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Schön, dass es sie gibt, die Damen vom LandFrauenverein Süderbrarup und ihre Helfer. Seit nun schon zehn Jahren bereiten sie durch ihre Herzkissen-Kampagne ausgesprochen wertvolle Hilfe für Menschen, die an Brustkrebs erkrankt sind.
Die von ihnen in dieser Zeit angefertigten und anschließend verschenkten Herzkissen minderten bislang bei weit über 1.000 betroffenen Patienten den Schmerz und brachten dabei Freude, Zuversicht und damit ein Stück weit mehr an Lebensqualität.
„Angefangen haben wir mit dem Anfertigen der Herzkissen im Oktober 2015, unterstützt von den Vereinen in Kappeln und Stapelholm. Es sollte ein Symbol der Herzlichkeit darstellen und dabei aufzeigen, dass die erkrankten Menschen nicht allein sind“, so Frauke Hansen, zweite Vorsitzende des LandFrauenvereins Süderbrarup und vor zehn Jahren treibende Kraft für die Aktion.
Sie verkündet voller Stolz, dass inzwischen 1.486 Herzkissen gefertigt und kostenlos abgegeben worden seien. „Unsere Hauptabnehmer sind die umliegenden Kliniken, Hospize und örtliche Krebsnachsorgegruppen“, erklärt sie.
Geldspenden sichern Fortbestand
Die Finanzierung der stets mit freundlichen Farben versehenen, weichen Polster erfolgt ausschließlich durch Spenden, akquiriert bei verschiedenen Anlässen und durch Aufmerksamkeit unterstützender Bürger und Institutionen. „Dafür sind wir ausgesprochen dankbar“, so Astrid Messer, Vorsitzende des örtlichen LandFrauenvereins, die ihre Stellvertreterin und „Frau der ersten Stunde“ für die Herzkissen-Kampagne mit Lob, Dank und einem Blumenpräsent bedachte. Beide freuten sich sehr darüber, dass zum Zehnjährigen für die Anfertigung weiterer Kissen an die 30 Akteure im örtlichen Bürgerhaus erschienen waren, darunter auch Abordnungen vom LandFrauenverein Kappeln, vom Kreisverband der Landjugend, der Landjugend Mohrkirch sowie der Landjugend Jübek-Friedrichsau, zudem der örtliche Bürgermeister Jürgen Mittler, der sich nicht zweimal fragen ließ und gekonnt innerhalb kürzester Zeit zwei Kissen produzierte.
Hoffnung schenken
Die hilfsbereiten Gäste erschienen dabei nicht mit leeren Händen, sondern hatten Geldspenden für die Anschaffung von Stoffen für weitere Herzkissen dabei. „Auch dafür herzlichen Dank“, so Astrid Messer und Frauke Hansen. Sie schaftften es gemeinsam mit allen fleißigen Helfern, aktuell auf die stattliche Anzahl von 1.600 Herzkissen für den ungemein guten Zweck zu kommen. Verbunden zeigte sich die Vorstandspitze auch dem Stoffladen Rickeracke in Twedt, der dem Verein stets großzügige Rabatte einräumt.
Echte Herzensarbeit
Für Gänsehautmomente sorgten einige LandFrauen, die im Wechsel das eine und andere Dankesschreiben von betroffenen Menschen für den Erhalt der Herzkissen vorlasen. Dem Inhalt der Zeilen ließen sich wirklich ergreifende und von Dankbarkeit getragene Gefühle entnehmen. „Schön, dass wir mit unserer Solidarität schon so viel helfen konnten und es auch weiterhin machen werden“, erklärte Frauke Hansen.
Die massive Gänsefraß-Problematik an der Westküste bringt Herausforderungen für die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein mit sich. Welche Rolle spielen neue Gräserarten wie der Wiesenschweidel und wie könnten diese die Grundfutterversorgung sichern? Ein Praxisversuch der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein auf Pellworm gibt Einblicke.
Die Westküste Schleswig-Holsteins, geprägt von der Nähe zur Nordsee, zählt weltweit zu den wichtigsten Rastgebieten für Gänse und andere Vogelarten. Von Mitte Oktober bis Mitte Mai treffen hier vor allem Nonnengänse in großer Zahl ein, um auf dem Weg in ihre Brutgebiete in Sibirien Energiereserven aufzubauen. Die Insel Pellworm, durch ihre Lage in der Nordsee exponiert, ist seit Langem ein bevorzugter Rastplatz dieser Vögel. Das Problem ist dennoch an der gesamten Westküste und teilweise auch an der Ostseeküste vorhanden.
Was aus Sicht des Naturschutzes ein beeindruckendes Schauspiel und für den Tourismus ein Werbeargument ist, stellt die Landwirtschaft vor erhebliche Probleme. Gänse fressen Ackerkulturen kahl und nutzen das Grünland in der produktivsten Phase des ersten Grasaufwuchses. Zudem werden die Wirtschaftsgräser während der Rastperiode derart intensiv verbissen, dass sich die Graspflanzen nicht ausreichend regenerieren können. Dadurch fehlt der erste Schnitt im Mai als hochwertiges Futter für die Viehhaltung.
Die Grasnarbe zeigt sich zu Beginn der Vegetationsperiode stark geschädigt und verschmutzt. Foto: Julia Forderung
Entschädigung möglich
Das Land Schleswig-Holstein bietet über den Vertragsnaturschutz Programme an, in denen Gänsefraß geduldet und finanziell ausgeglichen wird. Doch diese Maßnahmen sind nicht für alle Landwirte praktikabel. Zudem halten sich die Gänse nicht an die vorgesehenen Fraßflächen. Über zwei verschiedene Richtlinien können Landwirte zusätzlich in Schleswig-Holstein Entschädigungen für Fraßschäden durch Wildgänse beantragen. Mit diesem Verfahren ergänzt die Landesregierung bestehende Förderprogramme und unterstützt gezielt Betriebe in besonders betroffenen Regionen wie an der Westküste und auf den Inseln.
Praxisversuch auf Pellworm
Um Lösungsansätze für die Gänsefraßproblematik aufzuzeigen, arbeitet die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein seit 2022 mit Landwirten auf Pellworm zusammen. Nico Nommsen, der in vierter Generation einen Milchviehbetrieb führt, stellt Flächen für Versuche zur Verfügung und unterstützt bei der Beprobung. Ziel ist es, trotz Gänsefraß eine möglichst gute Grundfutterversorgung mit Grassilage zu sichern.
Nico Nommsen arbeitet engagiert mit der LKSH zusammen. Foto: privat
Im August 2022 wurden in einer Weidelgrasnarbe, die als Untersaat in Mais etabliert war, drei Grasarten nachgesät. Rohrschwingel (Festuca arundinacea), bekannt für seine rauen Blattränder, gilt als weniger schmackhaft für Gänse und ist durch sein tiefes Wurzelwerk widerstandsfähig gegen Trockenheit und Nässe. Der Rohrschwingel weist eine langsamere Jugendentwicklung als andere Gräser auf. Um Einbußen in der Schmackhaftigkeit für die Rinder zu reduzieren, wurde eine sanftblättrige Zuchtsorte gewählt. Der Wiesenschweidel (Festulolium) ist eine Kreuzung aus einer Schwingel- (Festuca) und einer Weidelgrasart (Lolium). Der hier gewählte Wiesenschweidel ist dem Rohrschwingel sehr ähnlich, jedoch mit einer durch Weidelgraseinkreuzung verbesserten Futterqualität. Als Kontrolle wurde Deutsches Weidelgras nachgesät. Zur Ermittlung des Einflusses durch die Gänse wurden Fraßschutzkörbe (1×2 m) zur Hauptrastzeit der Gänse (Oktober bis Mai) aufgestellt. Von 2023 bis 2025 wurden die Erträge mittels Platemeter in regelmäßigen Abständen über die gesamte Vegetationsperiode gemessen. In den Jahren 2024 und 2025 wurden zusätzlich Schnittproben (1 m²) unmittelbar vor den Ernteterminen des Betriebes genommen. Diese Proben wurden im Labor auf futterwertbestimmende Inhaltsstoffe analysiert. Die Analysekosten wurden von der Lydia-und-Hermann-Früchtenicht-Stiftung übernommen.
Die Versuchsergebnisse
Im Lauf der Versuchsjahre zeigte sich, dass alle Gräser gleichermaßen stark von den Gänsen verbissen werden. Eine Verschmähung des Rohrschwingels konnte in dieser Versuchsanlage nicht bestätigt werden. Das mögliche Zeitfenster für eine erfolgreiche Nachsaat von Gräsern ist aufgrund des hohen Gänsedruckes auf Pellworm klein. Dies hat zur Folge, dass der Rohrschwingel aufgrund seiner langsamen Jugendentwicklung bei Ankunft der Gänse nicht ausreichend entwickelt ist und sich nur schwer im Bestand etablieren kann. Die schwierige Etablierung wurde vermutlich durch den besonders nassen Winter 2023/24 noch verstärkt. Der Wiesenschweidel entwickelte sich hingegen deutlich besser. Diese Grasart wurde von den Gänsen ebenfalls sehr stark verbissen, zeigte aber ein enormes kompensatorisches Potenzial. Sie konnte sich schnell nach Abzug der Gänse erholen und höhere Erträge als die anderen Gräser liefern. Außerdem bot der Wiesenschweidel eine gute Futterqualität. Durch die ausgeprägte Trockenheit im Frühjahr 2025 verschärften sich die Auswirkungen des Gänsefraßes auf die Gräser deutlich. Auch hier bewährte sich der Wiesenschweidel aufgrund seines ausgeprägten Wurzelsystems und schob bereits sehr früh und kräftig durch. Durch den schnellen Wiederaustrieb nach dem Abzug der Gänse und die gute Widerstandsfähigkeit sowohl in sehr trockenen als auch sehr nassen Phasen könnte der Wiesenschweidel durchaus Potenzial haben, gerade in Gänse-Hotspots zu einer Absicherung der Grundfutterernte beizutragen. Da die Sortenkriterien der Kreuzung Festulolium jedoch sehr unterschiedlich sind, wurde im Sommer 2025 ein neuer Praxisversuch zusammen mit Nico Nommsen angelegt, in den zwei verschiedenen Festulolium-Sorten und eine Deutsch-Weidelgras-Sorte als Referenz eingesät wurden. Eine der beiden Festulolium-Sorten entspricht der des Vorversuches (Sorte ,Mahulena‘), die andere basiert auf einem Wiesenschwingel (Sorte ,Achilles‘).
