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Mistkanone und Hackteufel

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Maschinen sollen die landwirtschaftliche Arbeit im Stall oder auf dem Feld erleichtern. Doch nicht immer entsprachen die Vorstellungen der Hersteller denen der Bauern. Also wurde selbst Hand angelegt und das Gerät oder die Maschine für den entsprechenden Bedarf umgebaut. Dabei entstand so manch kurioser historischer Eigenbau. Mit einem Aktionstag am Sonntag, 13. Oktober, sowie einer Sonderausstellung, beides unter dem Titel „Eigenbau & Eigenartiges – Kurioses in der Landwirtschaft“, zeigt das Schleswig-Holsteinische Landwirtschaftsmuseum in Meldorf eine Zusammenstellung von merkwürdig anmutenden Fahrzeugen und Geräten – Staunen, Wundern und Kopfschütteln inklusive.

Kombi Rekord der Firma Schmotzer mit Präzsionsdrillmaschine

Die Idee für diese Ausstellung entstand bei einem Blick in den museumseigenen Fahrzeugbestand. Dort im Depot stehen einige einzigartige Gerätschaften und Maschinen, die es wert sind, gezeigt zu werden. Der Werkstattleiter des Museums, Lutz Christansen, brauchte nicht lange, um Museumsleiter Alexander Eggert von einer Sonderausstellung zu überzeugen, und ließ darüber hinaus seine Kontakte zu Landwirten, Lohnunternehmen, Privatsammlern und Vereinen wie den Alttraktorenfreunden Westküste spielen. „So manch einer hat in seiner Scheune noch Schlepper oder Gerätschaften der Marke Eigenbau zu stehen, mitunter auch Eigentümlichkeiten, die auf den ersten Blick nicht selbsterklärend sind“, so Alexander Eggert. Sie werden nun zusammengetragen und mit den museumseigenen Kuriositäten zur Sonderausstellung zusammengestellt.

Aber auch moderne Landtechnik werde es an dem Aktionstag zu sehen geben, „denn vieles von dem, was damals konstruiert, erfunden oder umgebaut wurde, sich aber nicht durchsetzte und belächelt wurde, dient heute als Basis für die moderne Landtechnik“, so Lutz Christiansen. Eigenbauten habe es schon immer gegeben, oft blieb Landwirten nichts anderes übrig als zu improvisieren. Vor allen Dingen im Osten habe man viel mehr selbst gebaut als im Westen, so Christiansen. Doch auch hier habe es findige Landwirte gegeben, die mit handwerklichem Geschick und Einfallsreichtum sich zu helfen wussten. Entweder weil die Maschine im Einkauf zu teuer war oder am Bedarf vorbei konstruiert wurde und einer bedarfsgerechten Anpassung bedurfte.

Aus einem Eicher-Stapler wurde die Mistkanone.

So wie bei der Mistkanone. „Die Firma Eicher hatte eigentlich einen Gabelstapler, gebaut, der in erster Linie Landwirten dienen sollte. Doch ließ er sich nicht so recht vermarkten“, erzählt Lutz Christiansen. Dann merkte man, dass sich der Stapler gut zum Entmisten eignete, da er schmal und niedrig gebaut war. „Damals hatte man noch Festmist, der in einem Mistgang im Stall zusammengeschoben wurde, um ihn dann nach draußen auf den Haufen zu befördern. Allerdings war der Arm zu kurz, um den Mist auf den Haufen zu befördern.

Also baute man eine große Feder ein, die sich beim Heben der Schwinge spannte, gleichzeitig befand sich eine zweite Rückwand in der Schaufel, die nach vorne schnellte, wenn man an einem Seil zog, das die Feder entspannte. Auf diese Weise wurde der Mist von der Schaufel auf den Haufen geschleudert. „Das Ganze war eine mehr als gewagte Konstruktion und würde heute wohl keiner Prüfung durch die Berufsgenossenschaft standhalten. Durch die Dreirädrigkeit war das Gefährt instabil und ist ständig umgekippt. Und doch findet man noch einen Aufkleber der Berufsgenossenschaft auf dem Gerät, was mich persönlich am meisten fasziniert“, so Christiansen.

