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Beprobungen bei „InnoRind“ laufen nach Plan

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Die landwirtschaftliche Routine in der Kälberhaltung sieht standardmäßig eine Einzelhaltung der Kälber nach der Geburt vor. Um das Tierwohl zu verbessern und den Kälbern eine frühe Sozialisierung zu ermöglichen, wurde am Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp (LVZ) bereits im vergangenen Jahr die frühe Gruppenhaltung im Iglubereich etabliert. Erste Versuchsergebnisse liegen nun vor.

In der frühen Gruppenhaltung in Futterkamp haben bis zu acht Kälber die Möglichkeit, ab dem zweiten bis zum 14. Lebenstag in einer Kleingruppe aufzuwachsen. Das Haltungssystem in Futterkamp ermöglicht durch herunterklappbare Ausläufe eine individuell gesicherte Kolostrumversorgung innerhalb der ersten Lebenstage. Die frühe Gruppenhaltung repräsentiert die Versuchsgruppe. Weiterhin werden auch Kälber in Einzeliglus aufgestallt, welche die Kontrollgruppe abbilden.

Nicht nur Baumaßnahmen im Kälberbereich sind in dem Projekt eingeschlossen, sondern auch Untersuchungen zur Verbesserung des Tierwohls der abkalbenden Kühe. Die dazugehörige Umbaumaßnahme im Abkalbebereich wurde im Februar abgeschlossen. Drei Wochen vor dem errechneten Kalbetermin beziehen die Kühe und Färsen nun einen flächenmäßig verdoppelten Abkalbebereich. Zwei der Gruppenbuchten sind mit Separees als Rückzugsmöglichkeit ausgestattet. Kühe und Färsen werden weiterhin in getrennten Gruppen gehalten. Alle Kühe, die in den Gruppenbuchten mit Separee laufen, sind Teil der Versuchsgruppe.

Parallel gibt es weiterhin Einzelbuchten, welche die Kontrollgruppe repräsentieren. Die Umbaumaßnahmen und Neugestaltungen sind Teil des Projektes „Innovationsnetzwerk Rind (InnoRind)“ und werden nun mittels Probenentnahmen und Beurteilungssheets systematisch beobachtet und analysiert. Die Probennahme ist am 9. März mit dem ersten Kalb und der dazugehörigen Kuh gestartet und soll rund ein Jahr andauern.

Die Kälber werden sehr engmaschig gesundheitlich untersucht und beurteilt.

Versuchsaufbau im Überblick

Sobald die Kalbung erfolgt ist, werden sowohl die Kuh als auch das Kalb in den Versuch integriert. Es wird bei den Betrachtungen berücksichtigt, ob die Kuh in der Gruppe im Separee gekalbt hat oder in der Einzelhaltung. Weiterhin werden die Kalbungen mittels Videokameras begleitet und der Kalbeverlauf einbezogen. Die Annahme der Separees und die Kalbeverläufe darin sind Bestandteil einer Fragestellung innerhalb des Versuchs.

Direkt nach der Kalbung, spätestens zur nächsten Melkzeit, werden die Kälber in die frühe Gruppenhaltung beziehungsweise, wenn diese mit acht Kälbern voll belegt ist, in die Einzel­iglus eingestallt. Im Iglubereich erfolgen dann einige Beprobungen und Beobachtungen, um die Leistungsentwicklung, Gesundheit sowie das Stressniveau in den beiden Haltungssystemen herausfiltern und vergleichen zu können. Am 15. Lebenstag werden die Kälber in die weitere Gruppenhaltung umgestallt. Dort wird weiterhin die Leistungs- und Gesundheitsentwicklung der Kälber erfasst und verglichen.

Beprobungen der Tränkekälber

Zwischen dem zweiten und dritten Lebenstag wird allen Kälbern eine kleine Menge Blut abgenommen. Nach dem Abzentrifugieren wird dann mittels Refraktometer der Brix-Wert bestimmt und so die Kolostrumversorgung der Kälber beurteilt. Als weniger invasiv, aber genauso informativ stellen sich die genommenen Speichelproben dar. Im Labor wird hier der Gehalt des Stresshormons Cortisol festgestellt und so das Stressniveau beurteilt.

Zentrifugierte und eingefrorene Blutprobe zur Bestimmung der Versorgung des Kalbes durch die Kolostrumgabe

Die Speichelproben werden jeweils zu drei bestimmten Zeitpunkten genommen. Die erste Probe erfolgt am vierten Lebenstag, die zweite am zehnten und die dritte zum Zeitpunkt des Umstallens in die weitere Gruppenhaltung am 15. Lebenstag. Auch in diesem Zusammenhang wird verglichen, ob Kälber aus der frühen Gruppenhaltung durch erhoffte Vorteile der frühen Sozialisierung zum Zeitpunkt des Gruppenwechsels ein geringeres Stressniveau haben als die Kälber aus den Einzeliglus.

Zur engmaschigen Überwachung der Gesundheitsentwicklung werden die Kälber mehrfach wöchentlich durch einen Gesundheits-Check beurteilt. Ziel ist es, regelmäßig Allgemeinzustand, Nasenfluss, Ohrenstellung, Kotverschmutzungen, Nabel, Augen und Husten zu beurteilen und zu dokumentieren. Weiterhin werden bei den Kälbern zusätzlich einmal wöchentlich die Atemfrequenz, Herzfrequenz und Rektaltemperatur sowie die Kotkonsistenz erfasst. Diese Gesundheits-Checks werden bis zum Abtränken (77. Lebenstag) erfolgen und zusätzlich durch die Kontrolle der Gewichtsentwicklung aus betrieblichen Routinewiegungen ergänzt.

