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Grüne Vitaminbomben

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Feldsalat gilt als klassisches Herbstgemüse. Ab Juli in Sätzen ausgesät, erfolgt die Ernte der leckeren Blätter bereits sechs bis acht Wochen später. Doch auch die Aussaat im Frühling lohnt sich, denn hier ist die Kulturzeit kürzer und die Ernte lässt sich durch Vorkultur verfrühen.

Der lateinische Name des Feldsalates, Valerianella locusta, bedeutet „starker, gesunder, kleiner Baldrian“. Feldsalat ist reich an Vitamin A und C und versorgt uns mit wichtigen Mineralstoffen. Das Baldriangewächs passt gut in die Fruchtfolge und ist daher die perfekte Nachkultur. Besonders wohl fühlt sich Feldsalat auf mittelschwerem, lockerem und kalkhaltigem Boden. Der Nährstoffbedarf ist nur gering. Eine frühjährliche Grundversorgung des Bodens mit Kompost ist völlig ausreichend.

Der Anbau in Reihen erleichtert Pflege und Ernte. Foto: Karin Stern

Am besten nutzt man geräumte Beete als Anbaufläche. Schon einige Reihen bescheren eine reiche Ernte. Folgesaaten im Abstand von vierzehn Tagen sorgen für ständigen Nachschub. Die späten Aussaaten im September überwintern auf dem Beet und werden je nach Witterung ab Februar (im Gewächshaus) oder ab März (im Freiland) geerntet. Feldsalat wächst noch bei 5° C und erträgt Temperaturen bis –15 °C. Dennoch besteht die Gefahr, dass in längeren Frostperioden Feldsalat schlichtweg vertrocknet. Bei zu dichtem Stand und längeren Regenphasen bilden sich zudem schnell Pilze. Erkennbar ist ein Befall an gelben Blättern oder roten Punkten auf der Unterseite der Blätter. Von einem Verzehr ist in diesem Fall abzuraten. Die Aussaat von mehltaurobusten Sorten lindert das Problem. Eine prima Alternative zur krankheitsanfälligen Überwinterung ist die zeitige Vorkultur im Februar mit anschließendem Auspflanzen ins Frühbeet im März. Hier legt der Feldsalat einen Wachstumsturbo ein, sodass bereits fünf bis sieben Wochen nach der Aussaat geerntet werden kann. Sonnige Märztage verfrühen die Ernte.

Nasse Kartoffelsäcke auf dem Beet schützen den Feldsalat in der Keimphase vor zu hohen Temperaturen. Foto: Karin Stern
Sobald sich die ersten Laubblätter zeigen, sind die Säcke zu entfernen. Foto: Karin Stern


Feldsalat ist in der Keimphase ein wenig heikel. Bei zu hohen Temperaturen kann es zur Keimhemmung kommen. Außerdem ist eine gleichmäßige Bodenfeuchtigkeit in der Keimphase wichtig. Zu Großmutters Zeiten legte man feuchte Kartoffelsäcke auf die frisch bestellten Beete und entfernte diese sofort, sobald sich die ersten Keimblätter zeigten. Ein weiteres Problem ist die Keimfähigkeit der Samen. Sie lässt nach, wenn sie zu alt sind. Der Samen geht also nicht mehr auf. Tipp: Unbedingt auch neu gekaufte Tüten erst einmal testen. Dazu sät man zehn bis zwanzig Samen in ein kleines, mit Aussaaterde gefülltes Töpfchen aus, stellt es bei 20 °C auf und zählt nach zehn Tagen die Keimlinge. Wenn nur die Hälfte der Samen oder gar weniger aufgegangen ist, verwendet man besser anderes Saatgut. Es ist nämlich sehr ärgerlich, wenn man mehrere Reihen aussät und sich einfach kein Feldsalat zeigen will, weil minderwertiges Saatgut abgepackt wurde. Das kann erfahrungsgemäß auch bei Markensaatgut vorkommen. Daher sollten immer die Tüten aufgehoben und in solchen Fällen reklamiert werden.

