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Tischlein deck dich – Tischlein informiert dich

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„Was frisst eine Kuh?“, fragt Hauke Pein in die Runde der Grundschulkinder. Fast gleichzeitig kommt die Antwort aus mehreren Mündern: „Heu!“ Hauke Pein klärt auf und weist an der Station „Kühe“ auf seinem Erlebnisbauernhof in Appen im Kreis Pinneberg auf eine Schubkarre, die gefüllt ist mit der Tagesfutterration einer Kuh.

Auf einer Tafel neben der Karre sind die Gewichtsmengen aufgeschrieben: 22 kg Grassilage, 22 kg Maissilage, 5 kg Rapsschrot, 4 kg Getreide, Mineralfutter und Stroh. Hauke Pein informiert: „Daraus kann eine Kuh zusammen mit dem Saufen von 100 Litern Wasser am Tag bis zu 40 Liter Milch produzieren.“ Anschließend bekommen die Kinder ein Glas mit Milch in die Hand und sollen es so lange schütteln, bis daraus Butter geworden ist.

Felix Dünkel, landwirtschaftlicher Auszubildender im ersten Lehrjahr, gibt Hilfestellungen und beantwortet Fragen. Sein Eindruck: „Die meisten Schüler sind sehr interessiert und wollen hier etwas lernen. Einige haben auch keine Scheu, die Rinder anzufassen.“

Die Station Kühe ist eine von drei erlebnispädagogischen Mitmachaktionen auf dem Almthof von Hauke und Swantje Pein in Appen. Weitere Stationen auf dem Gelände befassen sich mit Hühnern und Bienen. Sie sind Bestandteil des Aktionstages „Tischlein deck dich“, den der Almthof in Kooperation mit dem Kreisbauernverband (KBV) Pinneberg und der integrierten Station Unterelbe des Landes Schleswig-Holstein im Elb­marschenhaus durchführt. Edelgard Heim, Leiterin des Elbmar­schenhauses in Haseldorf, erklärt, dass ähnliche Aktionen dort bereits vor vier Jahren stattgefunden hätten. Durch den Kontakt mit dem Kreisbauernverband habe der Aufklärungstag zur Lebensmittelproduktion jetzt auf dem Almthof einen idealen Platz gefunden.

Vier Grundschulklassen der Jahrgänge zwei bis vier aus dem Kreis Pinneberg werden über zwei Stunden an drei festen Stationen und in einem freien Mitmachparcours über die Produktion und die Zubereitung von Lebensmitteln informiert. „Die vier angebotenen Zeitfenster waren innerhalb eines Tages vergeben. Es haben sich über 20 Klassen beworben, aber ausschließlich von Grundschulen“, benennt Edelgard Heim das große Interesse.

Die Kinder können aus Rapskörnern mit einer Presse Rapsöl und Rapspellets herstellen, am Hühnermobil geht es um die Haltung, Fütterung und die Legeleistung der dort frei laufenden Hühner, und bei den freien Angeboten können die Grundschüler Stockbrot backen, Kräuterquark herstellen und Apfelsaft pressen. Insgesamt geht es darum, sich auf spielerische Weise mit den Lebensmitteln zu beschäftigen und zu erfahren, wo und wie sie erzeugt werden.

Lars Kuhlmann, Vorsitzender des KBV Pinneberg, und Edelgard Heim, Leiterin des Elbmarschenhauses, freuen sich über die gelungene Aktion.

„Nur informierte Menschen können zu mündigen Verbrauchern werden“, betont Edelgard Heim. „Uns ist es wichtig, dass gerade die Kinder einen Zugang zur Landwirtschaft erhalten und eine Wertschätzung der Produktion von Lebensmitteln erlangen.“ Lars Kuhlmann, Vorsitzender des KBV Pinneberg, freut sich ebenfalls über das bunte und engagierte Treiben auf dem Almthof: „Wir wollen die Erzeugung von Nahrungsmitteln im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar machen.“ Durch das breite Nahrungsangebot in den Supermärkten entstehe der Eindruck, dass Lebensmittel auf den Märkten jederzeit verfügbar seien. Die Lieferengpässe durch den Angriff Russlands auf die Ukraine hätten aber deutlich gezeigt, dass Nahrung nicht selbstverständlich immer zu geringen Preisen zur Verfügung stehe.

Dass die Kinder und Jugendlichen sich immer mehr von der Landwirtschaft entfremden, will Betriebsleiter Hauke Pein vom Almt­hof aber nur bedingt bestätigen: „Die Grundschüler aus den Dörfern haben noch genügend Vorwissen und zeigen großes Interesse an den Tieren.“ Er kann sich aber noch an eine Begebenheit mit einer Klasse aus Hamburg-Wilhelmsburg erinnern, als ein Schüler beim Rundgang durch den Rinderstall an den Kälberboxen fragte: „Warum sind denn die schwarzen Hunde hier alle in einem Zwinger?“

Kohlanbau ist Teil der Marschenidentität

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Traditioneller Kohlanschnitt in Dithmarschen: Bei bestem Spätsommerwetter schnitten Kreispräsidentin Ute Borwieck-Dethlefs, die Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium, Anne Benett-Sturies, sowie Landrat Thorben Schütt die ersten Kohlköpfe auf dem Saatgutbetrieb Rijk Zwaan in Marne.

Moderator Christian Ufen begrüßte die zahlreichen Gäste auf einem Versuchsfeld, einem „eher ungewöhnlichen Ort für den Kohlanschnitt“, erklärte der Vorsitzende des Gemüseanbauerverbandes. Der Gemüsezuchtbetrieb Rijk Zwaan wurde vor 100 Jahren in den Niederlanden gegründet und ist seit 25 Jahren in Marne ansässig. Hier werden verschiedene Gemüsesorten gezüchtet und weiterentwickelt.

Firmenchef Kees Reinink war extra aus den Niederlanden gekommen.

Kees Reinink war extra vom Hauptsitz in De Lier (Nähe Den Haag) nach Marne gekommen. Seine Mitarbeiter erklärten anschaulich an verschiedenen Pflanzen, wie der Kohl vom Saatgut bis zur Pflanze gezüchtet und oft per Hand bestäubt wird. „Die meisten Kohlbauern in Dithmarschen verwenden Pflanzen aus diesem Betrieb“, betonte Ufen. Er führte aus, dass der Anbau in diesem Jahr witterungsbedingt nicht einfach war, das Frühjahr war viel zu nass, sodass die Landwirte im Mai und Juni unter Druck standen. Jetzt können die 85 bis 90 Millionen Kohlköpfe, die auf zirka 3.000 ha Marschboden wachsen, geerntet werden. „Sehen sie zu, dass sie alle einen abkriegen!“, riet Ufen.

„Der Kohlanbau ist Teil der Marschenidentität, der mit den Kohltagen in den gesellschaftlichen Mittelpunkt geholt wird“, stellte Anne Benett-Sturies fest. Kohl habe es in hervorragender Weise in die moderne Küche geschafft, führte sie aus.

Kreispräsidentin Ute Borwieck-Dethlefs stellte sich auf die Seite der Landwirte und forderte die anwesenden Abgeordneten auf, in Berlin für die Landwirte zu kämpfen. „Wir feiern heute unseren Kohl und unsere starke Landwirtschaft. Mit dem Wetter können unsere Landwirte gut umgehen, das machen sie seit Jahrhunderten, aber mit dem, was die Politik ihnen aufbürdet, nicht!“ Die Kreispräsidentin kommt selbst aus der Landwirtschaft und weiß, wovon sie spricht. „Wir brauchen unsere Landwirte, die immer zu Gesprächen bereits sind, aber von der Politik nicht gehört werden. Sie leben mit und in der Natur, bewahren und erhalten unsere Kulturlandschaft und ernähren nicht nur ihre Familien, sondern auch uns.“

Handbestäubung der blühenden Kohlpflanze. Fotos: Sabine Kolz

Ute Borwieck-Dethlefs hatte das traditionelle Kohlmesser dabei, mit dem sie den ersten Kohlkopf schnitt. Unter den Blicken der Kreispräsidentin und der Staatssekretärin schnitt auch Landrat Thorben Schütt einen Kohl vom Strunk. Er erzählte, er habe früher in den Ferien auch auf Kohlbetrieben gearbeitet. „Wir haben alle ein kleines Kohl-Gen, das die Dithmarscher mit ihrer Beständigkeit auszeichnet.“ Schütt freute sich auf seine Portion Kohlroulade oder auch Kohlpfanne, die es auf dem Gelände ebenso wie Kohlbrot und Kohlpralinen zu verkosten gab. Unzählige Besucher hatten sich eingefunden, um sich bei den Marktbeschickern beraten zu lassen, beim Kohlbingo und am Glücksrad zu gewinnen oder bei LandFrauen-Kuchen und Kaffee einen Klönschnack zu halten. 

