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Emissionsmindernde Ausbringtechnik im Praxiseinsatz

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Gülleansäuerung während der Ausbringung – wie funktioniert das in der Praxis? Hierüber konnten sich Interessierte auf zwei Feldtagen in Futterkamp (Kreis Plön) und Sarlhusen (Kreis Steinburg) Anfang Juni informieren.

Im Fokus stand das Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) „Säure+“, das auf acht Praxisbetrieben in Schleswig-Holstein in Zusammenarbeit mit den Lohnunternehmen Blunk GmbH und Brockmann GmbH & Co. KG die Ansäuerungstechnik SyreN erprobt. Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein hat die Regionalkoordination des MuD für Schleswig-Holstein. Sieben weitere Bundesländer sind ebenfalls Teil des MuD.

Nach einer theoretischen Einführung in die Funktionsweise der Gülleansäuerung konnten die Besucher die Technik gemeinsam mit den anwesenden Lohnunternehmern besichtigen und Fragen stellen, unter anderem zum praktischen Umgang oder den zusätzlichen Kosten, die durch die Säureapplikation entstehen.

In den Diskussionen konnten die bisher gesammelten Praxiserfahrungen der Lohnunternehmer gut dargestellt werden. So konnten zum Beispiel Vorbehalte gegenüber der Sicherheit im Umgang mit der Schwefelsäure abgebaut werden, da umfangreich die einzuhaltenden Sicherheitsvorkehrungen erklärt wurden. Beide Lohnunternehmen berichteten, dass sie noch keine nennenswerten Probleme im Zusammenhang mit dem Ansäuerungssystem hatten.

Niclas Brockmann, Brockmann GmbH & Co. KG, erläutert das SyreN-System. Foto: Peter Lausen
Doppelwandiger IBC-Container mit Schwefelsäure sowie das ADR-Sicherheitskit in der Fronteinheit des SyreN-Systems. Foto: Daniel Viain

Im Anschluss folgte eine Livevorführung der Ausbringtechnik, sodass die visuellen Unterschiede durch die Ansäuerung (Aufschäumen der Gülle) direkt betrachtet werden konnten. Auch bundesländerübergreifende Versuchsergebnisse aus dem ersten Jahr des MuD wurden vorgestellt.

Helmut Döhler von der Döhler­Agrar Unternehmensberatung führte Ad-hoc-NH3-Gasmessungen durch, um das Einsparpotenzial von Ammoniakemissionen durch die Ansäuerung zu verdeutlichen. Döhler warb mit dem Slogan „Wir machen Emissionen sichtbar“. Es wurde mit einem eigens entwickelten Ammoniak-Messsystem gezeigt, wie die Emissionen trotz günstiger Ausbringbedingungen (teilweise bedeckter Himmel, niedrige Temperaturen) durch eine Ansäuerung gesenkt werden konnten. So konnten Ammoniak-Emissionsminderungen von bis zu 80 % durch die Gülleansäuerung erzielt werden.

Interessierte konnten sich direkt mit dem Lohnunternehmen Blunk GmbH über das SyreN-System austauschen. Foto: Daniel Viain
Erkennen von optischen Unterschieden zwischen angesäuerter (schäumt auf, hellere Färbung) und nicht angesäuerter Gülle. Foto: Daniel Viain

Auch der Effekt der Sonneneinstrahlung auf die Emissionen wurde an einem der beiden Feldtage demonstriert. So stieg der gemessene Ammoniakverlust 30 min nach Ausbringung durch Sonneneinstrahlung in der nicht angesäuerten Variante um rund 60 % an. In der angesäuerten Variante waren sowohl direkt nach der Ausbringung als auch 30 min nach der Ausbringung keine Ammoniakemissionen messbar.

