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Marktkommentar

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Die Preisbildung an vielen Märkten ist weniger direkt von Angebot und Nachfrage abhängig, sondern eher von der Nachrichtenlage. So sorgen zum Beispiel Wettermeldungen aus bestimmten Regionen dafür, dass Spekulanten an den Börsen ihre Anlagen in eine bestimmte Richtung lenken. Auch Krisen und Konflikte sorgen für Preisausschläge an den Rohstoffmärkten. Auch am Rohölmarkt werden die weltweiten Krisen aufmerksam beobachtet. Waren es zuvor eher die Meldungen aus dem Ukraine-Krieg, blickt man an den Börsen jetzt eher Richtung Naher Osten. Mit der Not vieler Menschen werden somit an den Börsen Geschäfte gemacht.

Der Weltmarktpreis für Rohöl ist Anfang Mai deutlich gesunken. Am 6. Mai wurden etwa 82,0 US-$/ bbl notiert, während Anfang April der Kurs noch bei zirka 90,0 US-$/bbl lag. Trotz dieses Preisrückgangs liegt der Rohölpreis noch über der Vorjahreslinie. An den Tankstellen hierzulande reduzierte sich der Dieselpreis auf zirka 1,65 €/l. Auch die Heizölkurse gaben nach und liegen mittlerweile deutlich unter der Marke von 1,0 €/l. Damit bewegen sich die Spritpreise auf einem Neunmonatstief. Der Preisrückgang der Vorwoche ist vor allem darauf zurückzuführen, dass in Kairo ernsthaft über einen Waffenstillstand für den Gaza-Streifen verhandelt wurde. Zum Wochenbeginn zeigt sich jedoch, dass eine Waffenruhe vorerst nicht zu erwarten ist. Die Kriegsparteien bleiben unversöhnlich. Es ist wieder zu Kampfhandlungen gekommen. Bei einem Scheitern der Waffenstillstandsverhandlungen für Gaza dürfte es mit den Ölpreisen kräftig nach oben gehen. Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen kündigen Angriffe auf Schiffe im Mittelmeer an. Auf der anderen Seite wird erwartet, dass die Opec-Staaten ihre begrenzte Rohölförderung beibehalten. Trotz aller Bestrebungen, den Verbrauch von Rohölprodukten zu drosseln, erwarten Marktbeobachter auch für dieses Jahr eine weltweit nochmals steigende Ölnachfrage. Dabei blieb die Ölnachfrage aus China in diesem Jahr bislang unter den Erwartungen. Dagegen ist der Ölverbrauch der USA weiterhin sehr hoch, obwohl die US-Notenbank die Zinsen vorerst auf einem hohen Niveau stehen lässt.

Ein weiterer Punkt, der einen möglichen Preisrückgang bremsen könnte ist, dass Lieferungen aus Russland zunehmend unterbunden werden. Über zwei Jahre nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine greifen weitere EU-Sanktionen gegen Moskau. Schon seit Anfang Dezember darf bereits kein russisches Rohöl mehr per Tanker in die EU eingeführt werden, seit Anfang Januar verzichtet Deutschland auf Importe über die Pipeline Druschba. Ab Anfang Mai will die EU auch keine Raffinerieprodukte wie Diesel, Benzin oder Schmierstoffe mehr aus Russland abnehmen. Dies könnte vor allem den hiesigen Dieselmarkt beeinflussen. Rund 12,5 % seines Verbrauchs deckte Deutschland laut Branchenverband bislang aus Russland – trotz des Ukraine-Kriegs. Ersatz komme aus den USA, Westeuropa und dem arabischen Raum. Marktexperten erwarten jedoch keine drastischen Preissprünge. Das seit Langem angekündigte Embargo hat dafür gesorgt, dass die Lagertanks mit Diesel aufgefüllt wurden. Damit wird vorerst mit einem ausreichenden Angebot gerechnet.

Marktlage – für die Woche vom 6. bis 12.5.2024

Getreide: Die anhaltende Trockenheit in Südrussland und den südlichen Plains in den USA hat die Weizenpreise weiter unterstützt.

Raps: Raps gewann in Paris, weil anhaltende Regenfälle in Frankreich die Ertragsaussichten dämpften.

Futtermittel: Die festeren Tendenzen an den internationalen Getreidebörsen hatten höhere Preise für Futtergetreide zur Folge.

