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Passt. Aufeinander. Auf.

Editorial
Von Sönke Hauschild
Ein enges Netzwerk kann helfen, Lasten gemeinsam zu tragen. Foto: sh

Landwirtschaft ist ein hartes Geschäft. Der Landwirt ist Mengenanpasser im Markt und Wetteranpasser in der Natur. Jedes Jahr bekommt er eine ehrliche Rückmeldung, was er auf dem Hof richtig gemacht hat. Ebenso ehrlich ist ein funktionierender Markt. Eine ehrliche Rückmeldung würde sich nicht nur der Landwirt von der Politik wünschen. Doch die agiert in Legislaturperioden, während er selbst zwischen langen Investitionszeiträumen und dem noch längeren Generationenvertrag hängt.

Bäuerinnen und Bauern können stolz sein auf das, was sie täglich auf ihren Schultern tragen. Die Arbeit auf dem Hof ist auch deshalb hoch befriedigend, weil sie mit Leben zu tun hat: Nicht nur die erzeugten Nahrungsmittel sind Mittel zum Leben, sondern auch das, was damit einhergeht: der vielfältige ländliche Raum, der Schutz der Böden und Gewässer, die Artenvielfalt – man denke nur an das Knicknetz im Land. Das passt.

Lasten gehören zum Leben. Ein alter Mann sagte rückblickend: „Die schwerste Last im Leben ist es, keine Last zu tragen.“ Doch Druck, insbesondere die teils irre Bürokratie, kann einem den letzten Nerv rauben. Kommen schlechte Preise oder persönliche Probleme hinzu, kracht es schnell. Man verliert die Übersicht und irgendwann den Mut. Ab dem Moment reagiert jeder anders. Mancher Halm biegt sich im Wind, ein anderer knickt oder bricht ab. Passt auf!

Familie, Gesundheit, Erfolg können als Halmverstärker wirken. Doch am Ende entscheidet sich im Inneren eines jeden, wie man die Welt und sich selbst betrachtet. Der Begriff „Seele“ drückt aus, dass der Mensch mehr ist als eine gut geölte Maschine. Er besteht nicht nur aus Händen zum Anpacken und einem Kopf zum Denken. Die Seele ist das, was jeden Menschen als Wesen ausmacht, das es so kein zweites Mal gibt. Die Seele sinniert, sie fühlt und hat ein Bewusstsein. Sie muss auch einmal „baumeln“. Sie braucht Gemeinschaft: Fürsorge, Entspannung und einen Sinn im Leben.

Passt aufeinander auf! Menschen sind füreinander gemacht. Doch die viele Arbeit auf dem Hof kann ebenso einsam machen, wie ungelöste Probleme oder eine individuelle Sensibilität, die vorschnell abgetan wird. Es braucht Gespräche, nicht nur über Fachthemen, sondern auch über die eigene Seele – und die des anderen. Laden wir uns ein. Nehmen wir uns wahr. Nehmen wir uns mit hinein ins Leben.

Das Gespräch kann eine Erste Hilfe sein. Daneben gibt es zahlreiche weitere: Das Sorgentelefon – die Nummer steht in jeder Ausgabe des Bauernblattes. Oder Angebote der SVLFG (Seite 11). Auch der Glaube kann helfen, einen Sinn über das „Maschinendasein“ hinaus zu entdecken.

1906 wurde das Morsesignal SOS auf einer Funkkonferenz in Berlin als weltweites Seenotrufzeichen eingeführt. Es wurde gewählt, weil es einfach zu übermitteln und unverwechselbar ist. Aus der Buchstabenfolge entstand im Nachhinein „Save Our Souls“. Manchmal braucht es schnelle Hilfe.

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