Trotz aller Widerstandsfähigkeit gegen Mehltau kann es zu einem Pilzbefall kommen, hier erkennbar an gelben Blättern. Foto: Karin Stern

Die Vielzahl der erhältlichen Sorten unterscheidet sich vor allem in der Anfälligkeit gegenüber Echtem und Falschem Mehltau, dem Aussaattermin und der Frosthärte. Daneben gibt es noch spezielle Sorten für das Gewächshaus. Es empfiehlt sich, mehrere Sorten gleichzeitig auszuprobieren und pro Reihe eine Sorte auszusäen. Auf Pflanzenetiketten wird die jeweilige Sorte notiert, so können diese ganz leicht miteinander verglichen werden. Einige Sorten lassen sich mehr Zeit mit dem Wachstum, andere sind Sprinter, einige schmecken sehr intensiv, einige sind krankheitsanfälliger, einige bringen nicht nur eine zweite, sondern sogar noch eine passable dritte Ernte hervor.

Frühjahrsanbau von ,Holländischem Breitblättrigem‘ im Gewächshaus. Das Foto wurde Mitte März aufgenommen. Foto: Karin Stern

Die Aussaat erfolgt im Freiland ab Mitte Juli bis Ende September. Im Gewächshaus oder Frühbeet kann auch im Oktober oder November noch gesät werden. Wichtig ist beim Anbau unter Glas das regelmäßige Lüften, ansonsten ist der Pilzbefall nahezu unvermeidlich. Bei einer früheren Aussaat geht Feldsalat als Langtagspflanze schnell in die Blüte und verliert an Geschmack. Dasselbe Phänomen tritt auf, wenn im Frühjahr die Pflanzen zu lange auf dem Beet bleiben. Empfehlenswert ist die Reihenaussaat im Abstand von etwa 10 cm. Gerade Reihen erleichtern Pflegearbeiten und Ernte. Die Samen sollten nicht tiefer als 1 cm im Boden liegen. Ein guter Erdanschluss (nach dem Schließen der Reihen den Boden mit dem Rechenrücken andrücken) beschleunigt die Keimung der Samen, die nicht unbedingt zu den Schnellstartern gehören. Für die Ernte werden die Blätter knapp über dem Boden mit einem scharfen Messer abgeschnitten. Bleibt dabei das Herz unversehrt, wachsen neue Blätter nach und ermöglichen einen oder gar zwei weitere Schnitte. Die kleinrosettigen Sorten werden gern als komplette Pflanze geerntet. Schneidet man dafür die Pflanze knapp über dem Wurzelansatz ab, bleibt die Rosette erhalten.

Der ,Holländische Breitblättrige‘ ist aufgrund der großen Blätter und des mehrmaligen Schnitts sehr ertragreich. Foto: Karin Stern
,Vit‘ ist eine bewährte Sorte mit kleinen Rosetten. Foto: Karin Stern
Erntereifer ,Verte de Cambrais‘ gegen Ende September. Er ist im Gegensatz zum ,Holländischen Breitblättrigen‘ sehr winterhart. Foto: Karin Stern
,Baron‘ bildet breitrunde Blätter und wird von Mitte Juli bis Ende September ausgesät. Foto: Karin Stern


Sortentipps:

‚Amely‘: schnell wachsend, Ersatzsorte für ‚Favor‘, ganzjährig für Freiland und Gewächshaus, hoch widerstandsfähig bei nasskalter Witterung

‚Gala‘: aufrechte Rosetten, Ganzjahresanbau in Freiland und Gewächshaus, tolerant gegen Falschen Mehltau

‚Vit‘: ovale Blätter, tolerant gegen Falschen Mehltau, Ganzjahresanbau unter Glas oder im Freiland

‚Verte de Cambrai‘: rosettenförmiger, dicker Wuchs, sehr winterhart, Aussaat August bis September

‚Holländischer Breitblättriger‘: starkwüchsig, langes, großes Blatt, Aussaat Ende Juli bis September, nicht sehr winterhart

