oder Atlantis WG oder DEN (Axial 50 EC) hat zu einer nicht mehr umkehrbaren Resistenzentwicklung geführt.

Für eine optimale Wirkung und Verträglichkeit der Bodenherbizide sollte der Einsatz gegen Windhalm, Einjährige Rispe und Unkräuter im frühen Nachauflauf angestrebt werden.

0,3 l/ha Herold SC hatten in der Vergangenheit eine gute Windhalmwirkung, inzwischen sind 0,4 l/ha aber sicherer. Die Kombination mit 1,5 l/ha Trinity (+ 0,3 l/ha Herold SC) bietet eine wichtige Zusatzleistung bei starker Verunkrautung mit Kornblume, Klatschmohn, Kamille und Storchschnabel. Für eine ausreichende Wirkung gegen Hundskerbel ist die Chlortoluron-Menge in 1,5 l/ha Trinity allerdings zu gering. Vorsicht im Roggen auf leichten Standorten, wo eine gleichmäßige Saatgutablage nicht immer gewährleistet ist, hier kann der Wirkstoff Flufenacet (FOE) besonders in Kombination mit Diflufenican (DFF) kritisch werden. Pflanzenverluste sind dann die Folge.

Die Kombination von 0,24 l/ha Cadou SC + 1,5 l/ha Agolin enthält, ebenso wie 0,3 l/ha Herold SC, 60 g/ha DFF, zusätzlich aber noch Pendimethalin (hier gelten besondere Auflagen!)

Einjährige Rispe wird von den Bodenherbiziden überwiegend gut erfasst.

0,24 l/ha Cadou SC + 60 g/ha Sumimax dürfen nur im Winterweizen eingesetzt werden, haben aber den großen Vorteil, dass diese Kombination weder Gewässerabstands- noch Hangauflagen hat  GAP 3 m beziehungsweise Abstände nach Pflanzenschutzanwendungsverordnung (zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern) müssen eingehalten werden.

Ist eine Nachbehandlung gegen Unkräuter im Drei- bis Fünfblattstadium notwendig, kann mit 15 g/ha Pointer SX oder Trimmer WG gegen Kamille, Ausfallraps, Klatschmohn, Kornblume und Storchschnabel oder 50 ml/ha Saracen gegen Kamille, Ausfallraps, Klatschmohn und Klettenlabkraut gearbeitet werden.

Pointer SX/Trimmer WG möglichst nicht mit dem Wirkstoff Pinoxaden (Axial 50) mischen. Minderungen in der Gräserwirkung sind möglich. Besser 75 ml/ha Saracen oder Troller wählen (Blattwirkung!).

Carmina Komplett (Carmina 640 + Alliance) eignet sich bei leichtem Windhalmbesatz und breiter Verunkrautung (Chlortoluron-Verträglichkeit der Weizensorten beachten! NG405 = keine Anwendung auf drainierten Flächen, NG414 = keine Anwendung auf Bodenarten: reiner Sand, schwach schluffiger Sand und schwach toniger Sand mit einem organischen Kohlenstoffgehalt unter 1,5 %)

Wie Ackerfuchsschwanz behandeln?

Nach wie vor ist der Hauptbodenwirkstoff im Herbst Flufenacet. Inzwischen sind diverse flufenacethaltige Produkte im Portfolio. Vorsicht, hier steckt der Teufel im Detail! Die Produkte unterscheiden sich zum Teil erheblich in der Zulassung und bei den Auflagen. So hat zum Beispiel Fence (reines FOE) nur eine Zulassung in Winterweizen und in Wintergerste und Arnold (ähnlich dem Herold SC) ebenfalls nur eine Zulassung in Winterweizen und in Wintergerste. Herold SC darf in Triticale nur mit 0,5 l/ ha im Nachauflauf (NA) eingesetzt werden.

Ackerfuchsschwanz ist ein Fremdbestäuber, dessen Samen durch den Wind verbreitet werden.

Zur effektiven Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz (AFU) sind 240 g/ha FOE notwendig. Der Zusatz von Diflufenican verbessert die Wirkung gegen die Gräser und bringt zusätzlich entscheidende Unkrautwirkung mit sich.

Neben den flufenacethaltigen Produkten bereichert Mateno Forte die Produktpalette. Mateno Duo besteht aus 500 g/l Aclonifen + 100 g/l Diflufenican und wird zusammen mit Cadou SC (500 g/l Flufenacet) angeboten. Die Ackerfuchsschwanz-Aufwandmenge von 0,7 l/ha Mateno Duo + 0,5 l/ha Cadou SC ist im Vorauflauf (VA) nur im Winterweizen und Triticale zugelassen. In Wintergerste und Winterroggen sind nur 0,35 l/ha Mateno Duo zulässig.

Der optimale Termin für den Einsatz der Bodenherbizide ist der Vor­auflauf. Feuchter Boden mit nachfolgenden Niederschlägen ist der Garant für eine gute Wirkung. Basis sind 240 g/ha Flufenacet, die Zugabe von 3,0 l/ha Boxer (Boxer nicht in Triticale zugelassen) oder 3,5 bis 4,0 l/ha Jura verbessert die Wirkung.

Die Ergebnisse der Zusatzleistung schwanken über die Jahre, je nach Bodenfeuchtigkeit zwischen 5 und 30 %. Aufgrund dieser wichtigen Erkenntnis muss der Drilltermin angepasst werden. Ackerfuchsschwanzflächen müssen kurz vor dem Regen gedrillt und gespritzt werden, um die bestmögliche Wirkung zu erzielen. Nicht alle Flächen in einem Betrieb sind gleichermaßen problembehaftet. Somit muss situationsbedingt gearbeitet werden.