Fazit
Die Futterbaubedingungen im Grünland sind auf Pellworm durch den Gänsefraß hochgradig eingeschränkt. Bisher weniger beachtete Grasarten könnten zur Abfederung des Ertragsverlustes beitragen. Um bisherige Tendenzen zu bestätigen, sind weitere Untersuchungen unter Praxisbedingungen erforderlich.
Eine andere Untersuchung im Auftrag des Umweltministeriums in ähnlicher Form in Westerhever auf Eiderstedt wird derzeit ausgewertet.
Die akuten Fälle von Blauzungenkrankheit (BTV) sind seltener geworden. Trotzdem warnt Tierärztin Amelie Armbruster davor, sich in Sicherheit zu wiegen. In ihrer Region betreut sie mit einem großen Team Hunderte Rinderbetriebe und sieht genau, wo das Virus seine Spuren hinterlässt. Warum Missbildungen bei Kälbern zunehmen, wie Gnitzen das Virus auch im Herbst noch übertragen können und wieso Impfungen nicht nur vor BTV schützen, erklärt sie hier.
Während es in anderen Regionen Deutschlands einige Ausbrüche der Blauzungenkrankheit gibt, ist es in Schwaben derzeit vergleichsweise ruhig, was aktive Fälle der Blauzungenkrankheit (BTV) betrifft. „Aktuell haben wir kaum Virusnachweise und das ist sicher auch der guten Impfbereitschaft der Landwirte zu verdanken“, sagt Tierärztin Amelie Armbruster. Sie ist Fachtierärztin für Rinder sowie Oberärztin an der Tierklinik Gessertshausen. An der Tierklinik sind insgesamt 77 Tierärzte tätig, davon sind allein 19 Rindertierärzte, die Rinder haltende Betriebe im Umkreis von etwa 80 km betreuen. Doch Entwarnung hinsichtlich BTV will sie nicht geben: „Man darf sich nie zu sicher sein. Im Allgäu, an dem wir nahe dran sind, ist das Virus die ganze Zeit aktiv. Und Gnitzen werden vom Wind weitergetragen. Das Virus kann also jederzeit zu uns herüberkommen.“
Besonders im Fokus stehen derzeit nicht akute Krankheitsfälle, sondern die vermehrt auftretenden Missbildungen bei Kälbern, fast ausschließlich in ungeimpften Beständen. „Wir hatten Kälber mit schwersten Missbildungen, ohne Großhirn, mit zentraler Blindheit. Diese Tiere wussten nicht, wie man trinkt.“
Die Tierärztin Amelie Armbruster empfiehlt die Impfung gegen das Blauzungenvirus als Schutz vor schweren Krankheitsverläufen. Fotos: Amelie Armbruster
Impfquote deutlich gestiegen
In den letzten zwölf Monaten wurden durch ihre Praxis rund 20.000 Kühe und Rinder grundimmunisiert. „Fast 50 Prozent der größeren Laufstallbetriebe haben geimpft, bei den kleineren sind es immerhin 25 bis 30 Prozent. Es ist zwar noch nicht die Hälfte, aber dafür, dass es aktuell keine Verbringungsvorteile für geimpfte Tiere gibt, finde ich die Quote gut“, betont die Tierärztin.
Ein Umdenken in der Region hinsichtlich der Impfbereitschaft folgte insbesondere auf den Umlauf von Videos aus Norddeutschland und Nordrhein-Westfalen, die die teils dramatischen Auswirkungen des Virus zeigten: Milchverluste, Totgeburten, hohe Tierverluste. „Betriebe mit über 1.000 Kühen hatten plötzlich keine Milch mehr und sie kam auch nicht wieder. Das hat viele Landwirte wachgerüttelt“, berichtet sie.
Im Frühjahr 2025 kamen dann deutlich mehr Betriebe, die ihre Tiere gegen BTV impfen wollten, und zwar genau in der Zeit, als der Impfstoff knapp war. „Wir haben eine Liste geführt und wer impfen wollte, kam darauf. Wir haben das nacheinander abgearbeitet, als die Impfstoffe endlich da waren, zum Glück noch rechtzeitig vor der Gnitzensaison.“ Die Impfkampagne lief deshalb regional sehr strukturiert ab.
Impfungen schützen gezielt
Ein Beispiel aus der Region zeigt, wie wichtig die Impfung ist: „Ein geimpfter Betrieb hatte später trotzdem einen Virusnachweis. Einige Kühe hatten Fieber, zwei waren schwerer krank, aber es gab keine Tierverluste, keine Aborte, keine Missbildungen und keinen dauerhaften Milcheinbruch. Das war ein großer Erfolg und spricht eindeutig für die Impfung.“ In ungeimpften Beständen dagegen sah es anders aus. Akute Fälle gab es wenige, nur ein Mutterkuhbetrieb hatte viele erkrankte Tiere. Besonders problematisch ist die Infektion der ungeborenen Kälber, die auch nach milden oder subklinisch verlaufenden Infektionen zur Geburt missgebildeter, zum großen Teil nicht lebensfähiger Kälber führte. Subklinische Verläufe und untypische Symptome beziehungsweise Krankheitsfolgen stellen alle Beteiligten vor besondere Herausforderungen. „Es gibt immer wieder Kühe, von man denkt: Die müssen das Virus gehabt haben. Eine Kuh schuhte komplett aus, bei anderen wurde die Milch zeitweise weniger, die Kühe fraßen nicht gut. Aber die Landwirte machen dann aus Kostengründen oder wegen des Aufwands oft keine Diagnostik.“ Sie vermutet, dass BTV über den Winter durch die Bestände gegangen ist, allerdings sehr langsam, weil ja nicht viele Gnitzen aktiv waren. Trotzdem könnte das dazu geführt haben, dass die Tiere sich schon früh mit dem Virus auseinandergesetzt haben und daher schwere Ausbrüche jetzt im Sommer ausblieben.
Durch solche Feldinfektionen entsteht kein Herdenschutz in den ungeimpften Beständen. Für verlässlichen Schutz sollte auch in solchen Herden geimpft werden. Dabei weist sie auf folgende Beobachtung hin: „Wir hatten einen Bestand mit hohen Zellzahlen, jedoch keinen Virusnachweis, keine Grippe. Doch die Tiere hatten immer wieder Nasenausfluss, sodass der Landwirt sich dann doch für die Grippeimpfung entschied. Nach der Grippeimpfung sanken die Zellzahlen deutlich. Das ist ein Beispiel für Paraimmunität, das Immunsystem wird durch jede Impfung angeregt.“
Vorsicht vor neuen Serotypen
Während BTV-4 und BTV-8 durch frühere Impfungen bekannt sind, zirkuliert derzeit BTV-3, wogegen keine Kreuzimmunität besteht. „Tiere, die früher gegen BTV-4 und BTV-8 geimpft wurden, zeigen keine belastbare Immunität gegen BTV-3. Ende 2024 wurde in den Niederlanden mit BTV-12 schon wieder ein für Mitteleuropa unbekannter neuer Serotyp nachgewiesen, das verunsichert viele. Glücklicherweise zeigt dieser Stamm bisher keine weitere Ausbreitung.“
Die Tierärztin hat Verständnis für die Landwirte: „Viele fragen sich: Was kommt denn bitte als Nächstes, wogegen sollen wir noch impfen?“ Amelie Armbruster sagt: „Die Impfung stimuliert das Immunsystem und stärkt die Abwehrlage generell.“ Und das ist gut für die Tiere, denn die nächsten Erreger stehen schon vor der Tür: Epizootische Hämorrhagie (EHD) und Lumpy Skin Disease (LSD) sind bereits in benachbarten Ländern aufgetreten. Die Virusübertragung erfolgt ebenfalls durch Gnitzen beziehungsweise Mücken als potenzielle Vektoren. Und auch das Schmallenberg-Virus kursiert noch in den Kuhbeständen, hier gibt es keine Impfung.
Maßnahmen gegen Gnitzen et cetera
Die Übertragung des Blauzungenvirus und anderer Krankheiten wie EHD und LSD erfolgt durch Gnitzen und Mücken. Stechende Insekten sind allgemein ein erheblicher Stressfaktor. Daher ist ein umfassendes Biosicherheitskonzept wichtig, besonders bei Weidehaltung. Armbruster empfiehlt Pour-on-Präparate mit Deltamethrin als ergänzende Maßnahme gegen stechende Insekten. „Einen echten Schutz vor schweren Krankheitsverläufen erreicht man nur durch die Impfung. Aber diese Präparate können unterstützen. Allerdings ist das Aufbringen gerade in der Mutterkuhhaltung mit sehr viel Aufwand verbunden. Aber die Insekten sind eben vor allem auf der Weide aktiv.“
Vorsorge für das kommende Jahr
Auch im Jahr 2026 bleibt die Impfung ein zentrales Element der Vorsorge. Die Grundimmunisierung erfolgt ab vier Wochen und besteht aus zwei Injektionen im Abstand von drei Wochen, Nachimpfung nach zwölf Monaten, idealerweise vor dem Sommer, da Hitze und Impfung keine gute Kombination sind. Der Impfstoff ist gut verträglich. Grundsätzlich ist bei Herdenimpfungen eine gute Planung wichtig, um unnötigen Stress zu vermeiden: ruhiger Umgang mit den Tieren bei solchen Impfungen, keine Klauenpflege, Transporte oder anderen Aufregungen direkt davor. Zu impfende Tiere sollten rechtzeitig aussortiert und im Fressgitter fixiert werden. In AMS-/Roboterbetrieben sollten nur wenige Personen ruhig arbeitend in den Stall gehen, um Stress zu minimieren.