Stärkekartoffelmarkt: Knappe Versorgung erwartet

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Der Stärkekartoffelmarkt wird auch 2024/25 von einer engen Versorgungslage geprägt sein. Davon geht der Bundesverband der Deutschen Stärkekartoffelerzeuger (BVS) aus. Ein Mengen- und Preisdruck sei nicht absehbar. Der Verband verweist auf den rückläufigen Anbau. Zudem sehe es auch nicht nach überdurchschnittlich hohen Erträgen aus, erklärte der BVS-Vorsitzende Hans-Wilhelm Giere.

Nach aktueller Einschätzung der deutschen Stärkekartoffelerzeuger ist für das Vermarktungsjahr 2024/25 mit einem nur knapp versorgten Markt für Kartoffelstärke und deren Nachprodukte zu rechnen. Nach Mengen- und damit auch Preisdruck sehe es auch in dieser Saison nicht aus, erklärte der Bundesverband der Deutschen Stärkekartoffelerzeuger am vorigen Donnerstag in Berlin. Der seit einigen Jahren zu beobachtende Rückwärtstrend im Anbau von Stärkekartoffeln sei weder in Deutschland noch EU-weit gestoppt.

Die ohnehin bereits hohen Abbaukosten seien 2024 noch weiter gestiegen, erklärte der in seinem Amt bestätigte BVS-Vorsitzende Hans-Wilhelm Giere. Vor diesem Hintergrund gebe es bei den Produktpreisen keinen Spielraum nach unten.

Mit bundesweit rund 53.100 ha sowie EU-weit 194.600 ha sei das Stärkekartoffelareal mittlerweile auf einen Stand gesunken wie zuletzt vor sieben beziehungsweise acht Jahren, so Giere. Nach überdurchschnittlich hohen Erträgen sehe es nicht aus. Die Starkniederschläge hätten mehr Schaden angerichtet als Nutzen gestiftet, erklärte BVS-Geschäftsführerin Ramona Wieduwilt ergänzend. Regional sei es zu Überflutungen, Staunässe und fast überall zu erhöhtem Krankheitsdruck gekommen. Die letzten Monate hätten laut Wieduwilt deutlich gezeigt, wie essenziell es für die Kartoffelbauern sei, geeignete und wirkungsvolle Pflanzenschutzmaßnahmen ergreifen zu können. age

Ernährungsindustrie mit

Erlöseinbußen

Rückläufige Nachfrage im Inland

Im Inland wird weniger konsumiert. Foto: Imago

Die deutsche Ernährungsindustrie leidet unter einem schwachen Inlandskonsum und einem stagnierenden Auslandsgeschäft. Im ersten Quartal 2024 musste die Branche laut Angaben der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang ihrer Umsätze um real 1,8 % auf insgesamt 56,7 Mrd. € hinnehmen. Maßgeblich war die Entwicklung im Inland, wo sich die Erlöse real um 2,8 % auf 36,4 Mrd. € verringerten.

Auch in den ersten Monaten dieses Jahres hatte die deutsche Ernährungsindustrie mit hohen Kosten, einer rückläufigen Nachfrage des Auslandes und einem schwachen Inlandskonsum zu kämpfen. Die Sorge vor einer erneuten Rezession belaste die Branche auch im Jahr 2024, stellt die BVE in ihrem am Montag veröffentlichten Konjunkturbericht 1/2024 fest. Während das Auslandsgeschäft stagnierte, betrug der Rückgang im Inland inflationsbereinigt minus 2,8 %.

Der in Deutschland erzielte Gesamtumsatz belief sich auf 36,4 Mio. €; das waren nominal 3,6 % weniger als im ersten Quartal 2023. Die Exporterlöse sanken nominal um 0,6 % auf 20,2 Mrd. €. age

Belgisches

Mühlenunternehmen wächst

Dossche Mills übernimmt Mühle Rüningen

Zehn Jahre nachdem Stefan Engelke sie erworben hatte, verkauft der Hildesheimer die Mühle Rüningen an die belgische Dossche Mills aus Deinze (Ostflandern). Die Geschichte der Mühle Rüningen geht bis ins Jahr 1312 zurück.

Das Unternehmen betreibt fünf Mühlen in Gelsenkirchen, Braunschweig, Celle, Ringelheim und Itzehoe und verarbeitet jährlich rund 1 Mio. t Getreide mit Weizen als Hauptfrucht, Dinkel, Roggen und Biogetreide. Das Unternehmen beschäftigt rund 200 Mitarbeiter und erzielte 2023 einen Umsatz von 350 Mio. €. Zusammen beschäftigen die Unternehmen 600 Mitarbeiter. Die Vermahlung wird insgesamt über 2 Mio. t Weizen betragen bei einem Umsatz von rund 800 Mio. €.

Ziel der Übernahme sei es, die Kunden in den Benelux-Ländern, Deutschland und Frankreich von verschiedenen Standorten aus effizienter zu bedienen und gleichzeitig einen besseren Kundenservice und eine breitere Produktpalette anzubieten.

Beide Unternehmen haben in ihren Heimatmärkten eine starke Position in der Produktion und dem Verkauf von Mehl, Mehlmischungen und verwandten Produkten für Brot, Gebäck, Kekse, die Lebensmittelindustrie und Tiernahrung. Wie aus Branchenkreisen zu hören war, reagiere Engelke auch auf die Entwicklung im Weizenmarkt und den zukünftig noch stärker zu erwartenden Rückgang des Qualitätsweizenanbaus.

Die Mühlengruppe Christof Engelke mit ihren Standorten Hasede-Hildesheim, Magdeburg und Müllrose (Frankfurt/Oder) ist von der Übernahme nicht betroffen.

Die Transaktion wird voraussichtlich in Kürze abgeschlossen, vorbehaltlich der Genehmigung durch die Wettbewerbsbehörden. Die Bedingungen der Transaktion werden nicht bekannt gegeben. mbw

Heiße Luft zu rockigen Klängen

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Wilde Gitarren-Riffs, schweißtreibendes Bühnengerocke zu Metal- und Hardrockmusik, bis die Luft brennt, und das ganz ohne Lärm – der erste Norden Air Guitar Contest (Luftgitarrenwettbewerb) in Schleswig war ein voller Erfolg und kam beim Publikum des Norden-Festivals richtig gut an.

Gustav Brillowski kann sein Glück noch gar nicht ganz fassen – das erste Mal bei einem Luftgitarren-Wettbewerb dabei und dann gleich der Sieg. Aus einer Bierlaune heraus habe er wohl zu oft Rock ‘n‘ Roll gesagt und schon war er im Wettbewerb unter den zehn Teilnehmenden. Drei Tage vor der Veranstaltung sei ihm das erst richtig bewusst geworden: „Und dann hat mich der Ehrgeiz gepackt, heute aber war ich nur noch aufgeregt“, erzählt der frischgebackene Sieger.

Bei seinem Auftritt kam auch Pyrotechnik zum Einsatz.

Auf der Bühne war davon nichts zu merken. Lässig schlenderte er mit einem weißen Stuhl in der Hand in das Zentrum des Geschehens, setzte sich, zündete sich cool eine imaginäre Zigarette an, stand auf, schnippte sie wieder weg, nahm seine Luftgitarre und legte los. Mit Pyrotechnik und vollem Körpereinsatz wusste er das Publikum und die dreiköpfige Jury zu überzeugen. Die belohnte den Auftritt mit 17,89 von 18 möglichen Punkten. Auf Platz zwei kam Bernd „The Normal One“ Taube. Mit Hut und Sonnenbrille lieferte er eine solide klassische Rockperformance auf den Bühnenbrettern ab. Den dritten Platz teilten sich Marie Riese und Max Brandenburg. Außer Konkurrenz rockte Moderator Oliver Lück, der sich mit seinem Luftgitarren-Auftritt einen Traum erfüllte. Im Vorwege der Veranstaltung, die in Zusammenarbeit mit den Itzehoer Versicherungen ins Leben gerufen wurde, konnten sich Interessierte für einen der zehn Teilnehmerplätze bewerben. Das Gute an Luftgitarren ist, dass es keiner aufwendigen Bühnengestaltung mit zeitintensivem Auf- und Abbau bedarf.