In der Wintergerste gibt es auf Standorten mit FOP- und DEN-Resistenz keine Alternative zu Bodenherbiziden, da die einzige Nachbehandlungsmöglichkeit Axial 50 entfällt. Um die Wintergerste in der Fruchtfolge zu halten, können als zweite Bodenherbizidmaßnahme (Spritzfolge) 2,0 l/ha Trinity im Stadium des Keimens (ES 10 AFU) zum Einsatz kommen. Die kurz aufeinanderfolgende Sequenz ist dabei entscheidend sowie nachfolgende Niederschläge. Danach muss die Gerste durch ihr Wuchsverhalten mithelfen, den Ackerfuchsschwanz zu unterdrücken.

Im Winterweizen ist besonders auf Flächen mit beginnender metabolischer Resistenz gegen Atlantis sowie bei starkem Ackerfuchsschwanzdruck eine Bodenherbizidnachlage von 3,0 bis 4,0 l/ha Jura oder 3,0 bis 5,0 l/ha Boxer (zugelassene Gesamtmenge beachten!) empfehlenswert, ebenfalls im Stadium der Keimung (ES 10). Der Einsatz von Trinity sollte auf die Wintergerste beschränkt bleiben, um den Einsatz von Chlortoluron nicht überzustrapazieren.

Standardempfehlung bei geringem bis mittlerem Gräserbesatz 
VA (Beispiele):

0,6 l/ha Herold SC (+ 3,0 l/ha ­Boxer)

0,6 l/ha Herold SC (+ 2,0 l/ha Trinity) Diese Variante sollte schwerpunktmäßig in der Wintergerste zum Einsatz kommen.

0,5 l/ha Cadou + 0,7 l/ha Mateno Duo

Empfehlung bei starkem Ackerfuchsschwanzdruck sowie auf Flächen mit Resistenzproblemen der blattaktiven Produkte (Atlantis-Wirkstoff, Traxos und Axial):

0,6 l/ha Herold SC + 3,0 l/ha Boxer im VA
2,0 l/ha Trinity in EC 10 (fünf bis zehn Tage später als VA) Variante für die Wintergerste

0,6 l/ha Herold SC im VA
3,0 bis 4,0 l/ha Jura oder 3,0 bis 5,0 l/ha Boxer (fünf bis zehn Tage später als VA, Aufwandmengen je nach Boden- und Niederschlagsverhältnissen)

Auch im Winterraps findet man ab und zu Weidelgrasähren.
Weidelgras hat keine so ausgeprägte Keimruhe wie der Ackerfuchsschwanz und kann somit sehr gut mit mehrmaliger Stoppelbearbeitung bekämpft werden.

Verträglichkeit im Blick behalten

Beim Einsatz der Bodenwirkstoffe wird häufig die Frage nach der Verträglichkeit gestellt. Dabei geht es in der Praxis meist um das Produkt Boxer, das dann aus Sorge auf 1,5 bis 2,0 l/ ha reduziert wird, was allerdings mit deutlich schlechteren Wirkungsgraden einhergeht.

Grundsätzlich muss man sagen, dass alle Bodenwirkstoffe bei ungünstigen Bedingungen phytotoxisch auf die Kulturpflanzen wirken können. Die Symptomatik ist nur unterschiedlich. Boxer verfärbt die Pflanzen gelb, bei Diflufenican kommt es zu weißen Bleachingflecken und bei Flufenacet zu Pflanzenverlusten. Somit ist nun klar, warum häufig nur Boxer als problematisch genannt wird, es fällt einfach optisch am stärksten auf („Agrarpsychologie“).

Des Weiteren gibt es Unterschiede in der Empfindlichkeit der Kulturen. Besonders Roggen und Gerste zählen zu den empfindlichsten Kulturen. Weizen ist etwas robuster, kann aber bei zu flacher Ablage ebenfalls kritisch reagieren. Verträglichkeitsprobleme sind immer jahresbedingt. Menge und Heftigkeit nachfolgender Niederschläge spielen eine entscheidende Rolle. Flufenacet zieht im Gegensatz zu Prosulfocarb in der Wirkung noch nach.

Viele Flächen sind inzwischen auf sehr gute Herbizidwirkungsgrade angewiesen. Somit müssen die Hausaufgaben erledigt werden. Bezüglich des Herbizideinsatzes sind das eine ausreichende Aussaatmenge (+ 10 bis 15 %), eine gleichmäßige Ablagetiefe (zirka 3 cm) sowie ausreichender Bodenschluss nach der Saat (Rückverfestigung: Walzen nach der Saat, um Kluten zu brechen und einen lückenlosen Herbizidfilm zu gewährleisten).

Ist der Boden zu klutig, wird die Saat nicht ausreichend bedeckt. Herbizide können dann das Saatkorn schädigen.

Bodenfeuchtigkeit ist das A und O

Bei ausreichenden Niederschlägen können durchaus Wirkungsgrade von 80 bis 95 % erzielt werden. Dieselben Varianten erzielen bei Trockenheit aber nur zwischen 30 und 40 % Wirkung.

Drilltermin (möglichst ab Oktober) und nachfolgender Spritztermin, eventuell vorher noch Walzen, angepasst an nachfolgende Niederschläge, müssen somit eine Einheit bilden. Nur so gelingt ein relativ hoher Bekämpfungserfolg durch Bodenherbizide.

Welche Blattherbizide verwenden?

Als Blattherbizide kommen in der Gerste Axial 50, in Weizen und Triticale Traxos und im Roggen Sword (+ Hasten) infrage. Liegen aber auf der zu behandelnden Fläche FOP- und DEN-Resistenzen vor, ist ein vager Ausgang vorprogrammiert.

In der Wintergerste ließ fehlender Regen hier den Wirkungsgrad des Bodenherbizides gegen Ackerfuchsschwanz sehr stark abfallen.

Niedrige Temperaturen sind für die Spritzung von Vorteil. Eingangs des Winters können dann auf sensitiven Standorten 1,2 l/ha Traxos oder in der Wintergerste 0,9 l/ha Axial 50 zum Einsatz kommen (sogenannte Nikolausspritzung). Temperaturen unter 5 °C, aber kein völliger Vegetationsstopp, sind förderlich. Leichte Nachtfröste, leicht feuchte Bestände oder Raureif bei der Behandlung wirken sich nicht negativ aus.