Auch Hersteller wollten durch pfiffige Innovationen glänzen, konstruierten aber mitunter am Bedarf oder an der Zeit vorbei. Wie die Firma Winterhoff, die den „Hackteufel“ zum Unkrauthacken oder Rübenverziehen auf den Markt brachte und grandios damit scheiterte. Zapfwellengetriebene, schwingende Hackmesser sollten die Arbeit erleichtern. Die Mitarbeiter brauchten die Stiele mit den selbstschwingenden Messern nur hin- und herzuführen. Und damit sie nicht hinterherlaufen mussten, hatte man zusätzlich vier Sitze angebracht. „Allerdings haben die Mitarbeiter nach spätestens einer halben Stunde gestreikt, da ihnen durch die Vibrationen die Handgelenke und Arme wehtaten, sodass sie die Stiele der Hacken nicht mehr halten konnten“, erzählt Christansen. Das Gerät wurde abgestellt und die Felder mit einer konventionellen Hacke weiterbearbeitet.

Am Bedarf vorbei ging der „Hackteufel“ der Firma Winterhoff. Das Schwingen der Hacken verursachte Schmerzen in den Armen der Bediener.

An der Zeit vorbei konstruierte die Firma Buschhoff aus Ahlen in Westfalen die selbstfahrende Dreschmaschine. Diese wurde seinerzeit erst durch Pferde, dann Dampfmaschinen und später von Treckern von Hof zu Hof gezogen, um vor Ort zu dreschen. Um den Transport zu erleichtern, wurde aus der Dreschmaschine ein Selbstfahrer. „Allerdings waren da schon moderne Mähdrescher auf den Feldern unterwegs.“ Als Buschhoff 1960 die Buschhoff PD 10 SHS auf einer Ausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft präsentierte, war Hersteller Claas aus dem Nachbarort Harsewinkel bereits Weltmarktführer im Mähdrescherbau. Dreschmaschinen hatten ausgedient. Und auch technisch sei der Selbstfahrer eine glatte „Sechs“ gewesen, denn man hatte für die 8,5 t schwere Maschine nur einen 37 PS starken Motor verbaut, inklusive Schaltgetriebe aus einem VW-Käfer.

Mit einem Gerät gleich mehrere Tätigkeit gleichzeitig ausführen – diese Idee hatte die Firma Henri Lüdemann aus Hamburg in den 1940er Jahren. Sie bot diversen Schlepperherstellern ein Kombi-Sägerät mit Pflug, Packer, Saatkiste, Egge und Düngerstreuer mit Anbaumöglichkeit an fast allen Schleppern an. Damals setzte sich das Prinzip nicht so richtig durch, heute gehört es zum Standard, in nur einer Überfahrt mehrere Arbeiten gleichzeitig auszuführen. Diese und weitere spannende Geschichten zu kuriosen Maschinen sowie ein buntes Veranstaltungsprogramm gibt es am 13. Oktober im Landwirtschaftsmuseum in Meldorf. Weitere Informationen unter landwirtschaftsmuseum.sh

Die Firma Buschhoff baute die selbstfahrende Dreschmaschine in einer Zeit, in der bereits moderne Mähdrescher im Einsatz waren.
Foto: Iris Jaeger
Auf der Idee eines Kombi-Sägeräts der Firma Lüdemann basiert die heutige moderne Landtechnik.
Foto: Iris Jaeger
Lutz Christiansen (li.) und Hauke Mehlert zeigen eine Dengelmaschine der Marke Eigenbau zum Schärfen von Sensenblättern . Als Antrieb dient ein Waschmaschinenmotor.
Foto: Iris Jaeger
Ein Schwadleger für Raps von der Firma Hesston
Foto: Iris Jaeger


Knicks richtig pflegen

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Unsere Kulturlandschaft in Schleswig-Holstein wird durch Knicks geprägt, das Knicknetz hat aber auch eine wichtige ökologische Bedeutung. Daher sind Knicks gemäß Bundes- und Landesnaturschutzgesetz geschützte Biotope. Um den Lebensraum Knick zu erhalten, müssen die Vorschriften der Knickpflege ­beachtet werden.