Zusatzproben erfolgen auch

Innerhalb des Projektes sind Untersuchungen der Erregerübertragung am Beispiel von Darmbakterien (Escherichia coli, positiv für ESBL (extended-spectrum beta-lactamase)) im Iglustall vorgesehen. Dafür werden in Futterkamp 20 weiblichen Kälbern im Einzeliglu und 20 weiblichen Kälbern in der frühen Gruppenhaltung Kotproben entnommen und analysiert. Die Entnahme erfolgt am zweiten beziehungsweise dritten Lebenstag, zum Zeitpunkt des Umstallens und zwischen dem 22. und 23. Lebenstag. Grund für diese Untersuchung sind Fragestellungen zum Einfluss des Kalb-Kalb-Kontaktes auf die Infektionsdynamik.

Ein wöchentlich mehrfacher Gesundheits-Check der Kälber erfolgt in einer ruhigen Umgebung.

Welche Erfahrungen gibt es?

Zum heutigen Zeitpunkt befinden sich 23 Kälber im Versuch. Täglich werden Kälber beurteilt und beprobt. Durch die Digitalisierung der Bewertungsbögen und Listen ist die Datenerfassung im Stall erleichtert worden. Die Beprobungen und Beurteilungen der Kälber bewirkten bisher nur geringe Stressanzeichen bei den Kälbern, insofern sich auch unruhigere Kälber bereits kurz nach der Beprobung wieder beruhigten und keine weiteren Stressanzeichen zeigten. Auch die Kühe, die zur Messung der Herzfrequenz einen Gurt umgelegt bekamen, zeigten sich unbeeindruckt ohne auffällige Stressanzeichen.

Die Wahl des Abkalbeortes ist bislang geteilt. Die eine Hälfte der Kühe wählte das Separee zur Abkalbung, die andere Hälfte blieb in der Gruppe und kalbte dort ab, ohne sich zurückzuziehen. Nichtsdestotrotz hatten die Kalbungen bislang einen komplikationslosen und leichten Verlauf. Im Kälberbereich lässt sich jetzt schon feststellen, dass die Kälber aus der frühen Gruppenhaltung beim Wechsel in die weitere Gruppenhaltung ruhiger, aufgeweckter und motivierter sind. Zudem ist ihnen der Tränkeautomat bekannt und es bedarf keinerlei Gewöhnung. Die Gewöhnung an den Tränkeautomaten in der frühen Gruppenhaltung wurde durch den Nachahmungseffekt positiv beobachtet.

Es sind erste aktuelle Eindrücke und Beobachtungen im Stall. Die genaue statistische Auswertung der Proben und Beobachtungen erfolgt am Ende des Versuchs im Sommer 2025. Durch die noch engere gesundheitliche Überwachung fallen Ausschläge in der Gesundheit sofort auf und ermöglichen ein noch schnelleres Eingreifen.

Fazit

Die aktive ­Probenentnahme für die Versuche zur Steigerung des Tierwohls innerhalb des Kälber- und Abkalbebereiches im Projekt „InnoRind“ läuft seit Anfang März in Futterkamp. Aktuell befinden sich 23 Kälber im Versuch. Alle beteiligten Kühe und Kälber werden täglich beobachtet und im Hinblick auf zum Beispiel die Gesundheit beurteilt. Bislang verläuft der Versuch nach Plan.

Energiewende wird zum Standortvorteil

Vor der anstehenden Europawahl blickten mehr als 670 Teilnehmer beim Windbranchentag in Husum vorigen Mittwoch auf die energiepolitische Rolle Schleswig-Holsteins in Europa – und umgekehrt. Zwar sei der Ausbau der Windenergie im Land auf einem guten Kurs, doch für die angestrebte Klimaneutralität bis 2040 müssten die Beschleunigungsmöglichkeiten, die die EU ihren Mitgliedstaaten bereitstelle, konsequent umgesetzt werden.

Ein derart großer Konsens über die Notwendigkeit der Energiewende wie heute habe bisher nie bestanden, sagte Bärbel Heide­broek, Vorsitzende des Bundesverbandes Windenergie (BWE), und appellierte an Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), hier „auf Kurs“ zu bleiben. Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine hätten die Menschen verstanden, dass Erneuerbare Energien für den Klimaschutz, aber auch für die wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit wichtig seien.

Ministerpräsident Daniel Günther Foto: jh

Heidebroek begrüßte das auf dem Weg befindliche Solarpaket I, das der Bundestag zwei Tage später verabschieden sollte: „Durch die Umsetzung der europäischen RED-III-Richtlinie in deutsches Recht können Windvorranggebiete zu Beschleunigungsgebieten erklärt werden.“ Einen Wermutstropfen stellt für die BWE-Präsidentin die Duldungspflicht im Solarpaket dar: „Es geht uns nicht darum, bei Eingriffen nicht zu entschädigen, aber wir müssen mit der Energiewende vorankommen und dürfen nicht blockiert werden von Einzelnen, die ihren persönlichen Vorteil sehen. Hier hoffen wir auf Nachbesserung.“

LEE SH-Geschäftsführer Marcus Hrach sagte dazu: „Schleswig-Holstein kann davon profitieren, dass naturschutzrechtliche Prüfungen bereits auf der Planungsebene durchgeführt werden. Bisher wurde das in den einzelnen Genehmigungsverfahren geprüft.“ Das Land brauche vom Bund daher schnellstmöglich Klarheit, wie die RED-III-Vorgaben zielführend national umgesetzt würden. Dabei solle das Augenmerk auf „Beschleunigung, unbürokratischer Handhabung und geeigneten Maßnahmen für den Artenschutz“ liegen.

Zufrieden mit den jüngsten Genehmigungs- und Zubauzahlen zeigte sich Wolfgang Stapelfeldt, Vorsitzender des BWE SH, kritisierte aber die Flächenplanung im Land, die aus Sicht des Verbandes zu langsam vorangehe. „Die geplanten gut drei Prozent der Landesfläche sind durch die Rotor-in-Regelung zu knapp bemessen. Hier muss mehr kommen“, sagte er. Zur nationalen Umsetzung der Red-III-Richtlinie forderte der Landwirt, dass alle aktuell ausgewiesenen und alle künftigen Vorranggebiete „definitiv zu Beschleunigungsgebieten erklärt werden müssen“.

