Mit einem Festakt weihte die Solana-Gruppe ihr neues Saatzuchtgebäude in Windeby ein. In 18 Monaten wurden ein dreigeschossiger Neubau sowie neue Klimakammern und Treibhausanlagen errichtet, für den Ausbau der Kartoffelzüchtung nahm das Familienunternehmen viel Geld in die Hand. Das Vorstandsteam um den geschäftsführenden Gesellschafter Leo von Kameke investierte 12,5 Mio. € – und setzt damit die vor drei Jahren entwickelte Wachstumsstrategie um.
Windeby bei Eckernförde ist für die international agierende Solana-Gruppe der wichtigste Züchtungsstandort. Seit 1948 entwickelt das Unternehmen dort Pflanzkartoffeln auf Gesundlagen nahe der Ostsee. Insgesamt 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagieren sich dort in verschiedenen Bereichen, ein Großteil beschäftigt sich mit der Forschung und Züchung neuer Sorten. Mit dem Neubauprojekt will der Familienbetrieb den Wachstumsturbo zünden. „Unser Ziel ist, das Unternehmen zu verdoppeln. Dafür haben wir einen strategischen Plan für die nächsten zehn Jahre entwickelt“, erklärte Leo von Kameke auf dem Festakt vor rund 100 Gästen am vergangenen Mittwoch. Eingeladen waren Nachbarn, Freunde, Geschäftspartner, Akteure aus der Ortspolitik sowie am Bauprojekt beteiligte Architekten, Bauträger und Gewerke.
Zu den ersten Gratulanten gehörte Daniel Günther (CDU). Der Ministerpräsident durfte als Erster an einem geführten Rundgang durch die neuen Betriebsräume teilnehmen. Den Baufortschritt hatte Günther in den vergangenen Monaten als Nachbar live mit verfolgen können. Sein Fazit: „Sensationell, was da in 18 Monaten entstanden ist.“ Und: „Ich hätte Bock darauf, dort mitzuarbeiten, aber ich habe ja noch drei Jahre als Ministerpräsident vor mir“, fügte der Landeschef mit einem Augenzwinkern hinzu. Mit dem Neubau will das führende Kartoffelzuchtunternehmen der Region seine Effizienz steigern sowie die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit sicherstellen.
„Wir brauchen zukünftig Kartoffelsorten, die dem Klimawandel gewachsen sind“, betonte Leo von Kameke. Besondere Herausforderungen seien für die Zuchtexperten die Wetterextreme mit Hitze und Dürren, fügte der geschäftsführende Gesellschafter der Solana-Gruppe hinzu. Auf den Rundgängen konnten die Gäste einen Blick in die fünf Klimakammern werfen, dort geht es um die kontrollierte Anzucht und Lagerung von Pflanzen und Knollen im Temperaturbereich von 4 bis 40 °C.
Der Vermessung der Kartoffel
Die zu zwei Dritteln mit Erneuerbaren Energien betriebenen Neubauten verfügen über 40 statt bisher 22 Büroarbeitsplätze, eine fortgeschrittene Digitalisierung soll den Wissenstransfer zwischen den Abteilungen beschleunigen. Dass aber nach wie vor viel Handarbeit nötig ist, zeigte das Mitarbeiterteam in den großen Hallenräumen im Erdgeschoss. Dort werden die in den Gewächshäusern und im Freiland gezogenen Kartoffeln nach allen Regeln der Kunst untersucht.
Die Erdäpfel werden einzeln gewogen, gemessen und mit einer 3-D-Kamera fotografiert. Die Kontrolleure widmen sich zudem vielen äußeren und inneren Merkmalen. Die Lage der Augen wird ebenso in Kategorien vermerkt wie die Schalenbeschaffenheit, die Fleischfarbe – von Tiefgelb bis Schneeweiß – sowie die Form. Auch Mängel wie Schorfbildung, Risse, Eisenflecken, Hohlherzigkeit oder Zwiewuchs werden registriert. Jedes Detail ist wichtig – schließlich will die Solana-Gruppe ihre Wettbewerbsvorteile auf den internationalen Züchtungsmärkten ausbauen.
Das Sortiment an Pflanzkartoffeln umfasst derzeit mehr als 60 Sorten, die weltweit in rund 50 Ländern vermarktet werden. Gezüchtet wird für unterschiedliche Verwendungszwecke und Geschmäcke. Große und rotschalige Knollen wie ,Wanda‘ werden beispielsweise in Ländern wie Marokko, Rumänien oder Portugal bevorzugt, während in hiesigen Supermärkten gern zu tiefgelben Sorten wie ,Lea, gegriffen wird. Fast-Food-Ketten bevorzugen Sorten mit schneeweißem Fleisch, andere Produzenten benötigen Erdäpfel mit hohem Stärkegehalt.
Zehn Jahre Züchtungsarbeit bis zur Zulassung
Bis eine neue Sorte vermarktet werden kann, vergehen viele Jahre akribischer Züchtungsarbeit. Dafür setzt das Familienunternehmen seit der Gründung auf die klassischen Züchtungstechniken. Zehn Jahre dauert es, bis eine neue Sorte gekürt wird, weitere fünf Jahre vergehen, bis die Kunden weltweit von Vorteilen wie stärkerer Widerstandsfähigkeit gegen die Kraut- und Knollenfäule überzeugt werden. In den neuen, mit den eigenen Biogasanlagen heizbaren Gewächshäusern wachsen derzeit 200.000 Einzelpflanzen heran – jede davon ist ein Unikat. „Nach zehn Jahren werden nur zwei, drei Pflanzen übrig bleiben, die den Sprung in den Markt schaffen“, erklärt Leo von Kameke.