Jeder der Teilnehmenden durfte sich einen Song, zu dem Gitarre gespielt wurde, aussuchen, auch ein zusammengeschnittenes Medley war erlaubt. Die meisten der Schleswiger Teilnehmer entschieden sich für rockige Stücke. Gespielt wurde auf einer imaginären E- oder Akustik-Gitarre. Auch das wurde den Teilnehmenden überlassen, ebenso gab es beim Bühnen-Outift keinerlei Vorschriften. Es gab einen Durchlauf, jeder Auftritt dauerte 60 s und bewertet wurden Originalität, Ausdrucksfähigkeit und Bühnenpräsenz. Zupfen, Reißen, Schlagen, Züngeln – wie eine gelungene Performance aussehen kann, zeigte der finnische Vizeweltmeister an der Luftgitarre, Aapo Rautio, der als Special Guest zu dem Event auf dem Norden Festival eingeladen war. In einen Workshop vor dem eigentlichen Wettbewerb gab er sein Wissen an die Luftgitarreneinsteiger weiter. „Wichtig ist es, keine Scheu zu haben, sich zu blamieren, frei zu sein und Lust auf das Abrocken vor Publikum zu haben“, erklärt er im Anschluss an das Event. Anfangs habe er immer noch viel geübt, aber mittlerweile höre er auf die Musik und lasse sich vom Rhythmus mitreißen.

Der finnische Vize-Weltmeister im Luftgitarre-Spielen, Aapo Rautio

Seit 1996 finden im finnischen Oulu jährlich die Air Guitar World Championships statt. Das Motto lautet „Make air not war“. Der Zweck der Luftgitarren-Weltmeisterschaften bestehe laut Webseite ­airguitarworldchampionships.com darin, den Weltfrieden zu fördern. Der Wettbewerbs-Ideologie zufolge würden Kriege enden, der Klimawandel aufhören und alles Schlechte verschwinden, wenn alle Menschen auf der Welt Luftgitarre spielten.

Friedlich, unterhaltsam und kreativ ging es insgesamt auf dem Norden-Festival auf den Königswiesen in Schleswig zu, das auch noch an diesem Wochenende besucht werden kann und mit einem facettenreichen Programm aus Musik, Kunst, Kultur, Theater, Workshops, Lesungen, Lichtershow und vielem mehr erlebnisreiche Stunden an der Schlei verspricht. Infos unter ­norden-festival.com

Bernd Taube lieferte eine solide Rocknummer an seiner Luftgitarre ab und kam damit auf den zweiten Platz.
Foto: Iris Jaeger
Marie Riese gab ebenfalls alles und teilte sich mit Max Brandenburg den dritten Platz.
Fotos: Iris Jaeger
Der finnische Luftgitarren-Vizeweltmeister Aapo Rautio gab eine Kostprobe seines Könnens zum Besten.
Foto: Iris Jaeger
Die Premiere ist gelungen – alle Teilnehmenden des ersten Norden Air Guitar Contests hatten viel Spaß an der Veranstaltung.
Foto: Iris Jaeger
Punktevergabe durch die Jury, Bestnote war eine 6,0.
Foto: Iris Jaeger


Darum brauchen wir Nutztiere

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Nutztiere verursachen neuesten Schätzungen der FAO zufolge 14 % aller vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen. In Deutschland ist der Beitrag der Nutztiere zwar nur halb so groß, aber das liegt auch daran, dass die anderen Sektoren (zum Beispiel Verkehr, Industrie) mehr emittieren als im globalen Durchschnitt. Es besteht also kein Zweifel, dass die Tierhaltung einen Beitrag zur Reduzierung der Emissionen leisten muss. Gleichzeitig wächst der weltweite Bedarf an Lebensmitteln derart stark, dass die Tierhaltung noch deutlich mehr produzieren muss, selbst wenn alternative Nahrungsquellen massiv ausgebaut werden.

Hinzu kommt die Verknappung der landwirtschaftlichen Nutzfläche aufgrund des globalen Bevölkerungswachstums bei gleichzeitigem Verlust durch Versiegelung, Erosion und Desertifikation. Letzteres wird vom Klimawandel sogar noch beschleunigt. Die Kombination aus Klimawandel und Verknappung von Nutzflächen bedroht die Ernährungssicherheit der Menschheit und könnte weltweite Migrationsbewegungen von ungeahntem Ausmaß auslösen. Auch Deutschland ist von der Verknappung an Nutzflächen indirekt betroffen, denn unser Konsum an Lebens- und Futtermitteln verbraucht weit mehr Nutzflächen, als wir in Deutschland überhaupt besitzen (zirka zwei Drittel).

Die Veredelungswirtschaft gerät unter Druck

Trotz der bedrohlichen Verknappung von Nutzflächen werden derzeit etwa 40 % der globalen Ackerflächen zum gezielten Anbau von Futtermitteln verwendet. Dies hat seine Wurzeln in den großen Erfolgen der Landwirtschaft seit Mitte des vorigen Jahrhunderts. Damals hatten Mechanisierung, Düngung, Pflanzenschutz, Pflanzenzüchtung und so weiter die Pflanzenproduktion derart gesteigert, dass zum Beispiel Getreide praktisch unbegrenzt zur Verfütterung an Nutztiere bereitstand. Daraus entwickelte sich die Veredelungswirtschaft, in der qualitativ hochwertige pflanzliche Ernteprodukte in noch hochwertigere Lebensmittel tierischer Herkunft transformiert werden.

Die Veredelungswirtschaft gerät jedoch zunehmend unter Druck. Die wachsende Weltbevölkerung beansprucht die auf der limitierten Ackerfläche erzeugten Ernteprodukte zunehmend für den eigenen Konsum. Darüber hinaus scheint der Fortschritt der Pflanzenproduktion zum Stillstand gekommen zu sein, nicht zuletzt auch wegen des Klimawandels. Insgesamt wird die wachsende Limitierung der Ressourcen (vor allem der Nutzfläche) die Nutztierhaltung von der Veredelungswirtschaft zunehmend in Richtung Kreislaufwirtschaft zwingen.

Die Verknappung der Ressourcen

Unsere Ernährung beruht so gut wie vollständig auf der Biomasse von Pflanzen aus Landwirtschaft und Gartenbau. Allerdings kann man diese Biomasse nur in Form intakter Pflanzen(teile) ernten und muss die eigentliche pflanzliche Nahrung daraus erst noch mühevoll extrahieren. Dieser Prozess beginnt bereits auf dem Acker (zum Beispiel durch Mähdrescher) und setzt sich mit der Verarbeitung der Ernte in der Lebensmittelindustrie fort (zum Beispiel in der Mühle). So landet etwa nur ein Drittel der Biomasse aus dem Anbau von Brotweizen tatsächlich im Brot, während der überwiegende Teil als nichtessbare Biomasse zurückbleibt (Stroh, Kleie). Jede Form von Nahrungsproduktion hinterlässt unvermeidlich große Mengen an Biomasse, die schlichtweg für Menschen nicht essbar ist.

Die nichtessbare Biomasse können wir an Nutztiere verfüttern, die daraus wiederum essbare Biomasse erzeugen (Fleisch, Milch, Eier). Nutztiere erweitern somit den Gesamtertrag an Nahrung aus der ursprünglich vorhandenen pflanzlichen Biomasse. Dies ist die fundamentale Rolle der Nutztiere in unserem Ernährungssystem. Wir könnten die nichtessbare Biomasse aber auch energetisch nutzen (durch Verbrennung, Biogaserzeugung). Dies ist jedoch ineffizient, denn der Brennwert der geernteten pflanzlichen Biomasse speichert allenfalls bis zu 3 % der auf die Fläche eingestrahlten Sonnenenergie.

Die Verknappung der landwirtschaftlichen Nutzfläche wird dazu führen, dass auch die pflanzliche Biomasse immer knapper werden wird. Ihre Bedeutung als Nahrungsquelle für den Menschen wird steigen, und wir werden uns bei ihrer Verwertung immer stärker an der Nutzungskaskade Teller > Trog > Tank orientieren müssen. Das primäre Ziel ist die direkte Gewinnung von pflanzlicher Nahrung für den Menschen (Teller). Die dabei unvermeidlich anfallende nichtessbare Biomasse wird an Nutztiere zur Gewinnung weiterer Lebensmittel verfüttert (Trog). Am Ende steht die Energiegewinnung (Tank) aus Biomasse, die zur Erzeugung von Nahrung nicht (mehr) geeignet ist.

