Die Kälbergesundheit ganzjährig konstant aufrechtzuerhalten, stellt jeden Betrieb vor eine große Herausforderung. Immer noch liegt die Kälbersterblichkeit bei durchschnittlich 7 %. Betrachtet man die Zahlen in Schleswig-Holstein, so ist zumindest im Jahr 2023 ein leichter Rückgang gegenüber den Vorjahren zu beobachten. Um die Kälbergesundheit weiterhin zu optimieren, sollte mit Beginn der kalten und nassen Monate jeder Betrieb sein Kälbermanagement erneut überprüfen.
Eine optimale Versorgung nach der Kalbung mit hochwertigem Kolostrum, saubere Einstreu und umfassende Stallhygiene sind selbstverständlich und unerlässlich für eine gute Kälbergesundheit und niedrige Kälberverluste.
Frieren bedeutet Energieverlust
Kälber haben vor allem in den ersten Lebenswochen einen höheren Wärmebedarf als ausgewachsene Kühe. Wenig Fettreserven machen eine Wärmeisolation kaum möglich. Ebenso fehlt die Verdauungswärme, die in einem bereits ausgebildeten Pansensystem erzeugt werden würde. Auch die körperliche Aktivität der Kälber ist im jungen Alter noch gering, weshalb eine optimale Klimagestaltung noch mehr an Bedeutung gewinnt. Die Optimaltemperatur, also die thermoneutrale Zone eines Kalbes, liegt zwischen 15 und 25 °C.
Ab 15 °C benötigt das Kalb keine zusätzliche Energie für die eigene Thermoregulation. Die normale metabolische Aktivität und die Bewegung des Kalbes reichen aus. Fallen die Temperaturen unter 15 °C, steigt die Krankheitsanfälligkeit der Kälber. Bei Temperaturen unter 10 °C leiden neugeborene Kälber unter Kältestress. Deshalb ist es im Winter dringend notwendig, das Kalb nach der Geburt zu trocknen, damit das Fell isolieren kann. Optional kann im Abkalbebereich eine „Trockenbox“ eingerichtet werden, die das Kalb direkt nach der Geburt vor dem Einzug in die Kälberhütte bezieht.
Bei der Igluhaltung im Freien ist eine ausreichende und trockene Einstreu essenziell. Hierbei hilft eine Orientierung an dem Nesting Score: Je besser sich die Kälber im Stroh nestartig einbetten können, desto höher ist dieser Wert. Beim Nesting Score 3 versinken die Beine im Stroh und sind im Liegen nicht mehr zu sehen. Nur so kann die Einstreu ausreichend isolieren und Kälberverluste minimieren. Bei sehr niedrigen Außentemperaturen und kranken Tieren können Kälberdecken nicht nur im Außenbereich, sondern auch innerhalb von Stallgebäuden zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur und somit zu weniger Energieverlusten beitragen. Bei der Verwendung von Kälberdecken ist Folgendes zu beachten:
Zu den größten Risiken für Erkrankungen bei Kälbern zählen nicht nur die im Herbst und Winter niedrigen Temperaturen, sondern auch häufig auftretende große Temperaturschwankungen in Verbindung mit kalter Luft, die bei Wind auf die Kälber trifft. Bei der Igluhaltung im Außenbereich können ein Umsetzen der Iglus oder ein Windschutz an der Überdachung Abhilfe leisten, um aufkommenden Wind abzuhalten. In Gruppenhaltungen haben sich Deckel über den Liegebereichen der Kälber bewährt, da sich die Kälber jederzeit vor herabfallender Luft und Zugluftbewegung schützen können. Hier sollte überprüft werden, ob die Deckel der Nester wandbündig sind, mit den Seitenwänden dicht abschließen und nicht zu hoch über dem Boden angebracht sind.
Trockenkalt besser als feuchtwarm
Atemwegserkrankungen gehören zu den häufigsten Abgangsursachen junger Kälber und führen auch später zu kostenintensiven Leistungseinbußen der Aufzuchttiere und Milchkühe. Zusammen mit niedrigen Temperaturen und Zugluft führen hohe Ammoniakkonzentrationen zu einer hohen Anfälligkeit gegen Krankheitserreger aller Art. Ist der Ammoniakgeruch für die menschliche Nase wahrnehmbar, ist die Konzentration bereits so hoch, dass die Kälberlunge geschädigt werden kann. Abhilfe schaffen hier nur ein verkürztes Entmistungsintervall und eine bessere Entlüftung, sofern diese baulich möglich ist.
Tränke sollte im Winter angepasst werden
Kälber haben im Winter einen erhöhten Energiebedarf und einen um 20 % höheren Erhaltungsbedarf. Dieser muss über die Fütterung und die Kalorienzufuhr gedeckt werden. Bei einer restriktiven Tränke sollten die Tränkmenge und -häufigkeit erhöht werden. Sind die Temperaturen langfristig unter dem Gefrierpunkt, kann die Tränkmenge bis zu 30 % gesteigert werden. Ebenso empfehlenswert ist die Einführung einer dritten Mahlzeit. Besonders nachts sollte kein Kalb einen leeren Milcheimer vorfinden. Werden die Mengen des Milchaustauschers erhöht, ist in jedem Falle die Empfehlung der Hersteller zu beachten, um Verdauungsprobleme zu vermeiden.
Bei der Ad-libitum-Tränke ist die Erhöhung der Menge zwar nicht notwendig, dennoch dürfen Eimer und Nuckel nicht einfrieren. Hier bieten sich Übergangslösungen wie etwa Neoprenüberzüge über den Eimern oder eine temporäre Umstellung auf eine rationierte Intensivtränke an.
Auch die Rau- und Kraftfuttermenge ermöglicht den (älteren) Kälbern eine erhöhte Energieaufnahme. Besonders bei der Vorlage von feuchten Futtermischungen und Silagen ist jedoch darauf zu achten, dass sie frostfrei sind.
Tierkontrolle und Immunprophylaxe
Eine Mutterschutzimpfung gegen die häufigsten Durchfallerreger, Rota-, Coronaviren und Colibakterien, oder die Grippeimpfung bilden eine gute Immunprophylaxe, die dem Kalb helfen kann, seltener und weniger schwer zu erkranken.
Bei deutlichen Krankheitsanzeichen einzelner Kälber, zum Beispiel starkem Husten, flacher Atmung und deutlichem Durchfall, ist eine Separation in ein Krankenabteil empfehlenswert. Das Krankenabteil sollte keine offene Luftverbindung zu den übrigen Kälbern haben und eine Einstreufläche ohne Tretmistunterlage bieten.
Fazit
• Kälberhaltung jedes Jahr aufs Neue überprüfen
• Einstreumenge und Entmistungsintervalle erhöhen
• Luftqualität und Luftfeuchtigkeit kontrollieren
• nicht nur auf niedrige Temperaturen, sondern auch auf starke Temperaturschwankungen achten
• Tierbeobachtung optimieren, frühzeitig reagieren und den Tierarzt hinzuziehen
• Tränkeregime überdenken und mehr Energie zuführen




