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Die Ukraine will die Exportmenge an Weizen sowie Mengkorn aus Weizen und Roggen auf 16,2 Mio. t beschränken. Eine entsprechende Absichtserklärung, für das Wirtschaftsjahr 2024/2025 wurde vom stellvertretenden Agrarminister Taras Vysotskyi und Verbänden unterzeichnet. Ziel ist die Sicherung der heimischen Ernährungsgrundlage.
Die Ukraine will die Ausfuhrmenge an Weizen sowie Mengkorn aus Weizen und Roggen im Wirtschaftsjahr 2024/25 auf 16,2 Mio. t beschränken. Eine entsprechende Absichtserklärung hat der stellvertretende Landwirtschaftsminister Taras Vysotskyi am vorigen Dienstag in Kiew unterzeichnet. Vysotskyi zufolge soll diese Maßnahme helfen, die heimische Ernährungsgrundlage zu sichern. Um das Limit einzuhalten, werden die monatlichen Getreideexportmengen weiterhin registriert. Falls notwendig, kann die Höchstmenge der Ausfuhren im kommenden Jahr noch angepasst werden. Mitunterzeichner der Absichtserklärung sind der Ukrainische Getreideverband (UGA) und der Verband der Landwirte und Privatgrundbesitzer der Ukraine. Wie die ukrainische Fachzeitschrift „Ukrinform“ berichtete, hat der UGA die Ernteprognose für Getreide und Ölsaaten am Heimatmarkt mit Stand Ende August um 2,8 Mio. t auf 71,8 Mio. t zurückgenommen. Zur Ernte 2023 waren laut UGA noch 82,8 Mio. t gedroschen worden. Grund für die schlechte Ernte in diesem Jahr sei das anhaltend trockene und heiße Wetter. Beim Weizen rechnet der UGA in diesem Jahr mit einem Aufkommen von 19,8 Mio. t (2023: 22 Mio. t). Die potenzielle Exportmenge beziffert der Verband für 2024/25 auf rund 13 Mio. t. Beim Roggen wird im Jahresvergleich ein Rückgang um 350.000 t auf 4,95 Mio. t erwartet. Das mögliche Exportvolumen in der laufenden Kampagne schätzt der UGA auf rund 2 Mio. t. Das ukrainische Parlament hat in der Vorwoche den Beschluss über den Beitritt des Landes zum Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) ratifiziert. Der IFAD ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, die darauf abzielt, zusätzliche Ressourcen für die Entwicklung der Landwirtschaft in ihren Mitgliedsländern zu mobilisieren. Die IFAD-Mitgliedschaft ermöglicht der Ukraine den Zugang zu kostengünstigen Finanzmitteln und Zuschüsse für die Entwicklung des Agrarsektors. Zugleich erhofft sich das Land eine Stärkung seiner Stellung als einer der größten Produzenten und Exporteure von Agrarprodukten auf dem Weltmarkt.age
Die LandFrauen Anine Koopmann (li.) und Wilga Büttner demonstrierten in historischem Gewand, wie beschwerlich das Wäschewaschen einst war.
Die LandFrauen aus Hohenwestedt und Umgebung besuchten zum Auftakt der Hohenwestedt-Woche das dortige Heimatmuseum. Hier ist aktuell eine Ausstellung mit vielen schönen Exponaten zum Thema „Küche und Haushalt zu Uromas Zeiten“ zu sehen.
Wie mühsam und zeitraubend die Haushaltsführung zu Uromas Zeiten war, wurde beim Rundgang im Museum schnell wieder gegenwärtig. Die bunte Ausstellung von Haushaltsgeräten, einfachen Küchenutensilien, Kochbüchern und alten Rezepten, die oft mit dem Satz „Man nehme, wenn man hat“ begannen, ist sehr anschaulich. Die LandFrauen hatten auf jeden Fall viel Spaß auf dieser „Reise“ in die Geschichte. Sie werden am 14. November wieder mit dem Museumsverein zusammenarbeiten und einen gemütlichen Abend mit plattdeutschen Geschichten, musikalischer Untermalung und Snacks anbieten.
Die Ausstellung ist noch bis Ende Oktober immer donnerstags und sonntags jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
Waffeln backen, Kinder schminken, Hau den Lukas – die Landjugendlichen waren auf der Norla wieder voll in Aktion. Nicht fehlen durfte wie jedes Jahr eine Aktion mit den Politikern.
Schon im August standen die Planungen für die Norla-Messe auf der Agenda. Wie jedes Jahr wurden sämtliche Großmärkte angesteuert, um gut ausgestattet zu sein. Ob Zucker, Mehl oder Sour Creme, Schinken oder Käse für die Waffeln – die Einkaufskörbe waren prall gefüllt. Bei Eiern und frischer Milch konnten wir uns auf regionale Sponsoren verlassen.
Wie die vergangenen Jahre wurden frische Waffeln gebacken, süß mit Puderzucker, Nutella und Apfelmus oder deftig mit Käse und Schinken. Des Weiteren wurden auch wieder unser Kinderschminken sowie Hau den Lukas angeboten.
Ohne viele und vor allem fleißige Helfer wird das nichts. Gestartet wird ein typischer Messetag mit einem gemeinsamen Frühstück inklusive einer Vorstellungsrunde. Nachdem jeder satt ist und weiß, mit wem er es zu tun hat, werden alle in drei Schichten eingeteilt. Meist besetzt eine Person zwei von drei Schichten, um sich in der freien Zeit selbst auf der Messe umzuschauen. Helfer, die zwei Tage in Folge tätig sind, übernachten meist in der Deula.
reffen im Pavillon mit (hinten v. li.) Thomas Hansen, Klaus-Peter Lucht (beide BVSH), Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), Lena Hagge (ljv), Finanzministerin Dr. Silke Schneider (Grüne), Tajo Lass (ljv).Foto: jh
Am Freitagnachmittag fand als einer der Höhepunkte die traditionelle Politikaktion statt. Dieses Jahr durften die Teilnehmer ihr Können im Eierlaufen unter Beweis stellen, zuvor wurde gewürfelt. Der Gewinner hatte zu einem bestimmten Thema, welches der Landjugend auf der Seele brennt, eine Minute Redezeit. Tatsächlich gelang es auch fast allen, diese einzuhalten und sich spontan zu den Themen zu äußern. Dieser „politische Eierlauf“ kann rückblickend als voller Erfolg gewertet werden. Anschließend ging es in einen netten Austausch bei Kaffee und frischen Waffeln im Landjugendpavillon.
Auch die abwechslungsreichen Abendprogramme sind zu erwähnen. Am Donnerstagabend lud die Messe zum traditionellen Ausstellerabend ein. Bei einem leckeren Grillbuffet konnten sich die Landjugendlichen mit anderen Ausstellern austauschen und Kontakte knüpfen. Am Freitagabend wurden die Helfer zudem als Dankeschön zum Essen in Rendsburg eingeladen. Das Highlight für viele Lajus war natürlich der Sonnabendabend mit der beliebten Norla-Fete! Sie wurde von der Landjugend Kiel erstmals in Kühls Gasthof in Osterrönfeld ausgerichtet. Nach einer tollen Feier schaute man beim Frühstück am Sonntagmorgen in einige müde Augen, doch auch der letzte Messetag konnte erfolgreich durchgeführt werden.
Es konnten insgesamt knapp 1.000 Waffeln verkauft werden. Der Erlös daraus wird für unsere nächstjährige gemeinnützige 72-Stunden-Aktion verwendet. Zusätzlich fließen auch die Spenden, die die Sparkasse durch das Verteilen der roten Eimer erzielte, in diese Aktion. Insgesamt kamen so unglaubliche 5.163 € zusammen
„Weniger Ich-Denken, mehr Wir-Denken“
Aus dem Grußwort der Landesvorsitzenden Lena Hagge und Tajo Lass
„Die Landjugend Schleswig-Holstein steht für das Land und die Leute hier. Wir gestalten das Leben vor Ort. Wir wollen, dass die Menschen auf dem Land eine Zukunft haben. Dafür müssen wir jungen Menschen zuhören und ihnen die Möglichkeit geben, sich zu beteiligen. In der Landjugend können junge Menschen lernen, wie Demokratie funktioniert. Sie können eigene Positionen entwickeln und sich politisch einbringen.