Ist klar, dass resistenzbedingt Axial und Traxos auf der Fläche nicht mehr wirken, stellt sich im Winterweizen die Frage, ob dann Atlantis Flex im Herbst oder milden Winter eingesetzt werden kann. Besonders bei milder Witterung wächst der Ackerfuchsschwanz kräftig weiter, sodass bei dem Frühjahrseinsatz ab 16. März das Atlantis Flex auf relativ große Pflanzen treffen kann. Ein früherer Einsatz ist mit diesem Produkt auf drainierten Flächen zulassungstechnisch nicht möglich.

Ein Herbsteinsatz kommt nur mit Niantic (entspricht Atlantis WG) mit 400 g/ha, auf drainierten Flächen bis zum 31. Oktober, oder Atlantis OD mit 1,2 l/ha infrage. Ein AHL-Zusatz ist nicht möglich. Wenn, dann muss dieser Einsatz bei Hochdruckwetterlage erfolgen.

Allerdings dürfen diese Herbsteinsätze ebenfalls nur als Notlösung bei starkem Ackerfuchsschwanzbesatz und der nachfolgenden Verdrängung des Weizens gesehen werden. Der Vorteil liegt in der geringen Pflanzengröße, der Nachteil in der geringeren Aufwandmenge.

Ein Herbsteinsatz mit Niantic und ein folgender Frühjahrseinsatz mit Atlantis Flex wäre unter dem Aspekt, dass Ackerfuchsschwanzpflanzen beide Behandlungen überleben, der Worst Case.

Fazit

Der Fokus einer guten Ackerfuchsschwanzbekämpfung und langfristigen Reduzierung liegt auf einem guten Gesamt-Ackerfuchsschwanz-Management mit Samenmanagement, Bodenbearbeitung, Fruchtfolge und Saatzeit. Eine höchstmögliche Herbizidwirkung ist nur ein Rädchen im Getriebe. Hier müssen die Einsatzbedingungen stimmen, um die bestmöglichste Wirkung zu erzielen. Entscheidend ist immer wieder die Ackerfuchsschwanz-Besatzdichte, also letztendlich der Bodensamenvorrat. Den gilt es langfristig mit allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu reduzieren. Für die Herbizidmaßnahmen gilt, dass das Zusammenspiel der einzelnen Faktoren wie Entwicklungsstadium des Ackerfuchsschwanzes, Bodenfeuchtigkeit, Spritztermin der Bodenherbizide und nachfolgende Niederschläge enorm wichtig ist. Die Bodenherbizidmaßnahme ist der Grundstock der chemischen Ackerfuchsschwanzbekämpfung. Je höher hier der Wirkungsgrad, desto geringer liegt die Last auf den stark resistenzgefährdeten Blattherbiziden.

Windhalm
Weidelgras

Wichtiges kurz und knapp:

Windhalm

• Windhalm ist in den vergangenen Jahren in der Wahrnehmung etwas in den Hintergrund geraten.

• Dabei ist die Resistenzentwicklung bei den ALS-Hemmern und bei den DEN (Axial 50) in einigen Regionen Deutschlands schon sehr weit fortgeschritten.

• Bodenwirkstoffe, vor allem Flufenacet, haben eine sehr gute Wirkung auf Windhalm und sollten konsequenterweise genutzt werden. Da bei Windhalm geringere Flufenacet-Mengen ausreichen, ist der Bodenherbizideinsatz auch in Winterweizen nach Mais oder Zuckerrüben möglich. Eventuell kann man auf reines Flufenacet setzen und auf Di­flufenican verzichten. Unkräuter können problemloser nachbehandelt werden.

Weidelgras

• Weidelgras hat in den vergangenen Jahren in der Fläche sehr stark zugenommen. Oftmals sind es zu Beginn Einzelpflanzen, die sich, anfangs unbemerkt, schnell ausbreiten.

• Dieses Gras zeigt aufgrund seiner langjährigen züchterischen Bearbeitung schnelles Wachstum und große Konkurrenzkraft.

• Hohe Pollenmenge und weiter Pollenflug sorgen für eine schnelle Verbreitung.

• Weidelgras besitzt eine viel höhere genetische Variabilität als Ackerfuchsschwanz, sodass es zu einer schnelleren Resistenzentwicklung kommt.

Taube Trespe

• Die Kombination beziehungsweise Spritzfolge der Bodenwirkstoffe Flufenacet, Diflufenican, Prosulfocarb und Chlortoluron hat eine gute Wirkung auf Weidelgras.

• In den vergangenen Jahren bekam die Resistenzentwicklung deutlichen Vorschub. Hierbei sind die ALS-Hemmer (zum Beispiel Broadway), die DEN (Axial 50) und die DIM (Focus Ultra) gleichermaßen betroffen.

Trespenarten

• Es gibt verschiedene Trespenarten, die auch entscheidende Unterschiede in der Bekämpfung haben.

• Die Bekämpfung der Tauben Trespe ist sehr gut mit Flufenacet möglich. Restbesatz regelt Atlantis Flex im Frühjahr.

Roggen-Trespe

• Die Roggen-Trespe dagegen reagiert kaum auf Flufenacet und ist zwingend auf eine blattaktive Behandlung mit Atlantis Flex angewiesen.

• Trespen sind Flachkeimer. Der Pflug behebt das Problem relativ einfach. Aus diesem Grund sind Trespenprobleme fast immer auf pfluglos wirtschaftenden Betrieben anzutreffen.

• Pfluglose Bearbeitung, Trespenvorkommen und Wintergerste funktionieren nicht!

Hundskerbel

Hundskerbel

• Hundskerbel wurde über die Jahre selektiert und ist mittlerweile auf vielen Flächen präsent.