Ernteschätzungen und ihr Preiseinfluss

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Die Getreideernte ist auf der gesamten Nordhalbkugel in vollem Gange. Dementsprechend jagt eine veröffentlichte Ernteschätzung die nächste. Dabei verwundert es oft sehr, dass einige Ernteschätzungen mit deutlichen Korrekturen in der Erntemenge kaum Einfluss auf die entsprechenden Notierungen haben, während andere ganze Märkte zu Fall bringen. Das aktuelle Tief der Weizenkurse ist durch so eine korrigierte Ernteschätzung des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) hervorgerufen worden. Das USDA hat ein enges weltweites Netzwerk an Analysten und Marktbeobachtern, daher wird der USDA-Report auch immer gespannt von allen Marktteilnehmern verfolgt. Entsprechend groß ist der Einfluss dieses Berichts auf die Marktpreise. In seinem Bericht vom 12. Juli hat das USDA die globale Weizenproduktion um ganze 6 Mio. t nach oben korrigiert. Das war nicht in diesem Ausmaß erwartet worden, dementsprechend war diese Mengensteigerung auch noch nicht eingepreist und die Warenterminmärkte haben entsprechend heftig reagiert. Von diesen geschätzt 6 Mio. t höheren Weizenerträgen entfallen allein 5 Mio. t auf die USA und Kanada. Aber auch für Russland wird die Erntemenge laufend nach oben korrigiert – sowohl vom USDA als auch vom russischen Agrarberatungsunternehmen Sov­Econ. So wird inzwischen von einer russischen Weizenernte von 84 Mio. t ausgegangen. Nach den ersten Meldungen im Mai über Trockenschäden und Schäden durch Spätfröste sind es einmal 80,2 Mio. t gewesen. Im Vergleich zu der Vorjahresernte von 93,5 Mio. t wird in Russland aber nach wie vor eine deutlich schlechtere Weizenernte erwartet.

Aktuell leichte Preiserholung

Zum Wochenbeginn erholten sich die Weizenkurse besonders an der Matif in Paris wieder deutlich. Diese Preisentwicklung war gekoppelt an die aktuelle Ernteschätzung des an das französische Agrarministerium angeschlossene Instituts FranceAgriMer. In ihrem wöchentlichen Erntebericht korrigierten die Marktanalysten die französische Weizenernte sowohl in der Qualität als auch in der Quantität nochmals deutlich nach unten. In Deutschland werden Ernteprognosen unter anderem vom Deutschen Raiffeisenverband (DRV) veröffentlicht. Dieser korrigierte die deutsche Getreideernte in der vorigen Woche um 0,5 Mio. t auf 41,5 Mio. t nach unten. Da die Getreideerntemenge in Deutschland aber deutlich geringer ist als in Frankreich, fällt entsprechend auch der Preiseinfluss einer deutschen Ernteschätzung deutlich geringer bis – wie in diesem Fall – gar nicht ins Gewicht.

Verbrauch höher als Erntemenge

Der Internationale Getriederat (IGC) hat in seiner jüngsten Juli-Schätzung die weltweite Getreideerzeugung um +0,3 % auf 2.321 Mio. t erhöht. Der weltweite Verbrauch wurde ebenfalls nach oben aktualisiert und liegt aktuell um 3 Mio. t über der Erntemenge. Dies würde also zu sinkenden Lagerbeständen führen. Auf die kurzfristige Preisentwicklung hat dieser Bericht zwar keinen Einfluss, langfristig gesehen ist dies aber ein Argument, dass für eine bullische Preisentwicklung spricht. Und darauf spekulieren aktuell anscheinend viele Erzeuger, denn die Verkaufsbereitschaft seitens der Landwirte ist auf dem aktuellen Preisniveau gering. Dies erklärt auch die aktuelle, auf den ersten Blick eher ungewöhnliche Preisdifferenz: niedrige Börsenkurse auf der einen Seite und noch nicht gefallene Mischfutterpreise auf der anderen Seite.

Japankäfer im Grenzgebiet zur Schweiz gesichtet

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Deutsche Behörden bitten die Bevölkerung im Grenzgebiet zur Schweiz und darüber hinaus, verdächtige Käferfunde dem Pflanzenschutzdienst zu melden. Die Schweizer Behörden haben jetzt das Julius-Kühn-Institut (JKI) in seiner Funktion als zuständige Bundesbehörde für Fragen der Pflanzengesundheit über das Auftreten des meldepflichtigen Japankäfers (Popillia japonica) in Basel und damit in unmittelbarer Nähe zur deutschen Grenze informiert.