Die Gemeindeöffnungsklausel (GÖK) stellt Stapelfeldt zufolge einen wichtigen Baustein der Energiewende dar, doch auch hier sei die Landesregierung zu zögernd: „Es werden weitere Hürden aufgebaut durch die Änderungen im Landesentwicklungsplan, wo Ausschlusskriterien zu Zielen der Raumordnung erklärt werden sollen.“ Dadurch werde die GÖK ausgebremst. Gemeinden einen größeren, positiven Handlungsspielraum zu lassen, sei absolut richtig. Bis zur Rechtskraft neuer Regionalpläne könne die GÖK Lücken im Zubau schließen. „Diese Chance darf nicht verpasst werden“, so Stapelfeldt. Die Branche wolle weiter nach vorn gehen und wisse auch um die Brückenfunktion Schleswig-Holsteins für Skandinavien. „Europa schaut auf Schleswig-Holstein als Modellbundesland bei den Erneuerbaren“, hielt Stapelfeldt fest.

Der „Kampf zwischen Joe Biden und Europa wird aus Norderwöhrden und Lohe-Rickelshof aufgenommen“, veranschaulichte Ministerpräsident Günther und sprach von einem fundamentalen Interesse Schleswig-Holsteins, den Ausbau der Erneuerbaren weiter voranzutreiben. Zugleich appellierte Günther, den „problematischen Regionalraum“ nicht auszunutzen, um überborden viel zuzubauen, sondern sich weiter an die „normalen Regeln im Land“ zu halten, um die Akzeptanz auch in diesem Planungsraum nicht zu gefährden.

Der Ministerpräsident sprach sich für mehr Optimismus, Eigenverantwortung und Zuversicht aus: „Wir haben Ansiedlungserfolge, die nur darin liegen, dass wir auf den konsequenten Ausbau Erneuerbarer Energien gesetzt haben.“ Das Vorhaben, klimaneutrales Industrieland werden zu wollen, habe nichts mit Deindustrialisierung zu tun. Investitionsentscheidungen wie die des Unternehmens Northvolt seien auch für andere Unternehmen im Land ein Gewinn: „Die Menschen werden sich danach ausrichten“, so Günther. Energiewende-Staatssekretär Joschka Knuth (Grüne) ergänzte: „Die Windenergie ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Schleswig-Holstein. Allein 2023 lagen die Investitionskosten bei mehr als 900 Millionen Euro. Wertschöpfung und Beschäftigung in der Windbranche werden weitersteigen.“ Bereits 2021 waren in Schleswig-Holstein rund 15.500 Menschen in der Erneuerbare-Branche beschäftigt, mehr als die Hälfte davon in der Windenergie.

Ausbauzahlen in SH

In Schleswig-Holstein werden 3.169 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 8,37 GW betrieben. Im ersten Quartal 2024 wurden 62 Anlagen mit einer Leistung von 231 MW neugenehmigt, weitere 265 Neugenehmigungsanträge sind in Bearbeitung. Damit steigt die installierte Leistung auf rund 8,5 GW, weitere rund 2 GW kommen in den nächsten Monaten durch bereits genehmigte Anlagen dazu. pm

Wolfgang Stapelfeldt (li.), Bärbel Heidebroek und Moderator Jörn Genoux Foto: jh

Mit Codierung Fahrräder schützen

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Der E-Bike-Boom hält unvermindert an: 2023 wurden in Deutschland erstmals mehr E-Bikes (53 %) als herkömmliche Fahrräder (47 %) verkauft. Um E-Bikes und Fahrräder, die oft sehr teuer in der Anschaffung sind, noch besser vor Diebstahl zu schützen, gibt es eine bundeseinheitlichen Fahrradcodierung. Der OV Wacken und Umgebung organisierte einen öffentlichen Termin für die Codierung, der nicht nur von LandFrauen rege genutzt wurde.

Mit Familie Schenk in Wacken, der Firma Heilmann aus Burg und der Polizeidienststelle Itzehoe fanden die LandFrauen Partner für ihre Aktion. Die Polizei war wichtig, weil vor der Codierung anhand des Personalausweises und/oder des Kaufvertrages zunächst der rechtmäßige Besitz festgestellt wurde. Die Codierung hilft nicht nur, gestohlene Räder, die wieder aufgefunden wurden, zweifelsfrei dem richtigen Besitzer zuzuordnen. Sie erschwert auch den Weiterverkauf, denn der ist bei Fahrrädern mit Codierung ohne Eigentumsnachweis nicht möglich. Zudem wird die Nummer gut sichtbar direkt in den Rahmen geprägt und die Akkus von E-Bikes erhalten spezielle Aufkleber mit der Codierung. Das sei für Diebe ein Grund, die Finger von diesen Fahrrädern zu lassen, so die Erfahrung der Polizei. Es können auch andere Gegenstände wie Werkzeuge, Rasenmäher, Roller, Fahrradträger oder -anhänger codiert werden. Die Firma Heilmann kommt auch gern in weitere Vereine. Weitere Informationen unter www.fahrradcodierer.de

Über 60 Interessenten kamen zu der von den LandFrauen organisierten Codierungsaktion nach Wacken.

Dialog nach der Demo in Bothkamp

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Im Rahmen der Bauerndemonstrationen standen Anfang des Jahres in Absprache mit dem Marktleiter des Rewe-Markts in Wankendorf Landwirte mit vier Traktoren auf dem Parkplatz „Die Resonanz der Kunden war da, aber mir fiel auf, wie viele offene Fragen es gibt und wie hoch die Hemmschwelle ist, einfach zu fragen“, erinnert sich Dorothea Storm, Vorsitzende des OV Kirchbarkau.

Angeregt von einer Veranstaltung der Kirchengemeinde in Bokhorst zum Thema „Dialog mit der Landwirtschaft“, schlug sie ihrem Vorstand vor, diese Idee aufzugreifen. Das kam gut an und Storm fand auch Bauern aus der Region, die sich den Fragen der Bürger stellen wollten. Heiner Staggen erklärte sich bereit, die Moderation zu übernehmen. Doch je näher die Veranstaltung rückte, um so mehr stieg das Lampenfieber. Würde überhaupt jemand kommen? Würde ein guter Dialog entstehen?

