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Sinnlich-poetische Blumenstillleben

Natur-Installationen der Künstlerin Rebecca Louise Law jetzt auch auf der Museumsinsel Schloss Gottorf erlebbar
Von Iris Jaeger
Eine Million getrockneter Blüten, Blätter und Pflanzenteile aus der privaten Sammlung der britischen Künstlerin wurden zu einem überwältigenden, dreidimensionalen Stillleben zusammengefügt. Foto: Iris Jaeger

Mit ihren Installationen „Grain“ und „The Field“ aus Getreide, Blüten und Pflanzenteilen wusste die britische Künstlerin Rebecca Louise Law bereits Anfang März im Jahr100Haus in Molfsee und im Jüdischen Museum Rendsburg zu beeindrucken (siehe BB 10/2026). Nun setzt sich ihre Ausstellungsreihe mit „Honesty“ und „Florilegia“ im Gottorfer Globushaus sowie in der Reithalle auf der Museumsinsel Schloss Gottorf in Schleswig fort. „State of Nature“, wie die Gesamtausstellung aller vier Standorte betitelt ist, ist mehr als nur das Anschauen von Kunst, es ist ein sinnlich-poetisches Erleben von Natur im Innenraum.

Tausende silbrig schimmernde Lunaria-Blätter, zu luftigen Girlanden gebunden, verwandeln den Ausstellungsraum im Gottorfer Globus.
Foto: Iris Jaeger

In Girlanden hängen Tausende Silberblätter von der Decke des Ausstellungsraumes im Gottorfer Globushaus. Sie schimmern wie Mondlicht, was sich auch im botanischen Namen des Silberblatts widerspiegelt: Lunaria annua, wie Luna, der Mond. Thematisch schließt sich das an den Globus an, der im Inneren den Sternenhimmel zeigt. Vor zwei Jahren entstand die Idee, im Barockgarten des Schlosses eine Ausstellung zu organisieren, die den Aspekt des „Gottorfer Codex“ aufgreift. „Der ,Gottorfer Codex‘ ist ein vierbändiger Pflanzenatlas, der von Hans Simon Holtzbecker im Auftrag Herzog Friedrichs III. von Schleswig-Holstein-Gottorf von 1649 bis 1659 erstellt wurde. Unter Herzog Friedrich wurde nördlich des Gottorfer Schlosses der sogenannte Neuwerkgarten angelegt, ein frühbarocker Terrassengarten, der neben dem berühmten Globushaus auch mit einer Vielzahl exotischer Pflanzen geschmückt wurde“, lautet dazu eine Beschreibung. Mit „Honesty“, übersetzt Wahrhaftigkeit, soll der botanische Reichtum des Gartens aufgegriffen werden.

Und wie ein Samen, den man in die Erde legt, der dann aufkeimt und erblüht, reifte die Ausstellungsidee ebenso weiter. So kam es, dass jetzt vier Museumsstandorte in Schleswig-Holstein die einzigartigen Installationen von Rebecca Louise Law präsentieren. Für die Landesmuseen ist es eine Premiere und für die Künstlerin eine der größten Ausstellungen, die sie bislang realisiert hat.

Entstanden sind Erfahrungsräume mit einzigartigen und überwältigenden Blumenstillleben, die durch die Begehbarkeit und das sinnliche Erleben in den Bann ziehen und faszinieren. Der Duft, die Anzahl an Blüten, einzeln aufgefädelt auf Draht, die raumgreifenden Dimensionen machen diese vier Ausstellungen so besonders. Höhepunkt dieser Kunstschau ist die Retrospektive der Britin in der Reithalle.

Blick von unten in die beeindruckende Installation aus Millionen getrockneter Blüten und Pflanzen
Foto: Iris Jaeger

Mehr als eine Million getrockneter Blumen und Blätter aus Sammlungen von 20 Jahren hängen dort an Drähten von der Decke, jede Blüte und jedes Blatt wurde einzeln aufgefädelt von vielen helfenden Händen – Menschen und Erlebnisse, an die sich die Künstlerin gern zurückerinnert. Allein für die vier aktuellen Ausstellungen haben sich mehr als 320 Freiwillige seit 2024 in Molfsee, Rendsburg und auf der Museumsinsel in Blomentüddel-Clubs getroffen, um Blüte für Blüte, Halm für Halm auf Kupferdraht aufzufädeln. Mehr als 12.000 Haferhalme, 7.000 Lunariablätter, 5.000 Weizenähren und 6.000 weitere Trockenblumen wurden in den Treffen verarbeitet.

Mensch und Natur hängen unweigerlich miteinander zusammen, das Enstehen und Vergehen von Leben, das Wirken der Menschen in der Natur, der Umgang mit Natur sowie das Thema Nachhaltigkeit sind die bestimmenden Aspekte in der Kunst von Rebecca Louise Law. Aus der Malerei kommend, werden neben den Installationen auch Skizzen und Gemälde aus 20 Jahren Schaffenszeit gezeigt, die diese Aspekte aufgreifen und wiedergeben. Alles Leben, das ensteht, ist von einer schützenden Hülle umgeben. Cocooning ist ein weiterer Aspekt in der Kunst der Britin, dem ein eigener Ausstellungsbereich gewidmet ist. Wie wichtig der Künstlerin das Thema Nachhaltigkeit ist, zeigt sich zudem in ihren Werken, in denen sie das bei Fädelaktionen ausschüssige Material aufgefegt und wiederverwendet hat. In Schaukästen finden sich diese Reste aus Pflanzen und Draht bunt zusammengemischt wieder sowie in mit Draht gewebten Wandbildern. Zu sehen sind auf der Empore auch ihre Tagebücher, in denen sie ihre Faszination für Pflanzen und Natur sowie ihre Beobachtungen und Empfindungen in Gedichten, Texten und Zeichnungen festhält. Dort wurden zudem gemütliche Sitzecken zum Lesen und Betrachten eingerichtet.

Für das Erleben aller vier Ausstellungen gibt es ein spezielles Law-Ticket für den Sonderpreis von 29 €. Weitere Informationen unter
www.landesmuseen.sh

Aus Pflanzen gewobene Wandbilder sind Teil der Ausstellung in der Reithalle auf der Museumsinsel in Schleswig.
Foto: Iris Jaeger
Nachhaltigkeit ist eine Herzensangelegenheit der Künstlerin und so werden alle Pflanzenreste und ausschüssiges Material nach Blumenbindeaktionen zusammengekehrt und wiederverwendet.
Foto: Iris Jaeger
Zeichnungen und Gemälde aus 20 Jahren Schaffenszeit zu der Entstehung von Leben und der Beziehung von Mensch und Natur sind ebenfalls in der Reithalle zu sehen.
Foto: Iris Jaeger
Rebecca Louise Law kommt von der Malerei, bis sie die Blumeninstallationen für sich entdeckte.
Foto: Iris Jaeger
Entstehen und Werden von Leben, umwirkt von einer schützenden Umgebung wie in einem Nest
Foto: Iris Jaeger
Rebecca Louise Law vor einem ihrer Wandbilder aus Pflanzen
Foto: Iris Jaeger


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