Die Veredelungswirtschaft steht politisch unter Druck, aber der Fleischkonsum weltweit ist ungebrochen.

Nichtessbare Biomasse – reichlich vorhanden

Bereits bei der Ernte auf dem Acker fallen große Mengen an nichtessbarer Biomasse an. Diese Koppelprodukte (zum Beispiel Stroh) machen meist mehr Masse aus als die Ernteprodukte selbst. Bei der Weiterverarbeitung der Ernteprodukte zu den finalen Lebensmitteln fallen nochmals große Mengen an Nebenprodukten an (zum Beispiel Kleie, Extraktionsschrote). Sie machen etwa ein Drittel der verarbeiteten Erntegüter aus und sind eine wichtige Quelle an hochwertigen Futtermitteln für Nutztiere.

Hinzu kommt die Biomasse aus der Gründüngung, insbesondere im biologischen Landbau. Dauergrünland ist eine weitere wichtige Quelle an nichtessbarer Biomasse. In Deutschland bestehen etwa 30 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche aus Dauergrünland, weltweit sind es etwa 70 %. Der größte Anteil des Dauergrünlands ist aus topografischen und klimatischen Gründen nicht ackerfähig und konkurriert somit nicht mit der Erzeugung pflanzlicher Lebensmittel.

Insgesamt hinterlässt 1 kg pflanzlicher Lebensmittel mindestens 4 kg nichtessbarer Biomasse. Vegane Lebensmittel sind davon keineswegs ausgenommen. So landet nur etwa ein Sechstel der Biomasse aus dem Anbau von Hafer im Haferdrink. Bei Seitan, dem Eiweißextrakt aus Weizen, der zur Herstellung veganer Wurst- und Fleischimitate verwendet wird, sind es weniger als 10 %. Auch hier gilt: Alle pflanzlichen (veganen) Lebensmittel hinterlassen entlang ihrer Erzeugung vom Acker über die Weiterverarbeitung bis zum finalen Produkt ein Vielfaches ihrer Masse an nichtessbaren Nebenströmen.

Kreislaufwirtschaft mit Nutztieren

Die nichtessbare Biomasse enthält große Mengen an Pflanzennährstoffen, die der Nutzfläche wieder zurückgegeben werden müssen. Das kann über Verrotten auf dem Feld geschehen, über Biogasanlagen und Ausbringung der Gärreste oder Verfütterung an Nutztiere und Rückführung der Wirtschaftsdünger. Der Stoffkreislauf über Verrottung hat jedoch nur eine geringe Düngereffizienz und hinterlässt deshalb auch schwache Ernten, während mit Gärresten oder Wirtschaftsdüngern etwa doppelt so viel geerntet werden kann.

Aber nur über die Verfütterung an Nutztiere bekommt man aus nichtessbarer Biomasse zusätzliche Lebensmittel. Der Gesamtgewinn an Kilokalorien und Nahrungseiweiß aus derselben landwirtschaftlichen Nutzfläche steigt dadurch um mindestens die Hälfte, und zwar ohne Konkurrenz zur pflanzlichen Nahrung.

Methan der Wiederkäuer kann klimaneutral sein

Wiederkäuer können die nichtessbare Biomasse optimal verwerten, emittieren jedoch Methan (CH4). In der Tat ist CH4 ein stärkeres Treibhausgas als CO2, aber es wird in der Atmosphäre rasch abgebaut. Bei konstanter Anzahl an Tieren beziehungsweise konstanter Emissionsrate stehen Freisetzung und Abbau im Gleichgewicht, sodass sich die Temperatur der Atmosphäre nicht ändert.

Demgegenüber reichert sich das langlebige CO2 nach Freisetzung aus fossilen Quellen in der Atmosphäre an und erwärmt diese kumulativ. Das primäre Ziel des Klimaschutzes muss also darin liegen, die Anzahl an Wiederkäuern gemäß der Nutzungskaskade Teller > Trog > Tank konstant zu halten. Unter dieser Bedingung verhält sich das CH4 dieser Tiere praktisch klimaneutral.

Schaden Nutztiere Umwelt und Klima?

Die nichtessbare Biomasse unterliegt dem Stoffkreislauf und setzt den darin gebundenen Kohlenstoff, Stickstoff, Phosphor und so weiter wieder frei, egal ob sie verrottet oder über Biogas beziehungsweise Nutztiere verwertet wird. Der Verzicht auf die Verfütterung der nichtessbaren Biomasse an Nutztiere hat somit keine entlastende Wirkung auf Umwelt und Klima. Der entscheidende Unterschied ist jedoch der Verlust an Lebensmitteln, die von den Nutztieren erzeugt wurden.

Zum Ausgleich müsste deshalb ein intensiverer Pflanzenbau betrieben oder mehr Ackerfläche verbraucht werden. Die Emissionen zur Ernährung einer bestimmten Anzahl an Menschen würden somit wieder ansteigen. Aber auch in der gegenwärtigen Situation mit unserer intensiven Tierproduktion auf der Basis von Nahrungskonkurrenz und Landnutzungsänderung verursachen wir zur Ernährung derselben Anzahl an Menschen mehr Emissionen, als wenn wir die Tierproduktion auf das Kaskadenprinzip Teller > Trog > Tank beschränken würden.

Fazit

Die begrenzt verfügbare Nutzfläche sollte bei möglichst geringer Umwelt- und Klimawirkung möglichst viele Menschen ernähren. Dies gelingt nur in einer Kreislaufwirtschaft, bei der Pflanzenbau und Nutztiere gemäß dem Prinzip Teller > Trog > Tank im Gleichgewicht stehen. Damit geht allerdings auch eine Limitierung von Menge und Qualität des verfügbaren Futters einher und folglich auch eine Drosselung der Gesamtmenge an tierischen Produkten, insbesondere bei Geflügel und Schwein. Bei Wiederkäuern sind dagegen nur relativ geringe Einbußen zu erwarten, denn Grünland steht weiterhin ohne Konkurrenz zum Ackerbau zur Verfügung. Damit gewinnt die Futtereffizienz der nichtessbaren Biomasse stark an Bedeutung. Es kommt in Zukunft darauf an, diese Biomasse durch Pflanzenzüchtung und geeignete Anbau-, Ernte- und Konservierungsverfahren bei möglichst hohem Futterwert zu erschließen und in Tierhaltungssystemen möglichst effizient zu verwerten. Insgesamt geht es um die Balance der Nutztierhaltung innerhalb des Ernährungssystems, in dem die Biomasse als eine regenerierbare Ressource gehandhabt wird, die nicht verschwendet werden darf, weder die essbare noch die nichtessbare. Genau darum brauchen wir die Nutztiere.

Hitze greift den Darm an

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Das Leaky-Gut-Syndrom – eine gesteigerte Durchlässigkeit der Darmwand – kann auftreten, wenn Kühe zur starker Hitze ausgesetzt sind. Wie können die ­Tiere geschützt werden?

Die Gesundheit des Verdauungstraktes spielt eine Schlüsselrolle für das Wohlbefinden von Milchkühen. Wissenschaftler am Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf, Mecklenburg-Vorpommern, suchen im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projektes „Leaky Cow“ nach den Ursachen für eine durchlässige Darmbarriere bei Kühen. Vor vier Jahren wurde erstmals belegt, dass hohe Umgebungstemperaturen einen direkten Einfluss auf die natürliche Darmbarriere von Milchkühen haben können (kurze-links.de/ozi4).

Heikel wird es ab 15 Grad

Eine durch Hitze beschädigte Schutzbarriere gibt den Weg frei für Pathogene und Bakterien, die in tiefere Schichten des Darms eindringen können. Ähnliche Prozesse einer gestörten Darmbarriere gibt es auch beim Menschen (Zöliakie, Morbus Crohn). Allerdings resultiert die gesteigerte Darmdurchlässigkeit bei den Kühen nicht aus einer Autoimmunreaktion, sondern wird durch Hitzestress ausgelöst. Milchkühe sind Umwelteinflüssen aufgrund der (halb-)offenen Haltungssysteme direkt ausgesetzt.

