Wie können wirksame Maßnahmen zum Herdenschutz in der Praxis gelingen und welche Erfahrungen gibt es bereits? Halter von kleinen Wiederkäuern, Rindern, Pferden und Gehegewild erhielten beim 1. Zauntag am Landwirtschaftlichen Bildungszentrum (LBZ) Echem im Landkreis Lüneburg vergangenen Freitag in Fachvorträgen, Technikvorführungen und einer Ausstellung im Freigelände Anregungen, wie den Herausforderungen bei der Haltung von Weidetieren jetzt und in Zukunft begegnet werden kann.
Zur Premiere des Zauntags waren Berater aus zehn Bundesländern, 18 Organisationen und Verbänden sowie knapp 30 Firmen aus dem Bereich Tierhaltung und Weidezäunung gekommen. Mehr als 300 Weidetierhalter und Interessierte fanden nach Angaben der Veranstalter den Weg in den Nordosten Niedersachsens. Ausgerichtet wurde der Zauntag von der Herdenschutzberatung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK NI) gemeinsam mit Fachkollegen aus Schleswig-Holstein auf dem Gelände des LBZ Echem.
Positiv fiel das Fazit von Elke Steinbach aus, Koordinatorin der Herdenschutzberatung bei der LWK NI und Mitorganisatorin des Zauntags: „Wir wollten mit dem Format nah am Tierhalter sein und eine greifbare, praxisnahe Unterstützung schaffen, damit die Gäste etwas für sich mitnehmen können und sehen, dass sich mit dem Thema auseinandergesetzt wird.“ Das Programm sei für den Privathalter von Weidetieren ebenso wie für den Landwirt aufbereitet worden, sagte Steinbach, und diene als Hilfestellung und Orientierung.
Eindrücke der Veranstaltung gibt es in der Diashow:
„Unser Ziel war es, länderübergreifend den Stand der Technik bei Weidezäunen zu zeigen und darzulegen, was in dem Bereich möglich und am Markt erhältlich ist“, fasste Mitinitiator Jochen Heinrich Martens, beim Landesamt für Umwelt Schleswig-Holstein im Wolfsmanagement tätig, die Idee des Informationstages zusammen. Zusätzlich zur Wissensvermittlung diene der Zauntag auch dazu, dass Weidetierhalter ihre Zäune nötigenfalls infrage stellten, erklärte Martens, der in diesem Zuge auf Fördermöglichkeiten für den Zaunbau durch das Land hinwies. Vielfach seien Zäune nicht funktionstüchtig oder würden nach veralteten Methoden und mit veralteten Materialien errichtet. „Der Wolf aber ist jetzt und in Zukunft Bestandteil unserer Tierhaltung“, unterstrich Martens, der Wissen zu Schafhaltung und Zäunungen auch in Kursen der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein vermittelt, die Bedeutung von Maßnahmen zum Herdenschutz.
Die Referenten informierten über Mythen und Fakten von DNA-Analysen bei der Aufklärung von Nutztierrissen, über Erfahrungen mit der Rissaufnahme, zu Versicherung und Haftung im Herdenschutz oder zur wolfsabweisenden Zäunung von Rindern, Gehegewild und Pferden. Erkenntnisse gab es zudem über den fachgerechten Zaunbau, zu Elektrifizierung und Erdung oder zur wolfsabweisenden Zäunung an Hanglagen oder Bächen und darüber hinaus zum Einsatz von Herdenschutzhunden in der Schafhaltung.
Auf dem Außengelände teilten Hersteller Hinweise zum Bau von Festzäunen, zum Einsatz von Mulch- und Freischneidetechnik, gaben Einblicke in automatisierte Litzen- und Netzwickeltechnik für den Bau von Mobilzäunen und stellten einen wolfsabweisenden Zaun aus Solarpaneelen vor.
Wie das Zaunmanagement der Zukunft aussehen könnte, demonstrierten Studierende der Universität Kassel anhand eines „Zaunroboters“, der Zäune selbstständig freischneidet und gleichzeitig Fehler detektiert. „Wir konnten mit dem Zauntag Bewährtes und Innovatives zusammenbringen“, resümierte Elke Steinbach, die sich zudem über die Offenheit und Wissbegierde der Besucher und den an diesem Tag geförderten Austausch zwischen Firmen, Verbänden und Weidetierhaltern freute. Neben einem Zaunbauwettbewerb und einer Besichtigung der Gehegewildanlage des LBZ fanden zudem Führungen auf der dauerhaft errichteten Musterzaunanlage statt, die neun unterschiedliche Varianten zum Schutz von Schafen, Ziegen, Gehegewild, Rindern und Pferden zeigt.
Ziel der Veranstalter ist es nun, den Zauntag als wiederkehrendes Format zu etablieren. Das Thema Herdenschutz wird seine Brisanz im Land auf absehbare Zeit nicht verlieren.