Kartoffeln: Angebot und Nachfrage hielten sich am heimischen Speisekartoffelmarkt weiterhin die Waage. Für Premiumware aus dem Kistenkühllager waren Preisaufschläge üblich.

Schlachtrinder: Im Handel mit Jungbullen wurde von einem ausgeglichenen Markt ohne saisonale Preisschwäche berichtet.

Schlachtschweine/-sauen: Mit der schöneren Witterung waren am deutschen Schlachtschweinemarkt lebhaftere Absatzimpulse zu verzeichnen.

Ferkel: Das etwas größere Angebot wurde rege von Mästern nachgefragt.

Milch: An den Märkten für Milch- und Molkenpulver setzten sich die ruhigen Tendenzen fort.

Schlachtlämmer/-schafe: Die Nachfrage nach Lämmern und Lammfleisch war saisonal bedingt durchweg ruhig.

Markttendenz – für die Woche vom 13. bis 19.5.2024

Getreide: Mehrere Marktexperten senken die russische Weizenernteprognose um mehrere Millionen Tonnen.

Raps: Raps wird unterstützt vom dicken Plus bei Sojabohnen, nachdem heftige Überschwemmungen in Brasilien die Erntearbeiten stoppten.

Futtermittel: Auch Sojaschrot wird deutlich höher bepreist, den Sojabohnen folgend.

Kartoffeln: Das durch die Spargelsaison bedingte rege Interesse sorgt derzeit für zusätzliche Impulse.

Schlachtrinder: Der Bedarf an Jungbullen der Haltungsform 3 kann nur knapp gedeckt werden, gezahlt werden 25 ct/kg über der Empfehlung für QS-Tiere aus konventioneller Herkunft.

Schlachtschweine/-sauen: Die Nachfrage nach Kurzbratartikeln und nach Grillwurst profitiert von den deutlich gestiegenen Temperaturen.

Ferkel: Die Vermarktung verläuft zügig. Es können für alle Ferkelpartien leicht Abnehmer gefunden werden.

Milch: Butter wird ruhig bis rege nachgefragt, Schnittkäse wird kontinuierlich gut nachgefragt.

Schlachtlämmer/-schafe: Die ausgeglichene Marktlage mit stabilen Preisen setzt sich fort.

Unsicherheit auf den EU-Agrarmärkten bleibt

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Die landwirtschaftlichen Betriebe in der EU befinden sich weiterhin in einer schwierigen Lage. Wie aus dem jetzt veröffentlichten Bericht der EU-Kommission zu den EU-Agrarmärkten hervorgeht, stellen vor allem die Inputkosten nach wie vor ein Problem dar. Immer noch liegen die Preise für die meisten Vorleistungen deutlich über dem Niveau von vor der Corona-Pandemie. Das gilt vor allem für Dünger, Energie und Futtermittel.

Große Unsicherheiten für die Landwirte ergeben sich durch den Klimawandel, der unvorhersehbare Extremwetterereignisse wahrscheinlicher macht, durch die geopolitischen Konflikte und durch wirtschaftliche Faktoren wie die gestiegenen Zinssätze und erhöhten Arbeitskosten. Laut Kommission sind auch die Lebensmittelpreise nach wie vor hoch. Zusammen mit den getrübten Aussichten für das allgemeine Wirtschaftswachstum sei daher die Hoffnung auf eine sich erholende Verbrauchernachfrage begrenzt.

Der EU-Agrarpreisindex lag der Kommission zufolge zuletzt unter dem Niveau von 2022. Dieser Rückgang sei aber noch nicht vollständig an die Verbraucher weitergegeben worden. Während sich der Verbraucherpreisindex der EU seit März 2023 stabilisiert habe, liege er aber gegenüber 2015 noch um 43 % höher. Besonders stark war laut der EU-Behörde der Anstieg mit 65 % beziehungsweise 69 % in Polen und Litauen.

Mehr Getreide als 2023/24

Für das Wirtschaftsjahr 2024/25 rechnet die Kommission in der EU mit einer Getreideerzeugung von voraussichtlich 278,5 Mio. t. Dies wäre im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 3 %. Dabei werde vor allem von besseren Erträgen ausgegangen. Zum Außenhandel stellten die Brüsseler Beamten fest, dass die EU-Getreideeinfuhren 2023/24 um rund 17 % über dem Fünfjahresdurchschnitt liegen dürften. Betont wurde, dass eine verbesserte Logistik im Zuge des Schwarzmeerkorridors die Lieferung von ukrainischem Getreide in Drittstaaten erleichtern würde.

