Großmutters Bauerngarten lieferte Gemüse für den Mittagstisch, Heilkräuter gegen alltägliche Beschwerden und reichlich bunte Blüten. Sie dienten als Schmuck bei kirchlichen Festen und für die Grabpflege. Aufgrund ausgefüllter Arbeitstage und ohne chemische Pflanzenschutzmittel erhielten vor allem robuste, nur wenig Aufmerksamkeit fordernde Pflanzen den Vorzug im Anbau.
Zu den altbewährten Arten des Bauerngartens zählen die züchterisch nur wenig bearbeiteten Formen der Ringelblume (Calendula officinalis), Pfingstrose (Paeonia officinalis) und Türkenbundlilie (Lilium martagon). Daneben erhielten Flammenblumen (Phlox), Studentenblumen (Tagetes), Fuchsschwanz (Amaranthus), Lupine (Lupinus), Mohn (Papaver), Rittersporn (Delphinium), Taglilie (Hemerocallis) und Bartnelken (Dianthus barbatus) einen festen Stammplatz.
Mit ihrer Blühfreude und Robustheit begeistern diese Stauden, Zwei- und Einjährigen noch immer viele Gärtner. Heutzutage steht jedoch dank entsprechender Züchterarbeit eine breitere Sortenauswahl zur Verfügung. So gibt es von der Ringelblume neben den gewöhnlichen orangefarbenen Blüten auch Sorten in Weiß, Apricot, Rostrot und Goldgelb mit teils dicht gefüllten Blüten. Doch so mancher Bauerngartenschatz geriet im Laufe der Zeit etwas in Vergessenheit. Wer einen solchen Schatz heben möchte, findet im Handel Saatgut und Pflanzen.
Lein (Linum usitatissimum) zählt zu den ältesten Kulturpflanzen in unseren Breiten. Die einjährige Pflanze lieferte Grundmaterial für die Stoffherstellung und Pflanzenöl. Der 80 bis 120 cm hohe Lein bevorzugt einen durchlässigen, nicht allzu schweren und humosen Boden. Die himmelblauen Blüten zeigen sich von Juni bis August. Ein hübsche Alternative ist der Blaue Stauden-Lein (Linum perenne), der besonders im Naturgarten gern gepflanzt wird. Wichtig ist ein durchlässiger Boden in vollsonniger Lage. Hier erhält sich die ansonsten eher kurzlebige Staude problemlos über Selbstaussaat.
Manchmal wird Quendel, auch als Sand-Thymian (Thymus serpyllum) bekannt, mit dem Gewürz-Thymian (Thymus vulgaris) verwechselt. Der Zierwert des Erstgenannten ist sehr hoch, denn er bildet an sonnigen Standorten attraktive Blütenteppiche. Die heimische Art zeigt einen üppigen Flor von Juni bis August. Sand-Thymian eignet sich sehr gut als Unterpflanzung von Eberraute oder Currykraut. Die robuste und winterharte Art wurde früher auch als Würz- und Heilkraut verwendet. Mittlerweile gibt es auch weiß blühende Sorten (‚Albus‘, ‚Wirral White‘) und solche mit Zitronenduft (‚Amadé‘, ‚Lemon Curd‘). Gewürz-Thymian eignet sich aufgrund der höherkonzentrierten Aromastoffe besser als Würzkraut. Zudem findet er Verwendung zur Linderung von Husten und Erkältungskrankheiten. Diese Art benötigt einen sonnigen Platz auf trockenem, durchlässigem oder schottrigem Boden.
Die Zitronenminze (Mentha citrata), auch als Orangen-, Zitronen- oder Bergamotte-Minze bekannt, zählt zu den Klassikern im Kräutergarten. Duft und Geschmack sind abhängig von der Sorte. Allesamt bieten sie unterschiedliche Zitrusaromen. Tipp: Wie alle Minzen neigt auch Mentha citrata zur Ausläuferbildung. Wer das nicht möchte, pflanzt sie samt bodenlosem Topf ein oder setzt sie gleich in den Kübel.
Zu Heilzwecken bauten Bäuerinnen früher Mädesüß (Filipendula ulmaria) an. Die Volksmedizin setzte die Pflanze gegen rheumatische Beschwerden und Fieber ein. Die Blüten enthalten Salizylsäure. Deren synthetisch hergestellte Variante ist der Grundstoff von Aspirin. Zudem wurden in Skandinavien die Blüten zum Süßen und Aromatisieren des Mets verwendet.
Das Mutterkraut (Chrysanthemum/Tanacetum parthenium) hingegen leistete gute Dienste bei der Linderung von Menstruationsbeschwerden. Es wirkt krampflösend. Schwangere sollten Mutterkraut meiden, da es Wehen auslösen kann. Die hübsche und wüchsige Staude wächst 30 bis 60 cm hoch. Eine Vielzahl von gelb-weißen Blüten zeigt sich ab Juni. An zusagenden Standorten neigt das Mutterkraut durchaus zur Ausbreitung und sollte etwas in Schach gehalten werden.
Die Moschusmalve (Malva moschata) gedeiht auch in halbschattigen Lagen und vereinigt die Vorzüge der Zier-, Heil- und Nutzpflanzen. Frische Blätter helfen als Umschlag gegen Wespenstiche, junge Blätter lassen sich wie Spinat zubereiten und die langen Blütenrispen eignen sich als Schnittblumen. Das im Mittelalter als Waschkraut bekannte Seifenkraut (Saponaria officinalis) kann durch die in der Wurzel enthaltenen Saponine Wasser zum Schäumen bringen. Die seifig-reinigende Wirkung der Wurzel beschränkt sich nicht nur auf Stoffe. Sie wurde zudem zur Blutreinigung und bei Gicht, Gallen- sowie Hautleiden eingesetzt.
Die karminroten Blüten der Färber-Scharte (Serratula tinctoria) täuschen etwas über die frühere Verwendung der optisch an die Flockenblume erinnernden Pflanze hinweg. Aus ihrem Blattsaft stellte man einen gelben Farbstoff her. Heutzutage wird die Färber-Scharte eher als Wildstaude für den naturnahen Garten angeboten. Oft ist sie auch in Samenmischungen für Wildblumenwiesen enthalten, da die Blüten als sehr gute Bienenweide gelten. Die anspruchslose Staude wächst sonnig bis halbschattig auf feucht-frischen, lehmigen Böden.