„Fast alle Betriebe, die im letzten Jahr geimpft haben, machen auch die Nachimpfung, das ist sehr erfreulich“, so die Tierärztin. Wichtig ist ihr noch, die Tiere nicht in eine Infektion hinein zu impfen und die Impfung nicht direkt vor dem Melken durchzuführen. Außerdem sollte immer der ganze Bestand geimpft werden, nicht nur die Kühe. Als Minimum empfiehlt sie, alle Tiere ab dem Besamungsalter von zwölf Monaten zu impfen.
Ihr Appell zum Schluss: „Ich weiß, es wirkt manchmal so, als hätten wir hier keine Probleme mit der Blauzunge. Aber genau deswegen sage ich: Impft trotzdem. Wir wollen das Immunsystem stärken und vermeiden, dass die Tiere völlig naiv in den nächsten Seuchenzug hineingehen. Jede Impfung kostet Geld, aber ein totes Kalb leider auch. In der Regel hat man die Impfkosten schon wieder heraus, wenn man nur ein Tier nicht verliert. Dieses Kosten-Nutzen-Denken muss noch mehr in der Rindermedizin ankommen. Vorbeugung lohnt sich gerade, wenn es scheinbar ruhig ist.“
Biosicherheit
Ein Risiko für den Eintrag beziehungsweise die Weiterverbreitung des Blauzungenvirus besteht
• durch die Ausbreitung lebender, infizierter Gnitzen mit dem Wind
• durch Einschleppung infizierter Gnitzen mit Handel und Verkehr
• durch den Handel mit infizierten Tieren
Um allgemein einen Erregereintrag nach Möglichkeit zu verhindern, sind Etablierung und Einhaltung von Maßnahmen zur Biosicherheit auch im Rinder haltenden Betrieb sehr wichtig. Dazu zählen:
• betriebseigene Kleidung (Stiefel, Overalls) oder Einwegkleidung für Tierärzte und Besucher
• Hygieneschleusen mit getrennten Bereichen für unreine und reine Kleidung
• Hände vor und nach dem Stallbesuch gründlich waschen und desinfizieren, wozu Handwaschbecken, Mittel und Einwegtücher nötig sind
• Desinfektion von Fahrzeugen, Werkzeug und Geräten
• Trennung von gesunden und kranken Tieren
• Absonderung von Tieren mit unbekanntem Gesundheitsstatus (Quarantäne, Krankenstall)
• Minimierung des Kontakts zu fremden Tieren und Personen (Beschilderung: „Wertvoller Tierbestand, Betreten verboten!“)
• Schadnager- und Schädlingsbekämpfung
• Einzäunung des Betriebs
• Lagerung von Tierkadavern für die Abholung möglichst an der Grundstücksgrenze
• für jedes Kalb einen eigenen Nuckel und Tränkeeimer
• sorgfältige Dokumentation
Blauzungenkrankheit (BTV)
Die Blauzungenkrankheit ist eine durch das Bluetongue-Virus (BTV) verursachte Erkrankung bei Wiederkäuern. Übertragen wird das Virus durch Gnitzen, das sind blutsaugende Mücken der Gattung Culicoides. Besonders Schafe, aber auch Rinder, Ziegen, Neuweltkameliden und Wildwiederkäuer können klinisch erkranken.
Aktuell sind mindestens 24 Serotypen bekannt. In Deutschland wurde im Oktober 2023 erstmals seit Jahren wieder BTV-3 bei Schafen nachgewiesen, im Mai 2024 folgten die ersten Fälle bei Rindern. Seitdem gilt bundesweit der Status „frei von Blauzungenkrankheit“ als aufgehoben.
Aktuelle Serotypen in Europa:
BTV-3 in Deutschland und den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und Frankreich
BTV-4 in Österreich
BTV-8 in der Schweiz, Österreich, Frankreich und seit Oktober 2025 auch in Deutschland
BTV-12 in den Niederlanden (2024 erstmals nachgewiesen)
In Frankreich wurde auch das EHD-Virus (EHDV-8) nachgewiesen, LSD in Frankreich und Italien.
Risiko der Einschleppung von EHD und BTV-4 oder BTV-8 nach Deutschland: Laut dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) ist das Risiko für eine Einschleppung durch Windverdriftung von Gnitzen in Kombination mit legalem Handel
• hoch: von Mai bis Oktober
• mäßig: im April und im November
• gering: von Dezember bis März
Schutz: Aktuell sind drei Impfstoffe gegen BTV-3 in Deutschland zugelassen. Sie reduzieren sowohl die Krankheitssymptome als auch die Virusvermehrung nach einer Infektion. Die Impfung ist derzeit die einzige effektive Schutzmaßnahme gegen schwere Krankheitssymptome.
Die Winterfeuchte ausnutzen und der Frühsommertrockenheit trotzen können: Warum nicht auch mit der Lupine? In Frankreich ist das schon etablierte Praxis, in Deutschland noch Zukunftsmusik. Landwirt Heiko Brüggen aus Groß Kummerfeld nahe Neumünster hat es ausprobiert.
„Durch die höheren Erträge der Winterlupine wird sie in Frankreich vermehrt und bevorzugt angebaut“, sagt Cécile Afi, Mitarbeiterin der französischen Firma Terrena. Insgesamt werden in Frankreich lediglich auf 6.000 ha Lupinen angebaut; in Deutschland sind es mit über 30.000 ha mehr als fünfmal so viel. Heiko Brüggen, Landwirt mit LeguNet-Demobetrieb in Schleswig-Holstein, will es wissen. Auf knapp 2 ha hat er 2024/25 Winterlupinen der Sorte ,Magnus‘ angebaut, etwa die Hälfte im Gemenge mit Triticale. Neugierig gemacht haben ihn die Versprechungen aus Frankreich: vier bis fünf Etagen, um 5 bis 10 dt höhere Erträge und gute Qualitäten. Nur der Krankheitsdruck kann durch die längere Vegetationszeit höher sein. Ein weiterer Knackpunkt: Die Frosttoleranz liegt laut Züchterangaben bei etwa –10 °C. Ähnlich wie bei den Ackerbohnen ist die Saatstärke von Winterlupinen mit 25 K./m² nur etwa halb so hoch wie bei der Sommerung, da sich die Lupine im Frühjahr bestockt. Dementsprechend ist die Unkrautunterdrückung gerade im Herbst und über den Winter mangelhaft. Empfohlen wird daher oft, die Winterlupine im Gemenge mit Triticale anzubauen.
Heiko Brüggen bewirtschaftet einen konventionellen Betrieb in Groß Kummerfeld. „Der Name ist Programm“, so erklärt Brüggen den Boden des Standorts, der teilweise nur bis zu 20 Bodenpunkte aufweist. Seit vier Jahren baut er Lupinen an, die er an seine Rinder verfüttert, nun zum ersten Mal neben der Weißen Sommerlupine auch die Winterlupine. Er erklärt: „Ich möchte verschiedene Möglichkeiten ausprobieren, um meinen Betrieb zukunftsfähig aufzustellen. Durch die geringe Wasserhaltekapazität des Bodens kommen viele andere Leguminosen nicht infrage. Auch die Lupine wird bei uns im Frühsommer beregnet. Für die Rinderfütterung eignen sich die Lupinen gut – perspektivisch würden wir auch gern Lupinen in die Humanernährung vermarkten.“
Bestand am 26. April 2025 (v. li.): Winterlupinen-Reinsaat, Winterlupinen im Gemenge mit Triticale und Sommerlupinen (Sorten ,Frieda‘) im Vergleich. Fotos: Heiko Brüggen
Die Aussaat der Winterlupine erfolgte bei Brüggen am 20. September 2024 mit 30 K./m². Die Lupinen liefen gut auf und gingen im Rosettenstadium in den Winter. Mitte Februar kam es zu einem Kälteeinbruch – die –10 °C wurden unterschritten. Die niedrigen Temperaturen nahmen die Lupinen augenscheinlich stark mit und führten zum Absterben der äußeren Blätter und Triebe. Sie kamen merklich geschwächt aus dem Winter und wuchsen nur langsam weiter. Die Bodenbedeckung war gering und die Vorauflaufbehandlung mit einem Herbizid schon mehrere Monate her. Kamille und Melde überwuchsen die Lupine in Reinsaat schnell. Etwas anders sah es in der Variante mit Triticale aus. Hier wurde das Unkraut durch den Triticale unterdrückt – die Lupine allerdings gleich mit.
Lupinenbestand am 26. Mai 2025: Im Vergleich zur Reinsaat (r.) ist das Gemenge unkrautfrei – allerdings sind die Lupinen dort anscheinend auch vom Triticale unterdrückt. Fotos: Magdalena Rangs
Anfang Mai fingen die knöchelhohen Lupinen an zu blühen. Erst im Juni gab es durch den Niederschlag einen erneuten Wachstumsschub und die Lupinen bildeten eine weitere Etage mit neuer Blüte.