Das schleswig-holsteinische Knicknetz erstreckt sich in etwa über eine Länge von 55.000 km und nimmt dabei zirka 1 % der Landesfläche ein. Ein Knick besteht üblicherweise aus einem Erdwall, der meist 0,8 bis 1 m hoch und je nach Standort mit verschiedenen buschartigen Gehölzen und Bäumen bewachsen ist. Gemeinsam ist allen Knicks ihre linienartige Gestalt, die sich durch die Landschaft Schleswig-Holsteins zieht. Hierdurch entstehen einzigartige Lebensraumkorridore.

Die Wallhecken dienten traditionell der Abgrenzung einzelner Parzellen voneinander sowie der Rohstoffnutzung. Aus heutiger Sicht kommen Funktionen hinzu, die sich von dem Bereich Naturhaushalt, Klima- und Bodenschutz bis zum prägenden Landschaftsbild und zur Naherholung erstrecken.

Hervorzuheben ist die Funktion als Lebensraum für zum Teil gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Die Struktur eines Knicks ähnelt zwei zusammengefügten Waldrändern mit einer Baum-, Strauch- und Gräserzone. So gedeihen mehrere Hundert Pflanzen- und etwa 7.000 verschiedene Tierarten in dem Lebensraum Knick.

Um den Knick selbst mit seiner vielfältigen Struktur als Lebensraum zu erhalten, ist die Knickpflege unerlässlich. Die besondere Struktur soll durch das Auswachsen der Sträucher nicht verloren gehen. Bei der fachgerechten Knickpflege sind die Vorschriften sowohl des Bundes- als auch des Landesrechts zu beachten, Verstöße in diesem Bereich gelten ebenfalls als Verstöße gegen die Konditionalität und können Sanktionen der Agrarzahlungen zur Folge haben.

Regularien der Knickpflege

Für den Erhalt der Funktionsfähigkeit als vielfältiger Lebensraum ist das regelmäßige sogenannte Auf-den-Stock-Setzen der Knicks notwendig. Diese traditionellen Gehölzpflegearbeiten dürfen in Schleswig-Holstein in dem Zeitraum vom 1. Oktober bis zum letzten Tag des Monats Februar bei Erhalt der Überhälter und Entfernung des Schnittgutes vom Knickwall durchgeführt werden. Das umgangssprachliche „Knicken“ der Gehölzpflanzen darf frühestens alle zehn Jahre und sollte alle zehn bis 15 Jahre vorgenommen werden.

Das Knicken der Gehölze erfolgt etwa eine Handbreit über dem Erdboden, um das Austreiben der Bäume zu erleichtern. Glatte und nicht ausgefranste Schnittflächen wirken sich vorteilhaft auf die Stockausschlagfähigkeit aus. Die Sicherstellung einer guten Stockausschlagfähigkeit ist vorgeschrieben, weshalb sich das händische Nachsägen als durchaus hilfreich erweisen kann. Nach guter fachlicher Praxis sollten Gehölzarten mit einem geringen Ausschlagvermögen (Buche, Ilex) stehen gelassen werden. Grundsätzlich sind großräumige Kahlschläge innerhalb einer Gemarkung zu vermeiden.

Knickwall und Schutzstreifen

Zum Schutz von an Ackerflächen angrenzenden Knicks muss ein mindestens 50 cm breiter Schutzstreifen, gemessen vom Knickwallfuß, eingehalten werden. Es gilt ein ackerbauliches Nutzungsverbot, das die einzigartige Flora und Fauna des Knicks vor den Einwirkungen von Dünge- und Pflanzenschutzmaßnahmen sowie von Bodenbearbeitung und Aussaat von Kulturpflanzen schützt.