Beide Fragen beantwortete der Abend im Leckerhölkenhus mit Ja. Die Veranstaltung war nicht nur gut besucht, die Besucher hatten Mut zu fragen und die Bauern die Chance zu antworten. „Aufgrund der guten Resonanz wollen wir im Herbst zu einem weiteren Dialog einladen“, so die Initiatorin. Für die LandFrauen Kirchbarkau sei das ein Beitrag zur Verbraucherbildung. Über Nachahmung würden sie sich freuen. 

Dorothea Storm begrüßte zum Dialog mit Landwirten.

Foto: Veronika Hofterheide

Bumi mit Weiterbildung, Wein und Wahlen

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Auf nach Heilbronn zur Bundesmitgliederversammlung!, hieß es am Freitag voriger Woche für einen Teil des Landesvorstands. In Hamburg trafen wir uns mit den Delegierten der Landesverbände Niedersachsen und Bremen zur gemeinsamen Weiterfahrt.

Tajo Lass (1. Vorsitzender Schleswig-Holstein) mit Joachim Rukwied (DBV-Präsident), Theresa Schmidt (Bundesvorsitzende) und Jan Hägerling (ehemaliger Bundesvorsitzender, v. li.)

Nach sechs Stunden Bahnfahrt voller Spaß und Austausch kamen wir bei bestem Wetter in Heilbronn im nördlichen Baden-Württemberg an. Beim gemeinsamen Abendessen gesellte sich als Überraschungsgast Joachim Rukwied, der Präsident des Deutschen Bauernverbands, der aus Heilbronn stammt, auf ein Getränk und regen Austausch zu uns. Es ist uns eine große Freude, ihn im Juni auch bei uns auf dem Deutschen Landjugendtag in Jübek begrüßen zu dürfen.

Am Sonnabend informierte der Bundesvorstand über Aktuelles auf Bundesebene, über die Auswertung von Veranstaltungen und über Themen, Veranstaltungen und Projekte. Außerdem gingen wir ein Positionspapier zum Thema „Nein zu Gewalt gegen Frauen – für ein sicheres und freies Leben für alle“ durch und beschlossen es.

Die Mittagspause konnten wir bei strahlendem Sonnenschein im Park verbringen. Anschließend genossen wir eine Führung durch die Altstadt, wo wir den Bollwerks­turm, die Kilianskirche und das Rathaus mit der astronomischen
Uhr besichtigten. Unsere Stadtführerin war von 1974 bis 1976 zum Käthchen von Heilbronn gewählt worden. Sie brachte uns die Geschichte der historischen Figur näher und begleitete uns auf ihren Spuren.

Der bisherige Bundesvorsitzende Jan Hägerling (li.) gratuliert seinem Nachfolger Lars Ruschmeyer zur Wahl.  Fotos: Lisa Tödter

Am Abend lud uns Adrian Riess, ein Mitglied des Landesvorstands Württemberg-Baden und Lauffener Weingärtner, zu einer Besichtigung seines Betriebs mit anschließendem Abendessen und Weinprobe ein. Er führte uns Schritt für Schritt durch die Herstellung der Weine.

Nach dem Abendessen wurden Jan Hägerling als Bundesvorsitzender und Sebastian Dückers als stellvertretender Bundesvorsitzender mit Standing Ovations in ihre „Landjugendrente“ verabschiedet. Am Sonntag wurde Lars Ruschmeyer, Niedersächsischer Landesverband, zum neuen Bundesvorsitzenden gewählt. Er kommt von einem Milchviehbetrieb zwischen Bremen und Hamburg. Nach Abitur und Ausbildung zum Landwirt studierte er Agrarwissenschaften in Kiel. Christian Leu, Vorsitzender des Landesverbands Württemberg-Baden, wurde zum neuen stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt. 

„Bio soll Kreislaufwirtschaft sein“

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Die Zukunft bauen – das wollen die ZukunftsBauer! Hans Hinnerk Wiese vom Biohof Wiese in Tröndel-Gleschendorf, Kreis Plön, engagiert sich in diesem Projekt des Deutschen Bauernverbandes (DBV). Was er damit verbindet, schildert er im Gespräch mit dem Bauernblatt.

„Wenn alle Landwirte in Deutschland Ökolandbau betreiben würden, dann wäre Öko nicht mehr das, was wir wollen“, sagt Hans Hinnerk Wiese. Eine erstaunliche Aussage für einen Biobauern, dazu später mehr.

Der Hof Wiese, der dem Bioland-Verband angeschlossen ist, liegt im Ortsteil Gleschendorf von Tröndel im nördlichen Kreis Plön. Der 25-jährige Hans Hinnerk führt ihn zusammen mit Vater Hans Detlef (58) und Mutter Sandra (55) sowie einigen Aushilfen. Hauptzweig ist die Legehennenhaltung mit 6.000 Plätzen, von denen derzeit rund 5.000 belegt sind, ohne eigene Aufzucht. Neue Hennen werden zugekauft. Dazu hält die Familie derzeit 19 Mastrinder und bewirtschaftet 50 ha Ackerbau und 10 ha Grünland.

Rund 1,2 Millionen Eier pro Jahr werden ausgeliefert.

Der Betrieb bemüht sich um Kreislaufwirtschaft. Als Futter bekommen die Hühner das eigene Biogetreide, das bei Gut Rosenkrantz gemahlen wird und als Futter zurückkommt. In der Einstreu können sie ungemahlene Körner picken und haben dadurch Beschäftigung. Sie leben in „Wintergärten“ mit Außentemperatur und der Möglichkeit des Außenauslaufs oder im Warmstall. Maximal 3.000 Hühner dürfen nach Bioland-Kriterien in einer Gruppe gehalten werden, bei Wiese sind es in drei Gruppen deutlich weniger. Auf 100 Hennen kommt ein Hahn. Rund 1,2 Millionen Eier pro Jahr werden ausgeliefert – im großen Umkreis von Lübeck, Bad Oldesloe, Preetz, Plön, Kiel, allein in Lübeck unter anderem an fünf Standorte der Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft Landwege eG, an das Freibackhaus, zwei Hotels – „das ist die Freitagstour“. Auf dem Hof betreibt Sandra Wiese einen Hofladen und einen Regiomat.

