Sie werden bei Login in den Shop auch automatisch auf der Bauernblatt-Website eingeloggt und können sich dann zukünftig mit dem gleichen Passwort auf beiden Websites anmelden.
Wahrlich wohltuend waren die Worte von Tobias Goldschmidt (Grüne) auf dem Landesnaturschutztag in Neumünster. Der schleswig-holsteinische Umweltminister begrüßte explizit die anwesenden Bäuerinnen und Bauern und betonte die Notwendigkeit, dass Naturnutzer und Naturschützer zusammenarbeiten müssten, um die Herausforderungen durch den Klimawandel, die Energiewende und den Biodiversitätsschutz zu meistern. Als positives Beispiel nannte der Minister die Entwicklung des Aktionsplans Ostseeschutz 2030, der eine Zielvereinbarung mit der Landwirtschaft beinhaltet.
Dass der Appell Goldschmidts für kooperative Lösungen richtig platziert war, zeigten die Reaktionen einiger Naturschützer auf den Redebeitrag von Ludwig Hirschberg, Vizepräsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein. Dieser hob die vielen bereits existierenden Naturschutzaktivitäten im ländlichen Raum hervor, an denen oftmals die Landwirtschaft beteiligt sei. Hirschberg stellte klar, dass auch außerhalb behördlich festgelegter Kulissen Naturschutz stattfinde – mit wenig oder gar keiner Bürokratie.
Diese positive Botschaft passte anscheinend nicht zu den Krisenszenarien, die einige Vorredner gezeichnet und damit negative Stimmung verbreitet hatten. Eine Referentin bedauerte sogar, dass gewisse Naturschutz-Fördergelder nicht für den Kauf landwirtschaftlicher Flächen verwendet werden dürften. Kooperation, nein danke?! Hirschberg erntete letztlich deutlich vernehmbares Murren und skeptisches Getuschel in den Besucherreihen.
Dieses Verhalten gegenüber dem Bauernverbandsvertreter wirkt mit Blick auf die jahrelangen Dialogprozesse, viele kooperative Projekte und nicht zuletzt die Arbeit am Aktionsplan Ostseeschutz wie aus der Zeit gefallen. Offensichtlich fällt es vielen Naturschutzvertretern immer noch schwer, den Blickwinkel von Bäuerinnen und Bauern einzunehmen und somit Verständnis für landwirtschaftliche Belange aufzubringen. Umso wichtiger war der Kooperations-Appell von Minister Goldschmidt.
Wer pragmatisch denkt, dem ist doch klar: Nur durch Schutzgebietsausweisungen und Monitoring ist der Natur noch kein Stück geholfen. Außerdem sollte man nicht so tun, als entstünden außerhalb offizieller Kulissen Ödnis oder karge Landschaften. Es geht darum, integrierte Maßnahmen zu entwickeln, beispielsweise mithilfe von Vertragsnaturschutz. Mehrfachnutzungen wie Photovoltaik auf Moor sind ein wichtiges Werkzeug, sowohl für den Klimaschutz als auch für das Gelingen der Energiewende.
Ein positives Signal sendet in diesem Zusammenhang die Allianz für den Gewässerschutz in Schleswig-Holstein mit der Aufnahme von Naturschutzverbänden. Der Wille zur konstruktiven Mitarbeit ist also vorhanden. Gut so!
In den Zielen sind sich Landwirte und Naturschützer ohnehin größtenteils einig. Das betonte auch Ludwig Hirschberg in Neumünster. Es gilt nun, weiterhin im Gespräch zu bleiben und gemeinsam sinnvolle Maßnahmen zu erarbeiten. Dann werden irgendwann auch die Murrer verstummen.
Schmuddelig-kaltes Novemberwetter – wie schön ist es da, von draußen in die warme Stube zu kommen. Doch wie lassen sich solch angenehme Raumtemperaturen künftig energie- und ressourcensparend, klimagerecht und nachhaltig erzeugen? Und was kann man dabei aus traditioneller Baukultur lernen? Fragen, mit denen sich die neue Sonderausstellung „Wohltemperiert. Für klimagerechte Architektur!“ im Jahr100Haus des Freilichtmuseums Molfsee beschäftigt.
Die weltweite Klimaveränderung stellt die Architektur vor neue Herausforderungen. Dabei geht es nicht so sehr um hochtechnologische, energieeffiziente Haustechnik wie Wärmepumpen, Wärmerückgewinnung, Solar, Speichersysteme oder Lüftung. Vielmehr steht die Frage im Vordergrund, wie bereits beim Bauen und Wohnen durch Raumaufteilung, Bauformen und Materialauswahl angenehme Temperaturen in Räumen ermöglicht werden können.
Eine Antwort bietet die vernakuläre Architektur – also traditionelle Baukultur, wie sie in den 70 historischen Exponatgebäuden auf dem Gelände des Freilichtmuseums zu finden ist. Sie greift auf lokale Ressourcen zurück und bezieht regionale Wetter- und Klimaverhältnisse mit ein. Die Menschen organisierten seinerzeit ihr Leben in den Gebäuden entlang von Heiz- und Kühlvorrichtungen.
Schwippbogenherd im Bordesholmer Haus auf dem Gelände des Freilichtmuseums Molfsee Foto: Iris Jaeger
Der Herd oder auch andere Feuerstellen bildeten den heißen Kern, den Hotspot. Mit dem Herdfeuer wurde nicht nur gekocht, es diente auch zum Heizen anderer Räume, zum Trocknen von Kleidung oder Feldfrüchten. Beispielhaft ist das am Schwippbogenherd im Haus aus Großharrie im Freilichtmuseum zu sehen, der zugleich auch als Räucherofen diente, um Fleischwaren haltbar zu machen.
Aus der Historie bekannt ist auch der Bilegger, ein Zimmerofen, der von der Küche oder der Diele aus befeuert wurde und meist nur die gute Stube beheizte. Damals wurden meist nur die Räume geheizt, die genutzt wurden. Tiere, die mit im Gebäude gehalten wurden, dienten ebenfalls als Wärmequelle. Alkoven – kleine, mit Holzladen oder Vorhängen verschließbare Schlafkammern – hielten die Körperwärme des Schlafenden wie ein Kokon in dem kleinen Schlafraum. Wärmequellen jeglicher Art waren früher ein kostbares Gut.
Somit schlägt die neue Ausstellung eine Brücke zu den Gebäuden auf dem Gelände, „die nun durch eine neue Brille sichtbar werden. Sie zeigen, wie ohne technischen Aufwand bauliche Energieprinzipien möglich sind. Wir wollen dazu einladen, sie als Ideenfundus für klimagerechtes Bauen zu betrachten“, erklärte Museumsdirektorin Dr. Kerstin Poehls bei einem ersten Rundgang durch die Ausstellung. Diese habe eine Blickumkehr zum Ziel, „wir kombinieren die Geschichte des Bauens mit der Frage, wie wir in der Zukunft bauen und wohnen wollen“, so Poehls.
Fünf dieser Prinzipien, die in den historischen Gebäuden immer mit sozialem Alltag, mit Routinen und Ritualen verbunden sind, sind in der Ausstellung zu erleben:
Räumliche Verdichtung durch Stoffbahnen und ein gemauerter Hotspot Foto: Iris Jaeger
Räumliche Verdichtung: Mit Stoffbahnen abgehängte Decken verringern im Winter das zu beheizende Raumvolumen, im Sommer zieht man die Bahnen wieder auf und bringt den Raum auf seine ursprüngliche Größe. So lässt sich das Wohnumfeld effizient an die jeweiligen Temperaturbedingungen anpassen.
Raum im Raum: Der wärmste, innerste Raum mit Ofen oder anderen Wärmequellen wird zum Zentrum des Hauses, ein Temperaturgefälle zu den äußeren Bereichen des Hauses entsteht. Durch die Anordnung kleinerer Räume innerhalb größerer wäre eine wärmetechnische Differenzierung möglich und schaffte die Voraussetzung für dynamische, auf die Jahreszeiten abgestimmte Wohnpraktiken.