Die Pflege des Schutzstreifens ist ganzjährig durch Mahd und Mulchen möglich, dennoch sollte aus Artenschutzgründen der Zeitraum von Mitte Juli bis Ende Februar hierfür präferiert werden. Eine weitere Pflegemaßnahme ist das gelegentliche Grubbern des Schutzstreifens, das etwa alle drei Jahre möglich ist. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass nicht etwa durch zu tiefes Grubbern die krautige Vegetation zerstört wird. Auf Grünlandflächen ist ein Schutzstreifen nicht notwendig und die Beweidung kann bis an den Knickwallfuß durchgeführt werden. Eine Durchweidung ist nicht gestattet, da durch das Vieh Trittschäden am Knick entstehen könnten.

In dem Zeitraum vom 15. November bis einschließlich des letzten Tages des Monats Februar dürfen die Knickwallflanken fachgerecht durch Mahd und Mulchen gepflegt werden. Das Anpflanzen von nicht heimischen Pflanzen sowie die nicht nur vorübergehende Ablagerung von Schnittgut sind auf Knickwall und Schutzstreifen verboten. Jedoch ist in Regionen mit einer hohen Wilddichte eine leichte Abdeckung der auf den Stock gesetzten Gehölze zur Vermeidung von Verbissschäden möglich. Ebenfalls verboten sind die Errichtung von Stückgutlagern und Baustellen, das Versiegeln sowie die Lagerung von Silo- und Strohballen, wenn der Mindestabstand von 1 m vor dem Knickwallfuß unterschritten wird.

Management der Überhälter

Gemäß der Biotopverordnung muss beim Auf-den-Stock-Setzen alle 40 bis 60 m ein Überhälter stehen gelassen werden. Die Bezeichnung „Überhälter“ bedeutet, dass ein Baum mindestens 1 m Stammumfang, gemessen in 1 m Höhe über dem Erdboden, erreicht hat. Sind keinerlei einstämmige Überhälter auf einem 40 bis 60 m langen Knickabschnitt vorhanden, können mehrstämmige Bäume als Überhälter gelten, wenn die Summe der Stammumfänge der zwei stärksten Stämmlinge, gemessen in 1 m Höhe über dem Erdboden, mindestens 1 m ergibt.

Das Fällen von Überhältern ist ausschließlich im Zuge des Knickens und nur dann zulässig, wenn mindestens ein weiterer Überhälter in dem Abschnitt des Knicks von 40 bis 60 m erhalten bleibt. Überhälter, die einen Stammumfang von mindestens 2 m, gemessen in 1 m Höhe über dem Erdboden, erreicht haben, sind dauerhaft geschützt und dürfen nicht gefällt werden.

Seitlicher Rückschnitt

Der seitliche Rückschnitt der Knickgehölze ist senkrecht in einer Entfernung von 1 m vom Knickwallfuß bis zu einer Höhe von 4 m möglich. Ist kein Knickwall, sondern ein ebenerdiger Knick vorhanden, ist das Einkürzen oder Aufputzen unter Beachtung eines Mindestabstands von 1 m vom Wurzelhals der am Rand der Gehölzstreifen angepflanzten Gehölze zulässig.

Das erstmalige Einkürzen ist frühestens drei Jahre nach dem Knicken und danach ebenfalls nur in mindestens dreijährigem Abstand zulässig. Der Zeitraum, in dem der seitliche Rückschnitt durchgeführt werden darf, ist der 1. Oktober bis zum letzten Tag des Februars.

Der sogenannte schonende Form- und Pflegeschnitt bildet dabei eine Ausnahme. Er ermöglicht die Rücknahme ausschließlich des diesjährigen Zuwachses auch in den Sommermonaten. Es müssen auch hier zuvor drei Jahre Wartezeit eingehalten worden sein. Damit startet der dreijährige Ruhezyklus erneut, daher dürfte die Maßnahme nur in seltenen Fällen zielführend sein. Ganzjährig ist die händische Herausnahme einzelner Zweige möglich, etwa zum Freihalten von Einfahrten oder Weidezäunen.