• Chlortoluron (CTU) hat als Bodenwirkstoff sehr gute Wirkung, kann aber in Form von Carmina und Lentipur nur auf nicht drainierten Flächen eingesetzt werden.

• 0,3 l/ha Herold SC + 1,25 l/ha Lentipur 700 oder 0,2 l/ha Sunfire + 1,5 l/ha Carmina 640 bieten eine gute Lösung gegen Windhalm, Einjährige Rispe und Hundskerbel.

• Bei Carmina ist auch eine Kombination mit Solo-Flufenacet möglich, da in 1,5 l/ha Carmina schon 60 g/ha DFF enthalten sind; CTU-Verträglichkeit der Winterweizensorten beachten.

• Auf dränierten Flächen sind Trinity und Zypar wirksame Produkte, Trinity mit 2,0 l/ha im NAK und Zypar mit 0,75 l/ha in ES 12- 13. Beim Einsatz von Zypar muss der Hundskerbel einerseits aufgelaufen sein, andererseits sollte er das Zweiblattstadium nicht überschritten haben, eine Gratwanderung in der Anwendung. Zypar im Frühjahr zeigt ganz schlechte Wirkungsgrade.

• Besonders bei starkem Aufkommen an Hundskerbel sollte das Problem im Herbst angegangen werden, um die Last im Frühjahr nicht auf die Sulfonylharnstoffe (zum Beispiel Concert SX) zu legen, da auch hier schon Resistenzen nachgewiesen wurden.

Verhandlungen über Geteideabkommen abgebrochen

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Eine Erneuerung des Abkommens für Getreideexporte aus der Ukraine ist am Montag missglückt. Die Gespräche zwischen Kremlchef Wladimr Putin und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verliefen erfolglos. Erdogan reiste am Montag ohne Ergebnis aus Sotschi ab, wo er sich mit Putin getroffen hatte.

Putin erwartet, dass alle Forderungen Moskaus erfüllt werden, damit das Abkommen wieder in Kraft gesetzt werde. Gemeint ist damit, dass die Sanktionen des Westens, die den Export von russischem Getreide, von Dünger und Landtechnik behindern, aufgehoben werden. Die UN hatte Zugeständnisse gemacht, die Moskau aber offensichtlich nicht reichen.

Nach Auslaufen des Abkommens zur Ausfuhr ukrainischen Getreides über das Schwarze Meer hat Russland bereits mehrfach gezielt Häfen in der Ukraine beschossen. Daneben wurden am Morgen auch aus der Industrieregion Dnipropetrowsk Angriffe gemeldet.

Russland hatte das Getreideabkommen im Juli auslaufen lassen. Die Sicherheitsgarantien für den Schiffsverkehr mit ukrainischen Häfen wurden aufgehoben. Das führte zu einer neuen Seeblockade. Vorher hatte das Agrarland Ukraine trotz der russischen Invasion seit Sommer 2022 auf dem Seeweg etwa 33 Mio. t Getreide und andere landwirtschaftliche Produkte ausgeführt. Das vom Krieg gezeichnete Land ist dringend auf die Einnahmen aus dem Export angewiesen.

Innerhalb der EU kam es zu Preiseinbrüchen durch die Einfuhr günstiger Ware aus der Ukraine über den Landweg, die den Weg in die Verarbeitung fand, statt weiter exportiert zu werden. In der Folge wurde ein Einfuhrstopp verhängt. EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski unterstützt eine Verlängerungdes Exportstopps für ukrainisches Getreide in die EU bis Ende 2023 und damit eine Forderung von Polen, Bulgarien, Ungarn, Rumänien und der Slowakei.

Erdogan will russisches Getreide nun in der Türkei zu Mehl verarbeiten lassen, bevor es dann an sechs der ärmsten afrikanischen Länder weitergeschickt wird. Das ersetze zwar das ursprüngliche Getreideabkommen nicht, könne aber die dringendsten Probleme in Afrika lösen. Putin hatte vor einem Monat ein Gipfeltreffen mit afrikanischen Staaten in Petersburg veranstaltet, wo Russlands Rückzug vom Getreidehandel kritisiert worden war.

Die Türkei ist der größte Mehlexporteur der Welt. Etwa 70 % des Weizens für die Verarbeitung importiert das Land aus Russland.

Die Sicherheitsexpertin Claudia Major schätzt die Chancen auf eine Wiederbelebung des ukrainischen Getreideabkommens mit Russland als gering ein.

Angesichts neuer russischer Angriffe auf ukrainische Getreidehäfen kurz vor dem Treffen zwischen Putin und Erdogan scheine dort „wenig Bereitschaft zu sein“, sagte die Leiterin der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) im „Morgenmagazin“ von ARD und ZDF. mbw/age

Alltagskompetenzen vermitteln

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Die Bildungsoffensive für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz (BiLEV) des Kieler Landwirtschaftsministeriums (MLLEV) ist ein wichtiger Baustein der Umsetzung des Thesenpapiers, das im Rahmen des Dialogprozesses zur Zukunft der Landwirtschaft in Schleswig-Holstein erstellt wurde. Über die Hintergründe und darüber, wann BiLEV an den Start geht, spricht MLLEV-Staatssekretärin Anne Benett-Sturies im Interview mit dem Bauernblatt.

Wieso entwickelt das Landwirtschaftsministerium eine Bildungsoffensive?

Wir sehen die BiLEV als Kernelement unseres Dialogs zur Zukunft der Landwirtschaft. Die am Dialogprozess Beteiligten haben immer wieder deutlich gemacht, dass es für den gelungenen Brückenschlag der Zukunftsthemen der Landwirtschaft in die Gesellschaft mehr Wissen braucht, und zwar mehr Wissen über die Zusammenhänge: Wie werden unsere Lebensmittel erzeugt? Wie werden sie verarbeitet? Welche Aspekte des Verbraucherschutzes haben in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen?

Wie ist die Abgrenzung der BiLEV zu anderen Projekten wie „Schulklassen auf dem Bauernhof“?