Nun verwirklichten sich an einzelnen Pflanzen die Versprechungen aus Frankreich. Durch die geringe Saatstärke hatten die Lupinen viel Platz, und einzelne Lupinen haben tatsächlich vier bis fünf Etagen mit bis zu 40 Hülsen gebildet, im Kontrast zu den Sommerlupinen: Diese waren zum gleichen Zeitpunkt brusthoch und wüchsig, ließen aber beim Hülsenansatz Wünsche offen.
„Nach der kläglichen Entwicklung im Frühjahr und dem hohen Unkrautdruck waren wir positiv überrascht von der Winterlupine in Reinsaat“, sagt Brüggen. Problem: Der niedrige Hülsenansatz und das viele Unkraut erschweren die Abreife und die Ernte. Die geringe Bestandsdichte kann zudem nicht durch den Hülsenansatz kompensiert werden. Die wenigen Prachtexemplare, wie auf dem folgenden, mittleren Foto, repräsentieren zudem nicht den extrem heterogenen Bestand (siehe Foto Einzelpflanzen). Ursächlich für die großen Unterschiede scheint augenscheinlich die Wasserversorgung zu sein. So ist beispielsweise der vom Knick beschattete Bereich wüchsiger, die Lupinen im Gemenge ähneln allesamt eher dem Wuchstyp auf dem folgenden, mittleren Foto unten. Während die Abreife Ende Juli in der Winterlupine schon deutlich voranschritt und die ersten Pflanzen anfingen zu rascheln, stand die Sommerlupine zum selben Zeitpunkt noch im grünen Laub.
Lupinen am 9. Juli 2025 (v. li.): Wurzeln mit Knöllchen der Winterlupine, Einzelpflanze der Winterlupine, Bestand der Sommerlupine. Fotos: Magdalena RangsEinzelpflanzen der Winterlupine am 31. Juli 2025 – einige Pflanzen haben über 25 Hülsen, andere weniger als zehn. Auch der Wuchstyp unterscheidet sich stark zwischen den Pflanzen. Foto: Magdalena Rangs
Die Ernte der Winterlupine erfolgte Mitte/Ende August, zirka zwei Wochen vor der Sommerlupine. Mit 17 dt/ha war der Ertrag der Winterlupine ernüchternd. Der hohe Unkrautdruck und die niedrige Bestandsdichte werden viel Ertrag gekostet haben. Auch die Sommerlupine war mit 20 bis 25 dt/ ha nicht herausragend. Hier gab es einen gegenteiligen Effekt: Der regenreiche Juni und die höhere Saatstärke trieben die Pflanzen in die Höhe. Die Lupine scheint mehr in die Masse- als in die Ertragsbildung investiert zu haben.
Und das Fazit aus dieser besonderen Demoanlage? „Ein Jahr ist kein Jahr“, so Heiko Brüggen. Das Saatgut für die Sommerlupine ist bestellt, die Winterlupinen bereits in der Erde. Nur auf das Gemenge mit Triticale verzichtet Brüggen in diesem Jahr. Auch der Unkrautschutz muss angepasst werden, denkbar wäre beispielsweise ein Striegeleinsatz im Frühjahr.
Klebsiellen sind gramnegative Bakterien, die als Verursacher von Euterentzündungen mit hochgradig gestörtem Allgemeinbefinden Milchviehhalter zunehmend vor große Herausforderungen stellen. Die wichtigsten Arten in Zusammenhang mit Mastitiden sind Klebsiella pneumoniae und Klebsiella oxytoca. Auch Raoultella planticola verursacht Euterentzündungen, wurde bis vor einigen Jahren den Klebsiellen zugeordnet und ist nur mittels weiterführender Labordiagnostik von diesen abgrenzbar. Ein Grund, genauer hinzusehen.
Klebsiellen sind typische Umweltkeime, die zur normalen Pansenflora gehören und damit in Kot und Gülle von Wiederkäuern, aber auch in Wasser, Erdboden und auf Pflanzenfasern vorkommen. Durch die Ausscheidung mit dem Kot werden Liegeflächen, Einstreumaterial und Laufflächen in Milchviehställen permanent kontaminiert. Stärkereiche Rationen und eine schnelle Pansenpassage fördern die Ausscheidung der Klebsiellen mit dem Kot. Das ist einer der Gründe dafür, dass häufig hochleistende Betriebe betroffen sind.
Holzbasierte Einstreu wie Sägemehl, Sägespäne oder Kompost mit ihrem schwach sauren pH-Wert (pH unter 6) wird mit dem gehäuften Auftreten von Klebsiella-Mastitiden in Verbindung gebracht. Außerdem gibt es seit einigen Jahren zunehmend Hinweise, dass Betriebe mit Gülleseparat oder Gärsubstrat als Einstreu häufiger betroffen sind. Das kann wenige Wochen nach der Umstellung auf diese Einstreu, aber auch erst einige Jahre später der Fall sein. Vermutet wird eine Anreicherung besonders aggressiver Klebsiellenstämme, die dann auch zu einer Zunahme des Schweregrades der Mastitiden führen.
Bei Gülleseparateinstreu sind die Kühe und Euter augenscheinlich sauber, dennoch ist der Erregerdruck auf der Zitze sehr hoch.
Symptome und Langzeitfolgen
Klebsiella-Mastitiden sind gefürchtet, weil sie tendenziell schwerer verlaufen als Euterentzündungen, die durch andere Erreger hervorgerufen werden. Häufig sind eine deutliche Schwellung des Euters und verändertes Milchsekret (wässrig, blutig) vorhanden, betroffene Kühe haben ein gestörtes Allgemeinbefinden und können sowohl Fieber als auch Untertemperatur haben. Die Milchmenge sinkt drastisch. Genauso sind aber auch leichte Verläufe mit verändertem Sekret ohne Störung des Allgemeinbefindens oder reine Zellzahlerhöhungen möglich. Entscheidend für den Verlauf ist die Abwehrlage der Kuh. Stoffwechselentgleisungen oder (Hitze-)Stress schwächen die körpereigene Abwehr und begünstigen schwere Verläufe.
Wie bei Escherichia (E.) coli können bei der Auseinandersetzung der Bakterien mit dem Immunsystem der Kuh Bakterienbestandteile, sogenannte Lipopolysaccharide (LPS), als Giftstoffe freigesetzt werden und ins Blut gelangen. Diese Blutvergiftung führt zu unterschiedlich starken Symptomen, vom relativ milden Verlauf mit leichtem Fieber bis hin zum Tod der Kuh, und tritt bei Klebsiellen häufiger auf als bei anderen Erregern. Da zu diesem Zeitpunkt oftmals keine vollständigen, bei der mikrobiologischen Untersuchung anzüchtbaren Erreger mehr vorhanden sind, verläuft der Erregernachweis nicht selten ohne Ergebnis („zurzeit keine Erreger nachweisbar“).
Anders als E. coli bleiben Klebsiellen länger im Euter und dringen häufig tief in das Eutergewebe ein, was zu einer nachhaltigen Schädigung und damit zum anhaltenden deutlichen Milchrückgang führt. Die Abgangsraten von Kühen sind nach einer Klebsiella-Mastitis deutlich höher als bei Euterentzündungen durch andere Erreger – sei es wegen des Versterbens des Tieres oder mittelfristig aus wirtschaftlichen Gründen.
Weg der Ansteckung beachten
Bei Kontakt der Zitze mit kontaminierter Umgebung kann der Erreger über den Strichkanal ins Euter gelangen. Das ist insbesondere in Roboterbetrieben ein Problem, wenn die Kühe direkt nach dem Melken die Liegebox aufsuchen. Außerdem ist eine Ansteckung während des Melkens möglich, wenn Klebsiellen von der Zitzenoberfläche durch die die Zitze umspülende Milch ins Euter gelangen. Dabei erscheinen die Euter in betroffenen Betrieben häufig sauber, jedoch sagt das nichts über den tatsächlichen Keimdruck auf der Zitze aus. Weitere Ansteckungsmöglichkeiten, zum Beispiel über das Blutgefäßsystem, werden diskutiert.
Klebsiellen: Beim Erregernachweis wachsen Klebsiellen als schleimige Kolonien.
Diagnostik und vorbeugende Maßnahmen
Die sichere Abgrenzung von anderen Erregern ist allein anhand des klinischen Bildes nicht möglich, daher empfiehlt sich ein Erregernachweis aus möglichst steril entnommenen Viertelgemelksproben.
Da eine Elimination der Klebsiellen aus dem Stall nicht möglich ist, ist die Senkung des Keimdrucks auf der Zitzenoberfläche oberstes Ziel. Alle Maßnahmen, die dazu beitragen, die Zitzen sauber zu halten, müssen intensiviert werden. Dazu gehören eine gute Boxen- und Laufganghygiene, die Vermeidung von Überbelegung, das Schneiden der Schwanzquasten, das Entfernen von Euterhaaren oder auch die desinfizierende Vorreinigung der Zitzen vor dem Melken (sogenanntes Predipping) mit anschließender Trocknung. Die Desinfektion der Zitzen nach dem Melken mit einem Dippmittel auf Jod- oder Chlordioxid-Basis kann das Eindringen der Erreger erschweren. Auch das Kalken der Boxen kann durch das Anheben des pH-Wertes zu einer verringerten Klebsiellenvermehrung führen, gleichzeitig dürfen die Zitzen aber nicht zu trocken und spröde werden, da sonst eine Bakterienanheftung erleichtert wird. Bei ausbleibendem Erfolg der Maßnahmen ist gerade in Gülleseparatbetrieben eine Einstreualternative in Betracht zu ziehen.