Zur EU-Produktion von Ölsaaten und Eiweißpflanzen erklärte die Kommission, dass diese voraussichtlich steigen werde. Verantwortlich hierfür sei die erwartete Zunahme der Erntemengen von Sojabohnen, Felderbsen und Dicken Bohnen.

Das Rohmilchangebot in der EU wird 2024 nach der Kommissionsprognose leicht zunehmen, und zwar um 0,4 %. Maßgeblich hierfür ist die höhere Milchleistung, denn der Milchkuhbestand dürfte leicht abnehmen. Derweil entwickelten sich die EU-Käseproduktion und der Käseexport nach wie vor stark und könnten 2024 weiter steigen, erklärte die Behörde. Auch die Butterausfuhren könnten bei einem stabilen Inlandsverbrauch zulegen.

Geflügel weiter im Aufwind

Zum EU-Fleischmarkt hielt die Kommission fest, dass wenig überraschend der Trend bei den Verbraucherpräferenzen weg vom Rindfleisch und hin zum Geflügel anhalte. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch von Rindfleisch in der EU sank 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 4,7 % auf 9,7 kg. Der Verbrauch dürfte 2024 weiter sinken, die Kommission veranschlagt das Minus auf 2,8 %. Parallel dazu dürfte aber auch die Rindfleischproduktion in der EU weiter abnehmen, was die Rindfleischpreise stützen würde.

Die Schweinefleischerzeugung in der EU verzeichnete mit einem Minus von 6,6 % im Jahr 2023 einen noch stärkeren Rückgang. Dieser wird sich 2024 nach der Vorhersage der Kommission allerdings verlangsamen. Die Nachfrage nach Geflügel als billigerer Proteinquelle ist derweil nach wie vor hoch. Der mittlere Pro-Kopf-Verbrauch von Geflügelfleisch stieg 2023 um 3 % und soll 2024 um weitere 2 % zunehmen. age

Blattläuse und andere ungeliebte Insekten

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Blattläuse, Getreidehähnchen, Sattelmücken und Weizengallmücken zählen zu den bedeutendsten Schädlingen im Sommer- und Wintergetreide. Sie sind nahezu in jedem Frühjahr und Sommer in den Getreidebeständen in Schleswig-Holstein zu finden. Einen ertragswirksamen Schaden haben diese Schädlinge in den vergangenen Jahren aber nur in wenigen Fällen verursacht.

Der folgende Artikel stellt Insekten vor:

Blattläuse

Der Zuflug geflügelter Getreideblattläuse, vor allem der Großen Getreideblattlaus, der Bleichen Getreideblattlaus sowie der Haferblattlaus, erfolgt oft erst ab Mitte Mai. Nach sehr milden Wintern und einem warmen Frühjahr ist ein früherer Zuflug möglich. Ob sich dann ein bekämpfungswürdiger Befall entwickelt, hängt in erster Linie von der Witterung und dem Vorkommen natürlicher Gegenspieler ab.

Marienkäfer gehören zu den bedeutendsten Gegenspielern der Blattläuse. Sowohl die Käfer als auch die Larven (im Bild zu sehen) fressen gleichermaßen große Mengen an Blattläusen. Es können über mehrere Wochen hinweg mehr als 100 Blattläuse täglich sein.
Rothalsiges Getreidehähnchen
Blaues Getreidehähnchen
Nach Zuflug, Reifungsfraß und anschließender Paarung der Käfer erfolgt die Ablage der ovalen, goldglänzenden Eier an der Blattoberseite der obersten Blätter der Getreidekulturen.
Streifenförmiger Fensterfraß entlang der Blattadern durch die Larven. Da die Schäden optisch sehr leicht auffallen, wird der Schaden meist überschätzt.

Sind natürliche Gegenspieler nicht in ausreichendem Maße vorhanden und herrschen gleichzeitig günstige Witterungsbedingungen (Temperaturen um 20 °C, geringe Sonneneinstrahlung, keine zu heißen Temperaturen von über 30 °C und keine Starkniederschläge), können sich Blattläuse rasant vermehren und größere Kolonien bilden. Bei Massenauftreten können durch Saugschäden (vor allem an Fahnenblatt beziehungsweise Ähre/Rispe) Ertragsdepressionen im Getreide resultieren. Im Sommergetreide besteht zusätzlich die Gefahr der Übertragung von Getreideviren (zum Beispiel Gelbverzwergungsvirus) durch die Blattläuse.