Raum im Raum Foto: Iris Jaeger
Kokon: Der menschliche Körper als Wärmequelle – künftig ließe sich das zur Erwärmung kleiner Schlafräume nutzen, ähnlich wie bei den historischen Alkoven. „Eine Architektur, die sich dieses Potenzial zunutze macht, würde zu radikal anderen, nicht standardisierten Räumen mit hybridem Heizsystem führen“, lautet es in der Ausstellungsbeschreibung.
Hotspot/heißes Zentrum: Öfen, Herde und Feuerstellen waren auch Orte, an denen das soziale Leben stattfand. Dort wurde gegessen, gearbeitet, ausgeruht, sich unterhalten oder auch geschlafen. Eine häusliche Wärmequelle könnte also mehr sein als nur eine Technik. Sie könnte künftig, so die Idee, als zentrales räumliches Element dienen, das soziale Interaktionen sowie räumliche Beziehungen fördert.
Übergangszonen: Die Fassade dient bislang als lineare Barriere, Innenraum und Außenbereich sind voneinander getrennt. Die Idee: Die feste Raumtrennung könnte um eine Übergangszone erweitert werden, die als Temperaturregler fungiert, den Innenraum im Winter erwärmt und im Sommer abkühlt. Gleichzeitig würde die Fassade zu einem zusätzlichen saisonalen Raum, der je nach Jahreszeit unterschiedliche Nutzungen ermöglicht.
Beispiele für traditionelle Baukultur aus ganz Europa am Spalier, das die Übergangszone darstellen soll. Foto: Iris Jaeger
Neben modernen Baustoffen erfahren Materialien wie Lehm, Seegras, Stroh oder Reet eine Renaissance und spielen zunehmend fürs künftige nachhaltige Bauen wieder eine Rolle. In der Ausstellung wird die Übergangszone durch Holzspaliere abstrahiert dargestellt, die zugleich mit Bildern behängt sind, die einen weiteren Ausstellungsschwerpunkt zeigen.
Dargestellt sind 50 Beispiele traditioneller Baukultur aus ganz Europa, die von zahlreichen Architektinnen und Architekten unter der Federführung des slowenischen Architekturmuseums (MAO) in Ljubljana zusammengestellt wurden. Sie reichen von Südspanien nach Nordnorwegen, von Westirland bis zum östlichen Polen. Gezeigt wurde diese Zusammenstellung von Fotos und Texten 2023 im Slowenischen Pavillon der Architektur-Biennale in Venedig.
Ergänzt wird die neue Sonderausstellung durch eine Entdeckungstour für kleine und große Besucher durch historische Häuser auf dem Gelände des Freilichtmuseums sowie durch ein umfangreiches Rahmenprogramm, für das der Bund Deutscher Architekten (BDA) Schleswig-Holstein einen ArchitekturClub gegründet hat. Bauministerin Dr. Sabine Sütterlin-Waack (CDU) zeigte sich begeistert von der neuen Ausstellung: „Sie regt dazu an, über einen Wandel im Bausektor nachzudenken und sich auf das Potenzial historischer Baukultur zu besinnen.“
Kuratiert und geleitet wird die Ausstellung von Dr. Babette Tewes.
Weitere Informationen unter freilichtmuseum-sh.de
Thorsten Sadowsky, Kerstin Poehls und Sabine Sütterlin-Waack mit Maja Vardjan, Direktorin des slowenischen Architekturmuseums MAO und Jure Grohar, slowenischer Architekt (v. li.) Foto: Iris Jaeger
Sich mit der eigenen Sterblichkeit auseinanderzusetzen, fällt vielen schwer. Dabei gehört der Tod zum Leben dazu und kann auch etwas Erschaffendes haben – sowohl kulturell als auch wirtschaftlich. Den Tod und den Umgang mit ihm in allen seinen Facetten zu beleuchten, ist Thema der Ausstellung „Bestattungskulturen in Lübeck und der Welt. Vom Ruheort zum Coffin Dance“ im Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk in Lübeck.
Die Ausstellung der Sammlung Kulturen der Welt gibt einerseits Einblicke in alte Traditionen und neue Trends der deutschen Bestattungsindustrie. Zugleich veranschaulichen rund 70 archäologische, historische und moderne Exponate aus 25 Ländern alternativespirituelle und humorvolle Umgangsformen mit dem Tod in Asien, Afrika, Lateinamerika und der Südsee. Zu sehen ist auch exklusives Bildmaterial der christlichen, islamischen und jüdischen Friedhöfe Lübecks.
„Uns geht es darum, die kulturelle Vielfalt rund um den Tod darzustellen, die verschiedenen Rituale in den Regionen der Welt und immer wieder auch einen Vergleich zu unserer deutschen und europäischen Sterbe- und Bestattungskultur zu ziehen. Wo gibt es Gemeinsamkeiten und Unterschiede?“, erklärt Stella Barsch, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Sammlung Kulturen der Welt (vormals Völkerkunde). Sie führt an diesem Sonntag durch die Ausstellung. Diese ist in drei Themenräume gegliedert.
Bestattungskulturen in Lübeck und der Welt, Industriemuseum Herrenwyk Lübeck, Tod enttabuisieren, Ruheort, Coffindance Foto: Iris Jaeger
Im ersten Raum geht es um den Tod als Übergang in eine vermeintlich andere Welt. Was erwartet uns im Jenseits? Nicht immer wird das Ableben als ein absolutes Ende verstanden, sondern als ein weiterer Schritt in einem ewig währenden Kreislauf von Tod und Wiedergeburt beziehungsweise als Neubeginn eines Daseins als verehrter Ahne.
In einigen Kulturen sind es Tiere, die einen ins Jenseits begleiten wie beispielsweise die Totenvögel auf Madagaskar, Figuren, die als Schutzpatron mit auf den Weg gegeben werden. In anderen werden die Seelen mit einem Boot oder einem Totenschiff ins Jenseits gebracht. Die Vorstellung von Himmel und Hölle sowie dem Jüngsten Gericht ist Teil der christlichen Kultur, während es in der altägyptischen Zeit die Vorstellung gab, dass die Seelen der Verstorbenen im Jenseits gewogen würden. Zu sehen sind Kreuze aus dem Alpenraum, die Sterbenden in die Hand gegeben werden, oder eine Statue des liegenden Buddha, die den Eintritt ins Jenseits symbolisiert.
Grabstele mit zwei Totenvögeln aus Madagaskar Foto: Iris Jaeger
Der zweite Raum widmet sich den Ritualen, die die Menschen im Laufe der Zeit entwickelt haben, um ihre Verluste zu verarbeiten: Objekte, mit denen man Kontakt zur Totenwelt aufnehmen oder einen Blick ins Jenseits werfen kann. Zu den Ritualen gehören auch die verschiedenen Formen der Trauerfeiern. Bunt, laut und fröhlich geht es in Mexiko beim Totenfest „Día de los muertos“ zu, das den Tod, aber auch das Leben feiert. Das Gegenteil dazu bilden hiesige Beerdigungen und Trauerfeiern. In einem Video ist der Coffin Dance zu sehen – Sargträger in Ghana betten ihre Tätigkeit in mitreißende tänzerischen Choreografien ein.
Unterschiede gibt es auch in der Trauerbekleidung. Hier im westlichen Europa ist meist Schwarz die Trauerfarbe, im chinesischen Glauben ist es Weiß, in einigen afrikanischen Kulturen sind es bunte Farben oder Brauntöne. Tote zu betrauern und zu feiern erzeugt den Wunsch, Orte der Trauer und Erinnung zu schaffen. Die ägyptischen Pyramiden, der indische Taj Mahal oder auch die im norddeutschen Raum bekannten Stein- und Hügelgräber zeugen vom Verlangen, Bleibendes zu schaffen.