Fazit
J5-Impfstoffe, die gegen alle gramnegativen Mastitiserreger, also auch E. coli und Klebsiellen, gerichtet sind, existieren in vielen Ländern. In Deutschland sind sie nur in Kombination mit einer Staphylococcus-aureus-Komponente auf dem Markt (Startvac) und daher deutlich teurer als reine J5-Impfstoffe.
Die Impfung führt nicht zu einer Verhinderung der Infektion, sondern lediglich zu einer Abmilderung der klinischen Symptome. Um diesen Schutz aufrechtzuerhalten, muss allerdings alle drei Monate geimpft werden, sodass die Wirtschaftlichkeit für jeden einzelnen Betrieb zu hinterfragen ist. Da ein zugelassener Impfstoff existiert, ist die Verwendung stallspezifischer Impfstoffe nicht zulässig. Die Vielzahl gramnegativer Erreger eines Betriebes in einem stallspezifischen Impfstoff ohne J5-Komponente abzudecken, erscheint jedoch sowieso nicht möglich. Daher bleiben Hygiene und die Stärkung der körpereigenen Immunabwehr die wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen Klebsiellen.
Prävention ist wichtig, daher hier ein Interview mit Frank Gutheil. Der Bereichsleiter Prävention der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) spricht über Präventionsmaßnahmen im Anwenderschutz zur Verhinderung der Berufskrankheit Parkinson durch chemische Pflanzenschutzmittel.
Die Anerkennung des Parkinson-Syndroms durch chemische Pflanzenschutzmittel als neue Berufskrankheit schärft den Blick auf das, was im Arbeitsalltag den entscheidenden Unterschied macht: konsequenter Anwenderschutz für den Sachkundigen – geplant, unterwiesen, kontrolliert und gelebt. Die SVLFG arbeitet daran seit Jahren systematisch nach dem S.T.O.P.-Prinzip mit klaren technischen, organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen, die unmittelbar in Betrieben umsetzbar sind.
Wie unterstützt der Präventionsbereich der SVLFG die Betriebe beim sicheren Umgang mit Pflanzenschutzmitteln?
Frank Gutheil: Über 360 Aufsichtspersonen der Prävention sind bundesweit im Einsatz, die vor Ort in den Betrieben auch zum sicheren Umgang mit Pflanzenschutzmitteln beraten und Verbesserungspotenziale bei der Arbeitssicherheit aufzeigen. Unabhängig von Besichtigungsterminen sind die Unternehmerinnen und Unternehmer aber natürlich auch jederzeit dazu eingeladen, bei konkreten Fragen Kontakt zur Prävention aufzunehmen. So können im Dialog die bestmögliche Lösung für den Betrieb gefunden oder Unklarheiten ausgeräumt werden. Neben der persönlichen Betreuung gibt es ein allgemeines Informationsangebot zum sicheren Umgang mit Pflanzenschutzmitteln in Form von Artikeln und kurzen Filmen. Dieses Angebot ist über unsere Internetseite abrufbar.
Frank Gutheil. Foto: privat
Wie funktioniert die Umsetzung des S.T.O.P.-Prinzips bei Arbeiten mit Pflanzenschutzmitteln konkret?
S.T.O.P. ist eine Abkürzung für Substitution, technische Maßnahmen, organisatorische Maßnahmen und persönliche Maßnahmen. Durch das Prinzip werden die Maßnahmen des Arbeitsschutzes nach ihrer Wirksamkeit hierarchisch geordnet. Unternehmen sollen vorrangig Maßnahmen der oberen Hierarchieebenen ergreifen, also Substitution und technische. Nur wenn sich hier keine Lösung finden lässt, sollte auf die Maßnahmen der unteren Ebenen – vor allem persönliche – zurückgegriffen werden.
Was ist unter Substitution im Zusammenhang mit Pflanzenschutzarbeiten zu verstehen?
Substitution ist ein Begriff aus dem Gefahrstoffrecht und meint den Ersatz eines gefährlichen Stoffes durch einen weniger gefährlichen Stoff oder ein alternatives Verfahren, das ohne Gefahrstoffe auskommt. Vielen Unternehmerinnen und Unternehmern wird dieser Ansatz unter dem Begriff „Integrierter Pflanzenschutz“ geläufig sein. Darunter fallen etwa Maßnahmen wie mechanische oder biologische Schädlingsbekämpfung, aber auch entsprechende Bodenvorbereitungen, Klima, Düngung und Sortenwahl. Der Gedanke dahinter ist einfach: Je weniger Kontakt zu chemischen Pflanzenschutzmitteln besteht, desto geringer ist auch die Gefahr zu erkranken.
Welche technischen Maßnahmen gelten als entscheidende Hebel zur Expositionsminderung beim Ausbringen, Befüllen und Reinigen?
Ziel technischer Schutzmaßnahmen ist es, die Anwenderinnen und Anwender von der Gefahrenquelle – hier dem Pflanzenschutzmittel – zu trennen. Als besonders wirksame Schutzeinrichtungen beim Ausbringen haben sich Schutzkabinen mit Filter und Klimatechnik erwiesen. Für das Befüllen der Spritze und Reinigen von leeren Gebinden empfehlen sich geschlossene Befüllsysteme, sogenannte CTS (Closed Transfer Systems). Da es CTS derzeit fast nur als Nachrüstlösung gibt, seien an dieser Stelle auch Einspülschleusen erwähnt, die mittlerweile zur Standardausrüstung moderner Pflanzenschutzspritzen zählen. Diese erlauben es geübten Anwenderinnen und Anwendern, Pflanzenschutzspritzen kontaminationsfrei mit flüssigen Mitteln zu befüllen.
Welche Kabinenkategorien empfiehlt die SVLFG für verschiedene Einsatzprofile? Wie fließt die „KabExpo-Studie“ in die Beratung ein?
Für Familienbetriebe, die klassischen Ackerbau betreiben, bieten Traktorkabinen der Kategorie 2 in der Regel ausreichend Schutz. Für Betriebe mit einer sehr großen zu bewirtschaftenden Fläche, für Unternehmen, die im Lohn spritzen, und für den Einsatz in Raumkulturen wie Wein- , Hopfen- und Obstbau empfiehlt es sich, Maschinen mit Kabinen der Kategorie 4 einzusetzen.
Die „KabExpo-Studie“ zur Anwenderexposition innerhalb geschlossener Traktorkabinen bei Pflanzenschutzarbeiten, die in Zusammenarbeit mit dem Julius-Kühn-Institut sowie dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit erstellt wurde, zeigt, dass bei geschlossenen Schutzkabinen kaum noch ein Eintrag von Pflanzenschutzmitteln in die Fahrerkabine über das Lüftungssystem stattfindet. Die größte gemessene Kontamination der Kabine kam durch Verschleppung durch den Fahrer zustande. In unseren Beratungen wollen wir dafür Bewusstsein schaffen, dass bei notwendigen Reparaturen während des Ausbringens konsequent persönliche Körperschutzmittel angezogen werden und diese auch wieder abgelegt werden, bevor die Fahrerkabine betreten wird.
Welche organisatorischen Mindestmaßnahmen sollen Betriebe umsetzen, um Exposition zu vermeiden?
Betriebe sollten nur fachkundige und verlässliche Mitarbeitende für Pflanzenschutzarbeiten als Sachkundige schulen lassen und damit beauftragen, die auch alle notwendigen Schutzmaßnahmen gewissenhaft und richtig um- und einsetzen. Mitarbeitende sollten regelmäßig zum Thema Pflanzenschutz fortgebildet werden, um über einen aktuellen und umfassenden Kenntnisstand zum Thema zu verfügen. Sind im Nachgang zum Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln Arbeiten in Kulturen nötig, sollten sie mit einem ausreichenden Zeitabstand geplant werden, sodass das ausgebrachte Mittel zumindest vollständig eintrocknen kann.
Die Ärmelschürze kann den Ganzkörperanzug ersetzen. Ihr Vorteil: Sie kann schnell an- und abgelegt werden. Sie bedeckt die Körpervorderseite und Arme und schützt damit die Körperpartien, die am wahrscheinlichsten bei der Arbeit kontaminiert werden können. Zusätzlich wird noch Hand- und Gesichtsschutz benötigt. Foto: SVLFG
Was bedeutet Differenzierung des PSA-Einsatzes nach Tätigkeit?
Persönliche Schutzausrüstung (PSA) für Pflanzenschutzmittel ist in unterschiedlichen Schutzstufen erhältlich. Bei Handschuhen sind dies G2, G1 und GR, bei Kleidung C3, C2 und C1. Je höher die Ziffer, desto höher ist auch die Schutzwirkung. Kleidung der Stufen C1 und C2 hat den Charakter von Arbeitskleidung. Hierbei handelt es sich um „normale“ Textilien, die eine gewisse flüssigkeitsabweisende Wirkung haben. Wir empfehlen, Kleidung der Stufen C1 und C2 grundsätzlich immer bei Arbeiten mit Pflanzenschutzmitteln zu tragen; bei Bedarf kann darüber zusätzliche Schutzkleidung getragen werden. C1- und C2-Kleidung ist auch für Nachfolgearbeiten in der trockenen Kultur geeignet. Wird mit konzentrierten Pflanzenschutzmitteln gearbeitet oder besteht Kontaktgefahr mit dem noch nicht eingetrockneten verdünnten Mittel, etwa beim Ausbringen mittels Rückenspritze oder bei Reparaturarbeiten an der Spritze während des Einsatzes, muss immer Kleidung der Stufe C3 getragen werden. Dies können Ganzkörperanzüge oder auch Ärmelschürzen sein. Beim Anmischen und bei Reparaturarbeiten bieten Ärmelschürzen in der Regel ausreichenden Schutz.