1990 hatte Vater Hans Detlef den Betrieb mit 30 Milchkühen übernommen und war 1994 dem Bioland-Verband beigetreten, da schon mit Hühnern. Die Milchwirtschaft schien ihm damals nicht zukunftsträchtig. Zusammen mit dem Kundenstamm ist das Eiergeschäft dann gewachsen.

Schon seit Langem lässt Hans Hinnerk gern Besucher auf seinen Hof. Manchmal kommen sie in Bussen aus Bad Segeberg oder Lensahn, wo er selbst in der Berufsschule war und Kontakte pflegt. „Als ZukunftsBauer sollte man bereit sein, Leute einzuladen und nichts zu verstecken“, findet er. Dies und sich der Verantwortung für die Umwelt bewusst zu sein, macht für ihn das Konzept des ZukunftsBauers aus. Hans Hinnerk engagiert sich auch im Bauernverband. „Es ist wichtig, dass dort auch Ökobetriebe ihre Stimme haben“, sagt er. Mit konventionellen Bauern hat er keine Schwierigkeiten. „Auch bei ihnen passiert viel für einen besseren Umweltschutz. Die gegenseitige Akzeptanz ist gewachsen. Wir können viel voneinander lernen.“

Wäre die Welt besser, wenn alle Landwirte Biobauern wären, wie es manche „Ökos“ behaupten? „Theoretisch wäre Bioversorgung zu 100 Prozent möglich, aber wirtschaftlich nicht“, ist Hans Hinnerk überzeugt. „Bio ist immer teurer als konventionell, und viele würden oder könnten es nicht kaufen. Um die Preise entsprechend zu senken, müsste der Biosektor massiv subventioniert werden.“ Selbst für die von der Politik angestrebten 30 % Bioversorgung sieht er nicht genügend Absatz in Deutschland. Und wenn die Biobetriebe, um die Stückkosten zu senken, sich immer weiter effektivierten, große Anlagen bauten, die Bioauflagen bis zur Grenze ausnutzten, wie er es schon jetzt etwa in den neuen Bundesländern beobachte, „dann ist das keine Kreislaufwirtschaft. Dann ist Öko nicht mehr das, was wir wollen“ – und was Familie Wiese in Tröndel umzusetzen bemüht ist.

Rückgang in China drückt globale Fleischerzeugung

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Das US-amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) rechnet im laufenden Kalenderjahr mit einer weltweit etwas geringeren Schweinefleischerzeugung als 2023. Das französische Fachinstitut für Schweinehaltung (Ifip) ging jüngst in einer Prognose ebenfalls von einem global kleineren Angebot aus. Von beiden wird ein moderater Produktionsrückgang von knapp 1 % angenommen. Das wäre der erste Abschwung seit vier Jahren, als die Afrikanische Schweinepest (ASP) die Produktion in China nach unten gedrückt hatte.

Eine abnehmende Schweinefleischerzeugung in der Volksrepublik ist in beiden Prognosen der Grund für das aktuell erwartete globale Aufkommen in Höhe von 115,6 Mio. t. Fast die Hälfte davon – nämlich knapp 56,0 Mio. t – soll in China erzeugt werden, was laut USDA im Vergleich zu 2023 rund 2 Mio. t oder 3,4 % weniger wären. Chinas Schweineproduzenten haben ein schwieriges Jahr mit Verlusten hinter sich. Die Sauenbestände sind deshalb seit gut einem Jahr rückläufig und lagen Ende Februar 2024 mit 40,4 Millionen Stück um rund drei Millionen Tiere oder 7 % unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Ein weiterer Bestandsabbau ist wahrscheinlich.

Mehr Schweine in Brasilien

Die erwarteten Produktionsrückgänge in China werden laut USDA durch die Zuwächse in anderen Ländern nicht vollständig ausgeglichen. Am stärksten soll die Schweinefleischerzeugung in Brasilien mit 4,7 % auf die Rekordmarke von 4,64 Mio. t zulegen. Niedrigere Produktionskosten und gute Absatzmöglichkeiten würden dort das Wachstum treiben.

In den USA wuchs der Bestand an Schweinen zuletzt leicht an, und auch die Erzeugerpreise sind merklich gestiegen. Die US-Schweinefleischerzeugung wird mit 12,75 Mio. t um 2,9 % höher als 2023 erwartet.

Für die Europäische Union wird ein Produktionszuwachs von 1,7 % auf 21,15 Mio. t vorausgesagt. Nach vorherigen Einbrüchen der Bestandszahlen haben relativ hohe Erzeugerpreise und niedrige Futterkosten die Schweinehaltung in den Mitgliedstaaten stabilisiert; zum Jahreswechsel gab es 1,6 % mehr Zuchtsauen als zwölf Monate zuvor. In vielen EU-Ländern führen die gesunkenen Futterkosten zu höheren Schlachtgewichten, was das Schweinefleischaufkommen ebenfalls zunehmen lässt.

Importbedarf Chinas

Die schwächer eingeschätzte Produktionsentwicklung in China wird sich laut USDA dort auch im Schweinefleischverbrauch zeigen, der mit 57,73 Mio. t um 3 % geringer als 2023 ausfallen soll. Dies führt zu einem etwas niedrigeren Importbedarf, der im Jahresvergleich um rund 1 % auf 1,88 Mio. t Schweinefleisch ohne Nebenerzeugnisse sinken soll. Zu Jahresbeginn hatten die Washingtoner Analysten hingegen noch ein deutliches Einfuhrplus für China vorhergesagt.

