In der heutigen Landwirtschaft, wo Effizienz und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen, gewinnt die Lagerbelüftungstrocknung weiterhin an Bedeutung. Zeigen doch die politischen Rahmenbedingungen, dass die Ansprüche an die landwirtschaftlichen Arbeitsabläufe weiterhin rationalisiert werden müssen.
Zum einen beobachten wir seit Jahren, dass die Energiepreise eigentlich nur eine Richtung kennen und sich von Jahr zu Jahr verteuern. Zum anderen erleben wir aktuell eine große Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt. Weiterhin verändert sich die Landhandelsstruktur, was zur Folge hat, dass viele kleinere Erfassungslager über kurz oder lang wegfallen werden. Lange Transportwege sind die Folge und binden in der Ernte unnötig Kapazitäten. Jeder der aufgeführten Aspekte wäre für sich Grund genug, um sich mit der hofeigenen Lagerhaltung zu beschäftigen.
Das Prinzip
Die Lagerbelüftungstrocknung basiert auf der Nutzung der Luftfeuchtigkeitsdifferenz zwischen Trocknungsluft und Getreide, um ihm Feuchtigkeit zu entziehen. Man macht sich hierbei das Prinzip des Feuchtegleichgewichts zunutze, denn zu jeder Kornfeuchte gibt es auch einen Gleichgewichtspunkt mit der relativen Luftfeuchtigkeit in Abhängigkeit von der Lufttemperatur. Wird die Trocknungsluft so konditioniert, dass sie dem Trocknungsziel entspricht, so wird das Trocknungsgut ohne weiteres Zutun heruntergetrocknet.
Das Feuchtegleichgewicht ist für fast alle Druschfrüchte bei nahezu identischen relativen Luftfeuchtigkeiten bei unterschiedlichen Kornfeuchten erreichbar. So besteht ein Feuchtegleichgewicht für alle üblichen Getreidearten beispielsweise bei 65 % relativer Luftfeuchtigkeit und 20 °C Temperatur für eine Kornfeuchte von 14 %. Für Raps mit einer Kornfeuchte von 9 % liegt das Feuchtegleichgewicht bei denselben Luftbedingungen. Ausnahmen gibt es glücklicherweise nicht allzu viele. Als relevant für den nord- und mitteldeutschen Raum wäre unter anderem die Sojabohne zu nennen, wo sich ein Feuchtegleichgewicht bei 75 % und 20 °C Lufttemperatur für eine Kornfeuchte von 12 % einstellt.
Das Verfahren folgt hier also den Prinzipien der Lufttrocknung auf dem Halm. Es beginnt im Lager typischerweise am Boden der Trocknungszelle, wo sich das Feuchtegleichgewicht zuerst einstellt. Der Trocknungshorizont, eine Schicht mit intensiver Trocknungsaktivität und einer Mächtigkeit von zirka 70 cm, bewegt sich mit fortschreitender Trocknung nach oben durch den Getreidestapel hindurch. Dieser fortschreitende Trocknungserfolg wird mittels Kombifühler durch die kontinuierliche Messung der Luftfeuchtigkeit und -temperatur verfolgt. Diese Messmethode ermittelt die Kornfeuchte indirekt.
Mittlerweile sind die Algorithmen so genau, dass der Feuchtegehalt des Lagergutes bis auf ein Zehntelprozent bestimmt werden kann. So können moderne Steuerungen den Trocknungsprozess selbstständig regeln und optimieren. Es entfällt der bei anderen Trocknungsverfahren notwendige Überwachungsaufwand. Dies ist eines der zunehmend wichtiger werdenden Argumente, denn welcher Betrieb hat in der Erntezeit schon einen Mitarbeiter frei für die Betreuung hochkomplexer Trocknungsanlagen? Lagerbelüftungstrocknung scheint demnach das ideale Trocknungssystem für die landwirtschaftlichen Betriebe zu sein. Und sie ist es zumindest für den klassischen Marktfruchtbetrieb.
Effizienz
Das Prinzip der Gleichgewichtsfeuchte ist höchst energieeffizient, da zur Erreichung der richtigen Luftkonditionen relativ wenig Energie aufgewandt werden muss. Dies führt dazu, dass das durchschnittliche Wasseraufnahmevermögen der Luft bei rund 1 g Wasser pro 1 m³ Luft liegt. Somit entstehen aber auch Restriktionen für diese Art der Trocknung. Zum einen wird eine relativ hohe Luftrate von 60 bis 80 m³ pro Stunde pro 1 m³ Getreide benötigt, und zum anderen sind die Lagerhöhen aufgrund der Luftrate auf zirka 6,5 m begrenzt, denn das Hohlraumvolumen der Getreideschüttung sorgt für einen entsprechenden Strömungswiderstand. Höhere Schüttungen würden mit deren Strömungswiderstand das Druckvermögen der Gebläse überfordern.
So geht’s praktisch
Grundvoraussetzung der Lagerbelüftungstrocknung ist die gleichmäßige Einschichtung des Lagergutes. Dies sorgt dafür, dass das Belüftungssystem gleichmäßig bedeckt ist und somit die Luft gleichmäßig durch die Schüttung strömen kann. Des Weiteren werden heterogene Gutfeuchten somit egalisiert. Einschichtungssysteme sind also obligatorisch.
