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Erleben und Kompetenzen und Wissen erwerben

Die Bewältigung globaler Zukunftsfragen wie Klimawandel, Energie- und Nahrungsversorgung stellt unsere Gesellschaft vor große ökologische und soziale Aufgaben. Zukunftsorientierte Bildung von Kindern und ­Jugendlichen zielt deshalb darauf ab, dass nachfolgende Generationen sogenannte Schlüsselkompetenzen erwerben, die ihnen ermöglichen, diesen ­Herausforderungen handelnd zu ­begegnen und ihre Zukunft nachhaltig zu gestalten. Hierfür sind Bauernhöfe ideale außerschulische Lernorte.

„Staunen, erkunden, forschen, entdecken, aber auch verändern und gestalten“ – hierfür soll der Schulunterricht Anlässe bieten, so zu lesen in einem Rahmenplan für Lehrkräfte. Dabei soll der Sachunterricht „Fragestellungen aus der Begegnung mit der Natur, Arbeit, Technik, Gesellschaft, Raum, Zeit, dem eigenen Körper, der Gesundheit und dem Kulturellen“ thematisieren. Es liegt auf der Hand, dass diese Ziele nicht alleine im Klassenzimmer, sondern vor allem in der Verbindung von Schule und realem Leben erreicht werden können. Sogenannte außerschulische Lernorte, genutzt etwa bei Schulpraktika, Ausflügen, Klassenfahrten und Ähnlichem, ergänzen den Unterricht im Klassenzimmer: Ob im Wald, am Bach oder auch in Firmen und Institutionen – Lernen in lebensnahen Zusammenhängen ist wirksames und zukunftsgerichtetes Lernen zugleich. Hierfür erweist sich der Lernort Bauernhof im Vergleich von außerschulischen Lernangeboten als nahezu ideal.

Ulrich Hampl ist Agraringenieur und Bauerhofpädagoge, er hat 18 Jahre lang einen Schul- und Seminarbauernhof in der Pfalz geleitet und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Konzept „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ (BNE). Foto: privat

Lebensechtes Lernen an Projekten

Die vielfältigen Anforderungen der landwirtschaftlichen Tätigkeiten bilden eine Vielzahl von Lernmöglichkeiten: Motorische, handwerkliche, soziale und intellektuelle Fähigkeiten können bei vielen Aufgabenstellungen erworben und eingeübt werden.

Hierfür ein Beispiel: Sogenanntes Projektlernen, was als eine der vielen pädagogischen Methoden in Lehrplänen gefordert wird, kann auf dem Bauernhof optimal praktisch umgesetzt werden – bei einer konkreten Aufgabe: Eine Gruppe Schüler bekommt Örtlichkeiten, Geräte und Material gezeigt und die Aufgabe gestellt, eine Kälberbox auszumisten und frisch einzustreuen. Die Aufgabe soll selbstständig geplant und umgesetzt werden.

Dieses kleine Projekt erfordert gemeinsame Absprache, umsichtiges Benutzen von Geräten, zielorientiertes Abstimmen von Arbeitsabläufen, Umgang mit beseelten Lebewesen, Rücksichtnahme aufeinander, Einbeziehung der Fähigkeiten und Talente der Einzelnen und vieles mehr. Nach vollbrachtem Projekt hat die Gruppe soziale, personale, methodische und fachliche Kompetenzen angewandt und geübt, die – über die Wissensvermittlung hinaus – allgemein wichtige Bausteine in der Entwicklung und Bildung der jungen Generation darstellen. Dies ist nur ein kleines Beispiel für unzählige Lernsituationen, die auf Bauernhöfen nicht erst künstlich geschaffen werden müssen, sondern dort bereits in großer Vielfalt existieren.

Auch für höhere Klassenstufen bietet der Lernort Bauernhof passende Lernumgebungen: Beim weitgefächerten Thema Ernährung und Wirtschaft zum Beispiel können die Inhalte der Lehrpläne in praxisnahe Erkundungseinheiten umgesetzt werden. Vorstellbar ist etwa die Aufgabe, die pflanzlichen und auch tierischen Erzeugnisse eines konkreten landwirtschaftlichen Betriebes vor Ort zu recherchieren, die monetären Einkünfte zu berechnen und herauszufinden, wie viele Haushalte der Hof ernähren kann.

Wie vernetzt der Hof mit der Region und der Welt ist, kann zum Beispiel bei der Recherche der Verkaufswege der Produkte sowie des nötigen Zukaufs von Futter- und Düngemitteln und anderer Betriebsstoffe aus der Region und der Welt bewusst werden.

Bildung für nachhaltige Entwicklung

Die Schüleraufenthalte auf dem Bauernhof sind in der Regel – in Ergänzung zur schulischen Bildung – nach dem Prinzip der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) aufgebaut: Nachhaltige Entwicklung wurde als Leitbild für die Menschheit bereits 1992 in der Agenda 21 in Rio de Janeiro beschlossen: Handeln aufgrund der Erkenntnis von sozialen, ökonomischen und ökologischen Zusammenhängen auf der Welt so zu gestalten, dass auch künftige Generationen gut überleben können.

Bereits damals wurde formuliert, dass dies nur durch entsprechende Bildung ermöglicht werden kann: Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE) soll Menschen ermöglichen, Gestaltungskompetenzen auf ökologischem, ökonomischem und sozial-kulturellem Gebiet zu erwerben, um eine nachhaltige Zukunft der Menschheit zu sichern. Hier kann das Lernen auf dem Bauernhof eine willkommene Hilfe sein. In der Tat sehen viele Schulleitungen bei der derzeitigen Tendenz zur zunehmend individuellen Profilierung von Schulen in der Zusammenarbeit mit kompetenten außerschulischen Partnern eine zeitgemäße Verbesserung ihrer Lernangebote.

Nicht nur Wissen, sondern Kompetenz erwerben

Bei gemeinsamer Arbeit in Stall und Feld, in Backstube, Milchkammer und Küche können Gestaltungs- und soziale Kompetenzen eingeübt werden, die „fit“ machen für ein verantwortungsvolles und gesellschaftlich engagiertes Leben. Der Bauernhof bietet unzählige Lernangebote, die Zukunftsfähigkeit zu schulen: Die Schüler lernen nicht nur den eigentlichen Wert unserer Lebensmittel kennen und schätzen, sondern übernehmen Verantwortung etwa bei der Pflege der Tiere, üben Achtsamkeit beim Umgang mit Lebendigem, erleben die Zusammenhänge des Wachsens der Pflanzen in Abhängigkeit von Boden, Wetter und Landschaft, sie üben Teamarbeit bei der Bewältigung komplexer Aufgabenstellungen und vieles mehr.

Handlungsangebote mit der Möglichkeit zur Wiederholung führen zu Erfahrung. Gesammelte Erfahrung wiederum baut zunehmende Handlungs- und Gestaltungskompetenz auf. Dabei sollen sich Kinder zu starken Persönlichkeiten entwickeln können (personale Kompetenz), sie müssen sozial handlungsfähig und kommunikationsfreudig werden (soziale Kompetenz), sie sollen erlerntes Wissen anwenden können (methodische Kompetenz) und vieles mehr.