Dass die Gülleansäuerung dazu beiträgt, Ammoniakemissionen zu senken, wurde durch die Ad-hoc-Gasmessungen verdeutlicht. Trotzdem, so Döhler, bleibe eine direkte Einarbeitung der Gülle die wirksamste Methode, um Emissionen zu vermeiden. Für die Ausbringung in wachsende Bestände bietet die Ansäuerung durch die Minderung von gasförmigen Stickstoffverlusten über das SyreN-System jedoch eine gute Möglichkeit, mehr Stickstoff für die Pflanzen verfügbar zu machen, und zeigt demnach auch das Potenzial, einen wirklichen Beitrag zur Erreichung der Ammoniakreduktionsziele gemäß NEC-Richtlinie zu leisten.

Ad-hoc-Gasmessungen durch die DöhlerAgrar Unternehmensberatung. Foto: Daniel Viain

Auch über alle im Projekt beteiligten Bundesländer hinweg konnten im ersten Versuchsjahr 2023 die Emissionen insgesamt bei einer pH-Wert-Reduktion der ausgebrachten Wirtschaftsdünger auf 6,4 um 60 bis 75 % gesenkt werden.

Rückblickend auf das Jahr 2023 lässt sich sagen, dass dieses erste Versuchsjahr sich schwierig gestaltete: Durch das nasse und kalte Frühjahr war ein Andüngen der Weizenbestände zum Teil erst sehr spät möglich. Die danach folgende Trockenheit hatte zur Folge, dass auf vielen Standorten die Wasserverfügbarkeit zum limitierenden Faktor wurde und nicht die N-Verfügbarkeit. Des Weiteren erschwerten hohe Niederschlagsmengen zur Abreife die Ernte. Auch die Grünlandstandorte hatten 2023 mit Trockenstress zu kämpfen. Es lässt sich somit sagen, dass weitere Versuchsjahre unerlässlich sind, um aussagekräftige Ergebnisse für die Praxis zu erhalten.

Fazit

Am Ende der Projektlaufzeit des Modell- und Demonstrationsvorhabens (MuD) „Säure+“ sollen Handlungsempfehlungen für Landwirtinnen und Landwirte abgeleitet werden können, unter welchen Bedingungen eine Ansäuerung sinnvoll ist beziehungsweise in welchen Situationen auch nicht. Eine Rolle spielen hierbei mehrere Faktoren. So müssen der zusätzliche Schwefeldüngungseffekt durch die Anwendung von Schwefelsäure und der durch das emissionssenkende Verfahren zusätzlich bereitgestellte pflanzenverfügbare Stickstoff berücksichtigt werden. Hinzu kommt der positive Effekt auf die Absenkung der Ammoniakemissionen. Inwiefern die Ansäuerungstechnik auch aus ökonomischen Gesichtspunkten zum Betriebserfolg beitragen kann, wird im Laufe des Projektes bundeslandübergreifend ermittelt.

Die SIM-Karte für den Schlepper

Eine SIM-Karte wird schnell in ­Zusammenhang mit dem Mobil­telefon gebracht. Dabei ­kommen viele Schlepper mittlerweile auch nicht mehr ohne SIM-­Karte aus, da für eine präzise Spurführung häufig über Mobilfunk ein RTK-Korrektursignal­ ­empfangen ­werden muss. Doch muss es hierfür genauso wie beim Handy auch eine SIM-Karte mit monatlichen Vertragskosten von über 20 € sein?

Insbesondere auf gedrillten Flächen ist ersichtlich, wie viele Betriebe oder Lohnunternehmen schon lange auf Spurführung und Lenksysteme am Schlepper setzen (siehe folgendes Foto). Häufig wird dann von GPS gesprochen. Dabei ist GPS nur eines von weltweit mehreren Globalen Navigations-Satelliten-Systemen (GNSS). GPS hat sich ähnlich wie beispielsweise „Tempo“ für das Papiertaschentuch in der Gesellschaft zum Synonym der GNSS entwickelt. Es gibt nämlich neben dem amerikanischen (GPS) auch ein europäisches (Galileo), ein russisches (Glonass) und ein chinesisches (Beidou) Satellitensystem. Die Systeme bestehen aus mehreren Satelliten im Orbit.

Um bei der Aussaat Überlappungen zu vermeiden, wird höchste Präzision bei der Positionsbestimmung benötigt.

Wie funktioniert die Positionsbestimmung?