Lagerbelüftungstrocknungen können heutzutage sehr viel. Limitierung erfährt dieses System durch die maximale Gutfeuchte. Als Faustregel hat sich in der Praxis bewährt, dass die Feuchtigkeit im Trocknungsgut nicht mehr als 4 % über dem Trocknungsziel liegen sollte. Sofern der landwirtschaftliche Betrieb nicht allzu küstennah liegt, kann die Lagerbelüftungstrocknung das anfallende Trocknungsgut problemlos trocknen. Sollte es kurzfristig zu feuchteren Partien kommen, so empfiehlt es sich, diese Ware behutsam mit trockeneren Partien zu vermischen und dann in die Lagerbelüftungstrocknung einzuschichten.
Energieversorgung
Moderne Lagerbelüftungstrocknungen werden heute fast ausnahmslos mit elektrischen Radialgebläsen als Kerntechnologie betrieben. Diese sind mit Motoren der. Energieeffizienzklasse vier ausgestattet, welche sich problemlos mit einem Frequenzumrichter in der Drehzahl reduzieren lassen. Somit kann über die Steuerung der Luftrate das Lagergut getrocknet oder aber im Laufe des Tages regelmäßig gekühlt werden. Vorteil der Elektrogebläse ist, dass diese auch mit Regenerativer Energie betrieben werden können. Da viele landwirtschaftliche Betriebe mittlerweile selbst Energie produzieren, kann somit die Energie für den Trocknungsprozess oftmals schon auf dem eigenen Betrieb erzeugt werden.
Oftmals ist es so, dass während des Trocknungsprozesses, der in der Regel bis zu 14 Tage lang dauert – selten länger –, die Außenluftbedingungen derart schwanken, dass die Luftkonditionierung zur Trocknung nur gelingen kann, wenn zusätzlich eine thermische Anwärmung der Trocknungsluft um maximal 5 K erfolgt. Nach hinlänglichen Beobachtungen ist dies in 3 bis 12 % der Gebläselaufzeit der Fall. Diese Anwärmung kann unterschiedlich erfolgen. Üblicherweise wird jedoch auf Propangas als Wärmequelle gesetzt. Erste Konzepte sehen aber auch hier schon eine Elektrifizierung vor.
Lagerbelüftungstrocknungen sind als Konzept in Neubauten, aber auch in Umbauten von Altbeständen umsetzbar. Gerade die Einfachheit dieses Trocknungssystems macht es eigenleistungsfreudigen Betriebsleitern möglich, bei vorhandenem Altbestand günstige Lagerungs- und Trocknungskapazitäten zu schaffen.
Zwei Modelle
Für Neubauten bieten sich zwei Marktlösungen an. Zum einem gibt es Anlagenbauer, die Lagerbelüftungstrocknungen als Hallenkonzepte anbieten. Diese haben den Charme, dass alles unter Dach stattfindet. Somit sind in der Regel alle Staub- und Lärmfragen hinlänglich gelöst. Begrenzend wirkt der Brandschutz. Größere Hallenkomplexe benötigen dadurch zusätzliche Brandschutzmaßnahmen, die eine Investition deutlich verteuern können. Auf der anderen Seite sind wettergeschützte Arbeitsbereiche für zukünftige Mitarbeiter deutlich attraktiver als ungeschützte. Lagerbelüftungstrocknungen in Hallenkonzepten benötigen in der Regel immer noch eine mobile Entnahme mit Radlager, Telelader oder aber Gabelstapler.
Als einzige Systemlösung im Bereich der Lagerbelüftungstrocknung hat sich die der Firma Bintec etabliert. Diese bietet in sich geschlossene Konzepte an. Zum einem gibt es die klassische Variante mit mobiler Befüll- und Entnahmeschnecke sowie Trocknungssilo zu seinem sehr attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis. Zum anderen bietet sie auf Kundenwunsch in Zusammenarbeit mit bekannten Zulieferern Silokonzepte mit stationärer Fördertechnik an. Dies sind dann zwar komplexere Anlagen, aber hier hat der Hersteller auf den Kundenwunsch nach mehr Komfort reagiert.
Fazit
In einer Zeit, in der die Landwirtschaft vor der Herausforderung steht, innovative und nachhaltige Lösungen zu finden, um die Effizienz zu steigern und den ökologischen Fußabdruck zu minimieren, erweist sich die Lagerbelüftungstrocknung als eine Schlüsseltechnologie. Sie repräsentiert den Fortschritt in der Agrartechnologie und das Bestreben, auf steigende Energiekosten, Umweltauflagen und globale Herausforderungen der Nahrungsmittelproduktion adäquat zu reagieren. Mit ihrem effizienten Trocknungsprinzip, das die natürlichen Eigenschaften der Luft nutzt, ermöglicht sie signifikante Energieeinsparungen und trägt zur Reduzierung von Betriebskosten und zum Umweltschutz bei. Die Lagerbelüftungstrocknung ist ein Paradigma für nachhaltiges Wirtschaften in der Landwirtschaft, da sie Betrieben ermöglicht, unabhängiger von schwankenden Energiepreisen zu werden und die Qualität der gelagerten Produkte zu verbessern. Durch die kontinuierliche Weiterentwicklung und Integration Erneuerbarer Energien wird sie zu einem Teil der Lösung im globalen Bestreben, nachhaltige Energiequellen zu fördern und den Klimawandel zu bekämpfen. Insgesamt zeigt die Lagerbelüftungstrocknung, wie durch technologische Innovation, Verständnis für natürliche Prozesse und Engagement für Nachhaltigkeit Landwirtschaftsbetriebe effizienter, umweltfreundlicher und zukunftssicherer gestaltet werden können.




