Bestimmt hat schon jedes Mitglied im Bauernverband mit seiner Kreisgeschäftsstelle zu tun gehabt, und sicherlich ist ihm oder ihr dort bei dem Anliegen geholfen worden. Doch was umfasst eigentlich das gesamte Spektrum einer Kreisgeschäftsstelle, und wie sieht ihr Alltag aus? Das Bauernblatt hat sie besucht, heute: die Kreisgeschäftsstelle in Bad Segeberg.
Dass ein Bauer einen Blumenstrauß als Dankeschön für die erhaltene Hilfe bringt, kommt nicht oft vor, ist aber ein schönes Zeichen für den Wert der Arbeit einer Geschäftsstelle. Solches hat Landwirt Gerd Pingel aus Wiemersdorf getan (siehe unten). Dass in dem Gebäude im Zentrum von Bad Segeberg mit der Geschäftsstelle des Kreisbauernverbandes (KBV) auch die Steuerberatungsgesellschaft SHBB untergebracht ist (eine der größten ihrer Niederlassungen im Land), findet Pingel doppelt praktisch.
Westen, Osten, Süden
Der Kreis Segeberg weist unterschiedliche landwirtschaftliche Regionen auf: Im Westen leichte Böden mit vorwiegend Milchviehhaltung, im Osten schwere Böden mit Ackerbau und Schweinehaltung. Der Süden ist durch die Städte geprägt: Norderstedt, Henstedt-Ulzburg, Kaltenkirchen und natürlich das nahe Hamburg. „Deutlich pferdelastiger, mit Flächen von 30 bis 60 Hektar“, beschreibt es Kreisgeschäftsführer Lennart Butz, „aber es gibt auch Ackerbetriebe mit bis zu 100 Hektar.“ Die Siedlungen wollen expandieren mit Wohn- und Gewerbegebieten, damit ist die Geschäftsstelle immer wieder beschäftigt.
Straßen, Strom und Kies
Und dann natürlich der Straßen- und Stromleitungsbau. „Wir sind hier in der Landesmitte wie auf einem Drehkreuz“, sagt Butz. Der Ausbau der B 404 zur A 21 ist auf Segeberger Gebiet beendet – mit allen Themen der Landabgabe und des Ausgleichs. Wann die A 20 fertig wird und ob, steht in den Sternen. „Das wird mein Rentenobjekt“, meint der heute 41-jährige Geschäftsführer.
Über die Problematik, dass die Stromtrasse NordOstLink vollständig als Erdkabel gebaut werden soll – mit massiven Auswirkungen auf den Boden –, darüber hat das Bauernblatt ausführlich berichtet (Ausgaben 27 und 30). Der NordOstLink ist in Planung, und der Bauernverband setzt darauf, die Politik dabei zum Umdenken zu bewegen. Die Nord-Süd-Achse entlang der A 7 ist abgeschlossen. Die Ostküstenleitung zwischen Henstedt-Ulzburg und Lübeck hingegen ist derzeit im Bau. Der größte Teil wird als Freileitung ausgeführt, aber es gibt zwei Teilstrecken von je 3 km als sogenannte Teilerdverkabelung. Die eine im Kisdorfer Wohld ist eine offene Bauleitung: „Graben legen, Kabel rein, Erde drauf“. Das Schutzgebiet bei Henstedt-Ulzburg wird hingegen komplett unterbohrt. Dazu wurde eigens der Bohrkopf „Pina“ angeschafft.
Das sind Dimensionen! „Damals bei der Ostküstenleitung schien es schon gewaltig, jetzt bei dem NordOstLink ist es drei Mal so groß“, sagt Butz. „Vereinzelt gibt es Anfragen von Landwirten, wenn Bodenverdichtung eingetreten ist oder Absprachen nicht eingehalten wurden.“ Beispiel: „Zur Erntezeit sollte eine Behelfsbrücke zur Querung stehen. Der Lohnunternehmer kommt, und keine Brücke ist da.“
Kiesabbau findet im Kreis Segeberg statt wie in kaum einem anderen. Das prägt den Kreis. „Alle zehn Jahre wird ein neues Gebiet erschlossen, dann werden die Verträge gemacht“, so Butz. Ist der Abbau beendet, wurde früher die Fläche an den Landwirt zurückgegeben, heute wird sie meist renaturiert. Das ist Teil des Flächenverlustes. „Es wird aber gut bezahlt“, räumt Butz ein.