Doch gab und gibt es Gründe für das Nichtbestatten. So gab es im Christentum lange die Tradition, die Gebeine von Heiligen für die Reliquienverehrung zur Schau zu stellen oder, wie beispielsweise in Österreich, Italien oder Tschechien, Knochen in Gebeinhäusern zu präsentieren. Im tibetischen Buddhismus ist es bis heute Tradition, aus Gebeinen Ritualobjekte wie Knochentrompeten oder Schädelschalen zu fertigen. In Deutschland besteht Bestattungspflicht, aber es ist möglich, Teile der Asche in Glaskugeln oder in Schmuck einarbeiten zu lassen.
In Schmuck verwahrte Asche Foto: Iris Jaeger
Extra für die Ausstellung wurde in Ghana ein Sarg in Form eines Mercedes-Benz gefertigt. Dort werden entsprechend den Berufen der Verstorbenen figürliche Särge gebaut. Fischsärge für Fischer, Flugzeuge für Piloten et cetera. Die Mercedes-Benz-Särge werden häufig für erfolgreiche, wohlhabende Marktfrauen angefertigt, die „Mama Benz“ genannt werden. Denn der Benz ist ein Statussymbol für Erfolg. Statt in einem Sarg bestatten einige Aborigine-Stämme in Australien ihre Toten in von Termiten ausgehöhlten Baumstämmen.
Ähnlich ist der neue Trend der Reerdigung, bei der nach dem Tod der Körper in einem sargähnlichen Behältnis auf Schnittgut (Stroh, Heu und Blumen) gebettet wird und dort vierzig Tage verbleibt. Natürlich vorkommende Mikroorganismen bauen das organische Material ab und verwandeln den Körper in fruchtbare Humuserde. Diese wird auf einem Friedhof in der bodenaktiven Schicht eingebracht, wo sie ihre Nährstoffe an die Pflanzen weiterreichen kann.
Dieser und weitere Trends zeigen, dass sich überall auf der Welt ein Wandel in der Bestattungskultur bemerkbar macht. Mit diesem Wandel und den Folgen zum Beispiel für Friedhöfe beschäftigt sich Raum drei der Ausstellung. Der Rückgang von Erdbestattungen hat deutschlandweit ein Friedhofsterben zur Folge, während See- und Waldbestattungen zunehmen. Auch Kolumbarien (Grabstätten/Mauern/Bauwerke mit Urnenkammern) werden immer beliebter, um Hinterbliebenen keine Arbeit mit der Grabpflege zu machen. Beleuchtet wird auch der Wirtschaftsfaktor der Bestattungsindustrie. Erstmals werden außerdem speziell die Geschichte und Entwicklung der Lübecker Friedhöfe in den Blick genommen, wofür Fotomaterial durch eigens für die Ausstellung in Auftrag gegebene Drohnenflüge ausgewertet wurde. Highlight des Raums ist ein Sarg, in dem man „Probe liegen“ kann.
Jüdischer Friedhof Moisling Foto: SKW/M. Haydn
Kurator und Ethnologe Dr. Lars Frühsorge möchte mit der Ausstellung das Thema Tod enttabuisieren und den Blick vergleichend auf andere Kulturen lenken. Seit 15 Jahren forscht er zu dem Thema und hat auf seinen Reisen Friedhöfe und Bestattungstraditionen in rund 80 Ländern kennengelernt. „Bei einer der ersten Forschungsreisen in einem Bergdorf in Guatemala habe ich mit meiner Gastfamilie eine Beerdigung besucht, die ganz anders war als alles, was ich bisher kannte. Das war erhellend“, erzählt er auf die Frage, was ihn an dem Thema so fasziniert. Auch sei er durch seine Frau zu dem Thema gekommen, die als Krankenschwester täglich mit dem Tod zu tun habe und dadurch eine andere, praktische Sicht auf das Thema als er mit seinem Blick als Kulturwissenschaftler.
Weitere Informationen unter skw.die-luebecker-museen.de und die-luebecker-museen.de/bestattungskulturen
Kurator und Ethnologe Dr. Lars Frühsorge im Kurzinterview
Wie kam es zu der Idee mit der Ausstellung?
Als Forscher bin ich seit zirka 15 Jahren an dem Thema interessiert, habe auf Reisen und bei meinen Forschungen Friedhöfe und Bestattungstraditionen in rund 80 Ländern kennengelernt. So gab es neben den Exponaten der Sammlung Kulturen der Welt auch viel eigenes Material für die Ausstellung.
Die Sammlung Kulturen der Welt hat ja keine eigene Ausstellungsfläche und sucht daher immer Partner für Ausstellungsprojekte. Das Industriemuseum Herrenwyk ist sehr gut für das Thema geeignet, weil wir in der Ausstellung eben nicht nur einen Blick in die weite Welt werfen, sondern auch auf neue Trends in unserer eigenen Bestattungsindustrie.
Sie forschen seit 15 Jahren zu dem Thema, was genau fasziniert Sie daran?
Bei einer meiner ersten Forschungsreisen in einem Bergdorf in Guatemala habe ich mit meiner Gastfamilie eine Beerdigung besucht, die ganz anders war als alles, was ich bisher kannte. Das wahr sehr erhellend. Zu dem Thema bin ich auch durch meine Frau bekommen, für die als Krankenschwester der Tod ein ganz alltäglicher Teil der Arbeitswelt ist. Sie sieht das Thema sehr praktisch, ich mit dem Blick eines Kulturwissenschaftlers. Das kann ein sehr spannender Austausch sein. Denn auch in deutschen Krankenhäusern sterben heute nicht nur Menschen christlichen Glaubens, sondern auch Muslime, Buddhist:innen, Hindus …
Daneben sind es aber auch spannende Begegnungen mit dem Tod, die ich auf meinen Reisen gemacht habe. Das sind universelle Fragen der Menschheit, auf die jede Kultur eigene Antworten gefunden hat. Und der Blick in andere Weltgegenden ist manchmal auch wie ein Blick in unsere eigene Vergangenheit, denn auch hier in Norddeutschland war vor 100 Jahren der Tod noch viel mehr Teil des Alltags. Es wurde zu Hause gestorben und aufgebahrt, der Tod war noch nicht in Krankenhäuser und Pflegeheime verbannt.
Was zeichnet unsere (deutsche, europäische) Bestattungskultur aus und was können wir von anderen Ländern/Regionen/Kulturen lernen?
Ich glaube jeder Mensch muss einen persönlichen Umgang mit seiner Sterblichkeit finden. Der Blick in andere Kulturen zeigt, dass es da sehr unterschiedliche Sichtweisen, Traditionen, Mechanismen der Verarbeitung gibt. Häufig auch einen weniger tabuisierten Umgang mit dem Tod als in Deutschland – nicht bloße Trauer, sondern das Leben des Verstorbenen zu feiern, gerne auch mit einer Prise Humor, das kann uns inspirieren. Und es gibt viele Menschen und Institutionen (Hospiz, Medizin, Bestatter, Kirchen …), die sich wünschen, dass der Tod in unserer Gesellschaft weniger verdrängt wird, dass wir uns zu Lebzeiten mit diesem Thema auseinandersetzen, verschiedene Möglichkeiten erfahren. So kam es auch zu der Ausstellung.
Wie möchten Sie nach Ihrem Tod bestattet werden?