Ausblick auf das Jahr 2025

Der seitliche Rückschnitt ist bisher nur vom 1. Oktober bis zum 28. Februar (29. Februar) erlaubt. Wie Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) kürzlich auf dem Landesbauerntag in Rendsburg ankündigte, soll das seitliche Einkürzen ab 2025 bereits ab dem 15. September möglich sein. Der Erlass einer entsprechenden Regierungsverordnung ist bereits angestoßen.

Fazit

Knicks prägen die Kulturlandschaft Schleswig-Holsteins. Durch ihre besondere Struktur bieten sie einen Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten. Die fachgerechte Knickpflege dient der Erhaltung der vielfältigen Funktionen des Knicks. Hierbei sind die Vorschriften des Bundes- und Landesrechts einzuhalten.

Nicht ordnungsgemäße Knickpflege ist eine Ordnungswidrigkeit und führt zu Bußgeldverfahren sowie zu Sanktionen der Agrarförderungen. Voraussichtlich ab 2025 wird der seitliche Rückschnitt bereits ab dem 15. September möglich sein. Im Einzelfall können auch zweistämmige Bäume als Überhälter definiert werden (Summe der Stammumfänge der zwei stärksten Stämmlinge über 1 m).

Der Fachbereich Umwelt steht über Knick@lksh.de für weitergehende Beratung zur Verfügung.

Fressverhalten von laktierenden Kühen

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Automatische Melksysteme sind mittlerweile nahezu in jeder Region etabliert, und das seit Jahren. Aber auch bei der Futtervorlage steigt die Nachfrage nach automatischen Fütterungssystemen (AFS). Gründe hierfür sind vor allem Arbeitserleichterung, Zeitersparnis und flexiblere Arbeitsvorgänge.

Mit Blick auf die Tiere bedeuten AFS vor allem eine häufigere Vorlage kleinerer Futtermengen, homogenere Rationen, womöglich weniger Selektion und Futterreste, das Füttern mehrerer Tiergruppen und damit das Erstellen zahlreicher Rationen, die den physiologischen Bedürfnissen des Einzeltieres besser gerecht werden.

Auch könnte eine erhöhte Fütterungsfrequenz zu einer gleichmäßigeren Verteilung der Futteraufnahmen über den Tag hinweg und eventuell zu höheren Futteraufnahmen führen. Schlussendlich dürften vor allem rangniedrigere Tiere profitieren, da sie die Möglichkeit einer ungestörteren Futteraufnahme erhalten. Das wiederum dürfte eine ruhige Atmosphäre im Stall fördern.

Interessant ist hierbei, ob und, wenn ja, wie sich eventuell Verhaltensweisen der Tiere ändern, wenn von einer konventionellen ein- oder zweimaligen Futtervorlage am Tag zu einer automatisierten und damit häufigeren Futtervorlage gewechselt wird. Diese Fragestellung war Gegenstand einer insgesamt sechsmonatigen Untersuchung (30. August 2023 bis 28. Februar 2024) auf Gut Hülsenberg.

Der in den ersten zwei Monaten nach der Umstellung registrierte Rückgang der Futteraufnahme in allen vier Kuhgruppen lässt vermuten, dass sich (der Mensch und) die Tiere an das neue System gewöhnen mussten.

Betriebliche Situation

Am 1. November 2023 wurde auf Gut Hülsenberg in Wahlstedt ein AFS in Betrieb genommen. Die 220 Milchkühe wiesen im Jahresabschluss 2023 eine Milchleistung von 12.989 kg mit 3,90 % Fett und 3,37 % Eiweiß auf. Im betrachteten Zeitraum wurden im Durchschnitt 195 Kühe durch vier vollautomatische Lely-Melkroboter A5 gemolken. Jeder der Melkroboter ist für eine separate Gruppe zuständig (drei Gruppen mit Mehrkalbskühen, eine Gruppe mit Erstkalbskühen), da jede Kuh ausschließlich zu einem der Roboter Zugang hatte. Dementsprechend ergeben sich vier unterschiedliche Gruppen im Betrieb, eine der vier Gruppen besteht nur aus Erstkalbskühen.

