Die neue dänische Mitte-Links-Regierung hat in ihrem am 2. Juni vorgestellten Regierungsprogramm angekündigt, die dänische Landwirtschaft insgesamt ökologischer, nachhaltiger und tierwohlfreundlicher ausrichten zu wollen. Auch die dänische Schweinebranche, bisher ein verlässlicher Ferkellieferant für deutsche Mäster, soll radikal umgestellt werden, denn in dem Programm wird auch ein Ende der exportorientierten Schweinehaltung als politisches Ziel verkündet. Diese soll so umgebaut werden, dass vorrangig Tiere aufgezogen werden, die in der dänischen Lebensmittelversorgung genutzt oder vor dem Export im eigenen Land gemästet und geschlachtet werden. Damit will die Politik auch heimische Arbeitsplätze in den Schlachthöfen und der Verarbeitung sichern. Der Export lebender Ferkel soll dagegen künftig massiv gedrosselt werden. Derzeit werden rund 16,7 Millionen Ferkel pro Jahr exportiert, mehr Tiere, als im eigenen Land gemästet werden.
Verschärfte Auflagen bis 2030
Um den Umbau der Landwirtschaft zu forcieren, plant die Regierung drastische Maßnahmen: das Landwirtschaftsministerium wurde schon aufgelöst, zuständig ist nun das neue Ministerium für Natur und Tierschutz. Auch eine CO2-Steuer in der Tierhaltung soll eingeführt werden. Ebenso soll ein vorübergehendes Bauverbot für neue konventionelle Schweineställe erlassen werden, dies gilt auch für Erweiterungen bestehender Betriebe. Die Regierung plant zudem eine massive Verschärfung der Tierschutzregeln. Bis 2030 soll ein vollständiges Verbot des Schwanzkupierens durchgesetzt werden. Zudem soll die Fixierung von Sauen im Abferkelbereich komplett abgeschafft, die Absetzzeit auf mindestens vier Wochen festgelegt und deutlich mehr Platz in den Buchten vorgeschrieben werden.
Vierparteien-Runde zur Zukunft der Schweinehaltung
Von einer Runde, der neben der Regierung auch die Landwirtschaft, dazu Natur-, Tier- und Umweltorganisationen sowie die Sozialpartner des Lebensmittelgewerbes angehören, soll innerhalb eines halben Jahres erarbeitet werden, wie die Schweinehaltung in Richtung ökologischer Produktion und eines geringeren Antibiotikaverbrauchs umgebaut werden kann. Falls dies nicht gelingt, will die Regierung selbst den Umbau durchführen. Der dänische Verband der Schweineerzeuger Danske Svineproducenter warnt davor, dass eine Beschränkung der Exporte keineswegs dazu führen würde, dass die Ferkel stattdessen in Dänemark gemästet werden. Stattdessen würde die Produktion einfach verschwinden. In den vergangenen Jahren sind bereits große dänische Schlachthöfe geschlossen worden, vor allem wegen hoher Lohnkosten im Vergleich zu Ländern wie Spanien. Die oben genannten Auflagen wirken zusätzlich kostensteigernd, verringern die Wettbewerbsfähigkeit weiter.
Konsequenzen für Deutschland
Der deutsche Ferkelbedarf wird nur zu knapp 80 % aus eigener Produktion gedeckt, der Rest wird aus Holland und Dänemark importiert. Zukünftig wird ein weiterer Rückgang der Ferkelerzeugung in Deutschland erwartet, da viele Betriebe aufgrund neuer Haltungsanforderungen aufgeben, dann wird das Ferkeldefizit noch größer. 2024 wurden zur Deckung 7,43 Millionen Ferkel aus Dänemark importiert, Basis für jedes sechste deutsche Mastschwein. Auch Polen zum Beispiel importierte 2024 zirka 7,3 Millionen Stück und ist damit der zweite große Abnehmer von dänischen Ferkeln. Für die deutschen (und polnischen) Schweinemäster sind die geplante Änderungen in Dänemark sehr kritisch. Ein massiver Rückgang des dänischen Ferkelangebotes würde die hiesigen Schweinehalter vor enorme existentielle Herausforderungen stellen.