Ob ein Blattlausbefall im Getreide bekämpfungswürdig ist, kann nur durch regelmäßige Bestandeskontrollen sicher beurteilt werden. Werden im Sommer- und Wintergetreide ab Ende Ährenschieben (Saugschädigung) mindestens 30 % befallener Ähren und Fahnenblätter oder eine Blattlaus pro Ähre und Fahnenblatt festgestellt, ist die Bekämpfungsschwelle für einen Insektizideinsatz erreicht. Daneben sollten aber noch weitere Kriterien bezüglich eines Einsatzes von Insektiziden einbezogen werden, beispielsweise das Auftreten von Nützlingen wie zum Beispiel Marienkäfer, Florfliegen, Schwebfliegen und Schlupfwespen. Sind diese natürlichen Gegenspieler vorhanden, ist auch ein höherer Befall an Blattläusen zu tolerieren.

Wenn ab Blühbeginn ausschließlich Blattläuse zu bekämpfen sind, ist der Einsatz der nützlingsschonenden Präparate Pirimor G (200 g/ ha) oder Teppeki (0,14 l/ ha) unbedingt zu bevorzugen (keine Pyrethroide zur alleinigen Blattlausbekämpfung). Pirimor G wirkt bei höheren Temperaturen über die Dampfphase und erfasst daher auch versteckt sitzende Blattläuse. Der gleiche Effekt wird aufgrund einer teilsystemischen Wirkung beim Einsatz von Teppeki erzielt. Dieses Präparat verfügt über eine gute Dauerwirkung und es wirkt zudem sehr selektiv. Wird die Bekämpfungsschwelle der Blattläuse bei noch niedrigen Temperaturen vor der Weizenblüte überschritten und sind gleichzeitig in größerer Anzahl Getreidehähnchen, Sattel- oder Weizengallmücken anwesend, ist grundsätzlich der Einsatz breit wirksamer Pyrethroide (zum Beispiel Karate Zeon) zu empfehlen.

Die Bekämpfung der Blattläuse als Virusvektoren im Sommergetreide sollte mit einem zugelassenen Pyrethroid mit der Indikation „Blattläuse als Virusvektoren“ erfolgen, aber erst dann, wenn mindestens 10 % der Pflanzen ab dem Ein- bis Zweiblattstadium des Sommergetreides bis Ende des Ährenschiebens befallen sind.

Überschreitungen der Bekämpfungsschwellen und damit einhergehende insektizide Gegenmaßnahmen blieben in den vergangenen Jahren die Ausnahme.

Getreidehähnchen

Zu unterscheiden sind das Rothalsige und das Blaue Getreidehähnchen. Der Zuflug der Käfer erfolgt meist Ende April bis Ende Mai, wobei warme und trockene Frühjahrs- und Sommerwitterung für die Vermehrung und Eiablage förderlich sind. In diesem Jahr wurde aufgrund der sehr hohen Temperaturen in der ersten Aprilhälfte ein sehr früher Zuflug beobachtet.

Nach der Paarung legen die Weibchen einzelne ovale, goldglänzende Eier auf der Oberseite der jeweils obersten Blätter in Getreidekulturen ab. Nach einigen Tagen schlüpfen die Larven aus den Eiern, die dann den eigentlichen Schaden durch den typischen streifenförmigen Fensterfraß entlang der Blattadern verursachen. Alle Winter- und Sommergetreidekulturen werden befallen, am häufigsten jedoch Winter- und Sommerweizen, Hafer und Sommergerste.

Eine Bestandskontrolle auf Ei- und Larvenbesatz sollte ab ES 39 erfolgen. Die Fraßschäden durch die Larven der Getreidehähnchen werden häufig überschätzt. Eine Bekämpfung ist nur in seltenen Fällen notwendig, wobei unterschiedliche Bekämpfungsschwellen in den Getreidearten zu beachten sind (Wintergetreide: ein Ei/eine Larve je Fahnenblatt oder 10 % zerstörte Fahnenblattfläche; Sommergetreide: ein Ei/eine Larve auf jedem zweiten Fahnenblatt; Hafer: ein Ei/eine Larve je Fahnenblatt). Bei Überschreitung der Bekämpfungsschwelle sollte eine Behandlung mit einem zugelassenen Pyrethroid mit Indikation „Getreidehähnchen“ oder „beißende Insekten“ erfolgen.