Auch wenn ich als Historiker Grabsteine sehr schätze und all die Geschichten, die sie erzählen, denke ich nicht, dass für mich nach meinem Tod so ein Aufwand betrieben werden soll. Ich finde die Idee der Bestattungswälder sehr schön, weil dort auch mein Vater liegt. Den Verstorbenen zu besuchen, ist dann kein trauriger Gang auf den Friedhof, sondern auch ein schönes Naturerlebnis. Oder eine Seebestattung, ich stelle mir vor, dass sich dann die Asche über alle Weltmeere verteilt. Wer dann an mich denken will, kann es an jedem Strand der Welt tun. Allerdings weiß ich auch durch meine Arbeit, dass Trauer einen Ort braucht und dass vielen Hinterbliebenen bei solchen Bestattungsformen dann doch der ganz persönliche Ort für ihre Trauerarbeit fehlt. Interview: Iris Jaeger
Amulette zum Schutz der Kinder vor dem Tod, Kindermütze mit Amulett, jüdische Amulett-Tafel für das Kindbett, Devotionalentafel aus Südtirol Foto: Iris JaegerGipsfiguren für das Totenfest „Dia de los muertos“ in Mexiko Foto: Iris JaegerDruckmodell für die Herstellung von tsha tsha (kleine Tonskulpturen), Tibet Foto: Iris JaegerDie Ausstellungsbesucher haben die Möglichkeit, in einem Sarg zur Probe zu liegen. Foto: Iris JaegerGeomantischer Kompass aus China Foto: Iris JaegerUrne für eine Seebstattung mit einem Auszug aus einer Seekarte der Lübecker Bucht Foto: Iris JaegerGrab-Erinnerungsfigur, Demokratische Republik Kongo Foto: Iris Jaeger
Mit positiven Beispielen einem wachsenden Unwissen begegnen – darauf zielen künftig Infotafeln an vorbildlich auf den Stock gesetzten Knicks in Schleswig-Holstein ab. Die erste Infotafel des Projekts „Knickpflege in Schleswig-Holstein – Wissen vermitteln, Traditionen erhalten“ des Schleswig-Holsteinischen Heimatbunds (SHHB) in Kooperation mit dem Landesverband der Lohnunternehmer und der Landwirtschaftskammer steht seit Montag am Knick von Landwirt Kai Helms in Krummbek im Kreis Plön.
Die Notwendigkeit, Knicks für den Erhalt ihrer Biodiversitätsleistung und als Erosionsschutz alle zehn bis 15 Jahre auf den Stock zu setzen, ist offenbar immer weniger Bürgern geläufig. Empörte Anrufe und Beschwerden über den vermeintlichen Umweltfrevel nähmen bei Ämtern, Naturschutzbehörden oder der Landwirtschaftskammer zu, erklären die Initiatoren des Projekts. Neben den Beschwerden gegenüber den Verwaltungen sind es vor Ort die Lohnunternehmer oder Landwirte, die immer öfter Kritik und Unverständnis bis hin zu verbalen Angriffen ernten, sobald sie mit Knickschere und Motorsäge die Gehölze kappen, um diese zu verjüngen.
Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer und der Unteren Naturschutzbehörden seien im Winter mittlerweile beinah ausschließlich damit beschäftigt, Beschwerden über das Auf-den-Stock-Setzen von Knicks entgegenzunehmen, berichtet Dr. Juliane Rumpf als Vorsitzende der Akademie für die Ländlichen Räume. „Dass die Maßnahmen rechtens und ökologisch notwendig sind, darüber müssen wir die Menschen aufklären“, hebt die Landesnaturschutzbeauftragte hervor. Vor dem Hintergrund drohender Beschwerden kündigten viele Landwirte ihre Arbeiten am Knick inzwischen bereits im Vorwege bei der Unteren Naturschutzbehörde an, berichtet Rumpf.
Nachdem der Bagger die Knickhölzer abgekniffen hat, werden diese mit der Motorsäge schräg nachgeschnitten, um das Eindringen von Wasser und Pilzen zu verhindern. Foto: jh
„Die Knicks müssen wir mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücken“, macht auch SHHB-Vizepräsident Prof. Holger Gerth deutlich. Aufgestellt werden sollen die bewusst nicht überfrachteten Schilder allerdings nur dort, wo auch ordnungsgemäß geknickt und die Gehölze nachgesägt wurden. Neben ihrer Funktion für die Biodiversität unterstreicht der ehemalige Landesnaturschutzbeauftragte zudem ihre identitätsstiftende Funktion. „Knick ist Heimat“, so Gerth. Die Knickpflege ist seit 2023 als Immaterielles Kulturerbe der Unesco anerkannt.
In einer ersten Auflage sind nun 50 Schilder beschafft worden. Diese sollen landesweit – nach vorheriger Inaugenscheinnahme der Arbeiten – aufgestellt werden, wie Knickbotschafter Heiner Staggen erklärt. „Die Tafel soll auch eine Art Auszeichnung für eine ordentliche Knickpflege sein“, betont der Landwirt. Dazu zähle neben dem Nachschneiden mit der Motorsäge etwa auch das vorherige Markieren von Überhältern. Nach einem Jahr könne das Schild dann, wiederum nach vorheriger Ansicht der Arbeiten, weiterwandern. Für Staggen dienen die Schilder mehreren Zwecken: „Wir versprechen uns ein größeres Bewusstsein in der Bevölkerung, wollen aber auch Landwirte sensibilisieren, bei denen in Sachen Knickpflege noch Luft nach oben ist.“ Derzeit gebe es rund 54.445 km Knicks im Land, erklärt Knickbotschafter Staggen – Tendenz steigend.
Auf die Notwendigkeit des Knickens weisen fortan Infotafeln hin, ein QR-Code stellt weitere Informationen bereit. Foto: jh
Dass Maschinenführer teilweise beschimpft und beleidigt würden, bestätigt auch Niels Schäfer, Geschäftsführer des Landesverbandes der Lohnunternehmer. Er betont: „Uns aus der Branche sind die Maßnahmen zur Knickpflege klar, aber viele sind von Natur und Landwirtschaft inzwischen weit weg. Wir wollen zeigen, dass wir mit dem Knicken etwas Gutes tun.“ Ein zunehmendes Unverständnis bestätigt auch Gerd Kämmer, Naturschutzbeauftragter des Kreises Schleswig-Flensburg und Mitglied im Landesnaturschutzbeirat: „Es gibt zunehmend Kritik über die Maßnahmen zur Knickpflege.“ Kämmer berichtet etwa von einer Baggerfahrerin, die bei der Arbeit mit der Knickschere schon mehrfach von Spaziergängern beschimpft worden sei. Auch die Beschwerden per Telefon, etwa unter Verweis auf den Klimawandel, nähmen zu. „Die Maßnahmen muss man immer wieder erklären“, sagt der Landwirt. Es gebe leider auch genügend schlechte Beispiele, bei denen Gehölze nicht nachgeschnitten oder zu tief abgekniffen würden und eingerissen seien. „Wir müssen die positiven Beispiele nach vorn stellen und auszeichnen“, sagt der Biologe. Kämmer appelliert, Landwirte, Lohnunternehmer und Ausführende für bessere Ergebnisse mehr mitzunehmen – auch damit die Knicks wieder vernünftig auswachsen könnten und ihr Holz etwa als Regenerative Energie zur Verfügung stehe.
Landwirte, Lohnunternehmer und Knickbesitzer mit Interesse an dem Projekt sind aufgerufen, sich für eine Teilnahme beim SHHB zu melden. Mehr unter heimatbund.de
Zur jährlich stattfindenden Bundesmitgliedersammlung reisten die Schleswig-Holsteiner Vorstandsmitglieder Lena Sophie Hagge, Tajo Lass und Mirco Engelbrecht in die Hauptstadt.
Am Freitagabend in Berlin angekommen, traf sich die kleine Reisegruppe mit der befreundeten Abordnung aus Niedersachsen. Bei einem Abendessen mit allen anwesenden Landesverbänden konnte man sich in geselliger Runde über die neuesten Entwicklungen austauschen. Im Anschluss erkundeten einige Landjugendliche noch gemeinsam das abendliche Berlin.
Am Sonnabendmorgen startete im Haus der Ernährung und Landwirtschaft in den Räumlichkeiten des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) der arbeitsintensivere Teil der Versammlung. Nach dem Frühstück wurden alle Anwesenden für die Ehrenamtsklausur in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe bestand aus den stellvertretenden Vorsitzenden und eine aus den ersten Vorsitzenden.
