Wasser ist nicht nur lebensnotwendig für jedes Lebewesen, sondern auch das günstigste und gleichzeitig oft ein unterschätztes „Futtermittel“ in der Milchviehfütterung. Sein Einfluss auf Leistung, Futteraufnahme und Tiergesundheit ist enorm. Jede Verbesserung in der Wasserversorgung – sei es Qualität, Zugang oder Temperatur – wirkt sich unmittelbar positiv auf den gesamten Betrieb aus. Deshalb sollte Wasser als zentrales Element im Fütterungs- und Kostenmanagement betrachtet werden und nicht als selbstverständlich vorhandene Ressource.
Wasser ist die Basis sämtlicher Lebensprozesse und erfüllt im Organismus des Rindes eine Vielzahl zentraler Funktionen. Es wird über die Tränken aufgenommen, aber auch über Futterbestandteile wie Silage oder Grünfutter. Besonders in der Milchviehhaltung spielt Wasser eine Schlüsselrolle, denn Milch besteht zu rund 87 % aus Wasser. Im Körper ist Wasser überall präsent: im Blut, in den Körperzellen und in den Zwischenräumen des Gewebes. Dort ermöglicht es den Transport von Nährstoffen, Hormonen und Stoffwechselprodukten. Gleichzeitig reguliert es die Körpertemperatur, unterstützt die Verdauung und ist entscheidend für Stoffwechselprozesse. Schon geringe Einschränkungen in der Wasseraufnahme können den gesamten Organismus aus dem Gleichgewicht bringen.
Der Wasserbedarf einer Milchkuh ist eng an ihre Leistung und Futteraufnahme gekoppelt. Eine Hochleistungskuh kann abhängig von Milchmenge, Umgebungstemperatur und Trockenmassegehalt des Futters zwischen 70 und 150 l Wasser pro Tag benötigen. Der Wasserbedarf einer Milchkuh beträgt somit 3 bis 6 l pro Kilogramm Trockenmasseaufnahme. Neben der Milchleistung beeinflussen weitere Faktoren den Bedarf:
• Umgebungstemperatur: Je wärmer es wird, desto stärker steigt der Wasserverbrauch.
• Salz- und Eiweißgehalt im Futter: Sie erhöhen den Bedarf, da mehr Stoffwechselendprodukte ausgeschieden werden müssen.
• Fütterung mit Trockenfutter oder pelletierten Komponenten erhöht die Trinkmenge deutlich.
Entscheidend ist also nicht nur die Menge, sondern auch die Möglichkeit, jederzeit ohne Einschränkung sauberes Wasser trinken zu können.
Qualität ist das Stichwort
Sauberes, frisches und hygienisch einwandfreies Wasser ist elementar. Bereits leichte Verunreinigungen, niedrige Durchflussraten oder unangenehme Gerüche führen dazu, dass Kühe weniger trinken, mit direkten Folgen für Leistung und Gesundheit. Der Standort der Tränken sollte gut erreichbar für alle Tiere aus der Herde sein. Rutschfeste Laufwege und eine Platzierung direkt auf den natürlichen Laufwegen der Tiere unterstützen eine hohe Wasseraufnahme. Sind Tränken in Gassen oder abgelegen platziert, kann dies die Wasseraufnahme schon negativ beeinflussen. Auch Engpässe in Tränkenähe oder unruhige Standorte sollten vermieden werden.
Aber nicht nur der Standort beeinflusst die Wasseraufnahme, auch die Verfügbarkeit ist hier entscheidend. In Laufställen gilt die Faustregel: Mindestens eine Tränke pro 20 bis 25 Kühe, bei Hochleistungsgruppen mehr. Als Formel hierzu wird angesetzt:
Bei einer Herde mit 120 Milchkühen werden somit mindestens sieben Tränken benötigt.
Doch Tränke ist nicht gleich Tränke. Zum einen ist es wichtig, den Durchfluss an Wasser pro Minute zu berücksichtigen, damit Kühe zügig ausreichend große Mengen aufnehmen können. Hier sollten mindestens 10 bis 20 l/min erreicht werden. Aber auch die Form und Größe der Tränke beeinflussen die Wasseraufnahme. Großvolumige Trogtränken ermöglichen „soziales Trinken“ und stellen eine ausreichende Wasseraufnahme sicher. Vor allem im Abkalbebereich sollten Tränken vorhanden sein, die eine große Wasseroberfläche und einen großen Wasserdurchsatz haben, damit nach der Geburt eine ausreichende Wasserversorgung ermöglicht werden kann.
Die Sauberkeit ist neben der Art der Tränke und dem ausreichenden Wasserangebot ebenfalls ein wichtiger Aspekt, der oftmals nicht genügend Beachtung findet. Tränken sollten täglich kontrolliert und bei Bedarf gereinigt werden. Algen, Futterreste und Biofilme vermindern die Wasseraufnahme und gefährden die Gesundheit. Auch die Bauweise der Tränke beeinflusst die Sauberkeit. Ist diese schwer oder umständlich zu reinigen, ist die Hürde, dies jeden Tag zu tun, oftmals größer. Zusätzlich sollten genügend Bürsten im Stall verteilt sein, am besten bei den Tränken, um diese auch gründlich zu reinigen. Zum Beispiel kann hier eine ungebrauchte Klobürste umfunktioniert und in Tränkennähe außer Reichweite der Kühe angebracht werden.
Sommer und Winter – was berücksichtigen?
Im Sommer bei hohen Temperaturen sinkt oftmals die Futteraufnahme. Hier ist eine ausreichende Wasseraufnahme umso wichtiger für den Organismus. Kühe trinken somit bei hohen Temperaturen bis zu 30 % mehr. Damit das auch gewährleistet werden kann, sind Sauberkeit und ein ausreichendes Angebot essenziell. Zusätzlich sind Tränken, die in der Nähe der Fressplätze oder auf Laufwegen stehen, sinnvoll. Im Winter ist eher der Mangel an Wasser durch gefrorene Leitungen einer der häufigsten Gründe für Unterversorgung. Zu kaltes Wasser hemmt zusätzlich die Wasseraufnahme. Optimal wäre das Angebot an lauwarmem Wasser zwischen 10 und 15 °C. Dies verhindert auch das Einfrieren von Leitungen, ist jedoch oftmals nicht einfach und schnell umzusetzen.
Fazit
Eine unzureichende Wasserversorgung wirkt sich schnell und massiv aus und hat einen Rückgang der Milchleistung oft schon nach wenigen Stunden reduzierter Aufnahme zur Folge. Sauberkeit und die Durchflussmenge sollten regelmäßig kontrolliert werden und sind nicht zu unterschätzende Faktoren. Das Angebot und die Form der Tränken sollte zum Milchviehbestand und den Orten der Tränke passen. Schlechtes Wassermanagement ist einer der teuersten Fehler in der Rinderhaltung, auch wenn Wasser selbst nichts kostet.