Unsere Junglandwirtinnen und Junglandwirte üben ihren Beruf mit Leidenschaft aus. Das fällt ihnen in der heutigen Zeit jedoch schwerer denn je. Neben dem Fachkräftemangel, den zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels fehlt es der jetzigen Generation vor allem an Planungssicherheit. Durch praxisferne Auflagen, Dokumentations- und Meldepflichten sowie Kontrollen entstehen Stress und Frust auf den Betrieben.
Es ist schöner, wenn man erzählt, was gut läuft. Ich komme aus einem kleinen Dorf. Wir haben keinen Laden, keine Tankstelle, keine Schule. Aber wir haben acht Vereine. Das Beste am Leben auf dem Dorf ist, dass man sich auf die Leute verlassen kann. Viele arbeiten ehrenamtlich. Das Ehrenamt muss unterstützt werden, auch finanziell.
Wir danken für jegliche Unterstützung, die wir erhalten, für das Mentoring, den Rückhalt und die Wertschätzung. Wir erwarten von der Gesellschaft weniger Schwarz-Weiß-Denken, mehr Offenheit und Verständnis. Weniger Ich-Denken, mehr Wir-Denken, mehr in Generationen Denken.“
Lena Hagge, Tajo Lass
Treffen im Pavillon mit (hinten v. li.) Thomas Hansen, Klaus-Peter Lucht (beide BVSH), Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), Lena Hagge (ljv), Finanzministerin Dr. Silke Schneider (Grüne), Tajo Lass (ljv).Foto: jh
Martin Seidl ist begeistertet vom Angus-Rind. „Es hat hervorragende Fleischqualität und ein gutes Nachgeburtsverhalten“, sagt er. Zusammen mit anderen Angus-Haltern, -Züchtern und -Mästern hat er die Interessengemeinschaft Angus Schleswig-Holstein und Hamburg gegründet.
Ziele der Interessengemeinschaft (IG) sind die Förderung von Vermarktung und Zucht des Angus-Rinds, die Unterstützung der Jungzüchter und Informationsaustausch zwischen Angus-Haltern und -Züchtern. Die IG wurde vor eineinhalb Jahren gegründet und ist Teil der entsprechenden bundesweiten Gemeinschaft. Sie arbeitet eng zusammen mit der Rinderzucht Schleswig-Holstein (RSH) eG und anderen Züchterinstitutionen. Derzeit hat sie rund 60 Mitglieder.
Bisher wurde unter anderem eine Exkursion zu dem Betrieb von Timo Ölkers und Heinz-Wilhelm Riekenberg in Niedersachsen durchgeführt, die Angus auf Stroh mästen. Am Sonntag, 15. September, wird ab 13 Uhr bei Finn Martensen in Enge-Sande ein Angus-Tasting angeboten. Ende November gibt es wieder ein Jungzüchtertraining in Süderbrarup, Kreis Nordfriesland.
Nicht nur der Geschmack, auch die Zuchteigenschaften überzeugen Angus-Freunde. „Die Kälber haben eine unglaubliche Vitalität, schon ein paar Minuten nach der Geburt stehen sie auf. Die Kühe können schon nach zwei Jahren belegt werden“, sagt die IG-Vorsitzende Johanna Schneidereit aus Henstedt, Kreis Steinburg. Martin Seidel ist wichtig: „Angus-Vermarktung ist regionale Vermarktung.“ Informationen und Anmeldung zu Veranstaltungen unter Tel.: 0170-462 32 17 oder johanna.goettsche@gmx.de
Bestimmt hat schon jedes Mitglied im Bauernverband mit seiner Kreisgeschäftsstelle zu tun gehabt, und sicherlich ist ihm oder ihr dort bei dem Anliegen geholfen worden. Doch was umfasst eigentlich das gesamte Spektrum einer Kreisgeschäftsstelle, und wie sieht ihr Alltag aus? Das Bauernblatt hat sie besucht, heute: die Kreisgeschäftsstellen für Stormarn und für das Herzogtum Lauenburg.
Es sind Nachbarkreise, und das Besondere: Sie haben einen Kreisgeschäftsführer für beide Kreisbauernverbände (KBV), aber zwei Geschäftsstellen: für den KBV Stormarn in Bad Oldesloe und für den KBV Herzogtum Lauenburg in Mölln. Das ist etwa 35 km oder eine Dreiviertel-Autostunde auseinander.
Kirsten Harenberg ist Geschäftsstellenassistentin im traditionsreichen Haus der Landwirtschaft in Mölln.
Peter Koll ist Kreisgeschäftsführer seit März 2001 und von Anfang an für beide Stellen. Das war schon bei seinem Vorgänger Detleff Rießen so, und es wird auch so bleiben, wenn demnächst Anwärter Marcel Lienau weiterer Geschäftsführer wird: Sie werden sich beide die Aufgaben in beiden Kreisen teilen. Auch die Assistentinnen sind für beide Kreise aktiv, auch wenn Gesa Tams-Koll und Manuela Sprunk hauptsächlich in Bad Oldesloe und Kirsten Harenberg in Mölln ihren Arbeitsplatz haben. „Das Einzige, was nicht zusammengeführt ist, sind die Papierakten“, sagt Peter Koll.
Er selbst pendelt regelmäßig, hat in Mölln den Mittwoch als festen Tag und in Bad Oldesloe Montag und Freitag fest. „Wir vergeben aber immer Termine. Die Dinge, um die es geht, kann man nicht in ein paar Minuten abhandeln. Das wird von den Mitgliedern über Jahre gut angenommen und akzeptiert“, so Koll. Zehn bis 15 Termine pro Woche an beiden Stellen zusammen sind üblich, in der Hochantragszeit auch 25 bis 30 täglich. Da braucht es Unterstützung, etwa durch die Anwärter Marcel Lienau oder kürzlich Beeke Ehlers sowie durch eine studentische Aushilfe.
Die Crew in Bad Oldesloe (v. r.): Kreisgeschäftsführer Peter Koll, Manuela Sprunk, Gesa Tams-Koll, Geschäftsführeranwärter Marcel Lienau. Die Räume schmücken Gemälde von Gesa Tams-Koll.Fotos: Tonio Keller
Wäschekorb mit Akten
„Trotz der digitalen Medien haben wir sehr viel direkten Mitgliederkontakt“, erklärt Koll. „Manche kommen mit einem Wäschekorb voll Unterlagen.“ Aber sie kommen bisweilen auch mit selbst gebackenen Keksen, eigenen Äpfeln oder Leckerlis für Bürohund Paula.
Auch Bürohund Paula (10) ist immer im Dienst.