Der Start in die neue Düngesaison

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Bevor die Düngung in diesem Jahr auf den Flächen beginnen kann, ist nach Düngeverordnung (DüV) grundsätzlich eine schriftliche Düngebedarfsermittlung (DBE) zu erstellen. Denn vor der ersten Gabe müssen je Fläche die Düngebedarfe der Kulturarten hinsichtlich der Nährstoffe Stickstoff (N) und Phosphor (P) ermittelt und als Dokumentation auf dem Betrieb nachgehalten werden. Ein fehlender Nachweis bei einer amtlichen Kontrolle gilt als Verstoß im Düngerecht und hat eine Kürzung in den Direktzahlungen zur Folge.

Für die Berechnung des Düngebedarfes einer Kulturart wird der betriebseigene Ertragsdurchschnitt der vergangenen fünf Jahre zugrundegelegt, welcher mit dem Basisertrag nach DüV verglichen wird, wobei sich hieraus Zu- oder Abschläge ergeben. Zuschläge sind jedoch auf maximal 40 kg N/ha gedeckelt.

Beispielhaft ist in Übersicht 1 eine N-Bedarfsermittlung für einen Winterweizen dargestellt. Wird eine Kulturart erstmalig im Betrieb angebaut, können die langjährigen Durchschnittserträge des Statistikamts Nord oder der Landessortenversuche der Landwirtschaftskammer https://t1p.de/6xvf4 herangezogen werden. Bei Letzteren ist der Ertrag aufgrund des Parzelleneffektes um 15 % zu reduzieren.

Abschläge in der N-Bedarfsermittlung

Von dem ermittelten Bedarfswert in Abhängigkeit des Ertrages im Betriebsschnitt der vergangenen fünf Jahre sind noch weitere Abzüge nach DüV zu berücksichtigen. Zunächst ist der zu Vegetationsbeginn im Boden verfügbare Stickstoff, der sogenannte Nmin-Wert, zu beachten. Für alle Kulturen im Ackerbau – außer dem mehrschnittigen Feldfutterbau – wird der Nmin-Wert aus einer repräsentativen Probe der Fläche in der Regel aus einer Bodentiefe von 0 bis 90 cm (aus drei Schichten: 0 bis 30 cm, 30 bis 60 cm, 60 bis 90 cm) ermittelt.

Liegen keine betriebseigenen Untersuchungsergebnisse autorisierter Labore vor, können auch Messwerte vergleichbarer Standorte aus dem Nitratmessdienst der Landwirtschaftskammer herangezogen werden. Die Werte des Nitratmessdienstes werden üblicherweise in der zweiten Februarwoche im Bauernblatt und auf der Homepage der Landwirtschaftskammer veröffentlicht. Für eine rechtskonforme N-Bedarfsermittlung besteht auch die Möglichkeit, vor Erhebung der Nmin-Werte im Frühjahr die langjährigen Nmin-Werte aus dem Nitratmessdienst der jeweiligen Naturräume zu nutzen (siehe Übersicht 2).

Nach Veröffentlichung des Nitratmessdienstes oder nach Vorlage eigener Analyseergebnisse müssen die vorläufig angenommenen Werte jedoch durch die tatsächlichen Nmin-Werte korrigiert werden, sofern eine Abweichung von mindestens +/– 10 kg Nmin vorliegt.

Des Weiteren sind neben dem Nmin-Wert noch folgende standortabhängige Abschläge zu berücksichtigen:

Nachlieferung aus der organischen oder organisch-mineralischen Düngung zu der Vorkultur des Vorjahres – Anrechnung von 10 % der ausgebrachten organischen N-Gesamtmenge

N-Nachlieferung durch Erntereste der Vorfrucht beziehungsweise der Zwischenfrucht

Berücksichtigung des Humusgehaltes und einhergehend einer zu erwartenden Mineralisation im Vegetationsverlauf. Bei einem Humusgehalt von mehr als 4 % erfolgt ein pauschaler Abschlag von 20 kg N/ha

Anrechnung der N-Mengen (verfügbarer Anteil) bei erfolgter N-Düngung im Herbst zu Winterraps und Wintergerste auf den N-Frühjahrsbedarf.

Die dann in der Praxis folgenden Düngemaßnahmen (N, beziehungsweise NH4 und P) dürfen den schriftlich ermittelten Düngebedarf nicht überschreiten. Dieser ermittelte Bedarf gilt somit als rechtsverbindliche Obergrenze.

Stickstoffabschlag in N-Gebietskulisse

Auf Flächen, die innerhalb der N-Gebietskulisse liegen, gelten stringentere Vorgaben bei der Aufbringung von Düngemitteln mit wesentlichen Gehalten an Stickstoff. Eine besonders bedeutende Vorgabe ist die Reduktion des Düngebedarfs um 20 % im Schnitt der in der N-Gebietskulisse liegenden Flächen des Betriebes. Es besteht allerdings die Möglichkeit, die N-Mengen innerhalb der Kulturarten zu verschieben und dementsprechend einer N-bedürftigeren Kultur eine höhere N-Menge zukommen zu lassen.

Jedoch ist der verringerte gesamtbetriebliche Düngebedarf und auch die für die Einzelfläche berechnete N-Obergrenze (ohne den Abzug von 20 %) zu beachten und darf nicht überschritten werden. Zu beachten ist auch, dass die zugrundegelegten Durchschnittserträge innerhalb der N-Gebietskulisse nicht im Schnitt der vergangenen fünf Jahre berechnet, sondern fixe Ertragsdaten aus den Jahren 2015 bis 2019 als Basis verwendet werden.

Auch den P-Bedarf ermitteln

Nach DüV ist neben der Bedarfsermittlung für N auch eine schriftliche Bedarfsermittlung für Phosphor (P) vor Ausbringen von wesentlichen Nährstoffmengen zu erstellen und zu dokumentieren. Auch hier ist beispielhaft für Winterweizen eine Bedarfsermittlung in Übersicht 3 zu finden. Basis ist für die P-Bedarfsermittlung die laut DüV verpflichtende Bodenanalyse alle sechs Jahre. Unter Berücksichtigung der daraus ermittelten P-Bodenversorgung und dem zu erwartenden P-Bedarf (ermittelt über die langjährigen Durchschnittserträge) wird mit der Düngung die Bodengehaltsklasse C angestrebt.

Mit zunehmender Bodenversorgung sinken die empfohlenen P-Düngemengen gemäß Richtwerte für die Düngung 2022. Bei einer Bodenversorgung von mehr als 25 mg P2O5/100 g Boden (zu ermitteln nach der DL-Methode) ist nach DüV die P-Düngung auf die zu erwartende Abfuhr der Ernteprodukte zu reduzieren (siehe Übersicht 4). Im Rahmen einer dreijährigen Fruchtfolge kann der P-Bedarf für die entsprechenden Kulturarten mit einer Düngemaßnahme verabreicht werden, sofern die Versorgungsstufe C oder höher ist. Dies empfiehlt sich nicht, sofern der Bodengehalt in der niedrig versorgten Stufe A vorliegt.

Dokumentation über Endo-SH verpflichtend

Erstmalig wurde im vergangenen Frühjahr gemäß Landesverordnung über Meldepflichten nach dem Düngerecht die digitale Meldung der Düngeaktivitäten der Betriebe auf der Plattform Endo-SH verpflichtend gefordert. Die Meldung des schlagspezifischen Düngebedarfs, der entsprechend schlagspezifischen Dokumentation der Düngung, aber auch die Dokumentation der Weidehaltung, sowie die Berechnung der 170-kg-N-Obergrenze sind zu erfassen.