Vor der Umstellung auf das AFS (Modell Lely Vector) erfolgte die Fütterung der Milchkühe einmal täglich mit einem Selbstfahrer. Das vorgelegte Futter wurde im zweistündigen Abstand mit dem Anschieberoboter Lely Juno nachgeschoben. Mit dem Lely Vector erfolgte dann eine durchschnittlich sechs- bis achtmalige frische Futtervorlage am Tag. Auch das Futternachschieben geschah automatisch mit dem Lely Vector.

Rationsgestaltung im Detail

Die drei Gruppen der Mehrkalbskühe erhielten stets die gleiche Ration. Sie wurde für die Erstlaktierenden geringfügig modifiziert, mit etwas geringerem Stärke- und leicht erhöhtem Fasergehalt. Außer der Umstellung auf das automatische Fütterungssystem am 1. November 2023 fanden jeweils am 18. September 2023, 27. November 2023 und am 23. Januar 2024 Rationsveränderungen statt (Tabelle 1).

Darüber hinaus erhielten die Kühe in Abhängigkeit von ihrem Laktationsstadium über einen Flüssigdosierer am Melkroboter ein Ergänzungsfutter, bestehend aus Glycerin, Propylenglycol und Isomaltulosemelasse, beginnend mit 700 g und bis zum 120. Laktationstag schrittweise auf 250 g pro Kuh und Tag reduziert.

Ergebnisse im Überblick

Die Datenerhebung erstreckte sich über einen Zeitraum von sechs Monaten, von denen die Monate September und Oktober 2023 die Zeitspanne vor der Umstellung darstellten.

Die Futteraufnahme wurde während des betrachteten Zeitraums täglich (im Gruppenmittel), unter Berücksichtigung der täglichen Restfuttermenge und der tierindividuellen Leistungsfuttergabe im Melkroboter, erfasst.

Die durchschnittliche Futteraufnahme der Milchkühe betrug in den letzten beiden Monaten vor der Umstellung 23,35 kg TM je Kuh und Tag (±1,54 kg TM). In den ersten beiden Monaten nach der Umstellung nahmen die Tiere mit 22,34 kg TM je Kuh und Tag (± 2,02 kg TM) signifikant weniger Futter auf (p = 0,003). Auch waren die Schwankungen der täglichen Futteraufnahme nun größer als zuvor. Nach den Beobachtungen im Betrieb waren diese Reaktionen vor allem der Anpassung und dem Einfahren des neuen Systems geschuldet.

Letztlich unterstützte die Umstellung von einer einmaligen Futtervorlage am Tag auf eine mit dem automatischen Futtervorlagesystem verbundene sechs- bis achtmalige frische Futtervorlage eine Steigerung der Futteraufnahme.

In Tabelle 2 sind die Futteraufnahmen jeder der vier Kuhgruppen zum einen für den gesamten Untersuchungszeitraum, zum anderen für die Zeitspanne der zwei Monate vor der Umstellung auf das AFS und dann für die vier Monate nach der Umstellung dargestellt.

In den Monaten Januar und Februar 2024 wurde dann mit 26,06 kg TM je Kuh und Tag (± 2,81) wieder eine signifikant (p < 0,001) höhere Futteraufnahme im Durchschnitt aller Kühe verzeichnet als in den beiden Monaten vor der Umstellung und in den beiden Monaten unmittelbar nach der Umstellung auf das AFS. Auch nahmen die Futteraufnahmeschwankungen wieder ab, was die Annahme einer gewissen Gewöhnung der Tiere an dieses neue Futtervorlagemanagement unterstützt. 

Die Erstkalbskühe reagierten in den ersten beiden Monaten nach der Umstellung mit einer deutlicheren Futteraufnahmedepression auf diesen Wechsel als die älteren Kühe. In den beiden nachfolgenden Monaten Januar und Februar stieg dann aber, wie auch bei den Mehrkalbskühen, deren Futteraufnahme wieder an (Abbildung 1).

