In den nächsten Wochen steht die Silomaisernte an, und aufgrund der teilweise knappen Futterressourcen gewinnen die möglichst verlustarme Silierung und Lagerung an Bedeutung. Der Einsatz von Siliermitteln sowie Optimierungen im Ernte- und Silomanagement helfen, gute Qualitäten zu erzielen.
Silomais gehört zu den leicht vergärbaren Futterpflanzen, da ausreichend leicht umsetzbare Kohlenhydrate enthalten sind. Je nach Art und Zusammensetzung des natürlichen Besatzes mit Milchsäurebakterien (MSB) ist die Gärung eher milchsäurebetont oder es liegen in der fertigen Silage auch gewisse Mengen Essigsäure vor. Zum Zeitpunkt der Ernte gibt es jedoch keine Kenntnis darüber, welche und wie viele MSB auf den Pflanzen vorhanden sind oder wie potent diese sind. Wer sich also allein auf Mutter Natur verlässt, überlässt das Ergebnis der Silierung dem Zufall und erlebt nach der Siloöffnung vielleicht eine böse Überraschung.
Denn die große Menge leicht umsetzbarer Kohlenhydrate macht Maissilagen anfällig für aeroben Verderb nach der Siloöffnung. Hauptursächlich für den Verderb ist die Stoffwechselaktivität der säuretoleranten Hefen, die Zucker und Milchsäure umsetzen, was mit Wärmebildung, der sogenannten Nacherwärmung, einhergeht. Durch den Milchsäureabbau steigt der pH-Wert der Silage an und andere Schadkeime werden wieder aktiv. Da im Nachhinein, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, keine wirksamen Maßnahmen getroffen werden können, gilt es, mit möglichst geringen Keimgehalten im Erntegut zu starten und die Hefen von Anfang an zu unterdrücken.
Siliermittel verbessern aerobe Stabilität
Eine Möglichkeit, sowohl die Gärung in Richtung der gewünschten Gärqualität zu steuern als auch die Hefen zu hemmen, bietet der Einsatz biologischer Siliermittel, die entweder ausschließlich oder zumindest teilweise heterofermentative MSB enthalten. Bei der Gärung bilden diese neben der Milchsäure auch Essigsäure, welche hemmend auf Hefen wirkt. Je höher die Essigsäurekonzentration ist beziehungsweise je schneller deren Bildung erfolgt, desto größer ist der Effekt. Essigsäuregehalte zwischen 2 und 3 % in der Trockenmasse (TM) sind wünschenswert. Höhere Konzentrationen können die Schmackhaftigkeit der Silagen negativ beeinflussen und je nach Gewöhnungsgrad oder Sensibilität der Milchkühe verringerte Futteraufnahmen zur Folge haben. Die Reaktion der Tiere ist jedoch von Herde zu Herde verschieden, wie die positiven Erfahrungen der vergangenen Jahre am LVG Futterkamp zeigen.
Um sich im Dschungel der verschiedenen Anbieter von Siliermitteln zurechtzufinden und die Auswahl zu erleichtern, bietet das Entscheidungsschema der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) eine gute Unterstützung (siliermittel.dlg.org/). Das Siliermittel muss zur Situation auf dem Betrieb, insbesondere zur Silogeometrie, zur Lagerdauer und zum Vorschub passen. DLG-geprüfte Siliermittel haben in diversen unabhängig durchgeführten Tests ihre Wirksamkeit bewiesen und werden kontinuierlich überwacht. Derzeit führen insgesamt 50 Mittel von 19 Herstellern das Prüfzeichen, wovon 27 Präparate die aerobe Stabilität der Silagen verbessern (Wirkungsrichtung 2). Der überwiegende Anteil sind biologische Präparate, in denen heterofermentative MSB enthalten sind.