Zu melden sind diese Daten eines Düngejahres (mit Bezug auf das Kalenderjahr) jeweils bis zum 31. März des folgenden Jahres über die Plattform an das Landesamt für Landwirtschaft und nachhaltige Landentwicklung (LLnL). Eine nicht erfolgte, eine nicht vollständige und auch eine nicht rechtzeitig erfolgte Meldung ist Ordnungswidrigkeiten relevant und kann mit Bußgeldern geahndet werden.

EDV-Tool zur Düngeplanung und Dokumentation

Die Landwirtschaftskammer bietet für eine zügige und rechtskonforme Düngebedarfsermittlung (DBE) ein eigens entwickeltes EDV-Programm auf der Homepage als Download an unter: https://t1p.de/fvfzu

In diesem Tool ist nicht nur die Erstellung der DBE möglich, auch die Bewertung und Verteilung von Wirtschafts- und Mineraldüngern sowie die Berechnung der Grunddüngung und der Kalkung für eine hohe Nährstoffeffizienz ist in diesem Programm möglich. Zudem kann auch hier die Dokumentation der Düngung und der Weidehaltung erfolgen. Über eine XML-Schnittstelle können diese Daten in Endo-SH eingelesen werden. Des Weiteren kann auch die Pflanzenschutzdokumentation über das Programm erfolgen. 

Fazit

Nach DüV ist für Stickstoff und Phosphor eine ertragsabhängige Düngebedarfsermittlung unter Berücksichtigung gewisser Zu- und Abschläge vor Aufbringung von Düngemitteln mit wesentlichen Gehalten an N und P zu erledigen. Die Bedarfsermittlung wie auch die Dokumentation der Düngung (spätestens zwei Tage nach Aufbringung), die Dokumentation der Weidehaltung und die Berechnung der 170-kg-N-Obergrenze müssen auf dem Betrieb sieben Jahre nachgehalten werden. Eine digitale Unterstützung hierbei bietet das Düngeplanungsprogramm der Landwirtschaftskammer. Die Düngedaten des Kalenderjahres 2023 sind zudem bis zum 31. März 2024 an die Plattform Endo-SH zu melden.

Produktionswert der Landwirtschaft ist stabil

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Nach Berechnungen des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) ist der Produktionswert der deutschen Landwirtschaft 2023 im Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant geblieben. Wie die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) mitteilte, liegt die Summe des Wertes aller in der Landwirtschaft produzierten Güter und Dienstleistungen bei 76,3 Mrd. €; das sind rund 120 Mio. € oder 0,2 % mehr als 2022.

Während bei der pflanzlichen Produktion laut der ersten BZL-Schätzung mit einem Zuwachs von 1,4 % auf 37,3 Mrd. € zu rechnen ist, wird für die tierische Erzeugung ein kleines Minus von 0,8 % auf 35,3 Mrd. € erwartet.

Laut BLE haben sich 2023 die Witterungsbedingungen negativ auf die Ernte vieler Getreidearten ausgewirkt. Zudem konnte das Rekordpreisniveau des Vorjahres aufgrund geringerer Weltmarktpreise nicht gehalten werden.

Als Konsequenz fiel der vorläufig berechnete Produktionswert bei Getreide im Vorjahresvergleich um ein Drittel auf 8,7 Mrd. €.

Bei den Ölpflanzen, darunter Raps, lagen die Erntemengen zwar leicht über dem Vorjahresniveau, die Erzeugerpreise hingegen lagen deutlich darunter. Der Produktionswert sank deshalb um 37 % auf 1,9 Mrd. €.

Nach unten, wenn auch nicht so stark, ging es mit 7 % auf gut 1 Mrd. € auch beim Obst, wozu im Wesentlichen die schwache Apfel­ernte beitrug.

Rekord bei Kartoffeln

Gestiegen ist der Produktionswert im Pflanzenbau hingegen bei den Futterpflanzen; höhere Erntemengen und Preise bewirkten hier gegenüber 2022 ein Plus von 44 % auf fast 5,6 Mrd. €.

Noch stärker fiel der relative Zuwachs bei Kartoffeln mit 56 % auf 4,7 Mrd. € aus. Das ist das höchste Niveau seit mehr als zehn Jahren, was laut BLE an den um gut die Hälfte gestiegenen Preisen gelegen hat.

Mehr Geld für ihre Erzeugnisse erhielten auch die Gemüsebauern; der Produktionswert in diesem Sektor dürfte um 31 % auf 5,8 Mrd. € zulegen, was ebenfalls ein Mehrjahreshoch bedeuten würde.

Auch bei Wein, Baumschulerzeugnissen sowie Blumen und Zierpflanzen ist der Produktionswert gestiegen, nämlich um jeweils gut 10 % im Vergleich zu 2022.

Milchpreis sackte ab

Im Veredlungsbereich ist die Milch der bedeutendste Sektor. Zwar nahm die Produktion auf den Höfen etwas zu, doch wurde der Liter Rohmilch laut BLE-Schätzung mit durchschnittlich 44 ct/kg um fast 7 ct schlechter bezahlt als 2022.

Der landwirtschaftliche Produktionswert bei der Milch dürfte deshalb um rund 13 % auf 14,5 Mrd. € sinken. Bei Rindern sorgten die nachgebenden Erzeugerpreise für einen Rückgang um 5 % auf 4,5 Mrd. €.

Bei Schweinen sieht das wegen der Rekordpreise in diesem Jahr anders aus; der Produktionswert dürfte trotz geringerer Vermarktungsmenge um 18 % auf 8,9 Mrd. € zunehmen.

Auch bei den Eiern sorgte das gestiegene Preisniveau bei nahezu stabiler Erzeugung für einen kräftigen Zuwachs beim Produktionswert, und zwar von 28 % auf voraussichtlich knapp 2,2 Mrd. €. Beim Geflügel fällt der Anstieg mit 2 % auf 3,5 Mrd. € dagegen sehr moderat aus. age

Flächenschätzung: Landwirte säen deutlich weniger Wintergetreide und -raps

Die Landwirte in Deutschland haben im Herbst dieses Jahres spürbar weniger Wintergetreide zur Ernte 2023 gesät und auch den Anbau von Winterraps erwartungsgemäß deutlich eingeschränkt.

Laut Statistischem Bundesamt (Destatis), wurde Wintergetreide zur Ernte 2024 bundesweit auf schätzungsweise 4,858 Mio. ha Wintergetreide ausgesät, womit die Fläche zur diesjährigen Ernte um 196.500 ha oder 3,9 % verfehlt wurde.

Vor allem die Aussaat von Winterweizen wurde laut Destatis eingeschränkt, und zwar um 203.800 ha oder 7,3 % auf 2,606 Mio. ha. Zudem nahmen die Landwirte den Anbau von Roggen und Wintermenggetreide um 27.400 ha oder 4,4 % auf insgesamt 600.700 ha zurück. Die Statistiker begründen den Rückgang beim Winterweizen unter anderem mit den teils sehr feuchten Böden. In der Folge seien die Felder nur schlecht befahrbar gewesen.

Außerdem dürften die aktuelle Marktlage beim Weizen und neue Regelungen für die Direktzahlungen im Rahmen der EU-Agrarpolitik eine Rolle gespielt haben. Dagegen wird für Wintergerste und Triticale eine Anbauausweitung um 31.500 ha oder 2,5 % auf 1,318 Mio. ha beziehungsweise 3.300 ha oder 1 % auf 333.500 ha ausgewiesen. Zudem rechnen die Statistiker für Getreide zur Ganzpflanzenernte mit einem Plus von etwa 1.000 ha oder 1,7 % auf 58.500 ha.

