Im Grünland wird die Bedeutung der Kalkung häufig unterschätzt. Dabei bilden eine standortgerechte Kalkversorgung und die Sicherstellung des optimalen pH-Wertes im Boden die Grundlage für leistungsfähige Grünlandnarben und somit für die so wichtige Grundfutterleistung auf den Futterbau-Milchvieh-Betrieben.
Grünlandbestände benötigen genau wie Ackerstandorte ebenfalls regelmäßige Kalkgaben, um den optimalen pH-Wert zu halten beziehungsweise diesen zu erreichen. Vielfach rückt die Stickstoffdüngung über Wirtschafts- sowie Mineraldünger in der ausgewogenen Grünlandbewirtschaftung in den Fokus. Dabei spielt neben der regelmäßigen Pflege und Nachsaat wertgebender Futtergräser insbesondere ein standortangepasster pH-Wert im Boden zur Erhaltung eines hohen Deutsch-Weidelgrasanteils an der Grasnarbe eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Die Kalkung bewirkt dabei einen Anstieg des pH-Wertes und fungiert, abhängig von der Kalkform, auch als Pflanzendünger für Magnesium und Kalzium. Ein erhöhter pH-Wert des Bodens wirkt sich positiv auf die Phosphat-, Stickstoff-, Schwefel- und Molybdänverfügbarkeit sowie auf die botanische Zusammensetzung der Bestände aus, verbessert die Bodenstruktur, aktiviert das Bodenleben und steigert die Tragfähigkeit.
VDLufa-Methode als Grundlage
Aufgrund der stetig ablaufenden Versauerungsprozesse durch Kalkauswaschungen, Düngung mit kalkzehrenden Mineraldüngern sowie Entzug mit dem Erntegut empfiehlt sich eine regelmäßige Überprüfung des Boden-pH-Wertes anhand von Standardbodenuntersuchungen auf dem Grünland. Die Messung des pH-Wertes des Bodens erfolgt im Labor im Rahmen der Bodenuntersuchung gemäß VDLufa-Methode (Verband deutscher landwirtschaftlicher Untersuchungs- und Forschungsanstalten) in einer Kalziumchlorid-Lösung. Der Kalkbedarf, abgeleitet über den gemessenen pH-Wert des Bodens, hängt maßgeblich von der Bodenart und insbesondere deren Ton- und Humusgehalt ab und kann in Abhängigkeit von den Bodenanalyseergebnissen den „Richtwerten für die Düngung 2024“ entnommen werden.
Klassischerweise basieren die Beratungsempfehlungen der Landwirtschaftskammer auch im Grünland auf den bekannten fünf Gehaltsklassen von A bis E. A kennzeichnet dabei eine sehr niedrige Kalkversorgung, wohingegen E das Gegenteil – eine sehr hohe Kalkversorgung – charakterisiert. Teilweise jahrzehntelang unterlassene Kalkung führt zu der Gehaltsklasse A, in der eine Gesundungskalkung notwendig ist.
Eine mangelnde Versorgung mit Kalk kann auf mehreren pflanzenbaulich entscheidenden Ebenen zu negativen Effekten führen. So ist die Verfügbarkeit vieler Nährstoffe für die Pflanzen bei geringem pH-Wert häufig eingeschränkt, ebenso die Aktivität der Mikroorganismen. Dagegen erfordert ein Boden der Gehaltsklasse E keine Kalkung, bis sich die Klasse C einstellt. Die optimale Kalkversorgung in der Klasse C erfordert eine Erhaltungskalkung.
Das pH-Optimum eines Standortes variiert je nach der Bodenart sowie dem Ton- und dem Humusgehalt. Je höher der Tongehalt des Bodens ist, desto höher ist die Bedeutung des Kalkes für die Bodenstruktur einzuschätzen. Aus diesem Grund steigt der anzustrebende pH-Wert mit steigendem Tongehalt an. An einem Sandstandort mit einem Humusgehalt unter 15 % liegt der optimale pH-Wert für Gehaltsklasse C bei 4,7 bis 5,2. Dagegen weist ein sandiger/schluffiger Lehm mit identischem Humusgehalt aufgrund des Tonanteils einen Optimalbereich zwischen 5,6 und 6,3 auf. Der Zusammenhang zwischen Tonanteilen und dem pH-Bereich kann der Tabelle entnommen werden.
Entnahme der Bodenproben
Die Bestimmung des pH-Wertes erfolgt im Rahmen der Bodenuntersuchung und entscheidet über die Höhe der Kalkung. Die Bodenprobenentnahme erfolgt aus den oberen 10 cm (Narbentiefe). Das Analyseergebnis der Labore umfasst neben der Angabe der absoluten Werte eine Einstufung in die Gehaltsklassen. Faktoren wie der Entzug von Kalzium oder Kationen über die Ernteprodukte, der Einsatz physiologisch saurer Düngemittel sowie Auswaschungsverluste sind als Gründe für eine Abnahme der Boden-pH-Werte anzuführen. Prinzipiell kommt der strukturgebenden Wirkung der Kalke im Grünlandbereich eine geringere Bedeutung zu als auf dem Ackerland, weshalb die optimalen pH-Werte auf Grünland auch niedriger als im Bereich des Ackerlandes einzuordnen sind.