Für wichtige Einfuhrländer wie Mexiko, Japan, Südkorea und das Vereinigte Königreich werden größere Schweinefleischimporte erwartet. Mit dem Großkunden Mexiko vor der Haustür und einer höheren Eigenerzeugung wird für den US-Schweinefleischexport ein Zuwachs von fast 8 % auf 3,33 Mio. t vorausgesagt. Brasiliens Ausfuhr soll um gut 5 % auf 1,49 Mio. t zunehmen, wobei gute Absatzmöglichkeiten auf den Philippinen, in Hongkong oder in Chile gesehen werden. Auch für die EU wird nach dem kräftigen Rückgang um fast 20 % im vergangenen Jahr für 2024 eine Steigerung der Schweinefleischexporte prognostiziert; diese sollen um etwa 3 % auf 3,22 Mio. t zulegen. age

Vion stößt in US-Versorgungslücke

Schweineexport aus den Niederlanden

Die Vion Food Group hat ihr Schweinefleischkonzept „GoodFarming Balance“ um die Komponente „World“ erweitert und beliefert nun Kunden in Kalifornien mit Ware aus diesem neuen Teilprogramm. Wie der Konzern erklärte, gilt in dem US-Bundesstaat seit diesem Jahr in vollem Umfang das neue Tierschutzgesetz „Proposition 12“, das strengere Anforderungen an die Schweinehaltung vorsieht. Dabei geht es unter anderem um das Verbot von Kastenständen für Zuchtsauen und mehr Bewegungsraum für die Tiere. Diese Anforderungen erfülle laut Vion eine Gruppe niederländischer Schweinebetriebe, die bereits im Rahmen von „GoodFarming Balance“ liefere und jüngst von US-Auditoren offiziell zertifiziert wurde.

Kalifornien kann die Nachfrage nach Schweinefleisch, das der „Proposition 12“ entspricht, nicht selbst decken. Auch in den übrigen US-Bundesstaaten ist die Verfügbarkeit entsprechender Ware sehr begrenzt. Vion geht davon aus, dass „Proposition 12“ bald auch in anderen Bundesstaaten der USA eine Rolle spielen wird, und hofft deshalb auf weitere Exportchancen.

Nach einer Analyse des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) lagen die Verbraucherpreise für Teilstücke wie Koteletts, Bäuche und Rippchen in Kalifornien aufgrund der Verschärfung der Tierschutzanforderungen im Schnitt um 20 % über denen in anderen Bundesstaaten. Bei der Schweinelende fiel die Teuerung mit 41 % am stärksten aus. age

Unterstützung für die Forstabteilung

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Anfang des Monats hat die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein Thore Schlüter als neuen Bezirksförster für den Kreis Ostholstein gewinnen können.

In Bad Segeberg geboren und in der Gemeinde Pronstorf aufgewachsen, hat Thore Schlüter nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung zum Forstwirt im nördlichen Niedersachsen absolviert. Im Anschluss ging es dann für das Studium der Forstwissenschaften und Waldökologie an die Georg-August-Universität in Göttingen. Durch selbstständige Tätigkeiten neben dem Studium konnte er schon in verschiedenen Bereichen für die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein arbeiten und sich mit der Forstabteilung vertraut machen.

Nach Erlangen des Bachelor of Science war Thore Schlüter zunächst für ein halbes Jahr bis zum Start als Anwärter im Oktober 2022 bei den Landesforsten Mecklenburg-Vorpommern tätig. Den Vorbereitungsdienst für den gehobenen Forstdienst (Anwärter) absolvierte er bei den Niedersächsischen Landesforsten im Forstamt Rotenburg (Wümme). Die starke Verbundenheit zu Schleswig-Holstein zog ihn jedoch nun wieder in den echten Norden zurück. „Die Möglichkeit, in unserem doch recht waldarmen Bundesland Förster zu werden, ist für mich nie selbstverständlich gewesen und somit auch etwas sehr Besonderes. Ich freue mich, dass ich so heimatnah zusammen mit meiner Freundin als angehender Lehrerin Fuß fassen und die Wälder aktiv gestalten kann“, so der 28-Jährige.

Thore Schlüter löst seinen Vorgänger Lars Schütte-Felsche ab, der zur Unteren Forstbehörde für den Kreis Segeberg gewechselt ist. Der Aufgabenschwerpunkt liegt für den neuen Bezirksförster nun in der Beratung und Betreuung von privaten und kommunalen Waldbesitzern im Kreis Ostholstein. Auch die Abwicklung und die Begleitung von forstlichen Fördermaßnahmen liegen nun in seiner Hand.

Wer Wald in Ostholstein besitzt und Fragen hat, kann sich mit Thore Schlüter in Verbindung setzen. Seine Kontaktdaten finden sich unter https://t1p.de/qbsqz

Tipps für Fachleute und Ehrenamtler

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Das Weiterbildungsangebot der Lehranstalt für Forstwirtschaft richtet sich vorwiegend an die Waldbesitzenden und im Wald arbeitende Menschen, es enthält aber auch immer wieder Themen, die nicht nur der Forstwirtschaft zugerechnet werden können. Dies betrifft beispielsweise die Weiterbildung „Geräte und Arbeitstechniken im praktischen Naturschutz“.

Ein weiteres übergreifendes Thema ist das „Fahren in Wald und Flur“. Viele glauben, dies von Natur aus zu beherrschen. Schäden an Fahrzeugen zeugen aber dann doch von „Pech“. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die mit offensichtlich ungeeigneten Fahrzeugen seit Jahren in den Wald oder auf die Koppeln kommen und auch schwierige Bereiche erschließen, ohne vom „Pech“ verfolgt zu sein.

Ein klassisches Thema ist der Konflikt zwischen Wald und Wild. Während Rehe und Hirsche auf Äckern und Wiesen häufig keine oder nur sehr geringe Schäden verursachen, sieht die Lage im Wald anders aus. Wildverbiss ist regelmäßig ein bedeutendes Hindernis für das Gelingen von künstlicher oder natürlicher Waldverjüngung. Nicht umsonst werden die meisten Kulturen im Wald heute aufwendig mit teuren Zäunen geschützt.

