Ein bisschen Freude am Experimentieren sollte man mitbringen, wenn es um dynamische Vagabunden im Garten geht. Denn so mancher attraktiver Blüher ist zwar kurzlebig, erhält sich aber zuverlässig über die Selbstaussaat. Überraschend tauchen die Schönheiten an verschiedenen Stellen im Garten auf und füllen dabei mitunter Lücken, die sich über kurz oder lang in jeder Pflanzung auftun.
Die Sämlinge dieser Vagabunden legen dabei jedoch keine Gärtner-Schreck-Qualitäten an den Tag. Denn sie wurzeln nur schwach und lassen sich leicht an den Stellen herausziehen, wo sie tatsächlich ungelegen sind. Zudem siedeln sie sich nur dort an, wo die jeweiligen Standortansprüche erfüllt werden. Bei den Einjährigen wie Ringelblume (Calendula), Kapuzinerkresse (Tropaeolum), Kalifornischem Goldmohn (Eschscholzia californica) oder Jungfer im Grünen (Nigella) erspart die ausgeprägte Fortpflanzungsfähigkeit sogar die alljährliche Neuaussaat. Ringelblumen schließen im Beet zuverlässig Lücken und machen sich zudem prima in der Vase. Auch das filigrane Laub und die blauen Blüten der Jungfer im Grünen wirken toll in Gestecken und Sträußen. Tipp: Mit rankender Kapuzinerkresse Baumscheiben bedecken und Pflanzenreste nach dem ersten Frost entfernen. Die herausfallenden Samen keimen im nächsten Jahr zuverlässig ab Ende April.
Doch auch unter den Zweijährigen finden wir Vertreter, die sich über die Selbstaussaat erhalten. Besonders hervorzuheben sind hier Königskerze (Verbascum), Fingerhut (Digitalis), Stockrosen (Alcea rosea) und das Silberblatt (Lunaria annua). Nach Blüte und Saatreife fallen die Samen zu Boden und keimen dann sehr schnell. Bis zum Herbst bilden sich die sogenannten Blattrosetten. Sie überwintern und treiben im Frühjahr die Blütenstiele. Damit die Selbstaussaat der Zweijährigen funktioniert, braucht es etwas offenen Boden. Ungünstig sind dicht wachsende Nachbarn, die mit ihrem Blattwerk vollständig das Erdreich bedecken.
Bei den Zweijährigen bringt mit der Selbstaussaat der Zufall etwas wilden Charme in den Garten. Dabei überragt der dominante Fingerhut gern seine Begleiter. Prima kombinieren lässt er sich mit den leichten Blütenglocken der Pfirsichblättrigen Glockenblume (Campanula persicifolia). Das Silberblatt liebt lockeren Boden unter Bäumen oder in Strauchrabatten. Etwas Morgen- oder Abendsonne verträgt die Schönheit schon, volle Sonne jedoch nicht so gut. Von April bis Juni zeigen sich die hübschen weißen oder violetten Blüten an bis zu 100 cm hohen Stängeln. Die Blütenstiele der Stockrosen können bis zu 2 m hoch werden. Man wählt besser einfach blühende Sorten, sie sind ausdauernder als gefüllte Stockrosen. Wichtig ist ein sonniger Standort mit lockerem, durchlässigem Boden. Zu dichte Bestände sollten unbedingt ausgedünnt werden. Dann können sich die einzelnen Pflanzen besser entwickeln und trocknen nach einem Regenguss schneller ab. Damit sind sie weniger anfällig für Malvenrost.
Nicht unerwähnt bleiben dürfen die kurzlebigen Stauden. Sie sind die Sprinter im Staudenreich, mit denen sich gleich im ersten Standjahr wunderbare Effekte erzielen lassen. Allerdings erschöpfen sie sich dabei schnell und lassen sich mitunter, wie Akelei (Aquilegia vulgaris), Prachtkerze (Gaura lindheimeri) oder Spornblume (Centranthus ruber), aufgrund der Wurzelform nicht gut teilen. Ihre Vitalität erhalten sie über die Selbstaussaat. Hier ist jedoch ein bisschen Geduld erforderlich, da die Samen meist erst ab Mai keimen. Dann aber entwickeln sich die Pflanzen rasch und zeigen sich schon wenige Wochen später in voller Pracht. Nicht selten entstehen so attraktive Zufallskombinationen.
Tipp: Wer die Vagabunden gezielt an bestimmten Stellen ansiedeln möchte, erntet die Samen und sät sie dort aus. Soll die Selbstaussaat gänzlich unterbleiben, schneidet man einfach Verblühtes rechtzeitig zurück.
Die Vexiernelke (Lychnis coronaria) ist eine kurzlebige Staude, die meist nur zwei bis drei Jahre alt wird. Sie fällt mit ihrem silbrigen Laub und den karminroten Blüten schon von Weitem ins Auge. Es ist auf ausreichend offenen Boden zu achten, damit es mit der Selbstaussaat klappt. Eine schöne Fernwirkung erzielt die Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum). Sie passt gut in naturhafte Pflanzungen auf durchlässige, kalkhaltige Böden in voller Sonne. Die Heide-Nelke ‚Albus‘ (Dianthus deltoides) vermittelt mit weißen Blüten zwischen farbintensiven Nachbarn und sieht in der Nachbarschaft graulaubiger Stauden zauberhaft aus. Der Blaue Staudenlein (Linum perenne) bringt von Juni bis in den August ein wunderschönes Himmelblau ins Beet. Die Sorte ‚Nanum Saphir‘ punktet mit besonders reicher Verzweigung und üppigem Flor. Mit 25 cm Wuchshöhe bleibt sie zudem etwas niedriger als die Art.
Weitere kurzlebige Stauden für die Selbstaussaat (Auswahl):
Duftnessel (Agastache foeniculum), Rote Engelwurz (Angelica gigas), Lerchensporn (Corydalis lutea), Mauer-Zimbelkraut (Cymbalaria muralis), Spanisches Gänseblümchen (Erigeron karvinskianus), Sumpf-Mädesüß (Filipendula ulmaria), Nachtviole (Hesperis matronalis), Purpur-Leinkraut (Linaria purpurea), Blutweiderich (Lythrum salicaria).