Ich möchte nicht den Begriff Abgrenzung verwenden. Die BiLEV richtet sich gezielt an die Sekundarstufen I und II, also eine andere Zielgruppe. Das Projekt „Schulklassen auf dem Bauernhof“ leistet entscheidende Basisarbeit – im Schwerpunkt für Grundschulen. Außerdem gibt es viele weitere zertifizierte außerschulische Lernorte – darunter auch Höfe, die schon aktiv sind, ob das Versuchsgut Lindhof der CAU oder der Ringstedthof in Lübeck, um nur zwei Beispiele zu nennen. All das werden wir insgesamt sichtbarer machen mit der Bildungsoffensive. Die BiLEV selbst soll stärker die jungen Erwachsenen ansprechen. Dort sind wir teilweise schon mit sehr individuellen und manchmal auch mit Fehlvorstellungen konfrontiert. An dieser Stelle im Sinne der Wertschätzung für unsere Landnutzung und für unsere Lebensmittelerzeugung stärker aufzuklären und dabei auch Detailaspekte zu betrachten – das ist unser Ansatz mit der Bildungsoffensive.

Mit Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz sprechen Sie sehr viele Themen an. Welche Bedeutung hat dafür das Akteursnetzwerk?

Wir haben das vergangene Jahr und den Anfang dieses Jahres darauf verwendet, ein großes Akteursnetzwerk aufzubauen. Es gehörten von Anfang an die Institutionen aus dem Dialogprozess dazu, zum Beispiel der Bauernverband, aber auch die Landwirtschaftskammer, Verbände wie ProVieh, Feinheimisch, der BUND oder die Verbraucherzentrale. Und wir bekommen weiter Anfragen von Institutionen und außerschulischen Lernorten, die an der Bildungsoffensive teilhaben möchten. Dieses Akteursnetzwerk ist der Quell der Themen und auch der praktischen Umsetzung. Es geht darum, die Themen so aufzubereiten, dass sie auch in die Lehrplananforderungen passen. In Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium haben wir die Europa-Universität Flensburg mit an Bord geholt. Dort wird sichergestellt, dass die Themen so aufbereitet werden, dass Lehrkräfte das Material der jeweiligen Lerneinheit auch in der Vorbereitung, während der Durchführung und in der Nachbereitung nutzen können. Bereits in der Pilotphase waren und sind Lehrkräfte daran beteiligt, die einzelnen Themenkonzepte zu erarbeiten.

Wie viele Lerneinheiten sollen insgesamt erstellt werden?

Die BiLEV befindet sich in einem aufwachsenden Prozess. Derzeit sind 25 Bildungskonzepte fertig, und dabei ist die thematische Vielfalt schon riesig. Es geht von Pflanzenzüchtung und Saatgutgewinnung über die Bedeutung des Bodens, Biodiversität in der Landwirtschaft bis hin zu Tierzucht, Tierwohl und der Herstellung tierischer Lebensmittel. Die Tierhaltung ist dabei ein sehr sensibler Bereich – gerade bei jungen Menschen –, der mit vielen Fragen verbunden ist, denen sich verschiedene Betriebe stellen wollen. Insgesamt sind aktuell weitere 57 Bildungskonzepte in Vorbereitung. Da die Konzepte für verschiedene Betriebe anwendbar sind, gehen wir davon aus, dass sich das Angebot sehr schnell in die Fläche vervielfacht.

Können Sie die Schulen in Schleswig-Holstein flächendeckend bedienen?

Wir wollen die Angebote schulnah haben, deshalb brauchen wir dieses weite, dezentrale Akteurs-netzwerk. Unser Ziel ist, Qualität zu sichern und diesen hohen Qualitätsanspruch auch umzusetzen. Dafür bieten wir in Zusammenarbeit mit der Universität Flensburg Ende September zwei Workshops an. Beide Termine waren nach Bekanntgabe sofort ausgebucht. Daran sieht man die große Bereitschaft der Betriebe, sich fit zu machen für diese besondere Zielgruppe. Wir haben jetzt bereits so viele Wartende auf der Warteliste, dass die für Oktober angesetzten Workshops schon fast ausgebucht sind. Das werden nicht die letzten sein. Es wird fortlaufend neue Workshops geben. Diese Qualifizierung ist uns ein Kernanliegen, damit die Betriebe in die Lage versetzt werden, diesen durchaus auch kritischen jungen Menschen die Zusammenhänge zu erklären. Es geht darum, ihnen Alltagskompetenz zu vermitteln, selbst die richtige Entscheidung treffen zu können – und die ist immer individuell.

Das ist sicher ein hoher Aufwand für die Betriebe. Gibt es eine Aufwandsentschädigung?

Wir haben vor, den Betrieben eine Aufwandsentschädigung zu zahlen, weil der Qualitätsanspruch, den wir setzen, wirklich eine umfassende Vorbereitung erfordert, zum Beispiel im Vorkontakt mit den Lehrkräften. Was wir nicht machen werden, ist eine logistische Unterstützung dahingehend, dass der Transport der Schulgruppe finanziert wird. Wir möchten, dass die Lehrkräfte sowie die Schülerinnen und Schüler mit einem gewissen Eigenengagement beim Betrieb ankommen.

Wie ist Ihre Vorstellung, wie sich die Bildungsoffensive weiterentwickelt?

Wir werden im Herbst dieses Jahres mit einem ersten Bildungskatalog mit ausprobierten Konzepten herauskommen. Es wird ein aufwachsender Katalog sein. Zudem setzen wir gemeinsam mit dem Akteursnetzwerk alles daran, dieses Projekt zu verstetigen, um den Prozess zur Zukunft der Landwirtschaft in Schleswig-Holstein wirklich untersetzen zu können und ihn in der Gesellschaft stärker ankommen zu lassen.