Zum Glück ist Schleswig-Holstein weit weg, dennoch wird hier schon seit zwei Jahren ein Monitoring des meldepflichtigen Japankäfers (Popillia japonica) vom Pflanzenschutzdienst bei der Landwirtschaftskammer durchgeführt. Bisher wurden hierzulande keine Käfer gefunden.

Bislang waren auf Schweizer Gebiet im Dreiländereck lediglich einzelne Käfer aufgetaucht. Nun wurde das Schadinsekt laut dem kantonalen Pflanzenschutzdienst an zwei weiteren Stellen gefunden, wobei es sich bei einem um eine größere Kolonie handelt. Rund 1 km um die Fundorte wurde jetzt als sogenannte Befallszone gekennzeichnet. Im Umkreis von weiteren 5 km gibt es eine Pufferzone. Damit fallen auch Teile der deutschen Gemeinden Grenzach-Wyhlen und Weil am Rhein im Landkreis Lörrach in das Beobachtungsgebiet.

Duftstofffalle für Japankäfer (Popillia japonica) an einem Autobahnrasthof in Schleswig-Holstein.
Foto: Sören Ruge

Schadmuster

„Der ursprünglich aus Japan stammende Käfer kann eine Vielzahl von Pflanzen schädigen und findet auch in anderen europäischen Ländern gute Vermehrungsbedingungen, unter anderem weil natürliche Gegenspieler fehlen“, sagt Dr. Bernhard Schäfer, der am JKI in Braunschweig das für Pflanzengesundheitsfragen zuständige Fachinstitut leitet.

Die Europäische Union stuft den Japankäfer als sogenannten prioritären Quarantäneschädling ein, dessen Auftreten durch jeden meldepflichtig ist. Der Käfer frisst an den Blättern und Früchten von mehr als 300 Pflanzenarten in Gärten sowie in Landwirtschaft und Forst. Zu seinen Wirtspflanzen zählen zum Beispiel Wein, Obstbäume und Rosen. Von den Blättern bleiben oft nur die Blattadern übrig. Die Larven (Engerlinge) ernähren sich unter anderen von Gräserwurzeln und können auf Grünland und Rasenflächen erhebliche Schäden verursachen.

„Durch die neuen Käferfunde in der Grenzstadt hat sich die Bedrohungslage für Baden-Württemberg und für Deutschland verschärft“, erklärt Schäfer. Der Käfer könne nun leicht und unbeabsichtigt aus den Befallsgebieten überall nach Deutschland eingeschleppt werden, etwa als blinder Passagier an Fahrzeugen oder mit Pflanzen und Pflanzenteilen wie einem Blumenstrauß.

Um eine Ansiedlung in Deutschland zu verhindern, wird die Bevölkerung aufgefordert, verdächtige Käferfunde an den zuständigen Pflanzenschutzdienst im jeweiligen Bundesland zu melden, damit Maßnahmen eingeleitet werden können. Diese Mithilfe sei von großer Bedeutung, um Schäden in Deutschland vorzubeugen, betont der JKI-Experte.

Ansprechpartner für die Pflanzengesundheit in Schleswig-Holstein sind: Heike Nitt, Tel.: 0 41 20-70 68-207, E-Mail: hnitt@lksh.de und Stephan Monien, Tel.: 0 43 31-94 53-390, E-Mail: smonien@lksh.de

Erkennungsmerkmale

Das Schadinsekt ist etwa so groß wie eine Kaffeebohne. Es hat einen grün schimmernden Kopf und Halsschild und braune Flügeldecken. Damit ähnelt der Japankäfer sehr dem heimischen, aber harmlosen Gartenlaubkäfer. Im Gegensatz zu ihm trägt der Quarantäneschädling fünf weiße Haarbüschel an jeder Hinterleibseite und zwei weiße Haarbüschel am Ende des Hinterleibs.

