Die Vegetationsperiode schreitet voran, und plötzlich ist es schon wieder Zeit für die Silomaisernte. Eine gute Vorbereitung minimiert den Stress und hilft bei der Vermeidung von Fehlern, die sich nachträglich nicht korrigieren lassen.
Zum optimalen Erntezeitpunkt liegt der Trockenmassegehalt (TM-Gehalt) der Ganzpflanze in einem Bereich von 30 bis 38 %. Zum Ende des Stadiums der Teigreife ist der Korninhalt wachsartig-krümelig bei TM-Gehalten von etwa 50 %, der TM-Gehalt der Gesamtpflanze liegt bei etwa 32 %. Zur Druschreife ist die Stärkeeinlagerung in die Körner abgeschlossen, am Korngrund ist ein schwarzer Punkt, der sogenannte black layer zu erkennen.
Eine zu frühe Ernte bei TM-Gehalten unter 30 % (bei großen Stapelhöhen unter 32 %) erhöht das Risiko von Sickersaftbildung und Nährstoffverlusten, zudem ist die Stärkeeinlagerung noch nicht abgeschlossen. Eine verspätete Ernte hat zur Folge, dass sich das Häckselgut schlecht verdichten lässt und bei der Entnahme zu Nacherwärmung und Schimmelbildung neigt. Deshalb ist es ratsam, das Abreifeverhalten der eigenen Bestände im Blick zu behalten.
Dafür werden zum Beispiel pro Schlag drei Pflanzen zufällig entnommen, die Kolben in der Mitte gebrochen und auf die Merkmalsausprägungen überprüft (Tabelle). Alternativ werden die Pflanzen mithilfe eines Gartenhäckslers zerkleinert und anschließend zur TM-Bestimmung in der Heißluftfritteuse, in der Mikrowelle oder im Ofen getrocknet. Zusätzliche Unterstützung bieten sowohl die Reifeprüfung der Landwirtschaftskammer als auch Prognosemodelle wie „Maisprog“.
Abdeck- und Beschwerungsmaterial
Zur Vorbereitung des Silos gehört einerseits dessen Reinigung, um eine Kontamination des Ernteguts durch Silagereste zu vermeiden. Andererseits lohnt sich ein Blick auf das Abdeck- und Beschwerungsmaterial. Ist genügend Wand-, Unterzieh- und Silofolie vorhanden? Oder stellt eine mehrschichtige Sauerstoffbarrierefolie eine Alternative zur klassischen Siloabdeckung dar, um Arbeitszeit einzusparen? Lohnt sich das Vorhalten von Folien auf dem eigenen Betrieb, um unabhängiger von den lokalen Angeboten des Landhandels zu sein?
Wie intakt sind die Vogelschutznetze? Da insbesondere Krähen Löcher problemlos finden und mit ihren Krallen und Schnäbeln die Folien beschädigen, ist auf den Schutz vor Vögeln besonderes Augenmerk zu legen.
Auch die Kiessäcke verdienen einen kritischen Blick. Wenn der Inhalt bereits herausrieselt oder bei falscher Befüllung mit Sand bereits das Unkraut darauf wächst, macht deren Verwendung wenig Freude. Im Agrarhandel sind auch bereits gefüllte Kiessäcke erhältlich, ebenso wie Gurt- oder Schlauchsysteme, die diese beim Verlegen an Siloflanken am Abrutschen hindern. Kiessäcke sind auch als Beschwerung der Schutznetze vollkommen ausreichend, wenn sie als durchgängige Querbarrieren in Abständen von 5 m verlegt werden. Dann kann auf Reifen oder Reifenscheiben, deren Verlegung und Entfernung vor dem Aufdecken unnötig viel Kraft und Zeit kosten, komplett verzichtet werden.
Siliermittel gegen aeroben Verderb
Silomais gehört zu den leicht vergärbaren Futterpflanzen, da ausreichend leicht umsetzbare Kohlenhydrate enthalten sind. Allerdings steigt dadurch auch das Risiko für aeroben Verderb nach der Siloöffnung. Hauptverursacher sind die Hefen, die Zucker und Milchsäure umsetzen, was mit Wärmebildung einhergeht. Durch den Milchsäureabbau steigt der pH-Wert der Silage an, und andere Schadkeime werden wieder aktiv. Da im Nachhinein keine wirksamen Maßnahmen getroffen werden können, gilt es, mit möglichst geringen Keimgehalten im Erntegut zu starten und die Hefen von Anfang an zu unterdrücken.
Eine Möglichkeit, sowohl die Gärung in Richtung der gewünschten Qualität zu steuern als auch die Hefen zu hemmen, bietet der Einsatz biologischer Siliermittel der Wirkungsrichtung 2 auf Basis heterofermentativer Milchsäurebakterien (MSB). Bei der Gärung bilden diese neben der Milchsäure auch Essigsäure, die hemmend auf Hefen wirkt. Je höher die Essigsäurekonzentration ist beziehungsweise je schneller deren Bildung erfolgt, umso größer ist der Effekt. Essigsäuregehalte zwischen 2 und 3 % in der Trockenmasse sind wünschenswert. Um den MSB die nötige Zeit zu geben, ausreichend Essigsäure zu bilden, ist eine gasdichte Lagerung über acht Wochen erforderlich. Für Silagen, die schon früher geöffnet werden sollen, gibt es spezielle Siliermittel.
Da das Siliermittel zur Situation auf dem Betrieb, insbesondere zur Silogeometrie, zur Lagerdauer und zum Vorschub passen muss, bietet das Entscheidungsschema der DLG eine gute Unterstützung bei der Auswahl (https://siliermittel.dlg.org/).
