Licht ist einer der wichtigsten Umweltfaktoren, die das Tierverhalten beeinflussen. Welchen Einfluss verschiedene Spektralfarben auf Verhalten und Leistung von Ferkeln haben, wurde wissenschaftlich untersucht.
Der Sehsinn des Schweines ist, verglichen mit der Leistung anderer Sinnesorgane, eher als untergeordnet anzusehen. Der Geruchs-, Gehör- und Tastsinn sind weitaus bedeutender für die Wahrnehmung der Umgebung. Dazu kommt, dass die Schweine über keine flexible Augenlinse verfügen. Sie können deshalb die Sehschärfe durch Anpassung der Linse nicht fokussieren. So können Objekte nur in einem Abstand von etwa 2 m vom Auge des Schweines als scharf wahrgenommen werden. Diese anatomischen Besonderheiten des Auges von Hausschweinen sind ein Erbe der wilden Vorfahren. Die Natur entwickelt Sinnesorgane immer nur nach dem Prinzip des Selektionsvorteils und der Notwendigkeit. Der Sehsinn dient neben der Orientierung in eher gering beleuchteter Umgebung (Unterholz) offensichtlich vor allem dem Zweck der Futteridentifizierung im unmittelbaren Nahbereich des Auges. Dafür spricht auch das eingeschränkte Farbsehvermögen, indem die häufig vorkommenden Naturfarben Grün und Blau, nicht aber Rot wahrgenommen werden.
Lichtintensität und Tierverhalten
Schweine sehen nach bisherigen Erkenntnissen Farben im Vergleich zum Menschen deutlich gedämpfter. Schweine sind tag- beziehungsweise dämmerungsaktive Tiere, deren Tagesrhythmus vom Licht gesteuert wird. Dabei unterscheidet sich die Beleuchtung im Stall in vielen physikalischen Eigenschaften (Lichtintensität, Photoperiode, Lichtfarbe) von den Eigenschaften des natürlichen Lichtes. Dazu kommt eine völlig unterschiedliche Lichtintensität. Natürliche Lichtverhältnisse bilden das volle Farbspektrum des Lichtes ab und sind am Tage vielfach intensiver (über 10.000 lx) als das unter Stallhaltungsbedingungen (80 lx) machbar oder sinnvoll wäre. Auf der anderen Seite orientieren sich Wildschweine in der Nacht bei schwachem Mondlicht (unter 7 lx). Eine Fähigkeit, die bei Hausschweinen erhalten geblieben ist. Dies relativiert manche Diskussion um Vorgaben in der Haltungsgesetzgebung.
Versuch zum Lichteinfluss auf Ferkel
In der Ferkelaufzucht der Lehrwerkstatt Schwein des Lehr- und Versuchsgutes Köllitsch (Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, LfULG) wurde ein Versuch mit 16 Durchgängen durchgeführt. Die Versuchsdauer umfasste eine fünfwöchige Ferkelaufzucht mit 2.492 Einzeltieren. Es wurde der Einfluss unterschiedlicher Farbspektren des Lichtes (Rot, Grün, Blau, Kaltweiß) im Hinblick auf Tiergerechtheit, körperliche Unversehrtheit und Leistung im Vergleich zu warmweißem Licht geprüft. Alle untersuchten Ferkel stammten aus einer Kreuzung von BHZP-Mutterlinie db.Viktoria sowie dafür vorgesehenen Piétrain-Endstufenebern (db.77).
Es wurde je Aufzuchtdurchgang nur eine Lichtfarbe (Rot, Grün oder Blau) in ihrem Effekt auf das Tierverhalten im Vergleich zu kalt- oder warmweißem Licht getestet.
Im Ergebnis konnte eine direkte Wirkung von farbigem Licht auf das Aggressionsverhalten und zum Teil auch auf die Zunahmeleistung nachgewiesen werden (Tabelle 1). Farbiges Licht führt zu etwa 10 % weniger hyperaktiven Ferkeln, wobei in Haltungsgruppen mit rotem und blauem Licht signifikant weniger Ferkel mit agonistischem Verhalten ausgezählt werden. Mit Ausnahme von blauem Licht sinkt die Aggressivität der Tiere mit der Farbtemperatur von kaltweißem zu rotem Licht. Dieser positive Effekt drückt sich auch in tendenziell oder signifikant etwas höherer Futteraufnahme und täglichen Zunahmen aus und ist bei grünem Licht signifikant.