Lena Sophie Hagge, Mirco Engelbrecht und Tajo Lass (v. li.) als Delegierte auf der Bumi Foto: Lena Sophie Hagge
Das Thema der ersten Gruppe war die Aktion Friedensbrot. Vor 35 Jahren fiel die Berliner Mauer, und wo früher Grenzsoldaten patrouillierten, wächst heute mitten in Berlin an der Bernauer Straße Roggen für das sogenannte Friedensbrot. Die Initiative setzt sich für Friedenssicherung und nachhaltige Landwirtschaft ein. Entlang der ehemaligen Mauer waren Bilder aufgestellt, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Die Gruppe durfte zunächst einem Vortrag lauschen, ehe man sich zu einem geführten Rundgang an der geschichtsträchtigen Berliner Mauer aufmachte.
Die zweite Gruppe beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit rechtlichen Fragen in der Verbandsarbeit und nahm hierfür an einem interaktiv gestalteten Vortrag des Rechtsanwalts Michael Röcken teil. Die Vertreter der Landesverbände studierten ihre eigene Satzung und verbanden die theoretischen Satzungsinhalte mit Beispielen aus der täglichen Arbeit. Angesichts der anstehenden Landesversammlung waren hier vor allem Inhalte zum Ablauf von Wahlen von großem Interesse, aber auch unangenehmere Themen wie die Haftung von Vorstandsmitgliedern wurden behandelt. Mithilfe von Beispielformulierungen aus den Satzungen konnten Lena und Mirco ihr Wissen erweitern und einen Eindruck bekommen, welche Satzungsinhalte etwa obligatorisch sind und an welchen Stellen möglicherweise die eigene Satzung angepasst werden könnte.
Das weitere Programm wurde mit einem gemeinsamen Essen in einem Restaurant eingeleitet und dann mit einem spaßigen Bowlingabend abgeschlossen, bei dem die Landjugendlichen mit zehn Bahnen schon fast die gesamte Bowlinghalle einnahmen.
Wer nach diesem intensiven und abwechslungsreichen Tag noch Energie aufbringen konnte, schloss sich der Gruppe der Nachtschwärmer an, die sich die imposante Lichtershow am Brandenburger Tor ansehen wollten. Unglücklicherweise verpasste man die Show um wenige Minuten, sodass sich die leicht enttäuschte Gruppe mit den anlässlich des Jubiläums aufgestellten Informationstafeln entlang des ehemaligen Mauerverlaufes sowie mit den unzähligen Graffitis unterschiedlicher Künstler an den Mauerteilen begnügen musste – zumindest eine kleine Entschädigung, ehe auch die letzten Landjugendlichen müde in ihre Betten fielen.
Am Sonntagmorgen brach man nach dem Frühstück zum eigentlichen Haupt- und Wahltag der Bundesmitgliederversammlung auf. Im Anschluss an die obligatorischen Themen zur Organisation folgten ein Bericht aus den Arbeitskreisen sowie ein ausführlicher Rückblick zum Projekt „Hand in Hand“, im Zuge dessen jeder Verband seine Projekte vorstellen konnte. Highlight des Landjugendverbandes Schleswig-Holstein war die gemeinsam mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) durchgeführte Typisierungsaktion, über die Tajo Lass im Plenum berichtete.
Kunstausstellung am Brandenburger Tor anlässlich 35 Jahren Mauerfall Foto: Lena Sophie Hagge
Darüber hinaus reflektierte er noch einmal die Planung, Organisation und Durchführung des diesjährigen Deutschen Landjugendtages (DLT). Die Vergabe für 2026 erfolgte im Nachgang ebenfalls, der Landjugendverband Niedersachsen wird diesen DLT durchführen. Das Theater übernimmt jedoch die Rheinische Landjugend – ein Novum, das die Verbände bei der Planung des DLT entlasten soll.
Weitere Themen, die im Plenum besprochen wurden, waren die Vergabe der Erntekronen, die Durchführung der Bildungswoche, die Programmgestaltung der anstehenden Grünen Woche sowie das große Projekt der Erstellung eines umfassenden Schutzkonzeptes gegen sexualisierte Gewalt. Hierfür wird eine Arbeitsgruppe gebildet, um das Thema weiter zu vertiefen.
Zuletzt wurde die Wahl des neuen stellvertretenden Bundesvorsitzenden durchgeführt. Die Wahl fiel auf Leon Ranscht, der in der Meldung auf der nächsten Seite vorgestellt wird.
Beim Klimaschutz in der Landwirtschaft sollte auf finanzielle Anreize gesetzt werden. Das sagte der Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), Hubertus Paetow. Es bedürfe marktwirtschaftlicher Instrumente, die Emissionsvermeidung für Betriebe finanziell attraktiv machten, erklärte er bei einer Veranstaltung der Reihe „Lass uns reden“ in Berlin. Die Annahme, dass Emissionen aus „altruistischen Motiven trotz Einkommenseinbußen“ gesenkt würden, hält Paetow für unrealistisch.
Den Haupthebel für den Klimaschutz im Agrarsektor sieht Hubertus Paetow in der Wiedervernässung von Mooren. Das Potenzial, beispielsweise Emissionen in der Tierhaltung durch Futterzusätze zu mindern, schätzt er dagegen als gering ein. Paetow plädiert zudem dafür, in dieser Frage ehrlich zu sein. Den auf Mooren wirtschaftenden Betrieben müssten klare Perspektiven aufgezeigt werden, wie sie bis 2040 auf diese Flächen verzichten könnten.
Paetow machte deutlich, dass auch hierbei die Wirtschaftlichkeit eine entscheidende Rolle spiele. Eine Chance sieht der DLG-Präsident im Handel mit CO2-Zertifikaten. „Ein entwässerter Moorstandort emittiert jährlich zwischen 20 und 30 Tonnen CO2 je Hektar. Bei moderaten CO2-Preisen von 150 bis 200 Euro pro Tonne könnte hiermit ein deutlich höheres Einkommen erzielt werden als mit Fleischrindern“, rechnete Paetow vor.
Auch Norbert Lins, stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses im EU-Parlament, bekräftigte seine Unterstützung für Anreizsysteme. Er lehnt jedoch eine Reduktion der Emissionen in der Landwirtschaft durch CO2-Preise ab, wie sie etwa Dänemark kürzlich eingeführt hat. Der EVP-Politiker betonte, dass die EU zudem im globalen Vergleich bei der Emissionsreduktion im Agrarbereich bereits weitgehend vorangehe.
Mit Blick auf den Moorschutz unterstrich Lins, dass Senkenleistungen honoriert werden sollten. Gleichzeitig gebe es jedoch auch Grenzen der Wiedervernässung von Moorflächen. So sei es seiner Einschätzung nach unrealistisch, in Deutschland innerhalb kurzer Zeit anderthalb Millionen Hektar wiederzuvernässen, wie manche forderten. Auch müsse die lokale Lebensmittelproduktion berücksichtigt werden. In seinem Heimatland Baden-Württemberg liege der Selbstversorgungsgrad für Milch beispielsweise nur bei etwa 55 %. Eine abrupte Wiedervernässung dieser Flächen würde den Selbstversorgungsgrad weiter senken, warnte er.
In Schleswig-Holstein hat die Grünkohlernte begonnen. Grünkohl ist hier gegenüber anderen Bundesländern wie Niedersachsen immer noch eine Nischenkultur, aber ein Gemüse mit Kultstatus.
Grünkohl gehört für die meisten Gaststätten traditionell auf die Speisekarte von Oktober bis in den Januar hinein. Im Jahr 2023 wies das Statistikamt Nord 76 Betriebe mit einer Fläche von 49,3 ha und mit einem Ertrag von 76,9 dt/ha aus. Zahlen für dieses Jahr werden erst 2025 vorliegen.
Nach Angaben der Landwirtschaftskammer waren die Anwachsbedingungen durch starke Niederschläge im Mai für den Grünkohl erschwert. Ansonsten wird von guten Wachstumsbedingungen berichtet. Es werden durchschnittliche Qualitäten und Erträge erwartet. In Schleswig-Holstein wird Grünkohl überwiegend direkt vermarktet.