Die Geschäftsstellen sind auch beratende Außenstellen für die Sozialversicherung. Selbst Steuerberatung kann Koll anbieten, wenn auch nur für einfache Fälle der Einnahme-Überschuss-Rechnung und in gewissen Grenzen, die vor der Bilanzpflicht liegen. „Es wird nicht weniger, Steuerberatungskapazitäten sind in der freien Wirtschaft oft ausgelastet.“ Kolls Fazit, das auch Lienau bereits teilt: „Es gibt wohl kaum eine andere Institution, die so umfangreich im Spektrum des Agrarrechts berät.“
Trost und Beistand
Das Beratungsspektrum dreht sich um alles, was rund um den Hof und die landwirtschaftliche Familie anfällt. Die Redewendung lautet „von der Wiege bis zur Bahre“ – Koll drückt es lieber so aus: „vom Elterngeld bis zur Witwenrente“. Und dabei geht es um weit mehr als um „Formulare, Formulare“. Da kommen Schicksalsschläge vor, Krankheiten, Todesfälle. Koll: „Wenn das Leben glattläuft, braucht man den Bauernverband ja nicht. Wir sind froh, wenn wir Trost und Hilfe spenden können. Und so geht der Beistand für Betroffene oft über reinen Rechtsbeistand hinaus.“ Da stehen Taschentücher ganz selbstverständlich bereit. Der Kreisgeschäftsführer weiß jedoch: Es braucht auch eine entsprechende Distanz. „Ein wichtiges Arbeitsgerät ist der Büroschlüssel. Die Themen müssen drinnen bleiben.“
Druck der Städte
Was zeichnet die Kreise landwirtschaftlich aus? Beide sind sie „an den Enden“ geprägt durch die Nähe der Großstädte Hamburg und Lübeck. Stormarn ist dazu neben Pinneberg der wirtschaftlich stärkste Kreis im Land und der mit der höchsten Bevölkerungsdichte. Daraus resultieren ein geringer Anteil der Landwirte an der Gesamtwirtschaft (unter 1 % des BIP) sowie ein starker Druck auf die Flächen – für Siedlungsprojekte, Gewerbegebiete, Infrastrukturmaßnahmen. Die Bodenpreise treibt das natürlich nach oben. „Allein in meiner Geschäftsführerzeit haben wir rund 5.000 Hektar Fläche verloren, das sind in 23 Jahren zehn Prozent“, weiß Koll.
Straßen, Gleise, Leitungen
Dazu kommen die starken Verkehrswege und ihre Reparatur- und Ausbaumaßnahmen – die Autobahnen, Bahnlinien und Wasserstraßen und die neuen Stromfernleitungen (das Bauernblatt berichtete). Neue Projekte hierbei sind die Anbindung an die Fehmarnbeltquerung und der Ausbau der Hamburger S-Bahn-Linie 4 bis Bad Oldesloe. Bei Flächenbedarf der Projektbetreiber, der nicht abgewendet werden kann, bemüht sich der Verband um Ersatzflächen, damit der Landwirt weiter gut wirtschaften kann, aber häufig gebe es nur einen finanziellen Ausgleich. Koll: „Das betrifft zwar nur wenige Bauern, aber oft dieselben.“
Die Betriebsstruktur ist heterogen, aber in beiden Kreisen ähnlich: im Süden kleiner strukturierte Betriebe am Hamnburger Rand mit leichten, sandigen Böden, im Norden beginnendes Hügelland mit eiszeitlich geprägten lehmigen Böden. In beiden Kreisen gibt es Pensionspferdehaltung mit zum Teil über 100 Tieren sowie Sonderkulturen mit Spargel, Erdbeeren und Obst. Die Tierhaltung nimmt ab.
Historische Domänen
Das Herzogtum Lauenburg beherbergt traditionell größere Betriebe. Eine Besonderheit sind die 13 Domänen, die in preußischer Zeit den Kreisen übereignet wurden. Vor längerer Zeit war die Absicht, sie in Biobetriebe umzuwandeln, was aber bisher nur mit einer Domäne geschah. Durch die Lage an der innerdeutschen Grenze ergab sich nach der Öffnung die Möglichkeit, im nahen Mecklenburg Flächen zu erwerben oder zu pachten, was Lauenburger Landwirte nutzten, sich zu erweitern, ohne ihren Stammsitz aufzugeben.
Ansonsten beherbergt das Herzogtum Lauenburg die größten Waldgebiete in Schleswig-Holstein. Aber das ist eine andere Geschichte.
Viel Veränderung in kurzer Zeit
Wolfgang (62, li.) und Sebastian Holz (32) aus Koberg haben viele Umwandlungen bewältigt. Die Kreisgeschäftsstelle half.Foto: privat
Auf dem Hof der Familie Holz in Koberg bei Mölln standen in den vergangenen zehn, zwölf Jahren eine Menge Veränderungen an. 2008 wurde der damals noch kleinere Betrieb (gut 60 ha, 35 Kühe), den Vater Wolfgang Holz zusammen mit seiner Frau im Nebenerwerb führte, auf Bio umgestellt, ein neuer Stall gebaut. 2019 übernahm Sohn Sebastian den Betrieb und stieg direkt in den Vollerwerb ein. Die Fläche wurde ständig erweitert auf heute 180 ha, der Milchviehbestand auf 80 Tiere. Vor Kurzem hat Sebastian Holz geheiratet. „Der Kreisbauernverband hat uns über Jahre erfolgreich beraten“, sagt Sebastian Holz. „Die Übergabe, die Umstellung, die Erweiterung, Pachtverträge – das brachte einen großen Strauß an bürokratischen Vorgaben mit sich. Und im Zuge der Heirat habe ich meine Ehefrau angestellt. Dazu haben wir jetzt zwei Angestellte.“
Die Bahn kommt – und damit Probleme
Eine Fläche der Familie Ruge in Delingsdorf, Kreis Stormarn, liegt direkt an der Bahnlinie Hamburg-Lübeck, und die wird ständig erweitert (Bild oben). Im Zuge der Elektrifizierung wollte die Bahn als Ausgleichsfläche einen 6 bis 8 m breiten Baumbestand entlang der Gleise pflanzen. Dann hätte die ganze Drainage des Feldes umgebaut werden müssen. Die Kreisgeschäftsstelle erreichte, dass stattdessen ein dreieckiges Flächenstück am Rand bewaldet wurde. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir das hinkriegen!“, sagt Heinz-Joachim Ruge. Nun steht im Zuge der Erweiterung der S-Bahn-Strecke 4 der Bau einer Abstellfläche mit drei Gleisen für bis zu 30 Züge an. Ruge würde dadurch seine Zuwegung zum Feld vom Dorf aus verlieren. „Kreisgeschäftsführer Peter Koll hat für uns Eingaben gemacht, es gibt einen Termin. Noch haben wir keine Ergebnisse“, sagt Ruge.
Bei der Rabobank geht man davon aus, dass die Rohmilchpreise in der EU bis zum Jahresende weiter steigen. Die Milchanlieferungen und die Nachfrage dürften aber nur geringfügig zulegen. Indes sehen die Fachleute für die Preise der Milcherzeugnisse unterschiedliche Entwicklungen voraus: Butter und Milchpulver werden wahrscheinlich teurer, während Gouda und Molkepulver wohl günstiger werden.
Der Aufwärtstrend der Ab-Hof-Milchpreise in der EU und im Vereinigten Königreich wird sich nach Einschätzung der Rabobank in den kommenden Monaten fortsetzen. Wie die niederländischen Fachleute in einer aktuellen Marktanalyse feststellen, sind die Gewinnmargen der Milcherzeuger bereits in den vergangenen Monaten gestiegen, wozu auch sinkende Futterkosten beitrugen.
Der Meiereiriese FrieslandCampina habe seinen Ab-Hof-Garantiepreis im August um 1,25 € auf 49,25 €/100 kg Milch mit 4,45 % Fett und 3,58 % Eiweiß erhöht. Der Vergleichswert vom Januar 2024 belief sich auf lediglich 44,75 €/100 kg. Unterdessen rangierten die Spotmarktpreise in Deutschland und den Niederlanden aktuell über 55 €/100 kg Milch. Vor diesem Hintergrund sehen die Banker gute Chancen für einen weiteren Anstieg der Erzeugerpreise.
Damit im Einklang erwartet die Rabobank eine Ausweitung der Milchanlieferungen in der EU und im Vereinigten Königreich im dritten Quartal 2024, und zwar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um insgesamt 1 % . Für das vierte Quartal wird gegenüber dem Zeitraum Oktober bis Dezember 2023 mit einem Plus von 1,5 % gerechnet. Damit ergäbe sich für das Gesamtjahr ein Zuwachs von 0,7 %. Davon ausgehend wird für 2025 aber nur eine Mengensteigerung von unter 0,5 % prognostiziert.