Somit steht man vor großen Herausforderungen, angesichts des Klimawandels die Tiergesundheit und das Wohlbefinden aufrechtzuerhalten. In Abhängigkeit von der Leistung zeigen Milchkühe bereits ab 15 °C erste Anzeichen von Hitzestress. Deutlich lässt sich die Belastung unter Berücksichtigung der Luftfeuchtigkeit mit dem Temperatur-Luftfeuchtigkeits-Index abbilden.

Zur Ableitung der überschüssigen Wärme erweitern sich die Blutgefäße der Haut. Zusätzlich kann durch Hecheln und Schwitzen Wärme abgeführt werden. Wirken diese Anpassungsmechanismen nicht mehr, steigt die Körpertemperatur, und die Tiere geraten in Hitzestress. Sie reagieren mit einem Rückgang der Futteraufnahme und Milchleitung. Darüber hinaus zeigen sie ein verändertes Verhalten mit verkürzten Liegezeiten und geringerer Wiederkauaktivität.

Die Immunantwort

Noch nicht ausreichend ergründet sind die Auswirkungen auf die Darmgesundheit. Um die Wärme von der Körperoberfläche abzuleiten, verringern sich die Durchblutung und somit die Sauerstoffversorgung des Darms. Die Darmwand wird so für die im Darm angesiedelten Mikroorganismen durchlässiger, sodass Entzündungsreaktionen im Darm und in den angrenzenden Lymphknoten auftreten können. Zudem treten bakterielle Toxine aus dem Darm in die Blutzirkulation über und lösen Entzündungsreaktionen im Körper aus. Dann beansprucht das Immunsystem einen Großteil der Energie, um gegen die Ursachen des Leaky-Gut-Syndroms anzukämpfen.

Am FBN untersucht ein Team um Dr. Franziska Koch die Auswirkungen des Leaky-Gut-Syndroms näher, um fütterungs- und haltungsbezogene Lösungen zur Linderung der Entzündungen bei Hitze zu entwickeln. Um den Einfluss von kurzzeitigem und lang anhaltendem Hitzestress auf die Immunabwehr, die Durchlässigkeit des Darms und die Besiedlung der Darmschleimhaut zu untersuchen, wurden Milchkühe verschiedenen Umgebungstemperaturen ausgesetzt. Während sich bei der Kontrollgruppe in einer Umgebung von 15 °C Wohlbefinden zeigte, wurde eine andere Gruppe im Klimaraum Temperaturen von 28 °C ausgesetzt.

Es konnte gezeigt werden, dass hitzegestresste Tiere keine Fettreserven nutzen, um den Energiemangel auszugleichen. Stattdessen bauen Kühe unter Hitzestress körpereigene Proteine zur Energiegewinnung ab. Das sorgt dafür, dass weniger Wärme erzeugt wird. Mithilfe einer Thermokamera konnte in Zusammenarbeit mit der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern zudem nachgewiesen werden, dass das Euter besonders viel Wärme abgibt. Gleichzeitig nimmt das Risiko für Euterentzündungen zu.

Management bei Hitzestress

Mit dem Abschluss des Forschungsprojektes „Leaky Cow“ wird deutlich, wie wichtig das Stallklima für die Tiergesundheit ist. Für ein erfolgreiches Hitzestressmanagement sollte beispielsweise die Wasserversorgung in den Ställen und Weideflächen überprüft werden. Hitzegestresste Milchkühe benötigen täglich 120 bis 180 l statt 60 bis 90 l Wasser. Es sollte möglichst kalt und stets verfügbar sein.

Einfache Schatten spendende Dächer und Bäume auf der Weide bieten Schutz vor Überhitzung während der heißen Mittagszeit. Im Stall kann der zusätzliche Einbau von Ventilatoren oder Wassersprinkleranlagen – in Florida, Israel oder Italien üblich – helfen, die Tiere abzukühlen und das Tierwohl zu steigern. Auch in der Rationsgestaltung der Milchkühe gibt es Potenzial, die fermentative Wärmeproduktion in der Verdauung über beispielsweise einen geringeren Faseranteil zu senken.

Fazit

Der Hitzestress beeinträchtigt das Tierwohl erheblich. Es ist deshalb wichtig, die grundlegenden Mechanismen unter Hitzestress zu verstehen, um praxistaugliche Lösungsansätze für die Nutztierhaltung zu entwickeln. So stellt eine Abkühlung mit der knappen Ressource Wasser nicht überall eine Alternative dar, während der Einbau von Ventilatoren in den Stallanlagen eine sinnvolle Investition ist.

Über den eigenen Tellerrand schauen

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Teil der Tagung des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) in Schwarzenborn in Hessen, über die bereits berichtet worden ist (Ausgabe 33), sind auch Exkursionen. Auf einem Parcours im Wald stellten neutrale Experten von Forstbetrieben aus ganz Deutschland an über 30 Punkten unter Praxisbedingungen ihre neuen Entwicklungen und Ansätze sowie bewährte Methoden von überregional bedeutsamen Arbeitsverfahren im Wald vor.

Auf einer typischen Kalamitätsfläche, wo keine oder kaum ausreichend gewünschte Naturverjüngung aufkommt, wurden die Möglichkeiten und Grenzen von Saatverfahren auf Basis von Kleinraupen gezeigt. Waldsaaten wurden in der Geschichte immer wieder praktiziert, vergessen, erneut entdeckt, jedoch kaum dokumentiert.

Es scheint bis auf wenige Ausnahmen die Saat mit Pferden die einzige Konstante zu sein. Dabei wird in einem Säspalt das Saatgut abgelegt und dieser anschließend wieder verschlossen. Das Verfahren erfordert ausreichend Säkapazitäten mit Pferden und sehr sauber vorgeräumte Flächen. Weil aber Kapazitäten immer wieder knapp sind, hat der Landesbetrieb Forst Brandenburg ein Verfahren auf Basis motorgetriebener Technik entwickelt. Ähnlich wie beim Pferd wird die Saat mit der Kleinraupe in nur einer Überfahrung ausgeführt. Der Einsatz funkgesteuerter Kleinraupen hat jedoch den Vorteil, dass neben der klassischen Variante der Ablage des Saatgutes in einem Säspalt auch in ein gefrästes Saatbett abgelegt werden kann.

Dabei kommt die Fräs-Sämaschine auch mit begrenzten Reisigauflagen zurecht. Weil die gefrästen Streifen gegenüber gepflügten Varianten einen Vorteil im Wasserhaltevermögen haben, eignet sich die Fräse auch für die Kombination mit Pflanzaggregaten für Containerpflanzen, wie auf der Exkursion demonstriert wurde.

Heckenschere statt Freischneider

Die Wiederbewaldung und in deren Folge die notwendigen Pflegearbeiten in Forstkulturen sind für die Waldbesitzer eine große Herausforderung, denn zur Sicherung der Investition ist die häufige Pflege in den ersten Jahren meist alternativlos. Während die bisher in der Kulturpflege eingesetzten Handgeräte oft ergonomisch ungünstig sind und unter schwierigen Arbeitsverhältnissen zu reduzierten Leistungen führen, gibt es mit dem häufig eingesetzten Freischneider ein anderes Problem: Durch die weite Entfernung vom Körper zum Boden können die zu pflegenden Pflanzen oft im Farn- oder Brombeerdickicht nicht gut erkannt werden, sodass sie häufig aus Versehen unters Messer kommen.

Heckenschere statt Freischneider

Die Alternative: Mit der Niedersächsischen Kulturpflegetechnik (NKT) wird eine handelsübliche akkubetriebene Heckenschere mit einem extra konstruierten Aufnahmebügel kombiniert. Durch die Befestigung an einem rückentragbaren Geräteträger wird so eine hohe ergonomische Entlastung erreicht.

Asten mit der Akkuschere und der Distelleiter II

Douglasien asten mit der Akkuschere

Eine wichtige Mischbaumart in vielen Wäldern ist die Douglasie, gerade mit Blick auf die zukünftigen Entwicklungen durch den Klimawandel auf wasser- und nähr­stoffärmeren Standorten. Vor allem nach Kalamitäten und besonders nach dem Sturm Kyrill wurden großflächige Douglasien-Mischbestände begründet. Diese wachsen nun zu großen Teilen in das Astungsalter ein.