Die Winterrapsfläche für die Ernte 2024 taxiert Destatis auf 1,110 Mio. ha; das wären 54.800 ha oder 4,7 % weniger als im vorherigen Herbst mit dieser Ölfrucht bestellt worden waren. Damit liegt die amtliche Zahl nur geringfügig unter dem oberen Ende der privaten Schätzungen.

Die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP) hatte das betreffende Areal Mitte November auf bis zu 1,13 Mio. ha veranschlagt.

Dem Bundesamt zufolge sind die größten absoluten Flächenveränderungen beim Winterraps in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt zu beobachten. age

Wirtschaftsjahr 2022/23 – Rekorderlöse und -kosten

Das Jahr 2023 war erneut ein Jahr mit außergewöhnlichen Entwicklungen. Durch den russischen ­Angriffskrieg im Jahr 2022 kam es zu einer international engen Versorgungslage mit Nahrungsmitteln und Energie. Die sorgte für große Preisaufschläge in ­vielen Bereichen. Der folgende Artikel gibt einen Überblick.

Ab dem Jahreswechsel 2022/2023 beruhigten sich die Märkte. Die Kurse, vor allem für Ackerfrüchte, Milch- und Schlachtrinder, gaben wieder nach. Die Notierungen für Schlachtschweine stiegen dagegen im Jahr 2023 deutlich an, da die Schweinebestände zurückgegangen sind.

Im Wirtschaftsjahr 2022/2023 zeigen die landwirtschaftlichen Betriebe, die die Krisen der vergangenen Jahre überstanden haben einen deutlichen Anstieg des Einkommens. Nach Auswertung der Zahlen des Testbetriebsnetzes (TBN) in Schleswig-Holstein betrifft dies alle Betriebstypen. Im Mittel erhöhte sich der Gewinn um 30 % auf 127.440 €/Betrieb.

Schwierige Erntebedingungen

Die Ackerbaubetriebe blicken auf ein sehr herausforderndes Jahr zurück. Während es in der Wachstumsphase des Getreides zu trocken war, setzte mit dem Erntebeginn der Regen ein. Die Erträge lagen zum Teil deutlich unter dem Mittelwert der Vorjahre. Der Weizen konnte meist nur in Futterqualität geerntet werden. Es sind hohe Trocknungskosten angefallen. Ab Oktober hatte sich die Lage nochmals zugespitzt. Sturm und Regen machten die Felder unbefahrbar. Die Ernte von Silomais und Zuckerrüben war aufgrund der nassen Böden sehr schwierig. Viele Rübenbestände konnten bis Dezember nicht gerodet werden. Durch den Wintereinbruch verschärfte sich die Lage dann nochmals.

Die Erlöse für Getreide und Raps haben im Jahr 2023 wieder nachgegeben und lagen unter den Rekordmarken des Vorjahres. Dabei zeigt sich weltweit eine eher angespannte Versorgungslage. Die Lagerbestände gehen weltweit zurück. Dennoch haben die Getreidekurse auch Ende des Jahres 2023 wenig Spielraum nach oben. Derzeit sorgen günstige Exporte aus Russland, aber auch aus der Ukraine für Druck auf die Märkte mit pflanzlichen Erzeugnissen. Auch für das Jahr 2024 wird mit hohen Preisschwankungen auf den Märkten gerechnet. Experten sehen im Mittel ein erhöhtes Preisniveau. Nach einer Prognose der EU-Kommission sieht man für die nächsten Jahre eine leicht ansteigende Preisentwicklung. Nicht nur Angebot und Nachfrage, sondern auch Ereignisse wie Kriege, Unwetter und auch die Entwicklung der Energiemärkte können zu starken Preisausschlägen führen.

Die Entwicklung der Gewinne der TBN-Ackerbaubetriebe im Jahresabschluss 2022/2023 waren jedoch noch von den guten Erträgen und den hohen Erlösen des Erntejahres 2022 geprägt. Obwohl hier auch schon gestiegene Preise für Betriebsmittel gezahlt werden mussten, stieg der Gewinn um 20 % auf 87.100 €/Betrieb.

Hohe Schlachtschweinepreise

Nach einer langen Phase mit einer ruinösen Erlössituation brachte das Jahr 2023 endlich wieder kostendeckende Preise für die schweinehaltenden Betriebe. Im Gegensatz zum übrigen Bundesgebiet ist der Schweinebestand in Schleswig-Holstein im Jahr 2023 nicht weiter zurückgegangen. Vor allem die Bestände mit Mastschweinen haben sich wieder etwas erholt, während die Zahl der Zuchtsauen nochmals gesunken ist. Bundes- und auch EU-weit gehen die Bestände jedoch weiter zurück.

Trotz tendenziell rückläufiger Schweinefleischnachfrage reichen die Stückzahlen aktuell nicht für den Bedarf der Schlachtbetriebe aus. Im ersten Halbjahr 2023 stiegen die Kurse für Schlachtschweine stetig an und erreichten im Juli mit 2,50 €/ kg SG ein neues Allzeithoch. Nach der Grillsaison verringerte sich die Nachfrage etwas, sodass die Notierungen wieder bis Mitte Oktober auf 2,10 €/ kg SG nachgaben. Auf diesem Niveau konnte sich der Schweinekurs bis zum Jahresende behaupten. Auch die Ferkelkurse profitierten von dieser Entwicklung. Im Sommer dieses Jahres waren Mastferkel nicht unter 100 €/ 28 kg Ferkel zu bekommen. Auf der Kostenseite zeigen sich weiter hohe Preise für Mischfutter, auch wenn die Forderungen hier nicht so hoch waren wie im Rekordjahr 2022. In Abhängigkeit von der weiteren Marktentwicklung werden für 2024 etwas rückläufige Preise für möglich gehalten.

Der TBN-Betrieb mit dem Schwerpunkt Schweinehaltung konnten den Gewinn im Wirtschaftsjahr 2022/23 auf 112.520 € steigern. Das sind deutliche 250 % mehr als im schwachen vorhergehenden Wirtschaftsjahr.

Milchgeldauszahlungspreise verlassen Rekordniveau

Im zweiten Halbjahr 2022 lagen die Basispreise vieler Molkereien in Schleswig-Holstein über 60 ct/ kg Milch. Damit hatten die Erlöse eine neue Dimension erreicht. Doch bereits seit Oktober 2022 drehten sich die Märkte für Butter und für Milchpulver wieder nach unten.

Die Auszahlungskurse gaben im Mittel von 60 auf unter 40 ct/kg im April 2023 nach. Seit Juli ziehen die Kurse wieder leicht an und bewegen sich Ende 2023 an der Marke von 40 ct/kg. Trotz der Preiskorrektur bleiben die Milchpreise über dem Mittel der Vorjahre. Dies ist auch notwendig, da weiterhin hohe Produktionskosten anfallen. Der Blick auf die Preisentwicklung im Jahr 2024 ist zwar mit vielen Unsicherheiten behaftet, lässt aber angesichts einer sich erholenden Nachfrage und wenig veränderter Erzeugung weiter feste Markttendenzen erwarten. Darauf deuten auch die Spotmärkte und die international anziehenden Notierungen hin.