Um eine Positionsbestimmung mit dem Schlepper auf dem Feld oder auch dem Handy im Straßenverkehr zu ermöglichen, wird ein Satellitenempfang zu mindestens vier beziehungsweise bei GPS sechs der Satelliten des GNSS benötigt. Dabei wird die Position durch eine sogenannte Laufzeitmessung bestimmt – die Zeit, die das Signal vom Empfänger (Lenksystem am Schlepper oder Handy) zum Satelliten und wieder zurück benötigt. Dadurch, dass die Laufzeit zu mehreren Satelliten gemessen wird, deren Positionen bekannt sind, kann auf die Position des Schleppers beziehungsweise des Handys auf der Erde geschlossen werden.

Problematisch ist hierbei nur, dass die Zeitmessung nanosekundengenau sein muss, um eine Positionsbestimmung auf wenige Meter zu erreichen. Durch verschiedene Störfaktoren, insbesondere aufgrund der atmosphärischen Schichten, die das Satellitensignal durchdringt, wird die Laufzeit jedoch verfälscht. Dadurch ist die Standortgenauigkeit beim Handy beispielsweise immer nur auf wenige Meter genau möglich. In der Landwirtschaft, insbesondere zur Aussaat, ist jedoch eine Genauigkeit im Zentimeterbereich vonnöten, damit das Lenksystem einen tatsächlichen Mehrwert ausspielt. Hierfür muss das Satellitensignal mithilfe von Korrektursignalen berichtigt werden.

Was verbirgt sich hinter RTK?

GNSS-Korrektursignale können sowohl satellitenbasiert als auch über Mobilfunk bereitgestellt werden. Satellitenbasierte Korrektursignale sind etwa die von John Deere angebotenen StarFire-I-, StarFire-II- und StarFire-III-Signale. Hierüber kann eine Genauigkeit von 10 bis 15 cm (SF I) bis zu 3 cm (SF III) erreicht werden. Die Korrektur erfolgt über geostationäre Satelliten, die sich aufgrund ihrer Geschwindigkeit im Idealfall stets über demselben Punkt auf der Erdoberfläche befinden. Diese Signale sind flächendeckend verfügbar, können jedoch beispielsweise an Waldrändern abgeschirmt werden.

Das gängigste Korrektursignal ist RTK (Real Time Kinematic). Hierfür wird ein Netz an Referenzstationen genutzt, die am Boden fest installiert sind. Dadurch liegen für jede Referenzstation exakte Koordinaten vor. Aufgrund der stets unveränderten Position können die Fehler in der Laufzeitmessung der Satellitenortung berechnet werden. Die Position des Schleppers wird somit zunächst über Satellitenempfang bestimmt.

Zeitgleich wird über Mobilfunk eine Verbindung zum RTK-Netzwerk der Referenzstationen aufgebaut. Hierüber wird eine Position des Schleppers innerhalb des Netzwerks bestimmt, worüber das GNSS-Signal korrigiert werden kann. Aufgrund dessen wird mit RTK eine Genauigkeit von 2,5 cm erreicht.

Um RTK nutzen zu können, wird jedoch eine Mobilfunkverbindung zur Datenübertragung ins Netzwerk der Referenzstationen benötigt. Folglich hängt die Genauigkeit der Spurführung mit RTK vom Mobilfunkempfang ab. In Gebieten, die nur sehr weitmaschig mit Mobilfunkmasten ausgestattet sind, könnte der Empfang für die exakte Spurführung nicht ausreichen.

In Schleswig-Holstein steht das Sapos-Korrektursignal des Landesamts für Vermessung und Geoinformation mittlerweile kostenfrei zur Verfügung. Somit fallen für die Nutzung des RTK-Signals keine weiteren Kosten an. Es wird lediglich eine SIM-Karte mit einem Mobilfunkvertrag für den Schlepper benötigt.

Mit der kostenfreien SIM-Karte von Netzclub wird bei vollem Mobilfunkempfang die Spurführung auf eine Genauigkeit von 2,5 cm korrigiert.

Welchen Mobilfunkvertrag für den Schlepper?