Die in der Vergangenheit angewandten Arbeitsverfahren waren vor allem die Astung mit Handsägen und pneumatischen Scheren in Verbindung mit Steigtannen oder Leitern sowie die Astung mit Stangenzugsägen. Durch das zu erwartende große Arbeitsvolumen hat das Niedersächsische Forstliche Bildungszentrum (NFBz) das Arbeitsverfahren der Wertastung optimiert und setzt dazu die Akkuschere Electrocoup F3020 des französischen Herstellers Infaco ein. Sie verfügt über ein aktives Schnittschutzsystem zur Vermeidung von Verletzungen, das Gerät ist zudem KWF-Profi-zertifiziert. Zusammen mit der Distelleiter II für eine Astungshöhe von bis zu 10 m bildet diese Schere nun die Münchehofer Wertastungstechnik (MWT), mit der sich Wertastungsbestände ergonomisch gut und effizient bearbeiten lassen.

Entrindung von Hand oder per Maschine

Gezeigt wurde im Exkursionsbild, wie das „Rindenschlitzen“ mit herkömmlichen benzin- und akkubetriebenen Motorsägen ausgeführt werden kann.

Oftmals führt kein Weg an der klassischen Handentrindung vorbei, um ein Ausfliegen der Borkenkäfer zu verhindern. In den vergangenen Jahren wurde die Technik grundlegend überarbeitet und an die aktuellen Generationen von Motorsägen angepasst.

Anstelle des Keilriemens erfolgt der Antrieb der Geräte nun mit einer ­Standard-Motorsägenkette, welche lediglich keine Zähne besitzt. Dadurch ist ein schneller Wechsel zwischen Schälgerät und Schneidgarnitur möglich, ohne Modifikationen an der Motorsäge, beispielsweise im Bereich der Kettenölpumpe, durchführen zu müssen. Um die Leistungsfähigkeit der Geräte bei der Borkenkäferbekämpfung noch weiter zu steigern, wurden sogenannte Streifenmesser entwickelt. Sie führen zu einer streifenförmigen Entrindung im Vergleich zur vollständigen Entrindung mit den herkömmlichen Standardmessern. Dadurch steigt die Produktivität in der motormanuellen Entrindung.

Darüber hinaus bietet das Verfahren trotz Bekämpfung des Fichtenborkenkäfers bei Bäumen, die als Totholz belassen werden sollen, ökologische Vorteile, weil der Lebensraum Borke nicht komplett entzogen wird.

Schadholzarena: Augen auf beim Totholz

Seit Jahren steigt in vielen Waldgebieten der Schad- und Totholzanteil, Ursachen sind häufig Hitze und ausgeprägte Dürreperioden. Zudem findet eine bewusste Anreicherung von Totholz aus Naturschutzgründen statt. Dadurch verschärft sich allerdings die Gefahrenlage im Wald für Forstwirte, Forstunternehmer, Jäger und Forstpersonal, auf großer Fläche ist mit herabstürzenden Ästen und Kronenteilen oder umstürzenden Bäumen zu rechnen. Die Fortbewegung im Wald wird schwieriger, und auch die Häufigkeit von durch Totholz blockierten Waldwegen nimmt zu.

Das KWF widmete dem Thema daher einen großen Bereich, die sogenannte Schadholzarena. Sachsenforst präsentiert als Einstieg dazu ein Entscheidungsverfahren zum professionellen und sicheren Umgang mit Totholz bei allen Betriebsarbeiten. Auf Basis einer baumartenspezifischen Risikoeinschätzung und einer nach Schadstufen gegliederten Entscheidungsmatrix werden zum Waldbestand passende organisatorische und technische Maßnahmen abgeleitet. Anschließend wurden konkrete Maßnahmen, Arbeitsverfahren und Technologien vorgestellt.

Konkreter Schutz für die Waldarbeiter wie die Rückenprotektoren von Bast-Ing wurden vorgeführt, aber auch wie heftig die Wirkung eines nur kleinen frei fallenden Stücks Holz aus großer Höhe auf einen Sicherheitshelm ist. Eindrucksvoll auch das Bild, bei dem in einer alten stehenden Buche alles Totholz im Kronenbereich mit roter Farbe markiert wurde, um das Gefährdungspotenzial deutlich aufzuzeigen. Wer dort unter dem Baum arbeitet, begibt sich in eine immense Gefahr, besonders beim Umkeilen, weshalb das Motto lautet „Weg vom Baum“.

Neben der Vollmechanisierung und dem bekannten Verfahren der seilwindenunterstützten Fällung wird dieses Präventionsziel durch den Einsatz sogenannter funkgesteuerter Fällkeile (FFK) möglich. Gezeigt wurden diese und dabei auch die Vor- und Nachteile des Arbeitsmittels, dessen Einsatzgrenzen, der fachgerechte Arbeitsablauf, typische Fehler und ihre Vermeidung und warum der FFK eine Ergänzung und kein Ersatz für die seilwindenunterstütze Fällung ist. Die seilunterstütze Holzernte bietet ein höheres Maß an Sicherheit, als dies andere Arbeitsverfahren bieten können, deshalb hat sich diese Technik nicht nur in geschädigten Beständen etabliert.

Das Forstliche Bildungszentrum Königsbronn hat eine Weiterentwicklung der Königsbronner Anschlagtechnik (KAT) forciert, die die Ergonomie, die Arbeitssicherheit und die Einsatzmöglichkeiten des KAT erweitert. Dies ermöglicht das Ersetzen des bekannten Metallschäkels durch einen Tauwerkschäkel aus Kunstfaser. Das Forstliche Bildungszentrum Königsbronn und die Sicherheitscoaches von ForstBW demonstrierten an einem praktischen Beispiel die Anwendung und die Vorteile des Tauwerkschäkels.

Versickern statt ableiten

Ausgelöst durch klimatische Veränderungen haben die vergangenen Jahre gezeigt, dass der Wechsel von Dürre und Starkregen zu erheblichen Schäden an Bestandes- und Basiserschließung führen kann. Eine mögliche Anpassung ist die Rückhaltung und gezielte Lenkung von Niederschlagswasser. Lineare Strukturen wie Waldwege und Arbeitsgassen sind daher als Ort der gezielten Lenkung und Rückhaltung optimal. Gezeigt wurden Maßnahmen des Wegebaus sowie der Holzernte zur Vorbeugung von entwässernden Effekten von Erschließungslinien und Förderung von Wasserrückhalt auf der Bestandesfläche sowie in unmittelbarer Nähe zum Waldweg. Dazu werden unter anderem spezielle Versickerungsmulden gebaut, in denen sich das Wasser bei Starkniederschlägen sammeln kann und nur allmählich abläuft oder versickert, statt sich den Weg über den Graben in den nächsten Vorfluter zu suchen.

Mobile jagdliche Infrastruktur

Klettersitze sind mobile jagdliche Infrastruktur, erfordern aber Sportlichkeit.

Ein Exkursionspunkt zog viel Aufmerksamkeit auf sich – und erntete Begeisterung oder Kopfschütteln: Klettersitze sind eine mögliche Ergänzung der jagdlichen Infrastruktur. Diese mobilen Sitze sind schnell umgestellt, erfordern vom Jäger aber im Vergleich zum Drückjagdbock ein bisschen mehr Mut und Sportlichkeit. Der Klettersitz besteht aus zwei Teilen, die jeweils mit einem Stahlkabel um den Baum montiert werden. Durch alternierendes Hoch- und Nachziehen der Teile kann so am Baum aufgestiegen werden. Die mobile Variante ermöglicht einen Einblick vom erhöhten Standort auch in unübersichtlichen Freiflächen sowie einen guten Kugelfang. Der Einsatz erfordert jedoch eine Schulung.

Wahl geeigneter Baumarten

Die Trockenheit der Jahre 2018 bis 2020 und ihre verheerenden Auswirkungen auf den Wald haben deutlich gemacht, wie wichtig es ist, bei der anstehenden Wiederbewaldung eine vorausschauende, dem Klimawandel angepasste Baumartenwahl zu treffen. Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt bietet einen Überblick über den derzeitigen Stand der Forschung zum Thema Waldbau im Klimawandel. Umfassend dargestellt werden aktuelle Klimaszenarien, Abschätzungen der Wasserverfügbarkeit und der Trockenstressgefährdung der Baumarten sowie ein Bodenprofil für die Bewertung des Standortes, schließlich auch eine digitale Entscheidungshilfe für die Baumartenwahl. Der Exkursionsführer, der auch ein Ausstellerverzeichnis der Expo enthält, kann als Download beim KWF abgerufen werden über ­Katja.Buechler@kwf-online.de

Dieselpreise fallen – Dünger bleibt teuer

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Nach der Ernte und der Rapseinsaat werden auf vielen Betrieben die Dieselvorräte aufgefüllt, um für die Herbstaussaat vorbereitet zu sein. Dabei zeigen sich die Käufer recht erfreut über die aktuellen Dieselpreise. Anfang September liegen die Kurse auf dem tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr. Bereits im August gaben die Spritpreise an den Tankstellen spürbar nach. Hauptgründe sind die reduzierten Rohölpreise, ein erhöhter Eurokurs und gefallene Preise für Gasöl, das Vorprodukt für die Dieselproduktion.