Die Grünlandnarbe bei pH-Unterversorgung
Positive Effekte durch Kalkungsmaßnahmen auf die Bestandeszusammensetzung wertgebender Gräser und Kräuter sind in der Literatur gut dokumentiert. Gräser und Kräuter reagieren unterschiedlich auf die Bodenreaktion, also den pH-Wert. Im Falle von niedrigen pH-Werten verschiebt sich die Artenzusammensetzung von hochwertigen Futtergräsern wie dem Deutschen Weidelgras und wertgebenden Leguminosen hin zu minderwertigen Gräsern, was die Ertragsleistung und Energiedichte der Aufwüchse verschlechtert. Eine Kalkung fördert in der Regel schnellwüchsige Arten wie das Deutsche Weidelgras, das Arten mit geringer Wachstumsrate unterdrückt.
Kalkformen für Grünland
Für die Grünlandkalkung eignen sich milde und nachhaltig wirkende kohlen- oder kieselsaure Kalke. Bei Magnesiummangel bietet sich auch ein kohlensaurer Magnesiumkalk an. Auf leichten Standorten ist es besser, einen weniger reaktiven Kalkdünger einzusetzen. Hier sind dolomitische Kalke mit größeren Anteilen von Magnesiumkarbonat geeignet – insbesondere dann, wenn es um die Erhaltungskalkung geht. Auch die zusätzliche Magnesiumzufuhr ist positiv zu bewerten. Bei schweren, tonreichen Böden sind die hochreaktiven Kreidekalke besser geeignet. Sie zeigen besonders bei einer Gesundungskalkung eine sehr gute Wirkung.
Bei entsprechender Witterung und Befahrbarkeit kann die Kalkung auch noch sinnvoll im Herbst erfolgen, wobei Kalkungsmaßnahmen und Wirtschaftsdüngergaben nicht zeitgleich geschehen sollten, da die Gefahr gasförmiger N-Verluste deutlich ansteigt. Die Tabelle stellt den Kalkdüngungsbedarf von Grünland zusammenfassend dar. Der Vermahlungsgrad der Kalke spielt eine wichtige Rolle für die Beeinflussung des pH-Wertes im Boden. Ein feiner Vermahlungsgrad zum Beispiel des Magnesiumkalks von unter 0,25 mm wirkt sich im Vergleich zu einem Vermahlungsgrad von 2 bis 4 mm deutlich schneller auf den pH-Wert aus.
Die in der Bodenanalyse ausgewiesene CaO-Bedarfsmenge darf nicht mit der notwendigen Produktmenge des Kalkdüngers verwechselt werden, da die am Markt befindlichen Kalkdünger meist nicht zu 100 % CaO enthalten. Zudem ist oftmals der Neutralisationswert in Prozent CaO für das Produkt angegeben, um auch weitere pH-Wert-wirksame Bestandteile wie beispielsweise Magnesiumoxid (MgO) mit zu berücksichtigen. Auch liegen die meisten Kalkdüngemittel in der CaCO3-Form vor. Daher sind die Bedarfsmengen von CaO mit dem Faktor 1,78 zu multiplizieren, um die Kalkdüngemittelmenge in der CaCO3-Form zu erhalten.
Das Düngeplanungsprogramm der Landwirtschaftskammer gibt hier Hilfestellung, da diese Angaben bereits berücksichtigt werden. Dennoch kann anhand des produktspezifischen Neutralisationswertes die benötigte Produktmenge auch manuell errechnet werden: Kalkbedarf (dt CaO/ ha) / CaO-Anteil-Neutralisationswert (t CaO/t Produkt) = Produktmenge (dt/ha). Soll zum Beispiel ein Kalkbedarf von 5 dt CaO/ha gedeckt werden, und der Neutralisationswert des eingesetzten Kalkes beträgt 50 % CaO, muss eine Gesamtproduktmenge von 10 dt/ha ausgebracht werden (Tabelle).
Fazit
Für die optimalen Etablierungsbedingungen von Deutsch Weidelgras sowie aus Sicht der Nährstoffverfügbarkeit sollten Grünlandbestände regelmäßig gekalkt werden. Hier lohnt sich der Blick auf die schlagspezifischen Bodenuntersuchungsergebnisse. Die notwendigen Kalkdüngemengen können mithilfe des Düngeplanungsprogramms der Landwirtschaftskammer ermittelt oder den „Richtwerten für die Düngung 2024“ entnommen werden.