Im Segeberger Forst lebt das erste nachgewiesene Wolfsrudel. „Das ist immer wieder Thema, aber kein beherrschendes. Im Wesentlichen ist es ein politisches Thema. Ziel ist ein aktives Wolfsmanagement.“
Ganz nah am Mitglied
Starke Unterstützung hat der Geschäftsführer durch seine beiden Assistentinnen Martina Köhn und Diana Thrams. Sie haben nicht nur Vorzimmer- und Verwaltungsaufgaben, sondern eigene Sachgebiete, die in manchen anderen Geschäftsstellen der Geschäftsführer bearbeitet.
Martina Köhn arbeitet seit 1996 in der Geschäftsstelle, damals noch in den Vorgängergebäuden. Von Anfang an bearbeitet sie den Sozialversicherungsbereich: Rentenanträge, Anmeldungen bei der Berufsgenossenschaft, Zuzahlungsbefreiungen in der Krankenversicherung, Sozialthemen bei Hofüberlassungen und Erbfällen. „Sozialversicherungsgesetze sind immer Momentaufnahmen, es ändert sich ständig“, weiß Köhn. Es ist sehr komplex geworden. Die Sozialversicherungen haben seit einiger Zeit ihre eigene Beratung eingestellt. „Wir haben dort Ansprechpartner, aber zur Beratung kommen die Landwirte zu uns“, sagt Martina Köhn. Nicht zuletzt weil sie die Mitglieder seit vielen Jahren kenne, sei ein starkes Vertrauensverhältnis gewachsen. „Sie müssen uns ja all ihre Daten aufdecken. Wir sind ganz nah am Mitglied.“
Die Sachgebiete von Diana Thrams sind Buchhaltung, Mitglieder- und Flächenverwaltung, Pachtverträge, Hofüberlassungen, die Meldungen bei Endo SH, Düngebedarfsermittlung, die mehr und mehr ein ganzjähriges Thema wird. Dazu kommt die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, auch die Organisation von Demos wie am Jahresanfang. Thrams arbeitet seit 2020 in der Geschäftsstelle. „Bei uns kommen die Anrufe rein. Wir haben den kurzen Draht zu den Mitgliedern, aber manchmal sind wir auch Blitzableiter.“
Knifflige Hofübergabe gelöst
Altbauer Gerd Pingel war so dankbar für die Hilfe der Kreisgeschäftsstelle Segeberg , dass er einen großen Blumenstrauß brachte. Der Anlass dafür war dieser: Familie Pingel kam im frühen Frühjahr 2024 zwecks Beratung und Gestaltung eines Hofüberlassungsvertrags in die Kreisgeschäftsstelle. Ziel war die Übergabe an den Sohn Timm, unter anderem auch damit der damals 33-Jährige die Junglandwirteprämie beantragen konnte. Parallel lief jedoch die Planung einer Freiflächen-Photovoltaikanlage, die große erbschaftsteuerliche Probleme auslösen kann. Insbesondere darf die Erbschaft oder die Hofübergabe nicht erfolgen, bevor der Überlasser an der Betreibergesellschaft beteiligt wurde. Dies stand leider noch aus. Um dennoch die Hofübergabe im Frühjahr 2024 gewährleisten zu können, wurde kurzfristig in Zusammenarbeit mit dem Steuerberater zusätzlich ein Hofpachtvertrag gestaltet und geschlossen. Inzwischen sind die steuerlichen Probleme gelöst, und die eigentliche Hofüberlassung mit Eigentumsübergang auf den Sohn kann stattfinden. Lennart Butz