Trotz Krisen: Günstige Rohstoffkurse

Die Regel, dass in Krisenzeiten die Kurse an den Rohstoffmärkten steigen, scheint mittlerweile überholt zu sein. Trotz der weltweiten Konflikte stehen die Rohölpreise unter Druck. Dabei greifen die Huthi-Rebellen weiter Schiffe im Roten Meer an. Aktuell brennt dort ein Tanker. Er könnte die größte Ölpest aller Zeiten auslösen. Auch der Krieg in der Ukraine oder der Konflikt im Nahen Osten scheinen an Einfluss auf die Preisbildung im Rohölbereich zu verlieren. In New York lag der Nymex-Ölkurs Ende voriger Woche bei 67 ­US-$/ bbl. Dies ist der niedrigste Kurs seit Juni des Vorjahres. Einige Analysten halten einen weiteren Preisrückgang auf bis zu 50 US-$/bbl für möglich, vor allem aufgrund eines weltweit hohen Rohölangebots und einer schwächelnden Weltwirtschaft. In Europa sorgt ein vergleichsweise hoher Eurokurs zudem noch für günstige Importpreise bei der Einfuhr von Rohöl und Rohölprodukten. Bis 2022 war Russland ein wichtiger Lieferant von Rohöl und Diesel. Durch die Sanktionen aufgrund des Kriegsausbruchs in der Ukraine konnten jedoch andere Länder als Lieferanten von Mineralölprodukten gewonnen werden. Das meiste Rohöl bezieht Deutschland mittlerweile aus den USA. Beim Diesel werden mittlerweile große Mengen aus den EU-Nachbarländern Belgien und Niederlande bezogen. Diese EU-Länder unterliegen ebenfalls den Sanktionsvorgaben gegenüber Russland. Somit stammt das Rohöl für die Dieselproduktion nicht aus Russland. Dieselimporte aus Indien sind dagegen deutlich zurückgegangen. Hier vermutete man, dass es sich um Lieferungen russischen Ursprungs handelte.

Hohe Forderungen für Dünger

Obwohl die Energiekurse in vielen Bereichen etwas reduziert wurden, bleiben die Forderungen für Düngemittel weiter recht stabil. In diesem Sommer sind die Kurse für Erdgas spürbar angestiegen, haben jedoch mittlerweile wieder nachgegeben. Die Forderungen des Handels für KAS liegen aktuell wieder deutlich über der Marke von 30 €/ dt. Für geschützten Harnstoff werden zum Teil wieder mehr als 45 €/dt verlangt. Das für die Düngemittelproduktion sehr wichtige Erdgas bezieht Deutschland mittlerweile zum größten Teil über Länder wie Norwegen. Auch über die Niederlande und Belgien wird LNG-Gas bezogen, das dort in Häfen angelandet wird. Im Gegensatz zum Energiebereich sind die Einfuhren an Düngemitteln aus Russland seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine gestiegen. Berichten zufolge lag der Anteil an russischem Stickstoff-Dünger in der EU vor dem Ukraine-Krieg bei 6 %. Mittlerweile sollen es mehr als 30 % sein. Damit wird ein nicht geringer Teil des Erdgases, das nicht mehr nach Mitteleuropa geliefert werden darf, in Form von Dünger an diese Länder verkauft. Aufgrund der festen Düngemittelpreise bleibt die Nachfrage aus der Landwirtschaft weiterhin ruhig. Die geringen Erlöse im Ackerbau bremsen die Kauflaune der Landwirte. Im Frühjahr gab es noch zeitlich begrenzte Sonderangebote für KAS und Harnstoff zu deutlich reduzierten Preisen. Diese Ware war wahrscheinlich russischen Ursprungs. Trotz der Herkunft haben einige Landwirte diesem Angebot nicht widerstehen können, frei nach dem Motto „Wenn russische Getreideexporte hierzulande die Getreidepreise unter Druck bringen, kann ich auch günstigen Dünger aus der gleichen Region beziehen“.

Zurück zu den Wurzeln

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Prof. Peter Strohschneider hat vorige Woche den Abschlussbericht des Strategiedialogs zur Zukunft der EU-Landwirtschaft an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) abgeliefert. Das Vorhaben ähnelte der deutschen Zukunftskommission Landwirtschaft im Jahr 2021, ebenso unter Vorsitz von Strohschneider. Wesentlich sind Forderungen nach einer EU-Tierhaltungskennzeichnung, Steuervergünstigungen für Lebensmittel, einer Veränderung der Verzehrgewohnheiten in Richtung pflanzenbasierter Ernährung, mehr Geld für Ökoregelungen, einer Konzentration auf Klein- und Mischbetriebe, Junglandwirte und Betriebe mit natürlichen Beschränkungen.

Minister Cem Özdemir (Grüne) sieht seine Haltungskennzeichnung bestätigt, von der Leyen ihre Klimaziele. Bauernpräsident Joachim Rukwied kritisiert, Ernährungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit kämen zu kurz. Dafür sei man nicht auf die Straße gegangen. Damit trifft der Präsident einen Punkt weit über die Landwirtschaft hinaus.

Vor lauter gesellschaftlichen und politischen Erwartungen kommt die Wirtschaft nicht mehr dazu, ihre eigentlichen Aufgaben zu erfüllen. Deutschland lebte bisher sehr gut davon, wirtschaftlich erfolgreich Produkte und Dienstleistungen zu erzeugen und weltweit zu verkaufen. Dies wurde im Lauf der Zeit immer schwieriger. Die Gründe sind bekannt: hohe Energiekosten, eine ausufernde Bürokratie, eine nicht mehr finanzierbare soziale Sicherung, eine erstickende Gesetzesflut. Der Staat widmet sich intensiv der Volkserziehung mit einer Welle an Nichtregierungsorganisationen, die dem Staat immer neue Weltrettungsaufträge erteilen. Der Bürger ist zum Staatsdiener geworden. Er hat Glück, wenn der Staat ihn dafür anstellt – er hat Pech, wenn er selbstständig ist und dennoch als Diener gesehen wird.

Über all diesem kommt der Staat nicht mehr dazu, seine Aufgabe als Diener des Volkes zu erfüllen. Nicht nur Bildungswesen und Gesundheitsversorgung kranken. Infrastruktur, generell die Daseinsvorsorge treibt einem in manchen ländlichen Regionen die Tränen in die Augen und die Menschen aus den Dörfern. Das Vertrauen in den Staat ist gesunken und es gibt handfeste Gründe dafür.

Die Lösung der Politik: Die Schuldenbremse muss weg, um die Herausforderungen der Zukunft zu finanzieren. Doch ist der Anteil des Staats am Einkommen der Bürger groß genug:  Er beansprucht mittlerweile fast jeden zweiten Euro der Wirtschaftsleistung für sich. Eine Anleihe am Zukunftseinkommen der Bürger ist keine Lösung.

Viel wäre geholfen, wenn sich jeder wieder auf seine ureigenen Aufgaben konzentrierte: Die Wirtschaft produziert gegen Entgelt Waren und Dienstleistungen, die wirklich nachgefragt werden. Für die Landwirtschaft bleiben es Lebensmittel, mehr denn je. Dazu gehören Klima-, Öko- und Tierwohl-Dienstleistungen, wie sie Strohschneider vorschlägt – natürlich gegen Entgelt. Der Bürger arbeitet und zahlt zufrieden seine Steuern, weil der Staat ihm dient. Der Staat ist verantwortlich für Sicherheit, Bildung, Infrastruktur, Recht und Ordnung, soziale Sicherheit. Damit sollte er vollbeschäftigt sein und könnte so verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. Zurück zu den Wurzeln: Das bringt Wachstum in allen Bereichen.

Milchfluss nach Mecklenburg

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Die erste Milchanlieferung am Meierei-Standort im mecklenburgischen Upahl geschah im September 1994. Im Jahr 2011 stieg dann dort die Arla-Genossenschaft ein und baute die Produktion kontinuierlich aus. Heute verarbeitet das Werk rund 500 Mio. kg Milch pro Jahr –zwei Drittel davon kommen aus Schleswig-Holstein. In einer Feierstunde am Donnerstag vergangener Woche (5. September) lobte Arla-Geschäftsführer (CEO) Peder Tuborgh die Standortentwicklung und schilderte die Vorhaben des Meierei-Konzerns für die Zukunft.