Praktische Fähigkeiten stehen Ende Mai im Fokus, wenn es um „Geräte und Arbeitstechniken im praktischen Naturschutz“ geht. Der Wert zahlreicher Naturschutzflächen beruht auf einer teilweise intensiven Pflege der Flächen. Die anliegenden Arbeiten werden häufig von engagierten Ehrenamtlichen durchgeführt, die jedoch die Geräte und Verfahren nicht kennen und nach bestem Wissen anwenden. Hier kann eine gezielte Einarbeitung zur Bedienung der gebräuchlichsten Maschinen und Techniken viel Freude und gute Ergebnisse bei der ehrenamtlichen Arbeit bringen.

Wer sich für die Angebote der Lehranstalt für Forstwirtschaft interessiert, findet diese auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer unter https://t1p.de/dtzbj

Betriebsmodelle weiterdenken und Ideen austauschen

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Neben neuen Technologien, nachhaltigen Praktiken und Geschäftsmodellen stehen Netzwerken und Erfahrungsaustausch auf dem Programm der Grünen Innovationstage, die am 29. und 30. Mai auf Gut Steinwehr stattfinden. Die Hintergründe der vom Verein ZIEL-SH (Zentrum für Innovative Ernährungs-, Land- und Forstwirtschaft in Schleswig-Holstein) organisierten Veranstaltung erläutern Lisa Hansen-Flüh, stellvertretende Generalsekretärin des Bauernverbandes Schleswig-Holstein und ZIEL-SH-Geschäftsführerin, sowie Jan Henrik Ferdinand, Agrarwissenschaftler und ZIEL-SH-Vorsitzender, im Interview.

Wie kann man Grüne Innovationstage am besten beschreiben?

Lisa Hansen-Flüh (LHF): Die Grünen Innovationstage sind eine Veranstaltung für Landwirtinnen und Landwirte. Bekannte Unternehmer, vornehmlich aus dem Mittelstand, ebenso wie Gründer und Erfinder stellen ihre Ideen, Entwicklungen und Geschäftsmodelle vor, die man als Innovationen zusammenfassen kann. Schwerpunktthemen sind die Förderung einer nachhaltigen und umweltfreundlichen Landwirtschaft mit zum Teil unerwarteten Ideen für die Praxis und neue Wertschöpfungsmodelle.

Die Macher der Grünen Innovationstage, Lisa Hansen-Flüh und Jan Henrik Ferdinand. Foto: mbw

Wo finden die Grünen Innovationstage statt?

LHF: Die Messe findet auf Gut Steinwehr statt in Bovenau, Kreis Rendsburg-Eckernförde, direkt am Nord-Ostsee-Kanal. Damit wurde ein  landwirtschaftlicher Betrieb als Messeplatz gefunden, der spezialisiert ist auf den Anbau von Beerenobst und ein Vermarktungsmodell für seine Gebäudeflächen entwickelt hat. Die Grünen Innovationstage finden an zwei Tagen statt. Am ersten Tag werden Fachforen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen guten Einstieg in die Themen Ackerbau, Tierhaltung und Technik geben. Es wird etwa um Fragen gehen, ob und wie man mehr Direktsaat wagen soll, welche innovativen Ansätze es für die Tierhaltung gibt und welche Möglichkeiten von automatisierter und autonomer Technik ausgeht.

Jan Henrik Ferdinand (JHF): Im Anschluss an die Fachforen werden wir bei einer Podiumsdiskussion genauer hinsehen, welche Risiken – aber vor allem welche Chancen – uns Künstliche Intelligenz (KI) bietet. Es wird ausreichend Zeit zum Netzwerken geben.

Am zweiten Tag findet die Innovationsmesse statt, auf der sich die Aussteller präsentieren. Während des ganzen Tages werden für die Teilnehmerinnen und Teilnehmern geführte Touren angeboten, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Was bedeutet Innovation bei der Veranstaltung?

JHF: Innovation ist vielfältig und kann alles sein, was den landwirtschaftlichen Betrieben eine Verbesserung bringt und eine positive Änderung bewirkt. Innovation ist eigentlich immer die Änderung eines Status quo. Das muss nicht digital sein. Das muss auch nicht KI sein. Das kann im Kleinen, im Technischen anfangen oder bei den Haltungsformen für die Tiere. Wir denken Innovation komplett offen, eine positive Veränderung, letztlich also zukunftssichere, zukunftsfähige Landwirtschaft.

Wer ist Organisator der Messe?

JHF: Veranstalter ist ZIEL-SH. Der Verein hat sich auf die Fahne geschrieben, schleswig-holsteinischen Unternehmerinnen und Unternehmern bei der Ideenfindung und deren Umsetzung zu helfen. Dabei haben wir natürlich die landwirtschaftlichen Betriebe im Fokus, aber auch Themen aus dem Forst- und dem Ernährungssektor. Wir verstehen uns als eine Art Vernetzungsplattform, die innovative Betriebe und Unternehmen zusammenbringt.

Gibt es besondere Schwerpunkte für die Veranstaltung?

JHF: Ein Schwerpunkt ist das Nachbarland Dänemark. Wir haben eine Partnerschaft mit der dänischen Botschaft und werden über die Grenze gucken und einen Blick auf neue Entwicklungen im Nachbarland werfen. Ansonsten sind wir unheimlich offen und vielfältig. In Steinwehr kann man alles entdecken, was auf neuen Entwicklungen beruht und ein Geschäftsmodell im Hintergrund birgt. Die Idee der Veranstaltung ist, dass Betriebsleiter sich ausgiebig informieren und mit Entwicklern austauschen können, Lösungen ansehen und auch adaptieren können. Das soll im Vordergrund stehen.

Welche Empfehlung geben Sie für die Innovationstage?

JHF: Ich bin Landtechniker. In dem Bereich lohnt es zu schauen: Was passiert auf dem Feld? Trecker, Roboter, aber auch in der Luft tut sich was, Thema Drohne. Man kann sehen, was zukünftig auf und an unseren Flächen arbeitet und wie automatisch es werden kann.