Zudem rechnen die niederländischen Analysten damit, dass die Nachfrage der Einkäufer von Milcherzeugnissen in der EU bald etwas anzieht. Bislang hätten diese Marktakteure noch gezögert, größere Lagerbestände aufzubauen, weil neben den Rohstoffpreisen auch die Kosten für Kapital und Arbeit gestiegen seien. Für das Gesamtjahr 2024 wird jetzt ein Nachfrageplus gegenüber dem Vorjahr von 0,4 % erwartet – gemessen in Milchäquivalenten. Für 2023 wurde ein etwas geringerer Anstieg verzeichnet, nämlich von 0,3 %.
Mit Blick auf die EU-Preise der wichtigsten Milcherzeugnisse prognostizieren die Fachleute unterschiedliche Entwicklungen. So sehen sie den durchschnittlichen Butterpreis im vierten Quartal 2024 bei 7.650 €/t; das wären 6,3 % mehr als der Schätzpreis für das dritte Quartal. Zudem dürften sich Mager- und Vollmilchpulver um 6,9 % auf 2.550 €/t beziehungsweise um 2,7 % auf 3.800 €/t verteuern.
Dagegen werden für Gouda-Käse und Molkepulver Preissenkungen um 0,8 % auf 4.400 €/t beziehungsweise um 2,9 % auf 925 €/t vorausgesagt. Unterdessen hielten sich die Verbraucher derzeit mit ihren Ausgaben für Milcherzeugnisse noch zurück, während der Foodservice und der Lebensmitteleinzelhandel weiterhin mit geringen Gewinnspannen arbeite, hieß es.age
Getreideernte 2024:
Fusarien und Mutterkorn im Rahmen
Mühlen sehen den Anbau von Qualitätsweizen in Deutschland in Gefahr
Ein gemischtes Bild zeichnet der Mühlenverband von der diesjährigen Getreideernte in Deutschland. Im Osten seien die Ernten überwiegend gut, im Westen schlecht, sagt Verbandsgeschäftsführer Peter Haarbeck. Auch in weiten Gebieten Süddeutschlands blieben die Ergebnisse hinter denen der vergangenen Jahre zurück. Allerdings gebe es große regionale Unterschiede.
Akzeptable Proteingehalte gingen oft mit niedrigen Erträgen einher, berichtet Haarbeck. Beim Rohproteingehalt werde die 12-%-Marke voraussichtlich nicht erreicht. Einige Mühlen seien zufrieden mit den Proteingehalten. Auch die Kleberqualitäten seien zum Teil gut. Für die Mühlen werde es insgesamt deutlich aufwendiger, die benötigten Mengen und Qualitäten zu beschaffen. Nicht bestätigt hätten sich Befürchtungen, dass der Befall mit Fusarien und Mutterkorn ein großes Problem in der Breite darstellen könnte. „Wir können Entwarnung geben“, sagt Haarbeck. Dem VGMS-Geschäftsführer zufolge sehen die Mühlen den Anbau von Qualitätsweizen in Deutschland in Gefahr. Als eine Ursache nennt Haarbeck die Düngeverordnung mit ihren starren Vorgaben. „Wo immer es geht, muss guter Ackerbau mit bedarfsgerechter Düngung möglich sein“, betont Haarbeck. Bund und Länder seien gefordert, das hinzubekommen. Der VGMS-Geschäftsführer bekräftigt das Interesse der Mühlen, ihren Kunden weiterhin deutsche Ware in den gewünschten Qualitäten zur Verfügung zu stellen. Derzeit liege der Anteil von heimischem Weizen bei 95 %.
Wachsende Herausforderungen für die Pflanzengesundheit sind verstärkter Schädlingsbefall und Krankheitsdruck, die mit dem Klimawandel einhergehen. Dazu passten keine politischen Vorgaben, pauschal mit immer weniger Pflanzenschutzmitteln auszukommen, so Haarbeck: „Die Mühlen brauchen gesundes Getreide.“ Dafür sei eine breite Palette an modernen Wirkstoffen unerlässlich. age
Die Rapskurse kletterten an der Matif in Paris Ende August um rund 10 €/t auf zirka 470 €/t. Sie folgten vor allem den festen Rohölkursen, die im gleichen Zeitraum innerhalb von drei Tagen um 7,6 % auf zirka 80 US-$/bbl stiegen wegen der weiterhin angespannten Situation im Nahen Osten. Im Falle eines offenen Kriegs mit Israel könnte die Ölversorgung aus der Region nachhaltig gestört werden, was an den Börsen je nach täglicher Nachrichtenlage bereits kräftig ein- und wieder ausgepreist wird. Die Seewege durch das Rote Meer, wo derzeit ein nach einem Huthi-Angriff brennender Tanker mit 150.000 t Rohöl an Bord treibt, als auch durch den Panamakanal, dessen Kapazitäten durch Trockenheit begrenzt sind, bleiben unsichere Routen. Dazu hat aktuell Libyens rivalisierende Regierung im Osten des Landes die Einstellung der gesamten Ölproduktion und des -exports angekündigt, was weiter preistreibend wirkt. Grundsätzlich besteht für den Ölweltmarkt die Aussicht auf eine anziehende Nachfrage, weil sich die konjunkturelle Lage in China zu bessern scheint, was einen neuen Höchststand des weltweiten Verbrauchs von Rohöl, Benzin und Diesel bedeuten würde. Auch Palmöl stieg an der Börse in Kuala Lumpur nach der Ankündigung Indonesiens, die Beimischungsquote von Palmöl von aktuell 30 % bis Anfang 2025 auf 50 % erhöhen zu wollen.
Im August hat Mars, der Prognosedienst der EU-Kommission, die Ertragsschätzungen wegen der außergewöhnlich heißen Bedingungen im Süden und der übermäßigen Regenfälle im Norden für fast alle Kulturen gesenkt. Auch die Ertragsprognose für Winterraps wurde EU-weit noch einmal auf 30,7 dt/ha korrigiert, 3 % unter dem langjährigen Mittel. Sommerkulturen, wie die Ölpflanzen Soja und Sonnenblumen, waren wegen der heißen Bedingungen, kombiniert mit einer begrenzten Wasserverfügbarkeit in Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Griechenland, besonders betroffen. Die Erträge der EU-Sonnenblumenernte 2024 werden auf 20,4 dt/ha taxiert, 5 % unter dem Durchschnitt, die Sojaerträge in der EU wurden um 4 % auf 27,5 dt/ha reduziert, 3 % unter dem Durchschnitt.
Nach den früheren deutlichen Kursverlusten an der Chicagoer Börse setzte bei den US-Sojabohnen zuletzt eine Konsolidierung ein, gestützt durch die Aussicht auf eine Hitzewelle in der kommenden Woche, auch wenn immer noch eine Rekordernte prognostiziert wird.
Fester Euro und hohe Importe dämpfen
Für etwas Gegenwind sorgt der feste Eurokurs, denn damit wird EU-Raps am Weltmarkt teurer beziehungsweise Importe billiger. Der Euro kletterte in den vergangenen Handelstagen weiter und erreichte damit den höchsten Stand seit Juni 2023. Spätestens seit den enttäuschenden US-Arbeitsmarktdaten gilt es als sicher, dass die US-Zentralbank Fed auf ihrer Sitzung am 18. September den Leitzins senken wird.