Mit sinkenden Temperaturen wächst die Lust auf das typische Wintergemüse. Hochsaison hat der Grünkohl im November/Dezember. Die Ernte der Frischware dauert bis in den Dezember hinein. In der Winterzeit wird er zunehmend angeboten. Die Preise für Frischware Grünkohl liegen bei 3 bis 4 €/kg in der Direktvermarktung, das ist ein ähnliches Niveau wie im Vorjahr. Im LEH kostet der 500-g-Beutel Grünkohl 2,45 €.
Grünkohl hat jetzt Saison. Foto: Daniela Rixen
Woran lässt sich frischer Grünkohl erkennen?
Frischer Grünkohl aus Schleswig-Holstein wird vorwiegend über Hofläden und Wochenmärkte vermarktet. Die Frische lässt sich daran erkennen, dass er knackige Blätter aufweist mit frischgrüner/violetter Farbe. Er hält sich ein paar Tage im Gemüsefach im Kühlschrank. Neue Sorten benötigen mittlerweile keinen Frost mehr vor der Ernte.
Weitere Kohlarten mit mehr Anbaufläche
Kopfkohl, darunter Weißkohl, Rotkohl, Wirsing, sowie Blumenkohl und Rosenkohl (2023 waren es 3.164 ha) hatten in diesem Jahr ebenfalls mit Niederschlägen im Mai und dadurch Verschlämmungen zu kämpfen, was für eine zögernde Startphase der Bestände sorgte. Die mildere Witterung in der übrigen Saison konnte dies nur teilweise kompensieren. Das etwas geringere Angebot sorgte für stabile Erzeugerpreise in der Saison, besonders für Frühkohl.
Kohlarten sind gesund und in der kalten Jahreszeit ein echter Fitmacher. In vielen Hofläden sind sie jetzt zu haben. Die Preise für Verbraucher sind in diesem Jahr angebotsbedingt etwas gestiegen. Laut AMI wird Weißkohl im Discounter gerade ab 0,79 €/ kg angeboten. Im Export hat sich die Nachfrage laut AMI weiter beruhigt, da auch in den Lieferländern nun ausreichende Mengen ab Feld zur Verfügung stehen.
Viel Stoff zum Nachdenken haben jetzt die 158 Ortsvereine (OV) und zwölf Kreisverbände im LandFrauenverband Schleswig-Holstein. Dafür sorgte die Arbeitstagung des Landesverbandes in Neumünster: 125 LandFrauen, darunter vor allem OV-Vorsitzende, diskutierten in der Stadthalle über Zukunftsperspektiven ihres Engagements – inklusive Möglichkeiten der Gewinnung weiterer Mitglieder.
Wie in vielen anderen Vereinen und Verbänden gehen auch im LandFrauenverband die Mitgliederzahlen zurück. Vor zehn Jahren zählte er 33.591 Akteurinnen, 2023 organisierten sich zwischen Nord- und Ostsee noch 26.717 LandFrauen. Mit ein Grund für den Rückgang ist der demografische Wandel – die bekannte Alterspyramidengrafik mit einem breiten Junge-Leute-Unterbau hat ausgedient. „Grafisch bewegen wir uns von der Tanne zum Döner. Bei den jüngeren Jahrgängen haben wir eine Lücke, dafür haben wir ein unglaubliches Potenzial bei den LandFauen um die 60“, erklärte Julia Ilper in ihrem Vortrag.
Die Referentin der Andreas-Hermes-Akademie fasste in ihrer Ausarbeitung die Zukunftskonferenz des LandFrauenVerbandes im Oktober zusammen. Dort entwickelten rund 80 LandFrauen erste Visionen rund um die Weiterentwicklung der Vereine und Strukturen – auch abseits des Gewohnten. Was wünschen sich die Akteurinnen für ihre LandFrauenzukunft, was ist gut und kann bleiben, und wovon können sie sich verabschieden? Diese und weitere Fragen rückte Julia Ilper, die zusammen mit einer Akademie-Kollegin die Zukunftskonferenz moderiert hatte, auch in der Arbeitstagung der vergangenen Woche in den Blickpunkt.
LandFrauen-Präsidentin Claudia Jürgensen
Dafür stellte die Mutter von vier Kindern, die selbst als LandFrau im niedersächsischen Eldingen aktiv ist, auch die herausfordernde Situation in Politik und Alltag dar. VW- und Regierungskrise plus die Trump-Wahl in den USA prasseln ebenso auf die LandFrauen ein wie die fortschreitende Digitalisierung inklusive Künstlicher Intelligenz. In dieser komplexen Welt mit ihrer Mehrdeutigkeit helfe das Engagement als LandFrau, ist Julia Ilper überzeugt: „Das Ehrenamt führt nachweislich zu einem besseren Leben, und das müssen wir teilen.“
Eine ihrer Handlungsempfehlungen ist, ins Tun zu kommen – und Spaß am Denken und Ideensammeln zu haben. „Denkt wild, Ideen rausschmeißen könnt ihr immer noch“, rief Julia Ilper den Tagungsteilnehmerinnen zu. Als Sinnbild griff sie zu einem Kürbis, der voller Samen steckt: „Wenn ihr den Kürbis auf den Kompost schmeißt, wird wenigstens einer der vielen Kerne aufgehen.“ Ins Tun kamen die LandFrauen dann in Kleingruppen in wechselnder Besetzung. Sie tauschten sich zu unterschiedlichen Themen aus, Moderatorinnen aus der Geschäftsstelle notierten die wichtigsten Ergebnisse.
Hauptreferentin Julia Ilper
Die Teilnehmerinnen steuerten jede Menge Überlegungen und eigene Erfahrungen für eine zukünftige LandFrauenarbeit bei. Gaby Kraemer-Tietgen freut sich, dass die Mitgliederzahl in ihrem OV Wankendorf über die Jahre konstant geblieben ist. „Wir haben Glück, über Veranstaltungen kommen auch neue Mitglieder zu uns.“ Sandra Retzlaff und ihr Team haben gute Erfahrungen mit Angeboten ohne Mindestteilnehmerzahl gemacht. „Wir fahren auch mit nur fünf los, und es ist egal, aus welchem Dorf sie kommen“, betonte die zweite Vorsitzende des OV Stapelholm.
Neben der Diskussion um Zukunftsperspektiven nutzten viele OV-Vorsitzende die Gesprächsrunden zum Austausch. „Es ist wichtig zu sehen, wie es bei den anderen Vereinen läuft“, sagte Ilona Frenzen, Mitglied im Teamvorstand des OV Bargen-Erfde.
Auch für Claudia Jürgensen, Präsidentin des LandFrauenverbandes Schleswig-Holstein, hat der Austausch hohe Priorität. Die ganztägige Veranstaltung inklusive Mittagessen ist für sie der Kaminabend der LandFrauen. „Es ist kein Beschlussgremium, es geht um die Verbandsarbeit mit unseren Vorhaben für das nächste Jahr“, sagte Claudia Jürgensen. Zudem unterstrich die Präsidentin den hohen Stellenwert der LandFrauen in der Gesellschaft: „LandFrauen sind der Kitt, der dieses Land zusammenhält.“
In Glückstadt fand ein Laternenumzug mit etwa 800 Beteiligten und zwei Spielmannszügen statt. Mittendrin waren drei Martinsreiterinnen aus Elmshorn mit ihren Ponys, die ihre Aufgabe sehr entspannt meisterten.
Traditionell veranstalten die Glückstädter Feuerwehr und die Kirche am Martinstag einen großen Laternenumzug. Sehr engagiert bei der Planung ist Pastor Thomas-Christian Schröder, der eigentlich seit drei Jahren im Ruhestand ist. Er war es auch, der sich dafür einsetzte, dass Sankt Martin auf seinem Pferd beim Umzug dabei sein sollte. Denn der Legende nach teilte der berittene Soldat Martin seinen Mantel in der Mitte, um einem Bettler die Hälfte zu geben. Aus dieser Überlieferung stammt der Brauch, am Martinstag mit Laternen zu laufen und anschließend Gebäck zu teilen.