Auch die Kurse für Schlachtrinder liegen im Jahr 2023 wieder unter dem Niveau des Rekordjahres 2022. Durch die Schließung des Rinderschlachthofs in Bad Bramstedt fehlt ein wichtiger Abnehmer für Schlachtrinder in Schleswig-Holstein. Dies betrifft vor allem den Absatz von Jungbullen. Nach einer deutlich rückläufigen Produktion von Rindfleisch in den Jahren 2017 bis 2022 gehen Marktexperten in der Prognose für 2023 und 2024 von einer Stabilisierung der in Deutschland erzeugten Rindfleischmenge aus. Die Importe sollten weiter sinken, während die Ausfuhren wieder steigen könnten. Der Verbrauch von Rindfleisch dürfte sich 2024 verringern. In Zeiten einer erhöhten Inflation greifen Verbraucher weniger zu dem verhältnismäßig hochpreisigen Rindfleisch.

Der TBN-Futterbaubetrieb konnte das Ergebnis im Wirtschaftsjahr 2022/23 um 30 % auf 151.200 € erhöhen.

Fazit

Das Wirtschaftsjahr 2022/2023 brachte in vielen Bereichen gute Ergebnisse, auch wenn die Bandbreite zwischen den Betrieben groß bleibt. Volatile Märkte und schwierige Witterungsverhältnisse erhöhen jedoch das Risiko und erschweren die Betriebsführung. Die Liquidität hat sich nur zwischenzeitlich verbessert. Zum Jahreswechsel 2023/2024 kann man beobachten, dass die Betriebsmittelkosten langsamer sinken als die Erlöse für Getreide, Milch und Schlachtvieh.

Bauernverband distanziert sich von Blockadeaktion

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In Schlüttsiel im Kreis Nordfriesland hinderten Landwirte am späten Donnerstagnachmittag Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Dr. Robert Habeck (Grüne) daran, eine Fähre zu verlassen. Die Polizei musste eingreifen, die Fähre mit Habeck an Bord wieder ablegen. Der Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH) und der Deutsche Bauernverband (DBV) distanzieren sich in aller Deutlichkeit von dem Vorfall.

Bauernverbandspräsident Klaus-Peter Lucht Foto: jh

„Das Bedrängen und Bedrohen von Politikern untergräbt den demokratischen Diskurs und hilft uns bei der Durchsetzung unserer berechtigten Forderungen nicht. Gewalt darf kein Mittel in der politischen Auseinandersetzung sein“. Mit diesen Worten nimmt BVSH-Präsident Klaus-Peter Lucht Stellung zur gestrigen Blockadeaktion am Fähranleger Schlüttsiel.

“Wir haben bereits im Vorwege unserer Aktionen klar gemacht, dass wir keine Blockadeaktionen planen und unterstützen und Rechtsbrüche und Aufrufe dazu klar ablehnen”, so Lucht. „Für die in der nächsten Woche geplanten Aktionen rufe ich alle Berufskolleginnen und Berufskollegen zu Besonnenheit und Rücksichtnahme auf“, so der dringliche Appell des Bauernpräsidenten.

Von der Blockadeaktion distanziert sich auch der Präsident des DBV, Joachim Rukwied, in aller Deutlichkeit: „Blockaden dieser Art sind ein No-Go. Wir sind ein Verband, der die demokratischen Gepflogenheiten wahrt. Persönliche Angriffe, Beleidigungen, Bedrohungen, Nötigung oder Gewalt gehen gar nicht. Bei allem Unmut respektieren wir selbstverständlich die Privatsphäre von Politikern.“

DRV und DBV: Nachbesserungen unzureichend

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Die Nachbesserungen der Bundesregierung bei den geplanten Kürzungen beim Agrardiesel und bei der Kfz-Steuer sehen der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) und der Deutsche Bauernverband (DBV) als unzureichend an.

DRV-Präsident Franz-Josef Holzenkamp erklärte dazu am Donnerstag: „Die Nachbesserungen der Ampelregierung sind ein Teilerfolg, nicht mehr. Unverändert forciert die Bundesregierung die Abkehr vom Dieselkraftstoff. Doch ein Ausstieg ohne Alternativen ist sinnlos und hat keine steuernde Wirkung. Da nutzt auch keine Stufenregelung beim Agrardiesel – die Zeitspanne ist schlichtweg zu kurz. Damit verschlechtert sich die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft weiter. Die Fortführung der Befreiung von der Kfz-Steuer ist ein richtiger Schritt in die richtige Richtung. Doch die Bundesregierung muss die berechtigen Belange der Branche ernst nehmen. Die heute vorgelegten Kompromisse zeigen, dass sie davon noch weit entfernt ist. Wertschätzung sieht anders aus.“

Der Präsident des DBV, Joachim Rukwied, hält die Nachbesserungen der Bundesregierung bei den geplanten Kürzungen ebenfalls  für unzureichend: „Dies kann nur ein erster Schritt sein. Unsere Position bleibt unverändert: Beide Kürzungsvorschläge müssen vom Tisch. Es geht hier ganz klar auch um die Zukunftsfähigkeit unserer Branche und um die Frage, ob heimische Lebensmittelerzeugung überhaupt noch gewünscht ist. An unserer Aktionswoche halten wir daher weiter fest.“

China – Hoffnungsmarkt aller Agrarexporteure

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China nimmt als weltgrößter Konsument und Importeur von Nahrungsmitteln eine zentrale Position ein. Im Jahr 2021 waren Chinas Einfuhren landwirtschaftlicher Erzeugnisse von 219,8 Mrd. US-$ 2,6-mal so hoch wie seine Ausfuhren. Mit der wachsenden Mittelschicht steigt auch die Nachfrage nach Fleisch- und Milchprodukten. Diese benötigen jedoch mehr Land- und Wasserressourcen zur Herstellung als Getreide und Gemüse, welche bisher die Speisepläne dominierten. China kann 135 Mio. ha für den Ackerbau nutzen, verfügt damit über etwa 9 % der weltweiten Ackerfläche, stellt mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern aber zirka 22 % der Weltbevölkerung.

Ernährungssicherheit zentrales Anliegen

Ernährungssicherheit als Kernelement der Legitimität der Kommunistischen Partei wurde in den 1960er Jahren kurz nach der durch den „Großen Sprung nach vorn“ verursachten Hungersnot begründet. Dies erklärt auch die großen staatlichen Reserven, China hält zum Beispiel 50 % der weltweiten Weizenreserven. Nach dem WTO Beitritt Chinas 2001 wurden Agrarimporte liberalisiert, China entwickelte sich zum wichtigsten Importmarkt dafür – und hat großen Einfluss auf die Preise.

China dominiert wichtige Agrarmärkte

Wichtigstes Einfuhrgut sind Sojabohnen mit ungefähr 100 Mio. t. Aus Brasilien wurden 2021 etwa 60 Mio. t importiert (= 50 % der brasilianischen Ernte), aus den USA zirka 30 Mio. t. Die lokale Produktion erreichte nur zirka 16 Mio. t. Auch im Weizenhandel entwickelt China sich zu einem globalen Akteur – es wird 2023/24 mit mindestens 14 Mio. t der größte Weizenimporteur sein, obwohl es mit 136 Mio. t auch der weltgrößte Weizenproduzent ist. Allerdings liegt der Verbrauch seit 2020 deutlich über 150 Mio. t. Aktuell gibt es wegen Dauerregen zur Erntezeit große Qualitätsprobleme, der erhebliche Bedarf an Weizen mit Aufmischqualität muss aus Australien und Frankreich sowie zuletzt auch aus den USA und vom Schwarzen Meer importiert werden. Nachrichten über Einkäufe in den USA trieben zuletzt den Kurs in Chicago auf ein Zwischenhoch, fehlende Anschlussverträge ließen ihn wieder sinken. China ist der weltweit zweitgrößte Maisproduzent mit einem Selbstversorgungsgrad von über 90 %, muss aber etwa 20 Mio. t pro Jahr importieren, hauptsächlich aus Brasilien und USA.