Dämpfend wirkte auch, dass die EU deutlich mehr Raps als im Vorjahreszeitraum importierte, was grundsätzlich zur Deckung des Inlandsverbrauchs an pflanzlichen Ölen und Fetten in Höhe von 5,65 Mio. t notwendig ist. Rund 60 % gingen in die industrielle Verwertung (Biodiesel, oleochemische Produkte, etwa für Pharmazie, Kosmetik, Hydraulik- und Schmieröle), 32 % in die menschliche Ernährung und 8 % als Futteröle ins Mischfutter. Aus der deutschen Rapsernte können nur rund 1,7 Mio. t Pflanzenöl produziert werden. Nach Angaben der EU-Kommission importierte die EU im Zeitraum vom 1. Juli bis 11. August 2024 bereits über 440.000 t Raps, nach 285.300 t im Vorjahreszeitraum. Die größte Menge kommt mit 290.000 t (Vorjahr: 98.000 t) aus Australien, gefolgt von 96.000 t (47.600 t) aus der Ukraine und 34.000 t (95.300 t) aus Moldawien. Dagegen liegen die EU-Sojaeinfuhren mit 1,2 (1,5) Mio. t unter dem Vorjahresniveau. Brasilien lieferte mit 863.000 (909.100) t die größte Menge, aus den USA kamen 174.500 (465.700) t und aus der Ukraine 115.000 (71.000) t.
Kassamarkt folgt verzögert
Am Kassamarkt wird vom Erfassungshandel der Kursanstieg von über 10 €/t an den Börsen erst zur Hälfte abgebildet. Dagegen hat der Großhandelsmarkt schon deutlicher reagiert, besonders für prompte Lieferungen.
Schleswig-Holstein ist von zahlreichen Bächen und Gräben durchzogen. Sie dienen der Entwässerung und erfüllen wichtige ökologische Funktionen, bieten Lebensraum für Fische, Insekten, Krebse, Muscheln und Wasserpflanzen. Sie sind ein wichtiger Lebensraum zum Erhalt der Artenvielfalt. Damit das Wasser abfließen kann, werden viele Gewässer regelmäßig unterhalten. Wird die Unterhaltung intensiv durchgeführt, so führt das zu Lebensräumen ohne Strukturen und Vielfalt, nur wenige Tiere können dort noch leben. Es siedeln sich Wasserpflanzen an, die sehr schnell wachsen, sodass die Unterhaltung zum Teil mehrmals im Jahr durchgeführt werden muss. Dies ist zeitaufwendig und kostet Geld.
Was bedeutet „schonende Gewässerunterhaltung“?
Durch schonende Unterhaltung der Flüsse, Bäche und Gräben werden die Strukturen und ökologischen Funktionen wiederhergestellt, die Artenvielfalt steigt und auch der Abfluss bleibt gesichert. Bei ausreichend guter Wasserqualität kann sich mit etwas Zeit ein guter ökologischer Zustand einstellen.
Im Gegensatz zur intensiven Unterhaltung, bei der die Gewässersohle komplett ausgemäht und die Ufer kurz gemäht werden, wird bei der schonenden Unterhaltung nur bedarfsweise und einseitig, wechselseitig, abschnittsweise oder nur im Stromstrich gemäht. Die besonders empfindliche Gewässersohle und die Ufer werden geschont. Dies ist wichtig, da sich viele Fische und die meisten Insektenlarven auf der Sohle und am Böschungsfuß aufhalten. Steine, Kies, Laub, Holz und Pflanzenpolster bleiben im Gewässer als besonders wichtige Strukturen erhalten. Der Bach erhält schmale und breite, flache und tiefe, schnell und langsam strömende Abschnitte.
Artenvielfalt und Rechtssicherheit
Auch die Ufergehölze bleiben so weit möglich stehen oder werden wieder angepflanzt. Geschnitten wird höchstens abschnittsweise, um möglichst viele schattige und kühle Abschnitte zu erzeugen. So kann die Artenvielfalt in Bach und Fluss erhalten oder wiederhergestellt werden. Um den Abfluss zu gewährleisten, werden Hindernisse in Absprache mit den Unteren Wasser- und Naturschutzbehörden rechtzeitig beseitigt. Durch schonende Unterhaltung werden die Vorgaben des Artenschutzes eingehalten und der Abfluss gesichert. Damit sind die Unterhaltungspflichtigen rechtlich auf der sicheren Seite.
Das Beratungsprojekt:
Im Jahr 2009 startete mit der Einführung von fünf Pilotstrecken das Beratungsprojekt „Schonende Gewässerunterhaltung“ im Auftrag des Landesamtes für Umwelt (LfU). Innerhalb des Projektes werden Schulungen durchgeführt, Verbände beraten und im Laufe der Zeit viele weitere Modellstrecken eingerichtet. Die Auswirkungen der schonenden Unterhaltung werden an diesen Abschnitten begleitend untersucht. Durch das Beratungsprojekt werden alle Beteiligten bei der Anpassung der Unterhaltung unterstützt, um so die schonende Gewässerunterhaltung im Land zu etablieren.
Zurzeit sind 85 km schonend unterhaltene Gewässerstrecken im Rahmen des Beratungsprojekts bekannt, davon werden 31 Strecken auf knapp 50 km in Abstimmung beziehungsweise gemeinsam mit den Unterhaltungspflichtigen betreut. Es fallen darunter kleine, kiesgeprägte Bäche des Östlichen Hügellandes genauso wie Marschengewässer an der Westküste. Manche Abschnitte sind 500 m lang, andere erstrecken sich über mehrere Kilometer, wie zum Beispiel an der Radesforder Au im Einzugsgebiet der Stör. Weitere Strecken sind bereits im „Digitalen Unterhaltungsverzeichnis“ ausgewiesen, einem Verzeichnis, in dem – für Verbände und Kreise zugänglich – die Art der Unterhaltung für alle Gewässerstrecken in Karten dargestellt wird.
Praktische Unterstützung bei der Umstellung
Seit 2011 wurden mehr als 1.200 Menschen zur schonenden Gewässerunterhaltung über das Projekt geschult: Verbände, Lohnunternehmer, Baggerfahrer, Ämter- und Behördenvertreter nahmen an insgesamt 68 Schulungen teil. Durch die Weiterbildung der vor Ort tätigen Verbandsvorsitzenden sowie der Lohnunternehmen beziehungsweise Betriebshöfe werden die für die Unterhaltung zuständigen Wasser- und Bodenverbände bei der Umstellung praktisch unterstützt. Für Lohnunternehmer und Maschinenführer werden Schulungen auch vom Wasserforum Nord, einer Kooperation des Landesverbandes der Wasser- und Bodenverbände, des Umweltministeriums und des Landesverbandes der Lohnunternehmer durchgeführt.
Entwicklung der Artenzahlen der Köcherfliegen nach Umstellung der Unterhaltung an einem Abschnitt der Eider. Grafik: Landesamt für Umwelt
Warum sich schonende Gewässerunterhaltung lohnt:
Die schonende Unterhaltung wirkt sich wie erwähnt positiv auf die biologische Vielfalt aus. So steigt etwa die Artenzahl der Wasserpflanzen an. Dies zeigen die Untersuchungen an allen fünf Pilotstrecken. Röhrichte werden gefördert, bei den untergetauchten Wasserpflanzen gehen die Störzeiger, wie Wasserpest oder auch der Igelkolben, zurück. Es kommt nicht, wie befürchtet, zu einer Zunahme von den Abfluss behindernden Wasserpflanzen.
Strukturen und Beschattung werden gefördert
Vielmehr entwickelt sich bei ausreichender Strömung ein pflanzenfreier Stromstrich. An einzelnen Gewässern muss nach einigen Jahren schonender Unterhaltung gar nicht mehr oder nur punktuell unterhalten werden. Die uferparallel entstehenden Pflanzenbestände engen den Querschnitt des Gewässers ein und lenken die Strömung so, dass sich wichtige Strukturen, wie beispielsweise Kiesbänke, wieder ausbilden können. Erlen an den Ufern beschatten das Gewässer und drängen den Abfluss behindernde Wasserpflanzen mit der Zeit zurück. Zudem verhindern die Ufergehölze eine zu starke Erwärmung im Sommer, sie liefern mit Falllaub und Totholz weitere wichtige Strukturen für Insektenlarven und Fische.