„Das Werk steckt voller Geschichten und ist eng mit der deutschen Wiedervereinigung verbunden“, betonte Tuborgh. Heute sei Upahl ein hochmoderner Produktionsstandort für Frischmilch- und fermentierte Milchprodukte. Zu den bekannten Markennamen zählten Hansano, Arla Skyr und Arla Bio. Der CEO berichtete: „Wir wollen investieren, um eine noch bessere Klimabilanz zu erreichen, unter anderem mit 100 Prozent Ökostrom im nächsten Jahr.“ Insgesamt seien in den kommenden drei Jahren Investitionen in Höhe von 30 Mio. € für neue Produktionsanlagen und Nachhaltigkeitsprojekte am Standort vorgesehen. Arla verfolge europaweit das Ziel, bis 2030 die CO2-Emissionen aus dem Produktionsbereich um 63 % zu reduzieren (Referenzjahr: 2015).

Peder Tuborgh

Neben der Reduzierung der Treibhausgasemissionen werde die Steigerung des Tierwohls ebenfalls an Bedeutung gewinnen, schätzt Tuborgh. Mit Blick auf die wachsende Weltbevölkerung warnte er aber davor, die Produktionsmengen zu reduzieren. Er unterstrich: „Wir brauchen tierisches Protein.“ Zielführend sei es vielmehr, die Effizienz der Produktion zu steigern.

Politik ist für Menschen, nicht für Ideologie

Als Ehrengast nahm Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus (SPD) an dem Festakt teil. In seiner Ansprache betonte er die Bedeutung des Arla-Werks für die Region und begrüßte die geplanten Investitionen. „Zahlreiche Ereignisse der vergangenen Jahre wie etwa die Corona-Pandemie haben gezeigt, wie wichtig eine funktionierende heimische Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion für uns alle sind.“ Es sei sein dringender Wunsch, dass eine starke Landwirtschaft erhalten bleibe.

Dr. Till Backhaus

Aus den Wahlergebnissen in Thüringen und Sachsen liest er den Wunsch nach Führung und die Sehnsucht nach Sicherheit und Frieden. Backhaus erklärte: „Wir sind in einer Vertrauens- und Identitätskrise.“ Allerdings gehe es den Menschen in Deutschland nach wie vor relativ gut. Es gebe weiterhin wirtschaftlichen Erfolg, der die Grundlage für Wohlstand bilde. Auf den eigenen Berufsstand blickte Backhaus selbstkritisch: „Wir Politiker müssen für die Menschen da sein und nicht für Ideologie.“ Aus seiner Sicht sei die Lebensmittelerzeugung systemrelevant und gehöre ins Grundgesetz. Das müsse in Berlin noch besser verstanden werden.

Gute Betreuung als Pluspunkt

Aus Schleswig-Holstein waren die Praktiker Klaus Peter Dau (Arla-Beirat der Region Nord) und Klaus-Peter Lucht (Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft Schleswig-Holstein) vor Ort. Dau berichtete: „Viele Mitglieder von Arla kommen aus Schleswig-Holstein beziehungsweise aus den Meiereien, die mit Arla fusionierten, zum Beispiel die Rendsburger Milchzentrale oder Kieler Milchzentrale.“ Er sei damals bei Arla geblieben, weil ihn das Konzept von Arla überzeugt habe. Man habe in den ersten Jahren „aber auch bluten müssen“. Denen, die geblieben seien, gebe der jetzige Auszahlungspreis allerdings recht. „Wir liegen in den vergangenen Jahren einige Cent über dem Durchschnittsauszahlungspreis der schleswig-holsteinischen Meiereien und auch dieses Jahr werden wir zu den Spitzenreitern gehören“, schilderte Dau. Er begrüße die Zuschläge für Nachhaltigkeitsleistungen und die jährliche Nachzahlung, „was auch ganz wichtig ist“.

Klaus-Peter Lucht (li.) und Klaus Peter Dau vertraten beim Festakt in Upahl die schleswig-holsteinische Milchwirtschaft. Foto: rq (3)

Für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsprogramme würden Milcherzeuger bei Arla sehr gut betreut. „Wir haben den sogenannten Member Service. Da können wir jeden Tag anrufen und fragen, wenn irgendwas nicht klappt“, beschrieb Dau. Der bürokratische Mehraufwand beispielsweise für den KlimaCheck halte sich in Grenzen. „Dafür brauche ich abends in der Küche höchstens eine halbe Stunde“, so Dau.

Die Vorreiterrolle in Sachen Nachhaltigkeit könne aus seiner Sicht für junge Milchbauern ein Faktor sein, sich für diese Meierei zu entscheiden. Andere Meiereien hätten sich aber auch auf den Weg gemacht, mehr Nachhaltigkeit zu erreichen.

Milchproduktion bleibt wichtig

Lucht bezeichnete den Standort Upahl als großen Gewinn, weil viele Bauern ihre Milch hierherlieferten. Mit Nachhaltigkeitsprogrammen schaffe die Milchwirtschaft ein wichtiges Gegengewicht zu den ständigen Angriffen der Nichtregierungsorganisationen, die nicht müde würden, intensive Milchproduktion und Grünlandnutzung zu kritisieren. „Wir müssen die Vorteile, die wir in der Wirtschaft haben, herausstellen.“ Lobend nannte Lucht in diesem Zusammenhang die Initiative Milch.

Laut Arla ist Hansano die Nummer eins unter den Markenprodukten in der Kategorie Sahne und Quark in Norddeutschland.

Arla sei aktuell Vorreiter, was Nachhaltigkeit und CO2-Reduktion angehe. „Die anderen Meiereien ziehen hier nach“, so Lucht. In der Konkurrenz der Meiereien untereinander gehe es letztlich immer um die beste Vermarktung und den besten Auszahlungspreis.

Sorgen bereitet dem MEV-Vorsitzenden der fortschreitende Strukturwandel. Er unterstrich: „Wir verlieren jedes Jahr vier Prozent der Milchviehbetriebe in Schleswig-Holstein.“ Das liege weniger am Markt, sondern eher an den bürokratischen Hürden. Hier brauche es unbedingt eine Verschlankung. Er zeigte sich aber überzeugt, dass Grünland weiterhin größtenteils durch Rinderhalter bewirtschaftet werde. Der Naturschutz allein könne das nicht leisten. „Wir brauchen für die ländliche Region die Milchproduktion“, stellte Lucht klar.

Entwicklung des Werks in Upahl:

1993/94: Bau und Inbetriebnahme des Werks (durch die damalige Hansa Milch-Genossenschaft)

September 1994: erste Milchannahme und Start der Produktion

2003: Gründung der Hansa Milch AG

2005: Fusion mit der Meiereigenossenschaft Karstädt (Brandenburg)

2011: Fusion mit der skandinavischen Genossenschaft Arla Foods

ab 2013: Transformation zum Werk für Frischmilchprodukte und Arla-Kompetenzzentrum für fermentierte Milchprodukte wie Quark, Joghurt und Skyr

2015: Start der Skyr-Produktion und Markteinführung in Deutschland

2019: Inbetriebnahme einer Pilotanlage zur Entwicklung von fermentierten Milchprodukten

2021: Verlagerung der Produktion vom Werk Karstädt in das Arla-Werk in Upahl

2023: Inbetriebnahme neuer Produktionslinien für Trinkjoghurts in Pouch-Beutel-Verpackungen

Steckbrief

Fakten zum Arla-Milchwerk in Upahl (2023):

verarbeitete Milchmenge:
zirka 500 Mio. kg

produzierte Einheiten: 440 Millionen

Exportanteil: 25 % (Märkte: EU und UK)

Mitarbeitende: 430

produzierte Marken: Hansano, Arla Bio, Arla Skyr, Arla Lactofree, Arla Buko (und Handelsmarken)

Spezialisierung auf Frischmilchprodukte

Kompetenzzentrum für Bio-Produkte und fermentierte Milchprodukte wie Quark, Joghurt und Skyr

330 Arla-Landwirte beliefern das Werk. Die meisten Höfe liegen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, weitere Betriebe in Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

Rund 25 % der in Upahl angelieferten Milch werden ökologisch erzeugt.