China ist mit zirka 56 Mio. t der größte Schweinefleischproduzent, muss aber zirka 2 Mio. t jährlich importieren. Derzeit stagniert der Konsum, seit Sommer 2023 wird deutlich weniger importiert als von einigen Lieferanten erhofft. Dies hat auch zum ruinösen Preisverfall von 50 % im zweiten Halbjahr 2023 in den USA beigetragen.

Diversifizierung von Lieferanten

Es ist nicht ratsam, zu sehr auf China als sicheren Absatzmarkt zu bauen. Es ist sich seiner Rolle auf dem Weltmarkt sehr wohl bewusst und diversifiziert aktiv seine Lieferanten. So hat es kürzlich mit Russland ein Abkommen zur Lieferung von Schweinefleisch geschlossen, dass sich Exporte von mindestens 100.000 t jährlich in Konkurrenz zu jetzigen Lieferanten erhofft, was den Preis drücken wird.

Chinesische Nachfrage und globale Landnutzung

Die chinesische Nachfrage wurde eher durch Umwandlung von Weide in Ackerflächen als durch Ertragssteigerungen gedeckt. Analysen zeigen, dass die chinesische Nachfrage zusätzlich die Ursache für ein Drittel bis zwei Drittel der weltweiten Entwaldung seit 1995 war.

Gute fachliche Praxis in der Forstwirtschaft

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Der Klimawandel ist in den Wäldern Schleswig-Holsteins allgegenwärtig. Die Wirtschaftswälder verändern sich. Kommunale und private Waldbesitzende sind aktuell gehalten, ihre Wälder fit zu machen, sodass der Wald von morgen den Widrigkeiten der drohenden Extremwetterlagen zu trotzen vermag. Diese Serie soll an die Grundlagen des Waldbaues im Wirtschaftswald aufgrund der „guten fachlichen Praxis“ erinnern.

Es gilt gerade heute, das Waldvermögen sorgfältig zu bewahren und zu entwickeln, um den Enkeln einen stabilen zukunftsfähigen Wald zu übergeben. Der Forstwirt steht dabei vor einer weitreichenden Aufgabe, bei der die Grundsätze der guten fachlichen Praxis in der Forstwirtschaft einen Leitfaden bieten, zukünftige Ziele durch waldbauliche Maßnahmen erreichen zu können.

Die Abteilung Forstwirtschaft der Landwirtschaftskammer berät die Waldbesitzenden dahingehend gern und beantwortet fachkompetent und unbürokratisch alle Fragen rund um den zukunftsfähigen Waldbau.

Nachhaltig im Wald wirtschaften

Der Wald ist ein Multitalent und ein Wirtschaftsraum. Er bietet einerseits der Gesellschaft viele Leistungen, andererseits hat er einen Eigentümer, der das Waldeigentum wirtschaftlich nutzen möchte. Der fachgerechte Waldbau im Kommunal- und Privatwald schlägt daher eine Brücke zwischen den vielfältigen Ökosystemleistungen des Waldes und den unterschiedlichen Zielen des Waldeigentümers.

Das Bundeswaldgesetz umreißt in § 1 den gesetzlichen Auftrag des Waldbaus: „Der Wald soll wegen seiner Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion erhalten, naturnah entwickelt, gemehrt und seine nachhaltige Bewirtschaftung gesichert werden.“ Dies gelingt den Waldeigentümern jedoch nur, wenn die Gesellschaft den kommunalen und privaten Forstbetrieben auch eine nachhaltige wirtschaftliche Erfolgsaussicht aufzeigen kann.

Der Waldbau nimmt daher eine zentrale Rolle ein. Waldbau ist das aktive Gestalten und Lenken von Wirtschaftswäldern durch planende, begründende, pflegende und nutzende Eingriffe in den Wald. Waldökologische Kenntnisse helfen, die Kräfte der Natur für das jeweilige Wirtschaftsziel umfassend und zielgerichtet zu nutzen, Erträge zu optimieren und Kosten für den Waldeigentümer zu vermindern.

Naturnahe Forstwirtschaft im Wirtschaftswald

Der Wald der Zukunft ist vielfältig. Waldökosysteme bieten Lebensräume für eine artenreiche heimische Tier- und Pflanzenwelt. Waldökosysteme in Schleswig-Holstein nutzen viele Bürger, um sich zu erholen. Wälder sind auch ein Wirtschaftsgut. Sie liefern Holz und wertvolle Naturgüter.

Der Gesetzgeber fordert einen hohen Bewirtschaftungsstandard (§ 5 LWaldG), der sich an der naturnahen Forstwirtschaft orientiert. Naturnahe, standortgerechte, gemischte Wälder weisen viele Baumarten und Altersstufen auf. Sie sind horizontal und vertikal reich strukturiert. Ertragreiche Wirtschaftswälder mehren die Biodiversität und vermindern die CO2-Emissionen.

Das Bundesnaturschutzgesetz ergänzt das Waldgesetz und verweist auf einen hinreichend hohen Anteil standortheimischer Forstpflanzen (BNatG § 5). Eine Baumart ist nämlich dann „standortheimisch“, wenn sie der potenziell natürlichen Waldgesellschaft (PNV) angehört. Naturnahe Forstwirtschaft strebt eine standortgerechte Baumartenwahl an. Sie verfolgt langfristige forstliche Ziele, nutzt natürlich angeflogene Jungbäume und bewahrt die genetische Vielfalt im Wald. Sie sichert die nachhaltige Holzproduktion.

Naturnahe Forstwirtschaft nutzt die Kräfte der „biologischen Automation“ im Wald. Über Licht und Schatten steuert der Waldbauer die Wuchsverhältnisse der Waldbäume durch pflegende Eingriffe. Der Waldbauer nutzt das Holz einzelstammweise nach seiner Zielstärke und prüft, wie sich der Wert des Stammes zukünftig entwickelt. Er steuert das Waldwachstum des verbleibenden Bestandes. Der Waldbauer schützt den Wald, indem er Holz nutzt.

Standortpotenzial im Wirtschaftswald erhalten

Der Waldboden ist ein wertvoller Biodiversitäts- und Wirtschaftsfaktor. Er setzt sich zusammen aus den geologischen Ausgangsgestein, den Waldböden mit dem vorhandenen Edaphon, der Topografie des Waldortes sowie den klimatischen Einflüssen, die sich im Wandel des Klimas verschieben dürften.

Waldstandorte sind sensibel. Sie bedürfen der sorgfältigen und nachhaltigen Pflege. Es gilt bei allen forstlichen Maßnahmen, die Ertragskraft und den Wasserhaushalt des Bodens zu erhalten und weiter auszubauen. Dazu gehört ein umfassendes Wissen über das Wassermanagement der einzelnen Bodentypen und der gesamten biotischen und abiotischen Umweltfaktoren des jeweiligen Waldortes.

Entscheidet sich der Forstwirt bestimmte Baumarten zu mischen, so sollte er dringend die Bodenlebenswelt und die nachhaltige Ertragskraft des Standortes umfassend im Auge behalten. Er vermeidet Kahlschläge und nutzt Sukzessionsphasen. Vorwälder aus Weichlaubhölzern mit hohen Laubholzanteilen, durchsetzt mit Nadelhölzern, sorgen bei stufigem Durchwurzeln des Waldbodens für einen ausgeglichenen Nährstoffumsatz.