Sattelmücke

Sattelmücken sind meist standorttreue Schädlinge im Getreide, wobei Kulturen auf schweren beziehungsweise tonhaltigen Böden mit Vorjahresbefall besonders gefährdet sind. Sattelmückenjahre mit massiven Larvenbefall an den Getreidehalmen sind häufig schon viele Jahre her, Ertragseinbußen von über 50 % waren keine Seltenheit.

Sattelmücke bei der Eiablage (li.), schnurförmiges Eigelege (Mitte) und typische sattelartige Querwülste am Halm durch die Saugtätigkeit der Larven (r.)

Die Verpuppung der Larven erfolgt im Frühjahr im Boden, wobei Trockenheit der wichtigste Begrenzungsfaktor ist. Meist in der zweiten Maihälfte unter warmfeuchten Bodenbedingungen schlüpfen die Sattelmücken aus dem Boden. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier blattober- und blatt­unterseits in Schnüren parallel zu den Blattadern ab. Nach einer Woche schlüpfen die Larven, dringen in die Blattscheide ein, wandern halmabwärts und beginnen oberhalb eines Halmknotens zu saugen. Durch die Saugtätigkeit entstehen die typischen sattelartigen Querwülste an den Getreidehalmen. Hieraus kann bei Starkbefall ein Steckenbleiben der Ähren zum Ährenschieben resultieren.

Weizengallmücke an einer Weizenähre – unter günstigen Bedingungen (windstille, schwülwarme Witterung) legen die Weibchen ihre Eier hinter den Deckspelzen ab.
Den eigentlichen Schaden verursachen die Larven der Weizengallmücke, welche nach dem Schlupf damit beginnen, an der Kornanlage zu saugen.
Nach früher Eiablage zum Ährenschieben des Weizens können Kornausfälle, Schmachtkörner und ein geringeres Tausendkorngewicht die Folge sein.

Ab Ende Juni wandern die Larven in den Boden ab. Alle Winter- und Sommergetreidekulturen können befallen werden. Besonders gefährdet sind Winter- und Sommerweizen sowie Sommergerste. Auf Verdachtsflächen sollten ab Anfang Mai der Flugbeginn beziehungsweise das Vorkommen der Sattelmücke mittels Gelbschalen überwacht und kontrolliert werden. Bestandeskontrollen sind spätestens ab Mitte Mai durchzuführen und die Pflanzen auf mögliche schnurförmige Eigelege an den Blättern zu untersuchen. Bei Überschreitung der Schadschwelle (20 bis 30 % Getreidehalme mit Eigelege oder fünf Eier je Halm) sollte ein zugelassenes Pyrethroid mit Indikation „Sattelmücke“ beziehungsweise „Zweiflügler“ zum Einsatz kommen.

Der Insektizideinsatz richtet sich sowohl gegen die erwachsenen Sattelmücken als auch gegen die schlüpfenden Larven, die den Wirkstoff beim Abwandern unter die Blattscheide aufnehmen. Die Anwendung muss zwingend vor dem Schlupf der Larven, spätestens fünf bis sieben Tage nach Auffinden erster Eigelege erfolgen.

Weizengallmücke

Weizengallmücken sind standorttreue Schädlinge. Alle Winter- und Sommergetreidekulturen können befallen werden, jedoch sind Winter- und Sommerweizen besonders gefährdet. Häufig ab Mitte Juni schlüpfen die Mücken aus dem Boden vorjähriger Befallsflächen. Die Eiablage erfolgt an der Ähre. Die aus den Eiern schlüpfenden Larven saugen an der Kornanlage, woraus Kornausfälle, Schmachtkörner und ein geringeres Tausendkorngewicht (TKG) resultieren. Nach drei bis vier Wochen wandern die Larven in die oberste Bodenschicht ab und überwintern dort. Ein hohes Schadpotenzial ist jedoch nur bei frühem Auftreten der Weizengallmücken zum Ährenschieben (ES 51-59) und bei gleichzeitig günstigen Bedingungen (windstille, schwülwarme Witterung) gegeben.