Um den MSB die nötige Zeit zu geben, ausreichend Essigsäure zu bilden, ist eine Lagerdauer von acht Wochen erforderlich, bevor das Silo geöffnet werden kann. Für Betriebe, die aufgrund knapper Futterressourcen gezwungen sind, das Silo schneller zu öffnen, bieten sich Siliermittel an, die zusätzlich für eine frühzeitige Siloöffnung geeignet sind. Seit vergangenem Jahr gibt es auch in diesem Wirkungsbereich DLG-geprüfte Siliermittel.
Besonderheiten chemischer Siliermittel
Mit einer größeren Wirkungssicherheit überzeugen chemische Siliermittel, dabei handelt es sich entweder um organische Säuren, die in gepufferter Form vorliegen können, oder um Salzlösungen. Siliersäuren senken bereits von Beginn an den pH-Wert und hemmen Schadkeime. Bei den Salzlösungen werden aufgrund der natürlichen pH-Wert-Absenkung nach wenigen Tagen aus den Salzen die korrespondierenden organischen Säuren gebildet, zum Beispiel Benzoesäure aus Benzoat oder Propionsäure aus Propionat. Die Säuren hemmen ihrerseits die Schadkeime.
Im Gegensatz zu biologischen Mitteln, die in der Regel eine einheitliche Dosierempfehlung haben, ändert sich die erforderliche Einsatzmenge chemischer Siliermittel mit dem TM-Gehalt. Je nach Produkt können zum Beispiel bis zu 5 l/t Frischmasse nötig sein. Unterdosierungen sind unbedingt zu vermeiden, da sie zu selektiven Hemmungen der potenziell schwächeren Schadkeime und dadurch aufgrund mangelnder Konkurrenz zur Förderung der überlegeneren Keime führen können. So stellt beispielsweise unterdosierte Propionsäure eine zusätzliche Nahrungsquelle für Hefen dar. Insofern sind im Vorfeld der Ernte Absprachen mit dem Lohnunternehmen ratsam, um zu klären, ob die vorhandene Ausbringtechnik für einen höheren Siliermitteldurchsatz geeignet ist.
Der klare Nachteil chemischer Siliermittel liegt in ihrem Preis, zumal aufgrund der höheren Einsatzmengen größere Volumina benötigt werden. Je nach Silogeometrie und Vorgehensweise bei der Befüllung sind Kosteneinsparungen möglich, indem gegebenenfalls nur eine Teilbehandlung des oberen Silodrittels vorgenommen wird. Diese Möglichkeit besteht beispielsweise bei Siloanlagen mit Wänden, durch die die Erntewagen zum Abladen hindurchfahren.
Walzschlepper steuert die Erntekette
Da die Verdichtung im Silo nach Siloöffnung die Eindringtiefe der Luft bestimmt, ist auf die Walzarbeit ein besonders großes Augenmerk zu legen. Geringe Häcksellängen von maximal 10 mm, dünne Schichten von maximal 20 cm, hohe Walzgewichte (Bergeleistung in t FM je Stunde geteilt durch 4) und geringe Geschwindigkeiten (4 bis 6 km/h) tragen dazu bei. Da jede Schicht nach Möglichkeit drei- bis viermal zu überfahren ist, kann es sinnvoll sein, mit zwei oder mehr Walzfahrzeugen parallel zu arbeiten, sofern die Silobreite das zulässt. Wenn Parallelbetrieb oder auch das parallele Befüllen mehrerer Silos nicht möglich ist, bleibt als einzige Lösung die Verringerung der Bergeleistung oder aber ein Stau vorm Silo.
Optimierungen im Ernte- und Silomanagement
Auf größeren Milchvieh- oder Biogasbetrieben dauert die Silomaisernte oft mehrere Tage. Häufig wird auf ein Zwischenabdecken bei Befüllpausen verzichtet, um den damit verbundenen Arbeitsaufwand zu sparen. Das kann jedoch fatale Folgen haben, wie verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen und Praxiserfahrungen zeigen. In den Schichten, die über längere Zeit der Luft ausgesetzt sind, kommt es zu einer exponentiellen Vermehrung von Hefen und anderen aeroben Keimen. Das heißt, der Keimdruck, mit dem diese Schichten in den Silierprozess starten, ist deutlich erhöht.