Mehr Informationen zu BiLEV auf den Internetseiten des MLLEV und der Europa-Universität Flensburg

Ein Video des Akteursnetzwerk-Treffens im Mai auf Hof Steffen:

Memory, Melken und Mitmischen

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Bei der Landjugend war auf der Norla jeden Tag etwas los. Mit einem Parcours für jedermann wurde der neue Methodenkoffer vorgestellt, den künftig auch alle Ortsgruppen nutzen können. Politiker spielten mit dem Landesvorstand Memory, bei dem es auch um Statements zu aktuellen Themen auf dem Lande ging. An der neuen Holzkuh wurde um die Wette gemolken und natürlich gab es das beliebte Kinderschminken, leckere Waffeln und Infos zum Landjugendtag 2024 in Jübek. 

Bei der Politikaktion ging es in einem Memory um aktuelle Themen.
Schatzsucher 

CDU Ostholstein gegen Nationalpark

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Die CDU formiert sich im Widerstand gegen den geplanten Nationalpark Ostsee. Der Kreisverband Ostholstein der Partei hat am Montag dieser Woche im Ausschuss für Natur, Umwelt, Bau und Verkehr eine Empfehlung für den Kreistag zur Abstimmung gebracht, die Einführung eines Nationalparks Ostsee abzulehnen. Vielmehr solle der Kreis darauf hinwirken, dass mehr Konkretes für den Schutz der Ostsee unternommen werde. Die Verwaltung möge sich dazu mit sinnvollen Maßnahmen einbringen.

Der Antrag wurde im Ausschuss mit den Stimmen der CDU, der FDP und der Freien Wähler gegen die der SPD und der Grünen mit acht gegen fünf angenommen. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Sebastian Schmidt, rechnet mit demselben Ergebnis bei den Mehrheiten im Kreistag. Weitere CDU-Kreisverbände würden ähnliche Beschlüsse initiieren, so Schmidt. Beim Landesparteitag der CDU am 5. Oktober werden laut Schmidt alternative Maßnahmen zum Schutz der Ostsee aufgezeigt.

Eine Uneinigkeit seiner Partei in dieser Frage sieht Schmidt nicht. Er geht davon aus, dass es eine klare Mehrheit für die Ablehnung eines Nationalparks geben werde: „Sie hören mich sehr zuversichtlich!“

Qualifizierungsangebote im Fokus

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Ganz im Zeichen des diesjährigen Jahresmottos „Zukunft Land“ und der Qualifikationen, die der LandFrauenverband Schleswig-Holstein anbietet, stand die diesjährige Präsentation der LandFrauen auf der Norla.

Über alle vier Tage lief die Aktion „Bean Bag“, angelehnt an das Freizeitspiel, das derzeit weltweit beliebt ist. Das Gute ist: Die Regeln sind einfach und jeder kann mitmachen. So konnten die Messebesucher mit den Bohnenbeuteln ein Ziel anvisieren und dabei wählen, welche Themen sie für die Zukunft des Landes besonders beschäftigten. Entsprechend der Farbe des jeweiligen Zielloches setzten sie Legosteine und bauten so während der Messe ein „Zukunftshaus“. Die Auszählung ergab, dass von 817 befragten Personen 354 einen roten Stein setzten. Rot stand für die ärztliche Grundversorgung. 169 entschieden sich für Blau, die Daseinsvorsorge (Kita, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, Glasfaser), 158 für Grün, Mobilität, und 136 für Gelb, bezahlbarer Wohnraum. Für den Verband ergab diese Auswertung ein Stimmungsbild für die aktuelle und künftige Arbeit.

Erstmals stand in diesem Jahr jeder Tag unter einem besonderen Thema rund um die Qualifizierungsangebote des Verbandes. Den Start machten die digitalen Patinnen. Über 70 wurden seit 2021 in Kooperation mit dem Breitband-Kompetenzzentrum ausgebildet. Vier von ihnen aus dem LandFrauenverein Aukrug waren vor Ort, um gemeinsam mit Anna Brandt, beim Kompetenzzentrum verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit, über das Angebot zu informieren. „Wir haben festgestellt, dass die nötigen Anschlussquoten für Glasfaseranschlüsse in den Gemeinden oft nicht erreicht wurden. Deshalb ist es für uns wichtig, den Verbrauchern zu zeigen, wie sie vom Umgang mit Tablet und Handy profitieren“, so Brandt. LandFrau Inge Höft nahm an einer der allerersten Schulungen teil und bietet heute mit LandFrauen aus ihrem Verein Kurse für Neueinsteiger und Fortgeschrittene an. Die nächsten beginnen am 20. September. Wer dieses Angebot bei sich in Umgebung wahrnehmen möchte, kann sich an Hanna Brandt wenden, die Kontakte zu allen digitalen Patinnen im Land hält (Tel.: 04 31-57 00 50 91).

Vorgestellt wurde auch die Qualifizierung zur Büroagrarfachfrau (Baff). Zu Gast war dazu Rechtsanwältin Beate A. Fischer. Sie appellierte anhand von Beispielen aus ihrem Arbeitsalltag, sich rechtzeitig um die Rentenversicherung zu kümmern und sich bei Eheverträgen, Investitionen und Bürgschaften beraten zu lassen, um im Alter nicht vor dem Nichts zu stehen. Die Fachanwältin bot Vorträge zu diesem Thema in den LandFrauenvereinen an. Kammerpräsidentin Ute Volquardsen betonte in ihrem Grußwort, dass sie die Ausbildung zur Baff gerade auch in diesen Fragen gestärkt habe.

Saskia Jung aus Hardebek (r.) informiert sich bei Dr. Gaby Brüssow-Harfmann, Geschäftsführerin des LandFrauenverbandes, über die Qualifizierung Kräuterkunde und nahm sich sofort Informationen zur Anmeldung mit, denn für den nächsten Grundkurs Kräuterkunde, der am 8. Mai 2024 beginnt, gibt es nur noch wenige Plätze. Anmeldung über den Kooperationspartner BNUR unter anmeldung@bnur.landsh.de
Die digitalen Patinnen des OV Aukrug (Mitte v. li.), Anneliese Rohwedder, Arija von der Geest-Timm, Elke Klotzbücher und Inge Höft, flankiert von Hanna Brandt vom Breitband-Kompetenzzentrum (li.) und Vizepräsidentin Sylke Messer-Radtke.
Beate A. Fischer, Rechtsanwältin, Fachanwältin für Agrarrecht und Notarin aus Husum, informierte auf der Norla zum Thema Absicherung von Frauen auf landwirtschaftlichen Betrieben.