In den vergangenen Jahren fand der Hauptzuflug meist erst ab der Vollblüte des Winterweizens statt und hielt teils deutlich bis nach der Blüte an. Zu diesem Zeitpunkt kann sich allerdings der Sommerweizen im empfindlichen Stadium des Ährenschiebens befinden, daher ist hier größere Vorsicht geboten. Selbst wenn der Hauptzuflug der Weizengallmücken zum Ährenschieben des Sommer- oder Winterweizens erfolgt, spielen die Witterungsbedingungen noch eine entscheidende Rolle für die Vermehrung und Eiablage. Da die nur zirka 2 mm großen Weizengallmücken zur Eiablage die Ähre aufsuchen müssen, sind sie sehr anfällig gegenüber Wind und Regen. Für eine intensive Eiablage benötigen die Weibchen über mehrere Tage trockenes und windstilles Wetter.

Zur Kontrolle von Schlupfbeginn (Auftreten) und Befallsstärke der Weizengallmücke können Pheromonfallen genutzt werden, die einen Sexuallockstoff enthalten, der paarungsbereite männliche Weizengallmücken anlockt. Wenn sich während des Ährenschiebens über 100 Weizengallmücken in der Pheromonfalle befinden, ist die Schadschwelle überschritten. Eine Kontrolle des Auftretens kann auch durch Auszählen der Eier legenden Mücken an den Ähren an windstillen Abenden erfolgen (Schadschwelle: eine Mücke je Ähre), wobei sich das Ausmaß des Auftretens aber deutlich schwerer abschätzen lässt.

Schäden durch Weizengallmücken lassen sich am sichersten durch eine einmalige Insektizidbehandlung mit zugelassenen Pyrethroiden mit der Indikation „Weizengallmücke“ beziehungsweise „Zweiflügler“ vermeiden. Die Behandlung sollte in warmen und windstillen Abendstunden erfolgen. Zu diesem Zeitpunkt ist die Aktivität der Mücken besonders hoch. Ziel ist es, die Eiablage an der Ähre zu verhindern.

Auf Flächen mit regelmäßigem Auftreten der Weizengallmücke ist der Anbau resistenter Winter- und Sommerweizensorten empfehlenswert.

Fazit

Auch wenn Blattläuse, Getreidehähnchen, Sattelmücken und Weizengallmücken dazu in der Lage sind, Ertragsverluste im Winter- und Sommergetreide zu verursachen, sollte ein prophylaktischer Insektizideinsatz unbedingt unterbleiben. Um gegen die auftretenden Getreideschädlinge gezielt vorgehen zu können, sind regelmäßige Bestandeskontrollen unbedingt erforderlich. Ein Insektizideinsatz sollte dann nur nach Überschreitung der Bekämpfungsschwelle/Schadschwelle erfolgen.


Übersichtstabellen zu Insektiziden

Aktualisierte Übersichtstabellen zu den derzeit zugelassenen Insektiziden in den Getreidekulturen nebst Anwendungsbestimmungen und Auflagen (zum Beispiel Abstände zu Oberflächengewässern, Bienenschutz) sind auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer unter www.lksh.de aufgeführt. Über folgenden Pfad sind die Dokumente auf der Internetseite zu finden: Startseite > Landwirtschaft > Pflanzenschutzdienst > Pflanzenschutz aktuell > Informationen des Pflanzenschutzdienstes > Pflanzenschutzmittel-Zulassungen

Aktive Belüftung für Leistung und Tiergesundheit

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Typischerweise werden Milchviehställe durch eine Trauf-First-Lüftung belüftet. Besonders im Sommer sind der Luftaustausch und die Temperaturabsenkung oft unzureichend, was zu einem Rückgang der Futteraufnahme bei den Kühen und damit zu niedrigerer Milchleistung sowie Fruchtbarkeitsproblemen führen kann. Um die Belüftung zu verbessern, können sowohl technische als auch bauliche Maßnahmen ergriffen werden.

Auf vielen Betrieben wird die natürliche Belüftung durch benachbarte Gebäude wie den Melkstand mit Wartehof, das Güllesilo, Fahrsiloanlagen oder Anbauten für den Milchtank deutlich beeinträchtigt. Ähnliches gilt, wenn der Stall nicht quer zur Hauptwindrichtung ausgerichtet ist. Bei älteren Ställen ist aufgrund geringerer Traufenhöhen oft weniger Luft im Stall vorhanden. Zudem ist dieser Bereich nicht selten ganz oder teilweise mit einer Mauer verschlossen. Die geringe Belüftung führt dazu, dass die erforderliche Luftwechselrate häufig nicht erreicht wird. Dies kann unter anderem zu Kondenswasserbildung im Dachraum führen, was wiederum Schäden am Bauwerk verursachen kann, wie Pilzbefall am Holz oder schwarze Ablagerungen am Ständerwerk.