Im geschlossenen Silo, also unter anaeroben Bedingungen, führt die Aktivität der Hefen zu alkoholischer Gärung und damit einerseits zu einer Abnahme des Futterwerts, andererseits entstehen dadurch massive Trockenmasseverluste. Neben Alkoholen können auch andere flüchtige organische Verbindungen, zum Beispiel Ester, gebildet werden, deren Auswirkungen auf die Futteraufnahme und die Tiergesundheit bislang nur ungenügend untersucht sind.
Insofern ist es von essenzieller Bedeutung für die spätere Silagequalität, bei Befüllpausen eine Zwischenabdeckung zumindest aus Unterziehfolie zu installieren, um die unerwünschte Vermehrung von Mikroorganismen zu unterbinden.
Ein weiterer qualitätsbestimmender Faktor ist die gasdichte Abdeckung, die über die gesamte Lagerdauer aufrechtzuerhalten ist. Diese besteht entweder aus einer Kombination aus dünner Unterziehfolie (Saugfolie) und dickerer Silofolie (aus PE) oder aber aus einer flexibleren, mehrlagigen Sauerstoffbarrierefolie. Wenn das Silo über Wände verfügt, ist darüber hinaus eine Wandfolie erforderlich. Vom alleinigen Verwenden normaler PE-Silofolie ist unbedingt abzuraten, da sich diese nur schlecht an die Unebenheiten der Silooberfläche anschmiegt. Darüber hinaus weisen selbst DLG-geprüfte PE-Silofolien eine gewisse Durchlässigkeit für Sauerstoff von bis zu 250 cm³/m² am Tag auf, was durchaus ausreichend sein kann, um Hefen und Schimmelpilze während der Lagerperiode am Leben zu erhalten. In der Folge ist das Nacherwärmungsrisiko erhöht.
Kiessäcke statt Reifen als Beschwerung
Die Folien werden um das ganze Silo herum mit sich dachziegelartig überlappenden Kiessäcken beschwert. Zur Vermeidung von Schäden durch Vögel dienen Nicosilnetze oder Vliesbahnen. Um die Folie fest auf das Erntegut zu drücken, eignen sich Kiessäcke am besten, die in Abständen von 5 m als durchgängige Querriegel über das Silo verlegt werden. Um ein Verrutschen an den Flanken zu verhindern, können sie mittels Einhängen in Gurte oder Einschieben in Nicosilschläuche einfach und sicher positioniert werden.
Reifen oder Reifenscheiben sind zwar günstig und auf jedem Betrieb in größeren Mengen vorhanden, eignen sich aber nicht als Beschwerungsmaterial. Einerseits werden alte Reifen brüchig, wodurch Metalldrähte zum Vorschein kommen, andererseits präferieren Nager die Reifen als Nistplätze. Sowohl die Drähte als auch die Nager sowie jagende Katzen können die Folie beschädigen. Hinzu kommt das sehr arbeitsaufwendige Verlegen der Reifen auf Stoß, um damit eine ähnliche Wirkung wie mit Kiessäcken zu erzielen.
Nach der Siloöffnung tragen ein hoher Vorschub, ein daran angepasstes maßvolles Aufdecken mehrmals pro Woche, eine nicht auflockernde Entnahmetechnik und die Schaffung durchgängiger Querbarrieren auf der Folie an der Anschnittkante zur Vermeidung von aerobem Verderb bei.
Fazit
Mit dem Einsatz des richtigen Siliermittels lassen sich Schadkeime wie Hefen oder Schimmelpilze während der Silierung wirksam unterdrücken. Jedoch handelt es sich nicht um Wundermittel, Fehler im Ernte- und Silomanagement lassen sich auch damit nur bedingt ausgleichen.




