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Ziemlich dicke Freunde

Landwirte mit ungewöhnlichen Hobbys, Teil 7: Volker Bielfeldt fährt Hunderennen
Von Tonio Keller
Volker Bielfeldt hat Pepe für einen Demonstrationslauf angeschirrt.  Fotos: Tonio Keller

Resilienz nennt man die Widerstandskraft gegen Belastungen, Krisen und Schicksalsschläge. Unterstützen kann dabei eine Beschäftigung abseits vom Beruf, die Freude bereitet, den Kopf frei macht und Kraft schöpfen lässt. Das Bauernblatt hat Landwirte und Landwirtinnen mit ungewöhnlichen Hobbys befragt. Heute: Volker Bielfeldt aus Klein Wittensee fährt Hunderennen.

„Geh‘n wir Fahrradfahren?“ Volker Bielfeldt spricht es beiläufig aus, aber sofort steht Pepe auf und wedelt mit dem Schwanz. Dabei wird das heute noch nicht einmal ein Training, sondern nur eine kurze Demonstrationsfahrt für den Bauernblatt-Reporter. Denn der zehnjährige Rüde Pepe, eine Deutsch-Kurzhaar-Deutsch-Drahthaar-Mischung, ist nicht mehr gesund genug für den Zughundesport. „Erst kam Corona, dann war er krank“, erklärt Bielfeldt. Traurig für Mensch wie für Hund! Eigentlich hätte es oben heißen müssen, „er fuhr Hundrennen“, aber wer weiß, was künftig noch sein wird!

Der 61-jährige Volker Bielfeldt, der in der Außenlage von Klein Wittensee im Kreis Rendsburg-Eckernförde wohnt, ist Landwirt im Ruhestand. Er betrieb Schweinemast mit rund 1.500 Tieren und bewirtschaftete 80 ha Acker. Vor 15 Jahren gab er schon einen Teil seines Betriebes an seinen Sohn Hendrik ab, 2020 den Rest.

Der Hund an seiner Seite

Der Hund zieht, anders als bei einem normalen Fahrradspaziergang, das Rad.

Mindestens einen Hund gab es schon immer in seiner Familie – Hofhunde, die eben so mitliefen und eher auf seine Frau geprägt waren. 2014 aber schaffte er sich einen Hund an, den er an seiner Seite haben wollte – ebendiesen Pepe, der auch jetzt beim Gespräch an seiner Seite liegt. „Das war erst noch nicht sportlich gedacht, sondern als Begleitung.“

Doch damit war Pepe nicht ausgelastet. „Er ist ein Jagdhund, aber ich bin kein Jäger“, erklärt Bielfeldt. Er ging mit ihm zur Hundeschule für allgemeine Erziehung und Kontakte mit anderen Hunden, für Leinenführigkeit und Nasenarbeit. Dabei werden auch Parcours gelaufen, und da sprach ihn die Trainerin auf den Zughundesport an. „Probieren Sie doch mal, ob er ziehen mag!“ Und das mochte er.

Bielfeldt wurde Mitglied im Norddeutschen Schlittenhunde Club (NSC) in Gettorf und besuchte ein Seminar für Hundeführer – sie werden Musher genannt –, wo er Tipps für Training, technische Ausrüstung und Regeln für die Rennen lernte. Er übte mit dem Hund die Kommandos ein – rechts, links, Stop, „das mussten wir etwa ein Jahr lang trainieren“. Dann erst ging es auf Rennen, etwa drei Mal im Jahr im norddeutschen Raum bis nach Nordrhein-Westfalen, 2019 auch einmal zur Deutschen Meisterschaft in Niedersachsen. „Da lag ich im guten Mittelfeld und war sehr zufrieden.“

Ab die Post!

Bielfeldt startete in der Klasse Bikejöring, da zieht der Hund das Fahrrad. „Das ist anders als wenn man mit dem Hund an der Seite Fahrrad fährt“, erklärt er. Als Gefährt tut es ein gutes Mountainbike. Die Rennen gehen über eine Strecke von 5 bis 6 km in zwei Läufen, einer am Sonnabend und einer am Sonntag – der Hund darf sie vorher nicht kennen. Die Rennen werden in Bestzeiten von etwa 10 min durchlaufen. Neben Bikejöring gibt es noch die Disziplinen Canicross, wo der Hundeführer läuft, Dogscootering für spezielle Roller und Gespannfahren mit Wagen oder Schlitten und mehreren Zughunden. Bielfeldt betrieb nur die Disziplin mit dem Fahrrad. Außerdem wird in verschiedenen Altersklassen der Hundeführer gestartet, „Ü 40 ist meine Klasse“. Um die 100 Teams nehmen an kleineren Rennen teil, bis zu 300 an den größeren.

Und dann geht die Post ab! Gestartet wird im Abstand von 2 min. Bielfeldt zeigt ein Kurzvideo: Pepe ist schon ganz aufgeregt, er hat die Vorgängerhunde in der Nase und strebt wie wild hinterher.

Wichtiger als Futter

Das wurde natürlich zu Hause geübt, auf den Feldwegen und kleinen Straßen, drei bis viermal in der Woche für je eine halbe bis ganze Stunde. Da Bielfeldt damals noch viel auf dem Feld war, fand das abends statt, „und Pepe hat schon darauf gewartet. Wichtiger als das Futter war für ihn, dass ich was mit ihm unternehme.“ Zeitkonflikte mit der Landwirtschaft gab es auf diese Weise nicht. Die Abendstunden, der frühe Morgen oder der Winter sind ohnehin gut geeignet für das Training, weil es für langhaarige Hunde bei Anstrengung höchstens 15 °C warm sein darf.

„Wenn ich da unterwegs bin, kann ich mich richtig entspannen“, sagt Bielfeldt, „ich bin gern in der Natur, der Hund ist gern in der Natur.“ Ein Renn-Wochenende sei eine Auszeit mit Geselligkeit und sozialen Kontakten, bei denen man mal ganz andere Leute kennenlerne.

Letztlich betrug seine Wettkampfzeit nur vier Jahre, aber die war prägend. Sie habe die Beziehung zu seinem Hund enorm vertieft. Ob er sich noch mal einen neuen Rennsporthund anschafft? „Vielleicht“, meint er, „aber Pepe und ich haben so ein dickes Verhältnis, womöglich wird er neidisch.“

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