Bei blauem Licht dagegen werden weniger Ferkel mit Schwanz- oder Ohrverletzungen ausgezählt (Tabelle 2). Insbesondere Rot bewirkt eine zunächst positiv zu sehende, eher stärkere Orientierung auf das Futter und lenkt die Ferkel etwas vom Sozialpartner ab. Je nach Gesundheits- und Futteraufnahmeniveau kann dadurch jedoch das Risiko von nekrotischen Veränderungen sogar verstärkt werden. Es kann aber nicht sicher gesagt werden, ob die beobachteten Effekte eine reine Folge des Farbspektrums sind oder ob sie zum Teil von der Temperatur des Lichtes oder auch der Beleuchtungsstärke mitverursacht werden. Farbiges Licht wirkt weniger hell und es ist nicht ganz sicher, ob die absolute Lichtstärke mit den zur Verfügung stehenden Messmethoden überhaupt darstellbar ist. Nach tieferer Datenanalyse werden Einflüsse von blauem und zum Teil auch grünem Licht, anders als bei rotem Licht, von Effekten der Beleuchtungsstärke zumindest überlagert. In weiteren Untersuchungen wird zurzeit genauer geprüft, welche Rolle das Vollspektrum des Tageslichtes spielt.
Gezieltes Licht für mehr Tiergerechtheit
Es bleibt festzuhalten, dass unterschiedliche physikalische Eigenschaften des Lichtes zu nutzen sind, um Haltungssysteme tiergerechter zu gestalten. Die moderne LED-Technologie spart nicht nur Energie, sondern hat ein Potenzial, andere physikalische Eigenschaften (Farbe, Temperatur und Helligkeit) des Lichtes zu nutzen. Es gilt aber, Wärme- und Lichtwirkung voneinander zu trennen. Für die Haltungssysteme der Zukunft kann es sinnvoll sein, die Funktionsbereiche nicht nur mit unterschiedlicher Beleuchtungsstärke, sondern auch mit unterschiedlich farbigem Licht auszustatten. Das setzt aber den Einsatz von LED-Lichtbändern in den Funktionsbereichen und damit eine Abkehr vom Deckenlampenprinzip voraus.
Zunächst sollte der Ruhebereich hinsichtlich der Beleuchtungsstärke und Photoperiode eher weniger hell beleuchtet werden, damit Tiefschlafphasen unterstützt werden. Es gibt erste Hinweise, dass die zunehmende Unruhe der Tiere mit einer nicht ausreichenden Schlafqualität zu tun hat. Dafür spricht auch, dass Effekte auf die Melatonin-Ausschüttung erst bei einem Beleuchtungsniveau über 1.000 lx zu erwarten sind, wie es unter den Haltungsbedingungen konventioneller Warmställe technisch schwer umsetzbar und auch nicht sinnvoll ist. Haltungssysteme, die zukünftig Außenklimareize ermöglichen sollen, könnten nach dem Prinzip „Natur in den Stall“ Verbesserungen bringen. Im Warmstall beziehungsweise Innenbereich sind auf dem dafür technisch machbaren Niveau durchaus geringere Beleuchtungsniveaus, auch mit farbigem Licht, in den unterschiedlichen Funktionsbereichen sinnvoll. Offensichtlich reagieren Schweine positiv auf Farben, die auch in der Natur vorkommen. Im Ergebnis der vorliegenden Versuche gehört grünes Licht in den Fressbereich und blaues in den Aktivitätsbereich.
Fazit
Der Tagesrhythmus von Hausschweinen wird, so wie der ihrer wilden Vorfahren, vom Licht gesteuert. Dabei bildet die konventionelle Beleuchtung im Stall nur wenige Eigenschaften des natürlichen Lichtes ab. In einem Versuch wurde der Einfluss unterschiedlicher Farbspektren des Lichtes (Rot, Grün, Blau, Kaltweiß) im Vergleich zu warmweißem Licht geprüft. Es wurden Parameter in Bezug auf Tiergerechtheit, körperliche Unversehrtheit und Leistung von knapp 2.500 Aufzuchtferkeln untersucht.
Im Ergebnis konnte eine direkte Wirkung von farbigem Licht auf das Aggressionsverhalten und zum Teil auch auf die Zunahmeleistung bestätigt werden. Unterschiedliche physikalische Eigenschaften des Lichtes können genutzt werden, um Haltungssysteme tiergerechter zu gestalten. Wenn die Hausschweine aus guten Gründen nicht zurück in die Natur können, kommt die Natur mithilfe der Technik zurück in den Stall.
Es sind nach wie vor Fragen hinsichtlich des Einflusses von Licht in der Schweinehaltung offen. Auch im Lehr- und Versuchszentrum der Landwirtschaftskammer in Futterkamp wurde bereits in neue Lichttechnik investiert, um Fragestellungen für den praktischen Einsatz untersuchen zu können. Nähere Informationen dazu folgen demnächst.