Nach der Norla ist vor der Norla

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Die Norla 2023 stand ganz im Zeichen des Fortschritts, so besuchte der offizielle Rundgang diesmal unter anderem eine Firma, die Solaranlagen fertigt, unter denen auch noch Schafe und Rinder weiden können.

In der Halle der Landwirtschaftskammer zeigten die Grünen Berufe digital, worauf sich Auszubildende in der Landwirtschaft und in der Forstwirtschaft einstellen müssen. Die Ernte von Bäumen per Harvester oder der virtuelle Rundgang auf einem landwirtschaftlichen Ausbildungsbetrieb waren zwei der digitalen Höhepunkte. Kammerpräsidentin Ute Volquardsen machte unter anderem auch am Stand des Kammerbereiches alternative Einkommensquellen halt, wo sich unter anderem das Projekt „Schulklassen auf dem Bauernhof“ und auch der noch recht junge Bereich Green Care – soziale Projekte auf Agrarbetrieben für Menschen mit Betreuungsbedarf – präsentierten. Zudem gab es viele Anfragen wie zum Beispiel zur Broschüre der Bauernhofcafés im Land sowie auch anderen Beratungsangeboten der Kammer von Betriebswirtschaft und Liquiditätsplänen bis hin zum Ruheforst und der Friedhofsgärtnerei. Sandra van Hoorn präsentierte den Messeauftritt von Gütezeichen und Gutes vom Hof. Allen gut bekannt sind die leckeren Cocktails, die zum Verweilen und Fachsimpeln über neueste Strategien im regionalen Marketing einladen. Mit den Besucherzahlen in und vor ihrer Halle zeigte sich die Landwirtschaftskammer zufrieden. Lesen Sie mehr dazu auf den beiden Bilderseiten 52 und 53.

Mehr über den Ausbildungsbetrieb des Jahres erfahren Sie im vorderen Teil des Bauernblattes auf S. 12. Die nächste Norla beginnt am 29. August 2024.

Kammerpräsidentin Ute Volquardsen (li.) am Stand der alternativen Einkommensquellen mit Christiane Wellensiek (Projekt Schulklassen auf dem Bauernhof, LKSH) und Heidi Schiller (r.), bei der Landwirtschaftskammer unter anderem seit vielen Jahren zuständig für die Bauernhofpädagogik
Vor der Kammerhalle standen die regionalen Erzeuger und der Bereich Gutes vom Hof im Fokus, hier präsentiert von Sandra van Hoorn, Fachbereichsleiterin Gütezeichen bei der Landwirtschaftskammer. Isa-Maria Kuhn (3. v. r.), Pressestelle der LKSH, verantwortete die reibungslose Organisation mit allem Drum und Dran in der Kammerhalle.

Sachlichkeit, aber mit Nachdruck

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Um es vorweg zu sagen: Der Landesbauerntag war von Politik und Sachthemen geprägt. Wer einen donnernden und tönenden Landesbauernpräsidenten erwartet hatte, konnte enttäuscht sein, bekam dafür aber einen komprimierten und konzentrierten Abriss zur Situation der Landwirtschaft ohne jede Polemik und mit einem starken Willen, die Forderungen der Landwirtschaft gegenüber der Politik zu platzieren. Klaus-Peter Lucht hielt sich nicht lange mit Grußworten auf und kam gleich zur Sache. Die Lage ist zu ernst.

In Schleswig-Holstein ist der Kampf um die Deutungshoheit der CO2-Reduzierung durch Wiedervernässung von Mooren in vollem Gange. Es muss um Lösungen für die Landwirtschaft gehen und nicht um deren Abschaffung in den Niedermoorregionen, machte Lucht deutlich und hatte Vorschläge parat, die gangbare Wege zeigen: vom Flächentausch über Flurbereinigung bis zur Gründung von Energiegenossenschaften für Moorstandorte. Diese sollen über Flächenbündelung eine energetische Nutzung von Vernässungsstandorten sowie den wirtschaftlichen Erhalt von Grünlandstandorten gewährleisten.

Dass Landwirtschaft kein Selbstzweck ist und der Gewinnerzielung dient, ist für Lucht selbstverständlich und stand über den Gesprächsrunden. Genauso ist es sein Anliegen, alle Akteure an einen Tisch zu rufen. Das machte er zum Beginn der Landesbauernwoche mit dem neuen Diskussionsformat des Norla-Milchfrühstücks. Noch fehlte ein Teilnehmer aus dem Umweltministerium in der Runde neben Landwirten, Bankern, Meiereiwirtschafts- und Handelsvertretern. Aber dem umtriebigen Präsidenten wird auch das noch gelingen.

Die Gastrednerin Sabine Riewenherm, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), ließ in ihrem Vortag beim Landesbauerntag pragmatische Töne verlauten, als sie davon sprach, wie wichtig gegenseitige Anerkennung sei und dass auch mit intensiver Landwirtschaft mehr Biodiversität zu erreichen sei. 

Mechthilde Becker-Weigel Foto: Archiv

Die Sorge um den Verlust von Tierbeständen treibt die Landwirtschaft um, machte Lucht beim Bauerntag klar. Das Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung unter Führung des ehemaligen Bundeslandwirtschaftsministers Jochen Borchert (CDU) hat aufgehalten, würde man im Norden sagen. Das ist ein schlechtes Zeichen. Denn dahinter stehen die Tatenlosigkeit von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) oder seines Hauses und die Nichtannahme der Reformvorschläge.

Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU) nahm die Vorlage an und betonte, die Nutzung landwirtschaftlicher Flächen diene keinem Selbstzweck, sondern der gesellschaftlichen Aufgabe der Erzeugung von Nahrungsmitteln und Ernährungssicherheit. Es könne nicht das Ziel sein, die Nutzung aufzugeben. Dennoch machte er deutlich, ein „Weiter wie bisher“ werde nicht möglich sein. Auch er ist der Meinung, die Berliner Ampel-Koalition habe mit der Aufgabe des Kompetenzzentrums Nutztierhaltung eine Chance vertan. Landwirtinnen und Landwirten fehle weiter eine Orientierung vonseiten der Politik. Er kündigte an, die Agrarministerkonferenz am 20. und 21. September in Kiel werde sich mit dem Thema Tierhaltung beschäftigen. Dann werden Verbandspräsident Lucht und Minister Schwarz sich wieder gegenüberstehen. Der Bauernverband ruft zur Demonstration und Meinungsbekundung am 21. September in Kiel auf. Hoffentlich können die Demonstranten Minister Schwarz zu mehr Nachdruck verhelfen!

Beschleunigungsgesetze und lange Lieferzeiten

Das Land Schleswig-Holstein hat sich vorgenommen, bis zum Jahr 2030 15 GW Windenergieleistung an Land zu errichten und bis 2045 klimaneutral zu sein. Das neu eingerichtete Referat für Windenergieplanung im Innenministerium des Landes arbeitet an neuen Regionalplänen, die bis 2026 vorliegen sollen. Während der Onshore-Windenergie-Konferenz windWert wurde vorige Woche in Kiel vorgestellt, nach welchen Kriterien das Innenministerium dabei vorgeht.

Um „Rotor in“ oder „Rotor out“, die mögliche Kombination von Windenergie mit Speichern, Herausforderungen durch lange Lieferzeiten und Hacker-Angriffe sowie Innovationen im technischen Service ging es bei der Konferenz, zu der sich 130 Branchenvertreter trafen. Die windWert wird jährlich organisiert von der Netzwerkagentur Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein (EE.SH).

Rotor in oder Rotor out – dürfen die Flügel der Windenergieanlage (WEA) über die Grenzen des Windeignungsgebietes hinausragen? Schleswig-Holstein arbeite mit der Rotor-in-Regelung, machte ein Mitarbeiter des zuständigen Innenministeriums deutlich, auch wenn es einen Ermessensspielraum von einigen Metern gebe. Außerdem hat sich die Landesregierung im Koalitionsvertrag dafür ausgesprochen, die Abstände zur Wohnbebauung nicht zu verringern. So seien die Klimaziele nicht zu erreichen, hielt Marcus Hrach vom Landesverband Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein (LEE SH) dagegen: „Dann brauchen wir 3,8 Prozent Windenergie-Vorrangflächen.“ Laut Innenministerium werden rund 3 % der Landesfläche in den neuen Windenergie-Regionalplänen benötigt, um die selbst gesteckten Ziele des Koalitionsvertrages und die Bundesvorgaben zu erreichen.

Dabei komme die Repowering-Regelung aus den Regionalplänen weiter zur Anwendung. Demnach dürfen Windenergie-Anlagen, die außerhalb von Vorrangflächen stehen, nicht an derselben Stelle durch neue ersetzt werden, sondern der Betreiber muss sich einen Standort innerhalb eines extra für Repowering ausgewiesenen Vorranggebietes suchen und für eine neue WEA zwei alte Anlagen abbauen. Dies kritisiert der LEE SH und meint, dies stehe im Gegensatz zum neuen § 245e im Baugesetzbuch, der Teil des Windenergie-Beschleunigungspakets der Bundesregierung ist.

Auf die umfangreichen Gesetzespakete zum beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren Energien ging auch Kiels Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer (SPD) ein. „Wir befinden uns in einer Phase großer Plastizität und Veränderungen. Vieles wird einrasten, und wenn wir es richtig angehen, haben wir für die nächsten zehn Jahre stabile Rahmenbedingungen.“

Energie aus Windenergie- und Photovoltaikanlagen ist wetterabhängig, die Verfügbarkeit schwankt stark, entsprechend volatil sind auch die Strompreise. Speicher könnten in Zeiten von viel Wind und Sonne, wenn der Strom billig ist, die Energie aufnehmen. Wenn es dunkel ist, kein Wind weht und die Strompreise entsprechend steigen, könnte die Energie wieder ausgepeichert und verkauft werden. Die Arge Netz entwickelt ein Flexibilitäten-Geschäftsmodell und plant, dafür einen 56-MW-Batteriespeicher zu bauen.

Im Gegensatz zu Photovoltaikanlagen können Windparks auch nachts Strom liefern – jedoch nur, wenn sie leise genug sind. Ein Großteil der Anlagen muss aus Lärmschutzgründen nachts leistungsreduziert betrieben werden. Axel Sachse von DNV Energy Systems Germany stellte „Trailing Edge Serrations“ vor. Die sägezahnförmigen Anbauteile verwirbeln den Luftstrom an der Rotorblatt-Hinterkante so, dass die Anlagen um bis zu 3 dB leiser gemacht werden können. Dadurch können Anlagen nachts weniger leistungsreduziert betrieben werden. Dies sei außerdem eine Maßnahme zur Netzstabilisierung, erklärte Sachse mit Verweis auf das novellierte Energiesicherungsgesetz. Zudem könnten die Anlagen, je nach Typ, einen um 3 bis 10 % erhöhten nächtlichen Jahresenergieertrag erzielen.

„Bei der windWert können sich Projektierer, Betreiber und Finanzierer von Windparks mit Dienstleistern und Vertretern aus Politik und Verwaltung austauschen“, erklärt EE.SH-Projektmanager Holger Arntzen, der die Konferenz seit 13 Jahren zusammen mit Projektmanagerin Katja Rosenburg organisiert.