In Glückstadt begann der Tag mit einem Gottesdienst in der Kirche am Marktplatz, in dessen Rahmen einige Konfirmanden die Martinsgeschichte aufführten. Im Anschluss begann der Umzug durch die Stadt.
„Über eine Reitschülerin kam bei uns die Anfrage, ob wir ein entspanntes Pferd-Reiter-Paar als Sankt Martin hätten“, berichtet Ulrike Dose-Dibbern aus Elmshorn. Sie selbst war schon oft Martinsreiterin. In diesem Jahr überließ sie die Aufgabe ihrer Tochter Iris Dibbern-Schmidt, ihrer Enkelin Lia Schmidt sowie Jolie Pasler. „Wir haben uns für drei Reiterinnen entschieden. Die Ponys sind in der Gruppe einfach ruhiger“, erklärt Dose-Dibbern. Bewusst suchte sie kein Pferd aus, da die Ponys kleinere Schritte machen und daher in einem Umzug mit Kindern besser mithalten können. Eigentlich hätte es ein Schimmel sein sollen, wie in der Überlieferung, aber sie wählte stattdessen einen Palomino, einen Rappschecken und ein weiteres Pony aus. „Wichtiger ist ja, dass die Tiere mit den Anforderungen zurechtkommen“, sagt Dose-Dibbern.
Um 18 Uhr ging es los: Der Spielmannszug zog vornweg, gefolgt von der Feuerwehr mit ihren Fackeln und mit gebührendem Abstand die Ponys. Ulrike Dose-Dibbern begleitete die Vierbeiner zusammen mit einigen Helfern, damit niemand den Ponys zu nah kam. „Die erste größere Herausforderung kam, als wir beim Ratskeller durch einen großen Torbogen in eine kleine Gasse einbiegen sollten. Dort hallte es so“, berichtet die Ausbilderin. Also warteten Reiter und Helfer, bis der Spielmannszug die Gasse wieder verlassen hatte. Am beleuchteten Springbrunnen wurde es noch einmal spannend, aber auch hier blieben die Ponys ganz entspannt.
Für die 800 Laternenläufer gab es an der Feuerwache noch Getränke und Grillwurst. Sankt Martin und seine Helfer ritten zum Supermarktparkplatz um die Ecke, luden dort die Pferde wieder auf und fuhren nach Hause. „Es war wirklich eine sehr schöne Stimmung“, berichtet Dose-Dibbern. Viele Anwohner hätten aus den Fenstern geguckt und gewinkt.
Pastor Schröder hat bereits für das nächste Jahr angefragt. Sollten sie dann passende Pferde haben, sind die Martinsreiterinnen aus Elmshorn gern wieder dabei.
Ein Baum gibt Schatten, mindert in heißen Sommern die Umgebungstemperatur und erhöht die Luftfeuchtigkeit. Bäume versorgen uns durch ihre große Laubmasse mit Sauerstoff und binden Schadstoffe aus der Luft. Früher wurden als Hausbäume oft Linden oder Eichen gepflanzt. Dafür reicht der Platz heute oft nicht mehr aus, zumal ein Hausbaum frei stehen sollte. Nur dann kann er seine typische Form und seinen Charakter entwickeln.
Der Baum muss zum Standort passen: Neben Bodenbeschaffenheit, Untergrund (Tiefgründigkeit), Klima und Lichtverhältnissen ist auch das Mikroklima zu berücksichtigen. In einem geschützten Innenhof können Baumarten gedeihen, die wenige Meter weiter im freien Feld nicht zurechtkämen.
Die Sternmagnolie ‚Leonard Messel‘ kann auch als kleiner Baum gezogen werden. Foto: Anke Brosius
Bei der Auswahl eines passenden Hausbaumes sollte man aber auch die eigenen Vorlieben beachten. Ist ein Baum mit schöner Blüte oder Fruchtschmuck gewünscht oder soll er vor allem im Sommer Schatten spenden? Auch die ganzjährige Attraktivität des Baumes kann ein Kriterium sein. So sind Magnolien während der kurzen Blütezeit eindrucksvoll, das restliche Jahr über wirken sie eher unscheinbar. Wenn das Herz aber beim Anblick einer blühenden Magnolie aufgeht, kann das ein starker Grund dafür sein, dennoch eine Magnolie als Hausbaum zu wählen.
Man sollte sich zudem immer vorstellen, wie der Baum in zwanzig oder dreißig Jahren aussehen wird. Dass sich starkwüchsige Bäume durch Rückschnitt im Wuchs begrenzen ließen, ist ein leider verbreiteter Irrtum. Allenfalls verstümmelt man den Baum. Auch wenn Schattenwurf in heißen Sommern erwünscht ist – wenn eine ausladende Baumkrone vor dem Haus die Zimmer verdunkelt, zumal im Herbst und Winter, sieht es schon anders aus. Auch deshalb ist von Koniferen und anderen wintergrünen Bäumen im nahen Hausbereich eher abzuraten.
Verschiedene Wuchsformen
Die Blüten der Traubenkirsche ‚Alberti‘ duften stark. Foto: Anke Brosius
Viele Gehölzarten wachsen als Strauch oder als kleiner Baum. Wenn man später einen Baum und keinen Großstrauch haben will, sollte man deshalb schon beim Kauf in der Baumschule auf die richtige Wuchsform achten. Eine stammbildende Züchtung für eher kühle Standorte und nicht zu trockene Böden ist die Traubenkirsche (Prunus padus) ‚Albertii‘. Die eiförmige Krone wird 6 bis 8 m hoch und 4 bis 5 m breit. Im April schmückt der Baum sich mit zahlreichen weißen, weithin duftenden Blütentrauben.
Häufig werden kugel- oder säulenförmige Bäume als kleine Hausbäume angeboten. Hierbei handelt es sich in der Regel um schwachwüchsige Formen auf veredelten Hochstämmen. Züchtungen wie der Kugelahorn und der Rotdorn ,Paul’s Scarlet’ entwickeln auch ohne Schnitt eine gleichmäßig runde Krone. Säulenhainbuche oder Säulenulme wachsen zwar schmal, können aber 10 m und höher werden. Der Schatten eines Säulenbaums ist meist nicht breit genug, um darunterzusitzen. Im Alter verlieren Säulenbäume oft ihre Form und entwickeln dann eine breitere Krone.
Eine Eberesche liefert Früchte für Menschen und Vögel. Foto: Anke Brosius
Wildfrüchte für Tier und Mensch
Gehölze mit Nährwert für Vögel und andere Wildtiere sind nicht nur ökologisch wertvoll, sondern geben auch Gelegenheit, die Tiere vom Haus aus zu beobachten. Die orangeroten Früchte der Eberesche (Sorbus aucuparia) sind sowohl bei Vögeln beliebt („Vogelbeere“) als auch zu Marmelade und Likör verwertbar. Attraktiv sind ebenfalls die weiße Blüte im Frühjahr und die gelborangefarbene Herbstfärbung. Ebereschen sind anpassungsfähig und vertragen auch Staunässe. Die anfangs schnell, später langsam wachenden Bäume werden 6 bis 12 m hoch und 4 bis 6 m breit. Kleiner bleibt mit rund 2 m Breite und 5 bis 8 m Höhe die schmalkronige Sorte ‚Fastigiata‘, deren Früchte besonders groß sind.
Felsenbirnen sind als Wildfrucht- und Ziersträucher beliebt. Wenig bekannt ist, dass es auch Baumformen gibt: Die Schnee-Felsenbirne (Amelanchier arborea) ‚Robin Hill‘ kann stammbildend gezogen werden und hat dann eine breit ovale Krone von 3 bis 5 m Breite. Wie andere Felsenbirnenarten zeichnet sie sich durch dichte, weiße Blüten im Frühjahr und prachtvolle Herbstfärbung aus. Der Flachwurzler braucht frisch-feuchten, humosen Boden und kann sonnig oder halbschattig stehen. Die im August reifenden Früchte schmecken wenig aromatisch, bei Vögeln sind sie dennoch beliebt.