Wärmegedämmte Dächer tragen besonders im Sommer dazu bei, den Wärmeeintrag durch das Dach zu reduzieren.

Die Wohlfühltemperatur der Milchkuh liegt im Bereich von 5 bis 15 °C. Kann eine Kuh ihre Körperwärme nicht ausreichend an die Umgebung abgeben, kommt es zu Hitzestress beim Tier. Dieser kann an einer erhöhten Atemfrequenz erkannt werden, wobei ein Wert von 30 bis 50 Atemzügen pro Minute als normal gilt. Je höher die Atemfrequenz, desto größer ist der Hitzestress. Dies führt zu einer geringeren Futteraufnahme, was wiederum zu niedrigerer Milchleistung, erhöhten Zellzahlen und vermehrten Fruchtbarkeitsproblemen führt. Insgesamt wird die Kuh anfälliger für Krankheiten.

Die Trauf-First-Lüftung funktioniert aufgrund der Temperaturunterschiede zwischen innen und außen. An warmen, windstillen Tagen kommt die freie Lüftung über Thermik oft zum Erliegen, wodurch die von den Tieren produzierte Wärme kaum noch an die Umgebung abgegeben werden kann. In solchen Fällen ist es oft sinnvoll, die Wärmeabgabe durch Ventilatoren zu fördern, um das Wärmepolster auf der Haut zu durchbrechen.

Bauliche Aspekte

Liegt eine Giebelseite des Stalls in Hauptwindrichtung, sollte über Lochbleche im Giebelbereich die Luftzuführung verbessert werden. Offene, hohe Traufen und eine entsprechend dimensionierte Firstentlüftung sorgen für eine gute Belüftung, wobei der Dachüberstand nicht zu kurz sein sollte, um einen Sonnenschutz für die äußere Liegeboxenreihe zu gewährleisten. Helle und wärmegedämmte Dächer sind vorteilhaft, da der Wärmeeintrag durch das Dach im Sommer reduziert wird. Der Temperaturunterschied zwischen außen und innen ist dadurch größer, was eine bessere Thermik und erhöhten Luftaustausch zur Folge hat. Eine PV-Anlage auf dem Dach sorgt ebenfalls für eine vergleichbare Dämmwirkung. Lichtplatten sollten auf den Dachflächen mit südlicher und westlicher Ausrichtung vermieden werden, um eine direkte Sonneneinstrahlung auf die Tiere zu verhindern.

Optimal für einen effizienten Luftaustausch sind Milchviehställe mit hohen Traufen und ohne windbremsende Hindernisse. 

Einsatz von Ventilatoren

Durch den Einsatz von Ventilatoren werden die Luftgeschwindigkeit erhöht, der Luftaustausch gesteigert und der Kühlungseffekt verbessert. Luftgeschwindigkeiten von mindestens 2,0 m/s im Tierbereich sorgen bei Kühen für einen Kühlungseffekt, da die die Kuh umgebende Wärmeschicht zerstört wird. Im Vergleich dazu liegt die optimale Luftgeschwindigkeit im Kälberbereich bei unter 0,5 m/s. Das Zuschalten der Ventilatoren und deren Steuerung sollten temperaturabhängig und automatisch erfolgen.

Bei hohen Temperaturen suchen die Kühe aktiv angenehme, kühlere Bereiche im Stall auf. Der Liegebereich ist besonders wichtig, da sich die Tiere hier am längsten aufhalten sollen. Um angenehme Bedingungen durch angepasste Luftgeschwindigkeiten zu gewährleisten, sind mehrere Ventilatoren erforderlich. Deckenventilatoren mit großen Durchmessern, die häufig mittig über dem Futtertisch (Dachraum) angebracht werden, drücken die Luft nach unten und von dort nach außen. Hindernisse wie Aufkantungen am Fressgitter oder Liegeboxenabtrennungen können Verwirbelungen verursachen und die Luftgeschwindigkeit reduzieren, wodurch der Kühlungseffekt deutlich geringer ist. Oft wird die erforderliche Luftgeschwindigkeit zur Abkühlung von mindestens 2,0 m/s nur unterhalb des Ventilators (Durchmesser) erreicht.

Axial-Ventilatoren sollten mit einem Neigungswinkel von 15 bis 25° installiert werden.
Eine wirksame Abkühlung der Tiere wird durch Luftgeschwindigkeiten von über 2 m/s erreicht.