Maßnahmen

In der Befalls- und der Pufferzone werden nun zusätzliche spezielle Duftstofffallen aufgestellt, um die ausgewachsenen Käfer einzufangen und eine mögliche Ausbreitung zu überwachen. Außerdem werden große Rasenflächen in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Land beobachtet, die von den Käferlarven besiedelt sein könnten.

Um die Verbreitung der Eier oder Larven zu verhindern, darf kein Grünmaterial, Kompost oder Erde aus der Pufferzone in andere Gebiete gebracht werden. Das sieht eine Allgemeinverfügung des Schweizerischen Pflanzenschutzdienstes vor, der nun eng mit den deutschen Behörden zusammenarbeitet, konkret mit dem Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) in Karlsruhe, wo der Pflanzenschutzdienst von Baden-Württemberg angesiedelt ist.

Monitoring

In Schleswig-Holstein wird seit zwei Jahren ein Monitoring zum Auftreten dieses wichtigen Quarantäneschädlings durchgeführt. In diesem Jahr sind zwischen Flensburg und Lauenburg sowie zwischen Lübeck und Brunsbüttel wieder 20 Fallen aufgestellt worden (siehe Bild unten). Fallenstandorte sind Autobahnparkplätze, Parks, Golfplätze und Risikostandorte wie zum Beispiel Umschlagplätze für Pflanzen aus Italien und der Schweiz. Einmal in der Woche werden diese Duftstofffallen von den Inspektoren der Pflanzengesundheit bis Ende Oktober kontrolliert. Bisher wurden in diesen Fallen keine Japankäfer gefunden.

Mit dem Fortschritt mithalten

Vor 15 Jahren wurden die Drillmaschine am Schlepper noch über eine Taste und der Spuranzeiger über ein Steuergerät gesenkt, den Rest regelte der Fahrer. Heutzutage ist die Technik so weit fortgeschritten, dass die Arbeit durch verschiedenste Assistenzsysteme präziser und effizienter geworden ist, die Anwendung zumindest bis zur richtigen Einstellung jedoch auch komplizierter. Die Wissensplattform Farmwissen, die über das Projekt „BeSt-SH“ entwickelt wurde, schafft Abhilfe.

Die Landwirtschaft ist wie kaum ein anderer Sektor Innovationstreiber und hoch technisiert. Während vor 25 Jahren ein Schlepper noch ohne viel Elektronik als reine Zugmaschine diente, sind es mittlerweile intelligente, vernetzte Maschinen. Von der Spurführung über Lenksysteme, vom Austausch von Applikationskarten und Aufträgen mit der Ackerschlagkartei bis zur Maschinenkommunikation über Isobus haben die auf Computertechnologie basierenden Anwendungen am Schlepper stetig zugenommen.

Gleichermaßen ist auch in der Tierhaltung die Entwicklung alles andere als stehen geblieben. Während in der Milchviehhaltung unter anderem autonome Fütterungen und verschiedenste Tiersensoren Einzug halten, wird in der Schweinehaltung ein großer Wert auf Bilderkennung mittels Künstlicher Intelligenz über Kameras gelegt.

Innovationen und Techniken gibt es viele – und es kommen nahezu täglich neue hinzu. Dementsprechend schwer ist es für Landwirte, Berufsschüler, Berufsschullehrkräfte, Studierende, Landmaschinenmechatroniker und auch Beratungskräfte, auf dem aktuellen Stand zu bleiben und den Durchblick zu behalten, welche Systeme einen tatsächlichen Mehrwert darstellen.

Wissensplattform Farmwissen

Hier kommt die Wissenstransferplattform Farmwissen ins Spiel. Sie ist ein Ergebnis des Projekts „BeSt-SH“ („Betriebsleitung und Stoffstrommanagement – vernetzte Agrarwirtschaft in SH“), das am Grünen Kamp in Rendsburg in Zusammenarbeit des Fachbereichs Agrarwirtschaft der Fachhochschule Kiel, des Berufsbildungszentrums, der Landwirtschaftskammer, der Deula und des Instituts für landwirtschaftliche Verfahrenstechnik der Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu Kiel entwickelt wurde. Es teilt sich in die Bausteine FarmWiki, FarmPraxis und OpenDataFarm.