Nährstoffe aus der Laubstreu verlagern sich durch eine umsichtige Waldwirtschaft in den mittleren und unteren Mineralboden. Der Wald ernährt sich folglich ausgewogener. Das Waldökosystem gewinnt an Stabilität und der Einzelbaum an Vitalität. Nicht umsonst ist der Waldboden 2024 zum Boden des Jahres gekürt worden.

Gemischte Wirtschaftswälder

Den Wald zu verjüngen bedeutet, den jugendlichen Waldbestand dauerhaft und zielgerichtet zu entwickeln. Waldbestände zu begründen, leitet sich aus dem Zielsystem des Forstbetriebes, der ökologischen Verantwortlichkeit und den sozioökonomischen Notwendigkeiten ab.

Der Waldbauer arbeitet mit den Kräften der Natur und nutzt die waldbaulichen Möglichkeiten auf der Fläche. Frisch auflaufende Setzlinge verschiedener Weichlaubhölzern nutzt er als wertvolle Vorwälder für die sensiblen Wirtschaftsbaumarten. Verschiedene Weiden- oder Birkenarten dienen nicht nur vielen Insektenarten als Lebensraum, sondern spenden forstempfindlichen Schatthölzern wie der Buche oder der Weißtanne Schatten und Schutz vor extremen Temperaturen.

Der Waldbauer übernimmt also möglichst die vorhandene Naturverjüngung des Waldortes, solange sie die Standorttriften des Klimawandels toleriert. Auf der Fläche aktiv zu sähen oder zu pflanzen ermöglicht es, die vorhandenen Wirtschaftswälder flexibel umzubauen und an den Klimawandel anzupassen.

Soweit es möglich ist, sollen die zukünftigen Baumarten aus einem hinreichenden Anteil standortheimischer Baumarten bestehen. Der Forstwirt verwendet dazu geeignetes Saat- und Pflanzgut. Er vermeidet genetisch verändertes Pflanzenmaterial. Er strebt klimastabile Wirtschaftsbaumarten an und integriert diese im Klimawandel in die natürliche Waldgesellschaft. Perspektivisch und mit Augenmaß mischt der Forstwirt neue bislang nicht heimische Baumarten in angemessener Anzahl den heimischen Baumarten bei.

Widerstandsfähigkeit als Schlüssel zum Erfolg

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Frühzeitig erkannt, ist die Kälber­grippe effektiv zu behandeln. Wenn dies aber nicht gelingt, sind die eigentlichen wirtschaftlichen Verluste bei Atemwegserkrankungen nicht die Ausgaben für die Behandlung, sondern Leistungseinbußen durch die lebenslang eingeschränkte Lungenfunktion. Dadurch können sich die betroffenen Tiere nicht mehr gemäß ihres Leistungspotenzials entwickeln und werden zu Kümmerern.

Atemwegserkrankungen entstehen durch ein komplexes Zusammenspiel zwischen der Immunreaktion des Tieres, Stressfaktoren und Krankheitserregern. Das Immunsystem eines Kalbes reagiert auf Krankheitserreger, indem es Abwehrmechanismen in Gang setzt, die zu Entzündungen in den Atemwegen führen.

Um die Entstehung der Kälbergrippe besser verstehen zu können, wird ständig an diesem Komplex geforscht. Eine Studie von Wissenschaftlern aus Italien untersuchte die Zusammensetzung der Bakterienpopulationen im oberen Atmungstrakt im Vergleich zu denen in den unteren Atemwegen.

Das sogenannte Mikrobiom der Lunge kann als Ökosystem angesehen werden, dessen Zusammensetzung von der Einwanderung, Beseitigung und der Vermehrungsrate der Mikroorganismen abhängt. Die Kälbergrippe wiederum wird nicht nur allein durch das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Grippeerregern ausgelöst, sondern viele Faktoren sind an der Entstehung beteiligt. Dabei spielen Management, Physiologie, Umweltfaktoren und natürlich die Erreger eine Rolle.

Beispielsweise werden bei Kälbergrippe oft die Bakterien Mannheimia haemolytica, Pasteurella multocida, Histophilus somni und Mycoplasma bovis nachgewiesen. Sie werden als allgegenwärtige Bewohner des oberen Atemtrakts angesehen, die allerdings nach stressvollen Ereignissen oder bei viralen Infekten in die Lunge gelangen können. Andererseits wurden diese Erreger auch schon in Kälberlungen gefunden, die keinerlei Grippeanzeichen aufwiesen.

Mithilfe einer Gensequenzierungsmethode ermittelten die italienischen Wissenschaftler nun die jeweilige Zusammensetzung der Mikroorganismen der oberen und unteren Atemwege bei gesunden sowie bei kranken Kälbern. Sie fanden heraus, dass die Umweltfaktoren des jeweiligen Betriebes die Zusammensetzung der Bakterien der oberen Atemwege beeinflussen kann. Die Zusammensetzung der unteren Atemwege unterscheidet sich von der der oberen Atemwege. In der Lunge besteht ein selbsterhaltendes, einheitlicheres Ökosystem, welches aber durch das Mikrobiom der oberen Atemwege beeinflussbar ist.

Mit diesen Erkenntnissen können hoffentlich zukunftsnah Wege gefunden werden, um die Entstehung der Kälbergrippe zu reduzieren und den Krankheitsverlauf abzumildern.

Eingeschränktes Wohlbefinden zeigt sich auch durch einen eingetrübten Blick und herabhängende Ohren. 

Anzeichen der Kälbergrippe

Zu den Symptomen der Kälbergrippe gehören Nasen- und Augenausfluss (zunächst klar, später auch eitrig), Husten, ein hängender Kopf, Absonderung von der Herde, Tränke- beziehungsweise Futteraufnahmeverweigerung, eine sichtbare beschleunigte Atmung bis hin zur schweren Atemnot (breitbeiniges Stehen, Kopf und Hals gestreckt). Alle diese Anzeichen können von kaum wahrnehmbar bis hin zur tödlichen Ausprägung reichen. Deshalb ist die Früherkennung so wichtig.

Die wirksamste Maßnahme ist das regelmäßige Fiebermessen. Denn häufig ist ein Temperaturanstieg das erste erfassbare Zeichen einer beginnenden Erkrankung, wenn andere Krankheitssymptome noch nicht deutlich ausgeprägt sind. Sobald die ersten Tiere mit Fieber (über 39,5 °C) erkannt werden, sollte eine Behandlung begonnen werden.

Therapie der Kälbergrippe

Die Therapie der Rindergrippe besteht im Einsatz von Antibiotika zusammen mit schleimlösenden Medikamenten und Entzündungshemmern. Antibiotika wirken nur gegen Bakterien und haben keine Wirkung auf Viren. Sie sollen die bakterielle Zweitinfektion bekämpfen und weitere Komplikationen im Krankheitsverlauf verhindern.

Es ist ohne Zweifel sinnvoll und notwendig, wenn vor der ersten Behandlung ein Antibiogramm angelegt wird. Beispielsweise sind Mykoplasmen sehr kleine Bakterien ohne Zellwand, deshalb weisen sie eine natürliche Resistenz gegenüber Antibiotika auf, die gegen die Zellwand gerichtet sind. Penicilline wirken nicht. Nur bestimmte Wirkstoffe wie Makrolide, Tetrazykline oder Gyrasehemmer zeigen eine Wirkung. Eine Therapie ist aber nur aussichtsreich, wenn sie frühzeitig begonnen und konsequent durchgehalten wird.