LHF: Mir sind ackerbauliche Themen besonders wichtig. Wir zeigen Maschinen für die Direktsaat und vielfältige Ideen von Datenmanagement über Bodensensorik bis Saatgutcoating.


Info

Location

Himbeerhof Steinwehr, ­Steinwehr 20, 24796 Bovenau

Übernachtung

Hotels: in Rendsburg, zum Beispiel Heidehof oder ConventGarten

Camping ist im Camper oder im Zelt auf dem Hofgelände kostenfrei möglich

Ticketshop: www.ziel-sh.de

Erwachsene: 25 € pro Tag

Kombiticket beide Tage: 40 €

Schüler, Studierende und Azubis: 15 € pro Tag, Kombiticket 25 €

Mahlzeiten sind im Ticketpreis ­inbegriffen.

Kontakt ZIEL-SH

Zentrum für innovative Ernährungs-, Land- und Forstwirtschaft in Schleswig-Holstein:

Jan Henrik Ferdinand und
Lisa Hansen-Flüh

E-Mail: info@ziel-sh.de


Programm Grüne Innovationstage 2024

Tag 1: 29. Mai 2024

12.00 Uhr Ankommen und Einchecken

12.30 Uhr Auftakt

Begrüßung

Jan Henrik Ferdinand und Lisa Hansen-Flüh, ZIEL-SH e. V.

Grußworte

Dierk Francksen, Leiter Fördergeschäftsentwicklung bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank

Impulsvortrag „Säen, wachsen, ernten – Innovation ist ein Prozess und kein Zustand“

Dr. Dorothee Schulze Schwering, Innovationsmanagerin bei der Landwirtschaftskammer NRW

13.15 Uhr Fachforen Runde 1

Ackerbauforum: „Mehr Direktsaat wagen!?“

Organisiert von der Zukunftswerkstatt Pflanzenbau

Moderation: Dr. Anke Kühl, BAT Agrar

Podiumsdiskussion mit:

Prof. Conrad Wiermann, Professor für Pflanzenernährung und Bodenkunde an der Fachhochschule Kiel

Don Heinrichs, Berater bei Hanse-Agro

Frank Jessen, Landwirt aus Oxbüll

Tierforum: „Innovative Ansätze für die Tierhaltung“

Organisiert von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

Moderation: Katja Wagner, LKSH

1. Vorstellung von Hintergründen und Erkenntnissen

Projekt „InnoRind“ (Kim-Juelie Zimmer-Sonn)

EIP-Projekt „Pferd“ (Dr. Laura Maxi Stange)

EIP-Projekt „Schwein“ (Juliane Ahlhorn)

2. Innovative Lerneinheiten in der Ausbildung

Dr. Ariane von Mallinckrodt und Jan-Hinnerk Templin

Technikforum: „Zukunftsfeld Landwirtschaft: ­Autonomie und Automatisierung als disruptive Kraft?“

Organisiert vom Experimentierfeld BeSt-SH

Moderation: Svea Schaffner, FH Kiel

Fishbowl mit freiem Platz für das Publikum:

Prof. Eberhart Hartung, Direktor des Institutes für Landwirtschaftliche Verfahrenstechnik der Uni Kiel

Gregor Bensmann, Produktmanager Smart Farming Amazone

Sven Lake, Geschäftsführung Nature Robots

Simon Georgsen, Regionaler Verkaufsleiter FarmDroid

14.45 Uhr Kaffee, Kuchen und Klönschnack

15.45 Uhr Fachforen Runde 2

Ackerbauforum und Tierforum: gleiches Programm wie in Runde 1

Technikforum (Fishbowl mit Beteiligung des Publikums):

Nicolai Fog Hansen, Abteilungsleiter ­Agriculture and Digitalization, Danish Technological Institute

Michael Mundt, Senior Business Development Manager ESRI

Dietrich Kortenbruck, Geschäftsführer EXA Computing GmbH

Philipp Kamps, Produktmanager AGXeed

17.30 Uhr Podiumsdiskussion

„Von Drohnen und Datensilos: Wie künstliche Intelligenz die Landwirtschaft revolutioniert und was das für uns bedeutet“

Moderation: Jan Hendrik Ferdinand, Vorsitzender German Agrifood Society und ZIEL-SH

Podiumsgäste:

Malte Messerschmidt, Landwirt und Agrarblogger

Philipp Staritz, Fachberater Agrar und Telemetrie bei Blunk GmbH

Alexander Jaworski, Gründer von greenhub solutions GmbH und Vorstandsmitglied German Agrifood Society

Dr. Eike Meyer, Leiter Geschäftsanwendungen am KI-Anwendungszentrum der FH Kiel

18.30 Uhr Netzwerkabend mit Grillbuffet

Tag 2: 30. Mai 2024

8.30 Uhr Humus-Frühstück

Organisiert von HumusReich, nur mit Anmeldung unter humusreich@bobenop.de

10.00 bis 16.00 Uhr Innovationsmesse

10.00 Uhr Eröffnung

Werner Schwarz, Minister für Landwirtschaft, nachhaltige Landentwicklung, Europa und Verbraucherschutz

Mikkel Hagen Hess, Botschaftsrat und Leiter der Handelsabteilung DACH der Königlich Dänischen Botschaft

10.30 Uhr Geführte Touren (bis 16.00 Uhr)

50 deutsche und dänische Aussteller aus den Bereichen Klima-Farming, digitale Vermarktungswege, alternative Anbausysteme, Bioökonomie, digitale Betriebshelfer, Erneuerbare Energien und viele mehr präsentieren innovative Geschäftsmodelle für die Landwirtschaft.

13.00 Uhr Mittag

14.00 Uhr Technikdemonstrationen

Organisiert vom Experimentierfeld BeSt-SH

Moderation: Bastian Brandenburg, FH Kiel

Anwendungsbeispiele in den Bereichen Pflanzenschutz, Drohnentechnik und Robotik.

16.00 Uhr Auslaufen der 2. Grünen Innovationstage