FarmWiki ist ein Glossar der Landwirtschaft von heute. Über 100 elementare Begriffe des Precision-Farming werden nach einem ähnlichen Aufbau wie bei Wikipedia erklärt. Der Unterschied ist, dass alle Beiträge von qualifiziertem Fachpersonal aus dem Agrarbereich verfasst und mit wissenschaftlichen Quellen belegt sind und einen aufwendigen Korrekturprozess durchlaufen haben. Damit ist die fachliche Richtigkeit sichergestellt. Mehr als 25.000 Seitenaufrufe seit der Veröffentlichung im März 2022 zeigen die Relevanz von FarmWiki nicht nur in Deutschland, sondern europaweit.

Neben FarmWiki ist FarmPraxis der Teil von Farmwissen, der Hand in Hand mit Landwirten entsteht. Hier erwachen die Fachbegriffe von FarmWiki zum Leben. Anhand von Beispielen wird veranschaulicht, wie Techniken in der Praxis eingesetzt werden können. Dabei geht es von der Beschaffung über die Installation bis zur Anwendung. Die Anleitungen können Schritt für Schritt nachgearbeitet werden, um die Erfolgskonzepte anderer Praktiker auf dem eigenen Betrieb umzusetzen.

Die OpenDataFarm ist der dritte Baustein von Farmwissen. Hierbei handelt es sich um die virtuelle Abbildung des Hofguts Neumühle in Rheinland-Pfalz. Die OpenDataFarm ist vor allem für Berufsschulen konzipiert. Am PC oder Tablet kann man sich frei über den Hof bewegen, die Vielfalt der Landwirtschaft vom Pflanzenbau über die Tierhaltung bis zur Imkerei entdecken und mittels eingeblendeten Fachwissens die Zusammenhänge verstehen.

Das Team des Experimentierfelds BeSt-SH entwickelt gemeinsam mit dem EF Süd-West aus Rheinland-Pfalz die Plattform Farmwissen stetig weiter und sorgt für neue Inhalte. Foto: BeSt-SH

Lerninhalte für Unterricht und Ausbildung

Die Inhalte von Farmwissen werden bereits direkt im Unterricht von Berufsschulen integriert und bieten damit praxisnahe Lernmöglichkeiten. Ein Beispiel hierfür ist der Kurs, in dem angehenden Landwirten der Einsatz von Drohnen in der Landwirtschaft vermittelt wird. Zu den behandelten Anwendungen gehören Flächenkartierung, um Wildschäden zu schätzen, Auffinden von Drainagen sowie die Rettung von Rehkitzen.

Ein Beispiel: Linus Mustermann ist 17 Jahre alt und in diesem Jahr in die Ausbildung zum Landwirt gestartet. Während es für die Prüfung vielleicht noch ausreicht zu wissen, wie die Drillmaschine abgedreht wird, reicht das seinem Chef im Betriebsalltag nicht. Linus soll mit Lenksystem drillen, um perfekte Reihenanschlüsse zu garantieren.

Um zu verstehen, was überhaupt ein Lenksystem ist und wie die Spurführung funktioniert, kann er sich in FarmWiki informieren. Im Glossar findet er einen Eintrag „Parallelführungs- und Lenksysteme“. Dort erfährt er unter anderem, dass er Satellitenempfang am Schlepper benötigt. So kommt er über die Verlinkung zum Glossareintrag „Globales Navigationssatellitensystem“. Durch die Korrektheit der Einträge ist der Auszubildende nicht nur für die Aussaat gewappnet, sondern auch für den Unterricht gut vorbereitet.

Sein Chef Florian Ackermann hat zur diesjährigen Wintergetreideaussaat eine neue Drillmaschine gekauft. Neben der Aussaat mit Lenksystem möchte er ab sofort auch jedes Säaggregat elektronisch schalten, um Überlappungen am Keil zu vermeiden und Saat zu sparen. Sein Landmaschinenhändler sagte ihm, das könne über Section Control umgesetzt werden.