Axial-Ventilatoren (Durchmesser zirka 1,20 m) haben eine Wurfbreite von zirka 4 bis 5 m und erreichen Wurfweiten bis zu 20 m. Durch die Anordnung der Ventilatoren in Längsrichtung über den Liegeboxenreihen mit einem Abstand von 15 bis 20 m und einem Neigungswinkel von 15 bis 25° wird ein guter Kühleffekt erzielt. Werden die Ventilatoren hingegen über den Laufgängen platziert, führt dies dazu, dass diese Bereiche zusätzlich ausgetrocknet werden, während der Kühlungseffekt im Liegebereich der Kühe nahezu ausbleibt. Für einen gleichmäßigen Luftstrom sollten die Axial-Ventilatoren fixiert (nicht pendelnd) eingebaut werden und nicht entgegen der Hauptwindrichtung (natürliche Lüftung) ausgerichtet sein. Aber auch Hindernisse wie zum Beispiel Kraftfutterabrufstationen oder Ständerwerk im Liegeboxenbereich bremsen den Luftstrom aus. Hier sind einzelbetriebliche Lösungen zu suchen. Ab einer Höhe von 2,70 m (Ventilatorunterkante) über der Standfläche ist kein Schutzgitter am Ventilator erforderlich. Schutzgitter reduzieren die Leistung des Ventilators um bis zu 30 %, insbesondere wenn sie verschmutzt sind. Je höher die Lufttemperatur im Stall, desto höher ist die erforderliche Drehzahl der Ventilatoren zur Sicherstellung ausreichender Luftgeschwindigkeiten zur Abkühlung. Vielfach laufen die Ventilatoren in einem Leistungsbereich von 10 bis 80 %. In diesem Bereich und bei langen Laufzeiten sind EC-Motoren beziehungsweise eine Frequenzsteuerung sinnvoll. Sie reduzieren die Stromkosten und rechtfertigen damit vielfach die höheren Investitionskosten.

Die Steuerung der Ventilatoren sollte temperaturabhängig und automatisch erfolgen.

Kosten und Nutzen

Um eine effektive aktive Lüftungsunterstützung sicherzustellen, wird ungefähr ein Axialventilator mit einem Durchmesser von etwa 1,20 m für jeweils 20 Kühe beziehungsweise Kuhplätze benötigt (Mittelwert aus Einzel- und Doppelliegereihe). Die Investitionskosten je Lüfter liegen im Bereich von 2.500 €, einschließlich EC-Motor oder Frequenzsteuerung sowie Einbau. Die jährlichen Kosten belaufen sich daher auf ungefähr 20 € pro Kuh. Hinzu kommen Stromkosten von etwa 25 € (50 bis 80 kWh Strombedarf je Kuh). Die Gesamtkosten liegen im Bereich von 45 € pro Kuh und Jahr und sind oft deutlich geringer als der Nutzen allein durch die höhere (nicht abgefallene) Milchleistung.

Kühlung mit Wasser

Durch den Einsatz von Wasser zur Befeuchtung über Verneblungs- oder Berieselungsanlagen wird der Kühlungseffekt zusätzlich erhöht. Allerdings ist die Luftfeuchtigkeit vielfach ein limitierender Faktor. Bei Werten von über 70 % sollte der Einsatz von Wasser zur Befeuchtung vermieden werden. Eine Wärmeabgabe durch die Kühe ist dann nicht mehr möglich (Saunaeffekt). Die wichtigste Maßnahme zur Reduzierung von Hitzestress im Milchviehstall besteht darin, ausreichend hohe Luftgeschwindigkeiten am Tier zu gewährleisten.

Fazit

In Milchviehställen wird die Luftgeschwindigkeit und damit der Luftaustausch durch den Einsatz von Ventilatoren erhöht. Luftgeschwindigkeiten von über 2,0 m/s bewirken einen Kühlungseffekt und eine Verringerung der Wärmebelastung für die Tiere. Dies ist besonders wichtig in „verbauten“ und älteren Ställen, wo die natürliche Belüftung bereits bei niedrigen Temperaturen nicht ausreicht. In vielen Fällen sind die Kosten für Technik und Strom niedriger als der Nutzen allein durch die höhere beziehungsweise nicht abgefallene Milchleistung. Bei Neubauten sollten auch die Möglichkeiten der Wärmedämmung des Stalldaches in Betracht gezogen werden.