G2-Handschuhe sind für den Umgang mit dem Konzentrat ausgelegt, G1 für die Handhabung der verdünnten Pflanzenschutzmittel. GR-Handschuhe haben nur eine Beschichtung an der Handinnenseite und bilden damit einen Kompromiss zwischen Schutzwirkung und Tragekomfort. Diese Handschuhe sind für Nachfolgearbeiten in der trockenen Kultur geeignet.
Welchen praxisnahen Tipp geben Sie als Experte den Anwendern?
Das Unfallgeschehen in der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft zeigt, dass oftmals eine Mischung aus Zeitdruck und Routine für die Unfälle verantwortlich ist. Dies gilt allgemein und nicht nur für Arbeiten im Pflanzenschutz. Eine gute Planung – auch zeitlich –, das Lesen der Gebrauchsanweisung der Pflanzenschutzmittel und die Vorbereitung der Arbeiten unter Berücksichtigung der zuvor genannten Maßnahmen zum Anwenderschutz sind entscheidend für sicheres und kontaminationsfreies Arbeiten. Diese gewissenhafte Vorbereitung muss immer erfolgen. Auch sollte schon für vorhersehbare Defekte, zum Beispiel verstopfte Düsen, vorausgeplant werden, damit allen Beteiligten klar ist, welche Arbeitsschritte und Schutzmaßnahmen in diesen Fällen ergriffen werden müssen. So können solche Störungen zügig, ruhig und vor allem sicher beseitigt werden.
Welche Informationsangebote stehen bereit? Wo finden Mitglieder kompakte Orientierung zu den Maßnahmen?
Ein Großteil ist auf der Internetseite www.svlfg.de/pflanzenschutzarbeiten kompakt zusammengefasst. Hier sind auch die kurzen Videos zum Thema verlinkt. Darüber hinaus möchte ich auf die online verfügbaren Informationen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hinweisen. Zum Thema Anwenderschutz bei Pflanzenschutzarbeiten steht der Präventionsbereich der SVLFG mit dem Bundesamt im steten Austausch.
Sechs animierte Filme auf Ihrem YouTube-Kanal illustrieren die sichere und gesunde Arbeit im Umgang mit Pflanzenschutzmitteln. Wie nutzen Betriebe dieses Angebot?
Die animierten Filme bieten den Betrieben eine praxisnahe Möglichkeit, das Thema „Sicherer und gesunder Umgang mit Pflanzenschutzmitteln“ anschaulich in ihre regelmäßigen Unterweisungen zu integrieren. Sie unterstützen die Betriebsleiter dabei, komplexe Inhalte einfach und verständlich zu vermitteln. Dass dieses Angebot gut angenommen wird, zeigt die erfreuliche Resonanz: Bis September dieses Jahres wurden die Filme bereits rund 13.000 Mal aufgerufen.
Über unseren YouTube-Kanal können die Betriebe jederzeit unkompliziert auf die Inhalte zugreifen (youtube.com/@svlfg3082, Playlist „Sicherer Umgang mit Pflanzenschutzmitteln“):
Welche Aufgaben und Ressourcen hat die eigens eingerichtete Taskforce zur Ermittlung der Voraussetzungen in den zahlreichen Verdachtsfällen der Berufskrankheit Parkinson durch chemische Pflanzenschutzmittel?
Die Taskforce analysiert zunächst die vom Versicherten angegebenen Tätigkeiten und Arbeitsplätze. Dabei wird insbesondere untersucht, ob die genannten Pflanzenschutzmittel für die angegebenen Kulturen und Einsatzzeiträume plausibel und mit der damaligen Praxis vereinbar sind. Auf dieser Grundlage wird bewertet, inwieweit der konkrete Arbeitsplatz und die ausgeübten Tätigkeiten einen ursächlichen Beitrag zur Erkrankung geleistet haben.
Kartoffeln aus Stein, Kaffeebohnen aus Bronze, Schokolade aus Tonscherben, Lollis aus Bernstein, Müllsäcke aus Glas – in der aktuellen Ausstellung „Genuss zum Mittel“ im Museum Eckernförde verwandelt der Bildhauer und Konzeptkünstler Thomas Judisch scheinbar Alltägliches und Belangloses in Kunstwerke aus zum Teil wertvollem Material und regt damit nicht nur die Sinne an, sondern auch zum Nachdenken über unsere Lebenswelt – hintersinnig und mit einer Prise Humor.
„Es sind die Dinge, die uns täglich umgeben und die unser Leben ausmachen. Sie wirken vielleicht vordergründig belanglos, doch sind es meist Dinge, die am wichtigsten sind. Tatsächlich stellt man ihre Unersetzlichkeit oft erst dann fest, wenn sie weg, also nicht mehr verfügbar sind“, erklärt der Künstler in einem Gespräch mit Museumsleiterin Dr. Dorothee Bieske, das im Begleitheft zur Ausstellung abgedruckt ist.
Thomas Judisch am Südstrand von Eckernförde mit einem seiner Kunstwerke „Big Butt“ Foto: Thomas Judisch
Wie der Titel verrät, geht es um den Genuss, um Lebensmittel, um Verpackungen, um Konsum und um das Wegwerfen, um Vergängliches und Flüchtiges. Wie viel Beachtung schenken wir diesen Dingen im Alltag? Indem der Künstler sie mitunter überdimensional neu inszeniert, rückt er sie ins Bewusstsein und schafft durch Sinnestäuschungen perfekte Illusionen. Gleichzeitig verhilft er Vergänglichem durch die Wahl des Materials zu Beständigkeit. Zum Beispiel mit dem Werk „Potato Poem“, bei dem Judisch selbst gesammelte Steine, die in ihrer Form an Kartoffeln erinnern, in uns bekannte Netze packt. Schon sieht man nicht mehr die Steine an sich, sondern Netze mit Kartoffeln. Neu an der Ausstellung in Eckernförde ist, dass einige ausgewählte Arbeiten von Thomas Judisch in die bestehende Dauerausstellung des Museums integriert sind, so auch die Kartoffelnetze, die in eine Beziehung mit dem historischen Kaufmannsladen treten. „Man hätte diese Kartoffeln in diesem Laden kaufen können. Diese Art der Inszenierung war ihm wichtig. Und das ist etwas, was uns wiederum hier Spaß gemacht hat, denn durch die Werke sieht man unsere Dauerausstellung auch noch einmal mit anderen Augen und schaut sowohl bei den Exponaten des Künstlers als auch bei unseren gezeigten Objekten genauer hin“, sagt Dorothee Bieske.
„Fischers Fritze“, so der Titel dieses Werks mit Fischbrötchen und Einwegbecher aus Bronze auf Holzpaletten Foto: Iris Jaeger
Nicht weit entfernt von den Kartoffeln stehen handelsübliche Holzpaletten, auf denen ein Fischbrötchen und ein Einwegbecher zu finden sind. Doch sind diese im Alltag schnell vergänglichen Dinge nicht echt, sondern aus Bronze gegossen und somit für die Ewigkeit manifestiert. Eine Anspielung auf den oft achtlosen Umgang mit Lebensmitteln und Verpackungen, die nicht selten auch in der Natur landen und die Umwelt belasten.
Doch möchte Thomas Judisch die Menschen gar nicht mit dem erhobenen Zeigefinger belehren, „sondern eher einen Weg über die Kunst finden, um Bilder unseres Lebens zu zeichnen“, sagt er in dem bereits genannten Gespräch. Das Einweggeschirr behandle im künstlerischen Sinn die historisch relevanten Themen wie Stillleben oder Genrebilder im Allgemeinen und das Porträt im Besonderen. „Hinter jedem abgestellten Becher steht eine Person. So schaffe ich Situationen und erzähle Geschichten von uns Menschen und Tieren, auch wenn sie abwesend sind.“
Durch die Bronze erhalten die Dinge Beständigkeit. Normalerweise bestehen Statuen oder Monumentalplastiken im öffentlichen Raum aus Bronze. „Indem ich das Material verwende, nehme ich direkten Bezug und erzeuge quasi ein Denkmal für diesen flüchtigen Moment“, erklärt der Künstler in dem Begleitheft.