In FarmWiki kann der Landwirt sich fachlich korrekt und herstellerunabhängig darüber informieren, was Section Control ist, wie es funktioniert und was er dafür benötigt. Als Voraussetzung stellt sich Isobus heraus, ebenfalls in FarmWiki genauestens erklärt. Durch eine Verlinkung vom Isobus-Glossareintrag zu passenden Beispielen auf FarmPraxis stößt der Anwender auf das Erfolgskonzept eines anderen Praktikers zur automatischen Dokumentation von Applikationsmengen über Isobus.

Der Betriebsleiter ärgert sich schon lange darüber, dass er zunächst am PC die Düngebedarfsermittlung rechnen und die Anwendungen planen muss. Dann muss er am Düngerstreuer alles einstellen, die tatsächliche Düngung im Alltagsstress noch auf Zetteln dokumentieren, um sie dann wieder händisch in die Ackerschlagkartei zu übertragen. Wenn er so oder so Isobus nutzt, um mit Section Control zu drillen, kann er darüber auch die Applikationsmengen automatisch dokumentieren und sich doppelte Arbeit sparen.

Komplexes einfach erklärt

Auf FarmPraxis sieht Florian Ackermann im Praxisbeispiel „Applikationsmengen automatisch mit Telemetrie und Isobus dokumentieren“, welche technischen Voraussetzungen er auf seinem Betrieb benötigt und wie kompliziert die Umsetzung ist. Im Praxisbeispiel ist dann Schritt für Schritt mit Bildern beschrieben, wie das System installiert und umgesetzt wird: wie das Telemetriemodul am Iso InCab angeschlossen wird, wie die Einstellungen in der Software vorgenommen werden müssen und wie die Applikationsmenge nach der Anwendung automatisch in die Ackerschlagkartei überspielt wird.

So entwickelt Florian Ackermann seinen Betrieb weiter und löst eine seiner praktischen Fragestellungen, ohne sich groß durch Betriebsanleitungen zu lesen oder unverständliche Terminals zu durchsuchen – schnell installiert, erfolgreich in der Anwendung.

Versuchsergebnisse in die Praxis bringen

Eine große Herausforderung bei vielen Projekten ist es, die gewonnenen Erkenntnisse am Ende auch in die Praxis zu transportieren. Farmwissen dient auch hier als Schnittstelle. Deutschlandweit erstellen landwirtschaftliche Projektmitarbeiter bereits Inhalte als Glossarbeiträge oder Praxisbeispiele. Dadurch bleiben Versuchsergebnisse auch nach dem Förderzeitraumende erhalten, und es kann auf sie zugegriffen werden. Durch die Förderung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ist Farmwissen herstellerunabhängig, kostenfrei zugänglich, und die Plattform wird nicht für kommerzielle Zwecke genutzt.

Mitmachen und profitieren

Aktuell ist die Weiterführung von Farmwissen.de über die Programme „Zukunftsbetriebe“ und „Zukunftsregionen“ gesichert, die vom BMEL gefördert werden. Ein Antrag für ein neues Projekt wurde bereits gestellt, um auch zukünftige Herausforderungen mit gezielten Weiterentwicklungen anzugehen. Alle Landwirtinnen und Landwirte sind eingeladen, die Plattform aktiv zu nutzen und Feedback zu geben. Erfahrungen und Anregungen sind entscheidend, um die Plattform kontinuierlich zu verbessern und noch praxisnäher zu gestalten. Das Projektteam freut sich, wenn mitgeteilt wird, wie die angebotenen Informationen und Tools den Betrieb unterstützen können und welche Inhalte noch fehlen.

Zugang zur Wissenstrans­ferplattform Farmwissen: https://farmwissen.de

Fazit

Durch den gigantischen Fortschritt in der Landtechnik fühlen sich viele Landwirte von dem Funktionsumfang und den Einstellungsmöglichkeiten der Systeme überfrachtet. Ob Schlepperterminals oder Herdenmanagementprogramme – die Anwendungen werden immer komplexer und die Bedienung anspruchsvoller. Auf der Wissenstransferplattform Farmwissen werden entscheidende Fachbegriffe in einem Glossar erklärt und anhand von Praxisbeispielen verschiedene Anwendungsfälle nach einer Schritt-für-Schritt-Anleitung beschrieben.