Wieder guter Zustand bei Wirbellosenfauna
Ein Beispiel für eine besonders erfolgreiche Umstellung ist ein Abschnitt der Treene oberhalb von Oeversee. Die Treene ist hier zirka 8 m breit, auf 500 m wurde die Unterhaltung im Jahr 2010 von intensiv auf schonend umgestellt. Im Frühjahr 2010, vor der Umstellung, befand sich die Wirbellosenfauna in einem schlechten Zustand. Inzwischen hat sich ein guter Zustand entwickelt. Damit konnten in diesem Abschnitt für die Wirbellosen die nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie geforderten Ziele nur durch die Umstellung der Unterhaltung erreicht werden. Auch Steinfliegenlarven, die hohe Ansprüche an Strukturen und die Wasserqualität stellen, werden hier seit drei Jahren wieder gefunden. Es kommen inzwischen viermal so viele Köcherfliegen-Arten vor. Die Blauflügelige Prachtlibelle, eine typische Bach-Art, taucht wieder auf.
Voraussetzung für einen entsprechenden Erfolg ist eine ausreichende Wasserqualität. Diese ist leider noch nicht in allen Gewässerabschnitten gegeben. Doch selbst in dem Abschnitt der Eider unterhalb des Bothkamper Sees, in dem aufgrund von ungenügender Wasserqualität die Bewertung nach wie vor schlecht ausfällt, hat sich die Artenzahl der Köcherfliegen deutlich erhöht (siehe Grafik).
An zwei Pilotstrecken wurden im Rahmen der schonenden Unterhaltung in Abstimmung mit Anliegern und Verband Erlen bachbegleitend angepflanzt. Damit die Erlen genug Wasser bekommen, um zu wachsen, müssen sie direkt an den Böschungsfuß gesetzt werden. Erlen wachsen mit den Wurzeln ins Wasser und stabilisieren damit die Ufer, sie wachsen aber nicht in das Gewässer hinein, wie das zum Beispiel Weiden tun.
Die Treene vor der Umstellung auf eine schonende Gewässerunterhaltung im Jahr 2009. Foto: Gabriele Stiller
Zeitaufwand und Kosten reduzieren sich in der Regel durch die schonende Unterhaltung. Von den fünf Pilotstrecken wird ein Abschnitt seit zwei Jahren probeweise gar nicht mehr unterhalten, in drei Abschnitten hat sich der Zeitaufwand inzwischen deutlich reduziert. Nur an einem Gewässer wird für die schonende Unterhaltung etwas mehr Zeit aufgewendet. Da die Fixkosten wie beispielsweise Rüstzeiten nach wie vor anfallen, reduzieren sich die Kosten nicht gleichermaßen. Gewässerbreite, Böschungslänge und Art des Bewuchses beeinflussen Aufwand und Kosten. Der langjährige Erfahrungsaustausch mit den Lohnunternehmen zeigt, dass die schonende Unterhaltung zum Beispiel als Stromstrichmahd die Kosten nicht erhöht, sondern um bis zu 25 % reduziert. Trotz der deutlichen Veränderungen der Gewässerstrukturen ist es in den Pilotstrecken nach Umstellung der Unterhaltung 2010 nie zu Abflussproblemen gekommen.
Ausblick:
Das Beratungsprojekt im Auftrag des LfU wird weiterlaufen. Die Bearbeiterinnen wechseln: Kristina Schulze-Böttcher mit der Firma Naturschub hat das Projekt seit diesem Jahr von Gabriele Stiller übernommen.
Die Nachfrage nach Schulung und Beratung ist nach wie vor groß. Die Anfragen reichen von Fragen zum Arten- und Biotopschutz an Gewässern über Fragen zur Gehölzpflege, Unterhaltung in FFH-Gebieten, zum Einbringen von Kies bis hin zu Optimierung von Mähbootarbeiten, dem Umgang mit Mähgut und Sickersäften und der Einhaltung der Vorschriften zu Gewässerrandstreifen. Auch wenn an bereits länger bestehenden Modellstrecken Verbandsvorsteher oder Lohnunternehmer wechseln, werden erneute Beratungen nachgefragt.
Keschern im Bach als ein praktischer Teil der Schulung Foto: Gabriele Stiller
Klimawandel fordert andere Gewässerunterhaltung
Im Zuge des Klimawandels sind neue Konzepte in der Wasserwirtschaft gefragt. Hier kann die schonende Gewässerunterhaltung unterstützen. Eine Einengung des Querschnitts durch uferparallele Röhrichte sorgt für Wasserrückhalt. Niedrigwasserstände können dadurch abgemildert werden, Pflanzen und Tiere können überleben. Durch den Rückhalt von Wasser können große Regenmengen zwischengespeichert und dann allmählich wieder abgegeben werden. Wenn in trockenen Perioden der Anteil an Abwasser aus Kläranlagen steigt, können Wasserpflanzen und die auf ihnen siedelnden Bakterien zur Reinigung des Bachwassers beitragen.
Schulungen, Beratungen und Begleituntersuchungen werden weiterhin stattfinden. Die schonende Unterhaltung sollte weiter erprobt und, wo immer möglich, zur Regel werden. Sie minimiert den Aufwand und bietet Tieren und Pflanzen in Gräben, Bächen und Flüssen wieder wertvollen Lebensraum. Davon profitieren viele weitere Tiere und letztlich auch die Menschen.
Die Beratung und Durchführung von Schulungen ist für die Wasser- und Bodenverbände kostenfrei und freiwillig. Das Beratungsprojekt dient dem Erfahrungsaustausch nach dem Motto „Mitmachen und mitgestalten“.
Weitere Informationen zur Beratung erteilt das Landesamt für Umwelt in Flintbek.
Im Grünland wird die Bedeutung der Kalkung häufig unterschätzt. Dabei bilden eine standortgerechte Kalkversorgung und die Sicherstellung des optimalen pH-Wertes im Boden die Grundlage für leistungsfähige Grünlandnarben und somit für die so wichtige Grundfutterleistung auf den Futterbau-Milchvieh-Betrieben.
Grünlandbestände benötigen genau wie Ackerstandorte ebenfalls regelmäßige Kalkgaben, um den optimalen pH-Wert zu halten beziehungsweise diesen zu erreichen. Vielfach rückt die Stickstoffdüngung über Wirtschafts- sowie Mineraldünger in der ausgewogenen Grünlandbewirtschaftung in den Fokus. Dabei spielt neben der regelmäßigen Pflege und Nachsaat wertgebender Futtergräser insbesondere ein standortangepasster pH-Wert im Boden zur Erhaltung eines hohen Deutsch-Weidelgrasanteils an der Grasnarbe eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Die Kalkung bewirkt dabei einen Anstieg des pH-Wertes und fungiert, abhängig von der Kalkform, auch als Pflanzendünger für Magnesium und Kalzium. Ein erhöhter pH-Wert des Bodens wirkt sich positiv auf die Phosphat-, Stickstoff-, Schwefel- und Molybdänverfügbarkeit sowie auf die botanische Zusammensetzung der Bestände aus, verbessert die Bodenstruktur, aktiviert das Bodenleben und steigert die Tragfähigkeit.
VDLufa-Methode als Grundlage
Aufgrund der stetig ablaufenden Versauerungsprozesse durch Kalkauswaschungen, Düngung mit kalkzehrenden Mineraldüngern sowie Entzug mit dem Erntegut empfiehlt sich eine regelmäßige Überprüfung des Boden-pH-Wertes anhand von Standardbodenuntersuchungen auf dem Grünland. Die Messung des pH-Wertes des Bodens erfolgt im Labor im Rahmen der Bodenuntersuchung gemäß VDLufa-Methode (Verband deutscher landwirtschaftlicher Untersuchungs- und Forschungsanstalten) in einer Kalziumchlorid-Lösung. Der Kalkbedarf, abgeleitet über den gemessenen pH-Wert des Bodens, hängt maßgeblich von der Bodenart und insbesondere deren Ton- und Humusgehalt ab und kann in Abhängigkeit von den Bodenanalyseergebnissen den „Richtwerten für die Düngung 2024“ entnommen werden.