In Deutschland gibt es vier Mobilfunknetze: das D1-Netz von Telekom, das D2-Netz von Vodafone, das O2-Netz von Telefónica und das 1&1-Netz von 1&1. Folglich ist es egal, welcher Mobilfunkanbieter genutzt wird, die Datenübertragung läuft stets über eines der vier Mobilfunknetze.

Die Mobilfunkverträge am Markt unterscheiden sich im genutzten Mobilfunknetz, dem Datenvolumen, der Datengeschwindigkeit und selbstverständlich im Preis. Die Tabelle zeigt beispielhaft, wie stark sich Mobilfunkverträge mit wenig Datenvolumen zwischen verschiedenen Anbietern sowohl in der Leistung als auch im Preis unterscheiden. Doch wie viel Datenvolumen und welche Datengeschwindigkeit werden für den Schlepper benötigt, um RTK zu nutzen?

Unnötige Vertragskosten sparen

Selbst die Mobilfunkverträge mit dem geringsten Datenvolumen können bedeutsame Kosten im Monat hervorrufen – erst recht, wenn mehrere Schlepper auf dem Betrieb mit RTK fahren und eine SIM-Karte benötigen. Bei vielen Anbietern besteht auch die Möglichkeit, eine MultiCard zu nutzen. Dann laufen auf einer Telefonnummer mehrere SIM-Karten. Bei der Telekom kostet dies beispielsweise 19,95 € pro SIM-Karte. Doch wie groß muss das Datenvolumen überhaupt sein, und wird eine Geschwindigkeit von mehr als 300 MBit/s wirklich benötigt?

Tatsächlich ruft das Sapos-Signal etwa 2 MB/h ab. Folglich sind Datengeschwindigkeiten von mehreren 100 MBit/s gar nicht nötig. Die RTK-Nutzung ist selbst mit gedrosselter Datengeschwindigkeit von 64 kBit/s möglich, die sich häufig nach aufgebrauchtem Datenvolumen einstellt.

Kostenloser Vertrag mit Netzclub

Netzclub ist deutschlandweit der einzige Mobilfunkanbieter, der eine kostenlose SIM-Karte mit freiem Datenvolumen von 200 MB anbietet. 200 MB wäre für jedes private Handy wohl eindeutig zu wenig, ist für einen Schlepper aber allemal ausreichend, insbesondere da nach aufgebrauchtem Datenvolumen die Datengeschwindigkeit lediglich auf 64 KBit/s gedrosselt wird – genügend für RTK.

Der SIM-Karten-Slot befindet sich bei Fendt in der Dachluke am Navigationscontroller, in dem das Funkmodem verbaut ist.

Unter https://www.netzclub.net können kostenlos ein Account angelegt und eine SIM-Karte bestellt werden. Nach wenigen Werktagen ist die SIM-Karte postalisch zugestellt und kann in einem Videotermin rund um die Uhr mithilfe des Personalausweises verifiziert und aktiviert werden. Anschließend muss die SIM-Karte nur noch im SIM-Karten-Slot des Satellitenempfängers auf dem Schlepper eingesetzt werden (siehe Foto links), und die präzise Arbeit kann beginnen.

Netzclub finanziert sich über Werbeeinnahmen. Die Werbung wird entweder per SMS, MMS oder per E-Mail zugestellt. Laut Netzclub können bis zu 30 Werbebotschaften im Monat verschickt werden. Der Vorteil bei der Nutzung über den Schlepper ist jedoch, dass die Werbung über SMS und MMS nicht dargestellt werden kann. Somit erreichten uns im Rahmen unseres Testzeitraums lediglich etwa zwei Werbeanzeigen innerhalb von vier Monaten per E-Mail.

Fazit

Für eine präzise Spurführung mit RTK benötigt der Schlepper eine SIM-Karte. Dabei sind die Leistungen der gängigen Mobilfunkverträge für die Nutzung völlig überzogen und führen zu vermeidbaren monatlich laufenden Kosten von mehr als 20 € je Schlepper. Netzclub bietet eine kostenlose SIM-Karte mit freiem Datenvolumen an.