Ein aufwendig handgeknüpfter Wandbehang mit einer Einkaufsliste Foto: Iris Jaeger
Einige der gezeigten Objekte hat er für die Ausstellung in Eckernförde angefertigt. Ins Staunen versetzt einen ein handgeknüpfter Wandbehang, für den eine Einkaufsliste als Motiv verwendet wurde. Diese Einkaufszettel finden sich auch als Gemälde in den Ausstellungsräumen wieder. Bernsteine mit Pappstäbchen ähneln abgelutschten Lollis, die überdimensioniert auch noch einmal aus Glas und Papprollen zu finden sind. Fast schwarze Steinscherben auf Folie mit Pappschachtel lassen einen sofort an Zartbitterschokolade denken und auch die Installation „Deutscher Wald“ spielt mit Assoziationen. Statt durch Laub geht man durch raschelnde Haufen aus zerissenen Verpackungskartons, die ausPapier hergestellt wurden, das wiederum aus dem Holz von Waldbäumen gewonnen wurde. „Es ist eine Art Kreislauf, der hier aufgezeigt wird. Einerseits macht es Spaß, durch die Haufen zu stieben, andererseits wird man angesichts der Massen an Verpackungsmüll auch nachdenklich“, so Bieske. Somit könne sich jeder in den Arbeiten wiederfinden und sich seine Gedanken machen oder aber sich an den Ideen sowie der kreativen Umsetzung samt dem einen oder anderen Augenzwinkern des Künstlers erfreuen. Weitere Informationen unter museum-eckernfoerde.de
Museumsleitern Dorothee Bieske (li.) und Svenja Horeis, FSJ Kultur, auf einer Bank aus dem Kurpark, die spontan mit in die Ausstellung integriert wurde Foto: Iris Jaeger„Meine hundert besten Freunde“, 2020, Gläser, Gelwachs, Lippenstift auf Stehtischen mit Hussen, dahinter an der Wand das Bild „First Date“, zwei Rotweinglasabdrücke eng beieinander Foto: Iris Jaeger„Lollipop“ Foto: Iris JaegerEine perfekte Illusion: dunkle Steinscherben, die aussehen wie köstliche Zartbitterschokolade; „Es ist genug für alle da“, 2022 Foto: Iris Jaeger„Lollipop“ – Bernsteine, die aussehen wie abgelutschte Lollis Foto: Iris Jaeger„Werktags“, Kaffeebecherabdrücke als Aquarell, von links beginnend mit Montag bis Freitag, rechtes Bild Foto: Iris JaegerEinkaufszettel als Gemälde Foto: Iris Jaeger„Time of my life“, Sack aus Buntglas Foto: Iris Jaeger„Potato Poem“, Steine, die aussehen wie Kartoffeln Foto: Iris Jaeger
Cornelia Schmachtenberg (CDU) ist seit gut einer Woche Schleswig-Holsteins Ministerin für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz. Sie bezeichnet sich selbst als „Draußen-Ministerin“. Was das für die 34-Jährige bedeutet, welche Schwerpunkte sie setzen will und wie sie sich die Zusammenarbeit mit dem Umweltministerium vorstellt, erklärt sie im Interview mit dem Bauernblatt.
Mit welcher Einstellung und Motivation gehen Sie in das Amt der Landwirtschaftsministerin?
Cornelia Schmachtenberg: Ich freue mich total auf das neue Amt und weiß, dass es eine große Verantwortung ist. Natürlich habe ich großen Respekt, aber ich freue mich darauf, Landwirtschaftspolitik hier in Schleswig-Holstein gestalten zu dürfen und auch die anderen Themen wie ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz voranzubringen.
Welchen Einfluss auf Ihre Entscheidung, das Amt zu übernehmen, hatte der Familienrat?
Als ich gefragt worden bin, habe ich natürlich erst mit meiner Familie gesprochen. Letztendlich war es eine Team-Entscheidung und keine, die ich allein getroffen habe. Als Team sind wir zum Entschluss gekommen, dass wir das schaffen.
Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben? Wollen Sie an die dialogorientierte Art Ihres Vorgängers Werner Schwarz (CDU) anknüpfen?
Ich bin sehr kommunikativ und so verstehe ich auch meine Führungsrolle: zu kommunizieren, was meine Erwartungshaltung ist. Das ganze Haus ist voller hervorragender Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit enormem Fachwissen. Das ist der eigentliche Kern dieses Hauses. Werner Schwarz und Staatssekretärin Anne Benett-Sturies ist es sehr gut gelungen, ein Wirgefühl in diesem Haus zu erzeugen. Daran möchte ich anknüpfen.
Wie sehen Sie die Rolle Ihres Ministeriums innerhalb der Landesregierung?
Alle Ministerien sind erst einmal gleich wichtig. Es war auch eine bewusste Entscheidung nach der vergangenen Landtagswahl, ein eigenständiges Landwirtschaftsministerium zu schaffen. Die Themen des Ressorts passen durchaus zusammen. Zur Landwirtschaft wird ganz viel auf europäischer Ebene entschieden. Landwirtschaft ist eng mit den ländlichen Räumen verknüpft. Auch mit dem Verbraucherschutz gibt es große Schnittmengen.
Welche Schnittmengen und sehen mit dem grün geführten Umweltministerium?
Mit Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) habe ich in den vergangenen dreieinhalb Jahren schon eng zusammengearbeitet. Wir haben die Koalitionsverhandlung jeweils federführend für unser Team geführt und deswegen glaube ich, dass wir weiter gut zusammenarbeiten können.
Der Bauernverband würde vor allem die Wasserwirtschaft und den Vertragsnaturschutz lieber im Landwirtschaftsministerium angesiedelt sehen. Ist das aus Ihrer Sicht eine begründete Forderung?
Es ist klar, dass diese Themen zusammen mit der Landwirtschaft gedacht werden müssen, auch wenn die Verantwortung dafür in einem anderen Haus ist. Ich denke aber, dass wir das zusammen hinbekommen.
Sehen Sie keinen Konflikt, wenn sich Minister Goldschmidt als Fan des Ordnungsrechts sieht, Sie sich aber als pragmatische Draußen-Ministerin verstehen?
Es ist richtig, dass ich mich eher als pragmatisch bezeichnen würde. Meine Zielmarke ist definitiv nicht, mehr Ordnungsrecht zu schaffen. Tobias Goldschmidt und ich sind eben unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Interessen aus unterschiedlichen Parteien. Wichtig ist daher, dass wir politisch zu einem gemeinsamen Nenner kommen und Lösungen finden.
Können Sie nachvollziehen, dass viele CDU-Wähler aus dem ländlichen Raum kritisieren, dass sie momentan grüne Politik bekommen?
Ich nehme wahr, dass es eine gewisse Unzufriedenheit in der Landwirtschaft und im ländlichen Raum gibt. Deswegen war es wichtig, ein eigenständiges, CDU-geführtes Landwirtschaftsministerium zu schaffen. Mein Ziel ist es, den Unzufriedenen zuzuhören. Und dann müssen wir gemeinsam schauen, wie wir Lösungen hinbekommen. Klar ist aber auch – das weiß man an jedem Familientisch –, dass sich nicht jeder immer zu 100 % durchsetzen kann. Ich werde mich für die Landwirtschaft einsetzen.
Der Strukturwandel und die Konkurrenz um Fläche sind wachsende Herausforderungen. Was ist aus Ihrer Sicht ein gesundes Maß und wie wollen Sie diese Themen politisch steuern?
Der Strukturwandel ist ein Riesenthema. Politik muss sich bei jeder Entscheidung bewusst machen, ob sie den Strukturwandel verschärft. Häufig gilt das familiengeführte Landwirtschaftsunternehmen parteiübergreifend als Idealbild. Mehr Regeln, mehr Kontrolltätigkeiten und mehr Dokumentationsaufwände führen dann dazu, dass es besonders die kleinen Betriebe einfach nicht mehr schaffen. Landwirtinnen und Landwirte müssen so frei wie möglich wirtschaften können, weil sie am besten wissen, was vor Ort passiert. Mit Blick auf die Flächenkonkurrenz müssen wir als Land Lösungen finden. Hier gibt es natürlich Interessenkonflikte zwischen Landwirtschaft und Naturschutz, aber auch dem Wohnungsbau oder dem Ausbau von Erneuerbaren Energien. Ein Lösungsansatz kann sein, dass man mehrere Ziele auf einer Fläche verfolgt oder dass wir Flächentausch besser ermöglichen als bisher. Das sind Themen, die ich jetzt angehen möchte, die aber gemeinsam im Kabinett entschieden werden müssen.
Sie wollen landwirtschaftlichen Betrieben mehr Freiheiten geben. Die Arbeit der Taskforce Entbürokratisierung wurde jedoch kurz vor Ihrem Amtsantritt eingestellt. Soll diese nun wiederbelebt werden?
Wir haben in der Koalition entschieden, dass wir den Bürokratieabbau in der Landwirtschaft priorisieren. Deswegen hat Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) auf der Norla 2024 den Neun-Punkte-Plan verkündet, den Werner Schwarz gemeinsam mit ihm zu großen Teilen umgesetzt hat. Ich halte zudem unser E-Mail-Funktionspostfach (buerokratieabbau_landwirtschaft@mllev.landsh.de) für Vorschläge aus der Praxis für sehr sinnvoll. Dass die Taskforce Entbürokratisierung aufgelöst wurde, hatte rein organisatorische Gründe. Die Arbeitsgruppe werden wir fortführen.
Auf der Norla in diesem Jahr hat Bauernverbandspräsident Klaus-Peter Lucht weitere Erleichterungen gefordert, zum Beispiel die Wirtschaftsdüngerausbringung auf gefrorenen Böden und von bis 230 kg N/ha. Sehen Sie hier Möglichkeiten?
Ich stehe im regelmäßigen Austausch mit dem Landesbauernverband. Mit Klaus-Peter Lucht habe ich schon auf verschiedenen Ebenen zusammengearbeitet. Deswegen sind mir die Forderungen durchaus vertraut. Klar ist aber, dass wir uns erst einmal über mögliche Wege der Umsetzung unterhalten, um danach mit dem Koalitionspartner zu besprechen, wie wir weiter vorgehen.
Ist die Forderung nach einem praxisgerechteren Wolfsmanagement bereits befriedet?
Wir haben als eines der ersten Bundesländer den Wolf ins Jagdrecht aufgenommen, um Rechtssicherheit für unsere Jägerinnen und Jäger zu schaffen. Zudem wurde kürzlich von der Bundesregierung der gute Erhaltungszustand an die EU gemeldet. Der nächste Schritt ist nun, dass der Wolf auf Bundesebene ins Jagdrecht kommt.
Braucht Deutschland wolfsfreie Zonen?
Die Schafhaltung ist für uns wahnsinnig wichtig. Wir brauchen sichere Deiche für unser Land. Deswegen wäre es richtig, wenn man auf Bundesebene Ausnahmen für Küstenregionen beschließt.
Wie wollen Sie die von Gänsefraß geplagten Betriebe unterstützen?