Zierpflaumen gehören zu den ersten Blütenbäumen im Frühjahr. Foto: Anke Brosius
Blütenschmuck im Frühjahr
Zu den ersten blühenden Bäumen im Jahr gehört die Blutpflaume (Prunus cerasifera) ‚Nigra‘. Die Blüten sind purpurrosa, Blätter und Früchte dunkelrot bis bräunlichviolett gefärbt. Die kleinen, runden Pflaumen sind essbar und lassen sich zu Marmelade verarbeiten. Der Baum kann 3 bis 6 m breit und bis zu 8 m hoch werden. Blutpflaumen bevorzugen kalkhaltige Böden und wärmere Standorte, sind aber anpassungsfähig. Mit ihren tiefen Wurzeln sind sie trockenheitsresistent, neigen allerdings zur Ausläuferbildung.
Magnolien sind aufgrund ihrer prachtvollen, großen Blüten beliebt. Sie entwickeln eine ausladende Krone und werden im Alter oft breiter als hoch. Die beliebte Tulpenmagnolie (Magnolia x soulangiana) kann 4 bis 8 m Höhe und Breite erreichen. Die Purpurmagnolie (Magnolia liliflora) bleibt mit rund 4 m etwas kleiner. Magnolia stellata, die Sternmagnolie, wird nur 2 bis 3 m hoch und breit, bildet allerdings keinen Stamm, sondern wächst strauchförmig. Die Kreuzung Magnolia x loebneri ‚Leonard Messel‘, deren sternförmige Blüten hellviolett sind, lässt sich auch als kleiner Baum von 3 bis 5 m Höhe und Breite ziehen. Etwas größer wird die weiß blühende ‚Merill‘. Während die meisten Magnolien auf kalkhaltigen Böden zu Chlorose neigen, toleriert M. x loebneri auch leicht alkalische Böden. Alle Magnolien brauchen sehr lockeren und gleichmäßig feuchten Boden.
Kleiner, kompakter Obstbaum: die Mispel Foto: Anke Brosius
Essbare Früchte
Natürlich eignet sich auch ein Obstbaum als Hausbaum. Heutzutage gibt es sogar von Süßkirschen kleinkronige Züchtungen. Bäume auf schwachwüchsiger Unterlage sind allerdings vergleichsweise anfällig und kurzlebig und eignen sich nur für Spalier- oder Buschformen. Eine Unternutzung ist nur bei Hochstämmen möglich. Quitten und Mispeln wachsen von Natur aus kleiner und kompakter. Beide tragen nicht nur essbare Früchte, sondern auch große, zierende Blüten. Während Mispeln sich durch gleichmäßigen Wuchs auszeichnen, wachsen Quitten oft eigenwillig und bizarr.
Ein Maulbeerbaum bleibt auch im Alter klein. Foto: Anke Brosius
Eine malerische, unregelmäßig runde Krone zeichnet den Maulbeerbaum (Morus alba) aus. Auch die großen Blätter sind unregelmäßig gelappt. Obwohl ältere Bäume bis –20 °C winterhart sind, ist ein sonniger, warmer Standort vorteilhaft. Der Boden sollte tiefgründig und möglichst etwas kalkhaltig sein. Morus alba ist aber anpassungsfähig und gedeiht auch auf Sandböden. Die Früchte der Wildform schmecken oft fade, aromatischer sind Züchtungen wie ‚Wellington’ und ,Illinois‘.
Auch Zieräpfel sind essbar. Zierapfelbäume bleiben in allen Teilen zierlicher als großfruchtige Apfelbäume und brauchen anders als diese keinen regelmäßigen Schnitt. Im Frühjahr schmücken sie sich mit je nach Sorte weißen, rosa oder purpurroten Blüten, im Herbst mit zahlreichen roten, gelben oder orangefarbenen Äpfelchen. Die meisten Sorten werden 4 bis 6 m hoch und breit, ‚Evereste‘ und ‚John Downie‘ wachsen etwas schmaler. Zieräpfel sind allgemein robust und anpassungsfähig an den Boden, solange er nicht zu trocken ist.
Die Chinesische Kräuselmyrte wächst mehrstämmig. Fotos: Anke Brosius
Bäume für geschützte Lagen
Die Chinesische Kräuselmyrte (Lagerstroemia indica) wächst mehrstämmig und wird in unseren Breiten meist nicht höher als 3 bis 5 m. An einem geschützten, sonnigen bis halbschattigen Standort ist der Wärme liebende Baum mit platanenähnlicher Rinde das ganze Jahr über attraktiv. Der auffallend schönen, rosa bis roten Blüte im Spätsommer und Frühherbst folgt eine leuchtende Herbstfärbung. Die Kräuselmyrte braucht durchlässigen, nicht zu schweren Boden und ist bis etwa –12 °C frosthart.
Cercis siliquastrum, der Judasbaum, verbreitet an warmen, geschützten Standorten mediterranes Flair. Frostempfindlich sind vor allem junge Bäume. Mit seinen schönen, purpurrosa Blüten im Frühjahr am mehrjährigen Holz und auch direkt an älteren Stämmen (Cauliflorie) und herzförmigen Blättern ist der Judasbaum etwas Besonderes. Der Tiefwurzler verträgt Hitze und Trockenperioden und eignet sich mit nur 3 bis 5 m Höhe und Breite auch für sonnige Innenhöfe.
Beim Judasbaum wachsen die Blüten direkt am Holz. Foto: Anke Brosius
Der Papiermaulbeerbaum (Broussonetia papyrifera), der 4 bis 5 m hoch wird, braucht neben einem warmen Standort durchlässigen, nicht zu sauren Boden. Sowohl die jungen Blätter wie auch die dekorativen Früchte im Spätherbst sind essbar. Aus dem Bast wurde in Asien früher tatsächlich Papier hergestellt.
Ein Amberbaum ist zu allen Jahreszeiten attraktiv. Foto: Anke Brosius
Bäume für etwas größere kleine Gärten
Durch schönen, gleichmäßigen Wuchs und eine eindrucksvolle Herbstfärbung zeichnet sich der Amberbaum (Liquidambar styraciflua) aus. Im Winter sind die Korkleisten an den älteren Trieben eine Zierde. Der besonders anfangs langsam wachsende Baum kann im Alter 10 bis 20 m hoch und 6 bis 12 m breit werden. In warmer, sonniger Lage ist der Amberbaum ein sehr schöner Hausbaum für größere Vorgärten. Unempfindlicher gegen Kälte und Nässe ist die Sorte ‚Worplesdon‘, die auch etwas kleiner bleibt.
Auch der Eisenholzbaum gehört mit 6 bis 10 m Wuchshöhe und -breite schon zu den größeren „Kleinen“. Nur halb so breit wird die Sorte ‚Vanessa‘. Das Zaubernussgewächs zeichnet sich durch sehr frühe Blüte noch vor dem Laubaustrieb, schönes Laub mit anhaltender Herbstfärbung und eine besonders im Alter interessante Borke aus. Eisenholzbäume sind Wärme liebend, aber anpassungsfähig und frosthart, junge Bäume können etwas empfindlicher sein.
Auf jeden Fall sollte man sich für die Auswahl eines Hausbaumes ausreichend Zeit nehmen. Schließlich trifft man damit eine Entscheidung für mindestens die nächsten Jahrzehnte, denn auch kleinere Bäume können ein stattliches Alter erreichen. Ein Zierapfelbaum kann bei guter Pflege 80 bis 100 Jahre alt werden, ein Maulbeerbaum sogar bis zu 1.000 Jahre.
Der Eisenholzbaum zeigt eine schöne Herbstfärbung. Foto: Anke Brosius