Klassischerweise basieren die Beratungsempfehlungen der Landwirtschaftskammer auch im Grünland auf den bekannten fünf Gehaltsklassen von A bis E. A kennzeichnet dabei eine sehr niedrige Kalkversorgung, wohingegen E das Gegenteil – eine sehr hohe Kalkversorgung – charakterisiert. Teilweise jahrzehntelang unterlassene Kalkung führt zu der Gehaltsklasse A, in der eine Gesundungskalkung notwendig ist.
Eine mangelnde Versorgung mit Kalk kann auf mehreren pflanzenbaulich entscheidenden Ebenen zu negativen Effekten führen. So ist die Verfügbarkeit vieler Nährstoffe für die Pflanzen bei geringem pH-Wert häufig eingeschränkt, ebenso die Aktivität der Mikroorganismen. Dagegen erfordert ein Boden der Gehaltsklasse E keine Kalkung, bis sich die Klasse C einstellt. Die optimale Kalkversorgung in der Klasse C erfordert eine Erhaltungskalkung.
Das pH-Optimum eines Standortes variiert je nach der Bodenart sowie dem Ton- und dem Humusgehalt. Je höher der Tongehalt des Bodens ist, desto höher ist die Bedeutung des Kalkes für die Bodenstruktur einzuschätzen. Aus diesem Grund steigt der anzustrebende pH-Wert mit steigendem Tongehalt an. An einem Sandstandort mit einem Humusgehalt unter 15 % liegt der optimale pH-Wert für Gehaltsklasse C bei 4,7 bis 5,2. Dagegen weist ein sandiger/schluffiger Lehm mit identischem Humusgehalt aufgrund des Tonanteils einen Optimalbereich zwischen 5,6 und 6,3 auf. Der Zusammenhang zwischen Tonanteilen und dem pH-Bereich kann der Tabelle entnommen werden.
Für optimale Grünlandnarben mit hohem Deutsch-Weidelgras-Anteil spielt der pH-Wert eine entscheidende Rolle.
Entnahme der Bodenproben
Die Bestimmung des pH-Wertes erfolgt im Rahmen der Bodenuntersuchung und entscheidet über die Höhe der Kalkung. Die Bodenprobenentnahme erfolgt aus den oberen 10 cm (Narbentiefe). Das Analyseergebnis der Labore umfasst neben der Angabe der absoluten Werte eine Einstufung in die Gehaltsklassen. Faktoren wie der Entzug von Kalzium oder Kationen über die Ernteprodukte, der Einsatz physiologisch saurer Düngemittel sowie Auswaschungsverluste sind als Gründe für eine Abnahme der Boden-pH-Werte anzuführen. Prinzipiell kommt der strukturgebenden Wirkung der Kalke im Grünlandbereich eine geringere Bedeutung zu als auf dem Ackerland, weshalb die optimalen pH-Werte auf Grünland auch niedriger als im Bereich des Ackerlandes einzuordnen sind.
Die Grünlandnarbe bei pH-Unterversorgung
Positive Effekte durch Kalkungsmaßnahmen auf die Bestandeszusammensetzung wertgebender Gräser und Kräuter sind in der Literatur gut dokumentiert. Gräser und Kräuter reagieren unterschiedlich auf die Bodenreaktion, also den pH-Wert. Im Falle von niedrigen pH-Werten verschiebt sich die Artenzusammensetzung von hochwertigen Futtergräsern wie dem Deutschen Weidelgras und wertgebenden Leguminosen hin zu minderwertigen Gräsern, was die Ertragsleistung und Energiedichte der Aufwüchse verschlechtert. Eine Kalkung fördert in der Regel schnellwüchsige Arten wie das Deutsche Weidelgras, das Arten mit geringer Wachstumsrate unterdrückt.
Kalkformen für Grünland
Für die Grünlandkalkung eignen sich milde und nachhaltig wirkende kohlen- oder kieselsaure Kalke. Bei Magnesiummangel bietet sich auch ein kohlensaurer Magnesiumkalk an. Auf leichten Standorten ist es besser, einen weniger reaktiven Kalkdünger einzusetzen. Hier sind dolomitische Kalke mit größeren Anteilen von Magnesiumkarbonat geeignet – insbesondere dann, wenn es um die Erhaltungskalkung geht. Auch die zusätzliche Magnesiumzufuhr ist positiv zu bewerten. Bei schweren, tonreichen Böden sind die hochreaktiven Kreidekalke besser geeignet. Sie zeigen besonders bei einer Gesundungskalkung eine sehr gute Wirkung.
Bei entsprechender Witterung und Befahrbarkeit kann die Kalkung auch noch sinnvoll im Herbst erfolgen, wobei Kalkungsmaßnahmen und Wirtschaftsdüngergaben nicht zeitgleich geschehen sollten, da die Gefahr gasförmiger N-Verluste deutlich ansteigt.Die Tabelle stellt den Kalkdüngungsbedarf von Grünland zusammenfassend dar. Der Vermahlungsgrad der Kalke spielt eine wichtige Rolle für die Beeinflussung des pH-Wertes im Boden. Ein feiner Vermahlungsgrad zum Beispiel des Magnesiumkalks von unter 0,25 mm wirkt sich im Vergleich zu einem Vermahlungsgrad von 2 bis 4 mm deutlich schneller auf den pH-Wert aus.
Die in der Bodenanalyse ausgewiesene CaO-Bedarfsmenge darf nicht mit der notwendigen Produktmenge des Kalkdüngers verwechselt werden, da die am Markt befindlichen Kalkdünger meist nicht zu 100 % CaO enthalten. Zudem ist oftmals der Neutralisationswert in Prozent CaO für das Produkt angegeben, um auch weitere pH-Wert-wirksame Bestandteile wie beispielsweise Magnesiumoxid (MgO) mit zu berücksichtigen. Auch liegen die meisten Kalkdüngemittel in der CaCO3-Form vor. Daher sind die Bedarfsmengen von CaO mit dem Faktor 1,78 zu multiplizieren, um die Kalkdüngemittelmenge in der CaCO3-Form zu erhalten.
Das Düngeplanungsprogramm der Landwirtschaftskammer gibt hier Hilfestellung, da diese Angaben bereits berücksichtigt werden. Dennoch kann anhand des produktspezifischen Neutralisationswertes die benötigte Produktmenge auch manuell errechnet werden: Kalkbedarf (dt CaO/ ha) / CaO-Anteil-Neutralisationswert (t CaO/t Produkt) = Produktmenge (dt/ha). Soll zum Beispiel ein Kalkbedarf von 5 dt CaO/ha gedeckt werden, und der Neutralisationswert des eingesetzten Kalkes beträgt 50 % CaO, muss eine Gesamtproduktmenge von 10 dt/ha ausgebracht werden (Tabelle).
Fazit
Für die optimalen Etablierungsbedingungen von Deutsch Weidelgras sowie aus Sicht der Nährstoffverfügbarkeit sollten Grünlandbestände regelmäßig gekalkt werden. Hier lohnt sich der Blick auf die schlagspezifischen Bodenuntersuchungsergebnisse. Die notwendigen Kalkdüngemengen können mithilfe des Düngeplanungsprogramms der Landwirtschaftskammer ermittelt oder den „Richtwerten für die Düngung 2024“ entnommen werden.