Mit einer größeren Wirkungssicherheit überzeugen chemische Siliermittel. Dabei handelt es sich entweder um organische Säuren, die in gepufferter Form vorliegen können, oder um Salzlösungen. Allerdings erfordern diese Präparate eine höhere Dosierung. Unterdosierungen sind aufgrund einer möglichen selektiven Hemmung unbedingt zu vermeiden. Deshalb ist bereits vor der Siliermittelbestellung Rücksprache mit dem Lohnunternehmen zu den Applikationsmöglichkeiten zu halten.
Absprachen mit dem Lohnunternehmen
Je mehr Klarheit bezüglich der Kundenwünsche besteht, desto reibungsloser kann die Ernte laufen. Dazu gehören einerseits Fragen zur Schnitthöhe (normal oder Hochschnitt) und Häcksellänge. Für die Rinderfütterung stellen 4 bis 8 mm den Kompromiss zwischen den Anforderungen zur Verdichtbarkeit, Futteraufnahme und Strukturwirkung dar. Für die Nutzung in Biogasanlagen kann auch kürzer gehäckselt werden (4 bis 6 mm).
Andererseits ist es von großer Bedeutung, dass die Leistung und Geschwindigkeit der Häckselkette auf die Walzarbeit abgestimmt ist. Der Einsatz immer größerer und leistungsstärkerer Feldhäcksler führt zu einer Zunahme der Bergeleistung. Um trotzdem eine gute Walzarbeit zu ermöglichen, kann es erforderlich sein, die Zahl der Walzschlepper zu erhöhen oder mehrere Silos parallel zu befüllen. Geringe Schichtdicken (< 20 cm), langsames, mindestens dreimaliges Überfahren mit hohem Gewicht und Reifendruck sind für eine gute Verdichtung essenziell. Je kleiner die Poren zwischen den Partikeln sind, desto geringer ist die Eindringtiefe der Luft am Siloanschnitt.
Normale Schnitthöhe oder Hochschnitt?
Das Verhältnis von Kolben zur Restpflanze wird über die Schnitthöhe beeinflusst, bei Erhöhung steigt der Kolbenanteil. Dabei nehmen der TM-Gehalt der Ganzpflanze je 10 cm um 1 % und der Energiegehalt um 0,15 MJ NEL /kg TM zu. Zudem sind sowohl der Erdanhang als auch die Keimbelastung der unteren Stängelbereiche in der Regel höher, sodass sich ein Heraufsetzen der Stoppellänge auch positiv auf die Siliereigenschaften auswirkt. Allerdings sinkt der Ertrag parallel um 5 %, insofern ist Hochschnitt nur bei hohen Flächenerträgen eine Alternative.
Überprüfen der Häckselqualität
Für die Stärkeverdaulichkeit hat der Kornaufschluss eine große Bedeutung. Ganze oder nicht ausreichend zerkleinerte Maiskörner werden unverdaut ausgeschieden. Die Körner sollten mindestens geviertelt, am besten komplett zerschlagen sein. Da nachträglich keine Abhilfe mehr geschaffen werden kann, ist ein Überprüfen der Häckselqualität unabdingbar. Verantwortlich sind sowohl das Lohnunternehmen als auch der Landwirt. Dazu wird 1 l frisches Häckselgut in einem Eimer mit Wasser gut durchmischt. Schwere Partikel wie Körner sinken ab, leichtere Grobbestandteile schwimmen auf und können mit einem Sieb abgefischt werden. Nach dem Abkippen des Wassers bleiben die Kornteile und einige grobfasrige Bestandteile am Boden. Bei Wiederholung dieser Prozedur schwimmt nur noch wenig Material auf. Anschließend wird der Bodensatz durch das leere Sieb gegossen und auf einem Tablett oder Ähnlichem ausgekippt, um die Zerkleinerung der Kornteile zu überprüfen. Eine regelmäßige Wiederholung ist sinnvoll, insbesondere bei Schlag- oder Sortenwechsel. Bei Bedarf sind die Crackereinstellungen zu korrigieren.
Vorgehensweise bei der Silobefüllung
Je nach Gestaltung der Siloanlage erfolgt das Abladen bei der Durchfahrt, was eine homogene Verteilung sowie dünne Schichten begünstigt, oder die Wagen laden vor dem Silo ab, und das Erntegut wird angeschoben. Bei Durchfahrt sind befestigte Zufahrten vorteilhaft, bei schwierigen Bodenverhältnissen kann über Anschieben Schmutzeintrag ins Silo vermieden werden. Falls die Befüllung über mehrere Tage erfolgt, ist eine Zwischenabdeckung einzuplanen beziehungsweise sind fertige Silobereiche früher abzudecken, um einer Vermehrung von Hefen und Schimmelpilzen im Vorfeld der Silierung entgegenzuwirken. Dadurch kann das Risiko für aeroben Verderb minimiert werden.
Fazit
Die Zeit bis zum Erreichen des optimalen Erntetermins kann für wichtige Vorarbeiten genutzt werden, damit während der Silomaisernte alles reibungslos funktioniert. Dazu gehören neben den Absprachen mit dem Lohnunternehmen auch die Vorbereitung des Silos und der Abdeckmaterialien sowie die Wahl eines geeigneten Siliermittels. Während des Häckselns ist eine regelmäßige Überprüfung der Häckselqualität und des Kornaufschlusses erforderlich, um bei Bedarf Korrekturen vorzunehmen. Je besser die Verdichtung ist und je schneller der Luftabschluss erfolgt und andauert, desto größer sind die Chancen auf aerob stabile Silagen.




