Gleichberechtigung auf dem Teller hat der Discounter Lidl am 11. Oktober ausgerufen. Die Schwarz-Gruppe mit ihren Handelssparten Lidl und Kaufland ist immer wieder für eine Überraschung gut: Lidl gleicht in Deutschland die Preise für vegane Artikel seiner Eigenmarke Vemondo an den Fleischpreis an. Im Vergleich zu Fleisch sind die Ersatzprodukte häufig deutlich teurer als Nackensteak und Lummerbraten aus dem Schlachthof.
Der Discounter Lidl will das nun ändern und passt die Preise der veganen Alternativen an die Originalprodukte an. Bei seiner Aktion orientiert er sich an den Artikeln, die bei den Kundinnen und Kunden zur Standardauswahl zählen. Das bedeutet: Veganes Hack wird an den Preis des günstigsten gemischten Hackfleischs angeglichen und nicht an das teure Bio-Rinderhackfleisch. In den vergangenen Jahrzehnten konnten bei der Fleischproduktion durch die Haltung Kostenpotenziale gehoben werden. Denn höhere Stückzahlen bedeuten in der Regel geringere Kosten pro Stück. Die Produktion pflanzlicher Alternativen findet noch im kleinen Umfang statt und ist vergleichsweise kostspielig.
Lidl prescht eindeutig vor mit seiner Aktion, springt auf einen Trend auf und setzt vor allem mal wieder ein werbewirksames Signal in eigener Sache. Der Konsum von Fleischersatzprodukten steigt, und der Discounter will gezielt sogenannte Flexitarier und Flexitarierinnen ansprechen. Auch hatte der Konzern bereits im Frühjahr angekündigt, langfristig sein pflanzliches Angebot zu erweitern. Das Unternehmen verfolgt außerdem seine eigene Proteinstrategie und will sein Sortiment an der Planetary Health Diet ausrichten. Mit dieser Ernährungsweise soll es möglich sein, auf unserem Planeten auch zehn Milliarden Menschen satt zu bekommen.
Ob die Preisanpassung reichen wird, um den Ernährungswandel anzustoßen, ist fraglich. Die Marktentwicklung für Fleischersatzprodukte zeigt einen Knick in der Absatzkurve, nachdem es jahrelang bergauf ging. Aktuell liegt aber der Marktanteil veganer Produkte am gesamten Lebensmittelhandel bei 1,2 %. Das ist kein Massengeschäft. Somit sind die Kosten der Aktion kalkulierbar und zu verkraften für den Discounter.
Vor drei Jahren landete Lidl schon einmal einen Marketing-Coup, damals in die andere Richtung, als der Discounter einen Euro mehr pro Kilogramm Schweinefleisch zahlte. Ab dem 10. Dezember 2020 kosteten 800 g Hackfleisch daraufhin nicht mehr 4,16 €, sondern 4,96 € und ein Schinkenschnitzel 5,01 € statt 4,41 €. Neben der Ware stand ein Schild: „Den Preis bewusst erhöht“ und der Slogan: „Für unsere Schweinebauern“. Der Aufschlag sollte damals komplett an die Landwirte weitergegeben werden, als Sofortmaßnahme für die stark unter Druck stehenden Schweinehalter. Die Maßnahme fand damals getrennt von den bereits zugesagten 50 Mio. € für die Initiative Tierwohl (ITW) statt.
Die aktuelle Aktion zahlen die Veggie-Produzenten genauso wie die Tierhalter. So lernt die vegane Szene, kaum dass sie gestartet ist, wie der Lebensmittelhandel die Spirale nach unten dreht. Man kann allen Akteuren nur wünschen, dass die Fleischpreise bald steigen und Lebensmittel nach ihrem Wert bezahlt werden und nicht nach Marketing- und Werbekalkül.