Der Klimawandel stellt Landwirte in der Grünlandbewirtschaftung vor neue Herausforderungen. Veränderungen in Temperatur und Niederschlag wirken sich auf die Vegetationsperioden und die Ertragsfähigkeit aus. Wie kann man auf diese veränderten Umweltbedingungen, vor allem auf zunehmende Trockenperioden, reagieren?
Aufgrund des Klimawandels steigt die durchschnittliche Jahrestemperatur exponentiell an, im Zusammenspiel mit häufiger vorkommenden Extremwetterereignissen und durchschnittlich milderen Wintermonaten. Änderungen pflanzenphänologischer Stadien im Frühjahr sind stark temperaturabhängig und stehen somit auch im direkten Zusammenhang mit der Witterung.
Dadurch ist eine Verlängerung der Vegetationsperiode zu verzeichnen, die, neben milderen Temperaturen im Herbst, hauptsächlich in einem verfrühten Vegetationsbeginn begründet ist. Im Grünland wird dieser mittels der korrigierten Temperatursumme (kT) beschrieben. Für deren Berechnung werden die positiven Tagesmittelwerte ab dem 1. Januar aufsummiert und dabei im Januar zur Hälfte, im Februar zu drei Vierteln und ab März voll eingerechnet. Nach einer sechsjährigen Untersuchung an der niedersächsischen Versuchsstation Infeld wurde so von Ernst und Loeper 1976 ein Vegetationsbeginn bei einer kT-Summe von 200 °C ermittelt.
Auswirkungen auf die Bewirtschaftung
Abbildung 1 zeigt den Trend des Erreichens der kT-Summe von 200 °C für die DWD-Wetterstationen Rosenheim (Bayern), Lindenberg (Brandenburg), Kiel-Holtenau (Schleswig-Holstein), Emden (Niedersachsen) und Kleve (Nordrhein-Westfalen) über die zurückliegenden 20 Jahre. Es wird deutlich, dass in allen Landesteilen der Vegetationsbeginn seit 2002 deutlich früher einsetzt – ein Trend, der in wissenschaftlichen Untersuchungen eindeutig belegt ist. Am Beispiel der Wetterstation in Kiel-Holtenau beträgt die Verfrühung zirka zwölf Tage in den zurückliegenden 20 Jahren.
Durch die Integration von Zichorie oder Spitzwegerich werden die Grünlandbestände diverser und klimaresilienter.
Vor dem Hintergrund einer möglichst guten Ausnutzung der betriebseigenen Futterressourcen kann die Verlängerung der Vegetationsperiode eine Erhöhung der Schnittanzahl und eine Verlängerung der Weidesaison bedeuten. Jedoch kann aufgrund des Klimawandels durch zunehmende Winterniederschläge die Tragfähigkeit der Flächen abnehmen und eine frühe Bewirtschaftung erschwert werden. Weiterhin nimmt die Wahrscheinlichkeit länger anhaltender Trockenperioden durch ausbleibende Niederschläge im Frühjahr und Sommer zu, sodass in diesem Zeitraum vermehrt mit Ertragsdepressionen gerechnet werden muss. In diesem Zusammenhang sollte auf trockenheitsgefährdeten Standorten die Bodenfeuchte aus den Wintermonaten mit in die Zeit der höchsten Zuwachsraten der Frühjahresaufwüchse genommen werden, um das volle Potenzial aus dem ersten und zweiten Schnitt zu schöpfen.
Besonders auf zur Frühjahrstrockenheit neigenden Standorten kann es im intensiv genutzten Grünland somit sinnvoll sein, die Sortenwahl des Deutschen Weidelgrases auf früh bis mittelfrüh blühende Sorten zu legen. In Abhängigkeit von den Anforderungen der Tiere an das Grundfutter muss betriebsindividuell entschieden werden, ob ein früher erster Schnitt mit hohen Qualitäten und verhältnismäßig geringeren Erträgen angestrebt wird oder ein späterer erster Schnitt bei hohen Erträgen und noch akzeptablen Qualitäten. Im letzteren Fall ist jedoch aufgrund des späteren zweiten Schnitts dann die Wahrscheinlichkeit des Wassermangels auf trockenheitsgefährdeten Standorten größer.
Weidemanagement anpassen
Auch im Weidemanagement ist es wichtig, den optimalen Zeitpunkt des Wachstumsbeginns im Frühjahr abzupassen. Sofern es die Trittfestigkeit des Bodens zulässt, sollten die Tiere, auch bei geringem Futterangebot, zu diesem Zeitpunkt auf die Weide gelassen werden. Dies führt zu kurzen Weidegrasbeständen, in denen durch eine tiefere Lichteindringung in den Bestand die Triebknospen und somit die Seitentriebbildung angeregt werden. Dadurch werden die Narbendichte und die Trittfestigkeit erhöht und der Grasbestand wird für die kommende Saison optimal konditioniert.
Im Zusammenspiel mit der klimawandelbedingten Verlängerung der Vegetationsperiode durch mildere Herbstmonate kann so die Weidesaison verlängert und das hohe Ertragspotenzial der Weiden besser ausgenutzt werden.
Wahl der richtigen Ansaatmischung
Für die Wahl von bewirtschaftungs- und standortangepassten Gräserarten, -sorten und -mischungen gibt es regelmäßig aktualisierte Empfehlungen der Landwirtschaftskammer. Die Wichtigkeit der richtigen Mischungswahl beschreiben Ergebnisse eines Feldversuchs auf einem sandigen und trockenheitsgefährdeten Standort in Schleswig-Holstein, in dem schnittspezifische Erträge von 17 Ansaatmischungen miteinander verglichen wurden. In dem Versuch konnte ein signifikant positiver Zusammenhang zwischen Artenanzahl und Trockenmasseertrag gefunden werden, wobei dieser vorrangig in den trockenen Sommermonaten (dritter und vierter Schnitt) ermittelt wurde. Je nach Hinzugabe einer Art in der Mischung konnte der Ertrag je Schnitt um 18,4 bis 26,8 dt TM/ha gesteigert werden.
Hierbei ist jedoch nicht die Erhöhung der Artenanzahl per se entscheidend, sondern vor allem die Auswahl der richtigen Grasarten. So zeigen Ansaatmischungen mit Anteilen an tief wurzelnden und trockenheitstoleranten Arten wie Knaulgras und Wiesenschweidel (siehe Mischung 6, 11 und 17 in der Tabelle) in den Sommerschnitten deutlich höhere Trockenmasseerträge als reine Deutsch-Weidelgras-Bestände (Mischung 7), deren Ertrag in dem Versuch unterdurchschnittlich ausfiel (Abbildung 2).
Zukünftig werden trockenheitstolerante Grasarten auf zu Dürre neigenden Standorten an Bedeutung zunehmen müssen, um den Folgen der klimawandelbedingten Trockenheitsperioden entgegenzuwirken. Auch tief wurzelnde Kräuter mit hohem Futterwert, wie Spitzwegerich und Zichorie, können hier eine wichtige Rolle spielen.
Um etwaige späte Schnitte in ihrer geringen Qualität zu kompensieren und eine höhere Nutzungselastizität zu gewährleisten, ist ebenfalls die Integration von Klee essenziell. Es wird empfohlen, sich frühzeitig an die veränderten Umweltbedingungen anzupassen und die Mischungsauswahl neben dem Futterwert an der Standorteignung und Trockenheitstoleranz festzumachen.
Fazit
Durch den Klimawandel verfrüht sich der Graswachstumsbeginn, verlängert sich die Vegetationsperiode und nehmen die Ertragsdepressionen durch Trockenheit in den Sommermonaten zu. Zukünftig sollte die Bewirtschaftung an diese veränderten Bedingungen angepasst werden, um das hohe Ertragspotenzial optimal auszunutzen. Bei der Auswahl der Gräserarten, -sorten und -mischungen im Handel dienen die Qualitätsstandardmischungen der Landwirtschaftskammer als Orientierung.