Der Kartoffelzüchter Europlant lud Anfang der Woche zum 20. Kartoffeltag auf den Boxberg ein. Landwirte, Aussteller und Experten aus der Kartoffelbranche konnten sich auf der Kartoffelmesse austauschen und über ein abwechslungsreiches Votragsprogramm freuen.
Ulf Hofferbert, Beratungsleiter bei Europlant, eröffnete die Veranstaltung mit einem Marktüberblick. Den Anstieg der Kartoffelanbaufläche um rund 7 % beziehungsweise 80.000 ha erklärte er mit „völlig falsch gesetzten Signalen der Industrie“. Vor allem die Frittenindustrie habe mit hohen Erlösen starke Anreize gesetzt. Nach den hohen Exportpreisen für Pommes frites im Sommer 2024 „nahm das Schicksal im Herbst 2025 seinen Lauf“, so Hofferbert. An einem Februar-Wochenende hätten sich dann auf einmal alle Marktaussichten so verdunkelt, wie er es noch nicht erlebt habe. Die Preise seien ins Bodenlose gefallen. In der Folge sei ein erheblicher Teil der Ernte in Silagen oder die Energieproduktion gegangen.
Ausblickend sprach Hofferbert den guten Speisekartoffelabsatz an sowie geringere Reimporte im kommenden Frühjahr. Der Lebensmitteleinzelhandel wolle nicht mit beispielsweise Wasserknappheit in Ägypten oder dem Konflikt in Israel in die Presse kommen. Positiv sei zudem, dass die Deutschen etwa 2 % mehr Kartoffeln äßen.
Problematisch sei hingegen die Pflanzkartoffelsituation: „Wir haben ein Riesenproblem mit Aberkennungen.“ Während in den vergangenen zehn Jahren das Y-Virus dominiert habe, seien es nun persistente Viren, die Blattrollen übertragen. Pyrethroide zeigten kaum noch Wirkung gegen die Grüne Pfirsichblattlaus, und die Züchtung komme nur langsam voran. Bei der Sorte ,Belana‘ seien zum Beispiel etwa 25 % aberkannt worden, hauptsächlich aufgrund von Blattrollen. Seine Empfehlung laute daher: „Sichern Sie sich gesundes Pflanzgut und prüfen Sie Ihr eigenes.“ Die Verfügbarkeit sei begrenzt.
Nachtragende Knollen
Anschließend stellte Thomas Stelter, Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK NDS), Versuche zur Beizung und Qualitätssicherung vor, die Grundlage seiner Beratung sind. Mit Beizung lasse sich vor allem die Befallsstärke von Rhizoctonia, Silberschorf und Colletotrichum reduzieren. Langjährige Beizversuche zeigten, dass der relative Knollenertrag bei einer Flüssigbeizung mit Moncut oder Allstar bei 107 liege. Auch die Furchenbehandlung mit Ortiva (2,0 l) habe 2023 bis 2025 gute Ergebnisse erzielt. Stelter wies darauf hin, dass Ortiva mit der neuen Zulassung nun auch auf drainierten Flächen angewendet werden dürfe.
Die Drahtwurmversuche der LWK NDS zeigten zwar insgesamt enttäuschende Wirkungsgrade, die Versuche seine jedoch auf stark befallenen Flächen durchgeführt worden. Am wirksamsten seien weiterhin die Pyrethroide. Bei hohem Befallsdruck sei jedoch nur der Anbau von Stärkekartoffeln sinnvoll. Auf die Frage, ob Beregnung als Bekämpfungsmaßnahme geeignet sei, antwortete Stelter: „Die Schädlinge haben die Knollen einfach zum Fressen gern, egal ob nass oder trocken.“ Beregnung zeige kaum Wirkung, sei teuer und zudem schlecht für das Image.
Dr. Rolf Peters beschäftigte sich in seinem Vortrag damit, wie neue Technik und zukünftige Anbaubedingungen für den Kartoffelanbau zusammenfinden können. Der 68-Jährige befasst sich seit mehr als 35 Jahren mit der Knolle und ist heute noch als Berater für landwirtschaftliche Betriebe unterwegs, bietet Schulungen und fachliche Projektbegleitungen an.
„Die Kartoffel vergisst nicht“, sagte Peters. So sei es im Kartoffelanbau besonders wichtig, optimale Anbau-und Erntebedingungen zu gewährleisten. Wenn es zu warm, zu kalt, zu trocken oder zu feucht sei, wachse die Knolle nicht gut genug oder im schlechtesten Fall gar nicht. In eigenen Versuchsreihen und bei Projektbegleitungen fand der Experte heraus, dass sich Kartoffeln auch bei optimaler Lagerung nach der Ernte an die Anbaubedingungen „erinnern“. So bildeten Kartoffeln einer Versuchsreihe bei der Lagerung Keime aus, nachdem sie im Anbau von Trockenstress betroffen waren. Dieser sorgte dafür, dass keimhemmende Stoffe während der Lagerung abgebaut wurden.
Das sich regelmäßig verändernde Klima schafft für die überaus empfindliche Kultur also keine guten Bedingungen. Nun gilt es für Landwirte mehr denn je, kreativ zu werden. Hier kann die Arbeit mit neuer Technik unterstützen. So könnten etwa GPS-gesteuerte Beregnungsroboter in Trockenperioden aushelfen und autonome Pflanzenschutztechnik mithilfe von gut gefütterten Algorithmen andersartige Pflanzen erkennen.
Helfen Biostimulanzien?
Biostimulanzien sollen das Wachstum, die Vitalität und die Stressresistenz von Pflanzen verbessern, ohne selbst als Dünger oder Pflanzenschutzmittel zu wirken. In der Theorie gut, aber tun sie auch das, was sie versprechen? Die LWK NDS ist dem auf den Grund gegangen. Dazu wurde eine dreijährige Versuchsreihe in Suderburg bei Uelzen angelegt. Anschließend wurden die Kartoffeln mit unterschiedlichen Biostimulanzien gegen eine Kontrollgruppe ohne Stimulans verglichen. Von den auf dem Markt erhältlichen Produkten konnten sich am Ende lediglich Biimore, Potavit sowie Kaizen und Kaishi durchsetzen. Obwohl alle vier Produkte einen geringen Mehrertrag generierten, gab Stelter nur für die Anwendung von Biimore und Potavit eine Empfehlung heraus, da sie einen statistisch absicherbaren Mehrertrag gebracht hätten. Bei Preisen von etwa 40 bis 50 €/ha bekommen Landwirte somit die Mehrkosten aus dem Kauf des Mittels wieder. Ob sich die Stimulanzien im Zusammenhang mit anderen Standorten anders verhalten würden, ist noch unklar.