Durch schleimlösende Medikamente (mit dem Wirkstoff Bromhexin) kann die antibiotische Therapie sinnvoll ergänzt werden. Durch die Anwendung wird vermehrt flüssiger Schleim in der Lunge gebildet. Dadurch gelangen eingesetzte Antibiotika (und auch körpereigene Abwehrzellen) schneller und in höherer Menge in die Lunge. Die Anwendung erfolgt täglich bis zur Besserung des Krankheitsbildes.

Insbesondere bei schwer kranken Kälbern kann die Anwendung von Entzündungshemmern beziehungsweise Schmerzmitteln das Wohlbefinden der Tiere deutlich verbessern. Das Fieber sinkt, und die Tiere beginnen wieder zu saufen. Überschießende Entzündungsreaktionen, die mitverantwortlich für bleibende Lungenschäden sind, werden deutlich reduziert.

In der frühen Gruppenhaltung von Kälbern ist bei gutem Management kein erhöhtes Risiko für Erkrankungen zu erwarten, und sie birgt gleichzeitig Vorteile, die der Abwehrkraft der Kälber dienen.

Faktorenkrankheit Kälbergrippe

Bei der Kälbergrippe handelt es sich um eine Faktorenkrankheit, das heißt, dass die Erkrankung durch viele Faktoren beeinflusst wird und deshalb auch nicht durch eine einzelne Maßnahme verhindert werden kann. Insgesamt ist eine hohe Widerstandskraft jedes einzelnen Tieres von großer Bedeutung.

Neue Forschungsergebnisse legen nahe, dass eine Gruppenhaltung von Anfang an, gekoppelt mit einer ad libitum Fütterung, dafür beste Voraussetzungen bietet. In Studien zeigte sich, dass die Ausprägung von Atemwegserkrankungen bei einer Intensivtränke gesenkt werden konnte. Ein erhöhtes Durchfallrisiko entsteht bei einer Intensivtränke nicht. Voraussetzungen für eine frühe Gruppenhaltung sind natürlich die Einhaltung eines guten Hygienemanagements mit optimalem Stallklima und Tränkehygiene. Eine möglichst tiefe Einstreu sorgt für ein geeignetes Mikroklima beim liegenden Kalb im Bereich der Nase.

Insbesondere der Stressfaktor Kälte scheint bei der Ausprägung von Mykoplasmeninfektionen eine wichtige Rolle zu spielen. Im Allgemeinen kommt es bei Kälbern, die zwar mit Mykoplasmen infiziert, aber keinen Stresssituationen ausgesetzt sind, nicht zu schwerwiegenden Symptomen. In einem Versuch wurde nach der experimentellen Infektion des Atemtraktes von Kälbern mit M. bovis nur eine milde, subklinische Mykoplasmose beobachtet, die keine eindeutigen Auswirkungen auf die Atmung hatte. In einem weiteren Versuch wurden Kälber starken Temperaturschwankungen ausgesetzt. Diese Kältestresssituation wirkte immunsuppressiv, mehrere Tiere aus der Versuchsgruppe erkrankten. Bei der bakteriologischen Untersuchung wurden gehäuft Mykoplasmen nachgewiesen. Die Tiere aus der Kontrollgruppe ohne starke Temperaturschwankungen blieben alle gesund.

Ist eine Impfung sinnvoll?

Es stehen eine Reihe von Impfstoffen gegen die verschiedenen Erreger des Rindergrippekomplexes zur Verfügung. Sie richten sich gegen bestimmte Viren (zum Beispiel BRSV, PI3) und Bakterien (Mannheimia haemolytica). Die Auswahl der Produkte ist abhängig von der individuellen Betriebssituation und kann nur durch den Hoftierarzt erfolgen. Eine Impfung kann nicht zu 100 % vor einer Erkrankung schützen, aber die Symptome werden deutlich milder bis gar nicht auftreten. Die Erregerausscheidung und die damit einhergehende Ausbreitung im Bestand wird so verringert. Wirtschaftlich ist dies von Vorteil, da es so zu weniger Leistungseinbußen, weniger Behandlungskosten und einem verringerten Einsatz von Antibiotika kommt.

Kolostrumversorgung und Muttertierimpfung

Die passive Immunität der Kälber entsteht durch die Aufnahme von Biestmilch, die Antikörper gegen eine Vielzahl von Krankheitserregern enthält. Um die spezifischen Antikörper im Kolostrum zu erhöhen, können hochträchtige Rinder gegen die hauptsächlich am Rindergrippekomplex beteiligten viralen und bakteriellen Erreger geimpft werden (Muttertierimpfung). Erfolgversprechend ist dies aber nur dann, wenn eine optimale Kolostrumversorgung des Kalbes gewährleistet wird: ausreichend früh, in der richtigen Menge und möglichst lange. Die Wirkung des Kolostrums geht über die der Immunglobuline hinaus, es enthält viele bioaktive Substanzen mit positiver Wirkung auf das Kalb, sodass eine Tränke mit der sogenannten Transitmilch über fünf Tage zum deutlichen Vorteil für das Kalb wird.

Fazit

Kälbergrippe ist eine Faktorenerkrankung. Die beteiligten Erreger sind allgegenwärtig und auch bei gesunden Tieren nachweisbar. Erst bei einer Schwächung des Immunsystems führen sie zu einer Erkrankung. Der beste Schutz ist ein widerstandsfähiges Kalb (Stichworte Intensivfütterung, Gruppenhaltung von Anfang an, Impfung). Falls es dennoch zu einem Krankheitsausbruch kommen sollte, so ist das frühzeitige Erkennen der Schlüssel für eine aussichtsreiche Behandlung und Eindämmung auf Herdenebene.

Geplante Kürzungen werden teilweise zurückgenommen

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Die Ampel-Regierung will ihre Sparbeschlüsse für den Bundeshaushalt des kommenden Jahres teilweise zurücknehmen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Vizekanzler Dr. Robert Habeck (Grüne) und Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) verständigten sich auf Änderungen der Vereinbarung vom Dezember zur Aufstellung des Bundeshaushalts 2024. Dies teilte das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung am Donnerstagnachmittag mit.

Im Vergleich zur Einigung vom 15. Dezember 2023 ist nun vereinbart worden, auf die Abschaffung der Begünstigung bei der Kraftfahrzeugsteuer für Forst- und Landwirtschaft zu verzichten. Dies erfolge insbesondere „um den zum Teil erheblichen bürokratischen Aufwand für die betroffenen Unternehmen zu vermeiden“, hieß es.

Die Abschaffung der Steuerbegünstigung beim Agrardiesel werde zudem nicht in einem Schritt vollzogen. Stattdessen erfolge eine schrittweise Reduzierung der Begünstigung, um betroffenen Unternehmen „mehr Zeit zur Anpassung zu geben“. Im Jahr 2024 soll eine Reduzierung des Entlastungssatzes um 40 % erfolgen. In den Jahren 2025 und 2026 werde jeweils eine weitere Reduzierung um 30 % erfolgen, sodass für im Jahr 2026 verbrauchte Mengen keine Subvention mehr erfolgt. Die Rückvergütung der im Jahr 2023 verbrauchten Mengen im Jahr 2024 erfolge unverändert.

Auf der Online-Plattform X (ehemals Twitter) verkündete Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne): „Wir haben gemeinsam eine Lösung gefunden, die eine überproportionale Belastung der Land- und Forstwirtschaft abwendet.“ Özdemir dankte in dem Post „ausdrücklich“ Kanzler Scholz sowie Vizekanzler Habeck und Bundesminister Lindner.