Bei der Interpretation der Futteraufnahme dieser Milchkuhherde muss zum einen jedoch berücksichtigt werden, dass auch weitere Faktoren Einfluss auf die Futteraufnahme genommen haben, beispielsweise die Rationsgestaltung. So erfolgten im Verlauf des Betrachtungszeitraums drei Rationsumstellungen (siehe Tabelle 1). Auch muss beachtet werden, dass die TM-Aufnahme jeder Gruppe einen Gruppenwert darstellt, der nicht auf tierindividuellen Futteraufnahmemessungen basiert.

Futteraufnahme- und Wiederkaudauer

Im Durchschnitt hat jede Kuh der Herde über den Zeitraum der Datenerhebung 324 min und somit 5,4 Stunden am Tag Futter aufgenommen. Vor der Umstellung auf die häufigere Futtervorlage mittels AFS betrug dieser Wert 303 min (± 23 min), in den ersten beiden Monaten danach (November/Dezember) 339 min (± 13 min) und in den Monaten Januar/Februar 332 min (± 11 min).

Die etwas längere Futteraufnahmedauer nach der Umstellung auf das AFS deutet darauf hin, dass sich die Tiere mehr mit dem Fressen beschäftigten. Hingegen nahm die Wiederkaudauer, auch bedingt durch die erst einmal reduzierte Futteraufnahme, zunächst ab. Nach der Gewöhnungsphase in den ersten beiden Monaten erreichte dann das Wiederkauverhalten der Kühe (Monate Januar und Februar) aber wieder annähernd das Niveau aus dem Zeitraum vor der Umstellung.

Die durchschnittliche Wiederkaudauer betrug über den gesamten Betrachtungszeitraum hinweg 558 min, also 9,3 Stunden pro Kuh und Tag. Vor der Umstellung auf das AFS kauten die Kühe durchschnittlich 568 min (± 19 min) am Tag wieder, in den beiden Monaten unmittelbar nach der Umstellung 543 min (± 13 min) und in den Monaten Januar und Februar 564 min (± 14 min).

Erstkalbskühe zeigten im Vergleich zu den Mehrkalbskühen im gesamten Versuchszeitraum eine um 22 % längere Futteraufnahmedauer und eine um 6 % längere Wiederkaudauer (Tabelle 3).

Ergebnisse zur Milchleistung

Die Milchleistung der Kühe betrug im gesamten Zeitraum durchschnittlich 40,62 kg ECM je Kuh und Tag (± 2,03 kg), in den letzten zwei Monaten vor der Umstellung auf das AFS 39,17 kg ECM, in den ersten beiden Monaten nach der Umstellung (November und Dezember) 39,99 kg ECM und in den nachfolgenden zwei Monaten Januar und Februar 42,79 kg ECM (Abbildung 2). Diese Unterschiede waren stets hochsignifikant (p < 0,001).

Fazit

Die Umstellung von einer einmaligen Futtervorlage am Tag auf eine mit dem automatischen Futtervorlagesystem verbundene sechs- bis achtmalige frische Futtervorlage unterstützte eine Steigerung der Futteraufnahme bei den Mehrkalbskühen. Bei den Erstkalbskühen zeigte sich dieser Effekt im Durchschnitt der viermonatigen Beobachtungszeit nach der Umstellung (noch) nicht. In den ersten zwei Monaten nach der Umstellung war jedoch in allen Kuhgruppen ein Rückgang der TM-Aufnahme zu verzeichnen, vermutlich bedingt durch die Anpassung an das neue System. Ab Januar/Februar, also im dritten/vierten Monat nach der Umstellung, wurde aber in allen Gruppen, also auch bei den Jungkühen, eine deutliche Futteraufnahmesteigerung beobachtet. Jedoch muss hierbei berücksichtigt werden, dass im gesamten Versuchszeitraum auch drei Rationsumstellungen erfolgten, die zusätzliche Auswirkungen auf die Höhe der Futteraufnahme und die Milchleistung gehabt haben. Unabhängig davon zeigte sich, dass kurz nach der Einführung des neuen Futtervorlagesystems Veränderungen im Fress- und Wiederkauverhalten der Kühe zu beobachten waren. Nach einer Gewöhnungsphase jedoch passten sie sich anscheinend an das neue Fütterungssystem an.