Ich habe mir kürzlich auf Amrum bei Oke Martinen die landwirtschaftlichen Flächen angeguckt. Das ist wirklich erschreckend. Wenn Tausende von Gänsen die Flächen leer fressen, entstehen neben den wirtschaftlichen Schäden auch psychische Belastungen. Es gibt einen neuen EU-Agrarkommissar und wir müssen über einen neuen Anlauf nachdenken, den Schutzstatus der Gänse zu verringern. Immerhin haben wir bereits die Jagdzeiten verlängert, eine Billigkeitsrichtlinie veröffentlicht und die Entschädigungszahlungen ausgeweitet. Das wollen wir fortführen und ausbauen. Wenn die Landwirtschaft aufgrund der Gänse verschwände, hätte das Einfluss auf die gesamte Westküste, auf die Dörfer und den vor- und nachgelagerten Bereich. So weit darf es nicht kommen.
Wie stehen Sie zu dem Vorschlag, das Eiersammeln zu erleichtern?
Diese Maßnahmen haben wir auch bei Oke Martinen besprochen. Genau diese Vorschläge werden wir jetzt prüfen.
Grünland- und Knickschutz sind Beispiele für praxisferne Anforderungen an die Landwirtschaft. Wie wollen Sie grundsätzlich das Regelungsdickicht durchforsten?
Im Koalitionsvertrag steht, dass wir in Deutschland nicht über EU-Recht hinauswollen beziehungsweise in Schleswig-Holstein nicht über Bundesvorgaben. Wir wollen dazu Bürokratie abbauen. Wir brauchen einfache, pragmatische Lösungen. Das heißt ja nicht, dass wir morgen nicht mehr das Dauergrünland schützen wollen. Ich glaube, dass den Landwirten auch Knickschutz durchaus wichtig ist. Es geht aber darum, komplexe Sachverhalte so einfach wie möglich zu gestalten.
Wie wird sich das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur Düngegesetzgebung auf die Roten Gebiete im Land auswirken?
Wir müssen dazu die Urteilsbegründung abwarten. Stand jetzt gibt es keine rechtliche Grundlage für die Roten Gebiete. Wir brauchen nun eine rechtlich klare Umsetzung seitens des Bundes, um hier in Schleswig-Holstein Rechtssicherheit zu schaffen. Obwohl es derzeit Presseberichte zu Verschlechterungen bei Nitratmesswerten gibt, muss man feststellen, dass Landwirte so wenig Gülle fahren wie noch nie und immer bessere Technik einsetzen. Wir dürfen nicht diejenigen bestrafen, die jetzt gut wirtschaften.
Welche Bedeutung hat für Sie die Tierhaltung in Schleswig-Holstein?
Ich werde mich sicher nicht dafür aussprechen, Tierzahlen zu reduzieren. Tierhaltung spielt für Schleswig-Holstein eine wahnsinnig wichtige Rolle. Ich möchte, dass hier heimische Lebensmittel hergestellt werden und beispielsweise das Grünland von den Milchviehbetrieben genutzt wird.
Wie sorgenvoll schauen Sie auf das derzeitige Tierseuchengeschehen?
Die Taktung nimmt zu. Dass beispielsweise die Geflügelpest früher auftritt als in anderen Jahren, ist eine unglaubliche Herausforderung für die landwirtschaftlichen Betriebe in unserem Land. Wir haben kürzlich die Allgemeinverfügung und die damit einhergehenden Biosicherheitsmaßnahmen erneut in Kraft gesetzt. Aber auch die Afrikanische Schweinepest und die Blauzungenkrankheit führen zu zusätzlichen Belastungen für die Betriebe.
Warum können Landwirtinnen und Landwirte in Schleswig-Holstein darauf vertrauen, dass ihre Interessen in der Landesregierung ausreichend vertreten werden?
Ich stehe zu 100 % an der Seite von Landwirtinnen und Landwirten und will ihre Arbeit unterstützen. Ich kenne die Praxis, habe einen Treckerführerschein, war Erntehelferin und habe Landwirtschaft studiert. Ich kenne das Geschäft, auch wenn ich keine aktive Landwirtin bin. In den vergangenen Jahren habe ich viel Politik-Erfahrung sammeln können. Das heißt: Ich will im politischen Geschäft viel für unsere Landwirtschaft herausholen. Das mache ich mit sehr viel Leidenschaft und Ausdauer.
Die Menschen im ländlichen Raum Schleswig-Holsteins wählen konservativ. Mit Ausnahme der Städte und einiger städtischer Regionen lag die CDU bei den vergangenen Landtagswahlen in der Wählergunst immer vorn. Dennoch bestimmten Grünen-Minister seit 2012 maßgeblich die Landwirtschaftspolitik in Kiel. Zunächst war Dr. Robert Habeck (Grüne) für Landwirtschaft und ländliche Räume zuständig. 2018 trat sein Parteikollege Jan Philipp Albrecht die Nachfolge auf dem Ministerposten an. Erst in seiner zweiten Amtsperiode als Ministerpräsident entschied Daniel Günther (CDU) nach der Landtagswahl 2022, ein eigenständiges Agrarressort zu etablieren, und setzte den damaligen Präsidenten des Landesbauernverbandes, Werner Schwarz (CDU), als Ressortchef ein. Zehn Jahre grüne Politik „wider Willen“ sind aber nicht spurlos am ländlichen Raum vorbeigegangen.
Auch nach 2022 steckte Schwarz gezwungenermaßen viele Ressourcen zunächst in den Aufbau des Ministeriums. Mit dem Vorsitz Schleswig-Holsteins bei der Agrarministerkonferenz im Jahr 2023 musste er zudem eine eher moderierende Rolle ausfüllen und die beiden Konferenzen in Büsum und Kiel ausrichten. Das kostete ebenfalls Zeit und Kapazitäten. Und obwohl Schwarz den Neun-Punkte-Plan des Ministerpräsidenten erfolgreich umsetzte, wirken die damit verbundenen Erleichterungen für viele wie ein Pflaster auf einer Fleischwunde.
Die großen Herausforderungen bei der Konkurrenz um Fläche, Dokumentations- und Berichtspflichten, Restriktionen beim Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln und praxisfernen Detailregelungen – zum Beispiel in der Knickpflege – produzieren Unzufriedenheit. Bei der Gänsefraßproblematik findet kaum Ursachenbehebung statt – es geht lediglich um Entschädigung. Trotzdem arbeiten Landwirtinnen und Landwirte täglich daran, nachhaltiger zu werden. Jüngstes Beispiel sind die Ostseebeiräte im Rahmen der Zielvereinbarung zum Ostseeschutz, in denen großes ehrenamtliches Engagement an den Tag gelegt wird. Die Ansage von Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne), mehr als 1.000 ha neuer Naturschutzgebiete auszuweisen, ist vor dem Versprechen im Sinne des Dialogprozesses, kooperative Lösungen zu finden, ein widersprüchliches Signal. In der Agrarbranche brodelt es.
Die neue Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbandes, Stefanie Sabet, unterstrich bei ihrem Schleswig-Holstein-Besuch diese Einschätzung. Nach ihren Angaben hätten es Teile der Politik immer noch nicht verstanden, dass die Streichung der Agrardiesel-Rückvergütung nur der Tropfen gewesen sei, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe.
Nun stellt sich die Frage, ob die neue Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) in der Zeit bis zur Landtagswahl 2027 pragmatische Lösungen für die Branche auf den Weg bringen kann. Im Auftaktinterview mit dem Bauernblatt zeigt sie sich optimistisch. Sie ist innerhalb wie außerhalb ihrer Partei gut vernetzt und bringt trotz ihres Alters (34) schon jede Menge politische Erfahrung mit. Mit einem CDU-Wahlergebnis von 43,4 % gegenüber 18,3 % bei den Grünen hat sie zudem ein starkes Argument in den kommenden Verhandlungen mit dem Umweltminister, das sie nutzen muss.
Wenn die Tage kürzer werden, beginnt für viele die schönste Zeit des Jahres – und mit ihr zieht der Weihnachtsstern wieder in die Wohnzimmer ein. Mit seinen farbigen Hochblättern steht er wie kaum eine andere Pflanze für Wärme, Gemütlichkeit und weihnachtliche Vorfreude.
In Schleswig-Holstein wird jedes Jahr rund eine halbe Million Weihnachtssterne kultiviert. Sie zählen zu den meistgekauften blühenden Zimmerpflanzen in Deutschland und behaupten seit Jahren den zweiten Platz hinter der Orchidee. Besonders beliebt bleibt das klassische Weihnachtsrot – doch die Auswahl wächst: Von Apricot und Cremeweiß über Rosa- und Pinktöne bis hin zu zweifarbigen Varianten reicht die Palette, erhältlich als kleine Tischpflanze oder dekoratives Stämmchen.
Viele Betriebe im Land setzen auf kurze Wege: Weihnachtssterne aus Schleswig-Holstein gelangen oft direkt aus dem Gewächshaus in den Handel. Mehrere Fachbetriebe tragen zudem das Gütezeichen Schleswig-Holstein und vermarkten ihre Pflanzen unter „Im Norden gewachsen“ – ein Hinweis auf regionale Herkunft und frische Qualität.
Ursprünglich stammt der Weihnachtsstern aus Mexiko, wo er als imposanter Strauch wächst. In Deutschland ist er seit den 1950er Jahren als Zimmerpflanze verbreitet. Heute stehen über 150 Sorten zur Auswahl, die widerstandsfähiger sind und weniger Wärme zum Wachsen benötigen – ein Pluspunkt auch beim Energieeinsatz im Gewächshaus.
Besuchstipp: In vielen Gärtnereien im Land lässt sich die ganze farbenfrohe Vielfalt aktuell bestaunen – ein stimmungsvoller Auftakt in die Adventszeit.